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Bundesverwaltungsgericht 06.02.2012 D-1066/2010

6. Februar 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,907 Wörter·~15 min·1

Zusammenfassung

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung IV D­1066/2010 Urteil   v om   6 .   Februar   2012 Besetzung Richter Fulvio Haefeli (Vorsitz), Richter Kurt Gysi, Richter Daniele Cattaneo; Gerichtsschreiberin Karin Schnidrig. Parteien A._______, geboren (…), Iran, alias B._______, geboren (…), Iran, alias C._______, geboren (…), Iran, und dessen Ehefrau D._______, geboren (…), Iran, alias E._______, geboren (…), Iran, alias F._______, geboren (…), ohne Nationalität, beide vertreten durch lic. iur. HSG Benedikt Schneider­Koch,  Rechtsanwalt, (…),  Beschwerdeführende,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 21. Januar 2010 / N _______.

D­1066/2010 Sachverhalt: A.  A.a.  Der  Beschwerdeführer  und  die  Beschwerdeführerin  –  beide  iranische  Staatsangehörige  –  verliessen  ihren  Heimatstaat  eigenen  Angaben  zufolge  am  4.  September  2009  beziehungsweise  am  16.  September  2009  in  Richtung  G._______.  Der  Beschwerdeführer  hielt  sich anschliessend vom 5. September 2009 bis zum 26. Oktober 2009  in  H._______  auf,  während  die  Beschwerdeführerin  dort  vom  17.  September  2009  bis  zum  30.  September  2009  blieb.  Sie  wurde  dann  nach  I._______  gebracht,  wo  ihr  die  Fingerabdrücke  abgenommen  wurden  und  sie  sich  bis  zum  27.  Oktober  2009  aufhielt.  In  der  Folge  wurden  die  Beschwerdeführenden  in  einem  Waldstück  wieder  zusammengebracht,  von  wo  sie  mit  Hilfe  des  Schleppers  via  ihnen  unbekannte  Länder  am  29.  Oktober  2009  illegal  in  die  Schweiz  gelangten.  Im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  J._______  suchten  sie  gleichentags  um  Asyl  nach.  Am  6.  November  2009  erfolgte  die  Befragung  zur  Person  und  am 13.  November  2009  wurden  die  Beschwerdeführenden  zu  ihren  Asylgründen angehört. Dabei machte der Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend, er sei ein  konfessionsloser  ethnischer  Azeri  und  sei  in  K._______  geboren  worden.  Im  Mai/Juni  2006  habe  er  aufgrund  einer  Karikatur  in  einer  iranischen Zeitung, in welcher die Volksgruppe der Azeri als Kakerlaken  dargestellt  worden  sei,  an  der  Universität  eine  Demonstration  organisiert, welche  ihm zuvor vom Universitätsrektor mündlich bewilligt  worden  sei. Weil man  die Bewilligung  kurzfristig  zurückgezogen  habe,  hätten  nur  ungefähr  dreissig  oder  vierzig  Studenten  an  der  Demonstration  teilgenommen.  Diese  sei  von  der  Harasat,  dem  Universitätsüberwachungsdienst,  gefilmt  worden.  Es  sei  dem  Beschwerdeführer  gelungen,  dem  Beamten  den  Film  wegzunehmen  und zu zerstören. Die Demonstration  sei  ausgeartet,  und am Folgetag  seien  bei  einem  weiteren  Aufstand  mehrere  Personen  ums  Leben  gekommen. Sodann sei er von Beamten der Ettela'at gesucht worden.  Sie hätten seinen Eltern mitgeteilt, er müsse sich bei ihnen melden. Da  er  dieser  Aufforderung  keine  Folge  geleistet  habe,  sei  er  vor  der  Universität verhaftet und zum Sitz der Ettela'at gebracht worden, wo er  seine Personalien  habe mitteilen  und Angaben  zu  seinen Verwandten  und Bekannten habe machen müssen. Er sei wieder entlassen worden,  in den darauffolgenden Tagen jedoch erneut zweimal für mehrere Tage 

D­1066/2010 bei  der Ettela'at  festgehalten,  verhört  und geschlagen worden. Mit  der  Auflage, keine Kontakte zu anderen Personen mehr zu unterhalten und  die Stadt nicht mehr zu verlassen, habe man ihn schliesslich entlassen.  Seine Familie habe sodann den Festnetzanschluss gekündigt. Ungefähr  einen Monat später sei er nach L._______ und M._______ gegangen,  wo  er  gearbeitet  habe.  Im  November  2008  sei  er  nach  K._______  zurückgekehrt,  habe  aber  die  meiste  Zeit  bei  seiner  Ehefrau  in  N._______  verbracht.  Am  3.  Juni  2009  habe  er  sie  dort  geheiratet.  Während  der  Kampagnen  hinsichtlich  der  Präsidentschaftswahlen  im  Jahre  2009  habe  er  mit  seinen  Freunden  Propaganda  für  Mussawi  betrieben.  Nach  der  Wahl  Ahmadinejads  habe  er  mit  ihnen  eine  Demonstration  in  K._______  organisiert.  Am  15.  Juni  2009  habe  er  Flugblätter  für  die  Demonstration  verteilt,  welche  am  folgenden  Tag  hätte  stattfinden  sollen.  Am  Abend  sei  er  jedoch  von  der  Ettela'at  festgenommen worden, wobei sie ihn ein oder zwei Tage später wieder  entlassen  hätten.  In  der  Folge  habe  er  sich  mit  seiner  Frau  teils  in  N._______, teils in K._______ aufgehalten. Am 3. August 2009 habe er  bei  der  Ettela'at  ein  vorgeschriebenes  Geständnis  unterschreiben  müssen. Die Beamten hätten  ihn entlassen und  ihm mitgeteilt, dass er  die  Vorladung  des  Revolutionsgerichts  abwarten müsse.  Gleichentags  sei er auf einer Plantage seiner Familie untergetaucht; die Familie habe  er nur nachts besucht. Währenddessen habe sein Vater seine Ausreise  organisiert. Die Beschwerdeführerin schloss sich den Vorbringen ihres Ehemannes  an  und  machte  darüber  hinaus  insbesondere  geltend,  sie  sei  eine  konfessionslose  Bachtiarin  und  sei  in O._______  geboren worden.  Im  Sommer 2006 sei sie wegen ihres Studiums nach N._______ gezogen.  Im  September  2006  habe  sie  ihren  Ehemann  kennengelernt,  ihn  am 3. Juni 2009 geheiratet und daraufhin mehrheitlich bei seiner Familie in  K._______  gelebt.  Im  Iran  sei  sie  als  Frau  benachteiligt  gewesen  und  habe  weder  Meinungs­  noch  Kleidungsfreiheit  gehabt.  Nach  der  Ausreise  des  Ehemannes  am  4.  September  2009  seien  sie  und  ihr  Schwiegervater am 12. September 2009 und 13. September 2009 von  der Ettela'at mitgenommen und verhört worden. A.b. Zur Untermauerung der Vorbringen  reichte der Beschwerdeführer  seinen  Identitätsausweis  (Shenasnameh),  seine  nationale  Identitätskarte (Melli­Karte), sein Abschlussdiplom der Universität, seine  Heiratsurkunde,  seinen  Führerausweis,  seinen  Militärausweis  sowie  eine CD mit Videomaterial zu den Akten.

