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Bundesverwaltungsgericht 31.10.2011 E-841/2008

31 ottobre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,874 parole·~14 min·1

Riassunto

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 28. Januar 2008

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung V E­841/2008 Urteil   v om   3 1 .   O k t ob e r   2011 Besetzung Richterin Gabriela Freihofer (Vorsitz), Richter Hans Schürch, Richter Maurice Brodard,    Gerichtsschreiberin Blanka Fankhauser. Parteien A._______, geboren am (…), Georgien,   vertreten durch Sararard Arquint, Fürsprecher,  (…), Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), vormals Bundesamt für  Flüchtlinge (BFF), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 28. Januar  2008 / N (…).

E­841/2008 Sachverhalt: A.  A.a  Gemäss  eigenen  Angaben  verliess  der  Beschwerdeführer,  ein  Georgier, mit  letztem Wohnsitz in B._______ seinen Heimatstaat am 10.  Dezember 2003 und  reiste  in einem Lkw durch  ihm unbekannte Länder  unter  Umgehung  der  Grenzkontrolle  am  16.  Dezember  2003  in  die  Schweiz  ein,  wo  er  gleichentags  in  der  Empfangsstelle  C._______  (…)  ohne  Einreichung  von  Identitätspapieren  sein  erstes  Asylgesuch  stellte.  Zur Begründung seines Asylgesuchs machte er im Wesentlichen geltend,  er habe im eigenen (…) zusammen mit seiner Ehefrau und seiner Mutter  sowie weiteren (…) gearbeitet. Alle seien Mitglieder der Bürgerunion des  ehemaligen  Präsidenten  Schewardnaze.  Deswegen  seien  sie  von  den  Anhängern  der  neuen  Regierung  bedroht  worden.  Es  habe  wegen  der  politischen  Unruhen  Chaos  geherrscht,  weshalb  er  mit  seiner  Familie  geflüchtet  sei.  Er  habe  sie  unterwegs  verloren  und  wisse  nicht,  wo  sie  sich aufhalte.  A.b Das Bundesamt trat mit Verfügung vom 29. Januar 2004 (eröffnet am  3.  Februar  2004)  gemäss  Art.  32  Abs.  2  Bst.  a  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  auf  das  Asylgesuch  nicht  ein  und  ordnete  gleichzeitig  die  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  aus  der  Schweiz  sowie  den  Wegweisungsvollzug  an.  Gleichzeitig  wurde  einer  allfälligen  Beschwerde  die  aufschiebende  Wirkung  entzogen.  Dieser  Entscheid erwuchs unangefochten  in Rechtskraft. Gemäss Meldung der  Polizeistation  D._______  vom  2.  April  2004  war  der  Beschwerdeführer  seit dem 8. März 2004 unbekannten Aufenthalts.  B. Am  22.  November  2007  ging  eine  Interpolanzeige  aus  (...)  beim  Swiss  Afis ein. C. Am  26.  November  2007  reichte  der  Beschwerdeführer  unter  einer  anderen  Identität  im  EVZ  E._______  ein  zweites  Asylgesuch  ein  und  nachdem  eine  daktyloskopische  Abklärung  ergab,  dass  es  sich  hierbei  um  dieselbe  Person  (N  (…))  handelte,  wurde  er  in  Auslieferungshaft  genommen. D. Eine  Befragung  des  Beschwerdeführers  durch  einen  Mitarbeiter  der  Kantonspolizei  F._______  vom  7.  Dezember  2007  ergab,  dass  der 

E­841/2008 Beschwerdeführer  einer  vereinfachten  Auslieferung  nach  (...)  zustimme  und  dort  eine  allfällige  Strafe  verbüssen  wolle,  sofern  das  BFM  eine  Rückreisebestätigung in die Schweiz mit der Zusicherung ausstelle, dass  das Asylverfahren wieder aufgenommen werde. E. Am 20. Dezember 2007 wurde aufgrund des  internationalen Haftbefehls  vom  4.  Dezember  2007  ein  Auslieferungsgesuch  der  (...)  wegen  Verdachts  auf  (…)  bei  der  zuständigen  Schweizerischen  Behörde  eingereicht. F. In  der  Folge  fand  am  17.  Januar  2008  im  Gefängnis  F._______  die  direkte Bundesanhörung statt. Dabei  machte  der  Beschwerdeführer  im Wesentlichen  geltend,  dass  er  A._______  (im  ersten  Asylverfahren  G._______)  heisse  und  im  ersten  Asylverfahren  in Bezug auf  seine Asylgründe nicht  die Wahrheit  gesagt  habe,  weil  er  damals  so  beraten  worden  sei.  In  Wirklichkeit  habe  er  Probleme wegen der (…)firma seines Vaters gehabt. So sei er  im Jahre  2001  nach H._______  gegangen  und  ins Geschäft  der  (…)firma  seines  Vaters  eingestiegen.  Wegen  der  (…)  und  er  habe  nach  Georgien  zurückkehren  müssen.  Sein  Vater  habe  in  Georgien  noch  drei  (…)  besessen. Vor der Revolution habe der Vater an die damalige Regierung  Schmiergeld bezahlt und sei von dieser in Ruhe gelassen worden. Nach  der  Revolution  sei  er  erpresst  und  schikaniert  worden.  Er  sei  vom  Finanzministerium aufgefordert worden, seine Betriebe zu schliessen. Es  hätten  Hausdurchsuchungen  stattgefunden,  bei  welchen  man  (…)  und  viele  Sachen  zerstört  habe.  Ausserdem  habe  er  eine  Busse  zahlen  sollen, die  jedoch seine  finanziellen Möglichkeiten überstiegen habe.  Im  Winter 2004 sei sein Vater mit einigen Männern, die Geld gewollt hätten,  weggegangen und drei Tage später habe man  ihn  tot  aufgefunden. Die  Obduktion  habe  ergeben,  dass  er  eines  natürlichen  Todes,  nämlich  an  einem  Hirnschlag  gestorben  sei.  Der  Beschwerdeführer  glaube,  dass  man  nachgeholfen  habe.  Daraufhin  sei  er  erpresst  worden.  Da  er  das  Geld nicht habe zahlen können und auch nicht habe zahlen wollen, sei er  nach  (...)  geflüchtet.  Dort  habe  man  ihn  (…)  bezichtigt,  dann  jedoch  freigesprochen. Man habe ihm gesagt, er soll (...) verlassen, was er auch  getan habe. Daher sei es  ihm unverständlich, weshalb er durch  Interpol  gesucht werde.  Im Übrigen habe er einige Tage nach der Einreise nach  (...) einen Anruf aus Georgien erhalten. Dabei sei er aufgefordert worden, 

