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Bundesverwaltungsgericht 09.08.2011 C-1358/2011

9. August 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·696 Wörter·~3 min·3

Zusammenfassung

Invalidenversicherung (Übriges) | Kostenübernahme

Volltext

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung III C­1358/2011 Urteil   v om   9 .   Augus t   2011 Besetzung Richterin Franziska Schneider (Vorsitz), Richter Francesco Parrino, Richter Stefan Mesmer,    Gerichtsschreiber Roger Stalder. Parteien A.______,  Zustelladresse: z.H. B._______, Beschwerdeführer,  gegen IV­Stelle für Versicherte im Ausland IVSTA,  Avenue Edmond­Vaucher 18, Postfach 3100, 1211 Genf 2,    Vorinstanz.  Gegenstand Kostenübernahme.

C­1358/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest und erwägt, dass die IV­Stelle für Versicherte im Ausland (im Folgenden: IVSTA oder  Vorinstanz) am 4. Januar 2011 eine Verfügung erlassen hat, mit welcher  sie dem 1954 geborenen A._______  (im Folgenden: Beschwerdeführer)  für die Zeit  vom 4. bis 5. November 2010 ein Taggeld  in der Höhe von  insgesamt Fr. 187.90 zugesprochen hat, dass  der Beschwerdeführer mit  der Abrechnung  der Reisekosten  sowie  des Taggeldes nicht einverstanden war, dass  er  in  der  Folge  mit  Eingabe  vom  18.  Februar  2011  (Eingangsstempel:  28.  Februar  2011)  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde erhoben hat, dass  er  beschwerdeweise  (sinngemäss)  beantragt  hat,  die  Verfügung  vom  4.  Januar  2011  sei  aufzuheben  und  es  seien  ihm  zusätzliche  Taggelder  sowie  weitere  Kosten  (Aufenthaltskosten,  Aufenthalt  und  Verpflegung  bei  einem  Bekannten  in  Zürich,  Fahr­  und  Visumskosten,  Telefon­  und  Briefzustellungskosten),  zu  deren  Begleichung  er  einen  Kredit  in  der  Höhe  von  EUR  1'000.­  habe  aufnehmen  müssen,  zu  vergüten, dass die Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung vom 8. April 2011 beantragt  hat,  die  Beschwerde  sei  insofern  gutzuheissen,  als  dem  Beschwerdeführer ein zusätzlicher Taggeldanspruch und eine zusätzliche  Übernachtungspauschale  zustehe;  im  Übrigen  sei  die  Beschwerde  abzuweisen, dass  der  Beschwerdeführer  die  Frist  zur  Einreichung  einer  Replik  unbenutzt hat verstreichen lassen, dass  gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  (VGG,  SR  173.32)  das  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021)  beurteilt,  sofern keine Ausnahme nach Art. 32 VGG vorliegt, dass die IVSTA als Vorinstanz gemäss Art. 33 Bst. d VGG zu gelten hat  und vorliegend keine Ausnahme von der Zuständigkeit auszumachen  ist  (vgl.  auch Art. 69 Abs. 1 Bst. b  des Bundesgesetzes  vom 19. Juni  1959  über die Invalidenversicherung [IVG, SR 831.20]), 

C­1358/2011 dass  Verfügungen  der  IVSTA  im  Bereich  von  IV­Leistungsansprüchen  beim Bundesverwaltungsgericht anfechtbar sind, dass der Beschwerdeführer frist­ und formgerecht (Art. 50 und 52 VwVG)  gegen die Taggeldverfügung  vom 4.  Januar  2011 Beschwerde  erhoben  hat,  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen  hat,  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  ist  und  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Änderung  oder  Aufhebung  hat,  so  dass  er  zur  Beschwerde  legitimiert  ist  (Art.  48  Abs.  1  VwVG)  und  hierauf  grundsätzlich eingetreten werden kann, dass im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren grundsätzlich nur  Rechtsverhältnisse  zu  überprüfen  und  zu  beurteilen  sind,  zu  denen  die  zuständige  Verwaltungsbehörde  vorgängig  verbindlich  –  in  Form  einer  Verfügung – Stellung genommen hat, dass  insoweit  die  Verfügung  den  beschwerdeweise  weiterziehbaren  Anfechtungsgegenstand  bestimmt  und  es  umgekehrt  an  einem  Anfechtungsgegenstand  und  somit  an  einer  Sachurteilsvoraussetzung  fehlt, wenn und  insoweit keine Verfügung ergangen  ist  (BGE 131 V 164  E. 2.1, 125 V 413 E. 1a), dass sich der Begriff der Verfügung mangels näherer Konkretisierung  in  Art.  49  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom  6.  Oktober  2000  über  den  Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG, SR 830.1) nach  Massgabe von Art. 5 VwVG (BGE 130 V 388 E. 2.3) bestimmt, dass der Beschwerdeführer Aufenthalts­, Verpflegungs­, Fahr­, Visums­,  Telefon­ und Briefzustellungskosten beantragt hat, dass  die  Vorinstanz  in  ihrer  Vernehmlassung  vom  8.  April  2011  unter  anderem geltend gemacht hat, der Beschwerdeführer habe Anspruch auf  eine zusätzliche Übernachtungspauschale, dass  hinsichtlich  der  vom  Beschwerdeführer  beantragten  Kostenrückerstattung und des von der Vorinstanz bejahten Anspruchs auf  eine weitere Übernachtungspauschale keine Verfügung erlassen worden  ist  und  somit  in  diesen  Punkten  auf  die  Beschwerde  mangels  Anfechtungsobjekt nicht einzutreten ist,  dass die Sache diesbezüglich an die Vorinstanz zur Entgegennahme und  Behandlung als Gesuch zu überweisen ist (Art. 8 Abs. 1 VwVG),

