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Bundesverwaltungsgericht 26.08.2011 E-6574/2008

26 agosto 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,211 parole·~6 min·2

Riassunto

Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung | Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 12. September 2008 /

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung V E­6574/2008 Urteil   v om   2 6 .   Augus t   2011 Besetzung Richter Markus König (Vorsitz), Richter Fulvio Haefeli, Richter Bruno Huber,    Gerichtsschreiber Rudolf Bindschedler. Parteien A._______, B._______, C._______, Sri Lanka,  p.A. Schweizer Botschaft in Colombo, Sri Lanka, Beschwerdeführerinnen, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz. Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung;  Verfügung des BFM vom 12. September 2008 / N (…).

E­6574/2008 Sachverhalt: A.  Die  Beschwerdeführerin  suchte  mit  Schreiben  an  die  Schweizerische  Botschaft  in  Colombo  vom  22.  Mai  2008  (Eingang  Botschaft:  28.  Mai  2008) um Asyl  für sich und  ihre beiden Töchter und um Bewilligung der  Einreise in die Schweiz nach. Zur  Begründung  des  Gesuchs  machte  sie  im  Wesentlichen  Folgendes  geltend:  Sie  sei  tamilischer  Ethnie  und  in  D._______  (Ostprovinz)  geboren, wo sie zusammen mit ihrem Ehemann und ihren zwei Töchtern  gelebt  habe.  Ihre  Familie  habe  unter  dem  bewaffneten  Konflikt  in  Sri  Lanka  stark  gelitten.  Seit  1990  seien  mehrere  Familienangehörige  umgebracht  worden  oder  unbekannten  Aufenthalts.  Im  Jahr  2000  habe  ihr  Ehemann  während  der  Parlamentswahlen  für  die  Kampagne  ihres  Grossonkel  gearbeitet,  der  am  (…)  2000  von  den  Liberation  Tigers  of  Tamil Eelam (LTTE) umgebracht worden sei. Nach diesem Vorfall hätten  die LTTE nach ihrem Ehemann gesucht und sie beide bedroht. Ihr Gatte  habe  von  den  LTTE  mehrere  Vorladungen  erhalten,  diese  aber  nicht  befolgt.  Er  habe  im  Versteckten  gelebt  und  sei  am  9.  Juli  2004  nach  E._______ gegangen, um sich dort in Sicherheit zu bringen; am Fluchtort  sei er aber nie angekommen und gelte seither als verschollen. Die LTTE  hätten  weiterhin  nach  dem  Ehemann  gesucht  und  sie  und  ihre  Kinder  belästigt, weshalb sie im April 2005 zu ihrem Bruder gezogen seien. Sie  sei allerdings auch dort von den LTTE bedroht und geschlagen worden.  Im Januar 2006 sei sie daher nach F._______ (Ostprovinz) gezogen, wo  am  (…)  2006  jemand  eine  Handgranate  auf  ihr  Haus  geworfen  habe,  durch  deren  Explosion  sie  und  eine  der  Töchter  verletzt  und  das  Gebäude beschädigt worden  sei.  Im  (…) 2006 hätten die LTTE sich  zu  dieser Attacke bekannt und versucht, sie als Informantin über die in ihrem  Heimatdorf  ansässigen  Tamil  Peoples  Liberation  Tigers  (Tamil  Makkal  Viduthalai  Pulikal  [TMVP])  anzuwerben,  was  sie  abgelehnt  habe.  Anschliessend habe sie sich mit ihren Töchtern für eine Woche in Indien  aufgehalten,  dort  aber  keine  Aufenthaltsbewilligung  erhalten.  Im  Jahr  2007  hätten  die  sri­lankischen  Behörden  die  LTTE  aus  der  Herkunftsregion  der  Beschwerdeführerin  vertrieben.  Seither  werde  sie  von den TMVP gesucht, vorgeladen und unter Druck gesetzt; sie würden  ihren  Ehemann  verdächtigen,  die  LTTE  zu  unterstützen.  Sie  habe  die  örtlichen  Polizeibehörden  um  Schutz  ersucht;  verschiedene  Nichtregierungsorganisationen  würden  ihre  Situation  dokumentieren. 

