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Bundesverwaltungsgericht 18.01.2012 E-6114/2011

18 gennaio 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,561 parole·~8 min·3

Riassunto

Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren des Bundes (Übriges) | Revision; Zwischenverfügung des Bundesverwaltungsgerichts vom 4. November 2011

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung V E­6114/2011 Urteil   v om   1 8 .   J a nua r   2012 Besetzung Richter Daniel Willisegger (Vorsitz),  Richter Walter Lang, Richterin Emilia Antonioni, Gerichtsschreiber Tobias Meyer.  Parteien A._______, geboren am (…), Sri Lanka,  vertreten durch Gabriel Püntener, Rechtsanwalt,  Gesuchsteller,  gegen Bundesverwaltungsgericht, Postfach, 3000 Bern 14.  Gegenstand Revision; Zwischenverfügung des  Bundesverwaltungsgerichts vom 4. November 2011 / N (…).

E­6114/2011 Sachverhalt: A.  Mit  Verfügung  vom  21.  Juli  2011  stellte  das  Bundesamt  für  Migration  (BFM)  fest,  dass A._______  die Flüchtlingseigenschaft  nicht  erfüllt,  und  lehnte  sein Asylgesuch  ab. Das BFM ordnete  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  den  Vollzug  der  Wegweisung  an.  Einer  allfälligen  Beschwerde gegen die Verfügung entzog es die aufschiebende Wirkung.  B.  B.a Mit  Verwaltungsbeschwerde  vom  29.  Juli  2011  und  einem Gesuch  um  Wiederherstellung  der  aufschiebenden  Wirkung  der  Beschwerde  gelangte  A._______  an  das  Bundesverwaltungsgericht  (Verfahren  E­ 4241/2011). B.b Mit  Zwischenverfügung  vom  29.  Juli  2001  wurde  der  Vollzug  der  Wegweisung  per  sofort  ausgesetzt,  bis  das  Bundesverwaltungsgericht  nach  Eingang  der  vorinstanzlichen  Akten  über  die  allfällige  Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde befindet.  B.c  Mit  unverlangter  Eingabe  vom  5.  August  2011  ersuchte  der  Beschwerdeführer  um Ansetzung  einer  Frist  zur  Stellungnahme  für  den  Fall,  dass  das  Gericht  vor  Ablauf  der  30­tägigen  Beschwerdefrist  über  das  Gesuch  um  Wiederherstellung  der  aufschiebenden  Wirkung  entscheidet.  B.d Mit unverlangter Eingabe vom 29. August 2011 vervollständigte der  Beschwerdeführer  seine  Verwaltungsbeschwerde  und  das  Gesuch  um  Wiederherstellung  der  aufschiebenden  Wirkung  und  stellte  das  zusätzliche Rechtsbegehren, es sei  ihm Akteneinsicht  in die Dokumente  betreffend  Botschaftsabklärung  zu  gewähren,  verbunden mit  einer  Frist  zur Ergänzung der Beschwerde. B.e Mit  Zwischenverfügung  vom  6.  Oktober  2011  wies  die  zuständige  Instruktionsrichterin  das  Gesuch  um  Wiederherstellung  der  aufschiebenden  Wirkung  der  Beschwerde  ab  und  hob  die  Zwischenverfügung  vom  29.  Juli  2011  betreffend  vorsorgliche  Vollzugsaussetzung auf (Dispositiv Ziff. 1). Dem Beschwerdeführer wurde  eröffnet,  dass  er  den  Ausgang  des  Verfahrens  im  Ausland  abzuwarten  hat  (Dispositiv  Ziff.  2).  Die  Zusammensetzung  des  Spruchgremiums  im  Beschwerdeverfahren  wurde  ihm  unter  Vorbehalt  nachträglicher 

