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Bundesverwaltungsgericht 08.12.2011 E-6669/2009

8 dicembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·3,246 parole·~16 min·3

Riassunto

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren) | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 1. Oktober 2009

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung V E­6669/2009 Urteil   v om   8 .   D e z embe r   2011 Besetzung Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz), Richter Hans Schürch, Richterin Jenny de Coulon Scuntaro; Gerichtsschreiberin Natasa Stankovic. Parteien A._______, geboren am (…), Eritrea, vertreten durch lic. iur. Sabina Sorg, (…) Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung nach Italien  (Dublin­Verfahren);  Verfügung des BFM vom 1. Oktober 2009 / N_______.

E­6669/2009 Sachverhalt: I. Der  Beschwerdeführer,  ein  eritreischer  Staatsanagehöriger,  verliess  eigenen Angaben zufolge seinen Heimatstaat am (…) 2008 und gelangte  am  7. Oktober  2008  über  den  Sudan  und  Libyen  nach  Italien,  wo  er  daktyloskopisch  erfasst  wurde.  Daraufhin  sei  er  in  die  Schweiz  gereist,  wo  er  am  31.  Dezember  2008  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  (EVZ)  (…)  erstmals  um  Asyl  nachsuchte.  Gestützt  auf  die  beiden  Eurodac­Treffer  vom  10.  sowie  15.  Oktober  2008  stellte  das  BFM  am  9. Februar  2009  ein  Ersuchen  gemäss  Art.  16  Abs.  1  Bst.  c  der  Verordnung  [EG]  Nr. 343/2003  des  Rates  vom  18.  Februar  2003  zur  Festlegung  der  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  Mitgliedstaats,  der  für  die  Prüfung  eines  von  einem  Drittstaatsangehörigen  in  einem  Mitgliedstaat  gestellten  Asylantrags  zuständig  ist  [Dublin­II­VO]  an  Italien  um  Übernahme  des  Beschwerdeführers.  Das  Bundesamt  stellte  mit  Schreiben  vom  25.  Februar  2009  fest,  dass  seitens  der  italienischen  Behörden  keine  Stellungnahme zum Übernahmeersuchen innerhalb der festgelegten Frist  erfolgt  sei  und  damit  die  Zuständigkeit  Italiens  zur  Durchführung  des  Asylverfahrens feststehe. Mit Verfügung vom 26. März 2009 trat das BFM  gestützt  auf  Art.  34  Abs.  2  Bst. d  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG, SR 142.31) nicht auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers ein,  ordnete  seine  Wegweisung  nach  Italien  an  und  forderte  ihn  auf,  die  Schweiz  sofort  zu  verlassen.  Schliesslich  stimmten  die  italienischen  Behörden, welche mit Entscheid vom 23. März 2009 das Asylgesuch des  Beschwerdeführers  bereits  abgelehnt  hatten, mit  Antwortschreiben  vom  30.  März  2009  dem  Übernahmegesuch  des  BFM  gestützt  auf  Art.  16  Abs. 1  Bst.  c  Dublin­II­VO  doch  zu.  Am  23.  April  2009  wurde  der  Beschwerdeführer  im Rahmen  des Dublinabkommens  von  der  Schweiz  nach Italien überstellt. II. Am 18. Mai 2009 reiste der Beschwerdeführer erneut in die Schweiz ein,  wo er gleichentags im EVZ (…) sein zweites Asylgesuch einreichte. In der  Folge  stimmte  Italien mit  Antwortschreiben  vom  9. Juni  2009  dem  vom  BFM  am  8.  Juni  2009  gestellten  Ersuchen  um  Rückübernahme  des  Beschwerdeführers gestützt auf Art. 16 Abs. 1 Bst. e Dublin­II­VO zu. Das  BFM trat daraufhin mit Verfügung vom 14. Juli 2009 gestützt auf Art. 34  Abs.  2  Bst. d  AsylG  wiederum  nicht  auf  das  Asylgesuch  des 

E­6669/2009 Beschwerdeführers  ein,  ordnete  seine Wegweisung  nach  Italien  an  und  forderte ihn auf, die Schweiz unverzüglich zu verlassen. Am 17. Juli 2009  wurde  er  erneut  nach  Italien  zurückgeführt,  wo  ihm  eigenen  Angaben  zufolge  eine  auf  den  negativen  Asylentscheid  vom  23.  März  2009  bezugnehmende  Verfügung  eröffnet  wurde,  wonach  er  Italien  innert  15 Tagen verlassen müsse. III. A.  Der Beschwerdeführer reiste eigenen Angaben zufolge am 20. Juli 2009  nochmals in die Schweiz ein, wo er am darauffolgenden Tag im EVZ (…)  sein  drittes  Asylgesuch  einreichte.  Für  die  Dauer  des  Asylverfahrens  wurde  er  dem  Kanton  B._______  zugewiesen.  Anlässlich  der  summarischen  Befragung  im  EVZ  am  29.  Juli  2009  verwies  der  Beschwerdeführer,  was  seine  Ausreisegründe  betrifft,  auf  die  früheren  Befragungen (vgl. Akten A1/13, B1/9 und B7/1). Aus  diesen  Akten  geht  hervor,  dass  der  Beschwerdeführer  bis  (…)  in  Asmara gelebt und die Schule besucht habe. Nach der 10. Klasse sei er  in  den  Militärdienst  eingezogen  worden  und  habe  diesen  ab  (…)  absolviert.  Am  (…)  2008  –  während  er  in  C._______,  Eritrea,  Wache  gehalten habe – sei er zusammen mit einem anderen Soldaten desertiert  und in den Sudan geflohen. Da er illegal aus Eritrea ausgereist sei, würde  er bei einer Rückkehr nach Eritrea verfolgt oder getötet. Nachdem er zwei Mal aus der Schweiz nach Italien ausgeschafft worden  sei,  habe er  jeweils dort  auf der Strasse  leben müssen.  In der Schweiz  habe es geheissen, er könne  in  Italien um Asyl ersuchen, dies sei aber  nicht der Fall gewesen. Deshalb sei er erneut in die Schweiz gereist. Als  er letztmals am 17. Juli 2009 nach Italien überstellt worden sei, habe man  ihn nach zirka sechs Stunden am Flughafen gehen lassen respektive auf  die  Strasse  gesetzt,  verbunden  mit  der  Aufforderung,  er  müsse  Italien  innerhalb von 15 Tagen verlassen.  Zur  Stützung  seiner  Vorbringen  reichte  der  Beschwerdeführer  die  Ausweisungsverfügung  des  Präfekten  der  Provinz  D._______  vom  17. Juli  2009  sowie  die Eröffnung  dieser Verfügung  durch  die Questura  D._______  vom  17. Juli  2009  zu  den  Akten.  Aus  diesen  Dokumenten  geht  hervor,  dass  der  Beschwerdeführer  aus  Italien  ausgewiesen  wird,  das  Land  innert  15 Tagen  zu  verlassen  habe,  wobei  einer  allfälligen 

