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Bundesverwaltungsgericht 14.02.2012 E-5588/2010

14 febbraio 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,057 parole·~10 min·1

Riassunto

Asyl und Wegweisung | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 30. Juli 2010 / N

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung V E­5588/2010 Urteil   v om   1 4 .   Februar   2012 Besetzung Richter Bruno Huber (Vorsitz), Richterin Gabriela Freihofer,  Richter Jean­Pierre Monnet,    Gerichtsschreiberin Sarah Straub. Parteien A._____, geboren (…), Irak,   vertreten durch Valerio Priuli, Freiplatzaktion Zürich, Rechtshilfe Asyl und Migration,  (…), Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 30. Juli 2010 / N (…).

E­5588/2010 Sachverhalt: A.  Der  Beschwerdeführer  stammt  gemäss  eigenen  Angaben  aus  B._____  und  verliess  seine Heimatstadt  am 24. Mai  2010.  In  einem Taxi  fuhr  er  nach C._____, wo er zu Fuss die Grenze zur Türkei passierte und nach  Silopi gelangte. Am nächsten Tag reiste er mit einem Bus nach Istanbul  und  nach  einigen  Tagen  Aufenthalt  von  dort  aus  in  einem  Lastwagen  durch  ihm unbekannte Länder  in die Schweiz, wo er  im Empfangs­ und  Verfahrenszentrum  (EVZ)  Kreuzlingen  am  16.  Juni  2010  um  Asyl  nachsuchte. Anlässlich  der  summarischen  Befragung  vom  21.  Juni  2010  und  der  Anhörung  vom  30.  Juli  2010  brachte  der  Beschwerdeführer  zur  Begründung  seines  Asylgesuches  vor,  er  habe  in  B._____  als  Lastwagenfahrer  für  die Amerikaner  gearbeitet.  Eines Abends  nach  der  Arbeit hätten ihn auf der Strasse zwei junge Männer angehalten und ihm  mit  den  Worten,  dass  man  sich  in  einem  Monat  wieder  treffen  würde,  einen Brief übergeben. Da er Analphabet sei, habe er sich den Brief von  seinem  Onkel  vorlesen  lassen:  Terroristen  würden  ihm  drohen,  ihn  umzubringen,  wenn  er  nicht        50  000  USD  bezahle,  da  er  für  die  Amerikaner arbeite und ein ungläubiger Mensch sei. Einige Tage später  sei er mit seinem Auto und einer Fracht unterwegs gewesen, als plötzlich  auf  dieses  geschossen  worden  sei.  Er  habe  angehalten  und  sei  ausgestiegen, worauf das Auto in Flammen aufgegangen sei. Sein Vater  sei seit Februar 2010 verschwunden, er sei wohl den Terroristen entführt  worden sei.  B.  Mit  mündlich  eröffneter  Verfügung  vom  30.  Juli  2010  trat  das  BFM  gestützt  auf  Art. 32  Abs. 2  Bst. a  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  auf  das  Asylgesuch  nicht  ein  und  ordnete  die  Wegweisung des Beschwerdeführers aus der Schweiz sowie den Vollzug  der  Wegweisung  an.  Zur  Begründung  seines  Entscheides  führte  das  Bundesamt aus, der Beschwerdeführer habe innert der gesetzlichen Frist  keine  Reise­  oder  Identitätspapiere  abgegeben  und  es  würden  keine  entschuldbaren  Gründe  vorliegen,  die  es  ihm  verunmöglicht  hätten,  solche  einzureichen.  Er  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht,  und  es  seien  keine  weiteren  Abklärungen  zur  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  oder  eines  Wegweisungsvollzugshindernisses 

