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Bundesverwaltungsgericht 21.12.2011 E-8803/2007

21 dicembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·3,126 parole·~16 min·3

Riassunto

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 10. März 2007

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung V E­8803/2007 Urteil   v om   2 1 .   D e z embe r   2011 Besetzung Richterin Muriel Beck Kadima (Vorsitz), Richter Bendicht Tellenbach, Richterin Emilia Antonioni, Gerichtsschreiberin Patricia Petermann Loewe. Parteien A._______, geboren am (…), Sri Lanka, vertreten durch Gabriel Püntener, Rechtsanwalt, (…) Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM  vom 12. März 2007 / N (…).

E­8803/2007 Sachverhalt: A.  A.a.  Der  tamilische  Beschwerdeführer  stammt  nach  eigenen  Angaben  aus B._______ bei Batticaloa (Ost­Provinz). Bis im Jahr 1995 habe er in  C._______  (Ost­Provinz)  bei  seiner  Familie  gelebt,  sodann  sei  er  in  Colombo wohnhaft gewesen. Am  (…) 2004 habe er seinen Heimatstaat  verlassen,  um  über  D._______  und  E._______  in  die  Schweiz  einzureisen,  wo  er  am  23. Dezember  2004  um  Asyl  nachsuchte.  Am  27. Dezember  2004  wurde  er  von  den  schweizerischen  Behörden  zu  seinen  Asylgründen  summarisch,  am  5. Januar  2005  eingehend  angehört.  Mit  Verfügung  vom  12. März  2007  wies  das  BFM  das  Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung des Beschwerdeführers aus  der  Schweiz  und  deren  Vollzug  an.  Eine  gegen  diesen  Entscheid  erhobene  Beschwerde  vom  11. April  2007  wurde  am  10. Oktober  2007  vom Bundesverwaltungsgericht abgewiesen. A.b. Am 14. Dezember  2007  reichte der Beschwerdeführer  über  seinen  damaligen  Rechtsvertreter  beim  BFM  eine  mit  "neues  Asylgesuch"  betitelte  Eingabe  ein,  welche  am  18. Dezember  2007  vom  BFM  ans  Bundesverwaltungsgericht  zur  Behandlung  als  Revisionsgesuch  weitergeleitet  wurde.  Angesichts  des  Umstandes,  dass  die  neu  eingereichten Beweismittel als erheblich bewertet wurden und nicht früher  hätten  eingereicht werden  können,  hiess  das Bundesverwaltungsgericht  das Revisionsgesuch mit Urteil vom 10. Juli 2008 gut, hob sein Urteil vom  10. Oktober 2007 auf und nahm das Beschwerdeverfahren wieder auf. B.  Hinsichtlich  seiner  Asylbegründung  machte  der  Beschwerdeführer  im  Wesentlichen  geltend,  dass  er,  nachdem  er  in  Colombo  Wohnsitz  genommen  habe,  am  (…)  1995  von  der  srilankischen  Armee  wegen  Verdachts der Zugehörigkeit zur LTTE (Liberation Tigers of Tamil Eelam)  festgenommen  worden  sei.  Er  sei  zunächst  drei  Tage  an  einem  ihm  unbekannten  Ort,  danach  elf  Tage  im  Gefängnis  von  F._______  festgehalten worden.  In Ausübung  seines Wahlrechts  sei  er  am  (…)  2004  zudem an  seinem  Geburtsort  von  Angehörigen  der  Karuna­Gruppe  gefangen  genommen  und festgehalten worden. Am (…) 2004 habe er fliehen können. Zunächst  habe  er  sich  zu  seinen  Eltern  (die  sich  seit  2001  in  Batticaloa 

E­8803/2007 niedergelassen  hätten)  und  anschliessend  wieder  nach  Colombo  begeben. Auf die Details der Asylbegründung wird – soweit entscheidwesentlich –  in den Erwägungen eingegangen. C.  Im  Rahmen  der  Vernehmlassung  vom  23. Dezember  2008  kam  die  Vorinstanz  zum  Schluss,  dass  die  Revisionsschrift  keine  neuen  erheblichen  Tatsachen  oder  Beweismittel  enthalte,  die  eine  Änderung  ihres Standpunktes rechtfertigen würden. Diese Stellungnahme wurde am  12. Februar  2009  dem  Rechtsvertreter  des  Beschwerdeführers  zur  Kenntnisnahme zugesandt. D.  Mit  Verfügung  vom  30. September  2011  wurde  der  Beschwerdeführer  durch  das  Bundesverwaltungsgericht  aufgefordert,  eine  Fürsorgebestätigung  oder  das  ausgefüllte  Formular  "Gesuch  um  unentgeltliche  Rechtspflege"  einzureichen,  um  seine  aktuelle  Fürsorgeabhängigkeit  zu  belegen.  Innert  Frist  reichte  der  Beschwerdeführer  eine  Fürsorgebestätigung  des  Amtes  für  Asyl  und  Flüchtlinge des Kantons G._______ vom 10. Oktober 2011 ein. E.  Im  Verlaufe  der  Verfahren  reichte  der  Beschwerdeführer  mehrere  Beweismittel ein.  E.a.  Dabei  handelte  es  sich  im  vorinstanzlichen  Verfahren  u.a.  um  folgende Dokumente:  Eine  Kopie  eines  Dokuments  des  Chief  Magistrate  Court  Colombo  vom  (…)  1995  mit  dem  Namen  des  Beschwerdeführers  als  Verdächtigen (inkl. Übersetzung).  Einen  originalen  Zeitungsausschnitt  vom  (…)  2004  über  die  Festnahme des Beschwerdeführers und zwei weiteren Personen durch  die Karuna­Gruppe (inkl. Übersetzung).  Eine Bestätigung einer Anzeigeerstattung bei der Sri Lanka Monitoring  Mission in Batticaloa vom (…) 2004.