E­6669/2009 Beschwerde keine aufschiebende Wirkung zukomme, und anschliessend  während  zehn  Jahren  einem  Einreiseverbot  unterstehe;  des  Weiteren  wird  darauf  hingewiesen,  die  eritreischen  Behörden  würden  über  diese  Ausweisung  informiert.  Zusätzlich  reichte  der  Beschwerdeführer  erneut  den  negativen  Asylentscheid  des  italienischen  Ministeriums  des  Innern  vom 23. März 2009 und die Eröffnung dieses Asylentscheids, verbunden  mit der Anordnung der Wegweisung, durch die Questura E._______ vom  28. April 2009 zu den Akten. B.  Dem Beschwerdeführer wurde am 29. Juli 2009 das rechtliche Gehör im  Hinblick  auf  einen  Nichteintretensentscheid  und  den  allfälligen  Wegweisungsvollzug  nach  Italien  gewährt,  da  Italien  gestützt  auf  die  Tatsache, dass er bereits zweimal im Rahmen des Dublin­Verfahrens von  der  Schweiz  nach  Italien  überstellt  und  in  Italien  registriert  worden  sei  (vgl. Eurodac­Treffer  vom  10.  sowie  15.  Oktober  2008),  voraussichtlich  für die Durchführung des vorliegenden Asyl­ und Wegweisungsverfahrens  zuständig  sei.  Der  Beschwerdeführer  führte  hierzu  aus,  er  wolle  nicht  nach Italien zurückgehen, da die italienischen Behörden ihn aufgefordert  hätten, in den nächsten zehn Jahren nicht mehr dort zu erscheinen.  C.  Mit Verfügung vom 1. Oktober 2009 – eröffnet am 23. Oktober 2009 – trat  das  BFM  gestützt  auf  Art.  34  Abs.  2  Bst.  d  AsylG  nicht  auf  das  Asylgesuch des Beschwerdeführers ein, ordnete seine Wegweisung nach  Italien an und  forderte  ihn auf,  die Schweiz  sofort  zu  verlassen. Zudem  wurde  festgehalten,  dass  einer  Beschwerde  gegen  diesen  Entscheid  gemäss Art. 107a AsylG keine aufschiebende Wirkung zukomme und die  editionspflichtigen Verfahrensakten dem Beschwerdeführer ausgehändigt  würden. Auf die Begründung wird – soweit entscheidwesentlich –  in den  nachstehenden Erwägungen eingegangen. D.  Die Rechtsvertreterin reichte mit Eingabe vom 23. Oktober 2009 (Datum  Poststempel;  vorab  per  Telefax)  namens  und  im  Auftrag  des  Beschwerdeführers  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  gegen  die vor­instanzliche Verfügung ein und beantragte, es sei die Verfügung  des  BFM  aufzuheben  und  das  Bundesamt  anzuhalten,  sein  Recht  auf  Selbsteintritt  auszuüben  und  sich  für  das  vorliegende  Asylverfahren  für  zuständig zu erklären. In prozessualer Hinsicht wurde um Gewährung der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  und  2  des 

E­6669/2009 Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021)  ersucht.  Ferner  wurde  beantragt,  der  Beschwerde  sei  die  aufschiebende  Wirkung  zu  erteilen  und  die  Vollzugsbehörden  seien  –  im  Sinne  einer  vorsorglichen  Massnahme  –  superprovisorisch  anzuweisen,  bis  zu  einem  Entscheid  über  den  Suspensiveffekt  der  eingereichten  Beschwerde  von  jeglichen  Vollzugshandlungen  abzusehen.  Auf  die  Begründung  wird  –  soweit  urteilsrelevant – in den nachstehenden Erwägungen eingegangen. E.  Mit Telefax vom 26. Oktober 2009 setzte das Bundesverwaltungsgericht  den  Vollzug  der  Wegweisung  gestützt  auf  Art.  56  VwVG  per  sofort  einstweilen aus. F.  Mit  Verfügung  vom  2.  November  2009  hiess  das  Bundesverwaltungsgericht  das  Gesuch  um  Herstellung  der  aufschiebenden  Wirkung  der  Beschwerde  gut,  entsprach  dem  Gesuch  um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65  Abs. 1  VwVG,  wies  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Verbeiständung im Sinne von Art. 65 Abs. 2 VwVG mangels Benennung  eines Anwalts oder einer Anwältin ab, verzichtete auf die Erhebung eines  Kostenvorschusses  und  verfügte,  der  Beschwerdeführer  könne  den  Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten.  G.  Das  Bundesverwaltungsgericht  richtete  mit  E­Mail  vom  7.  Dezember  2009 eine Anfrage an das UNHCR betreffend Situation  von Eritreern  in  Italien im Kontext von Dublin­Überstellungen.  H.  In  seinem Antwortschreiben  vom 12.  Juli  2010  führte  das UNHCR aus,  dass sich seine Auskunft hierzu lediglich auf die bestehende Rechtslage  in  Italien  sowie auf  die Kenntnisse bestehender Praxis  stütze.  In Bezug  auf das Asylverfahren in Italien begrüsse das UNHCR in erster Linie das  in Italien herrschende dezentralisierte Asylsystem – bestehend aus zehn  Territorialkommissionen  mit  jeweils  vier  Mitgliedern:  einem  höheren  Beamten  der  Präfektur  als  Präsident,  einem  höheren  Beamten  der  Landespolizei, einem Repräsentanten der lokalen Verwaltung und einem  Repräsentanten  von  UNHCR.  Asylsuchende,  die  gemäss  der  Dublin­II­ VO nach Italien überstellt würden, seien aufgefordert, sich innerhalb von 

E­6669/2009 fünf  Tagen  bei  der  Zentrale  der  Polizei  der  jeweiligen  Provinz  (sog.  Questura)  zu  melden.  Erfolge  daraufhin  ein  negativer  erstinstanzlicher  Entscheid, könne entweder  innerhalb der gesetzlich  festgelegten Fristen  Beschwerde  eingelegt  oder  allenfalls  die  Wiederaufnahme  des  Falles  beantragt werden.  Asylsuchende, welche Beschwerde  erheben würden,  hätten  das  Recht  auf  Zugang  zu  Empfangseinrichtungen,  solange  sie  berechtigt  seien,  in  Italien  zu  bleiben  (dies  gelte  aber  nur,  solange  sie  nicht  das Recht  hätten,  zu  arbeiten). Wenn  der  negative  Entscheid  der  rücküberstellten  Person  zugestellt  worden  und  die  Beschwerdefrist  abgelaufen  sei,  dann  erhalte  sie  eine  Wegweisungsverfügung.  Die  Person  könne  zudem  in  Ausschaffungshaft  (Centri  di  identificazione  ed  espulsione [CIE]) genommen werden. Habe die rücküberstellte Person in  Italien bereits vorgängig eine Wegweisungsverfügung erhalten, werde sie  zur Haft  in  ein CIE  überwiesen, wo  sie  allerdings  die Möglichkeit  habe,  ein Gesuch um internationalen Schutz zu stellen. Des Weiteren könne die  Wegweisungsverfügung,  welche  auf  einen  negativen  Asylentscheid  hin  ergehen könne, separat angefochten werden. Im Falle einer Überstellung  zu den italienischen Flughäfen Milano und Rom könne sich die betroffene  Person an den Schalter  des Grenzinformationsservice wenden, welcher  von NGOs betrieben werde und Anleitung sowie Beratung anbiete. Wenn  sich die rücküberstellte Person direkt an die Questura wende, müsse sie  sich selbstständig um einen Anwalt oder eine Organisation kümmern, um  rechtliche  Unterstützung  zu  erhalten.  Eine  gemäss  der  Dublin­II­VO  rücküberstellte  Person,  die  früher  bereits  sechs  Monate  die  Aufnahmemöglichkeiten  in  einem  italienischen  Empfangszentrum  in  Anspruch genommen habe, werde im Übrigen in der Regel keine weitere  Unterstützung  erhalten.  Was  schliesslich  Gesuchsteller  aus  Eritrea  betreffe, hätten ca. 87 % (im Jahr 2008) beziehungsweise 78 % (im Jahr  2009) von  ihnen  in  Italien  flüchtlingsrechtlichen oder subsidiären Schutz  erhalten;  obwohl  angenommen  werde  müsse,  dass  die  abgewiesenen  Personen Wegweisungsverfügungen erhalten hätten, seien dem UNHCR  keine  Ausweisungen  nach  Eritrea  bekannt,  die  von  den  italienschen  Behörden  in  der  Praxis  durchgeführt  worden  seien.  Jedoch  habe  das  UNHCR Kenntnis von mindestens einer Zurückweisung eines eritreischen  Staatsbürgers am Flughafen in Rom nach Eritrea.  I.  Mit  Eingabe  vom  18.  August  2010  (Datum  Poststempel)  ersuchte  Frau  lic. iur.  F._______  (…)  um  wiedererwägungsweise  Gewährung  der  unentgeltlichen Verbeiständung.

