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Bundesverwaltungsgericht 03.01.2012 D-109/2010

3. Januar 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,888 Wörter·~14 min·2

Zusammenfassung

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 2. Dezember 2009

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­109/2010 law/bah Urteil   v om   3 .   J a nua r   2012 Besetzung Richter Walter Lang (Vorsitz), Richterin Christa Luterbacher,  Richterin Claudia Cotting­Schalch, Gerichtsschreiber Christoph Basler. Parteien A._______, geboren am (…), Syrien, vertreten durch Christian Hoffs, Rechtsberatungsstelle für  Asylsuchende St. Gallen / Appenzell,  (…), Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,   Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 2. Dezember 2009 / N (…).

D­109/2010 Sachverhalt: A.  A.a Der Beschwerdeführer, ein ethnischer Araber mit letztem Wohnsitz in  B._______,  verliess  Syrien  eigenen  Angaben  gemäss  am  25. Februar  2009 und gelangte am 19. März 2009 in die Schweiz, wo er gleichentags  um Asyl nachsuchte. A.b  Bei  der  Erstbefragung  vom  25. März  2009  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum Kreuzlingen sagte er aus, er sei christlichen Glaubens  und habe an der Universität eine muslimische Kollegin kennengelernt,  in  die  er  sich  verliebt  habe.  Sie  hätten  über  ein  Jahr  lang  eine  sexuelle  Beziehung gehabt, was gegen die Tradition verstosse. Die Eltern seiner  Freundin  hätten  Anfang  2009  davon  erfahren  und  gesagt,  er  habe  ihre  Familienehre  beschmutzt.  Eines  Tages  habe  ihr  Bruder  zusammen mit  einem seiner Verwandten das Haus seiner Familie angegriffen. Sie seien  bewaffnet  gewesen  und  hätten  ihn  töten  wollen,  weshalb  er  sich  entschieden  habe,  seine  Heimat  zu  verlassen.  Seine  Mutter  und  sein  Bruder hätten das Haus ebenfalls verlassen. A.c Am 3. April  2009 wurde der Beschwerdeführer  vom BFM zu seinen  Asylgründen  angehört.  Dabei  machte  er  im  Wesentlichen  geltend,  er  habe  sich  an  der  Universität  von  B._______  mit  einer  muslimischen  Mitstudentin angefreundet. Mit der Zeit sei daraus eine Liebesbeziehung  entstanden.  In  der  orientalischen  Gesellschaft  sei  die  Jungfräulichkeit  eines  Mädchens  etwas  Heiliges.  In  ihrem  Fall  sei  die  unterschiedliche  Religionszugehörigkeit  ein  zusätzliches  Problem.  Als  die  Eltern  seiner  Freundin  von  der  Beziehung  erfahren  hätten,  hätten  seine  Schwierigkeiten begonnen. Zwei Angehörige des Mädchens seien zu ihm  nach Hause gekommen, um  ihn zu  töten. Als  sie  ihn nicht  vorgefunden  hätten,  hätten  sie  seiner  Mutter  gesagt,  sie  würden  ihn  überall  finden.  Seine  Mutter  habe  ihn  kontaktiert  und  ihm  gesagt,  er  solle  nicht  mehr  nach Hause kommen, weshalb er bei seiner Tante geblieben sei. Er habe  letztmals Ende Januar 2009 mit seiner Freundin telefonisch gesprochen.  Sie habe  ihm mitgeteilt,  ihre Eltern  seien über  ihr Verhältnis  im Bild. Er  habe zusammen mit seiner Freundin  fliehen wollen, habe sie aber nicht  mehr erreichen können. A.d Am 23. April 2009 führte ein vom BFM beauftragter Experte mit dem  Beschwerdeführer  ein  Telefongespräch,  aufgrund  dessen  er  eine  Herkunftsanalyse  (LINGUA)  vornahm.  In  seinem  Bericht  vom  12. Mai 

D­109/2010 2009 gelangte er zum Schluss, dass der Beschwerdeführer eindeutig  in  Syrien sozialisiert worden sei. A.e  Das  BFM  wandte  sich  am  14. Juli  2009  an  die  Schweizerische  Botschaft  in  Damaskus  und  ersuchte  diese  um  die  Vornahme  von  Abklärungen in Syrien. A.f  Am  13. September  2009  übermittelte  die  Botschaft  die  Ergebnisse  ihrer Abklärungen. A.g  Das  BFM  setzte  den  Beschwerdeführer  mit  Schreiben  vom  5. November  2009  von  seinen  Abklärungen  und  den  Ergebnissen  derselben  in  Kenntnis.  Das  Schreiben  wurde  von  der  Post  mit  dem  Vermerk "Nicht abgeholt" an das BFM zurückgesandt. B.  B.a  Mit  Verfügung  vom  2. Dezember  2009  stellte  das  BFM  fest,  der  Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte das  Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte es die Wegweisung aus der Schweiz  und  ordnete  den  Vollzug  der  Wegweisung  an.  Diese  Verfügung  wurde  von  der  Post  mit  dem  Vermerk  "Nicht  abgeholt"  an  das  BFM  zurückgesandt. B.b  Am  15. Dezember  2009  wandte  sich  der  Rechtsvertreter  des  Beschwerdeführers  an  das  BFM  und  ersuchte  dieses,  den  Entscheid  nochmals  zu  eröffnen.  Der  an  seinen  Mandanten  –  der  keine  Abholungseinladung  erhalten  habe  –  adressierte  Entscheid  sei  wahrscheinlich von der Post retourniert worden. Am Gebäude, in dem er  lebe, sei kein Briefkasten mit Namensschildern angebracht. Dort würden  vier  Asylsuchende  leben.  Sehr  wahrscheinlich  habe  eine  der  anderen  Personen  die  Abholungseinladung  an  sich  genommen,  ohne  den  Beschwerdeführer zu informieren. B.c Das BFM teilte dem Rechtsvertreter am 24. Dezember 2009 mit, es  erachte die Verfügung vom 2. Dezember 2009 als rechtsgültig zugestellt. C.  Mit  Eingabe  seines  Rechtsvertreters  vom  8. Januar  2010  liess  der  Beschwerdeführer beim Bundesverwaltungsgericht gegen den Entscheid  des BFM vom 2. Dezember 2009 Beschwerde erheben und beantragen,  die  angefochtene  Verfügung  sei  aufzuheben  und  es  sei  die  Flüchtlingseigenschaft anzuerkennen und Asyl zu gewähren. Eventualiter 