E­8803/2007  Einen Auszug eines Informationsbuches der Polizei  in Batticaloa vom  (…)  2004  über  die  vom  Beschwerdeführer  geschilderten  Ereignisse  (inkl. Übersetzung).  Schreiben  des  Parlamentariers  H._______  vom  (…)  2004  und  vom  (…)  2005  über  die  Verschleppung  des Beschwerdeführers  durch  die  Karuna­Gruppe. E.b.  Im  ersten  Beschwerdeverfahren  (bis  zum  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom  10. Oktober  2007)  wurden  diverse  Schreiben von verschiedenen Parlamentariern zu den Akten gereicht. E.c.  Im  Revisionsverfahren  wurden  insbesondere  folgende  Unterlagen  eingebracht:  Einen auf Englisch übersetzter Auszug eines  Informationsbuches der  Polizei  von  B._______  vom  (…)  2005  über  die  Entführung  und  Ausraubung  des  Beschwerdeführers  vom  (…)  2004  unter  Nennung  diverser  verdächtiger  Personen;  dieses  Dokument  sei  an  den  Magistrate's Court Batticaloa gesandt worden.  Ein  Gerichtsprotokoll  in  mutmasslich  singhalesischer  Sprache  des  Magistrate's Court Batticaloa (inkl. Übersetzung). E.d.  Im  aktuellen  Beschwerdeverfahren  wurden  u.a.  folgende  relevante  Dokumente eingereicht:  Eine Kopie einer Bestätigung des UNHCR in I._______ vom (…) 2008  über  die  Registrierung  des  Bruders  des  Beschwerdeführers  (J._______) sowie eine Kopie dessen Flüchtlingsausweises derselben  Organisation vom (…) 2009.  Eine Kopie einer Bestätigung der K._______ Staatsbürgerschaft  vom  (…) 2008 eines weiteren Bruders des Beschwerdeführers (L._______)  sowie  eine  Kopie  der  M._______  Permanent  Resident  Card  einer  Schwester  des  Beschwerdeführers  (N._______).  Ferner  wurde  eine  Kopie  ebendieses  M._______  Ausweises  lautend  auf  den  Namen  O._______ eingereicht;  gemäss dem Rechtsvertreter  handelt  es  sich  dabei um einen Bruder des Beschwerdeführers.  Eine  Kopie  eines  Polizeiberichts  vom  (…)  2004  (sowie  eine  Übersetzung),  der  bestätige,  dass  ein  Mitglied  der  Karuna­Fraktion 

E­8803/2007 namens  P._______  die  Verantwortung  der  Verschleppung  des  Beschwerdeführers trage.  Eine Kopie  der  Anklageschrift  des Magistrate's Court  Batticaloa  vom  (…)  2005  (sowie  deren  Übersetzung),  durch  welche  insgesamt  fünf  Personen  anklagt  würden,  den  Beschwerdeführer  entführt  und  ausgeraubt zu haben. Auf  die Details  dieser  Eingaben wird  –  soweit  entscheidwesentlich  –  in  den Erwägungen eingegangen.  Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM  gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  –  was  vorliegend  nicht  zutrifft  –  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  [AsylG,  SR 142.31];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert 

E­8803/2007 (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG).  Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2.   Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  3.1. Vorweg werden nachfolgend formelle Begehren des Rechtsvertreters  des  Beschwerdeführers  behandelt.  Mit  der  Eingabe  vom  29. Dezember  2009  wurde  der  Beizug  des  Asyldossiers  des  Bruders  des  Beschwerdeführers  (J._______)  beantragt,  das  weitere  Gefährdungsmomente  für  den  Beschwerdeführer  an  den  Tag  bringen  würde.  Ferner wurde  in  der Eingabe  vom 14. Dezember  2007,  die  zum  damaligen Zeitpunkt  indes als  "neues Asylverfahren"  eingereicht wurde,  und derjenigen vom 11. November 2008 um eine weitere Anhörung des  Beschwerdeführers ersucht. 3.2. Die  Mitwirkungspflicht  des  Beschwerdeführers  nach  Art. 8  AsylG –  als  Korrelat  zum  in  Art. 12  VwVG  verankerten  und  der  Behörde  obliegendem  Untersuchungsgrundsatz  –  verlangt  von  den  Asylsuchenden,  den Sachverhalt  vorzutragen und gegebenenfalls  durch  Beweismittel zu unterlegen. Die Behörden sind im Gegenzug verpflichtet,  den  rechtserheblichen  Sachverhalt  festzustellen  (gegebenenfalls  durch  weitere  Untersuchungs­  und  Beweismassnahmen).  Als  rechtserhebliche  Tatsachen sind jene faktischen Grundlagen gemeint, die für die Regelung  des  in  Frage  stehenden  Rechtsverhältnisses  relevant  sind.  Sachverhaltselemente,  die  für  den  Ausgang  des  Verfahrens  nicht  wesentlich sind, brauchen nicht erhoben zu werden (CHRISTOPH AUER, in:  Christoph  Auer/Markus  Müller/Benjamin  Schindler  [Hrsg.],  Kommentar  zum  Bundesgesetz  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG],  Zürich/St. Gallen 2008, Art. 12 N. 2). Im  Sinne  einer  antizipierten  Beweiswürdigung  darf  von  einem  angebotenen  Beweisstück  abgesehen  werden,  wenn  aufgrund  vorhandener  Beweisstücke  der  rechtserhebliche  Sachverhalt  für  genügend erachtet wird und ohne Willkür vorweg die Annahme getroffen  werden  kann,  die  rechtliche  Überzeugung  ändere  sich  durch  weitere  Beweiserhebungen  nicht  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der 

E­8803/2007 Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2003  Nr. 13  E. 4c;  ALFRED  KÖLZ/ISABELLE  HÄNER,  Verwaltungsverfahren  und  Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 2. Aufl., Zürich 1998, N. 111). 3.3.  Das  Bundesverwaltungsgericht  geht  davon  aus,  dass  das  vorinstanzliche  Dossier  des  Bruders  des  Beschwerdeführers  zum  vorliegenden Verfahren nicht hinzuzuziehen ist, da die Glaubhaftigkeit der  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  im  Sinne  von  Art. 7  AsylG  nicht  im  Zentrum  der  nachfolgenden  Abhandlung  steht.  Zudem  hat  der  Rechtsvertreter des Beschwerdeführers  in Bezug auf die Umstände, die  den Bruder veranlasst haben sollen, seine Heimat zu verlassen,  für das  vorliegende Verfahren genügend Angaben gemacht. Auch  sind  die  Anträge,  der  Beschwerdeführer  sei  erneut  anzuhören,  abzuweisen,  da  die  rechtserheblichen  Fakten  als  genügend  erstellt  erachtet werden können. 4.   4.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 4.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7  AsylG). 5.  5.1. Das BFM führte in seiner Verfügung vom 12. März 2007 aus, die vom  Beschwerdeführer geltend gemachte  Inhaftierung  im Jahr 1995  liege zu 

