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Bundesverwaltungsgericht 30.01.2012 E-981/2010

30 gennaio 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,265 parole·~6 min·1

Riassunto

Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung | Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 11. Dezember 2009

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung V E­981/2010 Urteil   v om   3 0 .   J a nua r   2012 Besetzung Einzelrichterin Gabriela Freihofer, mit Zustimmung von Richter Bendicht Tellenbach;    Gerichtsschreiber Simon Thurnheer. Parteien A._______, geboren am (…), Sri Lanka,  c/o Schweizerische Vertretung in Colombo,   Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung;  Verfügung des BFM vom 11. Dezember 2009 / N (…).

E­981/2010 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass  der  damals  noch  minderjährige  Beschwerdeführer  mit  englischsprachigem Schreiben  seiner Mutter  vom 16. Mai  2008  (bei  der  Botschaft eingegangen) bei der Schweizerischen Vertretung  in Colombo  um eine Einreisebewilligung und die Gewährung von Asyl ersuchen liess, dass diesem Schreiben verschiedene Beweismittel beilagen, dass  die  Mutter  des  Beschwerdeführers  von  der  Schweizerischen  Vertretung  in  Colombo  mit  Schreiben  vom  23. Mai  2008  dazu  aufgefordert  wurde,  vier  Fragen  zum  Asylgesuch  ihres  Sohnes  zu  beantworten, dass  die  Mutter  des  Beschwerdeführers  darauf  mit  Schreiben  vom  26. Juni  2008  (bei  der  Botschaft  eingegangen)  antwortete  und  ihrem  Schreiben verschiedene Dokumente als Beweismittel beilegte, dass die Schweizerische Vertretung die Mutter mit Schreiben vom 9. Juli  2008 aufforderte, Belege dazu vorzulegen, dass sie die geltend gemachte  Entführung  ihres Sohnes  im Februar 2007 dem  Internationalen Komitee  des Roten Kreuzes (IKRK), dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen  (UNICEF) und der Human Rights' Commission (HRC) gemeldet habe, dass die Mutter dieser Aufforderung mit Schreiben vom 4. August 2008  (bei der Botschaft eingegangen) nachkam, dass  das  IKRK  per  Email  vom  10. September  2008  den  geltend  gemachten  Vorfall  im  Februar  2007  bestätigte  und  gleichzeitig  angab,  dass seither keine weiteren Vorfälle gemeldet worden seien, dass der Beschwerdeführer am 2. Oktober 2008 im Beisein seiner Mutter  in der Schweizerischen Botschaft zu seinen Asylgründen angehört wurde, dass der Beschwerdeführer in jener Anhörung, in seinem Asylgesuch und  in zahlreichen weiteren schriftlichen Eingaben seiner Mutter vor und seit  der Anhörung im Wesentlichen geltend machte, er sei Tamile und werde  von den Tamil Peoples Liberation Tigers (TMVP) verfolgt,  dass  sein  Vater  in  Sri  Lanka  Polizist  sei,  die  Familie  aber  bereits  vor  Jahren verlassen habe,

E­981/2010 dass  er  zusammen  mit  seiner  Mutter  und  (…)  jüngeren  Brüdern  in  B._______ lebe, dass  er  am  (…)  Februar  2007  auf  dem  Schulweg  von  uniformierten  Unbekannten abgepasst und entführt worden sei, dass sie ihn zunächst zum TMVP­Quartier in C._______ gebracht hätten, dass  er  geschlagen  und,  nachdem  er  verneint  habe,  den  Liberation  Tigers  of  Tamil  Eelam  (LTTE)  nahezustehen,  in  ein  Trainingslager  im  Dschungel bei D._______ verbracht worden sei, dass er im Lager 18 Tage lang unter anderem im Umgang mit der Waffe  trainiert worden sei, dass  er  zusammen  mit  einem  Mitinsassen  einen  Fluchtversuch  unternommen habe, dabei von der srilankischen Marine aufgegriffen,  für  einen  Anhänger  der  LTTE  gehalten  und  schliesslich  zum  Lager  zurückgeführt worden sei,  dass er dort als Strafe für seinen Fluchtversuch gefoltert worden sei, dass er auf Betreiben des UNICEF und des IKRK, die von seiner Mutter  eingeschaltet worden seien, nach etwa einem Monat freigelassen worden  sei, dass  er  darauf  nach  B._______  zurückgekehrt  sei  und  den  Besuch  derselben Schule wie vor seiner Entführung wieder aufgenommen habe, dass  er  aber  aus Furcht  vor  den TMVP bei  verschiedenen Verwandten  gewohnt habe, wobei er seinen Wohnort wöchentlich gewechselt habe, dass  die  TMVP  ihn  am  (…) Dezember  2007  erneut  zu  rekrutieren  versucht, ihn aber in Ruhe gelassen hätten, als er abgelehnt habe, dass am (…) August 2008 Unbekannte zu Verwandten gekommen seien,  seine Aushändigung verlangt und für den Unterlassungsfall seine Familie  bedroht hätten,  dass  seine  Mutter  zweimal  von  Jugendlichen  belästigt  worden  sei,  die  sich nach ihm erkundigt hätten,