E­6114/2011 Veränderungen mitgeteilt  (Dispositiv Ziff. 3). Das Gesuch um Ansetzung  einer  Frist  zur  Einreichung  einer  Kostennote  wurde  abgewiesen  (Dispositiv Ziff. 4). Dem Beschwerdeführer wurde das geltend gemachte  Recht  auf  Akteneinsicht  teilweise  gewährt,  indem  ihm  bestimmte  Dokumente  in  Kopie  zugestellt  wurden  unter  Ansetzung  einer  Frist  zur  diesbezüglichen  Beschwerdeergänzung  (Dispositiv  Ziff.  5  und  6).  Schliesslich  wurde  die  Leistung  eines  Kostenvorschusses  verlangt  (Dispositiv Ziff. 7).  B.f  Mit  Zahlungseingang  vom  21.  Oktober  2001  wurde  der  Kostenvorschuss geleistet. B.g  Mit  unverlangter  Eingabe  vom  21.  Oktober  2001  nahm  der  Beschwerdeführer Stellung zur Zwischenverfügung vom 6. Oktober 2011.  Er  ersuchte  die  Instruktionsrichterin,  die  besagte  Zwischenverfügung  in  Wiedererwägung  zu  ziehen,  sie  dem  gesamten  Spruchgremium  zu  unterbreiten  und  die  aufschiebende  Wirkung  der  Beschwerde  unverzüglich wiederherzustellen. B.h Mit Zwischenverfügung  vom 4. November  2011 wurde das Gesuch  um  Wiedererwägung  der  Zwischenverfügung  vom  6.  Oktober  2001  abgewiesen  (Dispositiv Ziff.  1) und angeordnet,  dass die aufschiebende  Wirkung der Beschwerde nicht wiederhergestellt wird (Dispositiv Ziff. 2). C.  C.a  Mit  Revisionsgesuch  vom  9.  November  2011  (vorliegendes  Verfahren)  gelangte  A._______  ans  Bundesverwaltungsgericht  mit  dem  Rechtsbegehren,  (1.)  dass  die  Zwischenverfügung  des  Bundesverwaltungsgericht vom 4. November 2011 in Revision zu ziehen  und  aufzuheben  sei;  (2.)  dass  die  im  Beschwerdeverfahren  zuständige  Instruktionsrichterin  anzuweisen  sei,  das  Wiedererwägungsgesuch  vom  21. Oktober  2011  betreffend  Wiederherstellung  der  aufschiebenden  Wirkung  dem  gesamten  Spruchkörper  zur  Beurteilung  vorzulegen;  (3.)  dass (a) dem Gesuchsteller im Sinne einer vorsorglichen Massnahme zu  gestatten sei, den Entscheid über das Revisionsverfahren in der Schweiz  abzuwarten,  (b)  der  Kanton  Zürich  anzuweisen  sei,  von  Vollzugshandlungen  abzusehen,  und  (c)  dem  unterzeichnenden  Rechtsanwalt  eine  Kopie  der  entsprechenden  Anordnung  per  Telefax  zuzustellen sei. 

E­6114/2011 C.b  In  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  verlangt  der  Gesuchsteller,  dass  offengelegt  und  transparent  dokumentiert  wird,  welcher  Bundesverwaltungsrichter  oder  welche  Bundesverwaltungsrichterin  und  welcher  Gerichtsschreiber  oder  welche  Gerichtsschreiberin  mit  der  Instruktion  und  welche  weitere  Richter  oder  Richterinnen  mit  dem  Entscheidfindungsprozess  im  vorliegenden  Revisionsverfahren  betraut  sind.  C.c  Mit  unverlangter  Eingabe  vom  19.  November  2011  reichte  der  Gesuchsteller  im  vorliegenden  Verfahren  und  als  Beschwerdeführer  im  Beschwerdeverfahren ein Referenzschreiben ein mit dem Ersuchen, das  Beweismittel  in  beiden  Verfahren  zu  berücksichtigen  und  die  aufschiebende Wirkung der Beschwerde umgehend wiederherzustellen.  Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  Gemäss  Art.  45  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  (VGG,  SR  173.32)  gelten  für  die  Revision  von  Entscheiden  des  Bundesverwaltungsgerichts  die  Artikel  121–128  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  (BGG,  SR  173.110)  sinngemäss. Nicht als Revisionsgründe gelten Gründe, welche die Partei,  die um Revision nachsucht, bereits mit Beschwerde gegen den Entscheid  des  Bundesverwaltungsgericht  hätte  geltend  machen  können  (Art.  46  VGG).  Auf  Inhalt,  Form,  Verbesserung  und  Ergänzung  des  Revisionsgesuches  findet  Art.  67  Abs.  3  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember 1986 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021)  Anwendung (Art. 47 VGG).  2.  2.1. Das  Bundesverwaltungsgericht  prüft  seine  Zuständigkeit  und  damit  die  Zulässigkeitsvoraussetzungen  eines  Revisionsgesuchs  von  Amtes  wegen  (Art.  37  VGG  i.V.m.  Art.  7  VwVG).  Der  Gesuchsteller  bringt  als  Revisionsgrund vor, das Bundesverwaltungsgericht habe den Antrag, das  Gesuch  um  Wiederherstellung  der  aufschiebenden  Wirkung  der  Beschwerde  dem  gesamten  Spruchgremium  vorzulegen,  nicht  berücksichtigt.  Das  Vorbringen,  einzelne  Anträge  seien  unbeurteilt  geblieben,  stellt  einen  zulässigen  Revisionsgrund  dar  (Art.  121  Bst.  c  BGG)  und  wird  innert  Frist  geltend  gemacht  (Art.  124  BGG).  Die 