E­841/2008 das Geld zu zahlen. Eine Woche später sei er durch die  (…) Behörden  festgenommen  worden.  Im  Übrigen  habe  er  kein  Vertrauen  in  die  (…)  Behörden  und  möchte  nicht  dorthin  ausgewiesen  werden.  Nach  dem  Nichteintreten  auf  sein  Asylgesuch  sei  er  im  April  2004  nach Georgien  zurückgekehrt,  weil  er  erfahren  habe,  dass  seine  Mutter  krank  sei.  Er  habe bei Freunden gelebt, weshalb die Leute, die ihn gesucht hätten, von  seiner Anwesenheit nichts erfahren hätten. In B._______ habe er (…), die  seiner Mutter gehört habe, verkauft und  ihr Ausreisepapiere besorgt. Da  er  viele  Freunde  in  I._______  habe,  habe  er  seine  Mutter  dorthin  geschickt,  damit man  sie  dort  operiere.  Er  sei  dann  noch  einige  Zeit  in  Georgien geblieben und sei in der Folge im Dezember 2006 erneut in die  Schweiz eingereist. Er habe während drei bis vier Monaten entweder  in  J._______ oder K._______ gelebt und  fast  jeden Monat seine Mutter  in  I._______  besucht.  Das  letzte  Mal  sei  dies  etwa  vor  fünf  Monaten  gewesen.  Er  habe  das  Asylgesuch  deswegen  nicht  gleich  eingereicht,  weil  er  diesfalls  im  Empfangszentrum  hätte  bleiben  müssen  und  nicht  nach  I._______  reisen  können. Erst  als  es  seiner Mutter  gesundheitlich  besser gegangen sei, habe er auch Sicherheit  für sich gebraucht, da er  nicht  dauernd  illegal  in  der  Schweiz  habe  leben  wollen,  und  ein  Asylgesuch eingereicht. G. Mit Verfügung vom 28. Januar 2008 (eröffnet am 4. Februar 2008) stellte  das  Bundesamt  fest,  der  Beschwerdeführer  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft nicht, und  lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig  verfügte  es  die  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  aus  der  Schweiz  und ordnete den Vollzug an,  den es  für  zulässig  zumutbar  und möglich  befand.  Er  habe  die  Schweiz  –  unter  Androhung  von  Zwangsmittel  im  Unterlassungsfall  –  bis  27.  Februar  2008  zu  verlassen.  Vorbehalten  bleibe  ein  allfälliger  Auslieferungsentscheid  der  zuständigen  Auslieferungsbehörde (...). Der Kanton F._______ wurde mit dem Vollzug  der Wegweisung beauftragt.  Zur Begründung  ihrer Verfügung stellte die Vorinstanz vorerst  fest, dass  das  Vorgehen  des  Beschwerdeführers,  auf  Anraten  anderer  Asylsuchender  anlässlich  des  ersten  Asylverfahrens  die  Behörden  über  seine Identität zu täuschen, und auch  in Bezug auf die Asylgründe nicht  die  Wahrheit  gesagt  zu  haben,  nicht  dem  Verhalten  einer  tatsächlich  verfolgten  Person  entspreche  und  der  Glaubhaftigkeit  insgesamt  abträglich  sei.  Des  Weiteren  begründete  sie  ihren  Entscheid  im  Wesentlichen  damit,  dass  die  Vorbringen  –  soweit  sie  aufgrund 

