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Bundesverwaltungsgericht 20.12.2011 E-6751/2011

20 dicembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,266 parole·~6 min·2

Riassunto

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren) | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 2. Dezember 2011 / N

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung V E­6751/2011 Urteil   v om   2 0 .   D e z embe r   2011 Besetzung Einzelrichter Kurt Gysi, mit Zustimmung von Richterin Gabriela Freihofer;   Gerichtsschreiber Christoph Berger. Parteien A._______, Nigeria,  (…),   Beschwerdeführerin,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung  (Dublin­Verfahren);  Verfügung des BFM vom 2. Dezember 2011 / N (…).

E­6751/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass die Beschwerdeführerin am 10. November 2011 in der Schweiz ein  Asylgesuch stellte, auf welches das BFM gestützt auf Art. 34 Abs. 2 Bst.  d des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) mit Verfügung  vom 2. Dezember 2011 nicht eintrat, dass das Bundesamt der Beschwerdeführerin anlässlich der summarisch­ en  Befragung  vom  16.  November  2011  das  rechtliche Gehör  bezüglich  der  Zuständigkeit  Italiens  für  das  vorliegende  Asylverfahren,  zum  Nichteintretensentscheid und zu einer Wegweisung dorthin gewährte, dass  die  Beschwerdeführerin  hierzu  im  Wesentlichen  vorbrachte,  sie  habe in Italien keine Hilfe bekommen und wolle deshalb nicht nach Italien  zurückkehren, dass sie zudem vorbrachte, sie sei von einem Landsmann, mit dem sie in  Italien einige Zeit zusammen gelebt habe, seit (…) Monaten schwanger, dass  das  Bundesamt  zur  Begründung  seiner  Verfügung  ausführte,  die  Schweiz habe sich mit der Umsetzung des Abkommens vom 26. Oktober  2004  zwischen  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  und  der  Europäischen  Gemeinschaft  über  die  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  zuständigen  Staates  für  die  Prüfung  eines  in  einem  Mitgliedstaat  oder  in  der  Schweiz  gestellten  Asylantrags  (Dublin­ Assoziierungsabkommen  [DAA],  SR  0.142.392.689)  verpflichtet,  die  Dublin­II­Verordnung  (Verordnung  [EG]  Nr.  343/2003  des  Rates  vom  18. Februar  2003  zur  Festlegung  der  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  Mitgliedstaates,  der  für  die  Prüfung  eines  von  einem  Drittstaatsangehörigen  in  einem  Mitgliedstaat  gestellten  Asylantrages  zuständig ist [Dublin­II­VO]) anzuwenden, dass  ein  Abgleich  mit  der  europäischen  Fingerabdruck­Datenbank  (Zentraleinheit Eurodac) ergeben habe, dass die Beschwerdeführerin am        5.  Mai  2011  in  Italien  illegal  in  das  Hoheitsgebiet  der  Dublin­Staaten  eingereist sei und am 12. Mai 2011 in Italien um Asyl ersucht habe, dass  gestützt  darauf  das  BFM  am  11.  November  2011  an  Italien  ein  Ersuchen um Übernahme der Beschwerdeführerin  im Sinne von Art.  16  Abs.  1  Bst.  c  Dublin­II­VO  gestellt  habe  und  Italien  innerhalb  der  festgelegten  Zeit  keine  Stellung  genommen  habe,  weshalb  die  Zuständigkeit  gestützt  auf  Art.  20  Abs.  1  Bst.  c  Dublin­II­VO  an  Italien  übergegangen sei,

