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Bundesverwaltungsgericht 15.12.2011 E-6359/2011

15 dicembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,539 parole·~8 min·3

Riassunto

Flughafenverfahren (Asyl und Wegweisung) | Flughafenverfahren (Asyl und Wegweisung); Verfügung des BFM vom 17. November 2011

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung V E­6359/2011 Urteil   v om   1 5 .   D e z embe r   2011   Besetzung Einzelrichterin Muriel Beck Kadima, mit Zustimmung von Richterin Contessina Theis;   Gerichtsschreiberin Stella Boleki. Parteien A._______, geboren am (…), Kirgisistan,   vertreten durch lic.iur. Dominik Löhrer, Zürcher  Beratungsstelle für Asylsuchende (ZBA), (…) Beschwerdeführer,  Gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Flughafenverfahren (Asyl und Wegweisung); Verfügung des BFM vom 17. November 2011 / N (…).

E­6359/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass  der  Beschwerdeführer  Kirgisistan  eigenen  Angaben  zufolge  am  14. Juli 2011 zusammen mit seinem Geschäftspartner S.M.  (…) verliess  und  am  31. Oktober  2011  über Moskau  auf  dem  Luftweg  nach  Zürich­ Kloten gelangte,  dass er am 1. November 2011 bei der Grenzpolizei am Flughafen Zürich  um Asyl nachsuchte,  dass  das  BFM  dem  Beschwerdeführer  mit  gleichentags  eröffneter  Verfügung vom 1. November 2011 die Einreise  in die Schweiz vorläufig  verweigerte und ihm für die Dauer von 60 Tagen den Transitbereich des  Flughafens Zürich als Aufenthaltsort zuwies, dass  der  Beschwerdeführer  bei  der  summarischen  Befragung  vom  2.  November  2011  und  der  Anhörung  vom  15.  November  2011  zur  Begründung  seines  Asylgesuchs  vorbrachte,  dass  er  mit  zwei  anderen  Geschäftspartnern  S.M  und  D.K  im  Jahre  2008  eine  GmbH  (…)  gegründet habe, welche zum Zweck habe, (…) und (…) zu nähen und zu  verkaufen,  dass  er  in  der  Funktion  des  Generaldirektors  ein  mittelgrosses  Unternehmen geführt habe, und der monatlich durchschnittliche Gewinn  bei zirka 3000 US­Dollar lag,  dass  er  erstmals  am  (…)  in  der  Werkhalle  von  zwei  unbekannten  Männern besucht worden sei, die von ihm für einen geringfügigen Betrag  den Verkauf der Firma verlangt hätten, was er abgewiesen habe, dass  er  sodann  am  (…)  einen  anonymen  Anruf  erhalten  habe,  mit  der  Frage, ob er es sich anders überlegt habe,  dass vermutlich dieselben Personen  in der Nacht vom  (…) auf den  (…)  versucht  hätten,  seine  Wohnung  in  Brand  zu  setzen,  es  ihm  aber  umgehend gelungen sei, diesen zu löschen,   dass er daraufhin die Polizei verständigt habe, welche gekommen sei und  ein Strafverfahren eingeleitet habe,  dass  es  bei  seinem Geschäftspartner  S.M.  in  derselben Nacht  auch  zu  einem Anschlag gekommen sei und dieser dabei  zusammengeschlagen 