E­5588/2010 nötig.  Für  Einzelheiten  wird  auf  die  nachfolgenden  Erwägungen  verwiesen. C.  Mit  Eingabe  seines  Rechtsvertreters  vom  5.  August  2010  liess  der  Beschwerdeführer  den  vorinstanzlichen  Entscheid  beim  Bundesverwaltungsgericht  anfechten.  In  materieller  Hinsicht  beantragte  er,  die  Verfügung  des  BFM  sei  aufzuheben  und  die  Vorinstanz  sei  anzuweisen,  auf  das  Asylgesuch  einzutreten.  In  prozessualer  Hinsicht  beantragte er die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und den  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  sowie  die  Ausrichtung  einer  angemessenen  Entschädigung.  Als  Beweismittel  reichte er eine  Identitätskarte und einen Drohbrief  aus dem  Irak zu den  Akten. Für die Begründung und Einzelheiten wird auf die nachstehenden  Erwägungen verwiesen. D.  Mit  Verfügung  vom  17.  August  2010  teilte  der  Instruktionsrichter  dem  Beschwerdeführer  mit,  dass  er  den  Ausgang  des  Verfahrens  in  der  Schweiz  abwarten  könne,  und  hiess  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen Rechtspflege unter der Voraussetzung des Nachreichens  einer  Fürsorgebestätigung  sowie  unter  Vorbehalt  der  Veränderung  der  finanziellen  Lage  des  Beschwerdeführers  gut.  Zugleich  wies  es  ihn  an,  die  eingereichten  fremdsprachigen  Beweismittel  (Identitätskarte  und  Drohbrief) in eine Amtssprache übersetzen zu lassen. E.  Mit Schreiben vom 1. September 2010 reichte der Beschwerdeführer eine  Fürsorgebestätigung und eine Übersetzung der Identitätskarte sowie des  Drohbriefes zu den Akten. F.  In  seiner  Vernehmlassung  vom  16.  September  2010  hielt  das  BFM  vollumfänglich an seiner Verfügung vom 30. Juli 2010 fest und beantragte  die  Abweisung  der  Beschwerde.  Eine  Dokumentenprüfung  durch  das  Urkundenlabor  der Kantonspolizei  Zürich  vom 8. September  2010  habe  ergeben,  dass  es  sich  bei  der  auf  Beschwerdeebene  eingereichten  Identitätskarte um eine Totalfälschung handle.

E­5588/2010 G.  Mit  Replik  vom  21. Oktober  2010  nahm  der  Beschwerdeführer  von  der  Dokumentenprüfung Kenntnis und hielt an seinen Vorbringen fest. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM  gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls  in  der Regel – so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]). 1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Be­ schwerdeführer  hat  am Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen,  ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105 und Art. 108 Abs. 2 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG).  Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3. 

