Obligationenrecht Droit des obligations Obligationenrecht - Arbeitsvertrag - Lohn bei Verhinderung der Arbeitsleistung - KGE (I. Zivilrechtliche Abteilung) vom 18. Juni 2010, X. c. Y. AG - TCV C1 10 69 Arbeitsvertrag: Lohn bei Verhinderung des Arbeitsnehmers zufolge Krankheit (Art. 324a OR) – Bei Krankheit des Arbeitnehmers hat ihm der Arbeitgeber bei einem Arbeitsverhältnis von mehr als drei Monaten für eine beschränkte Zeit den Lohn weiterhin auszubezahlen (Art. 324a Abs. 1 OR); die Leistungen des Arbeitgebers bemessen sich vorbehältlich der gesetzlichen Minima nach dem Arbeitsvertrag (Art. 324a Abs. 2 OR; E. 4b/c). – Arbeitgeber und Arbeitnehmer können schriftlich den Abschluss einer mit der gesetzlichen Regelung mindestens gleichwertigen Taggeldversicherung vereinbaren, welche den Arbeitgeber von seiner Lohnfortzahlungspflicht bei Krankheit befreit, soweit dem Arbeitnehmer ein direktes Forderungsrecht gegenüber dem Versicherer zusteht (Art. 324a Abs. 4 OR; E. 4a). – Schliesst der Arbeitgeber zu Gunsten seines Arbeitnehmers eine Taggeldversicherung ab, ohne mit ihm eine formgültige Abrede im Sinne von Art. 324a Abs. 4 OR getroffen zu haben, behält der Arbeitnehmer seinen Lohnfortzahlungsanspruch gegen den Arbeitgeber; der Arbeitnehmer muss sich die Leistungen des Versicherers anrechnen lassen (E. 4a/b/c). Ref. CH: Art. 324a OR Ref. VS: - Contrat de travail : salaire en cas d’empêchement du travailleur par suite de maladie (art. 324a CO) – En cas de maladie du travailleur, l’employeur lui verse le salaire pour un temps limité dans la mesure où les rapports de travail ont duré ou ont été conclus pour plus de trois mois (art. 324a al. 1 CO); les prestations de l’employeur sont déterminées selon le contrat de travail, sous réserve de la durée minimale légale (art. 324a al. 2 CO; consid. 4b/c). – Un accord en la forme écrite peut déroger à la réglementation légale à condition d’accorder au travailleur des prestations au moins équivalentes. Le cas échéant, l’employeur, en cas de maladie, est libéré du paiement du salaire, dans la mesure où le travailleur dispose d’un droit d’action direct contre l’assureur (art. 324a al. 4 CO; consid. 4a). – Si l’employeur conclut, en faveur du travailleur, un contrat d’assurance d’indemnités journalières, sans avoir passé, avec celui-ci, un accord écrit au sens de l’art. 324a al. 4 CO, le travailleur conserve sa créance de salaire contre l’employeur; il doit se laisser décompter les prestations de l’assureur (consid. 4b/c). Réf. CH : art. 324a CO Réf. VS : - 264 RVJ / ZWR 2011 ceg Texte tapé à la machine ceg Texte tapé à la machine KGVS C1 10 69 ceg Texte tapé à la machine
RVJ / ZWR 2011 265 Aus den Erwägungen 4. a) Gemäss Art. 324a Abs. 4 OR kann durch schriftliche Abrede, Normalarbeitsvertrag oder Gesamtarbeitsvertrag der Abschluss einer Krankentaggeldversicherung vorgesehen werden, deren Leistungen soweit sie mit der gesetzlichen Regelung gemäss Art. 324a Abs. 1 - 3 OR gleichwertig sind - an die Stelle der Leistungen des Arbeitgebers treten. Insoweit dem Arbeitnehmer aufgrund einer Art. 324a Abs. 4 OR entsprechenden Vereinbarung ein direktes Forderungsrecht gegen den Versicherer zusteht (Art. 87 VVG), ist der Arbeitgeber von seiner Lohnfortzahlungspflicht befreit und kann vom Arbeitnehmer nicht mit einer Lohnforderung für die Dauer der Arbeitsverhinderung belangt werden (Staehelin, Zürcher Kommentar, N. 58 zu Art. 324a OR). Erfüllt der Arbeitgeber aber seine Verpflichtungen in Bezug auf diese Versicherung nicht oder nicht vollständig (z.B. durch Nichtbezahlung der Prämien), so hat er den Arbeitnehmer so zu stellen, wie wenn der Versicherungsschutz gemäss der vertraglichen Vereinbarung bestanden hätte. Der Arbeitgeber haftet in diesen Fällen gemäss Art. 97 OR für den Schaden wegen Nichterfüllung bzw. Verletzung vertraglicher Pflichten (BGE 127 III 318 E. 5, 124 III 126 E. 4, 115 II 251 E. 4b; Bundesgerichtsurteil 4C.230/2000 vom 10. November 2000 E. 2a/aa; Streiff/von Kaenel, Arbeitsvertrag, Praxiskommentar, 6. A., Zürich/Basel/Genf 2006, N. 13 f. zu Art. 324a/b OR). Die abweichende Abrede gemäss Art. 324a Abs. 4 OR hat in schriftlicher Form zu erfolgen und muss alle wichtigen Punkte des versicherungsvertraglichen Systems klar enthalten, kann aber auch auf die allgemeinen Versicherungsbedingungen oder auf ein anderes Dokument verweisen, das dem Arbeitnehmer zur Verfügung steht (BGE 131 III 623 E. 2.5.1 m.w.H.; Portmann, Basler Kommentar, N. 50 zu Art. 324a OR; Streiff/von Kaenel, a.a.O., N. 28 zu Art. 324a/b OR). Schliesst der Arbeitgeber zu Gunsten seines Arbeitnehmers eine Taggeldversicherung ab, ohne mit ihm eine formgültige Abrede im Sinne von Art. 324a Abs. 4 OR getroffen zu haben, behält der Arbeitnehmer seinen Lohnfortzahlungsanspruch gegen den Arbeitgeber; er muss sich aber die Leistungen der Versicherung, die er für die vom Arbeitgeber zu bezahlenden Tage erhält, anrechnen lassen (Staehelin, a.a.O., N. 56 zu Art. 324a OR; Subilia/Duc, Quelques reflexions à propos de l’article 324a CO, AJP 2001, S. 1026; Müller, Grundlagen der Krankentaggeldversicherung nach VVG, in: Krankentaggeldversicherung, arbeits- und versicherungsrechtliche Aspekte, Zürich 2007, S. 22). b) Vorliegend steht aufgrund der Akten, namentlich der Arztzeugnisse, fest, dass der Kläger als Arbeitnehmer der Beklagten seit dem