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Bundesverwaltungsgericht 06.12.2011 E-6419/2011

6 dicembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,377 parole·~7 min·1

Riassunto

Nichteintreten auf Asylgesuch (erneutes Asylverfahren Schweiz) und Wegweisung | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 21. November 2011

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung V E­6419/2011 Urteil   v om   6 .   D e z embe r   2011   Besetzung Einzelrichterin Christa Luterbacher, mit Zustimmung von Richter Bruno Huber;  Gerichtsschreiberin Gabriela Oeler. Parteien A._______, geboren am (…), alias B._______, geboren (…),  alias C._______, geboren (…),  Marokko, (…),  Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung  des BFM vom 21. November 2011 / N (…).

E­6419/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest und erwägt, dass  der  Beschwerdeführer,  eigenen  Angaben  zufolge  ein  marokkanischer  Staatsangehöriger  aus  (...),  am  16.  Februar  2011  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  (EVZ)  (...)  unter  der  Identität  B._______, geboren (…), ein erstes Asylgesuch einreichte,  dass  er  dieses  Gesuch  damit  begründete,  seine  mittellose  Familie  im  Heimatland unterstützen zu wollen, indem er hier ein wenig arbeite,  dass er in Marokko Drogen konsumiert und auf der Strasse gelebt habe,  bevor  ihn  die  Polizei  in  einer  Einrichtung  für  mehr  als  70  Jugendliche  namens (...) untergebracht habe,  dass er diese Einrichtung wieder verlassen habe, weil es  ihm dort nicht  gefallen habe,  dass  er  im  Heimatland  keinerlei  Probleme  mit  dem  Staat,  mit  Organisationen oder privaten Personen gehabt habe und sich auch nicht  politisch betätigt habe,  dass  sich  der  Beschwerdeführer  nicht  auszuweisen  vermochte  und  angab,  keine  Identitäts­  oder  Reisedokumente  zu  besitzen  und  auch  keine einreichen zu können, dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  23.  März  2011  auf  das  erste  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  gestützt  auf  Art.  32  Abs.  1  des  Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) nicht eintrat,  dass  es  ausführte,  der  Beschwerdeführer  habe  in  keiner  Weise  angegeben, dass er  in der Schweiz um Schutz vor Verfolgung ersuche,  sondern  er  habe  sein  Gesuch  mit  den  armseligen  Bedingungen,  unter  welchen er in Marokko gelebt habe, begründet,  dass somit kein Asylgesuch im Sinne von Art. 18 AsylG vorliege, dass  das  Bundesverwaltungsgericht  auf  eine  gegen  diesen  Entscheid  gerichtete  Telefax­Beschwerde  vom  28.  März  2011  mit  Urteil  vom  18.  April 2011 mangels gültiger Unterschrift und unterlassener Verbesserung  nicht eintrat (E­1859/2011),

E­6419/2011 dass  der  Beschwerdeführer  unter  der  Identität  C._______,  geboren  am  (…), am 28. April 2011 ein zweites Asylgesuch einreichte,  dass  er  ­  auf  seine  im  ersten  Verfahren  angegebene  Identität  angesprochen  ­  ausführte,  er  habe  im  ersten  Asylgesuch  falsche  Angaben gemacht, und was er gesagt habe, sei einfach zu vergessen, dass  sich  der  Beschwerdeführer  erneut  nicht  auszuweisen  vermochte,  jedoch beteuerte, minderjährig zu sein, dass  er  sinngemäss  die  gleichen  Ausreisegründe  wie  beim  ersten  Asylgesuch  geltend  machte  und  ­  nach  neuen  Asylgründen  nach  Abschluss  des  ersten  Asylverfahrens  gefragt  ­  angab,  es  sei  seither  nichts Neues dazugekommen,  dass  das  BFM  mit  Entscheid  vom  18.  Mai  2011  auf  das  zweite  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  gestützt  auf  Art.  32  Abs.  2  Bst.  e  AsylG nicht eintrat und die Wegweisung sowie den Vollzug andordnete,  dass  es  ausführte,  der  Beschwerdeführer  habe  bereits  erfolglos  ein  Asylverfahren  durchlaufen,  und  es  gebe  keine  Hinweise,  dass  in  der  Zwischenzeit  Ereignisse  eingetreten  seien,  welche  geeignet  seien,  die  Flüchtlingseigenschaft  zu  begründen,  oder  die  für  die  Gewährung  des  vorübergehenden Schutzes relevant seien,  dass  es  des  Weiteren  ausführlich  darlegte,  weshalb  die  im  zweiten  Verfahren  erstmals  geltend  gemachte  Minderjährigkeit  nicht  geglaubt  werden könne,  dass  diese  Verfügung  unangefochten  in  Rechtskraft  erwuchs  und  der  Beschwerdeführer  von  der  kantonalen  Behörde  als  per  1.  Juni  2011  verschwunden gemeldet wurde, dass  der  Beschwerdeführer  am  3.  Juni  2011  unter  der  Identität  C.._______, geboren (…), in Dänemark um Asyl nachsuchte, dass  er  am  7.  September  2011  im  Rahmen  eines  Dublin­Verfahrens,  unbegleitet und im Besitz eines Laissez­passer, in die Schweiz überstellt  wurde, dass der Beschwerdeführer in der Folge unter den Identitäten D._______,  geboren (…), beziehungsweise E.._______, geboren (…), in Deutschland 

