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Bundesverwaltungsgericht 21.12.2011 E-6584/2011

21 dicembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,284 parole·~6 min·3

Riassunto

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren) | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublinverfahren); Verfügung des BFM vom 18. November 2011

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung V E­6584/2011 Urteil   v om   2 1 .   D e z embe r   2011   Besetzung Einzelrichterin Muriel Beck Kadima  mit Zustimmung von Richter Daniele Cattaneo;   Gerichtsschreiberin Stella Boleki. Parteien A._______, geboren am (…), Syrien,   vertreten durch lic.iur. Monique Bremi, Beratungsstelle für  Asyl­ und Ausländerrecht, (…), Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublinverfahren);  Verfügung des BFM vom 18. November 2011 / N (…).

E­6584/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, I dass  der  Beschwerdeführer,  ein  syrischer  Staatsangehöriger  eigenen  Angaben zufolge, seinen Heimatstaat am 27. Oktober 2010 verliess und  über die Türkei nach Italien reiste, wo er am 10. Dezember 2010 gemäss  Verordnung (EG) Nr. 2725/2000 des Rates vom 11. Dezember 2000 über  die  Einrichtung  von  "Eurodac"  für  den  Vergleich  von  Fingerabdrücken  zum Zwecke der effektiven Anwendung des Dubliner Übereinkommens in  der  Eigenschaft  als  Ausländer,  der  aus  einem Drittstaat  kommend  eine  Aussengrenze des Hoheitsgebiet der Dublin­Staaten  illegal überschritten  habe (Ziffer 2), erfasst wurde (vgl. dazu auch Art. 2 der Verordnung (EG)  Nr.  407/2002  des  Rates  vom  28.  Februar  2002  zur  Festlegung  der  Durchführungsbestimmungen (…),  dass er am (…) 2011 in der Schweiz ein erstes Mal um Asyl nachsuchte, dass  der  Beschwerdeführer  am  (…)  2011  im  Empfangs­und  Verfahrenszentrum  (EVZ)  B._______  anlässlich  der  Befragung  und  des  ihm  gewährten  rechtlichen  Gehörs  zu  einer  möglichen  Zuständigkeit  Italiens für die Durchführung des Asylverfahrens sowie zu einer allfälligen  Wegweisung  dorthin,  darauf  verwies,  dass  er  in  Italien  eine  Wegweisungsverfügung erhalten habe,  dass  Italien  gestützt  auf Art.  16 Abs.  1 Bst.  c  der Verordnung  (EG) Nr.  343/2003 des Rates vom 18. Februar 2003 zur Festlegung von Kriterien  und  Verfahren  bis  zur  Bestimmung  des  Mitgliedstaates,  der  für  die  Prüfung  des  Asylantrages  zuständig  ist,  um  Übernahme  ersucht  wurde  und innerhalb der festgelegten Frist nicht antwortete,  dass das BFM mit Verfügung vom  (…) 2011  in Anwendung von Art. 34  Abs. 2 Bst. d AsylG auf das Asylgesuch nicht eintrat und die Wegweisung  nach Italien sowie deren Vollzug anordnete,  dass der Beschwerdeführer dagegen am (…) 2011 Beschwerde erheben  liess,  die  vom  Bundesverwaltungsgericht  mit  Urteil  vom  (…)  2011  abgewiesen wurde,  dass  der  Beschwerdeführer  am  (…)  2011  im  Rahmen  des  DublinAssoziierungsabkommens  von  der  Schweiz  nach  Italien  (Rom)  rücküberstellt worden ist,

