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Bundesverwaltungsgericht 24.10.2011 C-8255/2010

24. Oktober 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·752 Wörter·~4 min·2

Zusammenfassung

Freiwillige Versicherung | AHV (freiwillige Versicherung)

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung III C­8255/2010 Urteil   v om   2 4 .   O k t ob e r   2011 Besetzung Einzelrichter Michael Peterli,  Gerichtsschreiberin Sandra Tibis. Parteien X._______, Mexiko, Zustelladresse: Y._______,   Beschwerdeführer,  gegen Schweizerische Ausgleichskasse SAK,  Avenue Edmond­Vaucher 18, Postfach 3100,  1211 Genf 2,    Vorinstanz.  Gegenstand AHV (freiwillige Versicherung).

C­8255/2010 Sachverhalt: A.  Der  am  (…)  1978  geborene,  verheiratete  Schweizerbürger  X._______  lebt  in Mexiko. Er war von 1996 bis 2009  in der obligatorischen Alters­,  Hinterlassenen­  und  Invalidenversicherung  (AHV/IV)  versichert.  Er  ersuchte mit  Beitrittserklärung  vom  17. Juni  2009  (recte:  17. Juni  2010)  bei  der  Schweizerischen  Ausgleichskasse  (nachfolgend:  SAK)  um  Aufnahme  in  die  freiwillige  Alters­,  Hinterlassenen­  und  Invalidenversicherung (nachfolgend: freiwillige Versicherung; SAK­act. 1). B.  Mit  Verfügung  vom  6. Juli  2010  (SAK­act. 3)  wies  die  SAK  das  Beitrittsgesuch von X._______ mit der Begründung ab, er sei nur bis  im  Mai 2009 der obligatorischen Versicherung unterstellt gewesen und habe  per  31. Mai  2009  die  Schweiz  verlassen,  weshalb  mit  der  Anmeldung  vom Juni 2010 die einjährige Beitrittsfrist nicht eingehalten worden sei. C.  Gegen  die Verfügung  vom 6. Juli  2010  erhob X._______ mit  Schreiben  vom  21. Juli  2010  (SAK­act. 4)  Einsprache  bei  der  SAK.  Er  beantragte  sinngemäss  die  Aufhebung  der  angefochtenen  Verfügung  und  die  Aufnahme in die freiwillige Versicherung. D.  Mit  Einspracheentscheid  vom  7. Oktober  2010  (SAK­act. 5)  wurde  die  Einsprache von X._______ abgewiesen. E.  Gegen den Einspracheentscheid vom 7. Oktober 2010 erhob X._______  (nachfolgend:  Beschwerdeführer)  mit  Eingabe  vom  22. November  2010  Beschwerde  beim  Bundesverwaltungsgericht.  Er  beantragte  die  Aufhebung des angefochtenen Einspracheentscheids und die Aufnahme  in die freiwillige Versicherung. Zur Begründung führte er aus, er habe die  Beitrittsfrist nicht einhalten können, da er namentlich mit den Formalitäten  der mexikanischen Behörden, dem Erlernen der neuen Sprache und den  Hochzeitsvorbereitungen sehr beschäftigt gewesen sei. F.  Mit  Schreiben  vom  8. Februar  2011  hat  der  Beschwerdeführer  auf  Aufforderung des Instruktionsrichters eine Zustelladresse  in der Schweiz  bekannt gegeben.

C­8255/2010 G.  Mit  Vernehmlassung  vom  27. April  2011  beantragte  die  SAK  die  Abweisung  der  Beschwerde.  Zur  Begründung  führte  sie  aus,  der  Beschwerdeführer sei nachweislich und unbestrittenermassen nur bis und  mit  Mai  2009  in  der  obligatorischen  Versicherung  versichert  gewesen,  weshalb  das  Beitrittsgesuch  vom  Juni  2010  nicht  mehr  innert  der  einjährigen Beitrittsfrist gestellt worden sei; ein Fristverlängerungsgesuch  sei zudem nicht gestellt worden. H.  Mit Replik  vom 6. Juni  2011 hielt  der Beschwerdeführer  sinngemäss an  seinem Antrag fest und machte geltend, er sei nicht über die Möglichkeit  einer Verlängerung der Frist  informiert worden, und  im Übrigen habe er  die Beitrittsfrist nur um 17 Tage überschritten. I.  Mit Duplik  vom  12. Juli  2011  hielt  die  SAK  an  ihrem Abweisungsantrag  fest.  Zur  Begründung  führte  sie  aus,  dass  sie  die  Versicherten  nicht  automatisch  über  die  Verlängerungsmöglichkeit  informiere,  da  eine  Verlängerung ohnehin nur in Ausnahmefällen möglich sei. J.  Auf  die  weiteren  Vorbringen  der  Parteien  sowie  die  eingereichten  Beweismittel  ist  –  soweit  für  die  Entscheidfindung  erforderlich  –  in  den  nachfolgenden Erwägungen einzugehen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.   1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG,  SR 173.32)  in  Verbindung  mit  Art. 33  lit. d  VGG  und  Art. 85bis  Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1946 über die Alters­ und  Hinterlassenenversicherung  (AHVG,  SR 831.10)  beurteilt  das  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerden  von  Personen  im  Ausland  gegen Verfügungen der Schweizerischen Ausgleichskasse. Es liegt keine  Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist somit zur Beurteilung der Beschwerde zuständig.