E­8803/2007 weit  zurück, als dass sie noch als unmittelbarer Anlass  für die Ausreise  gewertet  werden  könne.  Im  Übrigen  zeige  ein  als  Beweismittel  eingereichter  Gerichtsbeschluss,  dass  der  Beschwerdeführer  am  (…)  1995  vom  zuständigen  Gericht  in  Colombo  entlassen  worden  sei,  da  nichts  gegen  ihn  vorgelegen  habe.  Dieses  Vorbringen  sei  folglich  nicht  asylrelevant (Art. 3 AsylG). Hinsichtlich  der  Inhaftierung  des  Beschwerdeführers  durch  die  Karuna­ Fraktion  im  (…)  2004  handle  es  sich  um  einen  Übergriff  Dritter.  Eine  asylrelevante  Verfolgung  liege  diesfalls  nur  vor,  wenn  der  Staat  seiner  Schutzpflicht  nicht  nachkomme  und  nicht  in  der  Lage  sei,  Schutz  zu  gewähren.  Im  vorliegenden  Fall  würden  indes  keine  Hinweise  für  eine  vergebliche  Schutzsuche  seitens  des  Beschwerdeführers  vorliegen.  Da  die  Karuna­Gruppe  in  notorischer  Weise  die  Bevölkerung  u.a.  mit  Forderungen  nach  Bargeldzahlungen  drangsaliere  und  der  Beschwerdeführer  als  (…)  ein  eigenes Geschäft  besessen  habe,  dürfte  der  Grund  für  seine  Festnahme  ferner  vielmehr  in  seinen  Vermögensverhältnissen liegen. Da es sich bei den vorgebrachten Behelligungen um  lokal oder  regional  beschränkte  Verfolgungsmassnahmen  handle,  stehe  dem  Beschwerdeführer grundsätzlich eine innerstaatliche Fluchtalternative zur  Verfügung.  Seine  Aussagen  hinsichtlich  der  Unbekannten,  die  ihn  in  Colombo aufgesucht hätten, seien als äusserst vage und unsubstantiiert  zu  qualifizieren,  so  dass  sie  den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftmachung  im  Sinne  von  Art. 7  AsylG  nicht  zu  genügen  vermögen würden. Im Lichte dieser Ausführungen sei  somit nicht davon auszugehen, dass  der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit erheblicher  Wahrscheinlichkeit  eine  landesweite  Verfolgung  seitens  der  Karuna­ Fraktion zu befürchten habe. 5.2.  Der  Rechtsvertreter  des  Beschwerdeführers  hielt  dem  in  der  Rekursschrift vom 11. April 2007 und den weiteren Eingaben Folgendes  entgegen: Der  Schutzwille  wie  auch  die  Schutzfähigkeit  Sri  Lankas  seien  im  vorliegenden  Fall  anzuzweifeln.  Wie  diverse  Berichte  zeigen  würden,  würden  gewisse Elemente  der  staatlichen Sicherheitskräfte  die  Karuna­ Gruppe  bei  Entführungen  und  Zwangsrekrutierungen  von  Kindern 

E­8803/2007 unterstützen  oder  sogar  daran  teilnehmen.  Zudem  habe  die  Karuna­ Gruppe  gewisse  "Arbeiten"  (wie  z.B.  extralegale  Tötungen  von  LTTE­ Mitgliedern)  für die srilankische Armee übernommen, die diese aufgrund  des  internationalen  Drucks  nicht  habe  ausführen  können.  Der  Beschwerdeführer  habe  durch  seine  Anzeige  offensichtlich  alles  unternommen, um den nötigen Schutz zu bekommen. Doch statt Schutz  hätten  er  und  seine  Familie  Drohanrufe  erhalten  und  seien  sogar  von  Unbekannten aufgesucht worden. Die  nach  der  Entführung  durch  die  Karuna­Gruppe  erstattete  Strafanzeige des Beschwerdeführers gegen ebendiese Mitglieder sei als  konkretes Gefährdungsmoment zu werten. Da der Beschwerdeführer mit  dem  christlichen  Parlamentarier  H._______ Wahlkampf  betrieben  habe,  sei  seine  Entführung  nicht  als  vermögensrechtliche,  sondern  als  politische Straftrat zu werten. Durch Druckausübung seitens der Karuna­ Gruppe  hätte  diese  erreichen  wollen,  dass  er  die  Strafanzeige  zurückziehe.  Dieses  Verfahren  sei  im  (…)  2009  wieder  aufgenommen  worden und sei nach wie vor hängig. Da es paramilitärische Verbrechen  aufzeige,  habe  die  Karuna­Fraktion  –  das  frühere  LTTE­Kadermitglied  und  der  spätere  Führer  der  TMVP  (Tamil  People's  Liberation  Tigers)  Amman  Karuna  sei  nun  ein  führendes  Mitglied  der  srilankischen  Regierung  (Vizeminister  für  Resettlement)  und  verfüge  daher  über  viel  Macht  –  ein  grosses  Interesse  daran,  ein  solches Gerichtsverfahren  zu  verhindern.  Der  Beschwerdeführer  (und  die  Zeugen  dieses  Verfahrens)  seien daher mit dem Leben bedroht. H._______, so der Rechtsvertreter  weiter, sei seit März 2004 von der Karuna­Gruppe bedroht worden; später  sei er ermordet worden, wobei nicht klar sei, wer hinter dieser Tat stecke. Zu  den  heute  gefährdeten  Menschen  in  Sri  Lanka  würden  Personen  gehören,  die  Kriegsverbrechen,  welche  im  srilankischen  Bürgerkrieg  begangen worden seien, zur Sprache bringen und bezeugen würden: so  z.B. Rechtsanwälte, die Opfer und Angehörige von Übergriffen durch die  Staatskräfte  vertreten  würden  sowie  die  Opfer,  bzw.  ihre  Angehörigen,  die als Kläger, Zeugen und prozessführende Parteien auftreten würden. Der  Beschwerdeführer  sei  auch  in  Colombo  einer  asylrelevanten  Verfolgung  ausgesetzt,  da  einerseits  seine  Festnahme  im  Jahr  1995  wegen  Verdachts  der  Zugehörigkeit  zur  LTTE  registriert  sei;  anderseits  habe die Regierung –  in Anbetracht des Zustroms  tausender Tamilen  in  die Hauptstadt – eine Niederlassungsrestriktion erlassen, die eine dortige  Wohnsitznahme erschwere oder verunmögliche.