E­6114/2011 gesetzliche  Form  des  Revisionsgesuches  ist  namentlich  insofern  gewahrt,  als  es  ein  Begehren  für  den  Fall  eines  neuen  Entscheides  enthält  (vgl.  Art.  67  Abs.  3  VwVG).  Dem  Gesuchsteller  kommt  im  Beschwerdeverfahren  Parteistellung  zu  und  er  weist  ein  aktuelles  Rechtsschutzinteresse  nach,  weshalb  er  zur  Revision  legimitiert  ist.  Insoweit  sind  die  Zulässigkeitsvoraussetzungen  gegeben.  Zu  prüfen  bleibt,  ob  die  angefochtene  Zwischenverfügung  ein  zulässiges  Revisionsobjekt darstellt.  2.2.  2.2.1. Gemäss Art. 121 BGG ist die Revision zulässig gegen Entscheide  des  Bundesgerichts.  Gemeint  sind  Entscheide,  die  am  Tag  ihrer  Ausfällung  im  Sinne  von  Art.  61  BGG  in  Rechtskraft  erwachsen  (YVES  DONZALLAZ,  Loi  sur  le  Tribunal  fédéral,  Commentaire,  Bern  2008,  N. 4636;  ELISABETH ESCHER,  Basler  Kommentar,  Bundesgerichtsgesetz,  hiernach: BSK BGG, 2. Aufl., Basel 2011, Art. 121, N. 1). Die Rechtskraft  hat  zwei  Erscheinungsformen.  Die  formelle  (innere)  Rechtskraft  bezeichnet  die  Unabänderlichkeit  des  Entscheides  im  Verfahren,  weil  kein  ordentliches Rechtsmittel mehr  zur  Verfügung  steht.  Die materielle  (äussere)  Rechtskraft  bewirkt  die  Verbindlichkeit  bzw.  Massgeblichkeit  ausserhalb  des  Verfahrens,  in  dem  der  Entscheid  ergangen  ist.  Sie  verhindert,  dass  die  endgültig  beurteilte  Streitsache  zum  Gegenstand  eines  neuen  Verfahrens  gemacht  werden  kann.  Mit  dem  ausserordentlichen  Rechtsmittel  der  Revision  wird  die Wiederaufnahme  eines  abgeschlossenen  Verfahrens  nur  in  engen  Grenzen  ermöglicht  (ESCHER,  BSK  BGG,  Art.  121,  N. 1).  Die  Revision  ist  –  von  einer  Ausnahme betreffend die unentgeltliche Rechtspflege vor Bundesgericht  abgesehen  (dazu  Urteil  des  Bundesgerichts  4A_189/2010  vom  19.10.2010,  E. 1)  –  nur  zulässig  gegen  Entscheide,  die  formell  und  materiell  rechtkräftig sind oder  jedenfalls Bindungswirkung  in dem Sinne  entfalten,  dass  die  Vorinstanz  an  die  Erwägungen  in  einem  Rückweisungsentscheid  gebunden  ist.  Nach  der  bundesgerichtlichen  Rechtsprechung  und  Lehre  kommen  grundsätzlich  alle  verfahrensabschliessenden  Entscheide  als  Anfechtungsobjekt  der  Revision  in  Betracht:  Sachurteile,  Nichteintretensentscheide,  Rückweisungsentscheide,  Kosten­  und  Entschädigungsentscheide,  soweit  ihnen selbst ein Revisionsgrund anhaftet  (BGE 111  Ia 155 E. 2),  sowie Revisionsentscheide (DONZALLAZ, a.a.O., N. 4640; PIERRE FERRARI,  in: Commentaire de  la LTF  (Loi sur  le Tribunal  fédéral), Bern 2009, Art.  121,  N.  5;  ELISABETH  ESCHER,  in:  Thomas  Geiser/Peter  Münch/Felix 