E­6584/2011 II dass der Beschwerdeführer am (…) 2011 erneut in die Schweiz einreiste  und  im  EVZ  C._______  ein  zweites  Mal  in  der  Schweiz  um  Asyl  nachsuchte, dass  er  anlässlich  der  Befragung  vom  (…)  2011  im  Wesentlichen  ausführte,  im Flughafen von Rom angekommen, habe man ihn dort eine  Nacht  schlafen  lassen,  danach  sei  er  von  der  Polizei  weggeschickt  worden,  indem sie  ihm einen Wegweisungsentscheid  ausgehändigt  und  die sofortige Ausreise angeordnet habe, dass  er  kein  Asylgesuch  gestellt  habe,  weil  er  nicht  danach  gefragt  worden sei, beziehungsweise er einen Polizisten gefragt habe, ob er ein  Asylverfahren stellen könne, dieser ihn jedoch weggeschickt habe, dass er es danach nicht mehr versucht habe und per Zug von Rom über  Milano und Como nach Chiasso in die Schweiz eingereist sei,  dass  er  der  schweizerischen  Grenzpolizei  die  von  den  italienischen  Behörden erhaltenen Kopien der Verfügung abgegeben habe,  dass  er  am  (…)  2011  im  Rahmen  des  bei  der  Befragung  gewährten  rechtlichen  Gehörs  zur  allfälligen  Zuständigkeit  Italiens  dieser  nichts  entgegenhielt und hinsichtlich der Wegweisung dorthin darauf verwies, er  habe  eine  Ausreiseverfügung  erhalten  und  befürchte,  bei  einer  Abschiebung  durch  die  italienischen  Behörden  nach  Syrien  von  der  heimatlichen Polizei festgenommen zu werden,  dass  Italien  die  auf  Art.  16  Abs.  1  Bst.  c  der  Dublin­II­VO  gestützte  Anfrage  des  BFM  vom  6.  Oktober  2011  um  Rückübernahme  des  Beschwerdeführers unbeantwortet liess, dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  18.  November  2011  –  eröffnet  am  29. November 2011 – in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG auf  das Asylgesuch  vom  (…)  2011  nicht  eintrat  und  den Beschwerdeführer  nach Italien wegwies,  dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 6. Dezember 2011 dagegen  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  erheben  und  beantragen  liess,  es  sei  die  vorinstanzliche  Verfügung  aufzuheben  und  es  sei  das 

E­6584/2011 BFM  anzuhalten,  sein  Recht  auf  Selbsteintritt  auszuüben  und  sich  für  zuständig zu erklären,  dass der Vollzug bis zum Entscheid über das Gesuch um aufschiebende  Wirkung  der  Beschwerde  superprovisorisch  auszusetzen  und  der  Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen sei,  dass in verfahrensrechtlicher Hinsicht um Gewährung der unentgeltlichen  Rechtspflege sowie um Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses  ersucht wurde,  dass  der  Wegweisungsvollzug  nach  Italien  mit  Verfügung  vom  7.  Dezember 2011 vorsorglich ausgesetzt wurde, dass  die  vollständigen Akten  dem Bundesverwaltungsgericht mit Datum  vom 9. Dezember 2011 vorlagen, dass auf die Ausführungen der Vorinstanz sowie des Beschwerdeführers  – soweit für den Entscheid relevant – in den Erwägungen einzugehen ist, fest und erwägt, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR 172.021])  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  AsylG  i. V. m.  Art. 31 – 33  des Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass  eine  solche  Ausnahme  nicht  vorliegt,  weshalb  das  Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet (vgl. Art. 83 Bst. d Ziff. 1  BGG), dass  der  Beschwerdeführer  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise 

E­6584/2011 Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist  (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten  ist  (Art. 108 Abs. 2 AsylG  und Art.  105 AsylG  i.V.m. Art.  37  VGG und Art.  52 VwVG), dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  entschieden  wird  (Art. 111 Bst. e  AsylG),  und  es  sich  vorliegend, wie  nachfolgend  aufge­ zeigt,  um  eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG vorliegend auf einen Schriften­ wechsel verzichtet wurde, dass  mit  vorliegendem  Endentscheid  die  Beurteilung  des  Gesuchs  um  Erteilung  der  aufschiebenden  Wirkung  der  Beschwerde  hinfällig  geworden ist,  dass  bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es  das BFM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu über­ prüfen  (Art. 32­35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Beschwerde­ instanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt  ist, ob die Vorinstanz zu  Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist, dass  auf  Asylgesuche  in  der  Regel  nicht  eingetreten  wird,  wenn  Asylsuchende  in  einen  Drittstaat  ausreisen  können,  welcher  für  die  Durchfüh­  rung  des Asyl­  und Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zuständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG), dass  sich  die  Schweiz  mit  der  Umsetzung  des  Dublin­Assoziierungs­ abkommens verpflichtet hat, die Dublin­II­VO anzuwenden, dass  der  Beschwerdeführer  eigenen  Angaben  zufolge  (von  einem  Drittstaat herkommend) in das Hoheitsgebiet der Dublin­Staaten einreiste  und  gemäss  EURODAC­Einträgen  erstmals  am  10.  Dezember  2010  in  Italien daktyloskopisch erfasst wurde,