E­6419/2011 aufgegriffen  und  im  Rahmen  eines  weiteren  Dublin­Verfahrens  am  24.  Oktober 2011 in die Schweiz überstellt wurde, dass  er  am  24.  Oktober  2011  im  EVZ  (...)  ein  drittes  Asylgesuch  einreichte,  dass  das  BFM  den  Beschwerdeführer  dazu  am  11.  November  2011  befragte,  dass  dieser  dabei  erneut  einzig  die  Armut  als  Ausreisegrund  geltend  machte und ausführte, er wisse nicht, wohin er zurückkehren solle, da er  obdachlos sei,  dass er befürchte, wieder auf der Strasse und im Drogenmilieu zu landen, dass er in dem Heim, in welchem er gewohnt habe, zwar eine Ausbildung  als (...) absolviert habe, das Salär für (...) in Marokko aber schlecht sei,  dass  er  aus  den  genannten  Gründen  immer  wieder  in  die  Schweiz  zurückkehren werde, dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  21.  November  2011,  eröffnet  gleichentags,  auf  das  dritte  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  in  Anwendung  von Art.  32 Abs.  2 Bst.  e AsylG  ebenfalls  nicht  eintrat  und  seine Wegweisung sowie den Vollzug anordnete, dass  es  dazu  ausführte,  der  Beschwerdeführer  habe  bereits  zwei  Asylverfahren  erfolglos  durchlaufen  und  es  sei  ihm  nicht  gelungen,  nachzuweisen  oder  glaubhaft  zu  machen,  dass  zwischenzeitlich  Ereignisse  eingetreten  seien,  die  geeignet  seien,  die  Flüchtlingseigenschaft  zu  begründen,  oder  die  für  die  Gewährung  des  vorübergehenden Schutzes relevant seien, dass der Beschwerdeführer gegen diese Verfügung mit Eingabe vom 25.  November 2011 Beschwerde erhob,  dass  er  geltend  machte,  es  sei  ihm  unmöglich,  in  sein  Heimatland  zurückzukehren,  da  er  keinerlei  Familienangehörige  in  Marokko  habe,  obdachlos  sei  und  selbst  mit  Gelegenheitsarbeiten  nicht  überleben  könnte, dass die Zivilbevölkerung arm sei und ihn niemand unterstützen könne,