E­6751/2011 dass gemäss Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG auf ein Asylgesuch nicht einge­ treten werde, wenn Asylsuchende  in einen Drittstaat ausreisen könnten,  der  für die Durchführung des Asyl­  und Wegweisungsverfahrens  staats­ vertraglich zuständig sei, dass die Überstellung nach  Italien  ­  vorbehältlich einer  allfälligen Unter­ brechung  oder  Verlängerung  der  Überstellungsfrist  ­  bis  spätestens  am  26. Mai 2012 zu erfolgen habe, dass somit auf das Asylgesuch nicht einzutreten sei, dass  die  Folge  eines  Nichteintretensentscheides  gemäss  Art.  44  Abs. 1 AsylG in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz sei und die  Beschwerdeführerin  in  einen Drittstaat  reisen  könne,  in  dem  sie Schutz  vor  Rückschiebung  im  Sinne  von  Art.  5  Abs.  1  AsylG  finden  würde,  weshalb  das  Non­Refoulement­Gebot  bezüglich  des  Heimat­  oder  Herkunftsstaates nicht zu prüfen sei, und ferner keine Hinweise auf eine  Verletzung  von  Art.  3  der  Konvention  vom  4.  November  1950  zum  Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101)  im  Falle einer Rückkehr nach Italien bestehen würden, dass  Italien  die  Richtlinie  2003/9/EG  des  Rates  vom  27.  Januar  2003  (sogenannte  Aufnahmerichtlinie),  welche  zahlreiche  Mindestnormen  für  die  Aufnahme  und  Betreuung  von  Asylsuchenden,  unter  anderem  die  medizinische  Grundversorgung,  ohne  Beanstandungen  von  Seiten  der  Europäischen Kommission umgesetzt habe, dass sich die Beschwerdeführerin an die zuständigen Behörden wenden  könne, um allfällige Unterstützung zu erhalten und anzumerken sei, dass  die  Beschwerdeführerin  mit  einem  Säugling  als  besonders  verletzliche  Person  gelte  und  daher  von  den  italienischen  Behörden  bezüglich  Unterbringung und Unterstützungsleistungen bevorzugt zu behandeln sei, dass  es  demnach  keine  konkreten  Hinweise  darauf  gebe,  dass  die  Beschwerdeführerin nach ihrer Rückkehr nach Italien in eine existenzielle  Notlage geraten würde und der Vollzug der Wegweisung somit zumutbar  sei, dass der Vollzug der Wegweisung auch technisch möglich und praktisch  durchführbar sei, dass der Beschwerdeführerin die Verfügung des BFM vom 2. Dezember  2011 am 10. Dezember 2011 eröffnet wurde, 

E­6751/2011 dass  die  Beschwerdeführerin  gegen  diese  Verfügung  mit  Eingabe  vom  15.  Dezember  2011  (Postaufgabe)  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  erhebt  und  beantragt,  die  angefochtene  Verfügung  sei  aufzuheben und die Vorinstanz anzuweisen,  ihr Recht zum Selbsteintritt  auszuüben  und  sich  für  das  vorliegende  Asylgesuch  für  zuständig  zu  erklären, dass  im Sinne vorsorglicher Massnahmen der vorliegenden Beschwerde  die  aufschiebende  Wirkung  zu  erteilen  sei  und  die  Vollzugsbehörden  anzuweisen  seien,  von  einer  Überstellung  nach  Italien  abzusehen,  bis  das  Bundesverwaltungsgericht  über  die  vorliegende  Beschwerde  entschieden habe, dass sie um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege  im Sinne von  Art.  65  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021)  und  um  Verzicht  der  Erhebung eines Kostenvorschusses ersucht, dass  sie  zur  Begründung  im Wesentlichen  vorbringt,  ihr  als  verletzliche  Person würde bei einer Wegweisung nach  Italien als Asylsuchende und  Dublin­Rückkehrerin  mit  grosser  Wahrscheinlichkeit  die  notwendige  Unterstützung  nicht  gewährt  werden,  weshalb  die  Wegweisung  als  unzumutbar zu erachten sei, dass  die  Beschwerdeführerin  bezüglich  ihrer  Vorbringen  auf  verschiedene  Berichte  Bezug  nimmt  und  zum  Schluss  kommt,  die  Zustände  im  italienischen  Asylwesen  seien  derart  prekär,  dass  weder  eine  adäquate  medizinische  Behandlung  noch  eine  Unterbringung  gewährleistet  werden  könnten,  weshalb  von  einem  Rücktransfer  nach  Italien gerade von verletzlichen Personen abgeraten werde sowie davon  ausgegangen  werden  könne,  dass  ein  Vollzug  der  Wegweisung  der  Beschwerdeführerin  nach  Italien  im Rahmen des Dublin­Verfahrens aus  humanitären Gründen als unzumutbar zu werten sei, dass  sie  mit  der  Beschwerde  eine  ärztliche  Bestätigung  vom  13.  Dezember  2011  zu  den  Akten  reicht,  wonach  sie  sich  in  etwa  der  (…)  Schwangerschaftswoche befinde, dass  bezüglich  der  weiteren  Ausführungen  im  Einzelnen  auf  die  Rechtsmitteleingabe  und,  soweit  entscheidrelevant,  auf  die  nachfolgenden Erwägungen zu verweisen ist,