D­1066/2010 Die  Beschwerdeführerin  legte  ihren  Identitätsausweis  (Shenasnameh),  ihre  nationale  Identitätskarte  (Melli­Karte)  und  ihren  Studentinnenausweis ins Recht. B.  Mit  Verfügung  vom 21.  Januar  2010  –  eröffnet  am  22.  Januar  2010 –  stellte  das  BFM  fest,  die  Beschwerdeführenden  erfüllten  die  Flüchtlingseigenschaft nicht, wies deren Asylgesuche vom 29. Oktober  2009  ab  und  ordnete  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  sowie  den  Wegweisungsvollzug an. C.  Mit  Eingabe  vom  22.  Februar  2010  liessen  die  Beschwerdeführenden  gegen  diese  Verfügung  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  erheben und beantragen, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben,  ihnen sei die Flüchtlingseigenschaft  zuzuerkennen, eventualiter sei die  Unzulässigkeit  und  die  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  festzustellen und die vorläufige Aufnahme zu erteilen,  in jedem Fall sei  von  einer  Wegweisung  aus  der  Schweiz  abzusehen.  In  prozessualer  Hinsicht  wurde  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  und  der  unentgeltlichen  Verbeiständung  durch  den  unterzeichneten  Rechtsanwalt ersucht. Als  Beweismittel  legten  die  Beschwerdeführenden  die  per  Telefax  übermittelte  angebliche  Vorladung  der  P._______  Iran  vom  3.  November 2009 inklusive Übersetzung ins Recht. Auf  die  Beschwerdebegründung  und  auf  das  als  Beweismittel  eingereichte  Dokument  wird  –  soweit  entscheidrelevant  –  in  den  Erwägungen eingegangen. D.  Mit  Zwischenverfügung  vom  2.  März  2010  wies  der  zuständige  Instruktionsrichter  die  Gesuche  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im Sinne  von Art.  65 Abs.  1  und 2 des Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG, SR 172.021)  ab  und  forderte  die Beschwerdeführenden  unter Hinweis  auf  die  Säumnisfolge  auf,  innert  Frist  einen  Kostenvorschuss  von Fr. 600.­ zu leisten.

D­1066/2010 E.  Der Kostenvorschuss wurde am 17. März 2010 fristgerecht einbezahlt. F.  Mit  Eingabe  vom  7.  Juni  2010  liessen  die  Beschwerdeführenden  das  Anhörungsprotokoll  in  Strafsachen  (Original  des  angeblichen  Abwesenheitsurteils)  des  Q._______  Iran  vom  5.  Dezember  2009  inklusive  Übersetzung  und  eine  Schwangerschaftsbestätigung  von  Dr.  med. (…), (…), vom 12. Mai 2010 als weitere Beweismittel nachreichen. G.  Mit  Verfügungen  vom  15.  Juni  2010  und  vom  18.  Juni  2010  lud  der  Instruktionsrichter das BFM ein, sich  in Anwendung von Art. 57 Abs. 1  VwVG  zur  Beschwerde  und  zu  den  eingereichten  Beweismitteln  zu  äussern. H.  In  seinen Vernehmlassungen  vom  17.  Juni  2010  und  vom  18.  Januar  2011  beantragte  das  BFM  die  Abweisung  der  Beschwerde.  Neben  weiteren Ausführungen verwies das Bundesamt auf die Erwägungen in  der angefochtenen Verfügung, an denen es vollumfänglich festhielt. I.  Mit  Verfügung  vom  21.  Januar  2011  gab  der  Instruktionsrichter  den  Beschwerdeführenden  Gelegenheit,  innert  Frist  eine  Replik  einzureichen. J.  Mit  Replik  vom  7.  Februar  2011  hielten  die  Beschwerdeführenden  vollumfänglich  an  den  in  der  Beschwerde  gestellten  Rechtsbegehren  fest.  Zusätzlich  beantragten  sie  die  Edition  der  vollständigen  mit  der  Schweizer  Vertretung  in  Teheran  getätigten  Korrespondenz  mit  der  Möglichkeit,  nach  Einsicht  in  die  Botschaftsanfrage  (Akte  A35)  und  Botschaftsantwort (Akte A38) nochmals Stellung zu nehmen. Als weitere Beweismittel wurden folgende Dokumente ins Recht gelegt:  – Ein  undatiertes  Schreiben  des  Internationalen  Komitees  gegen  Hinrichtungen  mit  der  Überschrift  "Zur  Verteidigung  Politischer  Gefangener  und  Gegen  Hinrichtungen  im  Iran  –  Internationale  Kampagne",

