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Bundesverwaltungsgericht 21.02.2012 E-902/2012

21 febbraio 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·813 parole·~4 min·3

Riassunto

Nichteintreten auf Asylgesuch (erneutes Asylverfahren Schweiz) und Wegweisung | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 10. Februar 2012 / N

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung V E­902/2012 Urteil   v om   2 1 .   Februar   2012 Besetzung Einzelrichter Bruno Huber, mit Zustimmung von Richter Thomas Wespi;  Gerichtsschreiberin Jeannine Scherrer­Bänziger.    Parteien A._____, geboren (…), (mehrere alias­Namen, Staatsangehörigkeit unbestimmt) (…),   Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 10. Februar 2012 / N (…).

E­902/2012 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass der Beschwerdeführer, ein Staatsbürger (…),  am 12. Februar 2011  ein  erstes  Asylgesuch  einreichte,  auf  welches  das  BFM  mit  Entscheid  vom 16. März 2011 gestützt auf Art. 32 Abs. 2 Bst. a des Asylgesetzes  vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) nicht eintrat, und diese Verfügung  in der Folge in Rechtskraft erwuchs, dass er seit dem (…) ist,  dass  er  am  11.  November  2011  ein  zweites  Asylgesuch  einreichte,  welches  er  damit  begründete,  sein  Leben  sei  vielleicht  auch  in  (…)  in  Gefahr,  dass  das  BFM  auch  auf  das  zweite  Asylgesuch  mit  Verfügung  vom         10.  Februar  2012  in  Anwendung  von Art.  32  Abs.  2  Bst.  e  AsylG  nicht  eintrat, den Beschwerdeführer aus der Schweiz wegwies, ihn aufforderte,  das Land am Tag nach Eintritt der Rechtskraft zu verlassen, den Kanton  (…)  mit  dem  Vollzug  der  Wegweisungsverfügung  beauftragte,  dem  Beschwerdeführer die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis  aushändigte und eine Gebühr von Fr. 600.­ erhob, dass  es  zur  Begründung  ausführte,  nach  Abschluss  des  ersten  Verfahrens  seien  keine  Ereignisse  eingetreten,  welche  die  Flüchtlingseigenschaft  begründen  könnten,  oder  die  für  die  Gewährung  vorübergehenden  Schutzes  relevant  seien,  und  dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  zulässig,  zumutbar,  technisch  möglich  und  praktisch  durchführbar sei,  dass  der  Beschwerdeführer  mit  Eingabe  vom  14.  Februar  2012  gegen  diese Verfügung beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erhob und  sinngemäss um Überprüfung des vorinstanzlichen Entscheides ersucht, dass  er  zur  Begründung  angibt,  in  (…)  sei  es  zu  religiösen  Gewaltausbrüchen  gekommen,  er  sei  ein  Opfer  davon,  und  weiter  vorbringt, er habe wegen Eheproblemen seiner Mutter nach (…) flüchten  müssen und könne – einziges wirklich neues Vorbringen – nicht nach (…)  zurückgeführt  werden,  weil  dort  sein  Vater  lebe,  der  sie mit  dem  Tode  bedroht  habe,  zudem  habe  er  gesundheitliche  Probleme  und  wegen  seiner bescheidenen Schulausbildung keine beruflichen Aussichten, dass  die  vorinstanzlichen  Akten  am  20.  Februar  2012  beim  Bundesverwaltungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG),

E­902/2012 und erwägt, dass das Bundesverwaltungsgericht  in der Regel – so auch vorliegend –   endgültig  über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  (Art.  5  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR  172.021])  des  BFM  entscheidet  (Art.  105  AsylG  i.V.m.  Art.  31­33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [VGG,  SR  173.32];  Art.  83  Bst.  d  Ziff.  1  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass  die  Beschwerde  frist­  und  formgerecht  eingereicht  ist  (Art.  108      Abs. 2 AsylG, Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 52 VwVG), dass  der  Beschwerdeführer  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist  (Art.  105 AsylG  i.V.m. Art.  37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG),  so dass  auf die Beschwerde einzutreten ist,  dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden kann (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass das BFM den Nichteintretensentscheid  gestützt  auf Art.  32 Abs.  2  Bst. e AsylG getroffen hat, dass  bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es  das Bundesamt ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu  überprüfen  (Art.  32­35  AsylG),  die  Beurteilungszuständigkeit  der  Beschwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die  Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE  2011/9 E. 5 S. 116), dass sich die Beschwerdeinstanz – sofern sie das Nichteintreten auf das  Asylgesuch als unrechtmässig erachtet – einer selbständigen materiellen  Prüfung enthält, die angefochtene Verfügung aufhebt und die Sache zur  Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückweist  (vgl. Entscheidungen und  Mitteilungen  der Schweizerischen Asylrekurskommission  [EMARK]  2004  Nr. 34 E. 2.1 S. 240 f.),