E­6574/2008 Niemand könne ihr Schutz und Sicherheit gewähren. Sie ersuche deshalb  um Asyl für sich und ihre Töchter in der Schweiz. Die  Beschwerdeführerin  reichte  zusammen  mit  dem  schriftlichen  Asylgesuch  mehrere  Dokumente  als  Beweismittel  zu  den  Akten  (Visumantrag  für  die  Schweiz,  Begleitschreiben  der  Organisation  Non­ Violent  Peaceforce  Sri  Lanka  [NPSL],  Schreiben  der  LTTE,  Polizeiberichte datiert vom (…) 2006 und vom (…) 2008, Fotografie des  Ehemannes, Schreiben des Justice of Peace datiert vom 10. April 2008,  an das Divisional Secretary in F._______ gerichtetes Schreiben vom 10.  April  2008,  Schreiben  der  Rural  Development  Society,  Schreiben  der  TMVP  vom  1. April  2008,  Schreiben  der  Diözese  E._______  vom  19.  März 2008, Schreiben eines Parlamentariers aus dem Batticaloa District  vom  15. März  2008,  Zeitungsbericht  vom  21.  November  2005  sowie  Schreiben des Justice of Peace vom 9. Mai 2008). B.  Anlässlich  der  Befragung  vom  14.  Juli  2008  durch  die  Botschaft  in  Colombo brachte die Beschwerdeführerin in Ergänzung ihrer schriftlichen  Eingaben im Wesentlichen Folgendes vor: Sie sei nie Mitglied oder Sympathisant einer politischen Partei gewesen.  Ihr Grossonkel  hingegen  habe während  den Parlamentswahlen  im  Jahr  2000  für  die  G._______  kandidiert  und  sei  dabei  von  ihrem  Ehemann  unterstützt  worden.  Nach  der  Ermordung  des  Onkels  hätten  die  LTTE  nach  ihrem Ehemann gesucht, weshalb dieser  in der Folge seine Arbeit  aufgegeben  und  während  der  nächsten  vier  Jahre  zu  Hause  geblieben  sei. Die LTTE hätten ihrem Ehemann Briefe geschickt, ihn aber nie direkt  bedroht.  Im Jahr 2005 hätten die LTTE sie  zweimal  nach dem Verbleib  ihres  Ehemannes  befragt  und  ihr  mit  dem  Tod  gedroht,  falls  sie  ihren  Ehemann  nicht  den  LTTE  übergebe.  Im  (…)  2006  sei  vor  ihrem  Haus  eine  Bombe  explodiert,  worauf  sie  zwei  Monate  später  von  den  LTTE  aufgefordert worden sei, in ihrem Heimatdorf für die LTTE zu spionieren.  Sie sei daraufhin zu ihrem Bruder nach F._______ weggezogen. Seither  habe sie zu den LTTE keinen Kontakt mehr gehabt.  Im November 2005  sei ihre Tante, eine H._______, von den LTTE ermordet worden.  Im Jahr 2008 hätten die Probleme mit der TMVP begonnen. Sie sei auf  das Büro der TMVP vorgeladen und zu ihrem Ehemann befragt worden.  Sie könne sich das Interesse der LTTE und der TMVP an ihrem Ehemann  nicht erklären. Einen Monat später sei sie einer weiteren Aufforderung, im 

E­6574/2008 Büro der TMVP zu erscheinen, nicht gefolgt, worauf Mitglieder der TMVP  in ihrer Abwesenheit – letztmals im April 2008 – bei ihrem Bruder nach ihr  gefragt  hätten.  Seither  wechsle  sie  innerhalb  des  Distrikts  I._______  immer wieder ihren Aufenthaltsort, während ihre Töchter bei ihrem Bruder  wohnen würden. Ausserhalb  I._______ habe sie weder Verwandte noch  Freunde.  Sie  befürchte,  dass  ihr  oder  ihren  Kinder  Schaden  zugefügt  werde, weshalb sie um Asyl nachsuche. C.  Mit  Schreiben  vom  15.  Juli  2008  überwies  die  Botschaft  das  von  der  Beschwerdeführerin  eingereichte  schriftliche  Asylgesuch  und  das  Protokoll  der  Befragung  zusammen  mit  einem  Begleitschreiben  zuständigkeitshalber an das BFM. D.  Mit Verfügung vom 12. September 2008 lehnte das BFM das Asylgesuch  ab  und  verweigerte  der  Beschwerdeführerin  und  ihren  beiden  Töchtern  die Einreise in die Schweiz.  E.  Mit Eingabe vom 7. Oktober 2008 (Eingang bei der Botschaft in Colombo  am  folgenden  Tag)  erhoben  die  Beschwerdeführerinnen  Beschwerde  gegen  die  vorinstanzliche  Verfügung  und  beantragten  sinngemäss  die  Aufhebung der Verfügung, die Bewilligung  ihrer Einreise  in die Schweiz  und die Gutheissung ihres Asylgesuchs. Mit dem Rechtsmittel wurde eine  handschriftliche  Begleitnotiz  (offenbar  eines  NPSL­Mitarbeiters)  zu  den  Akten gereicht. Mit Begleitschreiben vom 8. Oktober 2008 übermittelte die Vertretung die  Beschwerde  dem  zur  Prüfung  und  Behandlung  zuständigen  Bundesverwaltungsgericht. F.  Das  Bundesverwaltungsgericht  bestätigte  mit  Schreiben  vom  11.  März  2009 den Eingang des Rechtsmittels. G.  Im Sommer  2011 übernahm der  vorsitzende Richter  das Verfahren  von  der bisherigen Instruktionsrichterin.