D­109/2010 seien die Unzulässigkeit  und Unzumutbarkeit  des Wegweisungsvollzugs  festzustellen.  In  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  liess  er  zudem  beantragen,  es  sei  die  unentgeltliche  Rechtspflege  zu  gewähren,  insbesondere  sei  von  der  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  abzusehen. D.  D.a  Mit  Zwischenverfügung  vom  15. Januar  2010  hiess  der  Instruktionsrichter  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  gemäss  Art. 65  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021)  gut,  unter  der  Voraussetzung,  dass  der  Beschwerdeführer  innerhalb  angesetzter  Frist  eine  Fürsorgebestätigung  einreiche  sowie  unter  Vorbehalt der Veränderung der finanziellen Lage des Beschwerdeführers.  Gleichzeitig  forderte  er  den  Beschwerdeführer  auf,  bis  zum  1. Februar  2010 eine Fürsorgebestätigung einzureichen oder einen Kostenvorschuss  von  Fr. 600.–  zu  leisten,  verbunden  mit  der  Androhung,  auf  die  Beschwerde werde nicht eingetreten, wenn die Fürsorgebestätigung oder  der Kostenvorschuss nicht innert Frist eingereicht werde. D.b Mit Eingabe  vom 19. Januar  2010  liess  der Beschwerdeführer  eine  Bestätigung betreffend Sozialhilfe vom 12. Januar 2010 einreichen. E.  E.a Am 22. Januar 2010 übermittelte der Instruktionsrichter die Akten zur  Vernehmlassung an das BFM.  E.b  Das  BFM  beantragte  in  seiner  Vernehmlassung  vom  10. Februar  2010 die Abweisung der Beschwerde. E.c Der Beschwerdeführer liess in seiner Stellungnahme vom 24. Februar  2010 an seinen Anträgen festhalten und beantragen, es sei ihm teilweise  Einsicht in die LINGUA­Analyse zu gewähren. E.d  Mit  Zwischenverfügung  vom  3. März  2010  setzte  der  Instruktionsrichter  den  Beschwerdeführer  vom  interessierenden  Teil  der  LINGUA­Analyse  in  Kenntnis  und  gewährte  ihm  Frist  zur  Einreichung  einer ergänzenden Stellungnahme. E.e  Am  9. März  2010  liess  der  Beschwerdeführer  eine  ergänzende  Stellungnahme einreichen.

D­109/2010 F.  Mit Eingabe vom 10. Mai 2010 reichte die Sozialberatung der Gemeinde  C._______  betreffend  den  Beschwerdeführer  ein  ärztliches  Attest  von  Dr. med.  D._______,  Facharzt  allgemeine  Medizin  FMH,  vom  23. April  2010  ein.  Am  17. Mai  2010  teilte  dieselbe  Behörde  mit,  der  Beschwerdeführer habe sich zu einer therapeutischen Sitzung zusammen  mit  seinem  Sozialberater  ins  Psychiatrische  Zentrum  E._______  begeben. G.  Mit Eingabe vom 8. März 2011 reichte die Sozialberatung der Gemeinde  C._______ mehrere Bestätigungen über (ehrenamtliche) Tätigkeiten des  Beschwerdeführers ein. H.  Mit  Zwischenverfügung  vom  8. August  2011  ordnete  der  Instruktionsrichter einen weiteren Schriftenwechsel an. I.  Mit Verfügung vom 21. September 2011 hob das BFM die Ziffern 3 und 4  (recte 4 und 5) des Dispositivs der Verfügung vom 2. Dezember 2009 auf  und  ordnete  zufolge  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  die  vorläufige Aufnahme des Beschwerdeführers an. J.  Mit  Verfügung  vom  4. Oktober  2011  gab  der  Instruktionsrichter  dem  Beschwerdeführer  die  Gelegenheit,  bis  zum  15. Oktober  2011  mitzuteilen,  ob  er  angesichts  der  vom  BFM  angeordneten  vorläufigen  Aufnahme  an  der  Beschwerde  festhalten  oder  diese  –  soweit  nicht  gegenstandslos  geworden  –  zurückziehen wolle.  Zudem wurde  ihm  die  Möglichkeit zur Einreichung einer Kostennote gewährt. K.  Mit  Eingabe  seines  Rechtsvertreters  vom  14. Oktober  2011  liess  der  Beschwerdeführer  mitteilen,  er  halte  an  seiner  Beschwerde  fest.  Der  Eingabe lag eine Kostennote vom selben Tag bei. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 

D­109/2010 1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde, es  entscheidet  im  Bereich  des  Asyls  in  der  Regel  –  so  auch  vorliegend –  endgültig  (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni 1998  [AsylG,  SR 142.31];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).  1.2. Die Beschwerde ist frist­ und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 1  AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art. 37  VGG  und  Art. 48  Abs. 1).  Auf  die  Beschwerde ist einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.   3.1.  Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Als  Flüchtling  wird  eine  ausländische  Person  anerkannt,  wenn  sie  in  ihrem  Heimatstaat  oder  im  Land,  in  dem  sie  zuletzt  wohnte,  wegen  ihrer Rasse, Religion, Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen  Anschauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete  Furcht  hat,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden.  Als  ernsthafte  Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder  Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck  bewirken (Art. 3 AsylG). 3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender 