E­5588/2010 3.1.  Zur  Begründung  des  angefochtenen  Entscheides  führte  die  Vorinstanz aus, die Angaben des Beschwerdeführers zu seiner Identität,  insbesondere  zum  behaupteten  Herkunftsort  und  zur  Herkunftsregion,  seien nicht glaubhaft. Um im Asylverfahren Vorteile zu erlangen habe er  diesbezüglich  falsche  Angaben  gemacht,  welche  durch  den  wissenschaftlichen  LINGUA­Test  eindeutig  widerlegt  seien.  Aus  seinen  Aussagen zur Geographie, Kultur und Sprache gehe hervor, dass er nicht  wie angegeben in B._____, sondern höchstwahrscheinlich  in der Region  von D._____ im Nordirak sozialisiert worden sei. Auch seine Sprachweise  und seine Arabischkenntnisse würden nicht denjenigen eines Kurden, der  sein ganzes Leben in B._____ gelebt habe, entsprechen. Es stehe somit  fest,  dass  der  Beschwerdeführer  die  Behörden  im  Asylverfahren  über  seine  Identität  getäuscht  habe.  Beim  Vorbringen,  er  habe  seinen  Pass  und  die  Identitätskarte  beim  Schlepper  gelassen,  handle  es  sich  um  Ausflüchte, welche dazu dienten, den Schweizer Behörden seine Identität  vorzuenthalten.  Zudem  seien  die  Reisemodalitäten  unsubstanziiert  und  realitätsfremd,  und  es müsse  davon  ausgegangen werden,  dass  er  auf  andere als die angegebene Weise nach Europa gelangt sei. Es würden  deshalb  keine  entschuldbaren  Gründe  vorliegen,  welche  es  ihm  verunmöglichten, Reise­ oder Identitätspapiere einzureichen. Der Nichteintretensgrund der Papierlosigkeit gemäss Art. 32 Abs. 2 Bst. a  AsylG  finde  keine Anwendung, wenn nach Abschluss der Anhörung die  Flüchtlingseigenschaft  festgestellt  werde  oder  aufgrund  der  Anhörung  feststehe,  dass  zusätzliche  Abklärungen  zur  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  oder  eines  Wegweisungsvollzugshindernisses  nötig  seien.  Dazu  sei  festzuhalten,  dass  die  vom  Beschwerdeführer  vorgebrachten  Probleme  hinfällig  seien,  da  er  eindeutig  nicht  aus  B._____,  sondern aus einer der drei Nordprovinzen stamme. Weiter  sei  festzuhalten,  dass  die  Ausführungen  zu  den  geltend  gemachten  Problemen  insgesamt  unsubstanziiert  und  realitätsfremd  seien  und  die  zeitlichen  Angaben  äusserst  vage  und  unstimmig.  So  sei  sein  Vater  gemäss dessen Angaben  im Februar 2010, zwei Monate vor Erhalt des  Drohbriefes,  verschwunden,  und  der  Beschwerdeführer  habe  das  Land  am  24. Mai  2010,  zehn  Tage  vor  (recte:  nach)  Erhalt  des  Drohbriefes  respektive  fünf  Tage  vor  (recte:  nach)  dem Verlust  seines  Fahrzeuges,  verlassen. Zu den Terroristen habe er keinerlei Angaben machen können,  und  die  Vorbringen  betreffend  seine  Arbeit  in  B._____  seien  auch  widersprüchlich. Da  es  sich  bei  seiner Geschichte  offensichtlich  um  ein  Konstrukt  handle,  könne  darauf  verzichtet  werden,  auf  weitere  Ungereimtheiten einzugehen. Demnach erfülle der Beschwerdeführer die 

E­5588/2010 Flüchtlingseigenschaft  nicht,  und  es  seien  keine  weiteren  Abklärungen  zur  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  oder  eines  Wegweisungsvollzugshindernisses nötig. Auf das Asylgesuch werde nicht  eingetreten. Die Folge des Nichteintretens sei  in der Regel die Wegweisung aus der  Schweiz. Aus den Akten würden sich keine Anhaltspunkte dafür ergeben,  dass  bei  einer Rückkehr mit  beachtlicher Wahrscheinlichkeit  eine  durch  Art. 3  EMRK  verbotene  Strafe  oder  Behandlung  drohe.  Der  Beschwerdeführer  stamme  aus  einer  der  drei  von  der  kurdischen  Regionalregierung  kontrollierten  nordirakischen  Provinzen,  wo  keine  Situation  allgemeiner  Gewalt  herrsche.  Der  Wegweisungsvollzug  sei  daher  grundsätzlich  zumutbar.  Da  die  Aussagen  zu  seiner  familiären  Situation,  zu  seiner  Identität,  zum Wohnort  und Beziehungsnetz  im  Irak  nicht  gesichert  seien,  sei  es  dem  BFM  nicht  möglich,  sich  in  voller  Kenntnis  der  persönlichen  Situation  des  Beschwerdeführers  zur  Zumutbarkeit  des  Vollzuges  zu  äussern.  Die  Untersuchungspflicht  des  BFM  finde  damit  ihre Grenzen  in  der Mitwirkungs­  und Wahrheitspflicht  des Beschwerdeführers. Weiter würden keine individuellen Gründe gegen  die  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzuges  sprechen,  da  der  Beschwerdeführer aus einer  finanziell soliden Familie stamme,  jung und  gesund sei und über ein tragfähiges Beziehungsnetz verfüge. Ausserdem  sei  der  Vollzug  der  Wegweisung  technisch  möglich  und  praktisch  durchführbar. 3.2.  In  der  Rechtsmitteleingabe  bestreitet  der  Beschwerdeführer,  die  Behörden über seine Identität getäuscht zu haben. Wenn die Vorinstanz  ihm  jedoch  eine  Identitätstäuschung  vorwerfe,  müsse  sie  auch  einen  Nichteintretensentscheid aufgrund der Identitätstäuschung fällen und sich  dabei  auf Art. 32 Abs. 2 Bst. b AsylG stützen,  da dieser Tatbestand der  Papierlosigkeit  vorgehe.  Indem  sie  den  Entscheid  auf  Art. 32  Abs. 2  Bst. a AsylG stütze, verletze die Vorinstanz daher Bundesrecht, weshalb  der angefochtene Entscheid aufzuheben sei. Gemäss Art. 1a Bst. a  der Asylverordnung 1  vom 11. August  1999  über  Verfahrensfragen  (AsylV 1,  SR  142.311)  würden  die  Elemente  Namen,  Vornamen,  Staatsangehörigkeit,  Ethnie,  Geburtsdatum,  Geburtsort  und  Geschlecht  zum  Begriff  der  Identität  gehören,  wobei  diese  Aufzählung  abschliessend  sei.  Die  Herkunft  beziehungsweise  Sozialisation  sei  dagegen nicht Teil der Identität im Sinne dieser Definition. Vorliegend sei  der Experte anhand der LINGUA­Analyse zum Schluss gekommen, dass 