E­6419/2011 dass der Entscheid des BFM aufgrund seiner schwierigen Lage nochmals  zu überprüfen sei, dass der Beschwerdeführer während seines Aufenthaltes in der Schweiz  mehrmals straffällig wurde, dass er von der Staatsanwaltschaft  (...) mit Strafbefehl vom 8. Mai 2011  des mehrfachen Diebstahls  für  schuldig  erklärt  und  zu  einer Busse  von  Fr. 1400.­ verurteilt wurde,  dass  der  Beschwerdeführer  mit  Strafbefehl  der  Staatsanwaltschaft  (...)  vom  6.  November  2011  des  Diebstahls  von  Waren  im  Wert  von  Fr.  1210.70, begangen am 4. November 2011,  für schuldig erklärt und eine  unbedingte Freiheitstrafe von 40 Tagen verhängt wurde,  dass  [die  kantonale  Behörde]  am  5.  November  2011  einerseits  die  Eingrenzung des Beschwerdeführers auf die nähere Umgebung des EVZ  und andererseits die Ausgrenzung aus dem ganzen Gebiet des Kantons  (...) verfügte, dass  der  Beschwerdeführer  mit  Strafbefehl  der  Staatsanwaltschaft  (...)  vom  17.  November  2011  des  Diebstahls  von  Waren  im  Wert  von  Fr.  1076.­, begangen am 16. November 2011, für schuldig erklärt wurde und  eine weitere unbedingte Freiheitsstrafe von 60 Tagen verhängt wurde, dass  am  30.  November  2011  ein  weiterer  Strafbefehl  der  Staatsanwaltschaft  (...)  erging,  mit  welchem  der  Beschwerdeführer  des  Diebstahls  und  der  Missachtung  der  Eingrenzung  schuldig  erklärt  und  eine unbedingte Freiheitsstrafe von 60 Tagen verhängt wurde, dass  sich  der  Beschwerdeführer  gemäss  Mitteilung  [der  kantonalen  Behörde] vom 2. Dezember 2011 derzeit und bis am 8. Januar 2012  im  Strafvollzug  befindet  und  am  Entlassungstag  wieder  dem  EVZ  (...)  zugeführt wird,

E­6419/2011 und erwägt, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR 172.021])  des BFM entscheidet, ausser bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens  des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht  (Art. 105  AsylG  i. V. m.  Art. 31 ­ 33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass  der  Beschwerdeführer  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist  (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten ist (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 VwVG), dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass  bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es  das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu  überprüfen  (Art. 32 ­ 35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Beschwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die  Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist, dass  sich  demnach  die  Beschwerdeinstanz  ­ sofern  sie  den  Nichteintretensentscheid  als  unrechtmässig  erachtet ­  einer  selbstständigen materiellen Prüfung enthält, die angefochtene Verfügung  aufhebt  und  die  Sache  zu  neuer  Entscheidung  an  die  Vorinstanz  zurückweist  (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen  Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1. S. 240 f.), dass  die  Vorinstanz  die  Frage  der  Wegweisung  und  des  Vollzugs  materiell  prüft,  weshalb  dem  Bundesverwaltungsgericht  diesbezüglich  volle Kognition zukommt,

E­6419/2011 dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer zweiten Richterin entschieden wird  (Art. 111 Bst. e AsylG), und es  sich  vorliegend,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  begründen  ist  (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass  gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  vorliegend  auf  einen  Schriftenwechsel verzichtet wurde, dass das BFM seinen Nichteintretensentscheid auf Art. 32 Abs. 2 Bst. e  AsylG stützt, dass das Asylverfahren zu Recht gestützt  auf die Vorschrift  von Art.  36  Abs.  2  AsylG  geführt  wurde,  nachdem  der  Beschwerdeführer  seit  dem  rechtskräftigen  Abschluss  seiner  früheren  Asylverfahren  nicht  in  den  Heimatstaat zurückgekehrt ist, dass  auf  ein  Asylgesuch  gemäss  Art. 32  Abs. 2  Bst. e  AsylG  nicht  eingetreten  wird,  wenn  Asylsuchende  in  der  Schweiz  bereits  ein  Asylverfahren  erfolglos  durchlaufen  haben  oder  während  des  hängigen  Asylverfahrens  in  den  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  zurückgekehrt  sind,  und diese Bestimmung keine Anwendung findet, wenn es Hinweise gibt,  dass  in der Zwischenzeit Ereignisse eingetreten sind, die geeignet sind,  die  Flüchtlingseigenschaft  zu  begründen  oder  die  für  die  Gewährung  vorübergehenden Schutzes relevant sind, dass der Beschwerdeführer in der Schweiz insgesamt drei Asylverfahren  angestrengt hat,  dass  das  BFM  auf  das  erste  Asylgesuch  mit  der  Begründung  nicht  eingetreten  ist,  der  Beschwerdeführer  habe  keinerlei  Schutzersuchen  geltend gemacht, weshalb gar kein Asylgesuch vorliege, dass  sich  vorliegend  die  Frage  stellt,  ob  mit  den  bisherigen  Nichteintretensentscheiden  die  Voraussetzung  des  erfolglosen  Durchlaufens eines Asylverfahrens gegeben ist, dass sich die frühere Asylrekurskommission in EMARK 1998 Nr. 1 E. 5 b  eingehend  mit  dieser  Frage  auseinandergesetzt  hat,  wobei  sich  die  Erwägungen  noch  auf  den  damals  gültigen,  mit  dem  vorliegend 