D­109/2010 Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7  AsylG). 4.   4.1.  Das  BFM  führt  zur  Begründung  seiner  Verfügung  aus,  der  Beschwerdeführer  habe  bei  der Erstbefragung  behauptet, wer  in Syrien  nicht  Militärdienst  geleistet  habe,  erhalte  keinen  Pass.  Gemäss  Botschaftsauskunft  könne  er  indessen  einen  Pass  haben.  Er  habe  erst  am  Schluss  der  Anhörung  geltend  gemacht,  die  syrischen  Behörden  könnten  seine  Flucht  ins  Ausland  als  Fahnenflucht  werten.  Dieses  Vorbringen  habe  er  bei  der  Erstbefragung  nicht  erwähnt.  In  einem  solchen Fall läge keine Verfolgung im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG vor,  weil  eine  diesbezügliche  staatliche  Massnahme  der  Durchsetzung  staatsbürgerlicher Pflichten diene. Er habe geltend gemacht, er sei ohne  irgendwelche Grenzkontrollen  nach Europa und  in  die Schweiz  gelangt;  diese  Behauptung  sei  angesichts  der  rigiden  Kontrollen  an  den  Schengen­Aussengrenzen  realitätsfremd.  Hinsichtlich  seiner  Liebesbeziehung habe er angegeben, das Zusammensein mit seiner auf  dem Campus  lebenden Freundin  und Geliebten  sei  problemlos möglich  gewesen. Dennoch  hätten  sie  sich  nicht  auf  dem Campus,  sondern  bei  ihm  zu  Hause  getroffen,  obwohl  seine  Eltern  nicht  von  der  Beziehung  hätten  erfahren  dürfen.  Er  habe  sich  mehrmals  bitten  lassen,  seine  Asylgründe  darzulegen.  Das  intime  Beisammensein  habe  er  substanz­  und emotionslos geschildert. Seine Kenntnisse der griechisch­orthodoxen  Kirche, der er anzugehören vorgebe, seien äusserst dürftig, was er unter  mehrmaligem Hinweis auf seinen Laizismus zu kaschieren versuche. Er  habe im Laufe des Verfahrens zu wesentlichen Punkten unterschiedliche  Angaben  gemacht,  so  dass  die  Vorbringen  als  widersprüchlich  zu  taxieren  seien  und  sich  insgesamt  als  Sachverhaltskonstrukt  erweisen  würden. 4.2. In der Beschwerde vom 8. Januar 2010 wird demgegenüber geltend  gemacht,  jemand,  der  keinen  Militärdienst  leiste,  könne  in  Syrien  nur  dann  einen  Pass  erhalten,  wenn  er  einen  Arbeitsvertrag  oder  eine  Zulassung zu einer ausländischen Universität vorweisen könne. Dies sei  nachvollziehbar,  da  männliche  Syrer  der  Wehrpflicht  unterstünden  und 

D­109/2010 Dienstverweigerung strafbar sei. Diese solle unterbunden werden, indem  an  Männer  vor  Absolvierung  des  Militärdienstes  nur  ausnahmsweise  Pässe  ausgestellt  würden.  Konsequenterweise  sei  in  Syrien  die  illegale  Ausreise  strafbar.  Die  illegale  Ausreise  des Beschwerdeführers  betreffe  die  Frage  subjektiver  Nachfluchtgründe,  welche  im  Zusammenhang mit  der Zulässigkeit  des Wegweisungsvollzugs aufgrund des Vorliegens der  Flüchtlingseigenschaft  relevant  werde  und  von  ihm  daher  zur  richtigen  Zeit geltend gemacht worden sei. Der Vorwurf, er habe die Fahnenflucht  bei der Erstbefragung nicht erwähnt, sei absurd, da er nicht aus diesem  Grund  ausgereist  sei.  Er  sei  durch  einen  Schlepper  in  den  Schengen­ Raum geschleust worden. Es sei bekannt, dass Istanbul Ausgangsort für  zahlreiche  illegale  Einreisen  mithilfe  von  Schleppern  sei.  Aus  den  Aussagen  des  Beschwerdeführers  gehe  hervor,  dass  das  problemlose  "Zusammensein"  von  Studenten  auf  dem  Campus  etwas  gänzlich  anderes  sei  als  das,  was  er  und  seine  Geliebte  im  Haus  seiner  Eltern  getan  hätten.  Es  sei  nachvollziehbar,  dass  dies  im  Haus  der  Eltern  geschehen sei, da die Gefahr einer Entdeckung sexueller Aktivitäten auf  dem Campus  von  ihm  als  höher  eingeschätzt  worden  sei.  Der  Zugang  zum  Wohnraum  der  Studentinnen  sei  für  männliche  Studenten  ausdrücklich  untersagt.  Das  BFM  habe  ihn  zu  seinem  ersten  intimen  Treffen mit seiner Geliebten nicht vertieft befragt und die Frage 89 könne  mehrdeutig  interpretiert  werden.  Es  bleibe  unklar,  ob  das  BFM  die  Organisation  der  Zusammenkunft  oder  die  konkrete  Durchführung  derselben meine. Sollte die Durchführung gemeint sein, sei klar, dass er  Hemmungen gezeigt habe, darüber zu berichten. Die Behauptung, seine  Kenntnisse  der  griechisch­orthodoxen Kirche  seien  äusserst  dürftig  und  er  versuche  dies  durch  mehrmaligen  Hinweis  auf  seinen  Laizismus  zu  kaschieren,  sei  unzulässig,  da es  kausal  sei,  dass man bei  laizistischer  Grundeinstellung  und  persönlicher  Distanz  zur  anerzogenen  Religionszugehörigkeit  seiner  Kindheit  "dürftige  Kenntnisse"  habe.  Was  das BFM damit meine, er habe im Laufe des Verfahrens zu wesentlichen  Punkten unterschiedliche Angaben gemacht, bleibe nach Durchsicht der  (angegebenen)  Passagen  unklar.  Es  sei  fraglich,  ob  dieses  pauschale  Abtun von Antworten der notwendigen Begründungspflicht standhalte.  Das BFM sei  seiner Untersuchungspflicht  bezüglich der Vorbringen des  Beschwerdeführers  nicht  nachgekommen.  Er  habe  keinen  staatlichen  Schutz  vor  den  befürchteten  Übergriffen  durch  Dritte  in  Anspruch  genommen.  Er  sei  nicht  zur  Polizei  gegangen,  weil  er  aufgrund  traditioneller  Gesellschaftsnormen  und  seiner  gesellschaftlichen  Zuordnung zur christlichen Religionszugehörigkeit keinen Schutz vor dem 

