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Bundesverwaltungsgericht 07.11.2011 E-6717/2007

7 novembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,352 parole·~12 min·1

Riassunto

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 24. Januar 2006

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung V E­6717/2007 Urteil   v om   7 .   No v embe r   2011 Besetzung Richterin Muriel Beck Kadima (Vorsitz), Richterin Contessina Theis, Richterin Emilia Antonioni,    Gerichtsschreiberin Patricia Petermann Loewe. Parteien A._______, geboren am (…), Syrien,   vertreten durch Gabriel Püntener, Rechtsanwalt, (…), Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM  vom 24. Januar 2006 / N (…).

E­6717/2007 Sachverhalt:  A.  Der  Beschwerdeführer,  ein  registrierter  staatenloser  Kurde  (Ajnabi)  mit  letztem  Wohnsitz  in  Qamishli  (Provinz  Hasakah,  Syrien),  verliess  sein  Heimatland  gemäss  eigenen  Angaben  mit  seiner  damals  schwangeren  Ehefrau  und  dem  gemeinsamen  Kind  am  (…)  2005  und  hielt  sich  anschliessend  eineinhalb  Monate  in  der  Türkei  auf,  von  wo  aus  die  Familie  am  (…)  2005  weiterreiste  und  mit  einem  Lastwagen  über  unbekannte  Länder  in  die  Schweiz  gelangte.  Am  23. Mai  2005  suchten  sie  im  Empfangszentrum  (heute:  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum)  Kreuzlingen  um  Asyl  nach.  Am  30.  Mai  2005  wurde  die  Ehefrau  des  Beschwerdeführers und am 31. Mai 2005 er selbst summarisch, sodann  am  7. Juni  2005  beide  eingehend  zu  den Asylgründen  angehört.  Dabei  brachten  sie  im  Wesentlichen  vor,  dass  der  Beschwerdeführer  im  (…)  2004 in Auseinandersetzungen zwischen Arabern und Kurden vor einem  Fussballmatch  in  Qamishli  involviert  gewesen  sei.  Nach  den  Newroz­ Feierlichkeiten vom (…) 2005 sei der Beschwerdeführer überdies in eine  bewaffnete  Auseinandersetzung  mit  Arabern  gelangt;  dabei  sei  ein  Freund  des  Beschwerdeführers  schwer  sowie  der  Beschwerdeführer  selbst  an  der  Nase  verletzt  worden.  Um  sich  in  Sicherheit  zu  bringen,  habe  der  Beschwerdeführer  die  Nacht  bei  einem  Freund  verbracht.  Nachdem er am (…) 2005 die Stadt verlassen habe, hätten Angehörige  der Sicherheitskräfte ihn bei ihm zu Hause gesucht und anstelle von ihm  seinen Bruder verhaftet. Am (…) 2005 sei seine Ehefrau ihm nachgefolgt,  um  gleichentags  mit  ihm  in  die  Türkei  auszureisen,  nachdem  Sicherheitsleute wiederum zu Hause nach ihm gefragt hätten.  B.  Gemäss  einer  Geburtsmitteilung  der  Gemeinde  Grabs  (Kanton  St. Gallen) brachte die Beschwerdeführerin am 22. Juni 2005 einen Sohn  zur Welt. C.  Mit Verfügung vom 24. Januar 2006 – eröffnet am 26. Januar 2006 – wies  das BFM die Asylgesuche des Beschwerdeführers und seiner Familie ab  und  verfügte  die Wegweisung  aus  der  Schweiz.  Der  Vollzug  derselben  wurde  wegen  Unzumutbarkeit  zugunsten  einer  vorläufigen  Aufnahme  aufgeschoben. Begründet  wurde  der  Entscheid  im  Wesentlichen  mit  der  Unglaubhaftigkeit  der  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  und  seiner 

E­6717/2007 Ehefrau (Art. 7 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]).  Die  Asylrelevanz  sei  daher  nicht  zu  prüfen.  Auf  die  Details  dieser  Begründung  wird  –  soweit  entscheidwesentlich  –  in  den  Erwägungen  eingegangen. D.  Mit  Beschwerde  vom  24. Februar  2006  (Poststempel)  und  einer  ergänzenden  Eingabe  vom  27. Februar  2006  wandten  sich  der  Beschwerdeführer  und  seine  Familienangehörigen  an  die  vormals  zuständige  Schweizerische  Asylrekurskommission  (ARK;  heute:  Bundesverwaltungsgericht) und beantragten, die Verfügung des BFM sei  aufzuheben  und  die  Sache  sei  zur  Feststellung  des  vollständigen  und  richtigen  rechtserheblichen Sachverhalts und zur Neubeurteilung an das  BFM zurückzuweisen. Eventualiter sei die Verfügung aufzuheben und es  sei die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers und seiner Familie  festzustellen  und  ihnen  Asyl  zu  gewähren.  Subeventualiter  sei  die  Verfügung  bezüglich  der  Dispositivziffern 4  und 5  (Wegweisung  und  Vollzug)  aufzuheben  und  es  sei  die  Unzulässigkeit  des  Wegweisungsvollzuges  festzustellen.  In  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  wurde  um  Ansetzung  einer  angemessenen  Nachfrist  zur  Einreichung  einer Beschwerdeergänzung nach Akteneinsicht ersucht. Zur  Begründung  wurde  im  Wesentlichen  vorgebracht,  dass  das  BFM  wichtige  Abklärungen  unterlassen,  obwohl  diese  zwingend  notwendig  gewesen  wären,  und  eingereichte  Beweismittel  nicht  gewürdigt  habe.  Sodann  könne  auch  keineswegs  aus  den  Aussagen  des  Beschwerdeführers und seiner Ehefrau gefolgert werden, die Vorbringen  seien in ihrer Gesamtheit unglaubhaft. Auf die Details dieser Begründung  wird – soweit entscheidwesentlich – in den Erwägungen eingegangen. E.  Mit Verfügung vom 7. März 2006 verzichtete die ARK auf die Erhebung  eines  Kostenvorschusses,  gewährte  dem  Beschwerdeführer  Akteneinsicht und gab ihm Gelegenheit zur Beschwerdeergänzung. F.  Der  Beschwerdeführer  reichte  am  22. März  2006  innert  Frist  eine  ergänzende  Beschwerdebegründung  nach,  in  der  erneut  vorgebracht  wurde, der rechtserhebliche Sachverhalt sei vom BFM unvollständig und  unrichtig  festgestellt  worden.  Zudem  habe  dieses  zu  den  festgestellten  Widersprüchen dem Beschwerdeführer und seiner Ehefrau das rechtliche 