E­6359/2011 und  eine  Nasenverletzung  erlitten  habe,  worauf  dieser  am  darauffolgenden Tag ins Spital gegangen sei,  dass  ferner bei  ihm zu Hause eine Feuerexpertise durchgeführt worden  sei,  dass  die Untersuchungsrichterin  die  eingeleiteten  Ermittlungen mangels  Beweise eingestellt habe, wobei die Expertise der Feuerwehr nicht mehr  in den Akten gewesen und der Schluss gezogen worden sei, er habe den  Brand selber verschuldet,  dass  er  versucht  habe  beim  Vorgesetzten  der  Untersuchungsrichterin  vorzusprechen  und  dieser  dabei  die  ihm  hingehaltene  Kopie  der  Feuerexpertise  zerrissen  habe  mit  dem  Kommentar,  er  hätte  das  Geschäft besser verkaufen sollen,  dass  er  und  sein  Geschäftspartner  S.M.  bei  der  Generalstaatsanwaltschaft ein Verfahren hätten einleiten wollen,  dass  ihnen  in  einem Vorgespräch  jedoch  davon  abgeraten  worden  sei,  weil sie mit den staatlichen Instanzen in Konflikt geraten würden,   dass  sie  sich  daraufhin  im  (…)  an  die Presse  gewendet  hätten, worauf  der  Autorin  des  von  ihnen  in  Auftrag  gegebenen  Artikels  nach  dessen  Publikation Druck aufgesetzt worden sei, damit sie diesen widerrufe, dass  am  (…)  der  Geschäftspartner  D.  K.  im  Büro  von  Unbekannten  zusammengeschlagen  worden  und  kurz  darauf  im  Spital  an  dessen  Verletzungen verstorben sei,  dass  er  am  gleichen  Abend  vor  seinem  Büro  von  Unbekannten  tätlich  angegriffen und entführt worden sei, und es ihm dabei gelungen sei, den  Entführern zu entkommen,   dass Passanten den Überfall bei der Polizei gemeldet hätten,  dass  er  zurück  im  Büro  von  der  Polizei  des  Mordes  an  seinem  Geschäftspartner  D.K  beschuldigt  worden  sei,  weshalb  er  mit  aufs  Polizeirevier  und  dort  in  Einzelhaft  genommen,  geschlagen  und  befragt  worden sei, 

E­6359/2011 dass  er  am  darauffolgenden  Tag,  dem  (…),  unter  Auflage,  sich  den  Behörden zur Verfügung zu halten, freigelassen worden sei,  dass  er  und S.M.  nach  einem Gespräch mit  dem beigezogenen Anwalt  entschieden hätten, Kirgisistan zu verlassen,  dass er vermute, die Täter und die Polizei würden zusammenarbeiten,  dass der Beschwerdeführer den Asylbehörden einen auf  seinen Namen  lautenden  kirgisischen  Reisepass  und  einen  den  Vorfall  vom  (…)  betreffenden  Untersuchungsbericht  der  zuständigen  kirgisischen  Behörden  (Kopien)  einschliesslich  der  dazugehörenden  Unterlagen  (in  Kopie) zu den Akten gab,  dass  das  BFM  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  mit  Verfügung  vom 17. November  2011  –  eröffnet  am 19. November  2011  –  ablehnte  und die Wegweisung aus dem Transitbereich des Flughafens Zürich samt  Vollzug anordnete, dass auf die Begründung – soweit wesentlich für den Entscheid – in den  Erwägungen näher einzugehen ist,  dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 23. November 2011 gegen  diesen  Entscheid  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  erheben  und  beantragen  liess,  der  angefochtene  Entscheid  vom  17.  November  2011  sei  aufzuheben  und  die  Sache  sei  zur  Neubeurteilung  an  die  Vorinstanz zurückzuweisen, eventualiter sei der angefochtene Entscheid  aufzuheben und es sei ihm Asyl zu gewähren dass  er  in  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  beantragte,  es  sei  ihm  die  unentgeltliche Prozessführung zu gewähren und auf die Erhebung eines  Kostenvorschusses sei zu verzichten,  dass  in  der  Rechtsmitteleingabe  geltend  gemacht  wird,  das  BFM  stelle  seinen  Entscheid  einzig  auf  die  Einstellungsverfügung  ab,  obwohl  eine  Vielzahl von Beweismitteln (Zeitungsartikel vom (…) und Bestätigung des  Spitalaufenthalts)  eingereicht  worden  seien,  deren  Echtheit  von  der  Vorinstanz nicht bezweifelt worden sei, und die den Sachverhalt belegen  würden, 