C­1358/2011 dass  Versicherte  während  der  Durchführung  von  Eingliederungsmassnahmen nach Art. 8 Abs. 3 Anspruch auf ein Taggeld  haben, wenn sie an wenigstens drei aufeinander folgenden Tagen wegen  der Massnahmen verhindert sind, einer Arbeit nachzugehen, oder in ihrer  gewohnten  Tätigkeit  zu  mindestens  50  Prozent  arbeitsunfähig  (Art.  6  ATSG) sind (Art. 22 Abs. 1 IVG), dass  das  Taggeld  aus  einer  Grundentschädigung  besteht,  auf  die  alle  Versicherten Anspruch haben, und einem Kindergeld  für Versicherte mit  Kindern (Art. 22 Abs. 2 IVG), dass  gemäss  Art.  17  der  Verordnung  vom  17.  Januar  1961  über  die  Invalidenversicherung (IVV, SR 831.201) die versicherte Person, die sich  zur  Abklärung  ihres  Leistungsanspruches  an  mindestens  zwei  aufeinanderfolgenden  Tagen  einer  von  der  IV­Stelle  angeordneten  Untersuchung  unterzieht,  für  jeden  Abklärungstag  Anspruch  auf  ein  Taggeld hat, dass die Ausgleichskassen oder die Arbeitgeber die Taggelder monatlich  nachschüssig  auszahlen  oder  diese  im Sinne  von Art.  19 Abs. 2 ATSG  oder  Art.  20  Abs.  2  des  Bundesgesetzes  über  die  Alters­  und  Hinterlassenenversicherung  vom 20. Dezember  1946  verrechnen  (AHV,  SR 831.10; Art. 80 Abs. 1 IVV),  dass  die  Stelle  oder  Person,  bei  der  sich  die  versicherte  Person  der  Eingliederung oder Untersuchung unterzieht oder  in einer Anlehre steht,  der IV­Stelle die Zahl der Tage, für welche ein Anspruch auf Taggeld oder  auf  eine  Entschädigung  für  Betreuungskosten  besteht,  auf  amtlichem  Formular  zu  bescheinigen  hat,  und  Wartezeiten,  für  die  ein  Taggeldanspruch  besteht,  durch  die  zuständige  IV­Stelle  bescheinigt  werden (Art. 81 Abs. 1 IVV), dass  für  die  Erfassung  der  Taggelder  als  Erwerbseinkommen  im Sinne  der AHV und  ihre Eintragung  in  das  individuelle Konto  der  versicherten  Person die Art. 37 und 38 der Verordnung vom 24. November 2004 zum  Erwerbsersatzgesetz  (EOV,  SR  834.11)  sinngemäss  gelten  und Art.  37  Abs.  1  und  2  EOV  auch  sinngemäss  anwendbar  ist  auf  Eingliederungsstätten,  die  mit  der  Auszahlung  von  Taggeldern  betraut  werden (Art. 80 Abs. 1; Art. 81bis Abs. 1 IVV), dass vom Taggeld ein Abzug gemacht wird, wenn die  IV vollständig  für  die Kosten von Unterkunft und Verpflegung aufkommt, und der Bundesrat 