E­8803/2007 Ferner  sei  darauf  hinzuweisen,  dass  zwei  der  Geschwister  des  Beschwerdeführers von Kanada als Flüchtlinge anerkannt worden seien.  Ein  anderer  Bruder  (L._______)  sei  in  Sri  Lanka  von  der  LTTE  zwangsrekrutiert  worden.  Ein  weiterer  Bruder  (J._______),  der  als  Flüchtling  vom UNHCR  in Q._______ anerkannt worden  sei  (vgl. Kopie  des UNHCR­Ausweises  vom  (…) 2009),  sei  am 22. September  2009  in  die  Schweiz  eingereist  und  habe  hier  um  Asyl  nachgesucht  (N …).  Er  habe Sri Lanka im (…) 2008 verlassen und sei nach I._______ geflüchtet,  weil  er  in  seinem  Herkunftsland  von  der  LTTE  zu  kleineren  Arbeiten  gezwungen  worden  sei.  In  I._______  habe  er  Geld  für  die  LTTE  gesammelt.  Es  sei  davon  auszugehen,  dass  die  Aktivitäten  dieses  Bruders, die er auch im Exil ausgeführt habe, den srilankischen Behörden  nicht  entgangen  sein  dürften,  weshalb  sie  ein  zusätzliches  Gefährdungsmoment für den Beschwerdeführer selber darstellen würden. Weiter  führte  der  Rechtsvertreter  des  Beschwerdeführers  in  seiner  Eingabe  vom  29. April  2011  aus,  dass  die  srilankischen  Behörden  tamilischen Personen, die  in einem anderen Staat Asyl beantragt hätten  oder  aus  einem  Land  (wie  die  Schweiz)  zurückkehren  würden,  wo  die  LTTE  als  terroristische  Organisation  nicht  verboten  sei,  mit  grossem  Misstrauen  und  der  Verdächtigung,  die  LTTE  unterstützt  zu  haben,  begegnen würden.  In  der Person des Beschwerdeführers würde  zudem  ein erhöhtes Risiko eines LTTE­Verdachts bestehen, da er einerseits  im  Jahr  1995  deswegen  verhaftet  worden  sei  und  anderseits  seine  Geschwister auch unter ebendiesem Verdacht stehen würden. Schliesslich seien die von der Vorinstanz  festgestellten Ungereimtheiten  auf ein offensichtliches Missverständnis zwischen dem Beschwerdeführer  und  seinem  Befrager  zurückzuführen.  Die  Angaben  seien  folglich  als  nicht widersprüchlich und durchaus glaubhaft zu bezeichnen. 6.  6.1. Im Folgenden ist durch das Bundesverwaltungsgericht zu prüfen, ob  der Beschwerdeführer begründete Furcht vor ernsthaften Nachteilen hat.  Begründete Furcht vor Verfolgung im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG liegt  vor, wenn konkreter Anlass zur Annahme besteht, die Verfolgung werde  mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zeit geschehen, wobei  eine vor der Ausreise mit ebensolcher Wahrscheinlichkeit stattgefundene  Verfolgung  die  Furcht  vor  künftiger  Verfolgung  als  wohlbegründet  erscheinen  lassen  kann.  Dabei  genügt  es  nicht,  wenn  diese  Furcht 

E­8803/2007 lediglich mit Vorkommnissen oder Umständen, die sich früher oder später  möglicherweise  ereignen  könnten,  begründet  wird.  Ob  in  einem  bestimmten  Fall  eine  solche  Wahrscheinlichkeit  besteht,  ist  aufgrund  einer  objektivierten  Betrachtungsweise  zu  beurteilen.  Die  erlittene  Verfolgung,  bzw.  die  begründete  Furcht  vor  künftiger  Verfolgung,  muss  zudem  sachlich  und  zeitlich  kausal  für  die  Ausreise  aus  dem  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  und  grundsätzlich  auch  im  Zeitpunkt  des  Asylentscheides noch aktuell sein. Schliesslich muss feststehen, dass die  von  einer  Verfolgung  bedrohte  asylsuchende  Person  über  keine  innerstaatliche  Fluchtalternative  verfügt  (vgl.  dazu  BVGE 2007/31  E. 5.2 ff.;  EMARK 2006  Nr. 32  E. 5;  EMARK 2005  Nr. 21  E. 7.1 ff.;  EMARK 2004 Nr. 1 E. 6a). 6.2.  Hinsichtlich  der  Verhaftung  des  Beschwerdeführers  im  Jahr 1995  durch  die  srilankischen  Streitkräfte  wegen  Verdachts  auf  Mitgliedschaft  bei der LTTE ist dem BFM zuzustimmen, dass diese zu weit zurückliegt,  um  als  unmittelbarer  Anlass  für  die  Ausreise  im  Jahr 2004  bewertet  zu  werden.  Zudem  wurde  er  nach  einer  Haft  von  14 Tagen  gemäss  dem  eingereichten Urteil  vom  (…) 1995 wieder  freigelassen und  lebte – was  sich  aus  den  Protokollen  ergibt  –  während  vieler  Jahre  unbehelligt  in  Colombo.  Daher  wird  sich  das  Bundesverwaltungsgericht  in  der  folgenden  Abhandlung  nur  auf  die  Ereignisse  beziehen,  die  sich  im  Jahr 2004 zugetragen haben sollen. 6.3. Der Beschwerdeführer gab dazu an, er sei am (…) 2004 durch vier  Personen  der  Karuna­Gruppe  in  B._______  verhaftet  und  in  ein  Camp  namens Meenakam geführt worden. Man habe ihm vorgeworfen, er habe  einen  Parlamentarier  namens  H._______  während  des  damals  herrschenden  Wahlkampfs  durch  seine  Stimme  unterstützt  (A11,  S. 7  und 9). Sie hätten ihm auch sein Motorrad, sein Mobiltelefon, zwei Ringe,  seine Arm­ und Halskette sowie das mitgeführte Bargeld weggenommen  (A1, S. 4; A11, S. 6 und 9). Am  (…) 2004 – während eines Angriffs der  LTTE auf ebendieses Camp – habe er  fliehen können. Sein Vater habe  am Tag der Verschleppung bei der Polizei in B._______ Anzeige erstattet  und den Vorfall  dem Roten Kreuz gemeldet. Nach seiner Flucht  sei der  Beschwerdeführer persönlich an den erwähnten Stellen vorbeigegangen,  wo  sie  ein  Protokoll  erstellt  hätten.  Auch  habe  er  am  (…)  2004  das  UNHCR  in  Batticaoloa  aufgesucht  und  über  das  Geschehene  berichtet  (A11,  S. 7  und  12).  Bis  zu  seiner  Ausreise  habe  der  Beschwerdeführer  zwischen  (…)  und  (…)  2004  ca.  drei  bis  vier  anonyme  telefonische  Geldforderungen – vermutlich von Angehörigen der Karuna­Gruppe –  in 