E­6419/2011 angewandten Art. 32 Abs 2 Bst. e AsylG aber identischen  Art. 16 Abs. 1  Bst d  a AsylG stützten, dass  das  erfolglose  Durchlaufen  eines  Asylverfahrens  demgemäss  bedeutet,  dass  in  einem  vorgängigen  Asylverfahren  rechtskräftig  festgestellt  oder  implizit  (bei Nichteintreten mangels Asylgesuch, wegen  Herkunft  aus  einem  verfolgungssicheren  Land  oder  unter  Umständen  wegen grober und vorsätzlicher Verletzung der Mitwirkungspflicht) davon  ausgegangen worden ist, der Gesuchsteller sei nicht Flüchtling,  dass  der  erste  Nichteintretensentscheid  des  BFM  vom  23.  März  2011,  welcher  das  Vorliegen  eines  Asylgesuches  verneint  hat,  eine  solche  implizite Äusserung zum Fehlen der Flüchtlingseigenschaft enthält,  dass  das  BFM  in  dieser  Hinsicht  somit  zu  Recht  Art.  32  Abs.  2  Bst.  e  AsylG herangezogen hat, dass darüber hinaus zu bestätigen ist, dass der Beschwerdeführer seither  keine  neuen  Ereignisse  geltend  gemacht  hat,  welche  für  die  Flüchtlingseigenschaft  oder  die  Gewährung  des  vorübergehenden  Schutzes relevant wären,  dass der Beschwerdeführer, welcher sich seit seinem ersten Asylgesuch  nicht  wieder  in  sein  Heimatland  zurückbegeben  hat,  in  sämtlichen  Verfahren und auch auf Beschwerdeebene ausschliesslich wirtschaftliche  Gründe für seine Ausreise aus dem Heimatland geltend machte,  dass  bezüglich  der  asylrechtlichen  Relevanz  dieser  Vorbringen  auf  die  zutreffenden  Erwägungen  in  den  bisherigen  Verfügungen  verwiesen  werden kann,  dass die Einwände in der Beschwerde vom 25. November 2011, welche  erneut  ausschliesslich  die  wirtschaftliche  und  soziale  Situation  des  Beschwerdeführers  im Heimatland zum  Inhalt haben, zu keiner anderen  Betrachtungsweise der Eintretensfrage zu führen vermögen,  dass somit offensichtlich keine Hinweise bestehen, die  für die Zeit nach  Abschluss  der  rechtskräftig  abgeschlossenen  Vorverfahren  eine  Flüchtlingseigenschaft  begründen  oder  für  eine  vorübergehende  Schutzgewährung relevant sein können,

E­6419/2011 dass  sich  schliesslich  Erwägungen  zur  Minderjährigkeit  des  Beschwerdeführers  beziehungsweise  zum  Verfahren  Minderjähriger  erübrigen,  nachdem  das  dritte  Asylgesuch  in  einen  Zeitraum  fällt,  in  welchem  der  Beschwerdeführer,  selbst  gemäss  dem  in  den  beiden  letzten Verfahren angegebenen Geburtsdatum, bereits volljährig war,  dass das BFM nach dem Gesagten zu Recht gestützt auf Art. 32 Abs. 2  Bst.  e  AsylG  nicht  auf  das  dritte  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  eingetreten ist, dass  die  Ablehnung  eines  Asylgesuchs  oder  das Nichteintreten  auf  ein  Asylgesuch in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge hat  (Art. 44  Abs. 1  AsylG),  vorliegend  der  Kanton  keine  Aufenthaltsbewilligung  erteilt  hat  und  auch  kein  Anspruch  auf  Erteilung  einer solchen besteht (vgl. Art. 32 der Asylverordnung 1 vom 11. August  1999 über Verfahrensfragen [AsylV 1, SR 142.311]; BVGE 2009/50 E. 9  S.  733),  weshalb  die  verfügte  Wegweisung  im  Einklang  mit  den  gesetzlichen  Bestimmungen  steht  und  demnach  vom  BFM  zu  Recht  angeordnet wurde, dass das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen  Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Ausländern regelt, wenn  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar  oder  nicht  möglich ist (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom  16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  [AuG,  SR 142.20]), dass  bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  der  vormaligen  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft  gilt,  das  heisst,  sie  sind  zu  beweisen,  wenn  der  strikte  Beweis  möglich  ist,  und  andernfalls  wenigstens  glaubhaft  zu  machen, dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig  ist,  wenn  völkerrechtliche  Verpflichtungen  der  Schweiz  einer  Weiterreise  der  Ausländerin oder des Ausländers  in den Heimat­, Herkunfts­ oder einen  Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG), dass  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen werden darf, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie 