D­1066/2010 – ein  Schreiben  von  (…)  des  Sekretariats  der  R._______  der  S._______ Iran vom 23. Januar 2011 in Kopie und – ein  Artikel  aus  der  Neuen  Luzerner  Zeitung  vom  31.  Januar  2011  betreffend Hinrichtungen im Iran. Auf  die  Begründung  und  auf  die  als  Beweismittel  eingereichten  Dokumente  wird  –  soweit  entscheidrelevant  –  in  den  Erwägungen  eingegangen. K.  Mit Verfügung vom 7. November 2011 hiess der Instruktionsrichter das  in der Eingabe vom 7. Februar 2011 gestellte Gesuch um Akteneinsicht  gut,  händigte  den  Beschwerdeführenden  Kopien  der  Aktenstücke  A35  und A38 aus und räumte ihnen Gelegenheit ein, sich innert Frist dazu zu  äussern. L.  Mit Eingabe vom 21. November 2011 liessen die Beschwerdeführenden  eine  entsprechende  Stellungnahme  einreichen  und  nochmals  beantragen, es sei ihre Flüchtlingseigenschaft anzuerkennen oder ihnen  zumindest die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Als  Beweismittel  liessen  sie  eine  zweite  Übersetzung  des  Anhörungsprotokolls  beziehungsweise  des  angeblichen  Abwesenheitsurteils vom 5. Dezember 2009 einreichen. Auf  die  Begründung  wird  –  soweit  entscheidrelevant  –  in  den  Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1.  Gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  (VGG,  SR 173.32)  beurteilt  das  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört  zu den Behörden nach Art. 33 VGG und  ist daher eine Vorinstanz des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der 

D­1066/2010 vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  [AsylG,  SR 142.31];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG, SR 173.110]). Eine solche Ausnahme liegt in casu nicht vor. 1.2. Das Verfahren  richtet  sich  nach  dem VwVG,  dem VGG und  dem  BGG,  soweit  das  AsylG  nichts  anderes  bestimmt  (Art. 37  VGG  und  Art. 6 AsylG). 1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Die  Beschwerdeführenden  haben  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen,  sind  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  haben  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Sie  sind  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde legitimiert (Art. 108 Abs. 1 und Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37  VGG  i.V.m.  Art. 48  Abs. 1  und  Art. 52  Abs.  1  VwVG).  Auf  die  Beschwerde ist einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  3.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat  oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen  Anschauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden  (Art. 3  Abs. 1  AsylG).  Als  ernsthafte  Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen  Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu  tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG). 3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender 

D­1066/2010 Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen,  die  in  wesentlichen  Punkten  zu  wenig  begründet  oder  in  sich  widersprüchlich  sind,  den  Tatsachen  nicht  entsprechen  oder  massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden (Art. 7 AsylG). 4.  4.1. Das BFM lehnte die Asylgesuche der Beschwerdeführenden mit der  Begründung  ab,  ihre  Vorbringen  hielten  den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit  gemäss  Art.  7  AsylG  nicht  stand.  Aufgrund  der  zahlreichen widersprüchlichen und realitätsfremden Angaben erscheine  die  gesamte  Verfolgungssituation  der  Beschwerdeführenden  äusserst  unglaubhaft.  Im  Weiteren  stellten  die  Vorbringen  der  Beschwerdeführerin  im  Zusammenhang  mit  ihrer  Benachteiligung  als  Frau  keine  asylbeachtliche Verfolgung  im Sinne  von Art.  3 AsylG  dar.  Schliesslich sei die eingereichte CD mit Videomaterial als Beweismittel  untauglich, da die mit Musik untermalten Bilder von Protesten sich nicht  direkt auf die Vorbringen des Beschwerdeführers beziehen würden und  somit den asylrelevanten Sachverhalt nicht glaubhaft machen könnten. Den  Vollzug  der  Wegweisung  erachtete  das  Bundesamt  als  zulässig,  zumutbar und möglich. 4.2.  In der Beschwerde wurde  im Wesentlichen an der Glaubhaftigkeit  der geltend gemachten Vorbringen festgehalten und diesbezüglich unter  anderem  ausgeführt,  es  dürfe  nicht  vergessen  werden,  dass  die  Befragungen  mittels  Dolmetscher  durchgeführt  worden  seien,  wobei  stets Fehler in der Genauigkeit der Aussage entstünden, welche in den  Protokollen  ihren  Niederschlag  fänden.  Es  müsse  berücksichtigt  werden,  dass  gerade  bei  Fällen  mit  einer  anderen  Zeitrechnung  die  Übersetzung  besonders  anfällig  für  Fehler  im  Bereich  von  Daten  sei.  Kleine  Abweichungen  bei  Datenangaben  dürften  jedenfalls  nicht  als  wesentliche  Widersprüche  gelten  und  die  ansonsten  klaren  und  eindeutigen  Angaben  in  der  Sache  vollständig  verdrängen.  Die  Untersuchung müsse sich einzig auf die Prüfung konzentrieren, ob die  Flüchtlingseigenschaft  erfüllt  sei. Vorliegend seien keine Widersprüche  in  wesentlichen  Elementen  der  Aussagen  auszumachen  und  es  bestünden  keinerlei  Zweifel  an  den  Festnahmen  beziehungsweise  Behelligungen des Beschwerdeführers durch die Ettela'at im Jahr 2006.