E­8803/2007 Colombo erhalten (A7, S. 9 f.). Ferner sei er dort auch am (…) 2004 von  Unbekannten aufgesucht worden;  indes sei er zu diesem Zeitpunkt nicht  zu Hause gewesen. Am (…) 2004 seien auch die Eltern von unbekannten  Personen heimgesucht worden (A7, S. 10 f.). 6.3.1.  Gemäss  der  aktuellen  Rechtsprechung  des  Bundesverwaltungsgerichts  (vgl.  das  zur  Publikation  vorgesehene Urteil  des Bundesverwaltungsgerichts E­6220/2006 vom 27. Oktober 2011) hat  sich  seit  Beendigung  des  militärischen  Konflikts  zwischen  der  srilankischen  Armee  und  der  LTTE  die  Sicherheitslage  erheblich  verbessert  und  stabilisiert,  auch  wenn  sich  die  Menschenrechtslage  hinsichtlich  der  Meinungsäusserungs­  und  Pressefreiheit  weiter  verschlechtert  hat.  Einer  erhöhten  Verfolgungsgefahr  sind  demzufolge  Personen,  die  der  Zugehörigkeit  zur  LTTE  verdächtigt  werden,  sowie  politische  Dissidenten  und  Oppositionspolitiker  ausgesetzt.  Ferner  sind  als  Risikogruppen  kritisch  auftretende  Journalisten,  Menschenrechtsaktivisten  oder  Personen  zu  nennen,  die  Opfer  und  Zeuge  schwerer  Menschenrechtsverstösse  waren  und  diesbezüglich  juristische  Schritte  eingeleitet  haben.  Unter  Umständen  können  auch  Personen  mit  beträchtlichen  finanziellen  Mitteln  sowie  Rückkehrer  aus  der  Schweiz,  denen  nahe  Kontakte  zur  LTTE  unterstellt  werden,  als  weitere Risikogruppe betrachtet werden. 6.3.2. Zunächst  soll  abgeklärt werden,  ob  eine  hohe Wahrscheinlichkeit  besteht,  dass  der  Beschwerdeführer  als  Opfer  und  Zeuge  schwerer  Menschenrechtsverletzungen  bei  einer  Rückkehr  asylrelevanten  Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt  sein  könnte. Gemäss einem durch  die Eingabe vom 3. Juni 2010 eingebrachten Polizeibericht vom (…) 2004  habe  der  Beschwerdeführer  seine  Festnahme  und  den  an  ihm  begangenen  Raub  vom  (…)  2004  durch  die  Karuna­Fraktion  am  (…)  2004  der  Polizei  in  B._______  gemeldet  (Case  No.  ….).  Im  Weiteren  reichte der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers die Anklageschrift des  Magistrate's  Court  Batticaloa  vom  (…)  2005  ein  (Case  No.  …),  nach  welchem  u.a.  P._______  (LTTE  Political  Office  B._______)  als  Angeklagter und der Name des Beschwerdeführers als Zeuge aufgeführt  werden. Dieses Verfahren  gegen  die Mitglieder  der Karuna­Gruppe  sei,  so  der  Rechtsvertreter  in  seiner  Eingabe  vom  21. Juni  2011,  derzeit  immer  noch  hängig  –  wie  die  eingereichten  Gerichtsakten  belegen  würden.  Der  Anwalt  des  Beschwerdeführers  in  Sri Lanka  erkläre  im  beigelegten Schreiben,  dass der Beschwerdeführer massive Drohungen 

E­8803/2007 von Seiten der paramilitärischen Gruppe erhalten habe, damit dieser nicht  aussage. Als  Beispiel  für  Opfer  oder  Zeugen  von  während  des  Bürgerkrieges  begangenen Menschenrechtsverletzungen sind Personen zu nennen, die  Augenzeugenberichte  über  zivile  Opfer  während  der  Schlussphase  des  bewaffneten  Konflikts  abgegeben  haben  (vgl.  das  zur  Publikation  vorgesehene  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  E­6220/2006  vom  27. Oktober  2011  E. 8.3;  UNHCR,  UNHCR­Richtlinien  zur  Feststellung  des internationalen Schutzbedarfs srilankischer Asylsuchender, Juli 2010,  S. 6 f.  m.w.H.;  Amnesty  International,  Amnesty  Report  Sri  Lanka  2010,  Mai  2010).  Zwar  ist  davon  auszugehen,  dass  der  Beschwerdeführer  damals aufgrund seiner Stimmabgabe für den Parlamentarier H._______  und seiner mitgeführten Wertgegenstände überfallen und während Tagen  in einem Camp der Karuna­Fraktion festgehalten wurde, was zum derzeit  hängigen  Verfahren  des  Magistrate's  Court  Batticaloa  geführt  hat,  bei  welchem  der  Beschwerdeführer  als  Zeuge  genannt  wird.  Dennoch  ist  diese  Rechtssache  aus  heutiger  Sicht  nicht  als  ein  Verfahren  gegen  gravierende  Menschenrechtsverletzungen  während  eines  Bürgerkrieges  zu  bezeichnen,  da  die  späteren  Behelligungen  gemäss  Angaben  des  Beschwerdeführers alleine auf monetäre Erpressungsabsichten aufgrund  seines Wohlstandes – immerhin besass er ein (…)geschäft in Colombo –  beruhen  (vgl.  A1,  S. 4;  A11,  S. 6  und 9).  Es  sind  den  Akten  keine  Hinweise  zu  entnehmen,  warum  der  Beschwerdeführer  später  noch  aufgrund  seiner Wahlabsichten  von  der Karuna­Gruppe  verfolgt worden  sein soll, da er weder angab, politisch aktiv gewesen zu sein (vgl. A1 S.  6;  A11 S.  14)  noch  – wie  vom Rechtsvertreter  behauptet  – Wahlkampf  betrieben zu haben (vgl. A1 S. 4 "…meine Stimme abgeben…"). Auch die  späteren Drohanrufe  beinhalteten  nach  seinen Angaben eine  finanzielle  Forderungen (vgl. A11 S. 6 f. und 9 f.). Es ist daher beim Angriff auf  ihn  am (…) 2004 neben einem zunächst eventuell politischen Motiv vor allem  von  einem Raubüberfall  auszugehen  (vgl.  dazu  auch  die Anklageschrift  des Magistrate's Court Batticaloa vom (…) 2005 sowie den Polizeibericht  vom (…) 2004). Da der Parlamentarier H._______ inzwischen verstorben  ist,  dürften  die  damaligen Wahlabsichten  des  Beschwerdeführers  heute  ohnehin  keine  Gefährdung  durch  die  Karuna­Fraktion  mehr  nach  sich  ziehen. Zusammenfassend gilt es demnach aus heutiger Sicht festzustellen, dass  der  Beschwerdeführer  weder  als  Opfer  und  Zeuge  schwerer  Menschenrechtsverletzungen zu betrachten ist, den es nach der aktuellen 