E­6669/2009 J.  Mit Verfügung vom 23. August 2010 wies das Bundesverwaltungsgericht  das Gesuch  um wiedererwägungsweise Gewährung  der  unentgeltlichen  Verbeiständung gemäss Art. 65 Abs. 2 VwVG ab, zumal nach konstanter  Rechtsprechung  des  Gerichts  die  unentgeltliche  Rechtsverbeiständung  gemäss  Art.  65  Abs.  2  VwVG  nur  patentierten  Rechtsanwälten  und  Rechtsanwältinnen  gewährt  wird  und  im  vorliegenden  Fall  die  Rechtsvertretung keinen Anwaltstitel aufweist.  K.  Mit  Verfügung  vom  1.  Februar  2011  lud  das  Bundesverwaltungsgericht  das BFM zur Einreichung einer Vernehmlassung innert Frist ein. L.  Das  BFM  liess  sich  am  24.  Februar  2011  vernehmen.  Auf  die  Begründung wird  –  soweit  entscheidwesentlich  –  in  den  nachfolgenden  Erwägungen eingegangen.  M.  Mit Verfügung vom 2. März 2011 brachte das Bundesverwaltungsgericht  dem Beschwerdeführer  die Anfrage des Gerichtes an das UNHCR vom  7. Dezember 2009, das Antwortschreiben des UNHCR vom 12. Juli 2010  sowie  die  Vernehmlassung  der  Vorinstanz  vom  24.  Februar  2011  zur  Kenntnis und forderte ihn auf, innert Frist eine Replik und entsprechende  Beweismittel einzureichen.  N.  Mit Replikeingabe vom 17. März 2011 an das Bundesverwaltungsgericht  nahm  die  Rechtsvertreterin  hierzu  Stellung.  Auf  die  Begründung  wird            – soweit  für  den  Entscheid  wesentlich  –  in  den  nachstehenden  Erwägungen eingegangen. O.  Mit  Telefaxeingabe  vom  20.  Mai  2011  reichte  die  Stellvertretung  der  Rechtsvertreterin eine Kostennote zu den Akten.  Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 

E­6669/2009 1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]). 1.2.  Das Verfahren  richtet  sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,  soweit  das  AsylG  nichts  anderes  bestimmt  (Art.  37  VGG  und  Art.  6  AsylG). 1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt,  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung  und  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 108  Abs. 2  AsylG;  Art. 105  AsylG  und  Art.  37  VGG  i.V.m.  Art.  48  Abs. 1 und Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.  2.  Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht können die Verletzung  von  Bundesrecht,  einschliesslich  Missbrauch  und  Überschreitung  des  Ermessens,  die  unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  und  die  Unangemessenheit  gerügt  werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  Bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es  das  BFM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen  (Art. 32­35 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwerdeinstanz  grundsätzlich auf  die Frage beschränkt,  ob die Vorinstanz  zu Recht auf  das Asylgesuch nicht eingetreten  ist. Sofern die Beschwerdeinstanz den  Nichteintretensentscheid  als  unrechtmässig  erachtet,  enthält  sie  sich  einer  selbstständigen  materiellen  Prüfung,  hebt  die  angefochtene 

E­6669/2009 Verfügung  auf  und  weist  die  Sache  zu  neuer  Entscheidung  ans  BFM  zurück  (Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurs­kommission [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1. S. 240 f.). 4.  4.1. Zur  Begründung  des  Entscheides  vom  1. Oktober  2009  führte  das  BFM aus,  Italien sei gestützt auf das Abkommen vom 26. Oktober 2004  zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Europäischen  Gemeinschaft  über  die  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  zuständigen Staates für die Prüfung eines in einem Mitgliedstaat oder  in  der  Schweiz  gestellten  Asylantrags  (SR  0.142.392.68)  und  das  Übereinkommen vom 17. Dezember 2004 zwischen der Schweizerischen  Eidgenossenschaft,  der  Republik  Island  und  dem Königreich Norwegen  über  die  Umsetzung,  Anwendung  und  Entwicklung  des  Schengen­ Besitzstands und über die Kriterien und Verfahren  zur Bestimmung des  zuständigen Staates für die Prüfung eines in der Schweiz, in Island oder  in Norwegen  gestellten Asylantrags  (SR 0.362.32)  für  die Durchführung  des Asylverfahrens zuständig. Eine weitere Anfrage an die  italienischen  Behörden um Rückübernahme des Beschwerdeführers erübrige sich, da  die Zustimmung  Italiens vom 9. Juni 2009 noch Gültigkeit beanspruche.  Die  Rückführung  habe  –  vorbehältlich  einer  allfälligen  Unterbrechung  oder Verlängerung – bis  spätestens am 8. Dezember 2009 zu erfolgen.  Die Vorinstanz  führte weiter aus, dem Beschwerdeführer sei  im Hinblick  auf das Dublin­Verfahren das rechtliche Gehör gewährt worden, wobei er  ausgesagt habe, er habe nach der zweiten Rückführung aus der Schweiz  nach  Italien  dort  keine  Unterkunft  bekommen  und  man  habe  ihn  aufgefordert,  das  Land  zu  verlassen.  Bei  einer  erneuten  Überstellung  nach  Italien  würde  man  ihn  verhaften,  zumal  ihm  die  italienischen  Behörden  untersagt  hätten,  das  Land  in  den  nächsten  zehn  Jahren  zu  betreten. Diese Einwände vermöchten  indes nichts an der Zuständigkeit  Italiens für die Behandlung des Asylgesuches des Beschwerdeführers zu  ändern.  Da  der  Beschwerdeführer  in  einen  Drittstaat  reisen  könne,  in  dem  er  Schutz  vor Rückschiebung  im Sinne  von Art.  5  Abs.  1 AsylG  finde,  sei  das  Non­Refoulement­Gebot  bezüglich  des  Heimat­  oder  Herkunftsstaates  nicht  zu  prüfen.  Im  Übrigen  bestünden  auch  keine  Hinweise auf eine Verletzung von Art. 3 der Konvention vom 4. November  1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR  0.101)  bei  einer  Rückkehr  des  Beschwerdeführers  nach  Italien.  Weder 