E­6717/2007 Gehör nicht gewährt, was dem "Standardvorgehen" widerspreche. Auf die  Einzelheiten dieser Ausführungen wird – soweit entscheidwesentlich – in  den Erwägungen eingegangen. G.  Am  4. Mai  2006  reichten  der  Beschwerdeführer  und  seine  Familie  ein  undatiertes fremdsprachiges ärztliches Schreiben des Spitals B._______  in Qamishli  (dessen Übersetzung am 23. Mai 2006 nachgeliefert wurde)  im Original ein, in welchem der Direktor dieses Hospitals bestätigte, dass  der beim Vorfall vom (…) 2005 verletzte Freund des Beschwerdeführers  an jenem Tag mit einem Messerstich in der Brust ins Spital eingewiesen  und  am  (…)  2005  entlassen  worden  sei.  Jener  Freund,  so  der  Beschwerdeführer,  sei mittlerweile  gemäss Auskunft  von Nachbarn  und  von dessen Familie verschwunden. Des Weiteren seien  im Internet Berichte über den Vorfall vom (…) 2005  erschienen;  der  Ausdruck  eines  solchen  Berichts  des  kurdischen  Komitees  für Menschenrechte  vom 22. März  2005 wurde  zu  den Akten  gereicht. Zudem wurden eine ärztliche Bestätigung vom 28. März 2006 –  wonach  der Beschwerdeführer  eine  verheilte  alte Rissquetschwunde  im  Bereich des Nasenrückens aufweise –, eine Bestätigung der Yekiti­Partei  vom  19. März  2006,  dass  der  Beschwerdeführer  Sympathisant  ihrer  Partei  sei,  sowie  eine CD­ROM mit  einer  Fotografie  und  einem Beitrag  betreffend  die  Teilnahme  des Beschwerdeführers  an  einer Kundgebung  vom 14. März 2006 vor der amerikanischen Botschaft in Bern eingereicht. H.  Am  16. Juni  2006  nahm  das  BFM  im  Rahmen  einer  ersten  Vernehmlassung zur eingereichten Beschwerdeschrift Stellung und führte  aus,  diese  enthalte  keine  neuen  erheblichen  Tatsachen  oder  Beweismittel,  welche  eine  Änderung  seines  Standpunktes  rechtfertigen  könnten.  Auf  die  Details  dieser  Ausführungen  wird  –  soweit  entscheidwesentlich – in den Erwägungen eingegangen. I.  Am 11. Juli 2006 replizierte der Beschwerdeführer; auf die Details dieser  Replik  wird  –  soweit  entscheidwesentlich  –  in  den  Erwägungen  eingegangen. J.  Mit  Schreiben  vom  3. Oktober  2007  teilten  der  Beschwerdeführer  und 

E­6717/2007 seine Ehefrau dem – das Beschwerdeverfahren seit dem 1. Januar 2007  weiterführenden  –  Bundesverwaltungsgericht  mit,  dass  sie  sich  zur  Scheidung entschlossen hätten, weshalb die Beschwerde betreffend die  Gattin  des  Beschwerdeführers  und  die  gemeinsamen  Kinder  vollumfänglich zurückgezogen werde. Das  Bundesverwaltungsgericht  trennte  sodann  das  Verfahren  des  Beschwerdeführers  von  jenem  seiner  Gattin  (…)  und  schrieb  Letzteres  mit  Entscheid  vom  10. Oktober  2007  infolge  Rückzugs  als  gegenstandslos ab. K.  Mit  Verfügung  vom  1. Juli  2011  stellte  das  Bundesverwaltungsgericht  fest,  dass  der  Beschwerdeführer  gemäss  einer  Meldung  des  Ausländeramtes des Kantons St. Gallen seit dem 3. März 2011 aufgrund  eines  Härtefallgesuchs  im  Besitze  einer  B­Bewilligung  sei,  weshalb  er  ersucht  werde,  dem  Gericht  mitzuteilen,  ob  er  an  der  Beschwerde  betreffend Asylgewährung  festhalte oder diese allenfalls zurückzuziehen  gedenke.  Bei  ungenutzter  Frist  werde  davon  ausgegangen,  dass  der  Beschwerdeführer  vollumfänglich  an  seinen  Rechtsbegehren  festhalte.  Mit  Schreiben  vom  18. Juli  2011  teilte  der  Rechtsvertreter  des  Beschwerdeführers  mit,  er  habe  seinen  Mandanten  mangels  Kenntnis  von dessen aktueller Adresse nicht kontaktieren können. L.  Im Rahmen einer zweiten Vernehmlassung führte das BFM am 4. August  2011  aus,  den  Beschwerdeakten  seien  keine  Hinweise  zu  entnehmen,  die  eine Anerkennung des Beschwerdeführers  als Flüchtling  sowie eine  Asylgewährung  rechtfertigen  könnten.  Daran  ändere  auch  die  aktuelle  Situation  in  dessen  Heimatland  nichts.  Es  werde  daher  die  Abweisung  der Beschwerde beantragt. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM 