C­8255/2010 1.2. Aufgrund von Art. 3  lit. dbis des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021)  findet  das  VwVG keine Anwendung in Sozialversicherungsrechtssachen, soweit das  Bundesgesetz  vom  6. Oktober  2000  über  den  Allgemeinen  Teil  des  Sozialversicherungsrechts  (ATSG,  SR 830.1)  anwendbar  ist.  Gemäss  Art. 1 Abs. 1 AHVG sind die Bestimmungen des ATSG auf die im ersten  Teil geregelte Alters­ und Hinterlassenenversicherung anwendbar, soweit  das AHVG nicht ausdrücklich eine Abweichung vom ATSG vorsieht. 1.3.  Der  Beschwerdeführer  ist  durch  den  angefochtenen  Einspracheentscheid  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  dessen Aufhebung oder Änderung, so dass er im Sinne von Art. 59 ATSG  beschwerdelegitimiert ist. 1.4. Da die Beschwerde im Übrigen frist­ und formgerecht (Art. 60 Abs. 1  ATSG  und  Art. 52  Abs. 1  VwVG)  eingereicht  wurde,  ist  darauf  einzutreten. 2.   2.1.  In  zeitlicher  Hinsicht  sind  grundsätzlich  diejenigen  Rechtssätze  massgebend,  die  bei  der  Erfüllung  des  zu  Rechtsfolgen  führenden  Tatbestandes  Geltung  hatten  (vgl.  BGE 130 V 329  E. 2.3).  Die  Beurteilung  des  im  Juni  2010  gestellten  Aufnahmegesuchs  richtet  sich  demzufolge nach Art. 2 Abs. 1 AHVG  in der seit 1. Juni 2002 geltenden  sowie Art. 7 und 8 der Verordnung vom 26. Mai 1961 über die  freiwillige  Alters­, Hinterlassenen­ und Invalidenversicherung (VFV, SR 831.111)  in  der seit 1. April 2001 gültigen Fassung. 2.2.  Die  Beschwerdeführenden  können  im  Rahmen  des  Beschwerdeverfahrens die Verletzung von Bundesrecht unter Einschluss  des Missbrauchs oder der Überschreitung des Ermessens, die unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  sowie die Unangemessenheit des Entscheids rügen (Art. 49 VwVG). 3.  Vorliegend  ist  strittig  und  vom  Bundesverwaltungsgericht  zu  prüfen,  ob  die  SAK  den  Beschwerdeführer  zu  Recht  nicht  in  die  freiwillige  Versicherung aufgenommen hat. 3.1.  Art. 2  Abs. 1  AHVG  bestimmt,  dass  Schweizer  Bürger  und  Staatsangehörige  der  Mitgliedstaaten  der  Europäischen  Gemeinschaft 

C­8255/2010 oder  der  Europäischen  Freihandelsassoziation,  die  nicht  in  einem  Mitgliedstaat  der  Europäischen  Gemeinschaft  oder  der  Europäischen  Freihandelsassoziation  leben,  der  freiwilligen  Versicherung  beitreten  können,  falls  sie  unmittelbar  vorher  während  mindestens  fünf  aufeinanderfolgenden Jahren obligatorisch versichert waren. Gemäss Art. 7 Abs. 1 VFV können Personen der freiwilligen Versicherung  beitreten,  welche  die  Versicherungsvoraussetzungen  nach  Art. 2  Abs. 1  AHVG erfüllen, einschliesslich jener, die für einen Teil ihres Einkommens  der obligatorischen Versicherung unterstellt sind.  Gemäss Art. 8 Abs. 1 VFV muss die Beitrittserklärung schriftlich bei der  Ausgleichskasse oder  subsidiär  bei  der  zuständigen Auslandsvertretung  innerhalb  eines  Jahres  ab  dem  Zeitpunkt  des  Ausscheidens  aus  der  obligatorischen  Versicherung  eingereicht  werden.  Nach  Ablauf  dieser  Frist  ist  der  Beitritt  zur  freiwilligen  Versicherung  nicht  mehr  möglich.  Liegen  ausserordentliche  Umstände  vor,  die  nicht  vom  Antragsteller  zu  vertreten sind,  kann die Ausgleichskasse auf Gesuch  in Einzelfällen die  Frist zur Abgabe der Beitrittserklärung um längstens ein Jahr erstrecken.  Die Gewährung oder die Ablehnung  ist  durch eine Kassenverfügung  zu  treffen (Art. 11 VFV). Rechtsprechungsgemäss sind die Voraussetzungen  für  die  Annahme  von  ausserordentlichen  Verhältnissen  und  der  daraus  folgenden Verlängerung der Beitrittsfrist gemäss Art. 11 VFV sehr streng.  Mangelndes Wissen  eines  Versicherten  um  seine Rechte  und  Pflichten  gehört  nicht  zu  den  Fällen,  in  welchen  eine  Verlängerung  der  Frist  möglich ist (vgl. BGE 97 V 213 E. 2 mit Hinweisen). 3.2.  Es  ist  vorliegend  unbestritten,  dass  der  Beschwerdeführer  bis  zu  seiner  Ausreise  aus  der  Schweiz  im  Mai  2009  der  obligatorischen  Versicherung  angehörte.  Aus  den  Akten  geht  zudem  hervor,  dass  der  Beschwerdeführer im Juni 2010 bei der SAK ein Gesuch um Aufnahme in  die  freiwillige  Versicherung  gestellt  hat.  Betreffend  dem  auf  dem  Anmeldeformular vermerkten Datum (17.6.2009) ist festzuhalten, dass es  sich beim Jahr  um einen Schreibfehler  handeln muss,  da das Formular  am 30. Juni 2010 bei der SAK eingetroffen ist und der Beschwerdeführer  auf  der  ersten  Seite  des  Formulars  zudem  angibt,  er  sei  seit  dem  30. Januar  2010  verheiratet,  was  er  am  17. Juni  2009  wohl  noch  nicht  geschrieben  hätte.  Im  Übrigen  räumt  der  Beschwerdeführer  in  seiner  Replik  auch  ein,  er  habe  die  Anmeldung  17 Tage  zu  spät  eingereicht,  weshalb auf der Anmeldung zweifellos das Jahr 2010 gemeint sein muss.  Ferner  ist  für  die  Beurteilung  der  Rechtzeitigkeit  einer  Anmeldung 