E­6669/2009 die in Italien herrschende Situation noch andere Gründe sprächen gegen  die  Zumutbarkeit  der  Wegweisung  in  diesen  Staat.  Der  Vollzug  der  Wegweisung  nach  Italien  sei  auch  technisch  möglich  und  praktisch  durchführbar,  da  eine  entsprechende  Zustimmung  Italiens  vorliege  und  der  Beschwerdeführer  bereits  zweimal  aus  der  Schweiz  nach  Italien  überstellt worden sei.  4.2. Hingegen wurde in der Rechtsmitteleingabe erwidert, dass bei einer  Überstellung  nach  Italien  das  Risiko  einer  Verletzung  des  Abkommens  vom  28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  (FK,  SR 0.142.30)  und  der  EMRK  nicht  ausgeschlossen  werden  könne.  Sodann halte sich Italien nicht an das im Gemeinschaftsrecht festgelegte  Mindestschutzniveau.  Des  Weiteren  sei  der  negative  italienische  Asylentscheid vom 23. März 2009 unterdessen in Rechtskraft erwachsen.  Gemäss "Solidarité sans frontières" würden Auskünfte vorliegen, wonach  nach  einem  rechtskräftigen  negativen  Asylentscheid  in  Italien  kein  weiteres Asylgesuch gestellt werden könne. Der Beschwerdeführer habe,  als er zum zweiten Mal nach  Italien  rücküberstellt worden sei und einen  Asylantrag  habe  stellen  wollen,  am  Flughafen  lediglich  einen  Abschiebungsbefehl  erhalten  und  sei  darauf  hingewiesen worden,  dass  er  Italien  innert 15 Tagen zu verlassen habe sowie vor Ablauf von zehn  Jahren  das  Land  nicht  wieder  betreten  dürfe.  Dass  im  Übrigen  im  negativen Asylentscheid festgehalten worden sei, die Kommission würde  noch  einmal  entscheiden,  wenn  sich  der  Beschwerdeführer  anhören  lassen  würde,  sei  nur  eine  theoretische  Möglichkeit.  Überdies  sei  der  Beschwerdeführer nicht rechtlich vertreten gewesen. Die Chance auf ein  faires  Verfahren  bestehe  zum  heutigen  Zeitpunkt  jedenfalls  nicht mehr.  Italien  habe  den  Beschwerdeführer  nie  befragt,  demnach  kein  faires  Asylverfahren  durchgeführt  und  trotzdem  einen  Wegweisungsentscheid  gefällt.  Die  italienischen  Behörden  hätten  den  Beschwerdeführer,  ohne  seinen  Fall  überprüft  zu  haben,  bereits  nach  der  zweiten  Rücküberstellung  aus  der  Schweiz  nach  Italien  in  sein  Heimatland  abschieben  wollen.  Mit  einer  Abschiebung  dorthin  sei  auch  bei  einer  dritten Wegweisung nach Italien zu rechnen.  4.3.  In  seiner  Vernehmlassung  vom  24.  Februar  2011  beantragte  das  BFM  die  Abweisung  der  Beschwerde,  da  sie  keine  neuen  erheblichen  Tatsachen  oder  Beweismittel  enthalte,  welche  eine  Änderung  des  Standpunktes  rechtfertigen  könnten.  Der  Bericht  des  UNHCR  vom  12.  Juli  2010  bestätige,  dass  der  Zugang  zu  einem  fairen  Asylverfahren  in  Italien  gewährleistet  sei.  Die  italienischen  Behörden  würden  ihren 

E­6669/2009 völkerrechtlichen  Verpflichtungen  nachkommen  und  hätten  auch  alle  Richtlinien der Europäischen Union in ihrem nationalen Recht umgesetzt.  Der  Beschwerdeführer  habe,  als  ihm  nach  seiner  Überstellung  nach  [Italien]  der  erstinstanzliche  negative Asylentscheid  eröffnet worden  sei,  die  Möglichkeit  gehabt,  Beschwerde  dagegen  einzulegen  oder  die  Wiederaufnahme  des  Asylverfahrens  zu  beantragen.  Am  Flughafen  sei  ihm  eine  Rechtsberatungsstelle  zur  Verfügung  gestanden  (vgl.  Bericht  des  UNHCR  S.  3  f.).  Jedoch  habe  er  unverständlicherweise  nicht  von  seinen  Rechten  Gebrauch  gemacht  und  habe  daher  allfällige  Konsequenzen,  welche  aufgrund  der  Rechtssicherheit  gelten  würden,  hinzunehmen.  4.4. Die Rechtsvertreterin führte in der Replikeingabe vom 17. März 2011  aus,  das  Antwortschreiben  des  UNHCR  enthalte  lediglich  allgemeine  Ausführungen  zur  Lage  von  Dublin­Rückkehrern  nach  Italien  und  zum  Asylverfahren  in  Italien,  hingegen  nehme  es  keinen  Bezug  auf  den  konkreten  Fall.  Der  Beschwerdeführer  habe  in  Italien  nicht  nur  einen  negativen  Asylentscheid,  sondern  bereits  auch  eine  Wegweisungsverfügung  erhalten.  Dies  werde  im  Antwortschreiben  des  UNHCR jedoch nicht genauer erläutert. Das UNHCR führe diesbezüglich  lediglich  aus,  dass  eine  Person,  welche  in  Italien  bereits  eine  Wegweisungsverfügung  erhalten  habe,  nach  der  Rücküberstellung  zur  Haft  in  ein  CIE  überwiesen  werde  und  dort  die  Möglichkeit  habe,  ein  Gesuch  um  internationalen  Schutz  zu  stellen.  Daraus  werde  allerdings  nicht  ersichtlich,  um  was  für  ein  Gesuch  es  sich  handle,  wie  das  Verfahren  ablaufe  und  zu  welchem  Recht  die  Person  komme.  Ferner  führe  das  UNHCR  aus,  dass  bei  Personen,  deren  Asylentscheid  in  Abwesenheit nach Aktenlage entschieden worden sei, das Asylverfahren  nach  der  Rücküberstellung  auf  Antrag  wieder  aufgenommen  werden  könne.  Personen,  die  wie  der  Beschwerdeführer  in  Italien  keine  Rechtsvertretung hätten, würden – insbesondere aus Unwissen – Gefahr  laufen, von dieser Möglichkeit keinen Gebrauch zu machen.  Im Übrigen  sei der Zugang zu Rechtsberatungsstellen in Italien nicht  immer einfach.  Des  Weiteren  sei  dem  Beschwerdeführer  nach  seiner  zweiten  Rücküberstellung  nach  Italien  eine  Wegweisungsverfügung  eröffnet  worden; ob davor das Asylverfahren nochmals aufgenommen worden sei  oder  nicht,  sei  gänzlich  irrelevant,  denn  die  rechtskräftige  Wegweisungsverfügung  verunmögliche  es  dem  Beschwerdeführer,  die  Wiederaufnahme seines Asylverfahrens zu beantragen. Damit drohe ihm  die Ausweisung nach Eritrea, ohne dass sein Fall  je geprüft worden sei.  Sodann  bedeute  es  nicht,  dass  weil  das  UNHCR  keine  Kenntnis  von 