E­6114/2011 Uhlmann/Philipp Gelzer [Hrsg.], Prozessieren vor Bundesgericht, 3. Aufl.,  Basel  2011,  Rz.  8.5;  DIES.,  BSK  BGG,  Art. 121,  N.  1;  NICOLAS  VON  WERDT, in: Hansjörg Seiler/Nicolas von Werdt/Andreas Güngerich [Hrsg.],  Bundesgerichtsgesetz,  Bern  2007,  Art. 121,  N. 4).  Die  Praxis  lässt  die  Revision  allerdings  dann  nicht  zu,  wenn  das  Bundesgericht  eine  Beschwerde  nach  Vergleich,  Rückzug  oder  Anerkennung  als  gegenstandslos geworden abschreibt und vom Geschäftsprotoll  streicht,  weil  in einem solchen Fall  kein Entscheid des Bundesgerichts  im Sinne  von  Art.  121  BGG  ergeht  (vgl.  etwa  BGE  114  Ib  74  E.  1;  DONZALLAZ,  a.a.O., N. 4640). 2.2.2. Unzulässig ist die Revision gegen Verfügungen, die das Verfahren  vor  Bundesgericht  nicht  abschliessen  und  keine  Rechtskraftwirkungen  entfalten. So sind Instruktionsverfügungen (Art. 32 BGG) und vorsorgliche  Massnahmen  (Art.  104  BGG),  einschliesslich  des  Entscheides  über  die  aufschiebende Wirkung (Art. 103 BGG), nicht revisionsfähig (DONZALLAZ,  a.a.O., N. 4640; FERRARI, a.a.O., Art. 121, N. 3; a.M. NICOLAS VON WERDT,  a.a.O., Art. 121, N. 5). 2.3. Die vorliegende Revision  richtet  sich gegen die Zwischenverfügung  der Instruktionsrichterin vom 4. November 2011 im Beschwerdeverfahren  vor Bundesverwaltungsgericht. Die Instruktionsrichterin hat in Abweisung  eines  Wiedererwägungsgesuches  angeordnet,  dass  die  aufschiebende  Wirkung  der  Beschwerde  nicht  wiederhergestellt  wird.  Die  (Nicht­ )Wiederherstellung  der  aufschiebenden  Wirkung  stellt  eine  typische  prozessleitende  Verfahrensanordnung  dar,  welche  die  formelle  Gestaltung  des  Verfahrens  betrifft  und  in  die  instruktionsrichterliche  Kompetenz fällt.  Der  Gesuchsteller  allerdings  erachtet  die  Zwischenverfügung  als  revisionsfähig.  Er macht  unter  Berufung  auf  eine  Lehrmeinung  geltend,  dass  Vor­  und  Zwischenentscheide  ("namentlich  über  vorsorgliche  Massnahmen [z.B. UP­Entscheid]") –  im Gegensatz zu prozessleitenden  Verfügungen  (im  Sinne  von  nicht  selbständig  eröffneten  Verfahrensanordnungen)  – als Anfechtungsobjekt  der Revision  in Frage  kommen  (VON WERDT,  a.a.O.,  Art.  121,  N.  5 f.).  Das  ist  schon  deshalb  fraglich,  weil  das  BGG  "selbständig  eröffnete  Vor­  und  Zwischenentscheide"  wohl  als  Anfechtungsobjekt  der  Beschwerde  (Art.  92 f.  BGG),  nicht  aber  als  Revisionsobjekt  kennt  (Art.  121  BGG).  Die  Qualifikation der Zwischenverfügung ist hier aber ohnehin nicht unter dem  BGG  vorzunehmen,  weshalb  offen  bleiben  kann,  ob  und  inwieweit  die 