C­8255/2010 ohnehin  jeweils  der  Eingang  bei  der  SAK  oder  bei  einer  Auslandsvertretung massgebend (vgl. Art. 3 und 8 Abs. 1 VFV). Weil die  Anmeldung erst am 30. Juni 2010 bei der SAK eingegangen  ist, hat der  Beschwerdeführer seine Anmeldung einen Monat zu spät eingereicht. Die  Voraussetzungen  für  die  Verlängerung  der  Beitrittsfrist  gemäss  Art. 11  VFV,  welche  rechtsprechungsgemäss  nur  in  sehr  seltenen  Fällen  gegeben sind, sind vorliegend auch nicht erfüllt.  3.3.  Zusammenfassend  ist  somit  festzuhalten,  dass  der  Beschwerdeführer  die  Beitrittserklärung  zur  freiwilligen  Versicherung  zu  spät  eingereicht  hat  und  die  SAK  das  Beitrittsgesuch  daher  zu  Recht  abgewiesen  hat.  Die  Beschwerde  ist  demzufolge  im  einzelrichterlichen  Verfahren gemäss Art. 23 Abs. 2 VGG in Verbindung mit Art. 85bis Abs. 3  AHVG abzuweisen. 4.   4.1. Das Verfahren ist für die Parteien kostenlos (Art. 85bis Abs. 2 AHVG),  so dass keine Verfahrenskosten zu erheben sind. 4.2.  Der  obsiegenden  Partei  kann  von  Amtes  wegen  oder  auf  Begehren  eine  Entschädigung  für  ihr  erwachsene  notwendige  und  verhältnismässig  hohe  Kosten  zugesprochen  werden  (Art. 64  Abs. 1  VwVG). Als Bundesbehörde hat die SAK  jedoch keinen Anspruch auf  Parteientschädigung  (Art. 7  Abs. 3  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).  Der  unterliegende  Beschwerdeführer  hat  keinen  Anspruch  auf  Parteientschädigung (Art. 64 Abs. 1 VwVG e contrario).

C­8255/2010 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Es  werden  keine  Verfahrenskosten  erhoben,  und  es  wird  keine  Parteientschädigung zugesprochen. 3.  Dieses Urteil geht an: – den Beschwerdeführer (Gerichtsurkunde) – die Vorinstanz (Ref­Nr. …) – das Bundesamt für Sozialversicherungen Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Michael Peterli Sandra Tibis Rechtsmittelbelehrung: Gegen  diesen  Entscheid  kann  innert  30 Tagen  nach  Eröffnung  beim  Bundesgericht,  Schweizerhofquai  6,  6004  Luzern,  Beschwerde  in  öffentlich­rechtlichen  Angelegenheiten  geführt  werden  (Art. 82  ff.,  90  ff.  und  100  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR  173.110]). Die Rechtsschrift ist in einer Amtssprache abzufassen und hat  die  Begehren,  deren  Begründung mit  Angabe  der  Beweismittel  und  die  Unterschrift  zu  enthalten.  Der  angefochtene  Entscheid  und  die  Beweismittel  sind,  soweit  sie  der  Beschwerdeführer  in  Händen  hat,  beizulegen (Art. 42 BGG).

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