D­1066/2010 Angesichts  der  latenten Gefahr  einer  Verhaftung  und  unmenschlichen  Behandlung  dürften  die  Beschwerdeführenden  aufgrund  des  Refoulement­Verbots und Art. 3 der Konvention vom 4. November 1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR  0.101) keinesfalls in den Iran zurückgeschafft werden. 4.3.  4.3.1. Mit Vernehmlassung vom 17.  Juni 2010 äusserte  sich das BFM  dahingehend,  dass  aus  der  in  Faxkopie  eingereichten  Vorladung  vom 3.  November  2009  nicht  hervorgehe,  aus  welchem  Grund  der  Beschwerdeführer  für den 11. November 2009 vorgeladen worden sei.  Zumal es sich beim eingereichten Beweismittel um eine Kopie handle,  könne  auch  nicht  ausgeschlossen  werden,  dass  es  sich  um  eine  Fälschung  handle.  Es  vermöge  somit  den  asylrelevanten  Sachverhalt  nicht glaubhaft zu machen und sei untauglich. 4.3.2.  In  der  zweiten  Vernehmlassung  vom  18.  Januar  2011  wurde  festgehalten, Dokumente wie das Anhörungsprotokoll beziehungsweise  das angebliche Abwesenheitsurteil vom 5. Dezember 2009 seien im Iran  gemäss gesicherten Erkenntnissen des BFM nicht fälschungssicher und  leicht  käuflich  erwerbbar,  weshalb  ihnen  nur  ein  geringer  Beweiswert  zukomme. Zudem weise das Dokument mehrere Unstimmigkeiten auf.  Zum einen datiere es vom 5. Dezember 2009. Der Poststempel auf der  Rückseite stamme hingegen vom 6. April 2009.  Im Weiteren befänden  sich oben auf dem Dokument drei Spalten, wobei die rechte Spalte  für  die Personalien und den Wohnort des Anschuldigenden, die mittlere für  den Grund  der Anschuldigung  und  die  linke  für  die Personalien  sowie  den  Wohnort  des  Angeschuldigten  gedacht  seien.  Die  Spalten  habe  man jedoch nicht ausgefüllt. Ausserdem wirke es befremdend, dass die  angebliche  Verurteilung  in  Abwesenheit  auf  der  Rückseite  des  Dokuments  und  darunter  wiederum  das  Datum  5.  Dezember  2009  aufgeführt worden seien. Es sei indes nicht nachvollziehbar, dass am 5.  Dezember  2009  ein  Anhörungsprotokoll  erstellt  werde,  in  dem  der  Beschwerdeführer  zu  den  Anschuldigungen  Stellung  nehme  und  gleichentags  ein  Urteil  in  Abwesenheit  gefällt  werde,  weil  er  zum  "damaligen  Zeitpunkt"  angeblich  nicht  anwesend  gewesen  sei.  Vor  diesem  Hintergrund  sei  mit  erheblicher  Wahrscheinlichkeit  davon  auszugehen,  dass  es  sich  bei  diesem  Dokument  um  eine  Fälschung  handle.

D­1066/2010 Im Rahmen des zweiten Schriftenwechsels habe das BFM am 14. Juli  2010  bei  der  Schweizer  Vertretung  in  Teheran  eine  Abklärung  veranlasst.  Die  Botschaftsantwort,  welche  am  5.  Oktober  2010  eingetroffen sei, habe ebenfalls ergeben, dass das Anhörungsprotokoll  beziehungsweise  das  angebliche  Urteil  in  Abwesenheit  gefälscht  sei,  was die Zweifel an der Echtheit des Dokuments noch zusätzlich erhärte. Hinsichtlich  der  Bestätigung  der  Schwangerschaft  hielt  das  BFM  fest,  diese könne höchstens einen kurzzeitigen Einfluss auf die Ausreisefrist  haben. Weder  aus  der  Schwangerschaft  noch  der Geburt  des  Kindes  ergäben sich Gründe, welche gegen einen Wegweisungsvollzug in den  Iran sprechen könnten. 4.4.  In  der  Replik  vom  7.  Februar  2011  wurde  an  der  Echtheit  des  Anhörungsprotokolls  beziehungsweise  des  angeblichen  Abwesenheitsurteils  vom  5.  Dezember  2009  festgehalten  und  diesbezüglich  insbesondere  geltend  gemacht,  der  Umstand,  dass  das  Dokument drei verschiedene Handschriften enthalte, sei ein eindeutiger  Hinweis  auf  dessen  Echtheit.  Im  Weiteren  treffe  es  zu,  dass  im  Originaldokument weder die Personalien, der Wohnort noch der Grund  der Anschuldigung ausgefüllt worden seien. Dies sei jedoch kein Beweis  dafür,  dass es sich um eine Fälschung handle. Auf der Rückseite des  Dokuments  sei  im  Weiteren  ein  Stempel  angebracht  worden,  der  die  arabischen  Ziffern  06.04.09  enthalte.  Es  handle  sich  dabei  um  kein  Datum, da dieses  in persischer Schrift, nicht aber  in arabischen Ziffern  geschrieben worden wäre. Ausserdem würden Daten  regelmässig  von  Hand  geschrieben.  Beachte  man  den  Ablauf,  der  hinter  dem  umstrittenen Dokument  stecke,  so  sei  es  durchaus  plausibel,  dass  es  innert  2­4  Wochen  zu  einer  Anzeige,  einer  Verteidigung  und  einer  Vorladung  gekommen  sei.  Das  Dokument  müsse  genügen,  um  die  Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführenden glaubhaft zu machen. Das neu eingereichte Schreiben von (…) bekräftige die konkrete Gefahr,  in die sich der Beschwerdeführer im Falle einer Rückschaffung begeben  würde.  Sollte  die  Flüchtlingseigenschaft  verneint  werden,  sei  daher  zumindest  die  vorläufige  Aufnahme  ernsthaft  zu  prüfen.  Von  einer  Rückschaffung sei in jedem Fall abzusehen.