E­6669/2009 Ausweisungen  aus  Italien  nach  Eritrea  habe,  keine  Ausweisungen  stattgefunden hätten. Ebenso sei darauf hinzuweisen, dass das UNHCR  Kenntnis  von  mindestens  einer  Zurückweisung  an  der  Grenze  gehabt  habe;  diese  Zurückweisung  eines  eritreischen  Staatsbürgers  am  Flughafen  in Rom  habe  seine Rückkehr  nach  Eritrea  über  Ägypten  zur  Folge  gehabt.  Den Ausführungen  des  BFM,  dem Beschwerdeführer  sei  nach seiner Überstellung nach [Italien] der erstinstanzliche Asylentscheid  eröffnet worden und er habe zu diesem Zeitpunkt die Möglichkeit gehabt,  Beschwerde einzulegen oder die Wiederaufnahme des Asylverfahrens zu  beantragen,  zumal  ihm  am  Flughafen  eine  Rechtsberatungsstelle  zur  Verfügung  gestanden  sei,  er  aber  offenbar  nicht  von  seinen  Rechten  Gebrauch  gemacht  und  daher  allfällige  Konsequenzen  hinzunehmen  habe,  sei  entgegenzuhalten,  dass  der  negative  Asylentscheid  dem  Beschwerdeführer  nicht  unmittelbar  nach  seiner  Rücküberstellung  nach  Italien eröffnet worden sei, sondern dass er jenen bei den Behörden habe  abholen  müssen.  In  diesem  Fall  habe  er  sich  selbständig  um  einen  Anwalt kümmern müssen, womit er jedoch völlig überfordert gewesen sei.  Diesbezüglich  sei  ebenfalls  festzuhalten,  dass  bei  der  Gefahr  des  Refoulement  der  Begründung  der  Vorinstanz,  wonach  der  Beschwerdeführer  die  Konsequenzen  seines  Handelns  tragen  müsse,  keinesfalls  gefolgt  werden  dürfe,  denn  aufgrund  der  jetzigen  Situation  drohe ihm eine Abschiebung nach Eritrea und damit die deutliche Gefahr  des Refoulement, weshalb die Schweiz ihr Selbsteintrittsrecht auszuüben  habe,  unabhängig  davon,  wie  diese Gefahr  entstanden  sei.  Im Übrigen  sei  aufgrund  der  aktuellen  politischen  Situation  in  Nordafrika  und  der  Flüchtlingsströme  nach  Europa  Italien  noch  mehr  gefordert  als  zuvor.  Wenn  bereits  vorher  Zweifel  bestanden  hätten,  ob  die  italienischen  Behörden  noch  willens  oder  in  der  Lage  seien,  die  vereinbarten  Mindeststandards zu gewährleisten, so dürfe dies zum jetzigen Zeitpunkt  verneint werden (vgl. Beschluss des Verwaltungsgerichts Darmstadt vom  9.  November  2010,  4  L  1455/10.DA.A;  Medienmitteilung  der  Schweizerischen Flüchtlingshilfe [SFH] vom 16. März 2011). Schliesslich  erhalte  der  Beschwerdeführer  in  Italien  keine  angemessene  Unterbringung  respektive  Verpflegung,  zumal  in  Italien  gar  anerkannte  politische  Flüchtlinge  nicht  die  ihnen  zustehende  Behandlung  gemäss  Art. 23 sowie Art. 24 FK erhalten würden (vgl. Beschwerde S. 7). Zur  Stützung  der  Vorbringen  wurden  folgende  Dokumente  eingereicht:  Lagebericht  zu  Italien  von  Rechtsanwalt  (…)  vom  (…)  Oktober  2010  betreffend  ein  Verwaltungsstreitverfahren  in  [europäisches  Land],  Medienmittelung der SFH vom 16. März 2011.

E­6669/2009 5.  5.1.  Auf  Asylgesuche  wird  in  der  Regel  nicht  eingetreten,  wenn  Asylsuchende  in  einen  Drittstaat  ausreisen  können,  der  für  die  Durchführung  das  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zuständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG).  Gestützt  auf  die  einleitenden  Bestimmungen  sowie  Art.  1  Abs.  1  des  Abkommens  vom  26.  Oktober  2004  zwischen  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  und  der  Europäischen  Gemeinschaft  über  die  Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Staates für die  Prüfung  eines  in  einem  Mitgliedstaat  oder  in  der  Schweiz  gestellten  Asylantrags  (Dublin­Assoziierungsabkommen,  SR  0.142.392.689)  i.V.m.  Art.  29a  Abs.  1  der  Asylverordnung 1  vom  11. August  1999  über  Verfahrensfragen  (AsylV 1,  SR  142.311)  hat  die  Prüfung  der  staatsvertraglichen  Zuständigkeit  zur  Behandlung  eines  Asylgesuchs  nach  den  Kriterien  der  Dublin­II­VO  zu  erfolgen.  Sobald  ein  Asylantrag  erstmals  in  einem  Mitgliedstaat  gestellt  wurde,  wird  das  Verfahren  zur  Bestimmung  des  zuständigen  Mitgliedstaates  eingeleitet  (Art.  4  Abs.  1  Dublin­II­VO). Dabei sind die Kriterien in der in Kapitel III der Dublin­II­VO  genannten  Rangfolge  anzuwenden,  und  es  ist  von  der  Situation  auszugehen,  die  zum  Zeitpunkt  besteht,  in  dem  der  Antragssteller  erstmals seinen Antrag  in einem Mitgliedstaat stellt  (Art. 5 Abs. 1 und 2  Dublin­II­VO). 5.2.  Die  Vorinstanz  stellte  aufgrund  der  Akten  und  der  bezüglich  des  Dublin­Verfahrens  geltenden  Verträge  und  Übereinkommen  fest,  dass  Italien  für  die Durchführung  des Asylverfahrens  des Beschwerdeführers  zuständig  sei.  Eine  erneute Anfrage  an  Italien  zur Rückübernahme  des  Beschwerdeführers  erübrige  sich  insofern,  da  die  Zustimmung  der  italienischen Behörden vom 9. Juni 2009 noch Gültigkeit beanspruche. 5.3. Ein Wiederübernahmegesuch, wie es das BFM im vorliegenden Fall  an  Italien  gerichtet  hat,  kommt  dann  zur  Anwendung,  wenn  ein Dublin­ Staat das Asylverfahren (im Sinne von Art. 2 Bst. e Dublin­II­VO) bereits  eröffnet hat; die Zuständigkeit kann in diesem Stadium (ausserhalb eines  Selbsteintritts)  nicht  mehr  überprüft  werden  (vgl. CHRISTIAN  FILZWIESER/ANDREA  SPRUNG,  Dublin  II­Verordnung,  3. Aufl.,  Wien/Graz  2010, K3 zu Art. 4). Dem BFM  ist  zuzustimmen, wenn es  festhält,  dass  Art. 16 Abs. 1 Bst. c respektive e Dublin­II­VO vorliegend zur Anwendung  kommt. Die Zuständigkeit  Italiens für die Durchführung des vorliegenden 