E­841/2008 unsubstanziierter,  widersprüchlicher  und  realitätsfremder  Aussagen  überhaupt geglaubt werden könnten – nicht asylrelevant seien, da es sich  bei  den  dargelegten  Vorfällen  um  Amtsmissbrauch  durch  einzelne  Beamte,  das  heisse  um  Verfolgung  durch  Dritte  handle.  Derartige  Verfehlungen  würden  jedoch  durch  den  georgischen  Staat  weder  unterstützt  noch  gebilligt.  Die  georgischen  Justizbehörden  hätten  in  der  letzten  Zeit  verschiedentlich  Verfahren  gegen  hohe  Beamte,  denen  illegale Tätigkeiten nachgesagt worden seien, aufgenommen und würden  sich  somit  im Rahmen  des Möglichen  für  einen  rechtstaatlichen Schutz  der Bevölkerung einsetzen. Sollte sich die Polizei weigern, eine Anzeige  entgegenzunehmen  oder  eine  Ermittlung  durchzuführen,  bestehe  die  Möglichkeit, sich – allenfalls unter Hilfe einer rechtskundigen Person – an  eine  übergeordnete  Instanz  zu  wenden.  Dadurch,  dass  der  Beschwerdeführer  sich  nie  an  die  Behörden  gewandt  habe,  habe  er  seinem  Heimatstaat  die  Möglichkeit  genommen,  zu  seinen  Gunsten  einzugreifen. Im Übrigen könne der Beschwerdeführer allfälligen weiteren  Verfolgungsmassnahmen  des  fehlbaren  (…)beamten,  durch  geeignete  Wahl  seines  Aufenthaltsortes  innerhalb  seines  Heimatstaates  ausweichen,  wie  er  dies  bereits  seit  der  Rückkehr  nach  Georgien  im  Jahre 2004 erfolgreich getan habe. So habe er sich unbehelligt bei seiner  Mutter  aufhalten  und  verschiedene Transaktionen  zu Veräusserung des  Vermögens seiner Mutter und zur Organisation von derer wie auch später  seiner eigenen Ausreise im Jahre 2006 tätigen können. Schliesslich lasse  auch  das  Verhalten  des  Beschwerdeführers  darauf  schliessen,  dass  er  sich nicht unmittelbar an Leib und Leben bedroht gesehen habe, habe er  doch  nach  seiner  Einreise  in  die  Schweiz  mit  der  Einreichung  seines  Asylgesuchs noch fast ein Jahr zugewartet. Ferner  sei  die  Behauptung  des  Beschwerdeführers,  die  georgischen  Behörden  hätten  die  (…)  Behörden  auf  seine  Person  aufmerksam  gemacht,  wenig  plausibel,  da  dem  Beschwerdeführer  in  Georgien  trotz  Drohungen nichts Konkretes zugestossen sei. Schliesslich sei er eigenen  Angaben  zufolge  freigesprochen  und  wieder  auf  freien  Fuss  gesetzt  worden.  Zudem  sei  (...)  ein  Rechtsstaat  und  sollte  das  dem  Auslieferungsbegehren  zugrundeliegende  Strafverfahren  gegen  den  Beschwerdeführer  in  (...)  tatsächlich  zu  Unrecht  eingeleitet  worden  sei,  könne er den Rechtsweg beschreiten.  Bezüglich  des Wegweisungsvollzugs  hielt  die Vorinstanz  fest,  dass  aus  den  Akten  Hinweise  auf  einen  möglichen  (…)  bestünden,  was  in  Georgien einen Straftatbestand darstelle, und ein Strafverfahren in seiner 

E­841/2008 Heimat  nicht  ausgeschlossen  werden  könne.  Die  Akten  würden  jedoch  keine  objektiven  Anhaltspunkte  für  die  Annahme  einer  durch  Art.  3  der  Konvention  vom  4.  November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR  0.101)  verbotenen  Strafe  oder  Behandlung  im  Rahmen  eines  allfälligen  legitimen  Strafverfahrens  enthalten.  Auch  eine  allfällige  (…)  stehe  dem  Vollzug  der Wegweisung  nicht  entgegen.  Eine  (…)  sei  mit  einem  stationären  Aufenthalt  in  staatlichen Institutionen oder ambulant in privaten Einrichtungen möglich,  weshalb der Vollzug auch zumutbar sei. H. Die  in  kyrillischer Handschrift  abgefasste Eingabe  vom 4. Februar  2008  an  das  BFM,  wurde  am  12.  Februar  2008  zuständigkeitshalber  an  das  Bundesverwaltungsgericht weitergeleitet. I. Mit  Zwischenverfügung  vom  15.  Februar  2008  wurde  der  Beschwerdeführer  von  der  damals  zuständigen  Instruktionsrichterin  zu  einer  Übersetzung  respektive  falls  notwendig  zu  einer  Beschwerdeverbesserung  und  zur  Zahlung  eines  Kostenvorschusses –  alles  unter  Androhung  des Nichteintretens  im Unterlassungsfall  –  innert  noch laufender Beschwerdefrist bis am 3. März 2008 aufgefordert. J. Mit  Auslieferungsentscheid  vom  21.  Februar  2008  bewilligte  das  Bundesamt  für  Justiz  (BJ)  die  Auslieferung  nach  (...)  für  die  dem  Auslieferungsgesuch  des  (…)  Justizministeriums  vom  7.  Februar  2008  zugrundeliegenden Straftaten.  K. Mit Eingabe vom 26. Februar 2008 (Poststempel: 3. März 2008) ersuchte  der  Beschwerdeführer  um  Aufschub  der  Bezahlung  eines  Kostenvorschusses, weil er sich im Gefängnis befinde und dort kein Geld  habe.  L. Mit Zwischenverfügung vom 7. März 2008 wurde der Beschwerdeführer  von  der  damals  zuständigen  Instruktionsrichterin  aufgefordert,  innert  sieben Tagen  eine  rechtsgenügliche Beschwerde  einzureichen  und  den  Kostenvorschuss von Fr. 600.­ einzuzahlen. Ansonsten werde auf seine  Beschwerde ohne Ansetzen einer Nachfrist nicht eingetreten.