E­981/2010 dass am (…) April 2009 jugendliche Unbekannte versucht hätten,  ihn zu  entführen, aber von seiner Mutter und Nachbarn, die herbeigeeilt  seien,  vertrieben worden seien, dass  er  zu  keiner  Zeit  für  die  LTTE,  die  TMVP  oder  eine  andere  Organisation  solcher  Art  sympathisiert,  sich  für  sie  engagiert  oder  ihr  angehört  habe (vgl. A7/13 S. 4),  dass dies auch für alle seine Angehörigen gelte (vgl. A7/13 S. 4), dass das BFM dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 11. Dezember  2009 die Einreise verweigerte und sein Asylgesuch ablehnte, dass der Beschwerdeführer gegen diesen Entscheid mit undatierter, bei  der Botschaft eingereichter Eingabe (beim Bundesverwaltungsgericht am  18. Februar  2010  eingegangen)  Beschwerde  erhob  und  sinngemäss  beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben, die Einreise sei  zu bewilligen und ihm sei Asyl zu gewähren,  dass  der  Beschwerdeeingabe  ein  englischsprachiger  Brief  der  Diözese  Trincomalee­B._______ mit deutscher Übersetzung und Fotoaufnahmen  vom Beschwerdeführer als Beweismittel beilagen, und erwägt,  dass  gemäss  Art. 31  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  (VGG,  SR 173.32)  das  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) beurteilt, das das BFM zu den Behörden nach Art. 33 VGG gehört und daher eine  Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts ist, dass  eine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG nicht vorliegt, dass das Bundesverwaltungsgericht  daher  zuständig  für  die Beurteilung  der vorliegenden Beschwerde ist und auf dem Gebiet des Asyls endgültig  (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]) entscheidet,

E­981/2010 dass  sich  das  Verfahren,  soweit  das  AsylG  nichts  anderes  bestimmt  (Art. 37  VGG  und  Art. 105  sowie  Art. 6  AsylG),  nach  dem  VwVG,  dem  VGG und dem BGG richtet, dass  das  Asylgesuch  nicht  vom  damals  noch  minderjährigen  Beschwerdeführer  selber  eingereicht  worden  ist,  sondern  von  seiner  gesetzlichen  Vertreterin  (vgl.  Art.  304  Abs.  1  des  Schweizerischen  Zivilgesetzbuchs vom 10. Dezember 1907 [ZGB, SR 210]), dass  das  Stellen  eines  Asylgesuchs  gemäss  konstanter  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  zuvor  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  (ARK)  aber  ein  höchstpersönliches  Recht  und  mithin  grundsätzlich  vertretungsfeindlich  ist,  wobei  es  als  relativ  höchstpersönliches  Recht  zwar  eine  gesetzliche  Vertretung  von  Urteilsunfähigen  zulässt,  bei  Urteilsfähigen  aber  grundsätzlich  selbständiges  Handeln  verlangt  (vgl.  hierzu  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  vormaligen  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK] 1996 Nrn. 4 und 5), dass ein höchstpersönliches Recht – sei es relativer oder absoluter Natur  – dessen  urteilsfähigen  unmündigen  Träger  grundsätzlich  verpflichtet,  dieses  selbständig,  also  ohne  Hilfe  eines  allfälligen  gesetzlichen  Vertreters,  geltend  zu  machen  (vgl.  beispielsweise  HEINZ  HAUSHERR/REGINA  E.  AEBI­MÜLLER,  Das  Personenrecht  des  Schweizerischen  Zivilgesetzbuches,  2.  Aufl.,  Bern  2008,  Rz.  07.24,  S. 68), dass  angesichts  des Gesagten  die  Initiierung  eines  Asylverfahrens  aus  dem Ausland durch eine urteilsfähige unmündige Person prinzipiell einen  persönlichen Antrag derselben voraussetzt  (vgl. Urteil E­3162/2011 vom  6.  Dezember  2011  E.  4.3.  mit  weiteren  Hinweisen  auf  die  Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts), dass in casu keine Hinweise vorliegen, die auf die Urteilsunfähigkeit des  Beschwerdeführers schliessen lassen, dass vielmehr von seiner Urteilsfähigkeit auszugehen ist, dass er demnach sein Asylgesuch persönlich hätte einreichen müssen, dass,  fehlt  ein  persönlich  eingereichtes  Gesuch,  dieser  Mangel  aber   beispielsweise  dadurch  behoben  werden  kann,  dass  der  Inhalt  eines  vertretungsweise eingereichten Asylgesuchs anlässlich einer mündlichen 