D­109/2010 drohenden  Ehrenmord  erhalten  hätte.  Diesen  asylrechtlich  relevanten  Punkt  habe  das  BFM  nicht  erfragt.  Es  sei  somit  bezüglich  der  Schutztheorie seiner Untersuchungspflicht nicht nachgekommen. 4.3. Das BFM führt in seiner Vernehmlassung vom 10. Februar 2010 aus,  hinsichtlich  der  Mitwirkungspflicht  sei  festzuhalten,  dass  der  Beschwerdeführer  dieser  nicht  nur  bezüglich  des  Schriftverkehrs,  sondern auch der Papierbeschaffung nicht nachgekommen sei. So habe  er  anfänglich  zur  jedem  syrischen  Staatsangehörigen  bekannten  Familiennummer  Unkenntnis  vorgetäuscht  und  dann  erklärt,  diese  so  rasch  als  möglich  zu  beschaffen.  Demgegenüber  habe  er  bei  der  Anhörung erklärt, er wisse die Nummer nicht auswendig. Er sei auch der  mehrmaligen Aufforderung, seine in Syrien verbliebene Identitätskarte zu  beschaffen,  nicht  nachgekommen.  Gemäss  den  Abklärungen  der  Schweizerischen  Botschaft  hätte  er  einen  Pass  erhalten  können,  was  insofern  auch  nicht  im  Widerspruch  zur  Beschwerde  stehe,  als  der  Beschwerdeführer – obwohl im militärdienstpflichtigen Alter – als Student  vom Dienst  suspendiert  gewesen  sei.  Allerdings  stehe  seiner  Aussage,  aufgrund  der  nun  ausbleibenden  Bescheinigung  seines  Status  als  Student  werde  er  gesucht,  die  anderslautende  Abklärung  der  Botschaft  entgegen.  Es  sei  zutreffend,  dass  der  Beschwerdeführer,  wäre  der  Militärdienst  kein  Gesuchsgrund,  diesen  auch  nicht  hätte  nennen  müssen. Dass er ihn indessen genannt habe, zeige, dass diese Nennung  nur  vermeintlich  "kein  Grund"  gewesen  sei.  Es  liege  vielmehr  der  Verdacht nahe, dass der Wille, keinesfalls Militärdienst leisten zu wollen,  wohl  wichtiger  gewesen  sei,  als  der  Beschwerdeführer  habe  glauben  machen wollen. Die Aussage, er habe die Grenzen  illegal überquert, sei  nicht  zugunsten seiner Glaubwürdigkeit  zu werten,  sondern als  logische  Folge  seines  Bemühens  zu  betrachten,  dem  BFM  rechtsgenügliche  Reise­  und/oder  Identitätspapiere  vorzuenthalten.  Er  habe  keine  Bereitschaft  erkennen  lassen,  seine  Identität  mittels  Abgabe  seiner  in  Syrien  verbliebenen  Identitätskarte  offenzulegen,  sondern  habe  offen  zugegeben,  diesbezüglich  nichts  unternommen  zu  haben.  Zudem  lasse  die  detaillierte  Kenntnis  des  Beschwerdeführers  hinsichtlich  syrischer  Ausweispapiere vermuten, er sei auch im Besitz eines Passes gewesen.  Der  Hinweis  des  Beschwerdeführers,  die  sexuellen  Zusammenkünfte  seien geplant worden und hätten in einem über einen separaten Zugang  verfügenden Raum stattgefunden, machten den Umstand nicht plausibler,  dass er das Haus seiner Eltern, die davon nichts hätten erfahren dürfen,  einer anderen Örtlichkeit vorgezogen habe. Er scheine es unterlassen zu  haben,  die  angegebenen  Passagen  in  der  Anhörung  mit  den 

D­109/2010 entsprechenden  Aussagen  bei  der  Erstbefragung  zu  vergleichen,  andernfalls  ihm hätte  klar werden müssen, was widersprüchlich  sei. Da  seine  Vorbringen  den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit  nicht  standhielten, müsse deren Relevanz nicht geprüft werden. 4.4.  In der Stellungnahme vom 24. Februar 2010 wird geltend gemacht,  der  Beschwerdeführer  habe  bei  der  Erstbefragung  erst  nach  genauerer  Umschreibung verstanden,  dass das BFM nach seiner Familiennummer  gefragt  habe,  weil  der  Dolmetscher  einen  anderen  Begriff  verwendet  habe. Es erscheine unverständlich, dass das BFM  ihm anlaste, er habe  Unkenntnis  über  seine  Familiennummer  vorgetäuscht.  Er  kenne  die  Bedeutung  des  Begriffs,  die  genaue  Zahlenfolge  sei  ihm  aber  nicht  bekannt.  Es  sei  plausibel,  dass  er  sich  mit  einer  jungen  Frau  in  den  eigenen  vier  Wänden  getroffen  habe;  er  habe  die  Gefahr  einer  Entdeckung  abgewogen  und  die  Konsequenzen  bei  Entdeckung  durch  Drittpersonen  für erheblicher gehalten. Das BFM habe  im Entscheid die  angeblichen Widersprüche  konkret  zu  benennen  und  zu  begründen.  Es  sei  nicht  Aufgabe  des  Beschwerdeführers,  seine  Aussagen  nach  Widersprüchen zu durchsuchen. In  der  ergänzenden  Stellungnahme  vom  9. März  2010  wird  darauf  hingewiesen,  dass  Kenntnisse  über  die  Farbe  des  Passes  und  das  Hoheitszeichen  Syriens  keine  "detaillierten  Kenntnisse"  seien.  Der  Beschwerdeführer habe als Kind den Pass seines Vaters gesehen. Aus  seinen Aussagen könne nicht geschlossen werden, er habe selbst einen  Pass besessen. 5.  5.1. Hinsichtlich der formellen Rüge des Beschwerdeführers, das BFM sei  bezüglich  der  Frage  der  Schutzfähigkeit  und  ­willigkeit  des  syrischen  Staates  seiner  Untersuchungspflicht  nicht  nachgekommen,  ist  festzustellen,  dass das BFM die Vorbringen des Beschwerdeführers  als  unglaubhaft erachtete. Vor diesem Hintergrund erübrigten sich aus Sicht  der  Vorinstanz  weitergehende  Abklärungen  zur  Frage,  ob  dem  Beschwerdeführer  seitens  der  syrischen  Behörden  in  der  vorliegend  geltend  gemachten  Konstellation  Schutz  vor  Verfolgung  durch  Privatpersonen gewährt würde. 5.2.  In der Beschwerde wird  ferner geltend gemacht,  es  sei  fraglich,  ob  der  pauschale  Verweis  des  BFM  auf  von  diesem  festgestellte  unterschiedliche Angaben  in  den Aussagen des Beschwerdeführers  der 