E­6114/2011 angeführte Literaturstelle  für die Verfahrensordnung des Bundesgerichts  zutrifft. Für die Revision von Entscheiden des Bundesverwaltungsgerichts  kann  dem  Gesuchsteller  jedenfalls  aus  nachstehenden  Gründen  nicht  gefolgt werden.  2.4.  2.4.1. Die Zulässigkeit der Revision gegen bundesverwaltungsgerichtliche  Entscheide  beurteilt  sich  in  sinngemässer  Auslegung  und  Anwendung  von  Art.  121  BGG  nach  der  für  das  Bundesverwaltungsgericht  massgebenden  Verfahrensordnung  (Art.  45  VGG).  Das  (Beschwerde­ )Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VGG  und  –  gestützt  auf  den  Generalverweis  in  Art. 37 VGG  –  nach  dem  VwVG,  soweit  die  spezialgesetzlichen  Bestimmungen  nichts  anderes  vorsehen.  Zur  gesetzlichen  Terminologie  der  Entscheidformen  ist  vorab  Folgendes  festzuhalten:  Die  Verfahrensordnung  des  VwVG  unterscheidet  weder  beim  Anfechtungsobjekt  der  Beschwerde  (Art.  44  –  46a  VwVG)  noch  beim  Beschwerdeverfahren  (Art.  54  ff.  VwVG)  zwischen  (prozessleitender) Verfügung und  (präjudizierender) Zwischenverfügung.  Der  Begriff  der  Zwischenverfügung  umfasst  in  der  Verwaltungsrechtspflege  vielmehr  sämtliche  verfahrensleitenden  (prozessleitenden) Anordnungen,  die  das Verfahren  vor  der  betroffenen  Instanz  nicht  abschliessen,  sondern  es  im  Rahmen  der  Prozessinstruktion von der Rechtsanhängigkeit zum Endentscheid führen  (KÖLZ/HÄNER,  Verwaltungsverfahren  und  Verwaltungsrechtspflege  des  Bundes,  Zürich  1998,  Rz.  511;  KÖLZ/BOSSHART/RÖHL,  Kommentar  zum  Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons Zürich, 2. Aufl., Zürich 1999,  § 19,  N. 46;  vgl.  auch  TSCHANNEN/ZIMMERLI/  MÜLLER,  Allgemeines  Verwaltungsrecht, 3. Aufl., Bern 2009, § 28, Rz. 79 ff.). Der Gegenbegriff  zur Zwischenverfügung ist die Endverfügung bzw. auf Beschwerdeebene  der  Beschwerdeentscheid  (Art.  61  VwVG).  Unter  den  Begriff  des  Beschwerdeentscheides  im  Sinne  von  Art.  61  VwVG  fallen  nur  Endentscheide, Teilentscheide und Rückweisungsentscheide,  nicht aber  (Vor­  und)  Zwischenentscheide,  die  das  Verfahren  vor  Bundesverwaltungsgericht  weder  teilweise  noch  ganz  abschliessen  (PHILIPPE  WEISSENBERGER,  in:  Bernhard  Waldmann/Philippe  Weissenberger  [Hrsg.],  VwVG,  Praxiskommentar  zum  Bundesgesetz  über  das  Verwaltungsverfahren,  hiernach:  Praxiskommentar  VwVG,  Art. 61, N. 5). 