E­6751/2011 dass  die  vollständigen  vorinstanzlichen  Akten  am  19.  Dezember  2011  beim Bundesverwaltungsgericht eingingen, und erwägt, dass  das  Bundesverwaltungsgericht  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  im  Regelfall  ­  so  auch  vorliegend  ­  endgültig  über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  (Art. 5  VwVG)  des BFM entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31­ 33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005  [VGG,  SR 173.32] sowie Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom  17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass die Beschwerdeführerin am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom­ men  hat,  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren Aufhebung  beziehungsweise Änder­ ung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist  (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass die Beschwerde  frist­  und  formgerecht eingereicht wurde  (Art.  108  Abs. 2 AsylG, Art. 52 Abs. 1 VwVG), dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters oder einer zweiten  Richterin  entschieden  wird  (Art. 111  Bst. e  AsylG),  und  es  sich  vorliegend, wie nachfolgend aufgezeigt, um eine solche handelt, weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  begründen  ist  (Art. 111a  Abs. 2 AsylG), dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG vorliegend auf einen Schriften­ wechsel verzichtet wurde, dass  bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es  das BFM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu über­ prüfen  (Art. 32­35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Beschwerde­ instanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt  ist, ob die Vorinstanz zu  Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist, dass  auf  Asylgesuche  in  der  Regel  nicht  eingetreten  wird,  wenn  Asylsuchende  in  einen  Drittstaat  ausreisen  können,  welcher  für  die 

E­6751/2011 Durchfüh­  rung  des Asyl­  und Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zuständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG), dass  das  BFM  am  11.  November  2011  an  Italien  ein  Ersuchen  um  Übernahme der Beschwerdeführerin gestellt hat,  dass der Aufenthalt der Beschwerdeführerin und das Ersuchen um Asyl  in Italien vor deren Einreise in die Schweiz nicht bestritten ist, dass  bei  dieser  Sachlage  ­  entsprechend  den  vom  BFM  angerufenen  Bestimmungen  zum  Dublin­Verfahren  Italien  für  die  Prüfung  des  Asylantrages der Beschwerdeführerin zuständig ist, dass  somit  die  Grundlage  für  einen  Nichteintretensentscheid  in  Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG ohne Weiteres gegeben ist, dass  Italien  Signatarstaat  des  Abkommens  vom  28. Juli 1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  (FK,  SR  0.142.30),  der  EMRK  und  des  Übereinkommens  vom  10.  Dezember  1984  gegen  Folter  oder  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK, SR 0.105) ist, dass  keine  Hinweise  dafür  bestehen,  Italien  würde  sich  nicht  an  die  massgebenden  völkerrechtlichen  Bestimmungen,  insbesondere  an  das  Rückschiebungsverbot oder die einschlägigen Normen der EMRK, halten, dass,  wie  in  der  angefochtenen  Verfügung  zu  Recht  festgestellt  wird,  Italien  die  Richtlinie  2003/9/EG  des  Rates  vom  27.  Januar  2003  zur  Festlegung von Mindestnormen  für die Aufnahme von Asylbewerbern  in  den  Mitgliedstaaten  (Amtsblatt  Nr.  L  031  vom  06/02/2003  S.  0018 –  0025),  welche  zahlreiche  Mindestnormen  für  die  Aufnahme  und  Betreuung  von  Asylsuchenden  beinhaltet,  ohne  Beanstandungen  von  Seiten der Europäischen Kommission umgesetzt hat, dass  Asylsuchende  in  Italien  bei  der  Unterkunft,  der  Arbeit  und  dem  Zugang  zur  medizinischen  Infrastruktur  zwar  gewissen  Schwierigkeiten  ausgesetzt  sein  können  und  sich  das  italienische  Asylsystem  aufgrund  der  jüngsten  Entwicklungen  im  nordafrikanischen  Raum  verbunden  mit  einer  starken  Zunahme  von  Asylsuchenden  zwar  mit  erheblichen  Kapazitätsproblemen konfrontiert sieht, dass  hinsichtlich  verschiedener  Berichte  zu  den  Aufnahme­  und  Lebensbedingungen  für  asylsuchende  respektive  bereits  als  Flüchtlinge 