E­902/2012 dass  in  der  Frage  der  Wegweisung  und  deren  Vollzugs  die  Beurteilungszuständigkeit des Gerichts nicht beschränkt ist, weil das BFM  sich  diesbezüglich  gemäss Art.  44 AsylG  in Verbindung mit  Art. 83  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005  über  die Ausländerinnen  und  Ausländer (AuG, SR 142.20) auch materiell zur Sache zu äussern hatte,  dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  entschieden  wird  (Art.  111  Bst.  e  AsylG),  und  es  sich  vorliegend,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass  gestützt  auf  Art.  111a  Abs.  1  AsylG  vorliegend  auf  einen  Schriftenwechsel verzichtet wurde, dass  gemäss  Art.  32  Abs.  2  Bst.  e  AsylG  auf  ein  Asylgesuch  nicht  eingetreten  wird,  wenn  Asylsuchende  in  der  Schweiz  bereits  ein  Asylverfahren  erfolglos  durchlaufen  haben  oder  während  des  hängigen  Asylverfahrens in den Heimat­ oder Herkunftsstaat zurückgekehrt sind, dass diese Bestimmung jedoch keine Anwendung findet, wenn es Hinwei­ se  auf  zwischenzeitlich  eingetretene  Ereignisse  gibt,  die  geeignet  sind,  die Flüchtlingseigenschaft zu begründen, oder die für die Gewährung vor­ übergehenden Schutzes relevant sind (Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG), dass der Beschwerdeführer in der Schweiz unbestrittenermassen bereits  ein  ordentliches  Asylverfahren  erfolglos  durchlaufen  hat  (vgl.  auch  EMARK 2000 Nr. 14 S. 103 ff., mit Hinweis auf EMARK 1998 Nr. 1 E. 5), dass der Prüfung, ob Ereignisse eingetreten sind, die geeignet sind, die  Flüchtlingseigenschaft zu begründen, der Flüchtlingsbegriff gemäss Art. 3  AsylG zugrunde zu legen ist, dass deshalb  in dieser Hinsicht nur Hinweise auf Ereignisse bedeutsam  sind, die sich zur Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft eignen, dass auf das Asylgesuch nicht einzutreten  ist, wenn eines der Elemente  des Flüchtlingsbegriffs gemäss Art. 3 AsylG offensichtlich nicht erfüllt  ist  (vgl. BVGE 2008/57 E 3.3 S. 780 und EMARK 2005 Nr. 2 E. 4.5 S. 18), dass  dabei  ein  gegenüber  der  Glaubhaftmachung  reduzierter  Beweismassstab anzusetzen ist, 

