46 RVJ / ZWR 2020 Abgaben und Gebühren Emoluments et taxes KGE (öffentlichrechtliche Abteilung) A1 19 17 vom 18. Juli 2019 Zweitwohnungsersatzabgabe - Die Gemeinden können gestützt auf Art. 13 Abs. 2 lit. g kRPG eine Zweitwohnungsersatzabgabe verlangen (E. 5.1 ff.). - Die Abgabe erfüllt das Gesetzmässigkeits- und das Äquivalenzprinzip (E. 5.3 ff.). - Die unterschiedliche Behandlung der blossen Eigennutzung und der Eigennutzung mit zusätzlicher Vermietung ist sachlich gerechtfertigt verstösst nicht gegen das Rechtsgleichheitsgebot (E. 5.8). Contribution de remplacement en matière de résidences secondaires - Les communes peuvent prélever une contribution de remplacement, au sens de l’art. 13 al. 2 let. g LcAT, en matière de résidences secondaires (consid. 5.1 ss). - La contribution d’espèce est conforme aux principes de la légalité et de l’équivalence (consid. 5.3 ss) - La différence de traitement entre l’utilisation personnelle du logement et l'utilisation personnelle avec, en sus, location de celui-ci, est objectivement justifiée et ne viole pas l’égalité de traitement (consid. 5.8 ss).
Erwägungen (…) 5. Die Beschwerdeführer rügen eine Verletzung des Äquivalenz- bzw. des Verhältnismässigkeitsprinzips sowie des Gleichbehandlungsgebots. 5.1 Vorab ist zu klären, um welche Art von öffentlicher Abgabe es sich bei der strittigen Abgabe handelt: Den Gemeinden des Kantons Wallis kommt gemäss Rechtsprechung des Bundesgerichts gestützt auf Art. 13 Abs. 2 lit. g und h des Ausführungsgesetzes zum Bundesgesetz über die Raumplanung vom 23. Januar 1987 (kRPG; SGS/VS 701.1) die Kompetenz zu, Ersatzabgaben und Gebühren auf dem Gebiet der Raumplanung festzulegen, sie dürfen jedoch keine raumplanungsrechtlichen Steuern erheben (BGE 135 I 233 E. 2.10; Urteil des Bundesgerichts 2C_88/2009 vom 19. März 2010 E. 4.3, Urteil des Kantonsgerichts A1 16 42 vom 14. November 2016 E. 3.1 ff.). Vorliegend hat die Gemeinde eine Vermietungs- bzw. Bewirtschaftungsverpflichtung für
RVJ / ZWR 2020 47 Zweitwohnungseigentümer als Realleistungspflicht vorgesehen (Art. 5 des Reglements zur Förderung der Bewirtschaftung von Zweitwohnungen vom 20. Juni 2014 [vom Staatsrat homologiert am 12. August 2015; fortan: RFBZ]). Die Eigentümer, welche der Verpflichtung nicht nachkommen, haben eine Ersatzabgabe zu bezahlen (Art. 6 RFBZ). Es handelt sich folglich um eine von Art. 13 Abs. 2 lit. g kRPG erfasste Ersatzgabe. 5.2 Bei Ersatzabgaben handelt es sich um Kausalabgaben (Adriano Marantelli, in: Kausalabgaben, Isabelle Häner/ Bernhard Waldmann [Hrsg.], Zürich, 2015, S. 194; Pierre Tschannen/ Ulrich Zimmerli/ Markus Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. A., 2014, § 57 N. 33; anderer Ansicht: Ulrich Häfelin/ Georg Müller/ Felix Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. A., 2016, § 46 N. 2861 ff., welche die Ersatzabgabe als besondere Abgabeart betrachten). Sie stellen ein Entgelt für die Befreiung von einer öffentlichrechtlichen, primären Realleistungspflicht dar. Die Pflicht zur Leistung einer Ersatzabgabe beruht auf dem Grundsatz der Rechtsgleichheit: Wer die primäre Leistungspflicht erfüllt, soll nicht benachteiligt werden gegenüber denjenigen, welche von der Leistungspflicht befreit werden und dadurch den mit dieser Pflicht verbundenen materiellen, ideellen oder zeitlichen Belastungen entgehen (zum Ganzen Adriano Marantelli, a.a.O., 2015, S. 194 f.; Pierre Tschannen/ Ulrich Zimmerli/ Markus Müller, a.a.O., § 57 N. 33 f.). 5.3 Im Abgaberecht verlangt das Gesetzmässigkeitsprinzip, dass der Gegenstand der Abgabe, der Kreis der Abgabepflichtigen und die Höhe der Abgabe in den Grundzügen im Gesetz festgelegt werden. Bei Ersatzabgaben darf nicht vom Grundsatz abgewichen werden, dass die Höhe der Abgabe im Gesetz selbst umschrieben werden muss, da das Kostendeckungs- und das Äquivalenzprinzip nicht greifen (Ulrich Häfelin/ Georg Müller/ Felix Uhlmann, a.a.O., § 42 N. 2762 f. und § 46 N. 2865). 5.3.1 Die vorliegend umstrittene Ersatzabgabe ist von allen Zweitwohnungseigentümern zu bezahlen, welche der Vermietungsverpflichtung gemäss Art. 5 RFBZ nicht nachgekommen sind. Art. 6 und Art. 4 RFBZ bestimmen, wie die Höhe der Abgabe im Einzelfall berechnet wird und legt auch eine Obergrenze fest (siehe oben E. 3.1 f.). 5.4 Das Gebot der Verhältnismässigkeit (Art. 5 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 [BV; SR 101]), Art. 36 Abs. 3 BV, Art. 9 Ziff. 2 der Konvention zum