E­6751/2011 anerkannte  Personen  in  Italien  festzustellen  ist,  dass  die  italienischen  Behörden seit geraumer Zeit mit einer grossen Anzahl von Einwanderern  aus  nordafrikanischen  Staaten  konfrontiert  sind,  was  immer  wieder  zu  Kapazitätsengpässen bei den Aufnahmezentren führt, dass  indessen  das  Gericht  auch  in  Berücksichtigung  der  mit  den  Kapazitätsengpässen  im  Zusammenhang  stehenden  schwierigen  Aufenthalts­  und  Lebensbedingungen  ­  eine  Betreuung  durch  die  italienischen Behörden oder durch die privaten karitativen Organisationen  ist  nicht  in  jedem Fall  gewährleistet  ­  nicht  zum Schluss gelangt,  Italien  verletze  nachgewiesenermassen  in  systematischer  Weise  die  Richtlinie  Nr. 2003/9/EG, dass  angesichts  dieser  Sachlage  keine  Veranlassung  besteht,  die  Regelvermutung  in  Frage  zu  stellen,  wonach  sich  Italien  an  die  massgebenden  völkerrechtlichen  Bestimmungen,  insbesondere  an  das  Rückschiebungsverbot  oder  die  einschlägigen  Normen  der  EMRK  und  der FoK, hält (BVGE 2010/45 E. 7.5. und 7.7.),  dass  diese  Regelvermutung  umgestossen  werden  kann,  wenn  im  konkreten  Einzelfall  ernsthafte  Indizien  dafür  vorliegen,  dass  die  Behörden des betreffenden Signatarstaates Völkerrecht verletzen (BVGE  2010/45 a.a.O.), dass  vorliegend  die  Beschwerdeführerin  eine  einzelfallspezifische  besondere  Verletzlichkeit  nicht  nachzuweisen  vermag,  aufgrund  derer  geschlossen  werden  könnte,  ihr  und  ihrem  ungeborenen  Kind  drohe  in  Italien eine unmenschliche Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK, dass  für  den  Fall,  dass  die  Beschwerdeführerin  aufgrund  der  Aufenthaltsbedingungen  tatsächlich  nicht  in  der  Lage  sein  sollte,  mit  ihrem Kind  in  Italien  ein menschenwürdiges  Leben  zu  führen,  es  an  ihr  liegen wird,  ihre Rechte bei den  italienischen Behörden  respektive beim  Europäischen Gerichtshof  oder  beim EGMR geltend  zu machen  (BVGE  2010/45          E. 7.6.4), dass  aber  nach  Kenntnis  des  Bundesverwaltungsgerichts  Dublin­Rück­ kehrende  und  ­  wie  vorliegend  die  Beschwerdeführerin  ­  verletzliche  Personen  bezüglich  Unterbringung  von  den  italienischen  Behörden  bevorzugt  behandelt werden  und  sich  neben den  staatlichen Strukturen  auch  zahlreiche  private  Hilfsorganisationen  der  Betreuung  von  Asylsuchenden und Flüchtlingen annehmen,