E­902/2012 dass  auf  das  Asylgesuch  einzutreten  ist,  wenn  sich  Hinweise  auf  ernsthafte  Nachteile  im  Sinne  von  Art.  3  AsylG  ergeben,  die  nicht  von  vornherein  haltlos  sind  (vgl.  BVGE  2008/57  E.  3.2  S.  780  und  EMARK  2005 Nr. 2 E. 4.3 S. 17), dass  das  BFM  in  seinem  Entscheid  zwar  in  knapper,  aber  nicht  zu  rügender Weise darlegte, weshalb auf das Asylgesuch nicht einzutreten  sei, dass  der  Beschwerdeführer  in  seiner  Beschwerde  mit  Ausnahme  des  Hin­weises  auf  seine  angebliche  Gefährdung  in  (…)  nichts  Neues  vorbringt, dass  sich  deshalb  eine  Auseinandersetzung  mit  den  Beschwerdevorbringen erübrigt und vollumfänglich auf die Erwägungen in  der vorinstanzlichen Verfügung verwiesen werden kann, dass die Ablehnung eines Asylgesuches oder das Nichteintreten auf ein  Asylgesuch in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge hat  (Art.  44  Abs.  1  AsylG),  vorliegend  der  Kanton  keine  Aufenthaltsbewilligung erteilt hat und zudem kein Anspruch auf Erteilung  einer  solchen  besteht  (Art.  32  Bst.  a  der  Asylverordnung 1  vom  11. August  1999  über  Verfahrensfragen  [AsylV 1,  SR  142.311];  vgl.  BVGE  2009/50  E.  9  S.  733),  weshalb  die  verfügte  Wegweisung  im  Einklang  mit  den  gesetzlichen  Bestimmungen  steht  und  demnach  vom  BFM zu Recht angeordnet wurde,  dass das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  regelt,  wenn  der  Vollzug  der Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar  oder  nicht möglich ist (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG), dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  in  Beachtung  der  massgeblichen  völker­  und  landesrechtlichen  Bestimmungen  zulässig  ist,  weil  keine  Hinweise  auf  Verfolgung  vorliegen,  und  keine  Anhaltspunkte  für  eine  menschenrechtswidrige  Behandlung  ersichtlich  sind,  die  dem  Beschwerdeführer im Heimat­, Herkunfts­ oder einem Drittstaat droht (Art.  83 Abs. 3 AuG),  dass  den Akten  auch  keine Anhaltspunkte  zu  entnehmen  sind, wonach  der Wegweisungsvollzug nach (…) oder (…) unzumutbar wäre, 

E­902/2012 dass  es  in  (…)  zwar  nach  den  (…)  zu  gewaltsamen  Auseinandersetzungen  gekommen  ist  und  dass  es  tatsächlich  religiöse  Konflikte gibt, aber in keiner Weise belegt ist, dass der Beschwerdeführer  ein Opfer dieser Auseinandersetzungen ist,  dass  bezüglich  (…)  aktuell  nicht  von  Krieg,  Bürgerkrieg  oder  von  einer  Situation  allgemeiner Gewalt, welche  für  den Beschwerdeführer  bei  der  Rückkehr  eine  konkrete  Gefahr  darstellen  würde,  gesprochen  werden  kann,  und  bezüglich  (…)  mit  dem  BFM  festzustellen  ist,  dass  er  den  geltend  gemachten  Problemen  mit  seinem  Vater  durch  Wegzug  nach  (…),  wo  er  sich  in  den  Jahren  2001  bis  2010  (Zeitpunkt  der  Ausreise)  aufgehalten hat, ausweichen kann, dass  auch  nicht  davon  auszugehen  ist,  der  noch  junge,  über  eine  rudimentäre  Schulbildung  und  etwas  Berufserfahrung  verfügende  Beschwerdeführer  würde  bei  einer  Rückkehr  in  eine  seine  Existenz  vernichtende Situation geraten, die als konkrete Gefährdung im Sinne der  zu beachtenden Bestimmungen zu werten wäre (Art. 83 Abs. 4 AuG),  dass  die  Vollzugsbehörden  den  geltend  gemachten  gesundheitlichen  Problemen,  für welche sich  in den Akten keine ärztlichen Belege finden,   nötigenfalls  mit  geeigneten  Massnahmen  begegnen  können,  weshalb  vorliegend nicht darauf einzugehen ist,  dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  schliesslich  auch möglich  ist (Art. 83 Abs. 2 AuG), da keine praktischen Hindernisse  erkennbar  sind,  die  einer Rückkehr  nach  (…)  entgegenstehen  könnten,  und  der  Beschwerdeführer  verpflichtet  ist,  bei  der  Beschaffung  gültiger  Reisepapiere mitzuwirken (Art. 8 Abs. 4 AsylG; vgl. auch BVGE 2008/34  E. 13 S. 513­515), dass  nach  dem  Gesagten  der  vom  Bundesamt  verfügte  Vollzug  der  Wegweisung  zu  bestätigen  ist  und  eine  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme ausser Betracht fällt (Art. 83 Abs. 1­4 AuG), dass  es  dem  Beschwerdeführer  demnach  nicht  gelungen  ist  darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig  feststellt oder  unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen  ist, 

E­902/2012 dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr.  600.–  (Art. 1­3  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1  VwVG).  (Dispositiv nächste Seite) Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.   Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 3.  Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und (…). Der Einzelrichter: Bruno Huber Die Gerichtsschreiberin: Jeannine Scherrer­Bänziger Versand:

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