E­6574/2008 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM  gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]). 1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Die  Beschwerdeführerinnen  haben  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  und  haben  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Sie  sind  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1  sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  Gestützt  auf  Art.  111a  Abs.  1  AsylG  wurde  vorliegend  auf  die  Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4. 

E­6574/2008 4.1.  In  formeller Hinsicht  ist zunächst  festzuhalten, dass gemäss Art. 19  AsylG  ein Asylgesuch  im Ausland  bei  einer  schweizerischen Vertretung  gestellt werden kann, welche dieses mit einem Bericht an das Bundesamt  überweist  (Art.  20  Abs.  1  AsylG).  Die  Vertretung  führt  mit  der  asylsuchenden Person in der Regel eine Befragung durch (Art. 10 Abs. 1  Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfahrensfragen [AsylV 1,  SR  142.311]).  Die  Botschaft  überweist  in  der  Folge  das  Gesuch  mit  einem  Bericht  dem  Bundesamt,  welches  die  Einreise  in  die  Schweiz  bewilligt, wenn der asylsuchenden Person nicht zugemutet werden kann,  im Wohnsitz­ oder Aufenthaltsstaat zu bleiben oder  in ein anderes Land  auszureisen (Art. 20 Abs. 1 und 2 AsylG). 4.2.  4.2.1.  Die  Schweiz  gewährt  Flüchtlingen  unter  Vorbehalt  von  Ausschlussgründen  auf Gesuch  hin Asyl  (vgl.  Art.  2 Abs.  1  und Art.  49  AsylG).  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen oder zumindest glaubhaft machen (Art. 7 Abs. 1 AsylG). Die  Flüchtlingseigenschaft  erfüllen  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im  Land,  wo  sie  zuletzt  wohnten,  wegen  ihrer  Rasse,  Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  von  Leib,  Leben  und  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken;  den  frauenspezifischen  Fluchtgründen  ist  Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 4.2.2.  Das  Bundesamt  kann  ein  im  Ausland  gestelltes  Asylgesuch  ablehnen, wenn die asylsuchenden Personen keine Verfolgung glaubhaft  machen können oder  ihnen die Aufnahme  in einem Drittstaat zugemutet  werden kann (vgl. Art. 3, 7 und 52 [Abs. 2] AsylG). Bei  diesem  Entscheid  sind  die  Voraussetzungen  zur  Erteilung  einer  Einreisebewilligung  grundsätzlich  restriktiv  zu  umschreiben,  wobei  den  Behörden  ein  weiter  Ermessensspielraum  zukommt.  Neben  der  erforderlichen Gefährdung  im Sinn von Art. 3 AsylG sind namentlich Art  und  Intensität  der  persönlichen Beziehung  zur Schweiz,  die Möglichkeit  der Schutzgewährung durch einen anderen Staat,  die Qualität  allfälliger  Beziehungen  zu  anderen  Staaten,  die  praktische  Möglichkeit  und  objektive  Zumutbarkeit  einer  anderweitigen  Schutzsuche  sowie  die  voraussichtlichen  Eingliederungs­  und  Assimilationsmöglichkeiten  in  Betracht  zu  ziehen  (vgl.  die  weiterhin  zutreffende  Praxis  in 