D­109/2010 verwaltungsrechtlich  erforderlichen  Begründungspflicht  genüge.  Diesbezüglich  ist  festzuhalten,  dass  allein  ein  pauschaler  Verweis  auf  widersprüchliche  Angaben  eines  Asylgesuchstellers  den  Anforderungen  an  die Begründungspflicht  in  der  Tat  nicht  zu  genügen  vermöchte. Das  BFM hat vorliegend  indessen zwar knapp, aber ausreichend aufgezeigt,  aufgrund  welcher  konkreter  Gründe  es  den  Schluss  zog,  die  Angaben  des  Beschwerdeführers  seien  unglaubhaft.  Die  Verfügung  ist  mithin  insgesamt hinreichend begründet.  6.  6.1.  Glaubhaft  sind  die  Vorbringen  eines  Asylsuchenden  grundsätzlich  dann,  wenn  sie  genügend  substanziiert,  in  sich  schlüssig  und  plausibel  sind;  sie  dürfen  sich  nicht  in  vagen  Schilderungen  erschöpfen,  in  wesentlichen Punkten nicht widersprüchlich  sein oder der  inneren Logik  entbehren und auch nicht den Tatsachen oder der allgemeinen Erfahrung  widersprechen.  Darüber  hinaus  muss  die  gesuchstellende  Person  persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere dann nicht der Fall  ist, wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel  abstützt, aber auch dann, wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt oder  bewusst  falsch  darstellt,  im  Laufe  des  Verfahrens  Vorbringen  auswechselt,  steigert  oder  unbegründet  nachschiebt,  mangelndes  Interesse  am  Verfahren  zeigt  oder  die  nötige  Mitwirkung  verweigert.  Glaubhaftmachung bedeutet  ferner –  im Gegensatz zum strikten Beweis  – ein  reduziertes  Beweismass  und  lässt  durchaus  Raum  für  gewisse  Einwände  und  Zweifel  an  den  Vorbringen  des  Gesuchstellers.  Entscheidend ist, ob im Rahmen einer Gesamtwürdigung die Gründe, die  für  die  Richtigkeit  der  Sachverhaltsdarstellung  des  Asylsuchenden  sprechen,  überwiegen  oder  nicht.  Dabei  ist  auf  eine  objektivierte  Sichtweise  abzustellen  (vgl.  Art. 7  Abs. 2  und  3 AsylG;  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2005 Nr. 21 E. 6.1 S. 190 f.). 6.2. Vorweg  ist  festzustellen,  dass  die  Identität  des  Beschwerdeführers  nach  wie  vor  nicht  feststeht.  Obwohl  er  auf  die  Wichtigkeit  der  Beschaffung  von  Identitätspapieren  hingewiesen  wurde  und  aussagte,  seine Identitätskarte befinde sich zu Hause in Syrien (vgl. act. A1/11 S. 5,  A3/1, A11/17 S. 3),  unternahm er  in der Folge keinerlei Anstrengungen,  sich  das  Dokument  zusenden  zu  lassen  (vgl.  act.  A11/17  S. 3).  Des  Weiteren  wurde  der  Beschwerdeführer  aufgefordert,  dem  BFM  seine 

D­109/2010 Familiennummer  anzugeben  (vgl.  act.  A1/11  S. 6).  Dieser  Aufforderung  kam  er  ebenso  wenig  nach.  Somit  steht  trotz  der  durchgeführten  Botschaftsabklärung, aufgrund deren Ergebnis davon auszugehen ist, es  existiere  eine  Person  mit  der  vom  Beschwerdeführer  angegebenen  Identität,  nicht  fest,  ob  er  sich  unter  seiner  richtigen  Identität  in  der  Schweiz aufhält. 6.3.  Der  Beschwerdeführer  führt  seine  Schwierigkeiten,  die  er  im  Heimatland gehabt habe, auf eine intime Beziehung zu einer Mitstudentin  zurück.  Seine  Situation  sei  dadurch  erschwert  worden,  dass  er  christlichen  Glaubens  sei,  seine  Freundin  jedoch  der  muslimischen  Glaubensgemeinschaft angehöre. Das  BFM  stellt  sich  in  der  angefochtenen  Verfügung  diesbezüglich  zu  Recht  auf  den Standpunkt,  dass  Zweifel  an  der  vom Beschwerdeführer  geltend  gemachten  Glaubenszugehörigkeit  bestehen.  Der  Beschwerdeführer war nicht in der Lage, substanziierte Angaben über die  religiösen Bräuche zu machen, an denen er  teilgenommen hatte. Wie  in  der  Beschwerde  ausgeführt,  ist  zwar  nachvollziehbar,  dass  jemand mit  laizistischer  Grundeinstellung  eine  gewisse  Distanz  zur  Kirche  und  zu  Glaubensfragen  hat.  Dies  erklärt  indessen  nicht,  weshalb  der  Beschwerdeführer nur sehr oberflächliche Angaben zu den heimatlichen  christlichen Gebräuchen machen konnte. Bei der Anhörung sagte er zwar  aus, er sei seit seiner Volljährigkeit "nicht mehr so praktizierend" (vgl. act.  A11/17 S. 5). Es wäre  jedoch gleichwohl zu erwarten gewesen, dass er  über  selbst  Erlebtes  ausführlicher  hätte  berichten  können,  als  er  dies  getan  hat.  Mit  dem  BFM  ist  deshalb  zu  bezweifeln,  dass  der  Beschwerdeführer  tatsächlich  Christ  ist,  und  es  ist  deshalb  nicht  glaubhaft,  dass  seine  angeblichen  Probleme  mit  der  Familie  seiner  Freundin  tatsächlich  auch  einen  religiösen  Hintergrund  gehabt  haben  sollen. 6.4. Soweit der Beschwerdeführer bei der Anhörung zu den Asylgründen  vorbrachte,  es  könne  sein,  dass er  von den heimatlichen Behörden der  Fahnenflucht bezichtigt werde, da er Syrien verlassen habe, ohne zuvor  den Militärdienst geleistet zu haben,  ist davon auszugehen, dass gegen  den  Beschwerdeführer  bei  einer  Rückkehr  nach  Syrien  ein  militärstrafrechtliches  Verfahren  eingeleitet  werden  könnte,  falls  er  sich  der Leistung des Dienstes tatsächlich entzogen haben sollte. 7. 