D­1066/2010 4.5.  Mit  Stellungnahme  vom  21.  November  2011  wurde  die  Abklärungsweise  des  BFM  und  der  Schweizerischen  Botschaft  gerügt  und  diesbezüglich  geltend  gemacht,  der  Umstand,  dass  mit  der  Bekanntgabe des Namens des Beschwerdeführers dessen Familie und  Angehörige  im  Iran  und  er  selbst  in  der  Schweiz  gefährdet  worden  seien,  habe  man  nicht  berücksichtigt.  Im  Weiteren  bezweifelten  die  Beschwerdeführenden  die  Neutralität  des  Verfassers  der  Botschaftsantwort. Es handle sich nicht nur um eine klärende Analyse,  sondern  um  eine  emotional  gefärbte  und  sprachlich  einseitig  ausgefertigte  Stellungnahme.  Sodann  genüge  es  nicht,  einfach  zu  behaupten, der Stempel auf dem Anhörungsprotokoll beziehungsweise  dem  angeblichen  Abwesenheitsurteil  vom 5.  Dezember  2009  sei  grundsätzlich  leicht  käuflich.  Bei  Fälschungen  müsse nicht alleine auf den Stempel, sondern auf das ganze Dokument  und  die  gesamten  Umstände  abgestellt  werden,  was  in  casu  nicht  gemacht  worden  sei.  Angesichts  dessen,  dass  die  Abfassung  des  umstrittenen  Dokuments  in  drei  verschiedenen  Schriften  gebildeter  Personen  in  keiner Weise  berücksichtigt worden  sei,  habe man  es  zu  Unrecht und ohne genaue Prüfung sämtlicher Umstände vorschnell als  unecht  bezeichnet.  Ausserdem  trage  das  Dokument  eine  Verfahrensnummer,  weshalb  es  hätte  möglich  sein  müssen,  zu  überprüfen, ob tatsächlich eine Anzeige und eine Vorladung gegen den  Beschwerdeführer  vorlägen.  Allein  aufgrund  einer  pauschalen  Prüfung  die Echtheit des Dokuments in Zweifel zu ziehen, ohne konkret auf den  Einzelfall einzugehen, genüge nicht. 5.  Nach  einer  genauen  Prüfung  der  vorliegenden  Akten  kommt  das  Bundesverwaltungsgericht  zum Schluss, dass die Ausführungen  in der  Beschwerde,  der Replik  vom 7.  Februar  2011  und  der Stellungnahme  vom  21.  November  2011  nicht  geeignet  sind,  die  als  zutreffend  zu  erachtenden Erwägungen des BFM zu entkräften. 5.1.  Für  die  Glaubhaftigkeit  der  asylsuchenden  Person  spricht  namentlich  die  Übereinstimmung  zwischen  den  verschiedenen  Befragungen  (vgl.  WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Peter  Uebersax/Beat  Rudin/Thomas  Hugi  Yar/Thomas  Geiser  [Hrsg.]  Ausländerrecht,  Handbücher für die Anwaltspraxis, Band VIII, 2. Auflage, Basel 2009, S.  568 Rz. 11.149).

D­1066/2010 5.1.1. Hinsichtlich  der  Vorbringen  des  Beschwerdeführers,  wonach  er  Ende  Mai  oder  Ende  Juni  2006  an  der  Universität  eine  friedliche  Demonstration  organisiert  habe,  wobei  die  ganze  Demonstration  vom  Universitätsüberwachungsdienst  Harasat  gefilmt  worden  sei,  ist  Folgendes festzustellen: Anlässlich der Befragung zur Person gab er an,  dem Harasat­Mitarbeiter die Kamera aus den Händen gerissen und den  Film beleuchtet, kaputt gemacht zu haben (vgl. Befragungsprotokoll vom 6.  November  2009,  A1  S.  7),  während  er  bei  der  Anhörung  zu  den  Asylgründen erklärte,  er  sei  zum Harasat­Mitarbeiter  hingegangen und  habe von ihm die Kamera verlangt. Der Mitarbeiter habe ihm daraufhin  gesagt:  „Bitte,  nimm  die  Kamera  nicht“,  ihm  aber  den  Digital­Film  gegeben, den er dann gelöscht habe (vgl. Anhörungsprotokoll vom 13.  November  2009,  A10  S.  4  F19).  Zur  Rechtfertigung  dieses  Widerspruchs  gab  der  Beschwerdeführer  an,  er  glaube,  die  Dolmetscherin  habe  ihn  falsch  verstanden.  Er  habe  nie  von  einer  Beleuchtung des Films gesprochen, sondern zu 100% ausgeführt, den  Film gelöscht zu haben (vgl. a.a.O., F20). Vor dem Hintergrund, dass er  im  Anschluss  an  die  Rückübersetzung  des  Protokolls  unterschriftlich  bestätigte, dieses entspreche seinen Aussagen und der Wahrheit  (vgl.  A1  S.  15),  muss  sein  Erklärungsversuch  als  unbehelfliche  Schutzbehauptung qualifiziert werden. An dieser Einschätzung vermag  auch  der  Hinweis  in  der  Beschwerde,  wonach  der  genaue  Wortlaut  „entreissen“,  „abnehmen“,  „Kamera“,  „Digitalkamera“  usw.  von  sekundärer  Bedeutung  sei  und  die  Gefahr  von  Übersetzungs­ ungenauigkeiten enthalte, ebenso wenig zu ändern. 5.1.2.  Im  Weiteren  gab  der  Beschwerdeführer  bei  der  Befragung  zur  Person an, nach dem Aufstand habe der Ettela'at ein paar Mal bei  ihm  zu Hause angerufen und gefordert, er solle sich bei ihnen melden. Er sei  nicht  zu  Hause  gewesen  sei,  weshalb  seine  Angehörigen  jeweils  die  Telefonate  entgegengenommen  hätten  (vgl.  A1  S.  7).  Anlässlich  der  Anhörung  zu  den  Asylgründen  liess  er  dagegen  protokollieren,  die  Agenten des Ettela'at seien zu ihnen nach Hause gekommen und hätten  nach  ihm  gefragt  (vgl.  A10  S.  5  F31).  Auf  den  Widerspruch  angesprochen,  rechtfertigte  er  sich  dahingehend,  dass  beide  Ausführungen stimmten, der Ettela'at habe seine Familie angerufen und  sei  auch  zu  ihnen  nach  Hause  gekommen  (vgl.  a.a.O.,  F  32).  Es  ist  jedoch  davon  auszugehen,  der  Beschwerdeführer  hätte  –  falls  er  tatsächlich  gesucht  worden  wäre  –  bereits  bei  der  Erstbefragung  erwähnt, dass die Agenten sich nicht nur telefonisch nach ihm erkundigt,  sondern  ihn  auch  daheim  aufgesucht  hätten.  Auch  die  Dauer  der 