E­6359/2011 dass deshalb die einseitige Würdigung der Beweismittel eine Verletzung  des  rechtlichen  Gehörs  darstelle,  weshalb  die  angefochtene  Verfügung  aufzuheben und an die Vorinstanz zurückzuweisen sei,   dass auf die weitere Begründung – soweit wesentlich für den Entscheid –  in den Erwägungen einzugehen ist,  dass  das  Bundesverwaltungsgericht  mit  Verfügung  vom  5.  Dezember  2011  den  Eingang  der  Beschwerde  bestätigte  und  gleichentags  den  vorsorglichen Vollzugsstopp verfügte,  und erwägt, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR 172.021])  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  [AsylG,  SR 142.31]  i. V. m.  Art. 31 – 33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG, SR 173.110]), dass eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG nicht  vorliegt, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet, dass  sich  das  Verfahren  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG  richtet,  soweit  das  AsylG  nichts  anderes  bestimmt  (Art. 37  VGG  und  Art. 6 AsylG), dass  der  Beschwerdeführer  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist  (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass  die  Beschwerdefrist  mittels  Faxbeschwerde  vom  23.  November  2011  und  dem  unmittelbar  danach  nachgereichten  Original  eingehalten 

E­6359/2011 wurde, weshalb  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte Beschwerde  einzutreten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 VwVG), dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer zweiten Richterin entschieden wird  (Art. 111 Bst. e AsylG) und es  sich  vorliegend,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt,  weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art.  111a Abs. 2 AsylG), dass  gestützt  auf  Art.  111a  Abs.  1  AsylG  vorliegend  auf  einen  Schriftenwechsel verzichtet wurde, dass das vorliegende Verfahren und dasjenige seines Geschäftspartners  S.M.  (…)  wegen  des  persönlichen  und  sachlichen  Zusammenhangs  koordiniert behandelt werden, dass  das  Bundesverwaltungsgericht  grundsätzlich  nicht  an  die  vorinstanzlichen Erwägungen gebunden ist,  dass der Beschwerdeführer rügt, die Vorinstanz habe durch die einseitige  Würdigung  beziehungsweise  Nichtberücksichtigung  der  Beweismittel  seinen Anspruch auf Gewährung seines rechtlichen Gehörs verletzt,  dass mit diesen Einwänden einerseits  implizit die unrichtige Feststellung  des  Sachverhalts  und  andererseits  explizit  die  Verletzung  der  Begründungspflicht  (vgl.  Art.  35  VwVG)  als  Teilgehalte  des  rechtlichen  Gehörs nach Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung (BV, SR 101) gerügt  werden,  dass  der  Anspruch  auf  rechtliches  Gehör  formeller  Natur  ist,  weshalb  seine Verletzung grundsätzlich ohne weiteres – das heisst ungeachtet der  materiellen  Auswirkungen  –  zur  Aufhebung  des  daraufhin  ergangenen  Entscheides  führt  (vgl. BVGE 2008/14 E. 4.1 S. 185; BVGE 2007/30 E.  8.2 S. 371 mit weiteren Hinweisen; BVGE 2007/27 E. 10.1 S. 332) und  infolgedessen vorab zu prüfen ist, 

E­6359/2011 dass der Grundsatz des rechtlichen Gehörs (Art. 29 VwVG, Art. 32 Abs. 1  VwVG)  verlangt,  dass  die  verfügende  Behörde  die  Vorbringen  des  Betroffenen  tatsächlich  hört,  sorgfältig  und  ernsthaft  prüft  und  in  der  Entscheidfindung  berücksichtigt,  was  sich  entsprechend  in  der  Begründung  des  Entscheids  niederschlagen  muss  (vgl.  Art.  35  Abs.  1  VwVG),  dass die Abfassung der Begründung dem Betroffenen ermöglichen  soll,  den Entscheid gegebenenfalls sachgerecht anzufechten, was nur möglich  ist,  wenn  sich  sowohl  der  Betroffene  als  auch  die  Rechtsmittelinstanz  über die Tragweite des Entscheides ein Bild machen können (BGE 129 I  232 E. 3.2 S. 236 f.),  dass  sich  dabei  die  verfügende  Behörde  nicht  ausdrücklich  mit  jeder  tatbeständlichen  Behauptung  und  jedem  rechtlichen  Einwand  auseinander  setzen  muss,  sondern  sich  auf  die  wesentlichen  Gesichtspunkte beschränken (BGE 126 I 97 E. 2b) darf,  dass sich die Begründungsdichte nach dem Verfügungsgegenstand, den  Verfahrensumständen und den Interessen des Betroffenen richtet, wobei  die  bundesgerichtliche Rechtsprechung  bei  schwerwiegenden  Eingriffen  in  die  rechtlich  geschützten  Interessen  des  Betroffenen  eine  sorgfältige  Begründung verlangt (BGE 112 Ia 110) (vgl. BVGE 2008/47 E. 3.2 S. 674  f. mit weiteren Hinweisen),  dass demgegenüber der Beschwerdeführer gesetzlich verpflichtet  ist, an  der Feststellung des Sachverhalts mitzuwirken und anzugeben, weshalb  er um Asyl nachsucht (vgl. Art. 8 Abs. 1 Bst. c AsylG),  dass  die  Vorinstanz  das  Asylgesuch  hauptsächlich mit  der  Begründung  abwies, es sei bedauerlich, dass er auf dem Polizeiposten während einer  ganzen Nacht festgehalten und dabei auch geschlagen worden sei, aber  dies  keine  derart  gravierende  Massnahme  darstelle,  dass  dem  Beschwerdeführer  ein  menschenwürdiges  Leben  in  Kirgisistan  verunmöglicht wäre,  dass  die  Haft  und  Befragung  des  Beschwerdeführers,  abgesehen  von  den Schlägen, rechtsstaatlich durchaus legitim seien, dass  er  gegen  die  unrechtmässige  Behandlung  durch  einen  einzelnen  Beamten mit Hilfe eines Anwaltes hätte vorgehen können,  http://links.weblaw.ch/BGE-129-I-232 http://links.weblaw.ch/BGE-129-I-232 http://links.weblaw.ch/BGE-129-I-232 http://links.weblaw.ch/BGE-129-I-232 http://links.weblaw.ch/BGE-129-I-232 http://links.weblaw.ch/BGE-126-I-97 http://links.weblaw.ch/BGE-126-I-97 http://links.weblaw.ch/BGE-126-I-97 http://links.weblaw.ch/BGE-126-I-97 http://links.weblaw.ch/BGE-126-I-97 http://links.weblaw.ch/BGE-112-IA-107 http://links.weblaw.ch/BGE-112-IA-107 http://links.weblaw.ch/BGE-112-IA-107 http://links.weblaw.ch/BGE-112-IA-107 http://links.weblaw.ch/BGE-112-IA-107 http://links.weblaw.ch/BVGE-2008/47 http://links.weblaw.ch/BVGE-2008/47 http://links.weblaw.ch/BVGE-2008/47

E­6359/2011 dass Übergriffe durch Dritte nur dann asylrelevant seien, wenn der Staat  seiner Schutzpflicht nicht nachkomme oder nicht  in der Lage sei, Schutz  zu gewähren,  dass  aus  den  eingereichten  Beweismitteln  hervorgehe,  dass  sich  die  Behörden  vertieft  mit  der  Sache  des  Beschwerdeführers  auseinandergesetzt  hätten,  bevor  sie  das  Strafverfahren  eingestellt  hätten, dass  im  vorliegenden  Fall  die  staatlichen  Behörden  deshalb  ihrer  Schutzpflicht vollumfänglich nachgekommen seien,  dass  es  dem  Beschwerdeführer  und  dem  Geschäftspartner  möglich  gewesen  wäre,  das  Verfahren  an  die  Generalstaatsanwaltschaft  weiterzuziehen,  dass die Behauptung des Beschwerdeführers,  die  staatlichen Behörden  würden  die  unbekannten  Drittpersonen  (Verfolger)  unterstützen,  mit  keinerlei Anhaltspunkten (in den Akten) untermauert werden könne,  dass  die  weiteren  Beweismittel  zu  Gunsten  des  Beschwerdeführers  nichts an ihrer Einschätzung zu ändern vermöchten, dass  die  vom  Beschwerdeführer  abgegebenen  Dokumente  vielmehr  grösstenteils  die  von  den  staatlichen  Behörden  durchgeführten  Massnahmen bestätigen würden,  dass die Vorinstanz in der Tat – wie vom Beschwerdeführer gerügt – den  Arztbericht  und  den  eingereichten  Zeitungsartikel  beweisrechtlich  nicht  einzeln würdigte, sondern vielmehr pauschal als nicht erheblich einstufte,  dass  hinsichtlich  des  erwähnten  Arztberichtes  festzuhalten  ist,  dass  dieser einzig zu belegen vermag, dass der Beschwerdeführer eine leichte  Hirnerschütterung und Prellungen an den Augen erlitten habe,  indessen  keinen Hinweis für etwelche Unregelmässigkeiten im Zusammenhang mit  der  strafrechtlichen  Untersuchung  zu  liefern  vermag,  mithin  für  die  Klärung der umstrittenen Frage keine Beweiskraft entfaltet,  dass  der  erwähnte  Zeitungsartikel  (Publikation  betreffend  die  untätigen  Behörden)  zwar  durchaus  geeignet  wäre,  Zweifel  an  der  korrekten  Vorgehensweise  des  Staates  hervorzurufen,  weshalb  eine  explizite 

E­6359/2011 Beweiswürdigung  dieses  Beweismittels  grundsätzlich  zu  begrüssen  gewesen wäre,   dass das BFM aber – gestützt auf die Angaben des Beschwerdeführers  sowie  der  eingereichten  Unterlagen  –  von  einem  funktionierenden  zweistufigen  Staatssystem  Kirgisistans  ausging,  und  die  Ausführungen,  wonach  ihm  in  einem  Vorgespräch  empfohlen  worden  sei,  auf  einen  Weiterzug  zu  verzichten,  nicht  als  Rechtsweigerung  beurteilte,  weshalb  eine  explizite  Beweiswürdigung  vermutlich  nicht  zu  einer  anderen  Einschätzung geführt hätte, zumal der Zeitungsartikel explizit auf Wunsch  des  Beschwerdeführers  und  seines  Geschäftspartners  erstellt  worden  war,  dass  die  Vorinstanz  den  rechtserheblichen  Sachverhalt  –  wie  soeben  dargelegt  –  demzufolge  vollständig  berücksichtigte  und  die  Verfügung  ausreichend begründete, so dass der Beschwerdeführer in der Lage war,  die im Streit liegende Verfügung sachgerecht anzufechten,  dass das  rechtliche Gehör des Beschwerdeführers somit durch die eher  knappe Beweiswürdigung der Vorinstanz nicht verletzt wurde,   dass die Schweiz Flüchtlingen grundsätzlich Asyl gewährt  (Art. 2 Abs. 1  AsylG), wobei Flüchtlinge Personen sind, die  in  ihrem Heimatstaat oder  im  Land,  in  dem  sie  zuletzt  wohnten,  wegen  ihrer  Rasse,  Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG),  dass  seit  dem  von  der  Vorgängerorganisation  des  Bundesverwaltungsgerichts  erlassenen  Grundsatzentscheid  (Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission [EMARK] 2006 Nr. 18), in welchem sie sich mit der  völkerrechtskonformen Anwendung von Art. 3 AsylG auseinandergesetzt  hatte, die nichtstaatliche Verfolgung als grundsätzlich  flüchtlingsrechtlich  relevant anzuerkennen ist (Wechsel von der Zurechenbarkeitstheorie zur  Schutztheorie, bestätigt in BVGE 2008/5 E. 4),  dass  auch  nach  der  Ausweitung  der  Verfolgungsakteure  auf  nichtstaatliche  Dritte  die  bisherigen  Verfolgungselemente  (wie  Verfolgungsmotivation,  Intensität,  Gezieltheit)  weiterhin  erfüllt  sein 

E­6359/2011 müssen,  um  die  Flüchtlingseigenschaft  anerkennen  zu  können  (vgl.  EMARK 2006 Nr. 18 E. 6.1 und 7),  dass sodann eine nichtstaatliche Verfolgung als asylrechtlich relevant gilt,  wenn der Heimatstaat (bzw. allenfalls ein Quasi­Staat) nicht  in der Lage  oder nicht willens ist, adäquaten Schutz vor Verfolgung zu bieten,  dass  es  dabei  nicht  darum  geht,  von  Dritten  bedrohte  Personen  eine  faktische Garantie für langfristigen individuellen Schutz zu gewähren, weil  es  keinem  Staat  gelingen  kann,  die  absolute  Sicherheit  seiner  Bürgerinnen und Bürger jederzeit und überall zu garantieren,  dass  indessen  eine  zur  Verfügung  stehende  funktionierende  und  effiziente  Schutzinfrastruktur  erforderlich  ist,  wobei  in  erster  Linie  an  polizeiliche Aufgaben wahrnehmende Organe sowie an ein Rechts­ und  Justizsystem zu denken ist, das eine effektive Strafverfolgung ermöglicht,  dass die Inanspruchnahme dieses Schutzsystems der betroffenen Person  zudem  objektiv  zugänglich  und  individuell  zumutbar  sein  muss,  was  jeweils  im  Rahmen  einer  Einzelfallprüfung  unter  Berücksichtigung  des  länderspezifischen Kontexts zu beurteilen ist (vgl. EMARK 2006 Nr. 32 E.  6.1 S. 340 f.), dass  in  Bestätigung  der  vorinstanzlichen  Einschätzung  festzustellen  ist,  dass gemäss Aussagen des Beschwerdeführers die Polizei  nach einem  Gespräch  vom  (…)  zwar  keine  Strafanzeige  entgegennahm,  aber  sich,  sobald  der  Beschwerdeführer  und  sein  Geschäftspartner  die  Gewalttätigkeiten  vom  (…)  gemeldet  hatten,  rasch  und  effizient  einschaltete,  dass es dem Beschwerdeführer und seinem Geschäftspartner tatsächlich  auch nach Einstellung der Strafuntersuchung möglich gewesen wäre, das  Verfahren bei der Generalstaatsanwaltschaft weiterzuziehen,  dass  die  vom  Beschwerdeführer  demgegenüber  in  der  Rechtsmitteleingabe  gemachten  Ausführungen,  die  kirgisischen  Behörden seien korrupt und das Gerichtsverfahren sei unfair abgelaufen,  unbehelflich sind, dass  überdies  festzustellen  ist,  dass  die  angeführten  Behelligungen  weder  aus  politischen  oder  religiösen  Gründen  noch  wegen  der  Nationalität  oder  Zugehörigkeit  des  Beschwerdeführers  zu  einer  Ethnie  http://links.weblaw.ch/EMARK-2006/32 http://links.weblaw.ch/EMARK-2006/32 http://links.weblaw.ch/EMARK-2006/32 http://links.weblaw.ch/EMARK-2006/32 http://links.weblaw.ch/EMARK-2006/32 http://links.weblaw.ch/EMARK-2006/32 http://links.weblaw.ch/EMARK-2006/32

E­6359/2011 beziehungsweise zu einer bestimmten Gruppe im Sinne von Art. 3 Abs. 1  AsylG  erfolgt  sind,  sondern,  weil  sich  er  und  sein  Partner  geweigert  hätten, die Firma zu verkaufen,  dass es den Vorbringen des Beschwerdeführers deshalb offenkundig an  der erforderlichen Asylrelevanz fehlt, und eine Prüfung, ob der kirgisische  Staat willens und fähig ist, ihm den adäquaten Schutz zu gewähren, sich  deshalb erübrigt hätte, dass deshalb auf eine Auseinandersetzung mit den weiteren Vorbringen  des Beschwerdeführers (korruptes Staatssystem) zu verzichten ist, dass das Bundesamt das Asylgesuch demzufolge  im Ergebnis zu Recht  ablehnte und die Wegweisung aus dem Transitbereich anordnete,  dass  die  Ablehnung  eines  Asylgesuchs  oder  das Nichteintreten  auf  ein  Asylgesuch in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge hat  (Art. 44  Abs. 1  AsylG),  vorliegend  der  Kanton  keine  Aufenthaltsbewilligung erteilt hat und zudem kein Anspruch auf Erteilung  einer  solchen  besteht  (vgl.  EMARK  2001  Nr. 21),  weshalb  die  verfügte  Wegweisung  im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen steht und  demnach vom Bundesamt zu Recht angeordnet wurde, dass das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  regelt,  wenn  der  Vollzug  der Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar  oder  nicht  möglich  ist  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005  über  die Ausländerinnen  und  Ausländer [AuG, SR 142.20]), dass  bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner  Vorgängerorganisation  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft  gilt,  das  heisst,  sie  sind  zu  beweisen,  wenn  der  strikte  Beweis  möglich  ist,  und  andernfalls  wenigstens  glaubhaft  zu  machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl,  in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser  [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148), dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig  ist,  wenn  völkerrechtliche  Verpflichtungen  der  Schweiz  einer  Weiterreise  der  Ausländerin oder des Ausländers  in den Heimat­, Herkunfts­ oder einen  Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG),

E­6359/2011 dass  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen werden darf, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]), dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  vorliegend  in  Beachtung  dieser  massgeblichen völker­ und landesrechtlichen Bestimmungen zulässig ist,  da  es  dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung  nachzuweisen  oder  glaubhaft  zu  machen,  weshalb das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen  Non­Refoulement  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  findet  und keine Anhaltspunkte für eine menschenrechtswidrige Behandlung im  Sinne  von  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  von  Art. 3  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom  4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  ersichtlich  sind,  die  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  droht,  zumal  ihm  im  Heimatland  auch  keine  (übermässige)  Strafe  (im  Sinne eines "real risks") droht (vgl. EMARK 2000 Nr. 26),  dass sich der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer als unzumutbar  erweist,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer  Notlage konkret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AuG), dass  das  BFM  darin  zu  bestätigen  ist,  dass  keine  Wegweisungsvollzugshindernisse  bestehen  und  die  Situation  in  Kirgisistan  sich  seit  den  Unruhen  vom  Frühling  2010  kontinuierlich  und  nachhaltig  verbessert  hat,  so  dass  keine  Situation  allgemeiner  Gewalt  festzustellen  ist  und  auch  keine  individuellen Gründe  auf  eine  konkrete  Gefährdung im Falle einer Rückkehr schliessen lassen,  dass  es  sich  beim  Beschwerdeführer  um  einen  gesunden  Beschwerdeführer  handelt,  der  über  eine  gute  Schul­  und  Ausbildung  sowie  langjährige  Arbeitserfahrung  namentlich  im  Bereich  der  (…)  verfügt,  und  deshalb  davon  auszugehen  ist,  dass  er  über  ein 

E­6359/2011 umfangreiches  soziales Netz  in Kirgisistan  verfügt, weshalb  der Vollzug  der Wegweisung vorliegend zumutbar ist, dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  nach  Kirgisistan  schliesslich  möglich  ist,  da  keine  Vollzugshindernisse  bestehen (Art. 83 Abs. 2 AuG), und es dem Beschwerdeführer obliegt, bei  der  Beschaffung  gültiger  Reisepapiere  mitzuwirken  (vgl.  Art. 8  Abs. 4  AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), dass  nach  dem  Gesagten  der  vom  Bundesamt  verfügte  Vollzug  der  Wegweisung zu bestätigen ist, dass  es  dem  Beschwerdeführer  demnach  nicht  gelungen  ist  darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig  feststellt oder  unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen  ist, dass  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  abzuweisen  ist,  weil  die  Rechtsbegehren  –  wie  vorgängig  ausgeführt –  offenkundig keine Erfolgschancen haben, dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr. 600  (Art. 1 – 3  des Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1  VwVG). (Dispositiv nächste Seite)

E­6359/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  wird  abgewiesen. 3.   Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Muriel Beck Kadima Stella Boleki

E-6359/2011 — Bundesverwaltungsgericht 15.12.2011 E-6359/2011 — Swissrulings