E­6584/2011 dass  er  sodann  am 17. Dezember  2010  in Österreich  und  ein weiteres  Mal am (…) 2011 in der Schweiz um Asyl nachsuchte,  dass  er  nach  einem  rechtskräftig  durch  das  Bundesverwaltungsgericht  bestätigten Nichteintretensentscheid nach Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG am  31.  Dezember  2011  nach  Italien  rücküberstellt  wurde  und  (…)  Tage  später  nach Wiedereinreise  in  die  Schweiz  ((…)  2011)  erneut  um  Asyl  nachsuchte,  dass aufgrund dieser Sachlage  Italien weiterhin  für die Behandlung des  erneuten  Asylgesuchs  zuständig  ist,  was  der  Beschwerdeführer  weder  bei der Vorinstanz noch auf Beschwerdeebene bestreitet,  dass  das  Bundesamt  die  italienischen  Behörden  gestützt  auf  diese  Sachlage  am  6.  Oktober  2011  um  Wiederaufnahme  des  Beschwerdeführers  gemäss  Art. 16  Abs. 1  Bst. c  Dublin­II­VO  ersuchte,  und Italien dazu  innert der  festgelegten Frist  ( 7. November 2011) keine  Stellung  nahm  (Art.  20  Abs.  1  Dublin­II­VO),  womit  Italien  der  Rückübernahme implizit zugestimmt hat, dass das Bundesamt somit zu Recht von der Zuständigkeit Italiens (nach  den Kriterien der Dublin­II­VO:Ersteinreisestaat  Italien) ausging, weshalb  die gesetzliche Grundlage für einen Nichteintretensentscheid nach Art. 34  Abs. 2 Bst. d AsylG erfüllt ist, dass  die  Ablehnung  eines  Asylgesuchs  oder  das Nichteintreten  auf  ein  Asylgesuch in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge hat  (Art. 44 Abs. 1 AsylG),  dass  vorliegend  der  Kanton  keine  Aufenthaltsbewilligung  erteilt  hat  und  auch  kein  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen  besteht  (vgl.  EMARK  2001 Nr. 21), dass  in  Verfahren  nach  Art.  34  Abs.  2  Bst.  d  AsylG  die  Frage  nach  Hindernissen  des  Wegweisungsvollzugs  regelmässig  bereits  Voraussetzung  (und  nicht  erst  Regelfolge)  des  Nichteintretensentscheides  ist  (vgl.  BVGE  E­2010/45  E.  10.2)  und  allfällige völkerrechtliche und humanitäre Vollzugshindernisse im Rahmen  der eventuellen Anwendung der sogenannten Souveränitätsklausel (Art. 3  Abs.  2  Dublin­II­VO  i.V.m.  Art.  29a  Abs.  3  AsylV  1)  zu  prüfen  sind,  weshalb kein Raum für Ersatzmassnahmen  im Sinne von Art. 44 Abs. 2 