E­841/2008 M. Mit  Nachtragsauslieferungsersuchen  vom  10.  März  2008  ersuchte  das  (…)  Justizministerium  das  Bundesamt  für  Polizeiwesen  über  die  beantragte Auslieferung  zu  entscheiden  und  es  darüber  zu  informieren.  Das BJ übermittelte dieses Schreiben mit Verfügung vom 31. März 2008  der  Kantonspolizei  F._______  mit  dem  Auftrag,  den  Beschwerdeführer  über  die  vereinfachte  Auslieferung  zu  befragen  und  ein  Einvernahmeprotokoll zu erstellen.  N. Mit Eingabe vom 15. März 2008 ersuchte der mandatierte Rechtsvertreter  um  unentgeltliche  Prozessführung  und  stellte  in  Aussicht,  sich  am  Montag,  17.  März  2008,  mit  der  Instruktionsrichterin  in  Verbindung  zu  setzen, um eine mögliche Vorgehensweise zu besprechen. O. Mit Zwischenverfügung vom 18. März 2008 wurde der Beschwerdeführer  von der damals zuständigen  Instruktionsrichterin aufgefordert,  innert der  in  der  Verfügung  vom  7. März  2008  angesetzten  Frist  –  das  heisst  bis  zum  19.  März  2008  –  den  Kostenvorschuss  zu  leisten  und  eine  Beschwerdeverbesserung  einzureichen.  Gleichzeitig  wurden  dem  Rechtsvertreter Kopien der bisher ergangenen Korrespondenz zwischen  dem Bundesverwaltungsgericht und dem Beschwerdeführer zugestellt.  P. Mit  Beschwerdeverbesserung  vom  19.  März  2008  liess  der  Beschwerdeführer durch seinen Rechtsvertreter die BFM­Verfügung vom  28. Januar 2008 anfechten und beantragen, diese sei aufzuheben, es sei  ihm die Flüchtlingseigenschaft zuzuerkennen, eventuell sei die Sache an  die  Vorinstanz  zur  weiteren  Sachverhaltsabklärung  zurückzuweisen,  subeventuell sei die Unzulässigkeit beziehungsweise Unzumutbarkeit des  Wegweisungsvollzuges  festzustellen  und  die  vorläufige  Aufnahme  anzuordnen.  In  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  beantragte  er  weiter,  die  der Beschwerde zukommende aufschiebende Wirkung zu bestätigen und  ihm  die  unentgeltliche  Prozessführung  beziehungsweise  das  Recht  auf  einen  unentgeltlichen  Rechtsvertreter  unter  Beiordnung  des  unterzeichneten Anwaltes zu gewähren. Des Weiteren sei ihm Einsicht in  die Akten und die Gelegenheit zur Beschwerdeergänzung zu gewähren. Zur  Begründung  seiner  Beschwerde  machte  der  Beschwerdeführer  geltend,  dass  aus  der  Verfügung  nicht  hervorgehe,  ob  die  Vorinstanz 

E­841/2008 seine  Ethnie,  Religion,  die  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  abgeklärt  habe  beziehungsweise  näher  nach  den  Gründen  der  von  ihm  genannten  behördlichen  Schikanen,  Erpressungen  und  Bedrohungen  gefragt  und  in  diese Richtung  untersucht  habe. Georgien  sei  ein  Staat,  in  welchem  nach  wie  vor  Menschenrechtsverletzungen  vorkommen  würden,  in  welchem  die  Korruption  weit  verbreitet  und  ein  funktionierendes  Polizei­  und  Justizsystem  erst  im  Aufbau  sei.  Somit  hätte  die  Vorinstanz  zu  weiteren  Nachforschungen  Anlass  gehabt.  Gerade Übergriffe  durch Dritte,  auch behördlicherseits,  vor welchen der  Staat  keinen  Schutz  gewähre,  würden  zu  den  Problemen  in  Georgien  gehören.  Es  seien  auch  Fälle  von  willkürlichen  Festnahmen  und  Gewaltübergriffen durch Behörden bekannt. So sei der Beschwerdeführer  von  einem  (…)beamten  zur  Bezahlung  von  bestimmten  Beträgen  gedrängt  beziehungsweise  von  diesem  für  den  Fall  der  Nichtzahlung  sinngemäss mit  dem Tode  bedroht  worden.  Bereits  sein  Vater  sei  vom  selben  (…)beamten  in  entsprechender Weise  angegangen  worden  und  dann  unter  mysteriösen  Umständen  gestorben.  Die  Angaben  des  Beschwerdeführers  würden  auf  eine  staatliche  Verfolgung  hinweisen.  Aufgrund  der  fehlenden  Akteneinsicht  sei  es  weiter  nicht  möglich,  konkrete Rügen betreffend weiter zu treffenden Sachverhaltsabklärungen  vorzubringen. Bezüglich der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs sei  unklar,  inwieweit  die Vorinstanz  die  Frage  des  (…)  und  der Möglichkeit  eines damit verbundenem Strafverfahrens effektiv abgeklärt habe.  Q. Mit  Zwischenverfügung  vom  28.  März  2008  wurde  dem  Beschwerdeführer  die  beantragte  Akteneinsicht  gewährt  und  ihm  die  Gelegenheit  gegeben,  bis  zum  4.  April  2008  seine  Beschwerde  zu  ergänzen.  Ferner  wurde  ihm  mitgeteilt,  dass  über  die  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  und  2  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021)  zu einem späteren Zeitpunkt  befunden werde.  R. Mit  Telefax  vom  4.  April  2008  wurde  um  Fristerstreckung  für  die  Beschwerdeergänzung ersucht. Dieses Gesuch wurde gleichentags  von  der  damaligen  Instruktionsrichterin  mit  Hinweis  auf  bereits  mehrmalige  Fristerstreckungen  im  vorliegenden  Fall  und  auf  Art.  32  Abs.  2  VwVG  telefonisch abgewiesen. 