E­6717/2007 gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig  grundsätzlich  (ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht)  endgültig  (Art. 105  AsylG  i.V.m. Art. 31­33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes  vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 2.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung; er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 6  und Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 50 und 52 VwVG). Auf die  Beschwerde ist – unter nachfolgendem Vorbehalt – einzutreten. 3.  3.1.  Die  drei  Bedingungen  für  einen  Verzicht  auf  den  Vollzug  der  Wegweisung  (Unzulässigkeit,  Unzumutbarkeit  und  Unmöglichkeit)  sind  alternativer  Natur:  Sobald  eine  von  ihnen  erfüllt  ist,  ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  als  undurchführbar  zu  betrachten  und  die  weiteren  Bedingungen nicht mehr zu prüfen (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4). Nachdem  das BFM mit seiner Verfügung vom 24. Januar 2006 die Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  festgestellt  und  die  Anwesenheit  des  Beschwerdeführers  und  dessen  Familienangehörigen  in  der  Schweiz  gemäss  den Bestimmungen  über  die  vorläufige Aufnahme geregelt  hat,  ist  auf  das  Begehren  um  Feststellung  der  Unzulässigkeit  nicht  einzutreten.  Die  Verfügung  des  BFM  vom  24.  Januar  2006  ist  folglich  hinsichtlich der Dispositivziffern 4 und 5 in Rechtskraft erwachsen. 3.2. Mit der Erteilung einer B­Bewilligung durch den Kanton St. Gallen ist  die Beschwerde, soweit die Wegweisungsanordnung betreffend, sodann 

E­6717/2007 gegenstandslos geworden und diesbezüglich (Anfechtung der Dispositiv­ Ziffer  3  der  vorinstanzlichen  Verfügung)  abzuschreiben.  Nachdem  kein  Beschwerderückzug erfolgt ist, bleibt vorliegend einzig noch zu prüfen, ob  die  Vorinstanz  dem  Beschwerdeführer  die  Zuerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  sowie  das  Asyl  zu  Recht  verweigert  hat  (Ziffer 1  und 2 des Dispositivs der angefochtenen Verfügung). 4.  4.1.  In  formeller  Hinsicht  rügte  der  Beschwerdeführer,  sein  rechtliches  Gehör  sei  verletzt  worden;  zum  Einen  sei  der  rechtserhebliche  Sachverhalt  unvollständig  festgestellt  und  gewürdigt  und  es  seien  eingereichte  Beweismittel  nicht  berücksichtigt  worden.  Zum  Andern  sei  dem  Beschwerdeführer  und  seiner  Ehefrau  bezüglich  den  angeblich  teilweise unterschiedlichen Schilderungen des Vorfalles  vom März 2005  das  rechtliche  Gehör  nicht  gewährt  worden,  obwohl  dies  zwingend  erforderlich gewesen wäre. Folgender  Sachverhalt  sei  unvollständig  erhoben  bzw.  ungenügend  gewürdigt  worden:  Die  Verhaftung  des  Bruders  des  Beschwerdeführers  und  dessen  Freilassung,  die  Auswirkungen  der  Situation  des  verletzten  Freundes  (dieser  sei  nach  Eintreffen  des  Sicherheitsdienstes  durch  diesen  registriert  worden)  auf  die  Lage  des  Beschwerdeführers  (es  sei  davon auszugehen, dass dieser durch den syrischen Sicherheitsdienst im  gleichen Umfang zur Verantwortung gezogen würde wie dessen Freund)  sowie  die  Tatsache,  dass  der  Beschwerdeführer  auf  einer  polizeilichen  Liste  stehe.  Ferner  sei  auf  die  am  12. Januar  2006  (recte:  11. Januar  2006)  eingereichten Beweismittel  lediglich  im Sachverhalt,  nicht  aber  in  den  Erwägungen  der  angefochtenen  Verfügung  eingegangen  worden.  Zudem  seien  der  Beschwerdeführer  und  seine  Ehefrau  zu  diesen  Beweismitteln nicht befragt worden. Weitere Abklärungen des BFM wären  auch  bezüglich  der  durch  den  Beschwerdeführer  bei  der  Anhörung  gezeigten Narbe (A13, S. 5) erforderlich gewesen. 4.1.1.  Hinsichtlich  der  Rüge,  der  Beschwerdeführer  sei  mit  den  Widersprüchen  seiner  Aussagen  zu  jenen  seiner  Ehefrau  nicht  konfrontiert  worden  (vgl.  EMARK  1994  Nr.  14;  PATRICK  SUTTER,  in:  Auer/Müller/Schindler  [Hrsg.],  Kommentar  zum  Bundesgesetz  über  das  Verwaltungsverfahren,  Zürich/St.  Gallen  2008,  Art. 29  N. 14,  Art. 30  N. 1 f.),  ist  festzustellen,  dass das BFM vor  seiner Entscheidfällung das  rechtliche  Gehör  (vgl.  dazu  Art.  29  Abs.  2  der  Bundesverfassung  der 