D­1066/2010 angeblichen Festnahmen seitens der Ettela'at im Jahr 2006 schilderte er  widersprüchlich.  Im  Rahmen  der  Befragung  zur  Person  führte  er  diesbezüglich  aus,  nachdem  er  erstmals  von  der  Ettela'at  verhaftet  worden  sei,  habe  er  auf  einem  Blatt  seine  Personalien,  Freunde  und  Familienangehörigen  vermerken  müssen.  Daraufhin  habe  er  gehen  können,  sich  aber  am  folgenden  Tag  an  derselben  Adresse  wieder  melden müssen. Bei der zweiten und dritten Verhaftung sei er drei Tage  beziehungsweise  eine  Woche  festgehalten  worden  (vgl.  A1  S.  7/8).  Demgegenüber  gab  er  anlässlich  der  Anhörung  an,  bei  der  ersten  Verhaftung habe er über Nacht bei der Ettela'at bleiben müssen und sei  erst  am  nächsten  Tag  freigelassen  worden  (vgl.  A10  S.  6  F36).  Auf  Vorhalt  hin  gab  er  zunächst wiederum  zu Protokoll,  sie  hätten  ihn  bei  der ersten Verhaftung nach einem Tag gehen lassen (vgl. a.a.O., F37),  um  gleich  anschliessend  entgegen  seiner  Schilderung  bei  der  Befragung  zur  Person  auszuführen,  er  sei  anlässlich  der  zweiten  Festnahme zwei Tage lang dort behalten worden (vgl. a.a.O.). Von einer  tatsächlich  verhafteten  Person  wären  indessen  übereinstimmende  Angaben  zu  erwarten  gewesen,  zumal  es  sich  bei  einer  Festnahme  doch  um  ein  einschneidendes,  dem  Betroffenen  sich  einprägendes  Ereignis handelt. Aufgrund  der  zahlreichen  Widersprüche  kann  dem  Beschwerdeführer  weder geglaubt werden, er habe einen Film vernichtet noch sei er von  der  Ettela'at  gesucht,  mehrmals  festgenommen  und  behelligt  worden.  Sein  Vorbringen  in  der  Beschwerde,  wonach  sich  in  casu  keine  Widersprüche  in  wesentlichen  Elementen  der  Aussagen  fänden,  ist  somit  unbegründet.  Auch  das  Argument,  dass  mittels  eines  Dolmetschers  durchgeführte  Befragungen  anfällig  auf  Fehler  seien,  welche  sich  im  Protokoll  niederschlagen  würden,  führt  zu  keiner  anderen Einschätzung, zumal es dem Beschwerdeführer  im Anschluss  an  die  Rückübersetzung  offengestanden  wäre,  auf  allfällige  Fehler  hinzuweisen. 5.1.3.  Die  angeblichen  Festnahmen  im  Jahr  2009  sind  in  Übereinstimmung  mit  dem  BFM  gleichermassen  als  unglaubhaft  zu  bezeichnen,  da  sich  der  Beschwerdeführer  auch  diesbezüglich  in  Widersprüche  verstrickte.  Namentlich  sein  Vorbringen,  wonach  die  Agenten der Ettela'at vor seiner Verhaftung bei ihm zu Hause angerufen  und  ihn  dann  abgeholt  hätten  (vgl.  A10  S.  11  F71),  widerspricht  der  allgemeinen Lebenserfahrung, zumal die Agenten dadurch seine Flucht  riskiert  hätten.  In  Anbetracht  der  Sachlage  muss  auch  die  Vorladung  des Beschwerdeführers als unglaubhaft bezeichnet werden, weshalb er 

D­1066/2010 aus  dem  als  Beweismittel  eingereichten  Vorladungsblatt  vom  3.  November 2009 nichts zu seinem Vorteil abzuleiten vermag. 5.1.4.  Auch  das  Aussageverhalten  der  Beschwerdeführerin  erweckt  erhebliche  Zweifel  an  der  Glaubhaftigkeit  der  geltend  gemachten  Behelligungen.  So  verneinte  sie  anlässlich  der  Anhörung  zu  den  Asylgründen  die  Frage,  ob  sie  mit  irgendwelchen  Personen,  den  heimatlichen Behörden  oder Organisationen  je Probleme  gehabt  habe  (vgl. Anhörungsprotokoll vom 13. November 2009, A11 S. 2 F7), obwohl  sie  bei  der  Erstbefragung  erklärte,  nach  der  Ausreise  des  Beschwerdeführers sei sie mit ihrem Schwiegervater am 12. September  2009  und  13.  September  2009  von  der  Ettela'at  abgeholt  und  verhört  worden  (vgl.  Befragungsprotokoll  vom  6.  November  2009,  A2  S.  7).  Angesichts  dessen  wäre  vielmehr  zu  erwarten  gewesen,  dass  sie  die  beiden  angeblichen Verhöre  bei  der Direktanhörung  von  sich  aus  und  nicht erst auf Vorhalt hin erwähnt hätte. Was die vorangehenden Erwägungen (E. 5.1.1.­5.1.4.) anbelangt, kann  im Übrigen zur Vermeidung von Wiederholungen vollumfänglich auf die  zutreffenden Ausführungen  in der angefochtenen Verfügung verwiesen  werden. 5.2.  Schliesslich  muss  die  Glaubhaftigkeit  des  Sachvortrags  auch  angesichts  der  Botschaftsabklärung  in  Zweifel  gezogen  werden.  Laut  dem  Abklärungsergebnis  handelt  es  sich  beim  als  Beweismittel  eingereichten  Anhörungsprotokoll  beziehungsweise  angeblichen  Abwesenheitsurteil  vom  5.  Dezember  2009  um  eine  Fälschung  (vgl.  Akte A38), weshalb der Beschwerdeführer damit nicht belegen kann, er  habe bei einer allfälligen Rückkehr im Iran Verfolgungsmassnahmen zu  befürchten. Im Weiteren vermag die vom BFM in seiner Stellungnahme  vom 18. Januar 2011 vertretene Argumentation gegen die Echtheit des  Dokuments  zu  überzeugen  und  ist  mangels  stichhaltiger  Gegenargumente  in  der  Replik  vom  7.  Februar  2011  sowie  der  Stellungnahme  vom  21.  November  2011  zu  bestätigen.  Bei  dieser  Sachlage  kann  insbesondere  offen  gelassen  werden,  ob  der  auf  der  Rückseite des Dokuments angebrachte Stempel ein Datum enthält oder  es sich dabei um eine andere Bezeichnung handelt. Überdies ergeben  sich  aus  der  Kritik  des  Beschwerdeführers  am  Vorgehen  des  Bundesamtes  und  der  Botschaft  im  Rahmen  der  Abklärung  keine  Zweifel  an  deren  Zuverlässigkeit.  Infolgedessen  besteht  für  das  Bundesverwaltungsgericht auch kein Anlass, an der Richtigkeit der von  einer  Vertrauensperson  der  Botschaft  dargelegten  Ausführungen  und 