E­6669/2009 Asylverfahrens  wurde  mit  Antwortschreiben  vom  30.  März  2009  respektive 9. Juni 2009 seitens der italienischen Behörden bestätigt.  5.4. Gemäss Art.  20 Abs.  1 Bst.  d Dublin­II­VO muss  ein Mitgliedstaat,  der  die  Wiederaufnahme  akzeptiert,  den  Asylbewerber  in  seinem  Hoheitsgebiet  wieder  aufnehmen.  Italien  ist  folglich  grundsätzlich  auch  weiterhin  zur  Übernahme  des  Beschwerdeführers  verpflichtet,  selbst  wenn  er  bereits  überstellt  wurde  und  wiederholt  das  Hoheitsgebiet  des  zuständigen  Mitgliedstaates  Italien  verlassen  hat.  Dass  in  der  Ausweisungsverfügung vom 17.  Juli 2009 gegen den Beschwerdeführer  neben der Ausweisung aus  Italien auch ein  zehnjähriges Einreiseverbot  angeordnet  wurde,  steht  diesen  Überlegungen  nicht  entgegen;  gegen  eine Überstellung  des Beschwerdeführers  aus  der Schweiz  nach  Italien  im  Rahmen  eines  Dublin­Verfahrens  würde  das  von  den  italienischen  Behörden erlassene Einreiseverbot nicht greifen. Die Überstellung erfolgt  gemäss  den  einzelstaatlichen  Rechtsvorschriften  des  ersuchenden  Mitgliedstaats  nach  Abstimmung  zwischen  den  beteiligten  Mitgliedstaaten, sobald sie materiell möglich ist und spätestens innerhalb  einer  Frist  von  sechs  Monaten  nach  der  Annahme  des  Antrags  auf  Wiederaufnahme  durch  einen  anderen  Mitgliedstaat  oder  der  Entscheidung  über  den  Rechtsbehelf,  wenn  dieser  aufschiebende  Wirkung hat (vgl. Art. 20 Abs. 1 Bst. d Dublin­II­VO). Mit Verfügung vom  2. November 2009 hiess das Bundesverwaltungsgericht das Gesuch um  Herstellung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde gut, was eine  Unterbrechung der Überstellungfrist  bis  zum Zeitpunkt  der Urteilsfällung  durch das Bundesverwaltungsgericht zur Folge hat. 6.  Nach  Art.  3  Abs. 2  Dublin­II­VO  kann  die  Schweiz  ein  Asylgesuch  materiell  prüfen, auch wenn nach den  in der Verordnung vorgesehenen  Kriterien ein anderer Staat zuständig  ist  (sog. Selbsteintrittsrecht). Diese  Bestimmung  ist  nicht  unmittelbar  anwendbar,  sondern  kann  nur  in  Verbindung mit einer anderen Norm des nationalen oder  internationalen  Rechts angerufen werden (vgl. BVGE 2010/45 E. 5). Fraglich  ist,  ob  das  BFM  zu  Recht  –  und  erneut  –  gestützt  auf  Art. 34  Abs. 2  Bst. d  AsylG  auf  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  nicht  eingetreten  ist,  da  –  unter  Zugrundelegung  der  Regeln  des  gemeinsamen Europäischen Asylsystems – Italien für die Durchführung  des  vorliegenden  Asylverfahrens  zuständig  ist,  und  vom  Selbsteintrittsrecht keinen Gebrauch machte. 

E­6669/2009 6.1. Droht  ein  Verstoss  gegen  übergeordnetes Recht,  etwa  gegen  eine  Norm  des  Völkerrechts,  so  besteht  ein  einklagbarer  Anspruch  auf  Ausübung  des  Selbsteintrittsrechts  (BVGE  2010/45  E. 7.2).  In  Frage  kommen  insbesondere das  flüchtlingsrechtliche Non­Refoulement­Gebot  nach  Art. 33  FK  und  menschenrechtliche  Garantien  der  EMRK,  des  Internationalen Paktes über bürgerliche und politische Rechte (UNO­Pakt  II, SR 0.103.2) und des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105). Die  Schweiz  ist  demnach  zu  einem  Selbsteintritt  verpflichtet,  wenn  andernfalls  eine  Verletzung  des  Non­Refoulement­Gebots  nach  Art. 33  FK,  Art. 3  EMRK  oder  Art. 3  FoK  droht.  Gemäss  Rechtsprechung  des  Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) muss aufgrund  der  Gefahr  einer  Kettenabschiebung  in  Verletzung  des  Refoulement­ Verbotes  dann  von  der  Abschiebung  einer  Person  in  einen  Drittstaat  abgesehen werden, wenn gewichtige Gründe dafür vorliegen, dass eine  tatsächliche Gefahr ("real risk") einer Verletzung von Art. 3 EMRK besteht  (vgl.  EGMR,  Saadi  gegen  Italien,  Urteil  vom  28. Februar  2008,  Beschwerde­Nr. 37201/06,  §  125;  EGMR,  T.I.  gegen  Vereinigtes  Königreich,  Entscheid  vom  7. März  2000,  Beschwerde­Nr. 43844/98,  S. 15;  EGMR,  M.S.S.  gegen  Belgien  und  Griechenland,  Urteil  vom  21.  Januar 2011, Beschwerde­Nr. 30696/09, S. 54). 6.2.  Bezüglich  der  Gefahr  einer  Verletzung  des  Rückschiebeverbotes  durch Italien ist festzustellen, dass Italien sowohl Signatarstaat der FK als  auch  der  EMRK  und  der  FoK  ist.  Zudem  muss  sich  Italien  an  die  entsprechenden  Normen  der  EU  halten  (insbesondere  Richtlinie  2004/83/EG  des Rates  vom  29. April  2004  über  die Mindestnormen  für  die  Anerkennung  und  den  Status  von  Drittstaatsangehörigen  oder  Staatenlosen  als  Flüchtlinge  oder  als  Personen,  die  anderweitig  internationalen  Schutz  benötigen,  und  über  den  Inhalt  des  zu  gewährenden  Schutzes).  Das  Bundesverwaltungsgericht  geht  –  in  Übereinstimmung  mit  dem  UNHCR  (vgl. Antwortschreiben  des  UNHCR  vom 12.  Juli  2010)  –  davon  aus,  dass  Italien  kraft  seiner Mitgliedschaft  seinen  völkerrechtlichen  Verpflichtungen,  darunter  insbesondere  dem  Non­Refoulement­Gebot,  nachkommt  (vgl. BVGE 2010/45 E.  7.4.2).  Für  die  Mitgliedstaaten  des  Dublin­Systems  darf  grundsätzlich  vermutet  werden,  sie  würden  die  völkerrechtlichen  Mindestanforderungen  an  ein  korrektes  Asylverfahren  und  namentlich  das  Non­Refoulement­Gebot  respektieren.  Liegt  keine  systematische  Verletzung  dieses  Grundsatzes 