C­1358/2011 die  Höhe  des  Abzugs  festsetzt  und  hierbei  unterscheidet,  ob  die  versicherte Person unterstützungspflichtig ist oder nicht (Art. 24bis IVG), dass  vom Taggeld 20 %, höchstens aber CHF 20.­  abgezogen werden,  wenn  die  IV während  der Eingliederung  für Verpflegung  und Unterkunft  aufkommt und der Abzug bei Personen mit Unterhaltspflichten gegenüber  Kindern,  die  im  Falle  ihres  Todes  eine  Waisenrente  der  AHV  beanspruchen  könnten,  10 % des Taggeldes,  höchstens  aber CHF 10.­  beträgt (Art. 21octies IVV), dass  die  Vorinstanz  in  der  Taggeldverfügung  vom  4.  Januar  2011  von  einem durchschnittlichen Tageseinkommen von CHF 125.­ ausgegangen  war und eine Grundentschädigung von CHF 100.­ pro Tag berechnet hat, dass mit Blick auf diese Angaben nicht rechtsgenüglich erstellt ist, ob die  Vorinstanz  Art.  24bis  IVG  in  Verbindung  mit  Art.  21octies  IVV  (korrekt)  berücksichtigt resp. angewendet hat, dass  hinsichtlich  des  Anspruchs  auf  die  Bezahlung  eines  zusätzlichen  Taggeldes  von  einer  übereinstimmenden  Auffassung  der  Parteien  auszugehen ist, dass sich das Bundesverwaltungsgericht dieser Auffassung aufgrund der  Rechts­ und Sachlage anschliessen kann, dass die Beschwerde – soweit darauf einzutreten ist – demnach insofern  gutzuheissen  ist,  als  die  angefochtene  Verfügung  vom  4.  Januar  2011  aufzuheben und die Sache mit der Anweisung (Art. 61 Abs. 1 VwVG) an  die  Vorinstanz  zurückzuweisen  ist,  den  Taggeldanspruch  des  Beschwerdeführers  neu  zu  berechnen  und  diesem  im Rahmen der  neu  zu  erlassenden  Verfügung  Taggeldleistungen  für  drei  Tage  zuzusprechen, dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  keine  Verfahrenskosten  zu  erheben sind (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG; vgl. auch BGE 132 V 215 E.  6.1), dass  dem  nicht  anwaltlich  vertretenen  Beschwerdeführer  keine  unverhältnismässig  hohen  Kosten  entstanden  sind,  weshalb  ihm  keine  Parteientschädigung zuzusprechen ist (Art. 64 Abs. 1 VwVG).

C­1358/2011 C­1358/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die  Beschwerde  wird  –  soweit  darauf  eingetreten  wird  –  insofern  gutgeheissen,  als  die  angefochtene  Taggeldverfügung  vom  4.  Januar  2011  aufgehoben  und  die  Sache  mit  der  Anweisung  (Art. 61  Abs. 1  VwVG)  an  die  Vorinstanz  zurückgewiesen  wird,  den  Taggeldanspruch  des Beschwerdeführers  neu  zu  berechnen  und  diesem  im Rahmen  der  neu  zu  erlassenden  Verfügung  Taggeldleistungen  für  drei  Tage  zuzusprechen.  2.  Die  Sache  wird  ferner  an  die  Vorinstanz  überwiesen,  damit  diese  über  den Antrag des Beschwerdeführers betreffend Kostenrückerstattung bzw.  über eine allfällige zusätzliche Übernachtungspauschale verfüge.  3.  Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4.  Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 5.  Dieses Urteil geht an: – den Beschwerdeführer (Gerichtsurkunde) – die Vorinstanz (Ref­Nr. […]; Einschreiben) – das Bundesamt für Sozialversicherungen (Einschreiben) Für die Rechtsmittelbelehrung wird auf die nächste Seite verwiesen. Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Franziska Schneider Roger Stalder

C­1358/2011 C­1358/2011 Rechtsmittelbelehrung: Gegen  diesen  Entscheid  kann  innert  30 Tagen  nach  Eröffnung  beim  Bundesgericht,  Schweizerhofquai  6,  6004  Luzern,  Beschwerde  in  öffentlich­rechtlichen  Angelegenheiten  geführt  werden  (Art. 82  ff.,  90  ff.  und  100  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR  173.110]).  Die  Rechtsschrift  hat  die  Begehren,  deren  Begründung  mit  Angabe  der  Beweismittel  und  die  Unterschrift  zu  enthalten.  Der  angefochtene  Entscheid  und  die  Beweismittel  sind,  soweit  sie  der  Beschwerdeführer in Händen hat, beizulegen (Art. 42 BGG). Versand:

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