E­6717/2007 Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  [BV,  SR  101]  und  Art.  29  f.  VwVG)  zu  den  wesentlichen  Widersprüchen  und  Unstimmigkeiten  zwischen  den  Aussagen  des  Beschwerdeführers  und  denjenigen  seiner  Ehegattin  hinreichend  gewährt  hat  (vgl.  bspw.  betreffend  die  Erstbefragung  des  Beschwerdeführers,  welche  am  Tag  nach  jener  seiner  Ehefrau  stattfand,  A1  S.  6).  Da  die  direkte  Bundesanhörung  des  Beschwerdeführers  vor  jener  seiner  Gattin  durchgeführt  wurde,  wurde  diese  zu  den  Widersprüchen  in  deren  Schilderungen  befragt  (vgl.  A14,  S.  5  und  7).  Im Weiteren  wurde  dem  Beschwerdeführer Gelegenheit geboten, sich zu eigenen Widersprüchen  zu  äussern  (vgl.  A13,  S.  10),  obschon  er  keinen  verfahrensrechtlichen  Anspruch  darauf  hat  (vgl.  EMARK  1994  Nr. 13  E. 3b).  Zudem  hat  das  BFM  seine  Begründung  in  der  Verfügung  vom  24. Januar  2006  derart  abgefasst,  dass  der  Beschwerdeführer  diese  auf  Beschwerdeebene  anfechten  konnte  (vgl.  auch  dazu  BGE  112  Ia  110  sowie  ANDRÉ  MOSER/MICHAEL  BEUSCH/LORENZ  KNEUBÜHLER,  Prozessieren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht, Basel 2008, N. 2.20).  4.1.2. Die Mitwirkungspflicht des Beschwerdeführers nach Art. 8 AsylG –  als  Korrelat  zum  in  Art. 12  VwVG  verankerten  und  der  Behörde  obliegenden Untersuchungsgrundsatz – verlangt von den Asylsuchenden,  den Sachverhalt  vorzutragen und gegebenenfalls  durch Beweismittel  zu  unterlegen.  Im  Rahmen  der  Prüfungspflicht  der  Behörden  hat  sie  alle  erheblichen  und  rechtzeitig  eingereichten  Parteivorbringen  zu  würdigen  (Art. 32  Abs. 1  VwVG).  Die  Behörde  ist  ferner  verpflichtet,  den  rechtserheblichen  Sachverhalt  festzustellen  (gegebenenfalls  durch  weitere  Untersuchungs­  und  Beweismassnahmen).  Erst  in  einem  nachfolgenden Schritt  ist  im Asylverfahren zu prüfen, ob und wie der so  ermittelte  Sachverhalt  unter  Art. 3  AsylG  subsumierbar  ist.  Als  rechtserhebliche Tatsachen sind jene faktischen Grundlagen gemeint, die  für  die  Regelung  des  in  Frage  stehenden  Rechtsverhältnisses –  vorliegend die Frage der Flüchtlingseigenschaft und der Asylgewährung –  relevant sind. Sachverhaltselemente, die für den Ausgang des Verfahrens  nicht  wesentlich  sind,  brauchen  nicht  erhoben  zu  werden  (vgl.  EMARK  2006  Nr. 24  E. 5.1  mit  weiteren  Hinweisen;  CHRISTOPH  AUER,  in:  Christoph  Auer/Markus  Müller/Benjamin  Schindler  [Hrsg.],  Kommentar  zum  Bundesgesetz  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG],  Zürich/St. Gallen  2008,  Art.  12  N. 2).  Ferner  soll  die  Abfassung  der  Begründung  dem  Betroffenen  ermöglichen,  den  Entscheid  gegebenenfalls sachgerecht anzufechten, was nur der Fall ist, wenn sich  sowohl  der  Betroffene  als  auch  die  Rechtsmittelinstanz  über  die 