E­981/2010 Anhörung bestätigt wird (vgl. Urteil E­3162/2011 vom 6. Dezember 2011  E.  4.3.  mit  weiteren  Hinweisen  auf  die  Rechtsprechung  des  Bundesverwaltungsgerichts), dass  der  Beschwerdeführer  anlässlich  der  Anhörung  vom  2.  Oktober  2008  seine  Asylgründe  ausführlich  dargelegt  und  mit  seinen  Ausführungen  das  von  seiner  Mutter  eingereichte  Asylgesuch  bestätigt  hat, so dass der Mangel der  fehlenden persönlichen Einreichung geheilt  ist, dass  vorliegend,  da  keine  Zustellungsdaten  ersichtlich  sind,  weder  der  Zeitpunkt  der  Eröffnung  der  Verfügung  noch  derjenige  der  Beschwerdeeinreichung (mangels Eingangsstempel der Botschaft auf der  Beschwerdeschrift) feststehen, dass  die  Verfügung  vom  11. Dezember  2009,  die  mit  Schreiben  der  Botschaft  vom  6.  Januar  2010  dem  Beschwerdeführer  weitergeleitet  worden  ist,  somit  frühestens  am  7. Januar  2010  eröffnet  worden  sein  kann, dass  nicht  ersichtlich  ist,  ob  der  Brief  von  der  Diözese,  welcher  einen  Eingangsstempel  der  Botschaft  vom  5. Februar  2010  trägt,  als  Beilage  der  Beschwerde  oder  als  separate  Post  eingegangen  ist, mithin  ob  die  Beschwerde am 5. Februar 2010 eingegangen ist oder an einem andern  Datum, dass  aber,  weil  die  Beweislast  für  die  Zustellung  an  den  Beschwerdeführer  bei  der  eröffnenden  Behörde  liegt  (vgl.  ANDRÉ  MOSER/MICHAEL  BEUSCH/LORENZ  KNEUBÜHLER,  Prozessieren  vor  dem  Bundesgericht, Basel 2008, Rz. 3.150. S. 166f.),  davon auszugehen  ist,  dass  die  in  der Schweizerischen Botschaft  eingereichte Beschwerde  im  Sinne von Art. 21 Abs. 1 VwVG rechtzeitig eingegangen ist, dass  die  Beschwerde  somit  frist­  und  formgerecht  eingereicht  ist,  der  Beschwerdeführer  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen  hat,  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  ist  und  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung hat, weshalb er zur Einreichung der Beschwerde legitimiert  ist  (Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1  sowie Art. 52 VwVG)  und  auf  die  Beschwerde einzutreten ist,