E­8803/2007 Rechtsprechung  zu  schützen  gilt,  noch  wegen  seiner  damaligen  Stimmabgabe für den erwähnten Parlamentarier gefährdet ist. 6.3.3. Das Vorliegen einer weiteren Risikogruppe (vgl. das zur Publikation  vorgesehene  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  E­6220/2006  vom  27. Oktober  2011  E. 8)  ist  in  casu  zu  verneinen,  da  es  beim  Beschwerdeführer  weder  um  ein  (ehemaliges)  LTTE­Mitglied,  noch  um  einen Journalisten oder Menschenrechtsaktivisten handelt. Auch ist nicht  davon  auszugehen,  dass  er  heute  über  beträchtliche  finanzielle  Mittel  verfügt,  da  er  in  der  Schweiz  von  der  Fürsorge  abhängig  ist  und  sein  (…)geschäft in Colombo bei seiner Ausreise seinem Bruder übergab (vgl.  A11  S.  5),  der  es  wohl  bei  seiner  eigenen  Ausreise  –  er  befindet  sich  gemäss  eingereichtem  Beweismittel  in  K._______  –  aufgeben  musste.  Von daher gesehen hat der Beschwerdeführer – aufgrund der Festnahme  im  Jahr  2004  –  bei  einer  Rückkehr  keine  asylrelevanten  Verfolgungsmassnahmen zu befürchten. 6.4. Weiter  wurde  vom  Rechtsvertreter  des  Beschwerdeführers  mittels  der Eingabe vom 29. Dezember 2009 vorgebracht, der Beschwerdeführer  sei  aufgrund  der  Tätigkeiten  seines  Bruders,  die  dieser  für  die  LTTE  ausgeführt  habe,  bei  einer  Rückkehr  nach  Sri  Lanka  in  Gefahr  (sog.  Reflexverfolgung). Der Bruder des Beschwerdeführers (J._______, N …) habe im (…) 2008  Sri Lanka verlassen und sei nach I._______ geflüchtet. Schon in seinem  Herkunftsland habe er kleinere Arbeiten für die LTTE verrichtet, indem er  Informationen  über  Neuankömmlinge  gesammelt  und  diese  an  die  entsprechenden LTTE­Stellen weitergeleitet  habe.  In  I._______ habe er  mitgeholfen, Sympathiekundgebungen und Demonstrationen für die LTTE  durchzuführen  und  Geld  zu  sammeln.  Nach  zunehmender  Repression  seitens der  I._______ Behörden habe er dieses Land verlassen und sei  am  22. September  2009  in  die  Schweiz  eingereist,  wo  er  um  Asyl  nachsuchte. Hinzukomme gemäss der Eingabe vom 29. April 2011, dass  weitere  Geschwister  des  Beschwerdeführers  in  M._______  und  in  K._______ als Flüchtlinge aufgenommen worden seien, die bei der LTTE  aktiv gewesen seien. 6.4.1.  Unter  Reflexverfolgung  sind  behördliche  Belästigungen  oder  Behelligungen  von  Angehörigen  aufgrund  des  Umstandes,  dass  die  Behörden  einer  gesuchten,  politisch  unbequemen  Person  nicht  habhaft  werden  oder  schlechthin  von  deren  politischer  Exponiertheit  auf  eine 

E­8803/2007 solche auch bei Angehörigen schliessen, zu verstehen. Der Zweck einer  solchen Reflexverfolgung kann  insbesondere darin  liegen,  Informationen  über  effektiv  gesuchte  Personen  zu  erlangen,  beziehungsweise  Geständnisse  von  Inhaftierten  zu  erzwingen  (vgl. MARIO GATTIKER,  Das  Asyl­ und Wegweisungsverfahren, 3. Aufl., Bern 1999, S. 72 f. und 77 f.;  WALTER KÄLIN, Grundriss des Asylverfahrens, Basel/Frankfurt a. M. 1990,  S. 137 f. und S. 144 ff.). 6.4.2.  Hinsichtlich  der  geltend  gemachten  Befürchtung,  der  Beschwerdeführer unterliege bei einer Rückkehr nach Sri Lanka aufgrund  der  Tätigkeiten  seines Bruders  (und  seiner weiteren Geschwister)  einer  erhöhten  Gefährdung,  gilt  es  festzustellen,  dass  der  Bruder  nicht  das  Profil  eines  LTTE­Anhängers  oder  sogar  eines  Mitglieds  dieser  Organisation  aufweist,  für  welchen  der  srilankische  Staat  sich  heute  interessieren würde. Dies gilt umso mehr, als dass keine Behelligungen  oder Belästigungen gegen die noch  in Sri Lanka wohnhaften Eltern des  Beschwerdeführers  aus  diesem  Grund  bekannt  sind.  Folglich  ergeben  sich  aus  den  Akten  keine  konkreten  Anhaltspunkte  einer  drohenden  Reflexverfolgung.  6.5. Mit der Eingabe vom 29. April  2011 werden  im Weiteren subjektive  Nachfluchtgründe im Sinne von Art. 54 AsylG geltend gemacht. Es wurde  eingewendet,  dass  die  srilankische  Regierung  sich  derzeit  bemühe,  verdächtige Personen direkt bei der Einreise nach Sri Lanka abzufangen  und  zu  überprüfen.  Dieses  Überprüfungssystem  sei  –  wie  diverse  Länderberichte zeigen würden – ein gut ausgebautes und professionelles  System.  Es  müsse  daher  davon  ausgegangen  werden,  dass  der  Beschwerdeführer  bei  der  Einreise  in  sein  Heimatland  verhört  werden  würde und dabei ein reelles Risiko bestehe, gefoltert zu werden. 6.5.1. Wer  subjektive  Nachfluchtgründe  geltend  macht,  der  beruft  sich  darauf, dass durch ein Verhalten  (mit oder) nach der Ausreise aus dem  Heimat­  oder  Herkunftsland  eine  Gefährdungssituation  geschaffen  worden  sei.  Diese  begründen  zwar  die  Flüchtlingseigenschaft  im  Sinne  von Art. 3 AsylG, führen jedoch nach Art. 54 AsylG zum Ausschluss des  Asyls,  unabhängig  davon,  ob  sie  missbräuchlich  oder  nicht  missbräuchlich  gesetzt  wurden  (BVGE  2009/28  E. 7.1  m.w.H.).  Massgeblich ist, ob vorliegend die srilankischen Behörden das Verhalten  des  Beschwerdeführers  als  staatsfeindlich  einstufen  und  dieser  deswegen  bei  der  Rückkehr  in  den  Heimatstaat  eine  Verfolgung  von  Art. 3  AsylG  befürchten  muss.  Es  bleiben  damit  die  Anforderungen  an 

E­8803/2007 den  Nachweis  einer  begründeten  Furcht  massgeblich  (Art. 3  und  Art. 7  AsylG). 6.5.2.  Das  Überprüfungsverfahren  ist  für  alle  Personen,  die  nach  Sri  Lanka zurückkehren, das gleiche Prozedere. Nach einer Überprüfung der  Staatsangehörigkeit  werden  die  Ankömmlinge  am  Flughafen  durch  die  Criminal  Investigations Division (CID) und den State  Intelligence Service  (SIS) befragt, um Informationen über den Menschenhandel zu erlangen.  Im Falle eines Vorliegens eines solchen kriminellen Hintergrundes einer  Person  wird  Kontakt  mit  der  zuständigen  Polizeidienststelle  aufgenommen.  Abgewiesene  Asylsuchende  mit  einer  LTTE­ Vergangenheit  werden  von  der  Polizei  wie  auch  vom  Terrorist  Investigation  Departement  (TID)  festgehalten  und  befragt  (vgl.  zum  Ganzen  die  Antwortmeldung  der  Immigration  and  Refugee  Board  of  Canada  vom  August  2011  [http://www.irb­ cisr.gc.ca:8080/RIR_RDI/RIR_RDI.aspx?id=453562&l=e];  RAINER  MATTEN,  Sri  Lanka:  Aktuelle  Situation,  Schweizerische  Flüchtlingshilfe  SFH [Hrsg.], Dezember 2010, S. 23). Da der Beschwerdeführer nicht als  Person mit einer LTTE­Vergangenheit zu bezeichnen ist (vgl. E. 6.2), kein  ausstehender Haftbefehl oder Vorstrafen gegen  ihn bekannt sind und er  keine  Verbindungen  zu  Medien  oder  NGO's  hat  (vgl.  dazu  RAINER  MATTEN, Sri Lanka: Situation für aus dem Norden oder Osten stammende  TamilInnen  in  Colombo  und  für  RückkehrerInnen  nach  Sri  Lanka,  Schweizerische Flüchtlingshilfe SFH  [Hrsg.], September  2011, S. 14 ff.),  kann  davon  ausgegangen  werden,  dass  er  bei  der  Einreise  nach  Sri  Lanka  nur  in  einer  üblichen  Form  befragt  wird.  Es  liegen  dem  Bundesverwaltungsgericht  keine  Informationen  vor,  dass  dieser  übliche  Ablauf  nicht  rechtsstaatlichen  Konventionen  entspricht.  Folglich  vermag  vorliegend  die  langjährige  Landesabwesenheit  des  Beschwerdeführers  und  die  Einreichung  des  Asylgesuchs  in  der  Schweiz  keine  Flüchtlingseigenschaft  zu  begründen  (vgl.  das  zur  Publikation  vorgesehene  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  E­6220/2006  vom  27. Oktober 2011 E. 9.4). 6.6.  Aufgrund  des  Gesagten  ist  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  davon  auszugehen,  dass  der  Beschwerdeführer  in  Sri  Lanka  keiner  asylbeachtlichen  Verfolgungssituation  ausgesetzt  sein  wird.  Das  Bundesamt hat das Asylgesuch demnach zu Recht abgelehnt. 7.  

E­8803/2007 7.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit  der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 7.2. Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44  Abs. 1 AsylG; EMARK 2001 Nr. 21).

E­8803/2007 8.  8.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder  nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG,  SR 142.20]). Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt  gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner  Vorgängerorganisation  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte  Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl.  WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.],  Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, N. 11.148). 8.2. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen  der  Schweiz  einer Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen  (Art. 83  Abs. 3 AuG). So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  Art. 3  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom  4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher  oder  erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 8.2.1.  Die  Vorinstanz  wies  in  ihrer  angefochtenen  Verfügung  vom  12. März  2007  zutreffend  darauf  hin,  dass  das  Prinzip  des  flüchtlingsrechtlichen  Non­Refoulement  nur  Personen  schützt,  die  die  Flüchtlingseigenschaft  erfüllen.  Da  es  dem  Beschwerdeführer  nicht 

E­8803/2007 gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung  nachzuweisen  oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  des  Beschwerdeführers  in  den  Heimatstaat  ist  demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. 8.2.2.  Sodann  ergeben  sich  weder  aus  den  Aussagen  des  Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für  den  Fall  einer  Ausschaffung  in  den  Heimatstaat  dort  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  einer  nach Art. 3  EMRK  oder  Art. 1  FoK  verbotenen  Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wäre.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­Folterausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine  konkrete  Gefahr  ("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft  machen,  dass  ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung  drohen würde  (vgl.  EGMR Sufi  und Elmi  gegen Vereinigtes  Königreich,  Urteil  vom  28. Juni  2011,  Beschwerden  Nr. 8319/07  und  11449/07,  §§ 212 ­219  m.w.H.;  Saadi  gegen  Italien,  Urteil  vom  28. Februar  2008,  Beschwerde  Nr. 37201/06,  §§ 124 ­  127  m.w.H.).  Auch  die  allgemeine  Menschenrechtssituation  im Heimatstaat  lässt  den Wegweisungsvollzug  zum  heutigen  Zeitpunkt  nicht  als  unzulässig  erscheinen  (vgl.  das  zur  Publikation  vorgesehene  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  E­ 6220/2006 vom 27. Oktober 2011 E. 10.4.2). Nach dem Gesagten ist der  Vollzug  der  Wegweisung  sowohl  im  Sinne  der  asyl­  als  auch  der  völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 8.3. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und  Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat­ oder Herkunftsstaat auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art. 83  Abs. 7  AuG –  die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 8.3.1. Nach der angefochtenen Verfügung vom 12. März 2007 habe sich  im  Süden  und  im  Westen  des  Landes  die  humanitäre  und  politische  Situation  zwar  verschärft,  von  einer  generellen  Unzumutbarkeit  einer  Wohnsitznahme in diesem Gebiet könne indes nicht gesprochen werden.  Auch  aus  individueller  Sicht  spreche  nichts  dagegen,  dass  sich  der  Beschwerdeführer, der über Jahre hinweg in Colombo gelebt und dort ein  (…)geschäft geführt habe, wieder in der Hauptstadt ansiedle.

E­8803/2007 8.3.2.  Die  Beschwerdeschrift  vom  11. April  2007  machte  darauf  aufmerksam, dass die Sicherheitssituation  insbesondere  im Norden und  im Osten des Landes extrem schlecht  sei. Auch habe sich die Lage  im  Grossraum  Colombo  verschlechtert.  Infolgedesssen  sei  die  Auffassung  der Vorinstanz, wonach eine Rückkehr zumutbar sei, nicht haltbar. 8.3.3.  Nach  der  aktuellen  Rechtsprechung  geht  das  Bundesverwaltungsgericht  davon  aus,  dass  sich  die  Lage  in  der  Ostprovinz  –  woher  der  Beschwerdeführer  ursprünglich  stammt –  weitgehend stabilisiert und normalisiert hat und ein Wegweisungsvollzug  dahin  als  grundsätzlich  zumutbar  erachtet wird. Dies gilt  auch  für  einen  Vollzug der Wegweisung  in das übrige Staatsgebiet von Sri Lanka – mit  Ausnahme der Nordprovinz,  die  je nach Einzelfall  zu betrachten  ist  und  die  hingegen  vorliegend  für  eine  Rückkehr  nicht  in  Frage  kommt  (zum  Ganzen  vgl.  das  zur  Publikation  vorgesehene  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts E­6220/2006 vom 27. Oktober 2011 E. 12 f.). 8.3.4. Aus individueller Sicht sind ebenfalls keine Hindernisse erkennbar,  die  gegen  einen  Wegweisungsvollzug  sprechen,  handelt  es  sich  beim  Beschwerdeführer  doch  um  einen  alleinstehenden  Mann,  der  bei  einer  Rückkehr  auf  ein  tragfähiges  Beziehungsnetz  zurückgreifen  kann,  da  mindestens  noch  seine  Eltern  und  wohl  auch  das  Freundes­  und  Geschäftsnetz  vorhanden  sein  dürfte,  das  er  sich  während  seines  langjährigen Aufenthalts  in Colombo aufgebaut haben wird. Selbst wenn  sein (…)geschäft nicht mehr existieren sollte, wird ihm der Wiederaufbau  einer wirtschaftlichen Existenz – auch aufgrund der Erfahrungen, die er in  der Schweiz sammeln konnte – möglich sein. Es bestehen zudem keine  Anhaltspunkte  dafür,  dass  er  bei  einer  Rückkehr  in  eine  finanzielle  Notlage geraten könnte. 8.3.5.  Nach  dem  Gesagten  erweist  sich  der  Vollzug  der  Wegweisung  auch als zumutbar. 8.4.  Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der  zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr  notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (vgl.  Art. 8  Abs. 4  AsylG  und  dazu  auch  BVGE 2008/34  E. 12),  weshalb  der  Vollzug  der  Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 8.5. Zusammenfassend  hat  die  Vorinstanz  den Wegweisungsvollzug  zu  Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten 

E­8803/2007 fällt  eine  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  ausser  Betracht  (Art. 83  Abs. 1 – 4 AuG). 9.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die  Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 10.  Gemäss  Art.  65  Abs.  1  VwVG  wird  eine  Partei,  die  nicht  über  die  erforderlichen  Mittel  verfügt,  auf  Antrag  hin  von  der  Bezahlung  der  Verfahrenskosten  befreit,  wenn  ihr  Begehren  im  Zeitpunkt  der  Gesuchseinreichung  nicht  aussichtslos  erscheint.  Nicht  über  die  erforderlichen Mittel verfügt, wer ohne Beeinträchtigung des notwendigen  Lebensunterhaltes  die  Prozesskosten  nicht  zu  bestreiten  vermag.  Aussichtslos  ist  eine  Beschwerde,  wenn  die  Gewinnaussichten  beträchtlich geringer sind als die Verlustgefahren und deshalb kaum als  ernsthaft bezeichnet werden können (vgl. BGE 128 I 235 E. 2.5.3; 125 II  265 E. 4b).  Die  Bedürftigkeit  des  Beschwerdeführers  ergibt  sich  aus  der  eingereichten  Fürsorgebestätigung  vom  10. Oktober  2011.  Aufgrund  einer summarischen Prüfung der Akten sind sodann die Rechtsbegehren  als  zum  Zeitpunkt  ihrer  Eingabe  nicht  aussichtslos  zu  bezeichnen.  Das  Gesuch  um Gewährung  der  unentgeltlichen Rechtspflege  im Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  VwVG  ist  somit  gutzuheissen.  Es  werden  keine  Verfahrenskosten erhoben. (Dispositiv nächste Seite)

E­8803/2007 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das Gesuch um Gewährung der  unentgeltlichen Rechtspflege  im Sinne  von  Art. 65  Abs. 1  VwVG  wird  gutgeheissen.  Dem  Beschwerdeführer  werden keine Verfahrenskosten auferlegt.  3.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Rechtsvertreter  des  Beschwerdeführers,  das  BFM und die zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Muriel Beck Kadima Patricia Petermann Loewe Versand:

E-8803/2007 — Bundesverwaltungsgericht 21.12.2011 E-8803/2007 — Swissrulings