D­109/2010 7.1. Die  Flüchtlingseigenschaft  gemäss Art. 3 AsylG  erfüllt  eine  asylsuchende  Person nach Lehre und Rechtsprechung dann, wenn sie Nachteile von bestimmter  Intensität  erlitten  hat  beziehungsweise mit  beachtlicher Wahrscheinlichkeit  und  in absehbarer Zukunft begründeterweise befürchten muss, welche ihr gezielt und  aufgrund  bestimmter  Verfolgungsmotive  durch  Organe  des  Heimatstaates  oder  durch nichtstaatliche Akteure zugefügt worden sind beziehungsweise zugefügt zu  werden drohen (vgl. BVGE 2008/4 E. 5.2 S. 37). Aufgrund der Subsidiarität des  flüchtlingsrechtlichen Schutzes setzt die Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft  ausserdem  voraus,  dass  die  betroffene  Person  in  ihrem  Heimatland  keinen  adäquaten Schutz  finden kann  (vgl. BVGE 2008/12 E. 7.2.6.2 S. 174 f., BVGE  2008/4  E. 5.2  S. 37 f.).  Ausgangspunkt  für  die  Beurteilung  der  Flüchtlingseigenschaft  ist  die  Frage  nach  der  im  Zeitpunkt  der  Ausreise  vorhandenen  Verfolgung  oder  begründeten  Furcht  vor  einer  solchen.  Die  Situation  im Zeitpunkt  des Asylentscheides  ist  jedoch  im Rahmen  der  Prüfung  nach der Aktualität  der Verfolgungsfurcht  ebenfalls wesentlich. Veränderungen  der  objektiven  Situation  im  Heimatstaat  zwischen  Ausreise  und  Asylentscheid  sind  deshalb  zugunsten  und  zulasten  der  das  Asylgesuch  stellenden  Person  zu  berücksichtigen  (vgl.  BVGE  2008/34  E. 7.1  S. 507  f.,  BVGE  2008/12  E. 5.2  S. 154 f., WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.],  Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel/Bern/Lausanne 2009, Rz. 11.17 und 11.18).  7.2. Begründete Furcht  vor Verfolgung  liegt  vor, wenn  konkreter Anlass  zur  Annahme  besteht,  eine  Verfolgung  hätte  sich  –  aus  der  Sicht  im  Zeitpunkt  der  Ausreise  –  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  und  in  absehbarer  Zeit  verwirklicht  beziehungsweise  werde  sich  –  auch  aus  heutiger  Sicht  –  mit  ebensolcher  Wahrscheinlichkeit  in  absehbarer  Zukunft  verwirklichen.  Eine  bloss  entfernte  Möglichkeit  künftiger  Verfolgung genügt nicht; es müssen konkrete  Indizien vorliegen, welche  den Eintritt der erwarteten – und aus einem der vom Gesetz aufgezählten  Motive  erfolgenden  –  Benachteiligung  als  wahrscheinlich  und  dementsprechend  die  Furcht  davor  als  realistisch  und  nachvollziehbar  erscheinen  lassen  (vgl.  BVGE  2010/27  E.  2.5  S.  827  f.,  EMARK  2005  Nr. 21 E. 7 S. 193 f., EMARK 2004 Nr. 1 E. 6a S. 9). 7.3. Der Beschwerdeführer machte bereits bei der Erstbefragung geltend,  sein Verhalten – vorehelicher Geschlechtsverkehr – verstosse gegen die  "orientalische Tradition" (vgl. act. A1/11 S. 6). Die Familie seiner Freundin  habe  sich  in  der Ehre  beschmutzt  gesehen,  da  ihre Tochter  nicht mehr  Jungfrau sei und keinem anderen Mann zur Frau gegeben werden könne.  Er habe sie nicht heiraten können, weil er einen anderen Glauben als die  Familie seiner Freundin habe. Unbesehen der Frage der Glaubhaftigkeit 

D­109/2010 dieser  Vorbringen  ist  festzustellen,  dass  den  geltend  gemachten  Vergeltungsabsichten  der  Familie  seiner  Freundin  kein  asylrechtlich  relevantes Verfolgungsmotiv  im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG zugrunde  liegt.  Dem  Beschwerdeführer  war  bei  der  Aufnahme  der  sexuellen  Beziehung  zu  seiner  Freundin  bewusst,  dass  eine  solche  –  unbesehen  der  Glaubenszugehörigkeit  –  aufgrund  der  Traditionen  in  der  orientalischen  Gesellschaft  im  Falle  ihrer  Entdeckung  zu  ernsthaften  Problemen mit ihrer Familie führen könnte (vgl. act. A1/11 S. 7). Es mag  sein,  dass  eine  gütliche  Lösung  des  Verstosses  gegen  die  Traditionen  angesichts  der  gesellschaftlichen  Gegebenheiten  in  Syrien  bei  unterschiedlicher  ethnischer  beziehungsweise  religiöser  Zugehörigkeit  des  Liebespaares  erschwert  respektive  verunmöglicht  wird.  Anknüpfungspunkt  der  dem  Beschwerdeführer  angeblich  drohenden  Verfolgung  wäre  indessen  nicht  seine  –  ohnehin  nicht  glaubhaft  gemachte  –  christliche  Glaubenszugehörigkeit,  sondern  sein  Verstoss  gegen  die  Tradition  und  die  Beschmutzung  der  Familienehre  seiner  Freundin  gewesen.  Der  Beschwerdeführer  erklärte  selbst,  in  der  orientalischen  Gesellschaft  sei  die  Jungfräulichkeit  etwas  Heiliges,  in  seinem  Fall  sei  die  unterschiedliche  Glaubenszugehörigkeit  dazu  gekommen (vgl. act. A11/17 S. 7). Ob der Beschwerdeführer, der gemäss  eigenen  Angaben  aufgrund  seiner  (angeblich)  christlichen  Glaubenszugehörigkeit  ansonsten weder mit  staatlichen Behörden  noch  mit  Privatpersonen  ernsthafte  Probleme  hatte  (vgl.  act.  A11/17  S. 13),  von den Behörden seines Heimatlandes Schutz vor der Verfolgung durch  die Familie seiner Freundin hätte erhalten können oder nicht, erweist sich  angesichts der vorstehenden Erwägungen als asylrechtlich irrelevant, da  allfällige  Übergriffe  auf  seine  Person  nicht  aus  asylrechtlich  relevanten  Motiven  erfolgen  würden.  Da  der  Beschwerdeführer  die  behauptete  christliche  Glaubenszugehörigkeit  nicht  glaubhaft  zu  machen  vermag,  braucht  auch  die  Frage  nicht  beantwortet  zu  werden,  ob  die  syrischen  Behörden  ihm als Christ den Schutz gegen Übergriffe der muslimischen  Familie  allenfalls  aus  religiösen  Gründen  und  damit  aus  einem  asylrechtlich relevanten Motiv verweigern würden.  7.4. Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise  aus  dem  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  –  insbesondere  durch  politische  Exilaktivitäten  –  eine  Gefährdungssituation  erst  geschaffen  worden  ist,  sich somit auf das Vorliegen subjektiver Nachfluchtgründe (Art. 54 AsylG)  beruft, hat begründeten Anlass zur Furcht vor künftiger Verfolgung, wenn  der  Heimat­  oder  Herkunftsstaat mit  erheblicher Wahrscheinlichkeit  von  den Aktivitäten im Ausland erfahren hat und die Person deshalb bei einer 