E­841/2008 S. Mit  Instruktionsverfügung  vom  8.  April  2008  wurden  die  telefonisch  erfolgte Abweisung der Fristerstreckung und der Hinweis auf Art. 32 Abs.  2 VwVG schriftlich bestätigt. T. Mit  einem  zweiten  Auslieferungsentscheid  vom  21.  Mai  2008  bewilligte  das BJ die Auslieferung nach (...) für die dem Auslieferungsersuchen des  (…)  Justizministeriums  vom  10.  März  2008  zugrunde  liegenden  Straftaten.  Gegen  diesen  Entscheid  erhob  der  Beschwerdeführer  Beschwerde beim Schweizerischen Bundesstrafgericht  in Bellinzona, die  mit  Entscheid  vom  8.  Juli  2008  abgewiesen  wurde.  Auf  die  dagegen  erhobene  Beschwerde,  trat  das  Bundesgericht  mit  Entschied  vom  8.  August 2008 nicht ein.  U. Am 2. September 2008 wurde der Beschwerdeführer an (...) ausgeliefert.  V. Mit  Wiederaufnahmeentscheid  des  BFM  vom  24.  Oktober  2008  (readmission  en  Suisse),  wurde  der  Beschwerdeführer  am  29.  Oktober  2008 in der Schweiz wieder aufgenommen. W. Mit  Schreiben  vom  5.  Januar  2009  ersuchte  der  Beschwerdeführer  um  Zustellung seines im Original eingereichten (…). X. Mit  Schreiben  vom  7.  Januar  2009 wurden  dem Beschwerdeführer  alle  seine Dokumente  in Kopien zugestellt und für den Arbeitgeber bestätigt,  dass es sich dabei um Kopien aus den dem Bundesverwaltungsgericht im  Original vorliegenden Dokumenten handelt. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den 

E­841/2008 Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  [AsylG,  SR 142.31];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt  (Art. 37 VGG; Art. 105  und Art. 6 AsylG). 1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105  und  Art.  108  Abs.  1  AsylG,  Art.  37  VGG  i.V.m.  Art. 48  Abs. 1  sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  Im  vorliegenden  Verfahren  wurde  aufgrund  der  Aktenlage  auf  die  Einholung einer Vernehmlassung verzichtet (vgl. Art. 111a Abs. 1 AsylG). 4.  Der Beschwerdeführer  rügte  vorab  in  formeller Hinsicht,  dass  das BFM  das  rechtliche  Gehör  und  die  Begründungspflicht  verletzt  habe,  da  es  bloss  abstrakt  auf  seine  unsubstanziierten,  widersprüchlichen  und  realitätsfremden  Aussagen  verwiesen  habe,  ohne  sie  näher  zu  bezeichnen. 4.1.  Dazu  ist  Folgendes  festzustellen:  Art.  32  Abs.  1  VwVG  gebietet  der  Behörde eine Würdigung aller  erheblichen und  rechtzeitigen Vorbringen  der  Parteien,  bevor  sie  verfügt.  Die  Pflicht  zur  Begründung  einer 

E­841/2008 Verfügung  ergibt  sich  aus  Art.  35  VwVG.  Gemäss  der  Praxis  des  Bundesgerichts  ist  eine  Begründung  grundsätzlich  so  abzufassen,  dass  der  Betroffene  diese  gegebenenfalls  sachgerecht  anfechten  kann  (BGE  122  II  363).  Sowohl  die  Betroffenen  als  auch  die  Rechtsmittelinstanz  müssen sich von der Tragweite des Entscheids ein Bild machen können.  Es müssen deshalb wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden,  von  denen  sich  die  Behörde  hat  leiten  lassen  und  auf  die  sich  ihr  Entscheid stützt  (BGE 122  IV 14  f.; EMARK 1995 Nr. 12 E. 12C S. 114  ff.).  Dies  bedeutet  jedoch  nicht,  dass  sich  die  Behörde  mit  jeder  tatbeständlichen  Behauptung,  jedem  rechtlichen  Einwand  und  jedem  Beweismittel auseinandersetzen muss. Vielmehr kann sie sich auf die für  den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken (EMARK 1993,  Nr.  3,  E.  4b,  S.  16  ff.,  mit  Hinweisen;  BGE  117  Ib  492).  Soweit  weitergehend,  richten sich die Anforderungen an die Begründungsdichte  nach  dem  Verfügungsgegenstand,  den  Verfahrensumständen  und  den  Interessen  der  Betroffenen.  Bei  schwerwiegenden  Eingriffen  in  die  rechtlich geschützten  Interessen des Betroffenen − und um solche kann  es  insbesondere  bei  der  Frage  der  Gewährung  des  Asyls  gehen –  verlangt  die  bundesgerichtliche  Rechtsprechung  eine  sorgfältige  Begründung  (BGE  112  Ia  110).  Tatsächlich  hat  die  Vorinstanz  nicht  genau  erklärt,  warum  sie  die  Ausführungen  des  Beschwerdeführers  unsubstanziiert,  realitätsfremd  und  widersprüchlich  erachtet  hat,  stellte  jedoch  anfangs  fest,  dass  der  Beschwerdeführer  selbst  angab,  bei  seinem  ersten  Asylverfahren  die  Asylbehörden  über  seine  Identität  getäuscht und  in Bezug auf seine Asylgründe nicht die Wahrheit gesagt  zu  haben,  was  seiner  Glaubhaftigkeit  insgesamt  abträglich  sei.  In  ihrer  Würdigung  entschied  sie  sich  jedoch,  auf  die  Glaubhaftigkeit  der  Vorbringen  nicht  weiter  einzugehen,  und  wies  das  Asylgesuch  lediglich  aufgrund  der  fehlender  asylrechtlichen  Relevanz  ab.  An  diesem  Vorgehen ist nichts auszusetzen. Dem Beschwerdeführer war es möglich,  zu  diesen  Erwägungen  in  der  angefochtenen  Verfügung  Stellung  zu  nehmen,  weshalb  die  Rüge  der  Verletzung  der  Begründungspflicht  und  des  rechtlichen  Gehörs  unbegründet  ist.  Aus  den  Akten  ergeben  sich  denn auch  keine Hinweise,  dass der  rechtserhebliche Sachverhalt  nicht  genügend erstellt worden wäre und weitere Abklärungen der Vorinstanz  nötig  gewesen  wären.  Der  Antrag  auf  Rückweisung  der  Sache  an  die  Vorinstanz wird demnach abgewiesen. 4.2.  Der  Vollständigkeit  halber  ist  in  diesem  Zusammenhang  darauf  hinzuweisen,  dass  dem  Beschwerdeführer  mit  Zwischenverfügung  vom  27. März 2008 Einsicht in die Akten gewährt wurde, nachdem er in seiner 