E­6751/2011 dass  sich  aus  den  Akten  keinerlei  Anhaltspunkte  dafür  ergeben,  Italien  halte sich nicht an das Übereinkommen vom 20. November 1989 über die  Rechte des Kindes ([KRK, SR 0.107]; vgl. CHRISTIAN FILZWIESER / ANDREA  SPRUNG,  Dublin­II­Verordnung,  3.  Aufl.,  Wien/Graz  2010,  Kommentar  Nr. 8 zu Art. 6 Seite 90), dass es Sache des BFM sein wird, die italienischen Behörden anlässlich  der  Bekanntgabe  des  Datums  der  Überstellung  schriftlich  über  die  Zugehörigkeit  der  schwangeren  Beschwerdeführerin  zu  einer  verletzlichen Personengruppe zu informieren, dass sich vor diesem Hintergrund der Vollzug der Wegweisung entgegen  den  Beschwerdevorbringen  als  zulässig  erweist  (Art.  83  Abs.  3  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005  über  die Ausländerinnen  und  Ausländer [AuG, SR 142.20]), dass des Weiteren die Beschwerdeführerin nichts vorbringt, das das BFM  hätte veranlassen können, aus humanitären Gründen (Art. 29a Abs. 3 der  Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfahrensfragen  [AsylV 1,  SR 142.311]) auf ihr Asylgesuch einzutreten, dass  im Rahmen einer Gesamtabwägung aller  relevanten Umstände  im  konkreten  Einzelfall  auch  sonst  keine  Gründe  ersichtlich  sind,  die  eine  Wegweisung  aus  humanitärer  Sicht  als  unangemessen  erscheinen  lassen  (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E­7221/2009 vom 10.  Mai 2011), dass sich angesichts dieser Sachlage eine Auseinandersetzung mit den  weiteren  Ausführungen  in  der  Beschwerde  erübrigt,  weil  diese  nicht  geeignet sind, zu einer anderen Beurteilung zu gelangen, dass  zusammenfassend  festzustellen  ist,  dass  einer  Überstellung  der  Beschwerdeführerin  nach  Italien  weder  völkerrechtliche  Verpflichtungen  der  Schweiz  noch  humanitäre  Gründe  entgegenstehen,  weshalb  die  Souveränitätsklausel  (Art.  3  Abs.  2  Dublin­II­VO)  nicht  zur  Anwendung  gelangt und folglich das BFM zu Recht in Anwendung von Art. 34 Abs. 2  Bst. d AsylG auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist, dass das Nichteintreten auf ein Asylgesuch in der Regel die Wegweisung  aus  der  Schweiz  zur  Folge  hat  (Art. 44  Abs. 1  AsylG),  vorliegend  der  Kanton keine Aufenthaltsbewilligung erteilt hat und zudem kein Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen  besteht  (BVGE  2009/50  E.  9.  S.  733), 

E­6751/2011 weshalb  die  verfügte  Wegweisung  nach  Italien  im  Einklang  mit  den  gesetzlichen  Bestimmungen  steht  und  demnach  vom  Bundesamt  zu  Recht angeordnet wurde, dass  in  Verfahren  nach  Art.  34  Abs.  2  Bst.  d  AsylG  die  Frage  der  Durchführbarkeit  des Wegweisungsvollzugs  bereits  Voraussetzung  (und  nicht erst Regelfolge) des Nichteintretensentscheides ist (BVGE 2010/45  E. 10.2), dass  deshalb  allfällige  völkerrechtliche  und  humanitäre  Vollzugshindernisse vor der Prüfung des Nichteintretens im Rahmen der  Anwendung der sogenannten Souveränitätsklausel (Art. 3 Abs. 2 Dublin­ II­VO)  oder  gegebenenfalls  ­  wenn  sich  Familienmitglieder  in  verschiedenen  Dublin­Mitgliedstaaten  befinden  und  zusammengeführt  werden  sollen  ­  bei  der  Ausübung  der  Humanitären  Klausel  (Art. 15  Dublin­II­VO) zu prüfen sind, weshalb kein Raum für Ersatzmassnahmen  im Sinne von Art. 44 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 83 Abs. 1 ­ 4 AuG besteht, dass nach dem Gesagten der vom Bundesamt verfügte Vollzug der Weg­ weisung zu bestätigen ist, dass  die  Beschwerdeführerin  nicht  darzutun  vermag,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheblichen  Sachverhalt unrichtig oder unvollständig feststellt oder unangemessen ist  (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen ist, dass mit vorliegendem Urteil das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung  eines Kostenvorschusses hinfällig ist, dass  mit  vorliegendem  Urteil  auch  das  Gesuch  um  Gewährung  der  aufschiebenden  Wirkung  der  Beschwerde  gegenstandslos  ist  und  demnach  auf  die  in  der  Beschwerde  in  diesem  Zusammenhang  gemachten Ausführungen nicht weiter einzugehen ist, dass  sich  die  Beschwerde  aufgrund  der  vorstehenden  Erwägungen  als  aussichtslos  erweist,  weshalb  der  Antrag  auf  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  (Art.  65  Abs.  1  VwVG)  unbesehen  der  allenfalls bestehenden prozessualen Bedürftigkeit abzuweisen ist, dass  jedoch  aufgrund  der  aktuellen  besonderen  Situation  der  Beschwerdeführerin die Verfahrenskosten zu erlassen sind (Art. 6 Bst. b  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und 

E­6751/2011 Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2]). Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  wird  abgewiesen. 3.  Die Verfahrenskosten werden erlassen. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführerin,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Kurt Gysi Christoph Berger Versand:

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