E­6717/2007 Tragweite  des  Entscheides  ein  Bild  machen  können,  wobei  sich  die  verfügende  Behörde  allerdings  nicht  ausdrücklich  mit  jeder  tatbeständlichen  Behauptung  und  jedem  rechtlichen  Einwand  auseinander  setzen  muss,  sondern  sich  auf  die  wesentlichen  Gesichtspunkte beschränken kann (vgl. BVGE 2008/47 E. 3.2). Vorab  ist  festzustellen,  dass  weder  den  Befragungsprotokollen  des  Beschwerdeführers noch  jenen seiner Ehegattin zu entnehmen  ist, dass  der  schwer  verletzte  Freund  von  Angehörigen  der  Sicherheitskräfte  am  Ort des Geschehens registriert worden wäre, weshalb nicht weiter auf die  Rüge  einzugehen  ist,  dieses  Element  und  dessen  mögliche  Auswirkungen  auf  die  Lage  des Beschwerdeführers  sei  vom BFM nicht  berücksichtigt worden.  Nachdem das BFM die Ausführungen des Beschwerdeführers über den  Vorfall  am 21. März  2005  als  nicht  glaubhaft  erachtete, musste  es  sich  weder  mit  der  angeblichen  Verhaftung  des  Bruders  des  Beschwerdeführers,  zumal  diesbezüglich  keine  Beweismittel  eingereicht  wurden,  noch mit  der  Nasenverletzung  des  Beschwerdeführers,  welche  er  sich  auch  auf  eine  andere  Weise  zugezogen  haben  könnte,  weiter  auseinandersetzen. Sodann bestand kein Anlass, auf die am 11. Januar  2006  zu  den  Akten  gereichten  Beweismitteln  näher  einzugehen,  da  es  sich dabei lediglich um Berichte über die allgemeine Situation von Kurden  in Syrien handelte.  4.2.  Zusammenfassend  gilt  festzuhalten,  dass  der  rechtserhebliche  Sachverhalt von der Vorinstanz vollständig und richtig festgestellt und das  rechtliche Gehör nicht verletzt wurde. 5.  5.1. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im Land, in  dem  sie  zuletzt  wohnten,  wegen  ihrer  Rasse,  Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen  Anschauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  sind  oder  begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 5.2. Eine Verfolgungssituation muss in der Regel aktuell sein, um gemäss  Art. 3  AsylG  als  asylrelevant  zu  gelten.  Dies  bedeutet,  dass  zwischen 

E­6717/2007 dem  Ereignis  und  der  Flucht  ein  zeitlicher  Kausalzusammenhang  bestehen  muss.  Nach  dem  offenen  Konflikt  zwischen  Arabern  und  Kurden,  der  anlässlich  eines  Fussballspiels  im  (…)  2004  in  Qamishli  ausbrach, verstrichen zwölf Monate, bis der Beschwerdeführer mit seiner  Familie Syrien verliessen. In den Protokollen finden sich keine Anzeichen,  dass  man  ihn  in  dieser  Zeit  verfolgt  hätte  oder  etwas  Auffälliges  geschehen  wäre  (vgl.  A13,  S. 5),  so  dass  hierbei  nicht  von  einem  genügend  zeitlichen Kausalzusammenhang  ausgegangen werden  kann.  Daher wird im Folgenden nur zu untersuchen sein, ob die Geschehnisse  von (…) 2005 als glaubhafte Vorbringen der Asylrelevanz entsprechen. 6.  6.1.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7  AsylG). 6.2.  Die  von  der  Vorinstanz  angenommene  Unglaubhaftigkeit  der  Asylvorbringen  führte  diese  auf  die  unterschiedlichen  Aussagen  der  Eheleute  zurück.  So  habe  die  Ehefrau  bezüglich  der  vorgebrachten  handgreiflichen  Auseinandersetzung  zwischen  Kurden  und  Arabern  im  Dorf  C._______  anlässlich  der  Newroz­Feier  vom  (…)  2005  teilweise  detailliertere und andere Angaben gemacht als ihr Ehemann. Es bestehe  deshalb  berechtigter Anlass  zur Vermutung,  dass  sich  die Eheleute  auf  eine  konstruierte  Asylbegründung  und  nicht  auf  tatsächlich  erlebte  Vorkommnisse stützen würden. Dieser Verdacht werde dadurch erhärtet,  dass  der  Beschwerdeführer  angegeben  habe,  bei  der  Auseinandersetzung  habe  der  Sicherheitsdienst  eingegriffen  und  Personen  festgenommen. Es  stelle  sich  dann  jedoch  die  Frage, warum  ausgerechnet  der  Beschwerdeführer  sich  unbehelligt  vom  Tatort  habe  entfernen können; zudem sei nicht nachvollziehbar, dass er sich nur zur  Behandlung der Verletzung seiner Nase durch seine Ehefrau nach Hause  begeben haben soll – wo ihn die Sicherheitskräfte sicher zuerst gesucht  hätten –, um dann aus Angst vor einer Festnahme schon nach kürzester  Zeit zu einem Freund zu flüchten. Abwegig bzw. realitätsfremd erscheine  schliesslich,  dass  er  an  jenem  Abend,  als  er  verletzt  nach  Hause 