E­6669/2009 durch  den  zuständigen  Mitgliedstaat  vor,  so  hat  ein  Beschwerdeführer  diese Vermutung umzustossen, indem er nachweist, es würden konkrete  Gründe  dafür  vorliegen,  dass  für  ihn  bei  einer  Überstellung  in  den  zuständigen  Mitgliedstaat  die  reale  Gefahr  eines  fehlenden  Verfolgungsschutzes beziehungsweise das Risiko einer Zuwiderhandlung  gegen  das  Non­Refoulement­Gebot  respektive  Art.  3  EMRK  bestehen  würde.  Dabei  reicht  die  blosse  Behauptung,  Opfer  eines  Verstosses  gegen völkerrechtliche Normen zu sein respektive zu werden, nicht aus.  Die  Ausnahme,  dass  ein  Mitgliedstaat  seinen  Verpflichtungen  nicht  nachkommt, muss vielmehr mit ernsthaften Hinweisen aufgezeigt werden  (vgl. BVGE 2010/45 E. 7.4.1 sowie E. 7.5).  6.3.  Im  vorliegenden  Fall  reichte  der  Beschwerdeführer  Unterlagen  ein,  gemäss  welchen  die  Vermutung,  ihm  drohe  in  Italien  keine  Verletzung  des  flüchtlingsrechtlichen  Non­Refoulement­Gebots  nach  Art. 33  FK  respektive  der  menschenrechtlichen  Garantien  der  EMRK,  in  Frage  zu  stellen  sei.  Die  Schlussfolgerung  einer  möglichen  Refoulement­ Verletzung dränge sich in casu umso mehr auf, als er aus Eritrea stamme  und  dorthin  abgeschoben werden  solle.  Im Nachfolgenden  ist  daher  zu  prüfen,  ob  aufgrund  der  eingereichten  Beweisunterlagen  im  Falle  einer  Überstellung  des  Beschwerdeführers  nach  Italien  eine  Verletzung  des  Non­Refoulement­Gebots zu schlussfolgern ist. Im  Rahmen  des  ersten  in  der  Schweiz  geführten  Dublin­Verfahrens  (vgl. oben  Sachverhalt  I.)  hatte  Italien  zwar  zugesichert,  den  Beschwerdeführer gestützt auf Art. 16 Abs. 1 Bst. c Dublin­II­VO (der ein  noch  hängiges  Asylverfahren  voraussetzt)  zurückzunehmen  (vgl.  Schreiben des Ministero dell'Interno, Unità Dublino, vom 30. März 2009);  indessen  war  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  in  Italien  bereits  zuvor,  mit  Verfügung  vom  23.  März  2009,  negativ  entschieden  worden  (vgl.  Entscheid  vom  23. März  2009  des  Ministero  dell'Interno,  […]).  Im  ablehnenden  italienischen  Asylentscheid  wurde  allerdings  eine  Wiederaufnahme bei einem Wiederauftauchen des Beschwerdeführers in  Aussicht gestellt  (vgl. Eröffnung durch die Questura E._______ vom 28.  April  2009).  Dieser  negative  italienische  Asylentscheid  wurde  dem  Beschwerdeführer  eigenen  Angaben  zufolge  unmittelbar  nach  seiner  ersten  Überstellung  von  der  Schweiz  nach  Italien  eröffnet.  Dem  Beschwerdeführer  stand  es  somit  offen,  zu  jenem  Zeitpunkt –  insbesondere  mit  Unterstützung  einer  Rechtsberatungsstelle  (vgl.  SFH­ Bericht  "Asylum procedure and  reception conditions  in  Italy – Report on  the situation of asylum seekers, refugees, and persons under subsidiary 

E­6669/2009 or  humanitarian  protection,  with  focus  on  Dublin  returnees",  Mai  2011,  Ziff. 2.6) – gegen diesen Negativentscheid Beschwerde einzulegen oder  die Wiederaufnahme  des  Verfahrens  zu  verlangen.  Der  Umstand,  dass  ihm  die  Verfügung  (und  ebenso  deren  Rechtsmittelbelehrung)  in  englischer Sprache eröffnet wurde, erscheint allerdings fragwürdig, da er  diese  Sprache  gemäss  seinen  in  den  schweizerischen  Befragungen  protokollierten Aussagen  nicht  beherrsche  (vgl. A1/13 S. 2 f.;  B1/9 S.  3,  C2/9  S.  2).  Von  einer  Verletzung  grundsätzlicher  Verfahrensgarantien  oder  des  Refoulement­Verbotes  durch  Italien  ist  indessen  in  diesem  Zusammenhang  dennoch  nicht  auszugehen;  sofern  dem  Beschwerdeführer  ein  Nachteil  durch  die  englischsprachige  Eröffnung  entstanden  sein  sollte,  hätte  er  auch  diesbezüglich  im  damaligen  Verfahrensstadium  von  seinen  Anfechtungsmöglichkeiten  Gebrauch  machen  können.  Nach  der  ersten  Überstellung  aus  der  Schweiz  nach  Italien  am  23.  April  2009  hätten  dem  Beschwerdeführer  mithin  die  verfahrensmässigen  Möglichkeiten,  den  negativen  Asylentscheid  anzufechten oder eine Wiederaufnahme des italienischen Asylverfahrens  zu beantragen  (vgl.  hierzu die Darstellungen  im Schreiben des UNHCR  vom 12. Juli 2010, oben Bst. H), zur Verfügung gestanden. In  der  Ausweisungsverfügung  vom  17.  Juli  2009,  die  dem  Beschwerdeführer nach seiner zweiten Überstellung aus der Schweiz am  17.  Juli  2009  noch  selbentags  eröffnet  wurde,  wurde  er  aufgefordert,  Italien  innert  15 Tagen zu verlassen, gegen  ihn wurde eine zehnjährige  Einreisesperre  unter  Haftandrohung  verhängt  und  er  wurde  darüber  in  Kenntnis gesetzt, dass Italien die diplomatische Vertretung Eritreas über  seinen Fall  informiert  habe.  In der Stellungnahme des UNHCR vom 12.  Juli  2010  wird  ausgeführt,  dass  auch  eine Wegweisungsverfügung,  die  auf  einen  negativen  Asylentscheid  hin  ergangen  ist,  noch  separat  angefochten  werden  könne,  sofern  eine  Verletzung  des  Non­ Refoulement­Prinzips oder eine Kettenabschiebung drohe. Zwar geht aus  der  ergangenen  Ausweisungsverfügung  hervor,  dass  eine  Anfechtung  des Ausweisungsentscheids keinen Suspensiveffekt bewirke; das Gericht  geht  aber  davon  aus,  dass  aufgrund  der  völkerrechtlichen  Verpflichtungen  der Mitgliedstaaten  die  Einreichung  eines Rechtsmittels  die Überprüfung der Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung des  Rechtsbehelfs  in  Hinsicht  auf  eine  allenfalls  drohenden  Verletzung  des  Refoulementverbots  impliziert  und  der  Verwaltungsakt  –  sprich  die  Ausweisung  des  Beschwerdeführers  aus  Italien  nach  Eritrea –  folglich  nicht vollzogen werden könnte, bis über den Suspensiveffekt entschieden  wird. 