D­1066/2010 der entsprechenden Folgerung des BFM zu zweifeln. Es gelangt daher  in  freier  Beweiswürdigung  zum Schluss,  dass  das  fragliche Dokument  gefälscht ist, weshalb darauf verzichtet werden kann, auf die in diesem  Zusammenhang  geltend  gemachten  Vorbringen  näher  einzugehen.  In  Anbetracht  dessen,  dass  es  sich  beim  Anhörungsprotokoll  beziehungsweise  angeblichen  Abwesenheitsurteil  vom  5.  Dezember  2009  um  ein  Falsifikat  handelt,  ist  das  Vorladungsblatt  vom  3.  November 2009 ebenso als gefälscht zu bezeichnen. Diese Dokumente  sind  gemäss Art.  10  Abs.  4  AsylG  einzuziehen.  Auch  die  mit  der  Eingabe  vom  7.  Februar 2011 eingereichten Beweismittel  vermögen zu keiner anderen  Betrachtungsweise zu  führen. Das Schreiben von  (…) vom 23. Januar  2011 ist als Gefälligkeitsschreiben ohne Beweiswert zu qualifizieren, da  darin  im  Wesentlichen  wiederholt  wird,  das  Leben  des  Beschwerdeführers  sei  im  Iran  in  Gefahr  gewesen  und  bei  einer  Abschiebung  dorthin  würde  ihn  ein  hartes  Schicksal  ereilen.  Zudem  nimmt  weder  der  Zeitungsartikel  vom  31.  Januar  2011  noch  das  undatierte Schreiben des Internationalen Komitees gegen Hinrichtungen  konkret  Bezug  auf  den  Beschwerdeführer,  weshalb  er  auch  daraus  nichts zu seinen Gunsten ableiten kann. 5.3.  Als  eigenen  Grund  für  die  Einreichung  ihres  Asylgesuchs  in  der  Schweiz machte die Beschwerdeführerin  geltend,  die allgemeine  kata­ strophale  Lage  der  Frauen  im  Iran  habe  sie  dazu  veranlasst,  ihr  Heimatland zu verlassen  (vgl. A2 S. 7). Diesbezüglich  ist  festzuhalten,  dass es im iranischen Kontext zweifellos zu Benachteiligungen der Frau  gegenüber dem Mann kommt,  jedoch nicht ersichtlich  ist,  inwiefern die  Beschwerdeführerin  davon  mehr  betroffen  sein  sollte  als  andere  iranische Frauen. Die dargelegten Ungleichbehandlungen stellen daher  keine ernsthaften Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG dar. 5.4.  Zusammenfassend  ergibt  sich,  dass  das  BFM  zu  Recht  davon  ausging,  die  Vorbringen  der  Beschwerdeführenden  hielten  den  Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht stand  und  die  Ausführungen  der  Beschwerdeführerin  hinsichtlich  ihrer  Benachteiligung  als  Frau  stellten  keine  asylbeachtliche  Verfolgung  im  Sinne von Art. 3 AsylG dar. Demzufolge erweist sich die Ablehnung der  Asylgesuche insgesamt als rechtens. 6. 

D­1066/2010 6.1. Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht  ein,  so  verfügt  es  in der Regel  die Wegweisung aus der Schweiz und  ordnet  den  Vollzug  an;  es  berücksichtigt  dabei  den  Grundsatz  der  Einheit der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 6.2.  Die  Beschwerdeführenden  verfügen  weder  über  eine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht  angeordnet (Art. 44 Abs. 1 AsylG; Entscheidungen und Mitteilungen der  Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2001 Nr. 21). 7.  7.1. Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder  nicht  möglich,  so  regelt  das  Bundesamt  das  Anwesenheitsverhältnis  nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und  Ausländer [AuG, SR 142.20]). Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungsvollzugshindernissen  gilt gemäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts und seiner  Vorgängerorganisation  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft,  das  heisst,  sie  sind  zu  beweisen,  wenn  der  strikte  Beweis  möglich  ist,  und  andernfalls  wenigstens  glaubhaft  zu  machen (vgl. WALTER STÖCKLI, a.a.O., S. 568 Rz. 11.148). 7.2. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen  der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen  (Art. 83  Abs. 3 AuG). 7.2.1. So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land  gezwungen werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso Art. 33  Abs. 1  des Abkommens  vom  28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  Art. 3  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende Behandlung  oder Strafe 