E­6114/2011 2.4.2.  Das  VGG  ordnet  die  Entscheidformen  unter  dem  Aspekt  der  funktionellen  Zuständigkeit  innerhalb  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Das  Gesetz  kennt  einerseits  die  "Verfügungen"  des  Instruktionsrichters  oder der Instruktionsrichterin (Art. 39 VGG), andererseits den "Entscheid"  des  Bundesverwaltungsgerichts  (Art.  41 f.  VGG).  Die  Instruktionsverfügungen  unterliegen  innerhalb  des  Bundesverwaltungsgericht  keiner  Beschwerde  (Art.  39  Abs. 3  VwVG).  Unter  den  gegebenen  Voraussetzungen  sind  sie  mit  Beschwerde  beim  Bundesgericht  anfechtbar  (Art. 92  f. BGG),  soweit  nicht  eine Ausnahme  betreffend das Sachgebiet greift und das Bundesverwaltungsgericht – wie  hier  – endgültig entscheidet  (vgl. Art.  83  lit.  d BGG). Der Revision aber  unterliegen die Instruktionsverfügungen nicht.  Gegen  die  Revisionsfähigkeit  spricht  –  erstens  –  der  Normzweck  von  Art. 39  Abs. 3  VwVG.  Wenn  das  Gesetz  aus  prozessökonomischen  Gründen  schon  die  (primäre)  Beschwerde  innerhalb  des  Bundesverwaltungsgerichts  ausschliesst,  um  zu  verhindern,  dass  Instruktionsverfügungen  an  den  gesamten  Spruchkörper  weitergezogen  werden  können,  muss  die  (subsidiäre)  Revision  erst  recht  ausgeschlossen  sein.  Es  kann  nicht  die  Meinung  des  Gesetzes  sein,  dass sich das Gericht während des laufenden Beschwerdeverfahrens auf  Revision  hin  und  in  neuer  Zusammensetzung  mit  blossen  Fragen  der  Prozessinstruktion befassen müsste. Zweitens  spricht  die  Rechtsnatur  der  Revision  gegen  ihre  Zulässigkeit.  Mit  dem  ausserordentlichen  Rechtsmittel  der  Revision  wird  die  Unabänderlichkeit  und  Massgeblichkeit  eines  rechtskräftigen  Beschwerdeentscheides  angefochten,  im  Hinblick  darauf,  dass  die  Rechtskraft  beseitigt  wird  und  über  die  Sache  neu  entschieden werden  kann (vgl. BVGE 2007/21 E. 7.1 S. 246). Nach allgemeinen Grundsätzen  können  Instruktionsverfügungen  aber  jederzeit  abgeändert  werden  und  sind  weder  für  den  Spruchkörper  innerhalb  des  Verfahrens  noch  ausserhalb  des  Verfahrens  verbindlich.  Die  Instruktionsverfügungen  geniessen  somit  keinerlei  Rechtskraftwirkungen,  weshalb  sie  nicht  revisionsfähig sein können. Drittens ist die Revision von Anträgen im laufenden Beschwerdeverfahren  und anderen Rechtsbehelfen abzugrenzen.  Im Beschwerdeverfahren gilt  die  Eventualmaxime  und  die  Partei  hat  in  der  Beschwerdeschrift  sämtliche Begehren und Eventualbegehren zu nennen (vgl. Art. 52 Abs. 1  VwVG; KÖLZ/HÄNER, a.a.O., Rz. 108 mit Hinweisen). Einzig Gesuche um 