E­981/2010 dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG), dass der Beschwerdeentscheid,  da es  sich  vorliegend, wie nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt,  nur  summarisch  zu  begründen  ist  (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass  gestützt  auf  Art.  111a  Abs.  1  AsylG  vorliegend  auf  einen  Schriftenwechsel verzichtet wurde, dass  das  Bundesamt  ein  im  Ausland  gestelltes  Asylgesuch  ablehnen  kann, wenn die asylsuchende Person keine Verfolgung glaubhaft machen  kann oder  ihr die Aufnahme  in einem Drittstaat zugemutet werden kann  (Art. 3, 7 und 52 Abs. 2 AsylG),  dass, wenn dagegen eine unmittelbare Gefahr  für  Leib und Leben oder  für  die  Freiheit  aus  einem  Grund  nach  Art.  3  Abs.  1  AsylG  glaubhaft  gemacht  worden  ist  oder  der  asylsuchenden  Person  der  Verbleib  am  Aufenthaltsort  für  die Dauer  der Sachverhaltsabklärung  nicht  zugemutet  werden  kann,  die  Einreise  in  die  Schweiz  im  Hinblick  auf  die  Anerkennung als Flüchtling und der Asylgewährung beziehungsweise zur  näheren Abklärung des Sachverhalts zu bewilligen ist (vgl. Art. 20 Abs. 2  und 3 AsylG), dass  bei  diesem  Entscheid  die  Voraussetzungen  zur  Erteilung  einer  Einreisebewilligung grundsätzlich restriktiv zu handhaben sind, wobei den  Behörden  ein  weiter  Ermessensspielraum  zukommt,  neben  der  erforderlichen  Gefährdung  im  Sinne  von  Art.  3  AsylG  namentlich  die  Beziehungsnähe  zur  Schweiz,  die  Möglichkeit  der  Schutzgewährung  durch einen anderen Staat, die Beziehungsnähe zu anderen Staaten, die  praktische  Möglichkeit  und  objektive  Zumutbarkeit  zur  anderweitigen  Schutzsuche  sowie  die  voraussichtlichen  Eingliederungs­  und  Assimilationsmöglichkeiten in Betracht zu ziehen sind, dass ausschlaggebend für die Erteilung der Einreisebewilligung dabei die  Schutzbedürftigkeit  der betroffenen Personen  ist, mithin die Prüfung der  Fragen,  ob  eine  Gefährdung  im  Sinne  von  Art.  3  AsylG  glaubhaft 

E­981/2010 gemacht  wird  und  ob  der  Verbleib  am  Aufenthaltsort  für  die  Dauer  der  Sachverhaltsabklärung zugemutet werden kann (vgl. EMARK 2004 Nr. 20  E. 3 S. 130 f. und Nr. 21 E. 2 S. 136 f., EMARK 2005 Nr. 19 E. 4 S. 174  ff.), dass Vorbringen grundsätzlich dann glaubhaft  sind, wenn sie genügend  substanziiert,  in  sich  schlüssig  und  plausibel  sind,  sich  nicht  in  vagen  Schilderungen  erschöpfen,  in  wesentlichen  Punkten  widerspruchsfrei  sind,  eine  innere  Logik  aufweisen  und  den  Tatsachen  und  der  allgemeinen Erfahrung entsprechen,  dass die asylsuchende Person persönlich glaubwürdig erscheinen muss,  was  insbesondere  dann  nicht  der  Fall  ist, wenn  sie  ihre Vorbringen  auf  gefälschte oder verfälschte Beweismittel abstützt, sie wichtige Tatsachen  unterdrückt  oder  bewusst  falsch  darstellt,  im  Laufe  des  Verfahrens  Vorbringen  auswechselt  oder  unbegründet  nachschiebt,  mangelndes  Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige Mitwirkung verweigert, dass  das  BFM  zur  Begründung  seines  Entscheides  im  Wesentlichen  ausführte,  Massnahmen  gegen  den  Leib,  das  Leben  und  die  Freiheit  seien dann einreisebeachtlich, wenn sie ein menschenwürdiges Leben im  Verfolgerstaat  verunmöglichten  und  sich  die  asylsuchende  Person  ihrer  Zwangslage nur mit der Flucht ins Ausland entziehen könne, dass  das  Asylrecht  nicht  Ausgeleich  für  erlittenes  Unrecht  gewähre,  sondern  für die Erteilung der Einreisebewilligung die Schutzbedürftigkeit  der betreffenden Person massgeblich sei, dass es dabei auf das Gefährdungsprofil der asylsuchenden Person und  das räumliche Ausmass der Verfolgung ankomme,  dass  der  geltend  gemachte  Vorfall  im  Februar  2007  glaubhaft  und  im  Übrigen  dokumentiert  und  es  daher  verständlich  sei,  dass  die  Präsenz  der TMVP dem Beschwerdeführer Sorge bereite, dass  es  seine  Darstellung  der  aktuellen  Gefährdungslage  dagegen  für  übersteigert halte, dass festzuhalten sei, dass mehr als zwei Jahre seit  jenem Vorfall keine  Übergriffe mehr gegenüber dem IKRK geltend gemacht worden seien,