D­109/2010 Rückkehr  in  flüchtlingsrechtlich  relevanter Weise  verfolgt  würde  (BVGE  2009/29  E. 5.1  S. 376 f.,  BVGE  2009/28  E. 7.1  S. 352,  EMARK  2006  Nr. 1 E. 6.1 S. 10, UNHCR, Handbuch über Verfahren und Kriterien  zur  Feststellung der Flüchtlingseigenschaft, Genf 1993, Ziff. 94 ff.). 7.4.1. Der  Beschwerdeführer macht  geltend,  seine  Ausreise  aus  Syrien  könnte  von  den  Behörden  als  Dienstverweigerung  aufgefasst  und  entsprechend  bestraft  werden.  Da  er  Student  gewesen  sei,  habe  er  bisher  keinen  Militärdienst  leisten  müssen.  Er  habe  jedes  Jahr  eine  Studienbe­stätigung an das zuständige Amt geschickt, weshalb er bisher  kein Aufgebot für den Militärdienst erhalten habe (vgl. act. A11/17 S. 15).  7.4.2. Vorab  ist  festzustellen,  dass  der  Beschwerdeführer  nicht  geltend  machte, den Militärdienst verweigert zu haben. Allein der Umstand, dass  er  aus  Syrien  ausreiste  und  sich  seit  längerer  Zeit  im  Ausland  aufhält,  ohne den Dienst geleistet zu haben, ist nicht mit einer Verweigerung des  Militärdienstes gleichzusetzen. Ferner machte er keine konkrete Angaben  dazu,  weshalb  ihm  in  Syrien  bei  der  Leistung  des  Militärdienstes  besondere Nachteile drohen würden. Dessen ungeachtet ist festzuhalten,  dass  eine  allfällige  Strafe  wegen  Refraktion  (oder  Desertion)  grundsätzlich  keine  Verfolgung  im  Sinne  von  Art. 3  AsylG  beziehungsweise Art. 1 A Ziff. 2 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  (FK,  SR 0.142.30;  vgl.  dazu  auch  Handbuch des UNHCR über Verfahren und Kriterien zur Feststellung der  Flüchtlingseigenschaft,  nicht­amtliche  deutsche  Übersetzung,  2003  [amtliche Erstausgabe: Genf 1979], Ziff. 167) darstellt. Es gehört vielmehr  zu den  legitimen Rechten  jeden Staates, seine Bürger zum Militärdienst  einzuberufen  und  zur Durchsetzung  der Wehrpflicht  strafrechtliche  oder  disziplinarische  Sanktionen  gegen  Refraktäre  oder  Deserteure  zu  verhängen  (vgl.  EMARK  2004  Nr. 2  E. 6b.aa  S. 16).  Dieser  Grundsatz  erfährt  indessen  in mehrfacher Hinsicht  Einschränkungen.  Zunächst  gilt  eine  Bestrafung  dann  als  flüchtlingsrechtlich  relevant,  wenn  der  Wehrpflichtige  aufgrund  seiner  Rasse,  Religion,  Nationalität,  seiner  Zugehörigkeit  zu  einer  ethnischen  oder  sozialen  Gruppe  oder  wegen  seiner politischen Anschauungen mit einer höheren Strafe zu rechnen hat  als  Refraktäre  und  Deserteure  ohne  diesen  spezifischen  Hintergrund  (sog. Politmalus). Ferner liegt eine asylrechtlich massgebliche Verfolgung  vor,  wenn  die  drohende  Strafe  in  absolutem  Sinne  unverhältnismässig  schwer  ist,  vom  Strafzweck  und  von  der  Strafhöhe  her  nicht  mehr  rechtsstaatlich  legitimen  Zwecken  dient  und  als  dem  zu  ahndenden  'kriminellen  Unrecht'  in  keiner  Weise  entsprechend  eingestuft  werden 

D­109/2010 muss  (vgl.  WALTER KÄLIN,  Grundriss  des  Asylverfahrens,  Basel/Frankfurt  a. M. 1990, S. 102 ff., ALBERTO ACHERMANN/CHRISTINA HAUSAMMANN, Handbuch  des  Asylrechts,  2. Aufl.,  Bern/Stuttgart  1991,  S. 100 f.).  Ungeachtet  des  konkreten  Masses  der  für  Refraktion  oder  Desertion  vorgesehenen  Sanktionen  liegt  eine  flüchtlingsrechtlich  relevante  Verfolgung  sodann  vor,  wenn  der  Militärdienst  dazu  dient,  bestimmte  Personen  oder  Personengruppen im Verlaufe ihrer Dienstleistung aus flüchtlingsrechtlich  erheblichen  Motiven  zu  disziplinieren,  einzuschüchtern,  zu  assimilieren  oder  gezielter  menschenrechtswidriger  Behandlung  auszusetzen  (vgl. KÄLIN,  a.a.O.,  S. 115 ff.,  ACHERMANN/HAUSAMMANN,  a.a.O.,  S. 104 f.).  Gleiches gilt schliesslich, wenn eine Einberufung zum Wehrdienst darauf  abzielt, einen Wehrpflichtigen  in völkerrechtlich verpönte Handlungen zu  verstricken  (vgl.  EMARK  2006  Nr. 3  E. 4.2  S. 32);  die  Sanktionen  gegenüber  einem  Wehrpflichtigen,  welcher  sich  solchen  illegitimen  militärischen  Aktionen  als  sogenannt  selektiver  Dienstverweigerer  aus  Gewissensgründen  zu  entziehen  sucht,  sind  als  politisch  motivierte  Verfolgung  im  Sinne  von  Art.  3  AsylG  zu  charakterisieren  (vgl.  dazu  CHRISTA  LUTERBACHER,  Die  flüchtlingsrechtliche  Behandlung  von  Dienstverweigerung  und  Desertion  [Diss.  Universität  Bern  2003],  Basel  u.a.  2004,  S. 173 ff.).  Im  Falle  des  Beschwerdeführers  liegen  jedoch  keine  konkreten  Anhaltspunkte  vor,  die  darauf  hindeuten,  dass  er,  der  bislang  mit  den  heimatlichen  Behörden  keinerlei  Probleme  hatte,  aufgrund  seiner  Rasse,  Religion,  Nationalität,  seiner  Zugehörigkeit  zu  einer  ethnischen  oder  sozialen  Gruppe  oder  wegen  seiner  politischen  Anschauungen mit einer höheren Strafe zu rechnen hätte als Refraktäre  ohne einen solchen spezifischen Hintergrund. Er hat auch nicht schlüssig  dargelegt,  dass  und  weshalb  gerade  er  im  Falle  einer  möglichen  Rekrutierung  für  den  Militärdienst  in  völkerrechtswidrige  Handlungen  verstrickt  werden  könnte.  Auch  in  dieser  Hinsicht  liegt  mithin  keine  begründete Furcht vor Verfolgung vor.  7.5. Zusammenfassend ergibt sich, dass es dem Beschwerdeführer nicht  gelungen  ist,  eine  im  Zeitpunkt  seiner  Ausreise  aus  Syrien  bestehende  oder  unmittelbar  drohende  asylrelevante  Verfolgungsgefahr  nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen. Gleichzeitig sind die  Voraussetzungen  für  die  Anerkennung  von  subjektiven  Nachfluchtgründen im Sinne von Art. 54 AsylG nicht erfüllt. Das BFM hat  das Asylgesuch des Beschwerdeführers demnach zu Recht abgelehnt. 8.  