E­6114/2011 aufschiebende  Wirkung,  um  vorsorgliche  Massnahmen  sowie  um  unentgeltliche  Prozessführung  können  aufgrund  ihres  prozeduralen  Charakters nach Ablauf der Rechtsmittelfrist noch gestellt werden (FRANK  SEETHALER/FABIAN  BOCHSLER,  Praxiskommentar  VwVG,  Art.  52,  N. 42).  Der Entscheid des Instruktionsrichters oder der  Instruktionsrichterin über  solche  Gesuche  ist  endgültig.  Wohl  lässt  sich  erwägen,  die  Rechtsprechung  zu  Art.  29  BV  betreffend  Wiederwägung  einer  erstinstanzlichen  (Verwaltungs­)Verfügung  auf  instruktionsrichterliche  (Verfahrens­)Verfügungen  sinngemäss  zu  übertragen,  was  im  vorliegenden  Fall  denn  auch  geschah.  Demnach  kann  die  Partei  im  Beschwerdeverfahren  ihr  prozessuales  Gesuch  (um  aufschiebende  Wirkung,  vorsorgliche  Massnahme  oder  unentgeltliche  Prozessführung)  erneuern und hat unter Umständen Anspruch auf neuerliche Behandlung,  wenn die Umstände sich seit dem ersten Entscheid wesentlich geändert  haben  oder  wenn  der  Gesuchsteller  erhebliche  Tatsachen  und  Beweismittel namhaft macht, die ihm früher nicht bekannt waren oder die  schon  damals  geltend  zu  machen  für  ihn  rechtlich  oder  tatsächlich  unmöglich war oder keine Veranlassung bestand (vgl. BGE 136 II 177 E.  2.1 mit Hinweisen). Damit  sind die Parteirechte  im  Instruktionsverfahren  hinreichend gewahrt, so dass kein Anlass besteht, den Weg der Revision  gegen Instruktionsverfügungen zu öffnen. 2.4.3. Das VwVG schliesslich sieht  für die Form des Revisionsgesuches  ausdrücklich vor, dass die Eingabe auch die Begehren für den Fall eines  neuen Beschwerdeentscheides zu enthalten hat  (Art. 67 Abs. 3 VwVG).  Nachdem  der  Beschwerdeentscheid  –  wie  dargelegt  (E.  2.4.1)  –  nur  instanzabschliessende  Entscheide  umfasst,  kann  die  angefochtene  Zwischenverfügung auch aus diesem Grund nicht revisionsfähig sein.  2.5. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Revision unzulässig ist  gegen  (instruktionsrichterliche)  Zwischenverfügungen,  weshalb  auf  das  vorliegende Revisionsgesuch nicht einzutreten ist. 3.  Das  Nichteintreten  ist  ein  verfahrensrechtlicher  Erledigungsgrund.  Der  Antrag  des  Gesuchstellers,  es  sei  der  Spruchkörper  des  vorliegenden  Revisionsverfahrens  vorgängig  offen  zu  legen,  ist  gleichwohl  zu  behandeln, weil  er  das Verfahren  bis  zum Erledigungsentscheid  betrifft.  Gemäss  Art.  32  Abs.  4  VGR  regeln  die  Abteilungen  des  Bundesverwaltungsgerichts,  ob  und  in  welcher  Form  die  Zusammensetzung  des  Spruchkörpers  den  Parteien  bekannt  gegeben 

E­6114/2011 wird.  Nach  der  Praxis  der  Abteilungen  IV  und  V  wird  die  Gerichtsbesetzung  den  Parteien  in  der  Regel  erst  mit  dem  Urteil  mitgeteilt.  Von  der  Regel  abweichend  erfolgt  eine  frühere  Mitteilung,  wenn die Bekanntgabe des Spruchkörpers beantragt wird und vorgängig  weitere  Instruktionsmassnahmen  erforderlich  sind,  um  über  das  Rechtsmittel  zu  befinden.  Da  über  das  vorliegende  Revisionsgesuch  ohne  weitere  Instruktionsmassnahmen  befunden  werden  kann,  ist  dem  Gesuchsteller die Zusammensetzung des Spruchkörpers – entsprechend  der Regel – erst mit dem Urteil mitzuteilen. 4.  Mit  dem  Nichteintretensentscheid  auf  das  Revisionsgesuch  sind  die  übrigen  Anträge  des  Gesuchstellers  in  der  Revisionssache  und  zum  Verfahren gegenstandslos geworden. Das gilt namentlich für den Antrag,  die  im  Beschwerdeverfahren  zuständige  Instruktionsrichterin  sei  anzuweisen, das Wiederherstellungsgesuch dem gesamten Spruchkörper  vorzulegen,  den  Antrag,  dem  Gesuchsteller  sei  im  Sinne  vorsorglicher  Massnahmen zu gestatten, den Entscheid des Revisionsverfahrens in der  Schweiz abzuwarten, und die die weiteren verfahrensrechtlichen Anträge.  5.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  hat  der  Gesuchsteller  die  Verfahrenskosten zu tragen (Art. 37 VGG i.V.m. Art. 68 Abs. 2 VwVG und  Art. 63 Abs. 1 VwVG), die auf Fr. 1'200.– festzusetzen sind (Art. 16 Abs.  1  Bst.  a  VGG  i.V.m.  Art.  1  –  3  des Geschäftsreglements  vom  17. April  2008 für das Bundesverwaltungsgericht [VGR, SR 173.320.1]). (Dispositiv nächste Seite)

E­6114/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Auf das Revisionsgesuch wird nicht eingetreten. 2.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  1'200.–  werden  dem  Gesuchsteller  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Gesuchsteller,  den  Beschwerdeführer,  das  BFM und die zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Daniel Willisegger Tobias Meyer Versand:

E-6114/2011 — Bundesverwaltungsgericht 18.01.2012 E-6114/2011 — Swissrulings