D­1066/2010 (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter  oder  unmenschlicher  oder  erniedrigender  Strafe  oder  Behandlung  unterworfen werden. 7.2.2. Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend  darauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulement  nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es den  Beschwerdeführenden  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5  AsylG  verankerte  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  der  Beschwerde­ führenden in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5  AsylG rechtmässig. 7.2.3.  Sodann  ergeben  sich  weder  aus  den  Aussagen  der  Beschwerdeführenden  noch  aus  den Akten  Anhaltspunkte  dafür,  dass  sie  für  den  Fall  einer  Ausschaffung  in  den  Heimatstaat  dort  mit  beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK  verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wären. Gemäss Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­Folterausschusses  müssten  die  Beschwerdeführenden  eine  konkrete  Gefahr  ("real  risk")  nachweisen  oder glaubhaft machen, dass ihnen im Fall einer Rückschiebung Folter  oder  unmenschliche  Behandlung  drohen  würde  (vgl.  EGMR  [Grosse  Kammer],  Saadi  gegen  Italien,  Urteil  vom  28. Februar  2008,  Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 –127, mit weiteren Hinweisen). Auch  die  allgemeine  Menschenrechtssituation  im  Iran  lässt  den  Wegweisungsvollzug  zum  heutigen  Zeitpunkt  nicht  als  unzulässig  erscheinen.  Nach  dem  Gesagten  ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  sowohl im Sinne der asyl­ als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen  zulässig. 7.3. Gemäss Art. 83  Abs. 4  AuG  kann  der  Vollzug  für  Ausländerinnen  und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  aufgrund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner Gewalt  und medizinischer Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 7.3.1.  Angesichts  der  Lage  im  Iran  kann  nicht  von  einer  Situation  allgemeiner Gewalt oder von kriegerischen oder bürgerkriegsähnlichen 

D­1066/2010 Verhältnissen  gesprochen  werden,  weshalb  für  die  Beschwerdeführenden  bei  einer  Rückkehr  keine  konkrete  Gefährdung  besteht. 7.3.2. Bei den Beschwerdeführenden handelt es sich zunächst um junge  und  gemäss  den  Akten  gesunde  Personen.  Sodann  besuchte  der  Beschwerdeführer während mehrerer Jahre die Schule, verfügt über ein  Diplom als Architekt und arbeitete in verschiedenen Bereichen, während  die  Beschwerdeführerin  von  einer  staatlichen  Universität  als  Geologiestudentin  aufgenommen  wurde  (vgl.  A1  S.  3,  A2  S.  4).  Angesichts dieser Sachlage kann davon ausgegangen werden, dass es  ihnen bei einer Rückkehr  im Heimatland gelingen wird,  für sich und  ihr  inzwischen geborenes Kind eine Existenz aufzubauen. Darüber hinaus  besteht  im  Iran  ein  tragfähiges  Beziehungsnetz  (Eltern,  zwei  Schwestern  und  ein  Bruder  des  Beschwerdeführers  [vgl.  A1  S.  4];  Mutter,  vier Schwestern und zwei Brüder der Beschwerdeführerin  [vgl.  A2 S.  4/5]),  welches  ihnen  bei  der Wiedereingliederung  behilflich  sein  kann. Sollten sie sich mit allfälligen Anfangsschwierigkeiten konfrontiert  sehen, werden sie ausserdem die Möglichkeit haben, sich an den Vater  des Beschwerdeführers zu wenden, der sehr vermögend sein soll und  ihn  bereits  finanziell  unterstützt  hat  (vgl.  A1  S.  3).  Im  Weiteren  sind  keine  anderen  persönlichen  Gründe  ersichtlich,  aufgrund  derer  geschlossen  werden  könnte,  die  Beschwerdeführenden  gerieten  im  Falle  der  Rückkehr  in  eine  existenzbedrohende  Situation.  Nach  dem  Gesagten  wie  auch  unter  Berücksichtigung  des  Kindeswohls  gemäss  Art.  3 Abs.  1 des Übereinkommens vom 20. November 1989 über die  Rechte  des  Kindes  (KRK,  SR  0.107)  erweist  sich  der  Vollzug  der  Wegweisung ebenso als zumutbar. 7.4.  Schliesslich  obliegt  es  den  Beschwerdeführenden,  sich  bei  der  zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr  notwendigen Reisedokumente  zu beschaffen  (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG,  dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug der  Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 7.5. Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu  Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Demnach fällt eine  Anordnung der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1 –  4 AuG).

D­1066/2010 8.  Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung  Bundesrecht  nicht  verletzt,  den  rechtserheblichen  Sachverhalt  richtig  und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die  Beschwerde ist somit abzuweisen. 9.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  die  Kosten  den  Beschwerdeführenden aufzuerlegen  (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und  infolge  mutwilliger  Prozessführung  aufgrund  der  Einreichung  gefälschter  Dokumente  auf  insgesamt  Fr. 1'200.­  festzusetzen  (Art. 2  Abs.  2  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2]).  Da  die  Beschwerdeführenden  am  17.  März  2010  bereits  einen  Kostenvorschuss  von  Fr.  600.­  leisteten,  ist  ihnen  noch  ein  Restbetrag von Fr. 600.– aufzuerlegen. (Dispositiv nächste Seite)

D­1066/2010 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das  Vorladungsblatt  vom  3.  November  2009  und  das  Anhörungsprotokoll  beziehungsweise  angebliche  Abwesenheitsurteil  vom 5. Dezember 2009 werden eingezogen. 3.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 1'200.­  werden  den  Beschwerdeführenden  auferlegt.  Der  am  17.  März  2010  einbezahlte  Kostenvorschuss  wird  angerechnet.  Der  Restbetrag  von  Fr.  600.­  ist  innert 30 Tagen ab Versand des Urteils zu Gunsten der Gerichtskasse  zu überweisen. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Fulvio Haefeli Karin Schnidrig Versand:

D-1066/2010 — Bundesverwaltungsgericht 06.02.2012 D-1066/2010 — Swissrulings