E­6419/2011 Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]), dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  vorliegend  in  Beachtung  dieser  massgeblichen völker­ und landesrechtlichen Bestimmungen zulässig ist,  da  der  Beschwerdeführer  keine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung  geltend gemacht hat, weshalb das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des  flüchtlingsrechtlichen  Non­Refoulements  hier  keine  Anwendung  findet  und keine Anhaltspunkte für eine menschenrechtswidrige Behandlung im  Sinne  von  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  von  Art. 3  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  ersichtlich  sind,  die  dem  Beschwerdeführer im Heimat­ oder Herkunftsland droht, dass sich der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer als unzumutbar  erweist,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer  Notlage konkret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AuG), dass weder die allgemeine Lage in Marokko noch individuelle Gründe auf  eine konkrete Gefährdung im Falle einer Rückkehr schliessen lassen,  dass in Marokko nämlich keine Situation allgemeiner Gewalt herrscht, dass  hinsichtlich  der  persönlichen  Situation  des  Beschwerdeführers  weiter  festzustellen  ist,  dass dieser  in der Schweiz und  in Europa unter  diversen Identitäten aufgetreten ist und auch zu seinem familiären Umfeld  völlig unterschiedliche Angaben gemacht hat, dass  er  mit  dieser  Vorgehensweise  eine  seriöse  Prüfung  der  Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs verhindert,  dass er gemäss der einen Darstellung im Heimatland sowohl über seine  Eltern  als  auch  über  seine Geschwister  verfügt,  bei  welchen  er  bis  zur  Ausreise gewohnt haben will, 

E­6419/2011 dass  letztlich  offenbleiben  kann,  ob  diese  Version  den  Tatsachen  entspricht,  da  nicht  davon  auszugehen  ist,  der  über  eine  Schul­  und  Berufsbildung verfügenden Beschwerdeführer gerate bei seiner Rückkehr  in eine existenzbedrohende Situation,  dass der Vollzug der Wegweisung somit als zumutbar zu erklären ist (Art.  83 Abs. 4 AuG), dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  in  den  Heimatstaat  schliesslich  möglich  ist,  da  keine  Vollzugshindernisse  bestehen (Art. 83 Abs. 2 AuG), und es dem Beschwerdeführer obliegt, bei  der  Beschaffung  gültiger  Reisepapiere  mitzuwirken  (vgl.  Art. 8  Abs. 4  AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 ff.), dass  nach  dem  Gesagten  der  vom  Bundesamt  verfügte  Vollzug  der  Wegweisung zu bestätigen ist, dass  es  dem  Beschwerdeführer  demnach  nicht  gelungen  ist  darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig  feststellt oder  unangemessen  ist  (Art. 106  AsylG),  weshalb  die  Beschwerde,  soweit  darauf einzutreten ist, abzuweisen ist, dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr.  600.–  (Art. 1­3  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2])  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  sind  (Art. 63  Abs. 1  VwVG). (Dispositiv nächste Seite)

E­6419/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.   Die  Verfahrenskosten  von  Fr.   600.­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Christa Luterbacher Gabriela Oeler Versand:

E-6419/2011 — Bundesverwaltungsgericht 06.12.2011 E-6419/2011 — Swissrulings