E­6584/2011 i.V.m.  Art.  83  Abs.  1­4  des  Bundesgesetzes  vom  16.  Dezember  2005  über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG, SR 142.20) besteht, dass demnach die Schweiz  auch ein Asylgesuch materiell  prüfen  kann,  wenn  nach  den  in  der  Verordnung  vorgesehenen  Kriterien  ein  anderer  Staat zuständig ist (sog. Selbsteintrittsrecht),  dass  die  Anwendung  der  Souveränitätssklausel  nicht  unmittelbar  anwendbar  ist,  sondern  nur  in Verbindung mit  einer  anderen Norm des  nationalen  oder  internationalen  Rechts  angerufen  werden  kann  (vgl.  BVGE 2010/45 E.5),  dass ein einklagbarer Anspruch auf Ausübung eines Selbsteintrittsrechts  besteht,  wenn  ein  Verstoss  gegen  übergeordnetes  Recht  droht  (BVGE  2010/45 E. 7.2),  dass auf Beschwerdeebene einerseits geltend gemacht wird, die Schweiz  verletze  das  völkerrechtliche  Non­Refoulement­Gebot  (Art.  33  des  Abkommens  vom  28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  [FK,  SR  0.142.30])  und  das  Rückschiebungsverbot  gemäss  Art.  3  der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101), weil dem Beschwerdeführer mit  einem  Wegweisungsvollzug  nach  Italien  eine  Kettenabschiebung  nach  Syrien drohe,  dass hierzu festzuhalten ist, dass Italien sowohl Signatarstaat der FK als  auch  der  EMRK  oder  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung oder Strafe  (FoK, SR 0.105)  ist, und es sich zudem an die  entsprechenden  Normen  der  EU  halten  muss  (insbesondere  Richtlinie  2004/83/EG des des Rates vom 29. April 2004 über die Mindestnormen  für  die  Anerkennung  und  den  Status  von  Drittstaatsangehörigen  oder  Staatenlosen  als  Flüchtlinge  oder  als  Personen  die  anderweitig  internationalen  Schutz  benötigen,  und  über  den  Inhalt  des  zu  gewährenden Schutzes),  dass das Bundesverwaltungsgericht aufgrund seiner Rechtspraxis davon  ausgeht,  dass  Italien  kraft  seiner Mitgliedschaft  seinen völkerrechtlichen  Verpflichtungen nachkommt (vgl. BVGE 2010/45 E. 7.4.2),  dass  dabei  grundsätzlich  für  die  Mitgliedstaaten  des  Dublinsystems  vermutet  werden  darf,  sie  würden  die  völkerrechtlichen 

E­6584/2011 Mindestanforderungen  an  ein  korrektes  Asylverfahren  einhalten,  namentlich das Non­Refoulement­Gebot respektieren,  dass  bei  einer  nicht  systematisch  vorliegenden  Verletzung  dieses  Grundsatzes durch den zuständigen Mitgliedstaat der Beschwerdeführer  diese  Vermutung  umstossen  kann,  indem  er  nachweist,  dass  konkrete  Gründe  für  eine  reale  Gefahr  bestehen,  dass  ihm  bei  einer  Rücküberstellung  in  den  zuständigen  Mitgliedstaat  eine  völkerrechtswidrige Ausschaffung in seinen Heimatstaat drohe,  dass  der  Beschwerdeführer  mit  der  ihn  betreffenden  Wegweisungsverfügung  der  Zentrale  der Polizei  (Questura)  der Provinz  Rom  vom  (…)  2011  nicht  die  völkerrechtswidrige  Wegweisung  nach  Syrien  zu  belegen  vermag,  weil  die  Wegweisung  gestützt  auf  die  Richtlinie 2008/115/EG des Europäischen Parlaments und Rates vom 16.  Dezember  2008  (…)  zur  Rückführung  illegal  aufhältiger  Drittstaatsangehöriger  nicht  im  Rahmen  eines  Asylverfahrens  erlassen  wurde, mithin  der  flüchtlingsrechtliche Schutz  nicht Prüfungsgegenstand  der Verfügung gewesen sein kann,  dass vielmehr davon auszugehen ist, der Beschwerdeführer habe bei den  italienischen  Behörden  nicht  geltend  gemacht,  er  würde  in  seinem  Heimatstaat verfolgt,  dass  der  Beschwerdeführer  zwar  mit  Verweis  auf  die  vorgenannte  Wegweisungsverfügung  "foglio  di  via"  und  ein  Urteil  des  Verwaltungsgerichts  von  Magdeburg  (26. Juli  2011  –  9  A  346/10/MD)  geltend  macht,  Italien  gewähre  Asylsuchenden  den  Zugang  zum  Asylverfahren nicht,  dass hingegen das besagte Urteil des Verwaltungsgerichts Magdeburg, in  welchem  ein  Selbsteintritt  nach  Art.  3  Abs.  2  Dublin­II­VO  angeordnet  wurde,  weil  es  einer  alleinstehenden  Mutter  mit  fünf  Kindern  –  nach  Auffassung  des  Gerichts  –  nicht  zuzumuten  gewesen  sei,  in  den  zuständigen  Staat  Italien  weggewiesen  zu  werden,  einerseits  nicht  zu  belegen  vermag,  dass  Asylsuchenden  in  Italien  der  Zugang  zum  Asylverfahren  verwehrt  wird,  und  andererseits  keine  bindende Wirkung  für die Schweiz entfaltet,  dass  es  sich  überdies  nicht  um  eine  vergleichbare  Situation  handelt,  zumal  der  Beschwerdeführer  nicht  der  Gruppe  der  verletzlichsten  Personen angehört, 