E­981/2010 dass der Beschwerdeführer wieder in E._______ lebe, wo auch die Eltern  lebten, und dort dieselbe Schule besuche wie vor dem Vorfall im Februar  2007, dass  die  TMVP,  wenn  sie  ein  ernsthaftes  Verfolgungsinteresse  hätten,  längst   Gelegenheit  gehabt  hätten,  ihn  wieder  auf  dem  Schulweg  abzufangen, dass im Übrigen auch seine Angehörigen unbehelligt geblieben seien, dass somit eine gezielte und aktuelle Verfolgungsgefahr nicht erkennbar  sei, dass seine subjektive Furcht vor Verfolgung angesichts seiner Erlebnisse   zwar verständlich sei, aber objektiv unbegründet erscheine, zumal keine  Indizien  für  in  absehbarer  Zukunft  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  drohende einreisebeachtliche Nachteile erkennbar seien,  dass  der  Beschwerdeführer  überdies,  da  er  nie  mit  einer  politischen  Organisation  sympathisiert  oder  sich  für  sie  engagiert  habe,  kein  Gefährdungsprofil aufweise, dass  das  Bundesverwaltungsgericht  keine  Veranlassung  sieht,  die  Wahrheit  der  Vorbringen,  die  den  Vorfall  im  Februar  2007  betreffen,  anzuzweifeln,   dass dem Bundesamt darin zuzustimmen ist, dass der Beschwerdeführer  nichts  vorgebracht  hat,  was  auf  eine  aktuelle  Gefährdung  des  Beschwerdeführers hinweisen würde, dass  diesbezüglich  im  Übrigen  auf  die  zutreffenden  Erwägungen  der  Vorinstanz zu verweisen ist, dass  die  Mutmassung  des  Beschwerdeführers,  die  TMVP  würden  ihn  wegen der Intervention des IKRK und des UNICEF im Februar 2007 nicht  auf dem Schulweg entführen, seine geltend gemachte Furcht entkräftet, dass zur Begründung des BFM zu ergänzen  ist, dass die Entführung  im  Februar  2007  vor  dem  Hintergrund  der  damaligen  Situation  des  Bürgerkrieges zu sehen  ist,  sich die Sicherheitslage seit dem Ende des  Bürgerkrieges  und  der  Niederlage  der  LTTE  im  Mai  2009  grundlegend  geändert  hat,  so  dass  zum  jetzigen Zeitpunkt  erst  recht  nicht  von  einer  aktuellen Gefährdungslage für den Beschwerdeführer auszugehen ist, 

E­981/2010 dass  der  Beschwerdeführer  auf  Beschwerdeebene  neue  Asylgründe  vorbringt und geltend macht, er sei von der TMVP  im Februar 2007 nur  unter der Bedingung  freigelassen worden, sich wöchentlich  im Lager zu  melden und ihnen bei einem geplanten Angriff behilflich zu sein,  dass er seither deshalb von den TMVP gesucht worden sei, weil er sich  nicht mehr im Lager gemeldet habe und aus Furcht untergetaucht sei,  dass  sein  Vater  im  Jahre  2008  aus  F._______  gekommen  sei  und  ihn  dorthin mitgenommen habe, dass  er  von  seinem  Vater,  welcher  Anhänger  der  LTTE  gewesen  sei,   gezwungen worden sei, sich den LTTE anzuschliessen, dass  er  Im  Jahre  2009,  als  der  Krieg  zwischen  der  Regierung  und  der  den LTTE begonnen habe, bei Bekannten untergebracht worden sei und  vom Tode seines Vaters an der Front erfahren habe, worauf er von seiner  Mutter zurückgeholt worden sei, dass  ihm  von  den  TMVP  unterstellt  worden  sei,  in  F._______  für  die  LTTE als Spion tätig gewesen zu sein, dass er sich aus Furcht um sein Leben an verschiedenen Orten versteckt  habe, dass  er  nach  dem  Krieg  von  ehemaligen  LTTE­Anhängern  erkannt  worden sei und befürchte, von ihnen verfolgt zu werden,  dass  diese  neuen  Vorbringen  in  klarem  Widerspruch  zu  den  Akten  stehen,  wonach  der  Vater  des  Beschwerdeführers  Beamter  der  srilankischen  Polizei  sei,  die  Familie  vor  Jahren  verlassen  habe,  den  Beschwerdeführer  zwar  regelmässig  besuche,  ihm  aber  nicht  helfen  könne, da er selber von den LTTE bedroht werde (vgl. A7/13, S. 3, 6 und  7),  während  in  den  Akten  von  einer  Mitgliedschaft  des  Vaters  bei  den  LTTE  und  einer  Zwangsrekrutierung  des  Beschwerdeführers  durch  die  LTTE keine Rede ist,  dass  er  an  der  Anhörung  angegeben  hat,  nie  Angehöriger  der  LTTE  gewesen zu sein (vgl. A7/13, S. 4), dass auch die Angaben zu den Umständen der Freilassung  im Februar  2007  und  zum  Grund  für  das  Verfolgungsinteresse  der  TMVP  in  den  Akten der Vorinstanz und auf Beschwerdeebene nicht übereinstimmen,

E­981/2010 dass  der  Tod  des  Vaters  in  den  vorinstanzlichen  Akten  überdies  nicht  erwähnt wird,  dass  die  Mutter  des  Beschwerdeführers  in  ihrer  Eingabe  vom  15. September 2009 (bei der Botschaft eingegangen) vielmehr beklagte,  ihr  Ehemann,  der  sie  vor  sieben  Jahren  verlassen  habe,  habe  kürzlich  aufgehört, sie finanziell zu unterstützen,  dass  in  der  Beschwerdeschrift  nicht  begründet  wird,  weshalb  die  Vorbringen auf Beschwerdeebene auf eine Weise ausgewechselt worden  sind, die den bisherigen Vorbringen widerspricht, dass  die  auf  Beschwerdeebene  eingereichten  Dokumente  (Fotoaufnahmen vom Beschwerdeführer, eine Schusswaffe haltend, und  ein  Brief  der  Diözese  Trincomalee­Battacaloa)  die  neuen  Vorbringen  beziehungsweise die Schutzbedürftigkeit des Beschwerdeführers nicht zu  beweisen vermögen, dass  die  neuen  Vorbringen  nachgeschoben  erscheinen,  um  dem  Asylgesuch mehr Gewicht zu verleihen, und daher unglaubhaft sind, dass  sie,  selbst  wenn  sie  zutreffen  sollten,  die  Einschätzung,  dass  der  Beschwerdeführer  kein  Gefährdungsprofil  aufweist  und  daher  nicht  auf  einreisebeachtliche Weise  schutzbedürftig  erscheint,  nicht  umzustossen  vermögen, da er weder eine leitende noch überhaupt eine aktive Stellung  bei den LTTE geltend macht, dass  zusammenfassend  festzustellen  ist,  dass  die  Schutzbedürftigkeit  des Beschwerdeführers im Sinne von Art. 20 i.V.m. Art. 3 AsylG als nicht  gegeben zu qualifizieren ist und auch keine anderen Gründe die Erteilung  einer Einreisebewilligung  indizieren, weshalb  ihm das BFM zu Recht die  Einreise  in  die  Schweiz  verweigert  beziehungsweise  sein  Asylgesuch  abgelehnt hat, dass  sich  aus  diesen  Erwägungen  ergibt,  dass  die  angefochtene  Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt  richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG) und  das die Beschwerde folglich abzuweisen ist, dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  dem  Beschwerdeführer  gemäss Art. 63 Abs. 1 VwVG die Kosten aufzuerlegen wären, aber aus  verwaltungsökonomischen Gründen und  in Anwendung von Art. 63 Abs.  1 in fine VwVG und Art. 6 Bst. b des Reglements vom 21. Februar 2008 

E­981/2010 über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  (VGKE, SR 173.320.2) auf die Erhebung von  Verfahrenskosten zu verzichten ist.  (Dispositiv nächste Seite)

E­981/2010 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  Schweizerische Vertretung in Colombo. Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber: Gabriela Freihofer Simon Thurnheer

E-981/2010 — Bundesverwaltungsgericht 30.01.2012 E-981/2010 — Swissrulings