D­109/2010 8.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit  der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 8.2. Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44  Abs. 1 AsylG; EMARK 2001 Nr. 21). 9.  9.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder  nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art.  83  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005 über  die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG,  SR 142.20]). 9.2.  Gemäss  ständiger  Rechtsprechung  sind  die  genannten  drei  Bedingungen  für  einen  Verzicht  auf  den  Vollzug  der  Wegweisung  alternativer  Natur.  Sobald  eine  davon  erfüllt  ist,  ist  der  Vollzug  als  undurchführbar  zu  betrachten  und  die  weitere  Anwesenheit  der  betroffenen Person  in der Schweiz gemäss den Bestimmungen über die  vorläufige  Aufnahme  zu  regeln.  Gegen  eine  allfällige  Aufhebung  dieser  vorläufigen  Aufnahme  steht  dem  weggewiesenen  Asylsuchenden  wiederum  die  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht  offen  (Art. 112 AuG i.V.m. Art. 84 Abs. 2 AuG). In diesem Verfahren wäre dann  der  Vollzug  der  Wegweisung  vor  dem  Hintergrund  sämtlicher  Vollzugshindernisse  von  Amtes  wegen  nach  Massgabe  der  in  diesem  Zeitpunkt  herrschenden  Verhältnisse  zu  prüfen  (vgl.  BVGE  2009/51  E. 5.4 S. 748, EMARK 2006 Nr. 6 E. 4.2 S. 54 f.). 9.3.  Der  Beschwerdeführer  wurde  vom  BFM  mit  Verfügung  vom  21. September  2011  zufolge  Unzumutbarkeit  des Wegweisungsvollzugs  in  der  Schweiz  vorläufig  aufgenommen.  Die  Beschwerde  ist  infolgedessen  als  gegenstandslos  geworden  abzuschreiben,  soweit  im  Eventualbegehren  beantragt  wird,  es  seien  die  Unzulässigkeit  und  Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen. 10.  Zusammenfassend ergibt sich aufgrund vorstehender Erwägungen, dass 

D­109/2010 die  Beschwerde  abzuweisen  ist,  soweit  sie  nicht  als  gegenstandslos  geworden abzuschreiben ist. 11.  11.1.  Der  Beschwerdeführer  ist  im  vorliegenden  Verfahren  unterlegen,  soweit  die  Aufhebung  der  angefochtenen  Verfügung  sowie  die  Anerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  und  die  Asylgewährung  beantragt werden beantragt werden, weshalb  er  insoweit  kostenpflichtig  wird (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht veranschlagt  im  Asylbeschwerdeverfahren  bei  Konstellationen  wie  der  vorliegenden  den  partiellen  Misserfolg  mit  der  Hälfte.  Dem  Ausgang  des  Verfahrens  entsprechend hätte der Beschwerdeführer somit grundsätzlich die um die  Hälfte  zu  ermässigenden Kosten  des Verfahrens  zu  tragen. Da  ihm mit  Zwischenverfügung vom 15. Januar 2010 die unentgeltliche Rechtspflege  gemäss  Art. 65  Abs. 1  VwVG  gewährt  wurde  –  der  Beschwerdeführer  reichte  die  geforderte  Bestätigung  seiner  Fürsorgeabhängigkeit  nach  –,  sind ihm jedoch keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. 11.2. Bei einem gegenstandslos gewordenen Verfahren sind die Kosten  jener  Partei  aufzuerlegen,  deren  Verhalten  die  Gegenstandslosigkeit  bewirkt  hat  (Art. 5  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,  SR 173.320.2]).  Im vorliegenden Fall  hat das BFM die  teilweise Gegen­ standslosigkeit  des  Beschwerdeverfahrens  durch  die  wiedererwägungsweise Anordnung der vorläufigen Aufnahme im Rahmen  des  Schriftenwechsels  bewirkt.  Dem  BFM  als  Vorinstanz  oder  unterliegender  Bundesbehörde  sind  jedoch  keine  Verfahrenskosten  aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 2 VwVG).  11.3. Dem  Beschwerdeführer  ist  –  da  das  BFM  die  (teilweise)  Gegen­ standslosigkeit  des  Verfahrens  bewirkt  hat  –  für  die  ihm  im  Beschwerdeverfahren  erwachsenen  notwendigen  Kosten  eine  Parteientschädigung  zuzusprechen  (Art. 15  i.V.m.  Art. 5  VGKE).  In  der  eingereichten  Kostennote  vom  14. Oktober  2011  wird  der  Gesamtaufwand  mit  Fr. 1'740.–  (8,5 Stunden  Arbeitsaufwand  [à  Fr.  200.–]  und  Fr. 40.–  Spesen)  beziffert,  was  angemessen  erscheint.  Demnach  ist das BFM anzuweisen, dem Beschwerdeführer eine um die  Hälfte  reduzierte Parteientschädigung  von Fr. 870.–  (inkl.  Auslagen  und  Mehrwertsteuer) auszurichten.

D­109/2010 (Dispositiv nächste Seite)

D­109/2010 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die  Beschwerde  wird  abgewiesen,  soweit  sie  nicht  als  gegenstandslos  abgeschrieben wird. 2.  Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3.  Das  BFM  wird  angewiesen,  dem  Beschwerdeführer  eine  Parteientschädigung von Fr. 870.– auszurichten. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Walter Lang Christoph Basler Versand:

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