E­6584/2011 dass  sodann  die  zu  den Akten  gegebene Wegweisungsverfügung  nicht  zu  belegen  vermag,  dass  ihm  der  Zugang  zum  Asylverfahren  verwehrt  worden wäre,  dass  die  Aussage  des  Beschwerdeführers,  wonach  er  ein  Asylgesuch  habe  stellen  wollen,  aber  vom  Polizisten  weggeschickt  worden  sei,  weshalb er nicht mehr erneut versucht habe, eines zu stellen (vgl. A7 S.  6),  zwar als  Indiz  für die angeführten Probleme gelten könnte,  doch als  unzureichend zu bewerten ist, um gestützt darauf zum Schluss gelangen  zu müssen, Italien verletze die Normen des Dublinabkommens, indem es  Asylsuchenden den Zugang zum Asylverfahren verwehre,  dass  sich  der  Beschwerdeführer  überdies  in  Italien  bspw.  im Flughafen  von Rom an den Grenzinformationsservice hätte wenden können, der von  einer NGO betrieben wird und Anleitung und Beratung anbietet, oder sich  von  einem  beigezogenen  Anwalt  unterstützen  lassen  können,  damit  er  seinen  Rechtsanspruch  (Asylverfahren  im  zuständigen  Staat)  hätte  durchsetzen  können,  (vgl.  dazu  Ausführungen  zum  italienischen  Asylverfahren im Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E­6669/2009 Bst.  H vom 8. Dezember 2011),  dass  auf  Beschwerdeebene  schliesslich  geltend  gemacht  wird,  gemäss  jüngster Praxis des Europäischen Gerichtshofes  für Menschenrechte sei  vom Vollzug der Überstellung eines syrischen Asylsuchenden nach Italien  wegen  möglicher  Verletzung  von  Art.  3  und  Art.  8  EMRK  abgesehen  worden  (vgl.  vorläufige  Aussetzung  der  Überstellung  nach  Italien  durch  EGMR, Rule  39,  Statement  of  facts,  Beschwerde Nr.  64208/2011,  vom  19.  Oktober  2011),  womit  es  Hinweise  für  eine  Verletzung  von  Art.  3  EMRK bei einer Rückkehr nach Italien geben würde,  dass  das  italienische  Fürsorgesystem  zwar  in  der  Kritik  (vgl.  BVGE  6038/2010 vom 3. September 2010; Bericht von Maria Bethka & Dominik  Bender  zur  Situation  von  Flüchtlingen  in  Italien  vom  28. Februar  2011,  Bericht  der  Schweizerischen  Flüchtlingshilfe  "Asylum  procedure  and  reception condition, with focus on Dublin returnees" Berne and Oslo vom  Mai  2011)  steht,  indessen  in  den  Aufenthalts­  und  Verfahrensbedingungen  insgesamt  kein  Vollzugshindernis  zu  erkennen  ist,  dass daran auch das vorgenannte Urteil nichts zu ändern vermag,

E­6584/2011 dass  zusammenfassend  festgehalten  werden  kann,  dass  das  Bundesverwaltungsgericht keinen Grund erkennt, weshalb das BFM von  der  Souveränitätsklausel  (Art.  3  Abs.  2  Dublin­II­VO)  hätte  Gebrauch  machen sollen, dass  somit  die  Voraussetzungen  für  ein  Nichteintreten  auf  das  Asylgesuch in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG offensichtlich  gegeben sind, und das BFM demnach zu Recht auf das Asylgesuch des  Beschwerdeführers  nicht  eingetreten  ist  und  ebenfalls  zu  Recht  die  Überstellung (Wegweisung) nach Italien sowie deren Vollzug angeordnet  hat, dass  es  dem  Beschwerdeführer  folglich  nicht  gelungen  ist  darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig  feststellt oder  unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen  ist, dass  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  gemäss  Art.  65  Abs.  1  VwVG  abzuweisen  ist,  da  die  gestellten  Rechtsbegehren – wie sich aus den vorstehenden Erwägungen ergibt –  als aussichtslos zu bezeichnen waren,  dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr.  600.­  (Art. 1 – 3  des Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1  VwVG).  (Dispositiv nächste Seite)

E­6584/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  wird  abgewiesen. 3.   Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Muriel Beck Kadima Stella Boleki Versand: