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Bundesverwaltungsgericht 05.01.2012 E-6137/2009

5 gennaio 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·3,177 parole·~16 min·1

Riassunto

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 28. August 2009 / N

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung V E­6137/2009 Urteil   v om   5 .   J a nua r   2012 Besetzung Richter Bruno Huber (Vorsitz), Richterin Contessina Theis, Richter Markus König, Gerichtsschreiberin Carmen Wittwer. Parteien A._______, geboren (…), Sri Lanka, vertreten durch Guido Ehrler, Advokat, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 28. August 2009 / N (…).

E­6137/2009 Sachverhalt: A.  Der  Beschwerdeführer,  ein  sri­lankischer  Staatsangehöriger  tamilischer  Ethnie, verliess seinen Heimatstaat eigenen Angaben zufolge am 23. Juli  2008  auf  dem  Seeweg  und  gelangte  am  8. September  2008  in  die  Schweiz,  wo  er  am  9.  September  2008  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  (EVZ)  B._______  um  Asyl  nachsuchte.  Am  18. September 2008 fand gleichenorts die Befragung zur Person und am  13. August  2009  in  Bern  die  Anhörung  zu  den  Asylgründen  durch  das  BFM statt. B.  Zur  Begründung  seines  Asylgesuches  machte  der  Beschwerdeführer  geltend, sein  (…), welcher einen (…) geführt habe, sei am (…) von den  LTTE (Liberation Tigers of Tamil Eelam) getötet worden. Seit (…) habe er  teilweise  in dessen Geschäft gearbeitet. Zu seinen Kunden hätten unter  anderem  auch  Soldaten  und  Leute  der  EPDP  (Eelam  People's  Democratic  Party)  gehört.  Am  (…)  seien  etwa  (…)  bis  (…)  Maskierte,  mutmasslich  LTTE­Leute,  zu  ihnen  nach  Hause  gekommen  und  hätten  ihn  und  seine  Mutter  geschlagen  sowie  ihr  Mobiliar  zerstört.  Er  sei  daraufhin zum Polizeiposten gegangen und habe eine Anzeige gemacht.  In der Folge hätten sie aber diesbezüglich von der Polizei nichts gehört.  Danach  habe  er  zwar  Leute  der  EPDP  gemieden,  aber  diese  seien  weiterhin  seine  Kunden  geblieben.  Etwa  im  (…)  hätten  ihn  zwei  Motorradfahrer,  mutmasslich  Angehörige  der  LTTE,  auf  der  Strasse  gestoppt,  ihn  Verräter  genannt  und  damit  gedroht,  ihn  zu  erschiessen.  Am (…) sei er nach dem Besuch eines Geschäftskollegen seines (…), als  er  mit  dem  Fahrrad  unterwegs  gewesen  sei,  von  zwei  Personen  auf  Motorrädern  angehalten  worden,  welche  ihn  nach  dem  Haus  von  C._______  gefragt  hätten.  Nachdem  er  ihnen  den  Weg  gezeigt  habe,  hätten sie gefragt, ob er A._______ sei. Als er dies bejaht habe, habe ihn  einer  der  beiden  gepackt  und  gesagt,  er  müsse  mit  ihm  reden.  Als  er  nach dem Grund gefragt habe, habe dieser sofort ein Gewehr in die Hand  genommen, und dann hätten  ihn die beiden zu einem  (…) gezerrt. Dort  sei  ihm das Gewehr  an die Schläfe  gehalten worden,  und er  habe  sich  hinknien müssen. Er  sei  beschimpft worden,  und als  er  um Freilassung  gebeten  habe,  habe  einer  der  beiden  sein  Gewehr  geladen.  Er  habe  Angst  bekommen,  diesem  sein  Gewehr  weggenommen,  ihn  mit  dem  Gewehrkolben  auf  den  Hinterkopf  geschlagen  und  mit  den  Füssen  zu  Boden  gestossen.  Dann  sei  er  zu  einem  Kollegen  geflüchtet  und  habe 

E­6137/2009 dort  übernachtet. Auf Anraten  seines Anwaltes  und  seines  (…) habe er  eine  "clearance"  beantragt  und  D._______  in  Richtung  Colombo  verlassen, wo er am 17. Juli 2008 angekommen sei. Sein dort wohnhafter  (…) habe ihm dann einen Schlepper organisiert. Zur  Untermauerung  seiner  Vorbringen  reichte  der  Beschwerdeführer  anlässlich  der  Befragung  zur  Person  nebst  seiner  Identitätskarte  einen  Polizeirapport  vom  (…),  gemäss  welchem  er  geschlagen  und  beraubt  worden  sei,  eine  ärztliche  Diagnosebescheinigung  betreffend  die  von  seiner Mutter anlässlich desselben Vorfalls erlittenen Schläge und einen  Untersuchungsbericht  betreffend  den  Tod  seines  (…)  samt  englischer  Übersetzung und zwei Zeitungsberichten , wonach dieser von den LTTE  erschossen  worden  sei,  als  Beweismittel  ein.  Anlässlich  der  Anhörung  vom 13. August 2009 gab er zudem ein Bestätigungsschreiben seines sri­ lankischen Anwaltes vom 10. November 2008 zu den Akten.  C.  Mit Verfügung vom 28. August 2009 – das Datum der Eröffnung geht aus  den  Akten  nicht  hervor  –  stellte  das  BFM  fest,  der  Beschwerdeführer  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht,  lehnte  das  Asylgesuch  ab  und  ordnete die Wegweisung aus der Schweiz und den Vollzug an. Auf  die entsprechende Begründung wird,  soweit  entscheidwesentlich,  in  den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. D.  Mit  Rechtsmitteleingabe  vom  28. September  2009  reichte  der  Beschwerdeführer  durch  seinen  damaligen  Rechtsvertreter  beim  Bundesverwaltungsgericht  gegen  diese  Verfügung  Beschwerde  ein.  In  materieller  Hinsicht  beantragte  er  –  unter  Kosten­  und  Entschädigungsfolge  zu  Lasten  der  Vorinstanz  –  die  vollumfängliche  Aufhebung  der  angefochtenen  Verfügung,  die  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  und  die  Gewährung  von  Asyl,  eventualiter  die  Feststellung der Unzulässigkeit  oder zumindest der Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzuges unter Anordnung der vorläufigen Aufnahme. In prozessualer Hinsicht beantragte er die Bewilligung der unentgeltlichen  Prozessführung  und  den  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses.  Des  Weiteren  ersuchte  der  Rechtsvertreter  um  ergänzende  Akteneinsicht  in  die  vom  Beschwerdeführer  anlässlich  der  Befragung  vom 18. September  2008 und der Anhörung  vom 13. August 

E­6137/2009 2009  eingereichten  Beweismittel  und  die  Möglichkeit,  anschliessend  Stellung nehmen zu können.  In der Beilage  fanden sich die auf  der Website der NZZ  (Neue Zürcher  Zeitung)  abgerufenen  Berichte  ("Journalist  in  Sri  Lanka  zu  20  Jahren  Gefängnis verurteilt" vom 3. September 2009, "Aus Falken werden in Sri  Lanka keine Friedenstauben" vom 22. Mai 2009 und "Von Solferino nach  Sri Lanka" vom 23. Mai 2009).  E.  Mit Zwischenverfügung vom 2. Oktober 2009 teilte der Instruktionsrichter  dem  Beschwerdeführer  mit,  er  dürfe  den  Ausgang  des  Rechtsmittelverfahrens  in  der Schweiz  abwarten,  hiess  das Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  unter  dem  Vorbehalt  der  Nachreichung  einer  Fürsorgebestätigung  gut  und  verzichtete  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses.  Gleichzeitig  hiess  er  das  Gesuch  um ergänzende Akteneinsicht gut und stellte dem Beschwerdeführer die  einverlangten  Dokumente  mit  der  Möglichkeit  zur  Stellungnahme  innert  angesetzter Frist in Kopie zu. F.  Am  19. Oktober  2009  reichte  der  Beschwerdeführer  fristgerecht  seine  Stellungnahme  zu  den  vom  Gericht  zugestellten  Dokumenten  ein  und  stellte das Nachreichen einer Fürsorgebestätigung in Aussicht. G.  Am  23. Oktober  2009  reichte  der  Beschwerdeführer  dem  Gericht  per  Telefax eine Fürsorgebestätigung der ORS Service AG gleichen Datums  ein. H.  Mit  Schreiben  vom  3. November  2009  gelangte  der  dem  Kanton  E._______ zugewiesene Beschwerdeführer an den Migrationsdienst des  Kantons  F._______  und  ersuchte  um  Gutheissung  eines  Kantonswechsels,  da  er  vor  einem  Monat  G._______  geheiratet  habe,  welche im Kanton F._______ wohne. In der Beilage fand sich eine Kopie  des Familienbüchleins, welches die Hochzeit  der Genannten am  (…)  in  H._______ (Kanton F._______) ausweist. Mit Schreiben vom 9. November 2009 überwies der Migrationsdienst des  Kantons F._______ das Kantonswechselgesuch zuständigkeitshalber an 

E­6137/2009 das BFM und wies  darauf  hin,  dass  von  seiner Seite  nichts  gegen  den  Wechsel einzuwenden sei. In  der  Folge  teilte  das BFM  dem Beschwerdeführer mit  Schreiben  vom  10. Dezember  2009  mit,  er  habe  aufgrund  seiner  Heirat  mit  einer  Jahresaufenthalterin gestützt auf Art. 43 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom  16. Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  (AuG,  SR 142.20)  grundsätzlich  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  Aufenthaltsbewilligung,  und  ein  Kantonswechsel  könne  daher  nicht  verfügt werden. I.  Mit  Verfügung  vom  8. Januar  2010  ersuchte  der  Instruktionsrichter  den  Beschwerdeführer  um  Mitteilung,  ob  er  eine  Aufenthaltsbewilligung  erhalten  oder  ein Gesuch  um Erteilung  einer  solchen  eingereicht  habe.  Gleichzeitig  wurde  er  darum  ersucht,  dem  Gericht  innert  gleicher  Frist  mitzuteilen,  ob  er  an  seiner  Beschwerde  festhalten  wolle  oder  diese  zurückzuziehen gedenke. J.  Mit  Schreiben  vom  14. Januar  2010  gelangte  der  Migrationsdienst  des  Kantons F._______ an das BFM und hielt bezüglich dessen Schreibens  vom  10. Dezember  2009  fest,  die  Ehefrau  des  Beschwerdeführers  sei  lediglich im Besitze einer im Rahmen des Familiennachzuges des Vaters  erteilten  Aufenthaltsbewilligung  B,  womit  gemäss  Art. 14  Abs. 1  des  Asylgesetzes  vom 26. Juni  1998  (AsylG,  SR 142.31)  kein Anspruch  auf  Erteilung  einer  Aufenthaltsbewilligung  bestehe.  Das  Kantonswechselgesuch  werde  aus  Gründen  der  Zuständigkeit  deshalb  erneut an das BFM zur Beurteilung überwiesen. K.  Am  25. Januar  2010  ersuchte  der  Rechtsvertreter  des  Beschwerdeführers  den  Instruktionsrichter  Bezug  nehmend  auf  die  Verfügung vom 8. Januar 2010 um Fristerstreckung, welcher die Frist  in  teilweiser  Gutheissung  des  Gesuchs  bis  zum  11. Februar  2010  verlängerte. L.  Mit Schreiben vom 28. Januar 2010 setzte das BFM den Migrationsdienst  des  Kantons  F._______  darüber  in  Kenntnis,  der  Beschwerdeführer 

E­6137/2009 werde aufgrund  seiner Heirat mit  der  im Kanton F._______ wohnhaften  Kasmini Vasanth diesem Kanton zugeteilt. M.  Mit  Eingabe  vom  11. Februar  2010  teilte  der  Rechtsvertreter  des  Beschwerdeführers  dem  Gericht  mit,  der  Prozess  der  Erteilung  einer  Aufenthaltsbewilligung sei noch im Gange, und offenbar sei erst jetzt die  Zuständigkeit des neuen Wohnsitzkantons F._______ begründet worden.  Es sei in nächster Zeit mit dem Abschluss dieses Verfahrens zu rechnen,  und er werde das Gericht hierüber  in Kenntnis  setzen beziehungsweise  ihm  dann  einen  allfälligen  Rückzug  der  Beschwerde  voraussichtlich  mitteilen können. N.  Mit Schreiben vom 7. Juni 2011 klärte der Migrationsdienst des Kantons  F._______  den  Beschwerdeführer  und  seine  Ehefrau  in  Bezug  auf  das  von  ihnen  gestellte Gesuch  um Familiennachzug  vom  (…)  darüber  auf,  dass auf dieses in einem formellen Verfahren gestützt auf Art. 14 Abs. 1  AsylG  nicht  eingetreten  werden  könne,  da  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers noch nicht rechtskräftig entschieden sei und gemäss  Art. 44  AuG  kein  Anspruch  auf  Erteilung  einer  Aufenthaltsbewilligung  bestehe.  Es  stehe  ihnen  aber  frei,  bis  zum  8. Juli  2011  eine  beschwerdefähige Verfügung zu verlangen. O.  Am 25. August 2011 wandte sich der Beschwerdeführer an das Gericht,  schilderte  seine  schwierige  arbeitsrechtliche  Situation  und  ersuchte  sinngemäss um beschleunigte Behandlung seines Asylverfahrens. P.  Mit  Verfügung  vom  27. September  2011  erwog  der  Instruktionsrichter,  das BFM habe  bisher  keine Gelegenheit  erhalten,  zur Beschwerde  und  zum  Umstand  der  Heirat  des  Beschwerdeführers  mit  einer  Jahresaufenthalterin  Stellung  zu  nehmen.  Er  lud  das  Bundesamt  ein,  innert angesetzter Frist eine Vernehmlassung einzureichen.  Q.  In  seiner  Vernehmlassung  vom  6. Oktober  2011  führte  die  Vorinstanz  aus,  der  Beschwerdeführer  habe  angegeben,  vom  (…)  bis  (…)  in  Colombo gelebt zu haben. Gemäss dem durch das Strassenverkehrsamt  des Kantons E._______ eingezogenen sri­lankischen Führerausweis, der 

E­6137/2009 seit  dem  5. Januar  2010  den  Akten  des  BFM  beiliege,  habe  der  Beschwerdeführer aber an einer Adresse in Colombo gelebt. Abgesehen  davon, dass nicht davon auszugehen sei, der Beschwerdeführer hätte in  Colombo  den  Führerschein  gemacht  und  sich  dort  angemeldet,  falls  er  tatsächlich  nur  eine Woche  dort  gewesen  wäre,  sei  der  Führerausweis  am  (…)  ausgestellt  worden,  also  zu  einem  Zeitpunkt,  als  er  gemäss  eigenen  Angaben  noch  in  D._______  gelebt  haben  wolle.  Die  Geschehnisse,  welche  zur  Flucht  geführt  hätten,  sollen  im  (…)  vorgefallen sein. Gemäss den Angaben auf dem Führerausweis habe der  Beschwerdeführer zu diesem Zeitpunkt aber bereits in Colombo gelebt. Was  die  Heirat  des  Beschwerdeführers  mit  einer  sri­lankischen  Staatsangehörigen  mit  Schweizer  Aufenthaltsbewilligung  B  nach  dem  erstinstanzlichen negativen Entscheid betreffe, so setze die Berufung auf  die Bestimmung von Art. 8 der Konvention vom 4. November 1950 zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  gemäss  Rechtsprechung  des  Bundesgerichts  voraus,  dass  ein  Familienmitglied in der Schweiz ein gefestigtes Anwesenheitsrecht habe,  also  entweder  die  schweizerische  Staatsangehörigkeit,  die  Niederlassungsbewilligung  oder  eine  Aufenthaltsbewilligung,  auf  deren  Verlängerung  ein  Anspruch  bestehe,  besitze.  Diese Bedingungen  seien  vorliegend nicht erfüllt, da die Ehefrau des Beschwerdeführers über kein  gefestigtes  Anwesenheitsrecht  in  der  Schweiz  im  Sinne  der  bundesgerichtlichen  Rechtsprechung  verfüge.  Die  Heirat  des  Beschwerdeführers  mit  einer  Jahresaufenthalterin  rechtfertige  daher  keine Anpassung ihres Entscheides.  R.  Mit vorab per Telefax zugestelltem Schreiben vom 11. Oktober 2011 teilte  der  bisherige  Rechtsvertreter  dem  Gericht  mit,  der  Beschwerdeführer  wünsche  keine  weitere  Vertretung  durch  ihn,  und  legte  damit  (sinngemäss) das Mandat nieder. S.  Mit  Verfügung  vom  18. Oktober  2011  bot  der  Instruktionsrichter  dem  Beschwerdeführer  die  Gelegenheit,  bis  zum  2. November  2011  im  Rahmen einer Replik zur Vernehmlassung des BFM Stellung zu nehmen. T.  Mit Eingabe vom 1. November 2011 teilte der neue Rechtsvertreter dem  Gericht  die  Mandatsübernahme mit  und  setzte  es  darüber  in  Kenntnis, 

E­6137/2009 der Beschwerdeführer  sei  seit  (…)  finanziell  selbständig. Seine Ehefrau  arbeite  mit  einem  Pensum  von  (…)  als  (…)  bei  der  I._______.  In  der  Beilage fanden sich der gemeinsame Mietvertrag, die Mutationsmeldung  betreffend  die  Sozialhilfe  des  Beschwerdeführers  sowie  der  Arbeitsvertrag und eine Lohnabrechnung der Ehefrau. Zur  Auffassung  des  BFM, wonach  sich  der  Beschwerdeführer  nicht  auf  Art. 8  der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) berufen könne,  da  seine Ehefrau  über  kein  gefestigtes  Aufenthaltsrecht  in  der  Schweiz  verfüge,  hielt  er  fest,  diese  sei  falsch,  da  der  EGMR  (Europäische  Gerichtshof für Menschenrechte) die bundesgerichtliche Rechtsprechung  zum gefestigten Aufenthaltsrecht nie übernommen habe. Dieser habe mit  Urteil  vom  29. Juli  2010  in  der  Angelegenheit  Agraw  c.  Suisse  (App.  3295/06)  entschieden,  dass  sich  auch  abgewiesene  Asylbewerber  auf  Art. 8  EMRK  berufen  könnten.  Das  angeblich  fehlende  gefestigte  Aufenthaltsrecht der Ehefrau des Beschwerdeführers führe deshalb nicht  zur Nichtanwendbarkeit der Konvention. G._______ sei im Rahmen eines  Familiennachzuges in die Schweiz gekommen. Ihre (…) und (…) wohnten  in  der  Schweiz.  Sie  sei  beruflich  und  sozial  vollkommen  integriert.  Die  Ausreise  nach  Sri  Lanka  sei  ihr  nicht  zumutbar.  Werde  ihr  Ehemann  ausgewiesen,  verletze  dies  den  konventionsrechtlich  geschützten  Anspruch auf Familienleben (Art. 8 EMRK). Praxisgemäss habe nicht das  Bundesverwaltungsgericht,  sondern  der  Kanton  im  Rahmen  eines  Nachzugsgesuches  über  den  Anspruch  auf  Familienleben  zu  entscheiden.  Gemäss  beigelegtem  Schreiben  vom  7. Juni  2011  stelle  sich  aber  das  Migrationsamt  F._______  auf  den  Standpunkt,  in  Anwendung  von  Art. 14  Abs. 1  AsylG  kein  Nachzugsverfahren  durchführen  zu  können.  Somit  werde  hier  eine  Wegweisung  ausgesprochen,  ohne  dass  eine  Behörde  den  Anspruch  seines  Mandanten auf Familienleben geprüft und die verlangte Güterabwägung  nach  Art. 8  Abs. 2  EMRK  durchgeführt  habe.  Das  Bundesverwaltungsgericht müsse bei dieser Sachlage gestützt auf Art. 44  Abs. 1 AsylG (Grundsatz der Einheit der Familie) und Art. 83 Abs. 1 AuG  (Unzulässigkeit der Wegweisung infolge Verstosses gegen Art. 8 EMRK)  den Beschwerdeführer  in der Schweiz vorläufig aufnehmen. Eventualiter  sei  lediglich  die  verfügte  Wegweisung  aufzuheben  und  der  Fall  dem  Kanton  F._______  zur  Durchführung  des  Nachzugsverfahrens  zu  überweisen.

E­6137/2009 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM  gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  AsylG;  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Be­ schwerdeführer  hat  am Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen,  ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48  Abs. 1 und Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  3.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt 

E­6137/2009 sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7  AsylG). 4.  4.1.  Die  Vorinstanz  führte  zur  Begründung  ihres  ablehnenden  Entscheides  aus,  gemäss  dem Subsidiaritätsprinzip  seien Personen mit  einer  innerstaatlichen  Fluchtalternative  nicht  auf  den  Schutz  eines  Drittstaates  angewiesen.  Der  Beschwerdeführer  mache  lediglich  Nachteile  geltend,  welche  sich  aus  lokal  oder  regional  beschränkten  Verfolgungsmassnahmen  ableiteten.  Da  er  sich  diesen  durch  einen  Wegzug  in einen anderen Teil  des Heimatlandes, beispielsweise  in den  Süden des Landes nach Colombo, entziehen könne, sei er nicht auf den  Schutz  der  Schweiz  angewiesen.  An  diesen  Erwägungen  würden  auch  die eingereichten Dokumente nichts zu ändern vermögen. Die Vorbringen  des  Beschwerdeführers  würden  damit  den  Anforderungen  an  die  Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht standhalten, weshalb es  sich  erübrige,  auf  allfällige  Ungereimtheiten  in  den  Vorbringen  einzugehen. Ein  Wegweisungsvollzug  in  den  Norden  Sri  Lankas  sei  dem  Beschwerdeführer  zur Zeit  zwar  nicht  zumutbar,  aber  er  könne gestützt  auf die mit seiner Staatsangehörigkeit verbundene Niederlassungsfreiheit  in  einem  anderen  Teil  seines  Heimatlandes  –  beispielsweise  im  Grossraum Colombo – Wohnsitz nehmen.  Insgesamt bestehe  im Süden  und Westen des Landes keine Situation allgemeiner Gewalt im Sinne von  Art. 83 Abs. 4 AuG, weshalb  der  Vollzug  der Wegweisung  unter  diesen  Umständen  nicht  generell  als  unzumutbar  zu  bezeichnen  sei.  Im  vorliegenden Fall würden zudem individuelle Gründe für die Zumutbarkeit  einer Wohnsitznahme  in  Colombo  sprechen.  Der  Beschwerdeführer  sei 

E­6137/2009 jung und soweit aktenkundig gesund, verfüge über eine ausgezeichnete  Schulbildung und habe darüber hinaus auch Erfahrung  im Erwerbsleben  ([…]). Zudem verfüge er mit  seinem  (…), der bereits  seit  (…) Jahren  in  Colombo  lebe  und  arbeite,  über  ein  ausreichend  tragfähiges  soziales  Beziehungsnetz.  Der  Wegweisungsvollzug  sei  damit  zumutbar  und  zudem zulässig und möglich. 4.2. In der Beschwerde hält der Beschwerdeführer der Argumentation der  Vorinstanz  entgegen,  diese  behaupte  nicht,  die  LTTE  hätten  heute  überhaupt  keine  Macht  mehr,  um  auf  den  als  Verräter  geltenden  Beschwerdeführer  zuzugreifen.  Die  jüngsten  Ereignisse  könnten  mit  einem  momentanen  Sieg  der  Regierung  über  die  LTTE  beschrieben  werden.  Die  Befreiungstiger  seien  in  den  Untergrund  gedrängt  worden,  würden aber mit Sicherheit nicht aufgeben, sondern sich auf Guerillataktik  und terroristische Methoden besinnen, die sie schon in der Vergangenheit  erfolgreich angewandt hätten. Dies habe zur Folge, dass die Regierung  heute mit resoluter Wachsamkeit ein Wiederaufflammen des Kampfes der  LTTE  und  ähnlicher  Organisationen  präventiv  bekämpfe.  Zwar  sei  der  Beschwerdeführer  bisher  der  Armee  beziehungsweise  den  Behörden  gegenüber  nicht  negativ,  sondern  vielmehr  als  Opfer  der  LTTE  aufgefallen. Allerdings  habe er  das Land  verlassen,  als  der Bürgerkrieg  getobt  habe,  und  er  habe  sich  als  Tamile  längere  Zeit  in  der  Schweiz  aufgehalten.  Dies  werde  bei  einer  Rückführung  offensichtlich  werden.  Dass die LTTE in der Schweiz über eine starke Basis verfügten, sei kein  Geheimnis.  Ein  namhafter  Teil  der  finanziellen Mittel  der  LTTE  sei  aus  der  Schweiz  nach  Sri  Lanka  geflossen.  Da  nun  die  Regierung  ihre  Überwachung  intensiviert  habe,  sei  bei  einer  Rückkehr  nach  Sri  Lanka  mit  sehr  genauer  Kontrolle  einreisender  Tamilen  zu  rechnen.  Dabei  dürften die Einreisenden einem Verhör unterzogen werden, um Näheres  über  die  Organisation  der  Tamilen  in  der  Schweiz  in  Erfahrung  zu  bringen. Dass dabei die Menschenrechte  verletzt würden,  sei  notorisch,  das Risiko für Folter sei enorm gross. Dass Informationen über Übergriffe  der Armee auf Zivilisten  vor  allem auch  von der Schweiz aus  verbreitet  würden,  erhöhe  das  Risiko  für  tamilische  Rückkehrer  zusätzlich.  Junge  Tamilen seien einem generellen Folterrisiko ausgesetzt, wenn sie heute  nach längerem Aufenthalt in der Schweiz zwangsweise zurückgeführt und  den sri­lankischen Behörden überstellt würden. 4.3. 

E­6137/2009 4.3.1.  Im  Zusammenhang  mit  der  vom  Beschwerdeführer  geltend  gemachten Gefährdung durch die LTTE gilt es – zunächst ungeachtet der  Frage  der  Glaubhaftigkeit  dieser  Vorbringen  –  im  heutigen,  entscheidwesentlichen  Zeitpunkt  Folgendes  festzuhalten:  Die  aktuelle  Situation  in Sri Lanka hat sich seit der Ausreise des Beschwerdeführers  entscheidend verändert. Der Krieg zwischen der sri­lankischen Regierung  und  den  LTTE  ist  im  Mai  2009  mit  der  Niederlage  der  LTTE  zu  Ende  gegangen.  Es  ist  somit  davon  auszugehen,  dass  im  heutigen  Zeitpunkt  von diesen keine Verfolgungshandlungen mehr ausgehen und die LTTE  respektive  deren  Führungsverantwortliche  nicht  mehr  als  Verfolger  in  Erscheinung  treten  können.  Eine  beachtliche  Wahrscheinlichkeit,  dass  der Beschwerdeführer im aktuellen Zeitpunkt oder in absehbarer Zukunft  seitens  der  LTTE  ernsthafte  Nachteile  im  Sinn  von  Art.  3  AsylG  zu  befürchten  hätte,  besteht  demnach  nicht  (siehe  zum  Ganzen  das  zur  Publikation  vorgesehene  Urteil  BVGE  E­6220/2006  vom  27. Oktober  2011). 4.3.2. Hinzu  kommt,  dass  erhebliche Zweifel  an  der Glaubhaftigkeit  der  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  in  Bezug  auf  das  fluchtauslösende  Ereignis  vom  (…)  bestehen.  So  konnte  er  weder  auf  nachvollziehbare  Weise  schildern,  wie  er  sich  aus  der  wohl  ausweglosen  Situation,  mit  einem geladenen Gewehr an der Schläfe  kniend, gegen zwei Personen  durchsetzen und fliehen konnte (Akten BFM A 17/18 F51 und F96), noch  vermochte  er  diese  beiden  auch  nur  annähernd  detailliert  beschreiben  (A 17/18  F  84­86).  Des  Weiteren  schilderte  er  den  Ablauf  gar  widersprüchlich,  indem  er  einerseits  aussagte,  sie  (die  beiden  Motorradfahrer)  hätten  ihn  in  den  (…)  gezerrt,  anderseits  aber  auf  die  Frage,  wie  er  denn  der  zweiten  Person  habe  entkommen  können,  antwortete,  diese habe mit  dem Motorrad auf  der Strasse gewartet  und  nur  eine Person  habe  ihn  zum  (…)  gebracht  (A  2/8 S. 4,  A  17/18  F51,  F96  und  F98).  Für  die  sich  im  Zusammenhang  mit  dem  vom  Strassenverkehrsamt  des  Kantons  E._______  eingezogenen  sri­ lankischen  Führerausweis  ergebenden  örtlichen  und  zeitlichen  Ungereimtheiten kann auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz in  der Vernehmlassung vom 6. Oktober 2011 verwiesen werden. 4.3.3. Nach dem Gesagten kann zusammenfassend  festgestellt werden,  dass der Beschwerdeführer sein Asylgesuch mit der Verfolgung durch die  LTTE  begründete,  von  diesen  im  heutigen  Zeitpunkt  jedoch  aufgrund  ihrer Zerschlagung  keine Verfolgungshandlungen mehr ausgehen. Auch  wenn die vorgebrachte und mittels Dokumenten belegte Tötung des (…) 

E­6137/2009 des  Beschwerdeführers  durch  die  LTTE  vom  Gericht  nicht  in  Zweifel  gezogen  wird,  so  lässt  sich  daraus  für  den  Beschwerdeführer  bereits  aufgrund der zwischenzeitlich veränderten Situation im Heimatland keine  zukünftige  asylrelevante  Verfolgung  ableiten.  Was  die  weiteren  Vorbringen  des  Beschwerdeführers,  insbesondere  diejenigen  zum  fluchtauslösenden Ereignis vom (…), betrifft, so ist festzuhalten, dass sie  – wie unter Erwägung 4.3.2. vorstehend ausgeführt – den Anforderungen  an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG zudem nicht standhalten. 4.3.4.  In  der  Beschwerde  wird  des  Weiteren  geltend  gemacht,  der  Beschwerdeführer  habe  bei  einer  Rückkehr  begründete  Furcht  vor  zukünftiger  Verfolgung  durch  die  sri­lankischen Behörden, weil  er  seine  Heimat während des Bürgerkrieges verlassen habe und sich als Tamile  nun über längere Zeit in der Schweiz, wo die LTTE über eine starke Basis  verfügten, aufgehalten habe. Im  Urteil  BVGE  E­6220/2006  vom  27. Oktober  2011  wird  in  Bezug  auf  diese  Fragestellung  unter  Erwägung  8.4.  ausgeführt,  nach  Ansicht  des  Gerichts  könne nicht  generell  angenommen werden,  dass abgewiesene  tamilische  Asylsuchende  aus  der  Schweiz  bei  der  Rückkehr  nach  Sri  Lanka  alleine  aus  diesem  Grunde  in  einen  behördlichen  Verdacht  gerieten,  während  ihres  dortigen  Aufenthaltes  Kontakte  mit  führenden  LTTE­Kadern  unterhalten  zu  haben.  Dies  schliesse  indessen  nicht  aus,  dass  abgewiesenen  tamilischen  Asylsuchenden  im  Einzelfall  nahe  Kontakte zu LTTE­Kadern unterstellt werden könnten, was eine konkrete  Gefährdung  bedeuten  könne.  Die  Einschätzung  einer  diesbezüglich  gearteten  Gefahr  könne  nicht  generell  vorgenommen  werden,  sondern  hänge  von  den  individuellen  Gegebenheiten  ab;  dieser  Aspekt  müsse  somit  fallweise  geprüft werden.  Je  näher  die  betreffende Person  in  das  Umfeld einer Risikogruppe gerate, desto höher müsse die entsprechende  Gefahr  eingeschätzt  werden,  seitens  der  sri­lankischen  Behörden  der  Entfaltung  missliebiger  politischer  Kontakte  respektive  Tätigkeiten  bezichtigt  und  in  der  Folge  in  asylbeachtlichem  Ausmass  verfolgt  zu  werden. Aufgrund der Vorgeschichte des Beschwerdeführers – geltend gemachte  Verfolgung  durch  die  LTTE  und  Tötung  des  (…)  durch  dieselben –  bestehen  im  vorliegenden  Fall  keine  Anhaltspunkte  dafür,  die  sri­ lankischen  Behörden  könnten  ihn  bei  einer  Rückkehr  missliebiger  politischer  Kontakte  respektive  Tätigkeiten  bezichtigen,  weshalb  auch 

E­6137/2009 diesbezüglich  keine  begründete  Furcht  vor  zukünftiger  Verfolgung  im  Heimatsstaat auszumachen ist. 4.3.5.  Damit  hat  das  BFM  das  Asylgesuch  im  Ergebnis  zu  Recht  abgewiesen.  5.  5.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit  der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 5.2.  Der  Beschwerdeführer  beruft  sich  auf  den  Anspruch  auf  Familieneinheit  und  macht  dabei  geltend,  seit  dem  (…)  mit  einer  srilankischen  Staatsangehörigen,  welche  in  der  Schweiz  über  eine  Aufenthaltsbewilligung B verfüge, verheiratet zu sein. 5.3. Gemäss Art. 44 Abs. 1 AsylG hat das BFM bei der Anordnung des  Vollzugs  der  Wegweisung  den  Grundsatz  der  Einheit  der  Familie  zu  beachten. Die Bestimmung von Art. 44 Abs. 1 AsylG geht, wie bereits in  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission (EMARK) 1995 Nr. 24 festgestellt wurde, über die  Tragweite  von  Art. 8  EMRK  hinaus  und  beinhaltet,  dass  die  vorläufige  Aufnahme des einen Familienmitglieds in der Regel auch zur vorläufigen  Aufnahme  dessen  Familie  führt  (hierzu  EMARK  1998  Nr. 31  E. 8c,  EMARK 1995 Nr. 24 E. 9, die sich hierfür freilich noch auf Art. 17 Abs. 1  AsylG in der Fassung gemäss Ziff. I des BB vom 22. Juni 1990 über das  Asylverfahren           [AS 1990 938], welcher  inhaltlich  indessen Art. 44  Abs. 1  AsylG  entspricht,  beziehen).  In  personeller  Hinsicht  umfasst  der  Begriff der Familie dabei den Ehepartner und die minderjährigen Kinder,  wobei  der  in  dauerhafter  eheähnlicher  Gemeinschaft  lebende  Partner  dem Ehepartner gleichzustellen ist (EMARK 1995 Nr. 24 E. 7). Bezüglich  des  geltend  gemachten  Anspruchs  auf  Einheit  der  Familie  ist  festzustellen,  dass  ein  solcher  auf  Art. 44  Abs. 1  2. Halbsatz  AsylG  basierender  Anspruch  besteht,  solange  das  Verfahren  des  Ehegatten  respektive  des  in  eheähnlicher  Gemeinschaft  lebenden  Partners  nicht  abgeschlossen  ist  beziehungsweise  dieser  über  ein  mit  dem  Asylverfahren  im  Zusammenhang  stehendes  Anwesenheitsrecht  verfügt 

E­6137/2009 (EMARK 1995 Nr. 24 E. 11b, EMARK 1998   Nr. 31, EMARK 1999 Nr. 1,  EMARK 2002 Nr. 7). Aktuell  verfügt  die  Ehegattin  des  Beschwerdeführers  über  eine  B­ Bewilligung  und  nicht  über  ein  aus  dem  Asylrecht  abgeleitetes  Anwesenheitsrecht,  weshalb  sich  der  Beschwerdeführer  nicht  auf  den  Grundsatz der Einheit der Familie gemäss Art. 44 Abs. 1 AsylG berufen  kann.  5.4.  Stellt  sich  die  Frage,  ob  eine  asylsuchende  Person  während  hängigem Asylverfahren ein fremdenpolizeiliches Verfahren um Erteilung  einer Aufenthaltsbewilligung einleiten darf, so ist zunächst vorfrageweise  zu  prüfen,  ob  sich  die  betroffene  Person  grundsätzlich  auf  einen  Anspruch im Sinne von Art. 14 Abs. 1 AsylG berufen kann. Dabei ist die  ausländerrechtliche  Gesetzgebung  und  die  bundesgerichtliche  Rechtsprechung  zu  Art.  8  EMRK  massgeblich.  Ist  ein  grundsätzlicher  Anspruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung zu bejahen,  fällt  die  konkrete Beurteilung des geltend gemachten Anspruchs und damit auch  der  Entscheid  über  die  Wegweisung  in  die  Zuständigkeit  der  fremdenpolizeilichen Behörden. 5.5.  Den  Akten  ist  zu  entnehmen,  dass  die  Ehefrau  des  Beschwerdeführers  am  (…)  beim  Migrationsdienst  des  Kantons  F._______  ein  Gesuch  um  Familiennachzug  betreffend  ihren  Ehemann  eingereicht  hat.  Dieses  wurde  mit  Schreiben  vom  (…)  dahingehend  beantwortet,  als  ein  Verfahren  um  Erteilung  einer  ausländerrechtlichen  Aufenthaltsbewilligung  gestützt  auf  Art. 14  Abs. 1  AsylG  nur  eingeleitet  werden könne, wenn ein Anspruch auf Erteilung einer  solchen bestehe.  Gemäss Art. 44 AuG könne ausländischen Ehegatten von Personen mit  Aufenthaltsbewilligung  eine  Aufenthaltsbewilligung  erteilt  werden,  wenn  sie  mit  diesen  zusammenwohnten,  eine  bedarfsgerechte  Wohnung  vorhanden  sei  und  sie  nicht  auf  Sozialhilfe  angewiesen  seien.  Ein  Anspruch auf deren Erteilung bestehe aber nicht. Auf das Gesuch müsste  daher  in  einem  formellen  Verfahren  nicht  eingetreten  werden.  Aus  prozessökonomischen  Gründen  werde  auf  den  Erlass  einer  beschwerdefähigen  Verfügung  verzichtet,  jedoch  stehe  es  den  Gesuchstellern frei, eine solche zu verlangen. Anhaltspunkte  dafür,  dass  der  Beschwerdeführer  in  dieser  Sache  ein  Rechtsmittel  ergriffen  hat,  bestehen  aufgrund  der  aktuellen  Aktenlage  keine.

E­6137/2009 5.6.  Auch  wenn  das  Schreiben  des  Migrationsdienstes  des  Kantons  F._______  nicht  als  Verfügung  zu  qualifizieren  ist,  wird  darin  doch  klar  zum Ausdruck gebracht, dass nach seiner Auffassung kein Anspruch auf  Erteilung  einer  Aufenthaltsbewilligung  bestehe  und  einer  materiellen  Behandlung  des  Gesuches  daher  Art. 14  Abs. 1  AsylG  entgegenstehe.  Da sich das Migrationsamt als zuständige Behörde  im Bereich Erteilung  einer  Aufenthaltsbewilligung  bereits  mit  der  Sache  befasst  und  einen  entsprechenden  grundsätzlichen  Anspruch  definitiv  verneint  hat,  bleibt  vorliegend  kein  Raum  für  das  Bundesverwaltungsgericht,  diese  Frage  vorfrageweise zu prüfen. 5.7. Da sich die ursprüngliche asylrechtliche Anordnung der Wegweisung  durch  das  BFM mit  derjenigen  der  fremdenpolizeilichen  Behörden  vom  Ergebnis her deckt, besteht bei dieser Konstellation auch kein Grund, die  asylrechtlich  angeordnete  Wegweisung  aufzuheben  (zum  Ganzen  EMARK 2001 Nr. 21).  5.8.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  Anordnung  der  (asylrechtlichen) Wegweisung zu bestätigen ist. Dem  Beschwerdeführer  bleibt  es  indes  unbenommen,  sich  nach  Abschluss  des  Asylverfahrens  bei  der  zuständigen  kantonalen  Behörde  erneut um die Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung zu bemühen.  6.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht  möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG). Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt  gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  der  vormaligen  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte  Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl.  WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.],  Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148). 6.1.  6.1.1.  Der  Vollzug  ist  nicht  zulässig,  wenn  völkerrechtliche  Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des 

E­6137/2009 Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  Art. 3  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter  oder  unmenschlicher  oder  erniedrigender  Strafe  oder  Behandlung  unterworfen werden.  6.1.2. Die  Vorinstanz  wies  in  ihrer  angefochtenen  Verfügung  zutreffend  darauf hin, dass das Prinzip des  flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulement  nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der  in Art. 5  AsylG  verankerte  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  im  vorliegenden  Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdefüh­ rers  nach  Sri  Lanka  ist  demnach  unter  dem  Aspekt  von  Art. 5  AsylG  rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers  noch  aus  den  Akten  Anhaltspunkte  dafür,  dass  er  für  den  Fall  einer  Ausschaffung  nach  Sri  Lanka  dort  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  einer  nach  Art. 3  EMRK  oder  Art. 1  FoK  verbotenen  Strafe  oder  Behandlung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des EGMR sowie jener des  UN­Anti­Folterausschusses müsste der Beschwerdeführer  eine konkrete  Gefahr ("real risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall  einer  Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche  Behandlung  drohen  würde  (vgl.  EGMR  [Grosse  Kammer],  Saadi  gegen  Italien,  Urteil  vom  28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 – 127, mit weiteren  Hinweisen).  Auch  die  allgemeine  Menschenrechtssituation  in  Sri  Lanka  lässt  den  Wegweisungsvollzug  zum  heutigen  Zeitpunkt  nicht  als  unzulässig erscheinen.

E­6137/2009 6.1.3. Da sich die im ausländerrechtlichen Verfahren zuständige Behörde  mit  dem  Gesuch  des  Beschwerdeführers  um  Erteilung  einer  Aufenthaltsbewilligung  befasst  und  dabei  das  Bestehen  eines  grundsätzlichen Anspruchs verneint hat, haben sich die Asylbehörden bei  der  Prüfung  der  Zulässigkeit  des  Wegweisungsvollzugs  nicht  mehr  mit  Art. 8 EMRK zu befassen (EMARK 2001 Nr. 21). 6.1.4. Nach  dem Gesagten  ist  der  Vollzug  der Wegweisung  sowohl  im  Sinne der asyl­ als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.  6.2. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und  Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat­ oder Herkunftsstaat auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art. 83  Abs. 7  AuG –  die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 6.2.1.  Im  zur  Publikation  vorgesehenen  Urteil  BVGE  E­6220/2006  vom  27. Oktober  2011  hat  das  Bundesverwaltungsgericht  angesichts  der  veränderten Lage nach dem Ende des sri­lankischen Bürgerkriegs im Mai  2009  kürzlich  eine  neue  Beurteilung  der  Situation  und  der  entsprechenden  Zumutbarkeitskriterien  vorgenommen.  Dabei  ist  es  im  Wesentlichen  zu  folgender  Einschätzung  gelangt  (a.a.O.,  E. 13.2.1):  Im  Distrikt  D._______  hat  sich  die  Lage  in  den  vergangenen  zwei  Jahren  deutlich  gebessert,  und  die  Versorgungslage  ist  entspannt.  Die  Polizei­  und  Zivilbehörden  haben  ihre  Funktionen  und  Tätigkeiten  wieder  aufgenommen  beziehungsweise  von  den  Militärbehörden  übernommen.  Es herrscht in diesem Distrikt keine Situation allgemeiner Gewalt, und die  politische  Lage  ist  nicht  dermassen  angespannt,  dass  eine  Rückkehr  dorthin  als  generell  unzumutbar  eingestuft  werden  müsste.  Angesichts  der  im  humanitären  und  wirtschaftlichen  Bereich  nach  wie  vor  fragilen  Lage  ist  aber  im  Hinblick  auf  den  Vollzug  der  Wegweisung  in  dieses  Gebiet  eine  sorgfältige,  zurückhaltende  Beurteilung  der  individuellen  Zumutbarkeitskriterien  vorzunehmen.  Dabei  ist  neben  allgemeinen  Faktoren  (wie  sozioöko­nomischen  und  medizinischen  Aspekten,  dem  Kindeswohl usw.) auch dem zeitlichen Element gebührend Rechnung zu  tragen.  Für  Personen,  die  aus  der  Nordprovinz  stammen  und  dieses  Gebiet erst nach Beendigung des Bürgerkrieges  im Mai 2009 verlassen  haben,  ist  der  Wegweisungsvollzug  zurück  in  dieses  Gebiet  als  grundsätzlich zumutbar zu beurteilen, wenn davon ausgegangen werden  kann,  dass  die  betreffende  Person  auf  die  gleiche  oder  gleichwertige 

E­6137/2009 Lebens­  und  Wohnsituation  zurückgreifen  kann,  die  im  Zeitpunkt  der  Ausreise  bestand,  und  dem  Wegweisungsvollzug  dorthin  zurück  auch  anderweitig  nichts  entgegensteht.  Liegt  der  letzte  Aufenthalt  der  betreffenden Person in der Nordprovinz indessen längere Zeit zurück (vor  Beendigung  des  Bürgerkriegs  im  Mai  2009)  oder  gehen  konkrete  Umstände  aus  den  Verfahrensakten  hervor,  dass  sich  die  Lebensumstände  seit  der  Ausreise  massgeblich  verändert  haben  könnten,  sind  die  aktuell  vorliegenden  Lebens­  und  Wohnverhältnisse  sorgfältig  abzuklären.  In  diesem  Zusammenhang  erscheinen  für  das  Bundesverwaltungsgericht  namentlich  die  Existenz  eines  tragfähigen  Beziehungsnetzes  und  die  konkreten  Möglichkeiten  der  Sicherung  des  Existenzminimums  und  der  Wohnsituation  als  massgebliche  Faktoren.  Falls solche begünstigenden Faktoren in der Nordprovinz nicht vorliegen,  ist  die  Zumutbarkeit  einer  innerstaatlichen  Aufenthaltsalternative  im  übrigen  Staatsgebiet,  namentlich  im  Grossraum  Colombo,  zu  prüfen  (diesbezüglich BVGE E­6220/2006 E. 13.3., worin festgehalten wird, dass  für  aus  diesem  Gebiet  stammende  Personen  ein  Wegweisungsvollzug  zurzeit  als  grundsätzlich  zumutbar  erachtet  wird).  Hierfür  wird  im  Sri  Lanka­Kontext  das  Vorliegen  besonders  begünstigender  Faktoren,  insbesondere  die  Existenz  eines  tragfähigen  familiären  oder  sozialen  Beziehungsnetzes  sowie  die  Aussichten  auf  eine  gesicherte  Einkommens­ und Wohnsituation vorausgesetzt (vgl. a.a.O. E. 13.2.2.3).  6.2.2. Der Beschwerdeführer hat anlässlich der Befragungen angegeben  – abgesehen von einem Jahr in J._______ – von Geburt an bis zum (…)  in  D._______  gewohnt  zu  haben  und  im  Heimatstaat  noch  über  seine  Mutter, einen Bruder und eine Schwester zu verfügen. Vor der Ausreise  habe  er  sich  während  einer Woche  beim  (…)  in  Colombo  aufgehalten,  welcher seit etwa (…) bis (…) Jahren zusammen mit seiner Familie dort  wohne und ebenfalls einen (…) habe. 6.2.3. Wie bereits unter Erwägung 4.3.2. vorstehend darauf hingewiesen,  stehen diese zeitlichen und örtlichen Angaben jedoch im Widerspruch zu  den  Angaben  in  seinem  sri­lankischen  Führerausweis,  welcher  am  (…)  auf  eine  Adresse  in  Colombo  ausgestellt  wurde  und  an  welchem  die  Kantonspolizei  E._______  keine  objektiven  Fälschungsmerkmale  feststellen  konnte.  Es  muss  daher  davon  ausgegangen  werden,  der  Beschwerdeführer habe sich vor seiner Ausreise bereits  für  längere Zeit  in Colombo aufgehalten.

E­6137/2009 6.2.4. In Unkenntnis der tatsächlichen Lebensumstände vor der Ausreise  des  Beschwerdeführers  aus  seinem  Heimatstaat,  welche  nach  demvorstehend Gesagten auf eine Verletzung der Mitwirkungspflicht des  Beschwerdeführers  zurückzuführen  ist,  ist  zumindest  von  einer  innerstaatlichen Aufenthaltsalternative  in Colombo auszugehen, weshalb  die  Frage  der  Zumutbarkeit  einer  Rückkehr  nach  D._______  im  vorliegenden  Fall  offenbleiben  kann.  Der  Beschwerdeführer  wird  sich  zumindest  in der Anfangszeit wieder an seinen (…)  in Colombo wenden  können,  zumal  er  anlässlich  der  Anhörung  auch  auf  mehrfaches  Nachfragen  hin  nicht  nachvollziehbar  darlegen  konnte,  weshalb  er  dort  nicht  länger als eine Woche habe  leben können  (A17/18 F135­144).  Im  Übrigen  verfügt  er  in  seinem Heimatstaat mit  seiner Mutter  und  seinen  Geschwistern  auch  noch  über  nahe  Verwandte,  welche  ihn  bei  Bedarf  unterstützen können. 6.2.5.  Da  auch  keine  sonstigen  gegen  die  Zumutbarkeit  sprechenden  Gründe  vorliegen  –  der  Beschwerdeführer  ist  jung  und  (soweit  aktenkundig) gesund,   hat 14 Jahre die Schule besucht und verfügt über  mehrjährige Arbeitserfahrung – ist nicht zu befürchten, er könnte bei der  Rückkehr  in  seine  Heimat  in  eine  konkret  existenzbedrohende  Lage  geraten. 6.2.6.  Nach  dem  Gesagten  erweist  sich  der  Vollzug  der  Wegweisung  auch als zumutbar. 6.3.  Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der  zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr  notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (Art. 8  Abs. 4  AsylG  und  dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug der  Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 6.4. Zusammenfassend  hat  die  Vorinstanz  den Wegweisungsvollzug  zu  Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten  fällt  eine  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  ausser  Betracht  (Art. 83  Abs. 1 – 4 AuG). 7.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die  Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.

E­6137/2009 8.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  wären  die  Kosten  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  und  5  VwVG).  Da  sein  Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Rahmen der  Instruktion  jedoch  gutgeheissen  wurde,  sind  indessen  keine  Kosten  aufzuerlegen. (Dispositiv nächste Seite)

E­6137/2009 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  den  Migrationsdienst des Kantons F._______. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Bruno Huber Carmen Wittwer Versand:

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