E­6574/2008 Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  vormaligen  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  1997  Nr. 15,  insbesondere  S.  131  ff.,  welcher  angesichts  bloss  redaktioneller  Änderungen  bei  der  letzten  Totalrevision  des  Asylgesetzes  nach  wie  vor  Gültigkeit  hat).  Ausschlaggebend  für  die  Erteilung  der  Einreisebewilligung  ist  demnach  vorab die Schutzbedürftigkeit der betroffenen Person (vgl. EMARK 1997  Nr. 15 E. 2c S. 130), mithin die Prüfung der Fragen, ob eine Gefährdung  im Sinn von Art. 3 AsylG glaubhaft gemacht wird und ob der Verbleib am  Aufenthaltsort  für  die  Dauer  der  Sachverhaltsabklärung  zugemutet  werden kann. 5.  5.1. Die Vorinstanz  führte  in  ihrer Verfügung  im Wesentlichen aus, dass  der  gewaltsame  Tod  mehrerer  Familienangehöriger  sowie  das  Verschwinden des Ehemannes der Beschwerdeführerin sehr bedauerlich  seien,  die  Einreisebewilligung  aber  nicht  dem  Ausgleich  vergangenen  Unrechts  diene.  Vielmehr  sei  ausschliesslich  die  Gefährdungssituation  der  Beschwerdeführerin  zu  beurteilen  sei,  wobei  insbesondere  das  persönliche  Gefährdungsprofil  und  das  räumliche  Ausmass  einer  allfälligen  Verfolgung  zu  berücksichtigen  seien.  Die  bis  zum  Jahr  2006  geschilderten Ereignisse seien bereits zum Zeitpunkt der Einreichung des  Asylgesuchs zu weit zurückgelegen, um flüchtlingsrechtlich noch relevant  zu sein. Die Beschwerdeführerin weise kein spezielles Gefährdungsprofil  auf,  und  es  sei  nicht  davon  auszugehen,  dass  ihr  und  den  Kindern  in  Zukunft im Heimatland Verfolgung drohen würden. 5.2.  In  der  Beschwerde  wird  der  bereits  aktenkundige  Sachverhalt  wiederholt  und  aktualisiert  und  dabei  insbesondere  ein  Erlebnis  des  Bruders  der  Beschwerdeführerin  mit  TMVP­Vertretern  im  August  2008  beispielhaft  dargelegt.  Die  Beschwerdeführerin  hält  fest,  sie  halte  sich  zurzeit bei befreundeten muslimischen Familien auf und wohne zuweilen  auch bei ihrem Bruder, fühle sich dort aber nicht sicher. Das Führen eines  normalen  Lebens  sei  für  die  Beschwerdeführerinnen  unter  den  gegebenen Umständen nicht möglich. 6.  6.1.  In Würdigung der gesamten Vorbringen  ist  vorliegend  festzustellen,  dass die Beschwerdeführerinnen seitens der sri­lankischen Behörden und  Sicherheitskräfte  oder  Dritter  nicht  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  und in absehbarer Zukunft ernsthafte Nachteile im Sinn von Art. 3 AsylG  zu befürchten haben.