E­841/2008 Beschwerdeergänzung vom 19. März 2008 fehlende Akteneinsicht gerügt  und festgestellt hatte, bis anhin keine konkreten Rügen betreffend weiter  zu treffenden Sachverhaltsabklärungen vorbringen zu können. Allerdings  hat  er  nach  gewährter  Akteneinsicht  bis  heute  keine  weitere  Beschwerdeergänzung  eingereicht,  um  seine  Rügen  zu  konkretisieren  beziehungsweise  neue  vorzubringen,  wie  er  dies  in  Aussicht  gestellt  hatte. 4.3.    Nach  dem  Gesagten  besteht  kein  Anlass  zur  Aufhebung  der  angefochtenen  Verfügung  aus  formellen  Gründen.  Es  ist  daher  im  Folgenden  in materieller  Hinsicht  zu  prüfen,  ob  das  BFM  zu  Recht  die  Ausführungen  des  Beschwerdeführers  als  asylrechtlich  nicht  relevant  bezeichnete,  ihn  nicht  als  Flüchtling  anerkannte  und  sein  Asylgesuch  ablehnte.  5.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken.  Den  frauenspezifischen  Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 6.  Nach Prüfung der Akten gelangt das Bundesverwaltungsgericht gestützt  auf die nachfolgenden Ausführungen zum Schluss, dass die Erwägungen  der  Vorinstanz  zur  fehlenden  Flüchtlingseigenschaft  des  Beschwerdeführers  zutreffen.  Entsprechend  kann  die  Frage  offengelassen werden, ob die Vorbringen im Sinne von Art. 7 AsylG auch  glaubhaft sind. Übereinstimmend mit den vorinstanzlichen Ausführungen  sowie gestützt auf die Vorbringen des Beschwerdeführers kann zunächst  festgehalten  werden,  dass  es  sich  bei  der  Erpressung  durch  einen  Beamten  aus  dem  Finanzministerium  um  einen  Amtsmissbrauch,  das  heisst  um  Behelligung  durch  Dritte  handelt.  Diesbezüglich  hat  die  Vorinstanz zu Recht ausgeführt, dass der georgische Staat grundsätzlich  willens  ist, Personen, die von Dritten bedroht bzw.  verfolgt würden, den  erforderlichen Schutz zu gewähren.