E­6717/2007 gekommen  sei,  nur  seine  Ehefrau  gesehen  habe,  da  Grossfamilien  im  vorliegenden soziokulturellen Kontext in der Regel die Hauseingänge und  Gemeinschaftsräume eines Hauses teilen würden. 6.3.  Die  kleinen  Widersprüche  würden  –  so  der  Beschwerdeführer –  entgegen  der  Meinung  der  Vorinstanz  auf  die  Glaubhaftigkeit  im  Sinne  von Art. 7 AsylG der Vorbringen hinweisen; bis ins letzte Detail identische  Schilderungen  eines  Ehepaares  mehrere  Monate  nach  einem  Vorfall  würden  eher  Zweifel  an  der  Glaubhaftigkeit  wecken  müssen.  Es  erscheine auch durchaus einleuchtend, dass der Beschwerdeführer nach  seiner  Flucht  vom  Tatort  erstens  die  Gefahr  noch  nicht  richtig  eingeschätzt  habe  und  nach  Hause  gegangen  sei  und  zweitens  seine  Ehefrau sehen und ihr habe mitteilen wollen, dass er wohlauf sei. Dass er  erst  nach  einem  Gespräch  mit  ihr  zum  Schluss  gekommen  sei,  es  sei  wohl besser, sich zu verstecken, unterstreiche die Glaubhaftigkeit seiner  Vorbringen. Dass die Ehefrau ausführlich über die Vorfälle habe berichten  können,  erstaune  nicht  aufgrund  des  Umstandes,  dass  sie  die  Geschehnisse  von  diversen  Personen wiederholt  in  Erfahrung  gebracht  habe. 6.4.  Im  Rahmen  der  Vernehmlassung  vom  16. Juni  2006  würdigte  das  BFM die eingereichte ärztliche Bestätigung des B._______­Hospitals vom  21. März 2005, ein seiner Ansicht nach nicht behördliches Dokument, als  fälschungsanfälliges  Attest  eines  Arztes,  das  jederzeit  und  aus  reiner  Gefälligkeit  hätte  ausgestellt  werden  können.  Darüber  hinaus  seien  die  eingereichten Auszüge der Webseite D._______ vom 24. März 2005 und  der  Seite  <www.E._______>  (recte:  <E._______>)  in  hohem  Masse  manipulationsanfällig.  Es  erstaune  zudem,  dass  die  seit  März  2005  existierenden  Beweismittel  erst  im  Mai  2006  zu  den  Akten  gereicht  wurden.  Den  Dokumenten  komme  daher  nur  ein  bescheidener  Beweiswert zu. Ferner sage das ärztliche Attest vom 28. März 2006 über  das Vorliegen einer alten Rissquetschwunde auf dem Nasenrücken des  Beschwerdeführers  nichts  über  das  Alter  und  die  genaue  Ursache  der  besagten Narbe aus, weshalb sie  keinen Beweiswert  für die angebliche  Beteiligung an der handgreiflichen Auseinandersetzung entfalte. In Bezug  auf  die  geltend  gemachten  exilpolitischen  Tätigkeiten  sei  festzuhalten,  dass der Beschwerdeführer  in den Augen der syrischen Behörden nicht  als politisch vorbelastet gelte; auch habe er sich  in der Schweiz nicht  in  qualifizierter  Art  und  Weise  exilpolitisch  betätigt.  Es  könne  deshalb  daraus  kein  erhebliches  zukünftiges  Verfolgungsinteresse  der  syrischen  Behörden abgeleitet werden.

E­6717/2007 6.5. In seiner Replik vom 11. Juli 2006 informierte der Beschwerdeführer,  dass die Bestätigung des Direktors des B._______­Spitals entgegen der  Meinung der Vorinstanz nach März 2006 verfasst worden und am 3. Mai  2006 in die Schweiz gelangt sei. Der Verdacht, es handle sich dabei um  ein  Gefälligkeitsschreiben,  könne  durch  eine  direkte  Nachfrage  bei  der  entsprechenden  Person  beseitigt  werden.  Da  sich  der  eingereichte  Internetartikel  unter  der  Adresse  <F._______>  finden  lasse,  könne  es  sich  auch  dabei  nicht  um  eine  Fälschung  handeln.  Von  der  Existenz  dieses  Artikels  habe  der  Beschwerdeführer  erst  über  den  Kontakt  mit  Verantwortlichen der Yekiti­Partei erfahren. Den Ausführungen des BFM  bezüglich  der  Irrelevanz  der  politischen  Betätigung  des  Beschwerdeführers  sei  zudem  entgegenzuhalten,  dass  dieser  wegen  seiner  Beteiligung  am Vorfall  nach  dem Newroz­Fest  im  (…)  2005  den  syrischen Behörden durchaus bekannt sei. 6.6.  Nach  einlässlicher  Prüfung  der  Akten  schliesst  sich  das  Bundesverwaltungsgericht  den  Ausführungen  der  Vorinstanz  an  und  kommt  zum  Schluss,  dass  die  Vorbringen  die  Voraussetzungen  der  Glaubhaftigkeit  im  Sinne  von  Art. 7  AsylG  nicht  erfüllen.  Ob  die  Auseinandersetzung  mit  den  Arabern  nach  den  Newroz­Feierlichkeiten  sich  tatsächlich  so  wie  vom  Beschwerdeführer  geschildert  zugetragen  haben,  ist  vorliegend  nicht  relevant,  da  diese  Ereignisse  keine  persönliche  Gefahr  einer  Verfolgung  für  den  Beschwerdeführer  darstellen. Die  individuelle Gefährdung  hätte  für  ihn  erst  seinen Anfang  genommen, als die Sicherheitskräfte – wie er vorgab – nach ihm suchten.  Doch  dies  zieht  das Bundesverwaltungsgericht wie  folgend  dargelegt  in  Zweifel. 6.6.1. Aus den Akten lässt sich nicht entnehmen, wodurch – nach einem  Zusammenstoss  mit  vielen  Teilnehmenden,  bei  welchen  auch  Sicherheitskräfte  aufgetaucht  seien  –  Letztere  das  Haus  des  Beschwerdeführers hätten ausfindig machen können. Nur weil Araber ihn  vom  Industriequartier  her  gekannt  hätten  (A13,  S. 5),  genügt  dies  nach  Ansicht  des  Bundesverwaltungsgerichts  dafür  nicht,  zumal  der  Beschwerdeführer selber nur das Dorf benennen konnte, wo der Araber  gewohnt habe, der ihn geschlagen habe (A13, S. 9). Auch kann aufgrund  der angeblichen – aber nicht bewiesenen – Registrierung des verletzten  Freundes des Beschwerdeführers nicht auf eine Verfolgung des Letzteren  geschlossen  werden.  Dies  gilt  insbesondere,  da  der  Beschwerdeführer  sich  nie  mit  kurdischen  Parteien  befasst  (A13,  S. 5  und  12 f.)  und  nie  persönlich  mit  den  Sicherheitskräften  Probleme  gehabt  haben  will. 

E­6717/2007 Aufgrund  dessen  ist  es  realitätsfremd,  dass  Angehörige  des  Sicherheitsdienstes den Beschwerdeführer aufgesucht haben sollen. 6.6.2. Hinsichtlich  der  Festnahme  des  Bruders  des  Beschwerdeführers  am  (…) 2005 sind keine Beweismittel  in den Akten erkennbar, obschon  seit dem Jahr 2006 genügend Zeit bestanden hätte, solche einzureichen  beziehungsweise  diesbezügliche  Neuigkeiten  mitzuteilen.  Es  ist  den  Akten  weiter  nicht  zu  entnehmen,  dass  die  in  Syrien  verbliebenen  Familienmitglieder  seit  der  Ausreise  des  Beschwerdeführers  von  Sicherheitskräften behelligt worden wären. 6.6.3. Die  vorgebrachten  Beweisstücke  –  insbesondere  die  Bestätigung  des  B._______  Hospitals  in  Kamishly  (Qamishli)  –  tragen  ferner  nichts  zur  Klärung  einer  individuellen Gefährdung  des Beschwerdeführers  bei,  da  dieses  Schreiben  nur  die  Einlieferung  einer  Person  namens  G._______  bestätigt,  wobei  weder  ein  Datum  des  Schreibens  (beim  in  der  Beschwerdeschrift  angegebenen  13. April  2006  handelt  es  sich  um  den  Poststempel,  nicht  um  ein  Datum  auf  der  Bestätigung)  noch  der  Grund  der  angegebenen  Messerstich­Verletzung  ersichtlich  sind,  die  somit eine andere Ursache haben könnte. Das Gesagte  gilt  auch  für  das  ärztliche Attest  vom  28. März  2006,  das  lediglich  eine  verheilte  alte  Rissquetschwunde  im  Bereich  des  Nasenrückens  des  Beschwerdeführers  bestätigt,  indessen  nichts  über  das Alter oder die Ursache dieser verheilten Verletzung aussagt. 6.6.4.  Glaubhaftigkeit  bedingt  das  Bestehen  einer  überwiegenden  Wahrscheinlichkeit für die Wahrheitskonformität eines geltend gemachten  Sachverhalts.  Selbst  wenn  die  Eheleute  am  Newroz  2005  an  einer  Auseinandersetzung  zwischen  Feiernden  und  Sicherheitskräften  teilgenommen  hätten,  bleiben  vorliegend  die  Schilderungen  über  eine  allfällige  persönliche  Verfolgung  –  wie  oben  dargelegt  –  indes  unsubstanziiert,  teilweise  widersprüchlich  (so  sollen  gemäss  dem  Protokoll  der  Befragung  die  Sicherheitskräfte  zwei  Mal  das  Haus  des  Beschwerdeführers aufgesucht haben [A1, S. 5; A2, S. 5], während in der  Anhörung von beiden Eheleuten geschildert wurde, die Sicherheitskräfte  seien drei bis vier Mal aufgetaucht [A13, S. 10; A14, S. 7]) und es fehlen  Anhaltspunkte  und  Realkennzeichen  dafür,  dass  der  Beschwerdeführer  das  Geschilderte  –  vor  allem  was  die  Geschehnisse  nach  den  Zusammenstössen  und  damit  die  eigentlichen  individuellen  Verfolgungsmassnahmen  betrifft  –  tatsächlich  durchlebt  hat.  Die  Suche 