E­6574/2008 6.1.1. Die von der Beschwerdeführerin beschriebenen Erlebnisse bis zum  Jahr  2006  sind  offensichtlich  vor  dem  Hintergrund  der  damals  herrschenden  kriegerischen  Situation  namentlich  im  Norden  und  Osten  Sri  Lankas  zu  beurteilen.  Es  ist  festzuhalten,  dass  die  Beschwerdeführerin  in  der  Folge  bis  Ende  Mai  2008  mit  dem  Stellen  eines  Asylgesuchs  zugewartet  hat,  womit  in  der  Tat  der  zeitliche  und  kausale  Zusammenhang  zu  jenem  Ereignis  nicht  mehr  gegeben  ist.  Schon  angesichts  der  langen  Zeitspanne,  die  seit  diesen  Ereignissen  verstrichen  ist,  ist  nicht  anzunehmen,  dass  den Beschwerdeführerinnen  daraus  noch  flüchtlingsrechtlich  relevante  Nachteile  erwachsen  sollten.  Es ist jedenfalls nach so langer Zeit auch nicht (mehr) von der konkreten  Gefahr einer Reflexverfolgung aufgrund der Aktivitäten des im Jahr 2004  verschwundenen  Ehemanns/Vaters  der  Beschwerdeführerinnen  auszugehen;  dies  umso  weniger  angesichts  der  vagen  und  teilweise  schwer  nachvollziehbaren  Schilderung  der  Umstände  der  angeblichen  Verfolgung des Ehemanns durch die Beschwerdeführerin. 6.1.2.  Die  staatlichen  Sicherheitsmassnahmen  wurden  nach  dem  Sieg  der  sri­lankischen Armee über  die  LTTE  im Frühjahr  2009 nur  langsam  gelockert.  Indessen  weisen  weder  die  Beschwerdeführerin  noch  ihre  Kinder ein besonderes Risikoprofil auf, das sie aktuell aus objektiver Sicht  als gefährdet erscheinen lassen würde.  Allfälligen  Sicherheitskontrollen  seitens  der  sri­lankischen  Sicherheitskräfte, von denen die Bevölkerung  immer noch betroffen sein  kann,  kommt  mangels  Intensität  kein  Verfolgungscharakter  zu;  mithin  stellen  solche  Handlungen  keine  ernsthaften  Nachteile  im  Sinn  des  Gesetzes dar. 6.1.3. Soweit es sich bei den geschilderten oder befürchteten Nachteilen  um  Übergriffe  von  nicht­staatlichen  Dritten  (LTTE  respektive  TMVP)  handelt,  ist  festzuhalten,  dass  die  Beschwerdeführerinnen  sich  nach  Auffassung  des  Gerichts  –  jedenfalls  zum  heutigen  Zeitpunkt  –  an  die  zuständigen  behördlichen  Stellen  wenden  und  um  Schutz  nachsuchen  können,  falls  sich  dies  noch  als  erforderlich  erweisen  sollte.  Der  sri­ lankische  Staat  darf  diesbezüglich  als  grundsätzlich  schutzfähig  gelten,  zumal die Beschwerdeführerin angegeben hat, mit staatlichen Behörden  keine  Probleme  gehabt  zu  haben  (vgl.  Befragungsprotokoll  S.  8);  den  Akten  sind  jedenfalls  keine  Hinweise  zu  entnehmen,  aus  denen  zu  schliessen  wäre,  die  sri­lankischen  Behörden  wären  mit  Bezug  auf  die  Beschwerdeführerinnen nicht schutzwillig.

E­6574/2008 6.1.4. Schliesslich bleibt der Vollständigkeit halber  festzuhalten, dass es  den Beschwerdeführerinnen möglich und – allenfalls auch erneut mit der  Unterstützung einer NGO vor Ort – wohl grundsätzlich auch zuzumuten  wäre,  den  von  ihnen  befürchteten Behelligungen  durch Wegzug  in  eine  andere Region ihres Heimatstaats erfolgreich ausweichen.  6.2.  Nach  dem  Gesagten  kann  nicht  von  Nachteilen  ausgegangen  werden,  die  den weiteren Verbleib  der Beschwerdeführerinnen  in  ihrem  Heimatstaat als unzumutbar erscheinen (vgl. Art. 20 Abs. 2 AsylG) oder  die  gar  auf  eine  unmittelbare  Gefahr  für  Leib  und  Leben  schliessen  lassen würden. 6.3. Abschliessend  bleibt  festzuhalten,  dass  die Beschwerdeführerinnen  auch  keine  besonderen  persönlichen Beziehungen  zur Schweiz  geltend  machen. 6.4. Unter diesen gesamten Umständen hat die Vorinstanz zu Recht die  Erteilung  der  Einreisebewilligung  verweigert  und  das  Asylgesuch  der  Beschwerdeführerinnen abgewiesen. 7.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG).  Die Beschwerde ist abzuweisen. 8.  Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich den  Beschwerdeführerinnen  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  VwVG).  Aus  verwaltungsökonomischen Gründen ist in Anwendung von Art. 63 Abs. 1  in  fine VwVG und Art.  2  und  3  des Reglements  vom 21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  (VGKE,  SR  173.320.2)  vorliegend  auf  die  Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten.  (Dispositiv nächste Seite)

E­6574/2008 E­6574/2008 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführerinnen,  die  Schweizer  Botschaft in Colombo und das BFM. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Markus König Rudolf Bindschedler Versand:

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