E­841/2008 Mit  dem  Grundsatzentscheid  der  ARK  vom  8.  Juni  2006  (vgl.  EMARK  2006  Nr.  18)  wurde  im  schweizerischen  Asylrecht  anstelle  der  Zurechenbarkeitstheorie  die  sogenannte  Schutztheorie  anerkannt,  wonach  Verfolgung  im  flüchtlingsrechtlichen  Sinne  nicht  mehr  von  der  Frage ihres Urhebers, sondern vom Vorhandensein adäquaten Schutzes  durch  den  Heimatstaat  abhängt.  Nach  dieser  heute  massgeblichen  Theorie  kann  eine  Verfolgung  durch  nichtstaatliche  Akteure  flüchtlingsrechtlich  relevant  sein.  Diese  würde  ­  auf  Grund  der  Subsidiarität  des  flüchtlingsrechtlichen  Schutzes  ­  aber  voraussetzen,  dass  es  der  betroffenen  Person  nicht möglich  ist,  im Heimatland  davor  Schutz  zu  finden. Der  Schutz  ist  dann  als  ausreichend  zu  qualifizieren,  wenn  die  betroffene  Person  effektiv  Zugang  zu  einer  funktionierenden  Infrastruktur hat und ihr deren Inanspruchnahme zumutbar ist, wobei von  einem  Staat  nicht  erwartet  werden  kann,  dass  er  jederzeit  präventiv  in  alle Lebensbereiche seiner Bürger eingreifen kann. Ist kein ausreichender  Schutz möglich, setzt die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft zudem  voraus,  dass  die  betroffene  Person  einer  landesweiten  Verfolgung  ausgesetzt ist und sich nicht in einem anderen Teil ihres Heimatstaates in  Schutz bringen kann (vgl. EMARK 2006 Nr. 18).  Den  Erwägungen  der  Vorinstanz  zur  Frage  der  Schutzfähigkeit  und  Schutzwilligkeit  der  georgischen  Behörden  wurde  in  der  Beschwerdeschrift  nichts  Substanzielles  entgegengehalten,  sondern  lediglich  pauschal  ausgeführt,  korrupte  oder  fehlende  staatliche  Strukturen  würden  eine  Schutzgewährung  vor  Übergriffen  Dritter  verunmöglichen. Dieser Aussage kann – zumindest in dieser Form – nicht  zugestimmt  werden,  auch  wenn  nicht  in  Abrede  zu  stellen  ist,  dass  Korruption  eine  grosse  Herausforderung  für  den  georgischen  Staat  darstellt. Der Beschwerdeführer  führte  in seinen Schilderungen sowie  in  seiner  Eingabe  widerholt  aus,  dass  er  keine  Anzeige  gegen  den  (…)beamten  erstattet  habe,  weil  er  sich  bedroht  gefühlt  habe.  Es  kann  jedoch – entgegen der in der Beschwerde vertretenen Auffassung – nicht  davon  ausgegangen  werden,  die  Behörden  hätten  nichts  zu  seinen  Gunsten unternommen, falls er offiziell eine Anzeige erstattet hätte. Auch  wäre  es  ihm  grundsätzlich  zumutbar  und  möglich  gewesen,  sich  einen  Anwalt zu nehmen und an eine übergeordnete Behörde zu wenden, falls  die Polizei eine Anzeige nicht entgegengenommen hätte,  zumal es sich  hier  offensichtlich  um  kriminelle  Handlungen  einer  Einzelperson,  deren  Namen er kannte, handelte, weshalb eine Anzeige durchaus Aussicht auf  Erfolg gehabt hätte. Dies umso mehr, als es sich beim Beschwerdeführer  um eine unpolitische Person handelte. 

E­841/2008 Vor  diesem  Hintergrund  ist  festzuhalten,  dass  für  das  Bundesamt ­  entgegen  anderer  Auffassung  auf  Beschwerdeebene  ­  keine  Veranlassung bestand, das Motiv der geltend gemachten Erpressung des  Beschwerdeführers  in Zusammenhang mit dessen Ethnie, Religion oder  Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe  im Sinne von Art. 3  Abs.  1  AsylG  zu  bringen,  zumal  der  Beschwerdeführer  in  den  Befragungen  zu  keinem  Zeitpunkt  auf  eine  asylrechtlich  relevante  Motivation der Erpressung hinwies. Vielmehr steht fest, dass die Gründe  für die geltend gemachte Behelligung rein pekuniärer Natur waren.  Es  kann  überdies  nicht  davon  ausgegangen  werden,  dass  der  Finanzbeamte ihn auch ausserhalb seines Wohnortes suchen würde. Der  Beschwerdeführer hat auch bei seiner Rückkehr nach dem Nichteintreten  auf  sein  Asylgesuch  vom  29.  Januar  2004  offenbar  ohne  Probleme  während  mehr  als  zwei  Jahren  in  Georgien  gelebt,  diverse  Geschäfte  getätigt,  wie  den  Verkauf  der  (…)  seiner  Mutter  und  die  Organisation  deren  Reise  und  später  seiner  eigenen  Ausreise.  Auch  hat  er  in  L._______  bei  einer  Abteilung  des  Innenministeriums  problemlos  einen  Pass beantragen können und diesen in der Folge erhalten.  Zusammenfassend  folgt,  dass  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  keine  Verfolgung  nachzuweisen  und  die  vorinstanzlichen  Erwägungen  nicht  umzustossen  vermögen.  Es  erübrigt  sich  daher,  auf  die  weiteren  Ausführungen  in  der  Beschwerdeschrift  näher  einzugehen,  weil  sie  am  Ergebnis  nichts  ändern  können.  In Würdigung  der  gesamten Umstände  folgt,  dass  der  Beschwerdeführer  keine  Gründe  nach  Art.  3  AsylG  nachweisen  oder  glaubhaft  machen  konnte.  Die  Vorinstanz  hat  das  Asylgesuch des Beschwerdeführers demnach zu Recht abgelehnt. 7. 7.1  Lehnt  das  Bundesamt  das  Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit  der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 7. 2. Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44  Abs. 1 AsylG; BVGE 2009/50 E. 9).

E­841/2008 8.  8.1  Ist  der Vollzug der Wegweisung nicht  zulässig,  nicht  zumutbar oder  nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG,  SR 142.20]). Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt  gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  der  vormaligen  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte  Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl.  WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.],  Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148). 8.2 Der Vollzug  ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen  der  Schweiz  einer Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen  (Art.  83  Abs. 3 AuG). So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  Art. 3  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom  4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher  oder  erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 8.3  Die  Vorinstanz  wies  in  ihrer  angefochtenen  Verfügung  zutreffend  darauf hin, dass das Prinzip des  flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulement  nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche 

E­841/2008 Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der  in Art. 5  AsylG  verankerte  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  des  Beschwerdeführers  nach  Georgien  ist  demnach  unter  dem  Aspekt  von  Art. 5 AsylG rechtmässig. 8.4  Sodann  ergeben  sich  weder  aus  den  Aussagen  des  Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für  den  Fall  einer  Ausschaffung  nach  Georgien  dort  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  einer  nach Art. 3  EMRK  oder  Art. 1  FoK  verbotenen  Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wäre.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­Folterausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine  konkrete  Gefahr  ("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft  machen,  dass  ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung  drohen würde  (vgl. EGMR  [Grosse Kammer], Saadi gegen  Italien, Urteil  vom  28. Februar  2008,  Beschwerde  Nr. 37201/06,  §§ 124 – 127,  mit  weiteren  Hinweisen).  Auch  die  allgemeine  Menschenrechtssituation  in  Georgien lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als  unzulässig  erscheinen.  Nach  dem  Gesagten  ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  sowohl  im  Sinne  der  asyl­  als  auch  der  völkerrechtlichen  Bestimmungen zulässig. 8.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und  Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat­ oder Herkunftsstaat auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art. 83  Abs. 7  AuG –  die vorläufige Aufnahme zu gewähren (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom  8.  März  2002,  BBl  2002  3818). 8.5  Eine  Rückkehr  nach  Georgien  ist  vor  dem  Hintergrund  der  dort  herrschenden  Situation  bezüglich  Sicherheit,  medizinischer  Versorgung  und wirtschaftlicher Lage im Allgemeinen zumutbar. Vorliegend sprechen  auch keine individuellen, in der Person des Beschwerdeführers liegenden  Gründe  gegen  den  Vollzug  der Wegweisung,  handelt  es  sich  doch  um  einen noch  relativ  jungen Mann mit einem  familiären Beziehungsnetz  in  L._______  und  B._______  und  einem  breiten  Freundeskreis.  Überdies  hat  er  eine  sehr  gute  Ausbildung  als  (…)  und  berufliche  Erfahrung.  Ausser  georgische  beherrscht  er  auch  die  russische  Sprache  gut. 

E­841/2008 Angesichts  dieser  Ausgangslage  dürfte  es  dem  Beschwerdeführer  bei  entsprechenden  Bemühungen  möglich  sein,  im  Heimatland  eine  neue  Existenzgrundlage  für  sich  aufzubauen.  Die  Andeutung  in  der  Beschwerde  auf  ein  allfälliges  Strafverfahren  wegen  (…)  findet  in  den  Akten keine Stütze und der Beschwerdeführer selbst hat diesbezüglich in  seinen  Anhörungen  nichts  erwähnt.  Der  einzige  Hinweis  auf  einen  möglichen  (…)  befindet  sich  im  Formular  "segnalazione  di  casi  medici"  vom 27. November 2007, welchem sich entnehmen lässt, dass er sich am  26. November  2007  einer  ärztlichen  Untersuchung  unterzogen  hat,  und  wo festgestellt wurde, dass der Beschwerdeführer auf (…) sei. Hinweise  auf (…) zum heutigen Zeitpunkt sind keine vorhanden. In Würdigung der  gesamten Umstände muss nicht davon ausgegangen werden, er gerate  bei einer Rückkehr in eine existenzbedrohende Situation. Ein Vollzug der  Wegweisung erweist sich somit als zumutbar. 8.6.  Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der  zuständigen  Vertretung  seines  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr  notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (vgl.  Art. 8  Abs. 4  AsylG  und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug  der  Wegweisung  auch  als  möglich  zu  bezeichnen  ist  (Art. 83  Abs. 2  AuG). 9. Insgesamt  ist  die  durch  die  Vorinstanz  verfügte  Wegweisung  zu  bestätigen.  Die  Vorinstanz  hat  deren  Vollzug  zu  Recht  als  zulässig,  zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung  der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1­4 AuG). 11. Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die  Beschwerde ist folglich abzuweisen. 12. Der  Beschwerdeführer  ersuchte  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG. Gemäss dieser  Bestimmung befreit die Beschwerdeinstanz eine Partei, die nicht über die  erforderlichen  Mittel  verfügt,  auf  Antrag  von  der  Bezahlung  der  Verfahrenskosten,  sofern  ihr  Begehren  nicht  aussichtslos  erscheint.  Im  vorliegenden Fall erscheinen die Anträge des Beschwerdeführers ex post 

E­841/2008 als aussichtslos. Da zudem die Bedürftigkeit nicht nachgewiesen  ist und  es  aufgrund  der  Akten  Hinweise  gibt,  dass  der  Beschwerdeführer  über  ein  gewisses  Vermögen  verfügt  (gemäss  eigenen  Aussagen  lebte  er  teilweise in verschiedenen Hotels in K._______ und J._______ und hatte  genug Geld [vgl. B25/17, S. 8 unten]),  ist das Gesuch um unentgeltliche  Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG abzuweisen. Mangels  Erfüllung der Voraussetzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG ist ebenfalls das  Gesuch  um  unentgeltliche  Rechtsverbeiständung  im  Sinne  von  Art. 65  Abs. 2  VwVG  abzuweisen.  Bei  dieser  Sachlage  –  und  unter  Berücksichtigung des Ausgangs des vorliegenden Verfahrens – sind die  Kosten  in Höhe  von Fr. 600.­  dem Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art.  63 Abs. 1 und 5 VwVG; Art. 1­3 des Reglements vom 21. Februar 2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite)

E­841/2008 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das Gesuch um Gewährung der  unentgeltlichen Rechtspflege  im Sinne  von Art. 65 Abs. 1 und 2 VwVG wird abgewiesen. 3.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Gabriela Freihofer Blanka Fankhauser Versand:

E-841/2008 — Bundesverwaltungsgericht 31.10.2011 E-841/2008 — Swissrulings