E­6669/2009 Des Weiteren unterstreicht der Umstand, dass die italienischen Behörden  im  vorliegenden  Fall  die  diplomatische  Vertretung  Eritreas  über  den  Beschwerdeführer  bereits  informiert  haben,  die  Annahme,  dass  Italien  das  ordentliche  Verfahren  des  Beschwerdeführers  grundsätzlich  als  abgeschlossen  behandelt  und  offenbar  keine  refoulement­relevanten  Aspekte bei einer Ausweisung nach Eritrea habe erkennen können; diese  Massnahme  lässt  die  Ergreifung  ausserordentlicher  Rechtsmittel  gleichwohl nicht obsolet erscheinen.  An dieser Stelle ist allerdings festzuhalten, dass die Erwägung des BFM,  der  Beschwerdeführer  habe  allfällige  Konsequenzen,  welche  aufgrund  der  Rechtssicherheit  gelten  würden,  infolge  der  unterlassenen  Ausschöpfung des  Instanzenzuges nach seiner ersten Rücküberstellung  aus  der  Schweiz  nach  Italien  hinzunehmen,  unhaltbar  ist.  Ein  Mitgliedstaat  kann  eine  allfällig  drohende  Verletzung  des  Non­ Refoulement­Gebots  nicht  durch  ein  Verschulden  des  Betroffenen  rechtfertigen  und  sich  damit  aus  seiner  Verantwortung  ziehen,  den  Betroffenen nicht in einen Staat auszuweisen, in welchem ihm eine nach  Art.  3 EMRK verbotene unmenschliche Behandlung droht.  Im Gegenteil  gilt  das  aus  Art. 3 EMRK  resultierende  Abschiebungsverbot  gemäss  Praxis  des  EGMR  absolut  und  wird  selbst  durch  eine  Gefährdung,  die  unmittelbar vom Betroffenen ausgeht, nicht  relativiert  (vgl. EGMR, Saadi  gegen  Italien,  a.a.O.).  Im  vorliegenden  Fall  steht  es  dem  Beschwerdeführer  freilich  nach  wie  vor  offen,  eine  allfällige  Verletzung  des  Refoulementverbots  durch  Ausschöpfung  des  Instanzenzugs  respektive  durch  Ergreifung  eines  ausserordentlichen  Rechtsmittels  gegen  die  Ausweisungsverfügung  unter  Beantragung  des  Suspensiveffekts abzuwenden.  Schliesslich  sind  gemäss  Antwortschreiben  vom  12.  Juli  2010  dem  UNHCR  keine  Ausweisungen  nach  Eritrea  bekannt,  die  von  den  italienischen  Behörden  in  der  Praxis  durchgeführt  wurden  (einzige  Ausnahme sei  eine Zurückweisung eines eritreischen Staatsbürgers am  Flughafen  in  Rom).  Folglich  erscheint  die  Gefahr,  dass  Italien  den  Beschwerdeführer nach Eritrea ausschafft, auch aus diesem Blickwinkel  als gering.  6.4.  Aufgrund  vorstehender  Erwägungen  ist  zusammenfassend  festzuhalten,  dass  der  Beschwerdeführer  nicht  darzulegen  vermochte,  dass  ihm  in  Italien  eine  das  Refoulementverbot  verletzende  Rückschiebung  ins Heimatland drohen würde;  diesbezüglich  ist  von der 

E­6669/2009 Vermutung  auszugehen,  Italien  halte  seine  völkerrechtlichen  Pflichten  gemäss FK und EMRK ein (vgl. BVGE 2010/45, E. 7.3. ­ 7.7.).  6.5. Zu den weiteren  in der Beschwerde geltend gemachten Vorbringen,  dass  insbesondere  die  Lebensbedingungen  für  Asylsuchende  in  Italien     – namentlich in Bezug auf die Unterkunft – schlecht seien, ist Folgendes  anzuführen:  Das  italienische Fürsorgesystem  für Asylsuchende  steht  zwar  derzeit  in  der  Kritik  (vgl.  insbesondere  den  Bericht  der  Schweizerischen  Flüchtlingshilfe  SFH  und The  Law  Students’  Legal  Aid  Office,  Juss­Buss,  Oslo  und  Bern,  vom  Mai  2011,  welcher  sich  zur  Situation  von  Asylsuchenden,  Flüchtlingen  sowie  subsidiär  oder  humanitär  aufgenommenen  Personen,  mit  speziellem  Fokus  auf  Dublin­ Rückkehrende,  äussert),  jedoch  ist  in  den  Aufenthalts­  und  Verfahrensbedingungen  für  Personen,  welche  sich  im  Rahmen  eines  Asylverfahrens  in  Italien  aufhalten,  insgesamt  kein Vollzugshindernis  zu  sehen. Es wäre an dem Beschwerdeführer gewesen, sich  in Italien über  die  seiner  Ansicht  nach  unwürdigen  Bedingungen  seines  Aufenthaltes  anlässlich der Prüfung seines Asylgesuchs zu beklagen. Hinzuweisen ist  auch  auf  private  Hilfsorganisationen,  die  sich  der  Betreuung  von  Asylsuchenden  und  Flüchtlingen  annehmen.  Den  Ausführungen  des  Beschwerdeführers  kann  auch  in  dieser  Hinsicht  kein  Hinweis  auf  eine  systematische Verletzung der EMRK durch Italien gesehen werden. 6.6.  Aus  dem  Gesagten  folgt,  dass  das  BFM  in  seiner  angefochtenen  Verfügung  zu  Recht  nicht  auf  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  eingetreten  ist  und  die  Wegweisung  nach  Italien  sowie  den  entsprechenden Vollzug angeordnet hat. 7.  Die  Ablehnung  eines  Asylgesuchs  oder  das  Nichteintreten  auf  ein  Asylgesuch hat  in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zu Folge  (Art.  44  Abs.  1  AsylG).  Vorliegende  ist  keine  Ausnahme  von  diesem  Grundsatz  ersichtlich  (vgl.  BVGE  2008/34  E.  9.2  S.  510).  In  Verfahren  nach  Art.  34  Abs.  2  Bst.  d  AsylG  ist  die  Frage  der  Zulässigkeit,  Zumutbarkeit  und  Möglichkeit  des  Wegweisungsvollzugs  regelmässig  bereits  Voraussetzung  (und  nicht  erst  Regelfolge)  des  Nichteintretensentscheides  (vgl.  BVGE  2010/45,  E.  10.2).  So  sind  allfällige Vollzugshindernisse im Rahmen der eventuellen Anwendung der  sogenannten Souveränitätsklausel (Art. 3 Abs. 2 Dublin­II­VO) zu prüfen. 

E­6669/2009 Wie vorstehend dargelegt, bestehen vorliegend keine Gründe, welche zu  einem Selbsteintritt  führen müssten. Das BFM hat  die Überstellung  des  Beschwerdeführers  nach  Italien  in  diesem Sinne  zu Recht  als  zulässig,  zumutbar und möglich erachtet. 8.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art.  106  AsylG).  Die  Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 9.  9.1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten  in der Höhe  von Fr. 600.– (Art. 1 – 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die  Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,  SR 173.320.2])  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  VwVG).  9.2.  Nachdem  das  Bundesverwaltungsgericht  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  mit  Verfügung  vom  2. November 2009 gutgeheissen hat und aus den Akten hervorgeht, dass  der  Beschwerdeführer  auch  heute  weiterhin  als  bedürftig  gelten  muss,  sind keine Verfahrenskosten aufzuerlegen.  (Dispositiv nächste Seite)

E­6669/2009 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Es werden keine Kosten auferlegt. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Christa Luterbacher Natasa Stankovic Versand:

E-6669/2009 — Bundesverwaltungsgericht 08.12.2011 E-6669/2009 — Swissrulings