E­6717/2007 nach dem Beschwerdeführer bei ihm zu Hause ist daher als unglaubhaft  zu erachten. 6.7.  Nach  Prüfung  der  Akten  und  vor  dem  Hintergrund  obiger  Erwägungen gelangt das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss, dass –  im  Sinne  einer  Gesamtwürdigung  –  die  Schilderungen  des  Beschwerdeführers  nicht  überzeugen  und  die  vorinstanzliche  Einschätzung,  die  Vorbringen  seien  nicht  glaubhaft,  im  Ergebnis  zu  schützen ist. 7.   7.1.  Des  Weiteren  machte  der  Beschwerdeführer  implizit  durch  seine  Eingabe vom 4. Mai 2006 geltend, er sei wegen der Teilnahme an einer  Kundgebung vom (…) 2006 vor der amerikanischen Botschaft in Bern als  Flüchtling  anzuerkennen.  Als  Beweismittel  wurden  eine  CD­Rom  sowie  eine  Fotografie  des  Beschwerdeführers  an  jener  Kundgebung  eingereicht. 7.2. Wer sich darauf beruft, dass durch ein Verhalten nach der Ausreise  aus  dem  Heimat­  oder  Herkunftsland  –  so  auch  durch  politische  Exilaktivitäten – eine Gefährdungssituation geschaffen worden sei, macht  subjektive  Nachfluchtgründe  geltend  (Art. 54  AsylG).  Diese  begründen  zwar die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, führen jedoch  nach Art. 54 AsylG zum Ausschluss des Asyls, unabhängig davon, ob sie  missbräuchlich  oder  nicht  missbräuchlich  gesetzt  wurden  (vgl.  BVGE  2009/28  E. 7.1).  Massgeblich  ist,  ob  die  syrischen  Behörden  das  Verhalten des Beschwerdeführers als staatsfeindlich einstufen und dieser  deswegen  bei  der  Rückkehr  in  den  Heimatstaat  eine  Verfolgung  von  Art. 3  AsylG  befürchten  muss.  Es  bleiben  damit  die  Anforderungen  an  den  Nachweis  einer  begründeten  Furcht  massgeblich  (Art. 3  und  Art. 7  AsylG). 7.3.  Die  einmalige  Teilnahme  des  Beschwerdeführers  an  einer  Kundgebung – wobei nicht klar  ist, wogegen protestiert wurde – schätzt  das Bundesverwaltungsgericht als nicht derart ein, als dass die syrischen  Behörden  davon  Kenntnis  erhalten  hätten  beziehungsweise  den  Beschwerdeführer als staatsfeindlich erachten würden. Somit hat sich der  Beschwerdeführer  nicht  in  qualifizierter  Art  und  Weise  exilpolitisch  betätigt. Folglich ist eine Erfüllung der Voraussetzungen eines subjektiven  Nachfluchtgrundes abzulehnen.

E­6717/2007 8.  Das BFM hat  folglich das Asylgesuch des Beschwerdeführers  zu Recht  abgewiesen  und  dessen  Flüchtlingseigenschaft  verneint;  die  vorinstanzliche Verfügung ist diesbezüglich zu bestätigen.  9.  Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es nicht darauf ein, so  verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den  Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie  (Art. 44  Abs. 1  AsylG).  Der  Beschwerdeführer  verfügt  über  eine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung.  Die  angeordnete  Wegweisung  ist  damit  dahingefallen  (vgl.  EMARK  2001  Nr. 21  E. 11c).  Deshalb  ist  das  Beschwerdeverfahren  betreffend  die  Wegweisung  und  deren  Vollzug  infolge Wegfalls  des  Anfechtungsobjekts  gegenstandslos  geworden (vgl. E. 3.2). 10.  Zusammenfassend  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die  Beschwerde  ist  nach  dem  Gesagten  abzuweisen,  soweit  sie  nicht  abzuschreiben beziehungsweise nicht darauf einzutreten ist. 11.  11.1.  Vorliegend  sind  reduzierte  Verfahrenskosten  betreffend  die  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  und  die  Gewährung  von  Asyl  (Dispositivziffern  1  und  2)  im  Betrag  von  Fr.  400.­­  (Art.  1  bis  3  des  Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2]).VGKE)  wegen Unterliegens dem Beschwerdeführer aufzuerlegen. 11.2. Betreffend die Anordnung der Wegweisung (Dispositivziffer 3) sind  diese  nach  den  Verfahrensaussichten  vor  Eintritt  der  Gegenstandslosigkeit  (hier  vor  der  Erteilung  der  Aufenthaltsbewilligung)  zu  beurteilen.  Nach  einer  summarischen  Prüfung  gelangt  das  Gericht  zum Schluss, dass die Beschwerde auch diesbezüglich hätte abgewiesen  werden müssen. So  ist nicht ersichtlich,  inwiefern der Beschwerdeführer  (ohne Aufenthaltsbewilligung gestützt auf Art. 14 Abs. 2 AsylG) zu einem  Aufenthaltsrecht  in der Schweiz gekommen wäre. Die Verfahrenskosten 

E­6717/2007 betreffend diesen Teil des Beschwerdeverfahrens im Betrag von Fr. 200.­ ­ sind demzufolge auch dem Beschwerdeführer aufzuerlegen. 11.3.  Die  Verfahrenskosten  von  insgesamt  Fr.  600.­­  sind  somit  dem  Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 16 Abs. 1 Bst. a VGG  i.V.m. Art. 2  und 3 VGKE, Art. 63 Abs. 1 VwVG). 12.  Eine Parteientschädigung ist nach dem Gesagten nicht auszurichten (vgl.  Art. 64 VwVG, Art. 5, 7 und 15 VGKE). (Dispositiv nächste Seite)

E­6717/2007 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1. Die Beschwerde wird, soweit sie sich nicht als gegenstandslos erweist,  beziehungsweise nicht darauf eingetreten wird, abgewiesen.  2. Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30 Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 3. Dieses  Urteil  geht  an  den  Rechtsvertreter  des  Beschwerdeführers,  das  BFM und die zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Muriel Beck Kadima Patricia Petermann Loewe Versand:

E-6717/2007 — Bundesverwaltungsgericht 07.11.2011 E-6717/2007 — Swissrulings