E­5588/2010 der  Beschwerdeführer  nicht  in  B._____,  sondern  wahrscheinlich  in  D._____  im  Nordirak  sozialisiert  worden  sei.  Der  Geburtsort  werde  dadurch nicht bestritten und es sei durchaus denkbar, dass eine Person  in  B._____  geboren  und  in  D._____  sozialisiert  werde.  Staatsangehörigkeit  und  Ethnie  des  Beschwerdeführers  seien  unbestritten,  sein  Geschlecht  und  sein  Geburtsdatum  habe  er  offengelegt,  und  bezüglich Vor­  und Nachnamen  habe  er  die Behörden  nicht  getäuscht.  Der  Beschwerdeführer  habe  also  in  Bezug  auf  alle  Merkmale der  Identität  nach Art. 1a Bst. a AsylV 1 die Wahrheit  gesagt.  Eine  Identitätstäuschung  liege  deshalb  nicht  vor.  Der  Tatbestand  von  Art. 32 Abs. 2 Bst. b AsylG, auf welchen sich die Vorinstanz hätte stützen  müssen, sei nicht erfüllt gewesen, da die Herkunft nicht Teil der Definition  der Identität sei. Betreffend  den  Nichteintretensgrund  der  Papierlosigkeit  gehe  die  Vorinstanz  davon  aus,  dass  er  keine Papiere  abgegeben  habe,  um  die  Behörden  über  seine  Identität  zu  täuschen.  Da  nicht  von  einer  Identitätstäuschung  ausgegangen  werden  könne,  sei  diese  Annahme  jedoch  falsch.  Die  Aussagen  bezüglich  der  Papierbeschaffung  seien  im  Entscheid der Vorinstanz nicht gewürdigt worden. So seien die Angaben  zum  Pass,  welchen  er  beim  Schlepper  in  der  Türkei  gelassen  habe,  glaubwürdig und aufrichtig und er habe angegeben, seine Identitätskarte  aus  dem  Irak  nachreichen  zu  können.  Dies  sei  allerdings  nicht  einfach  gewesen  und  erst  kurz  nach  dem  Entscheid  der  Vorinstanz  sei  die  angekündigte  Identitätskarte  zusammen  mit  dem  Drohbrief  in  der  Schweiz  eingetroffen.  Alle  Angaben  auf  der  Identitätskarte  würden  mit  denjenigen,  welche  der  Beschwerdeführer  zu  Protokoll  gegeben  habe,  übereinstimmen,  was  für  seine  Glaubwürdigkeit  spreche.  Die  Beschaffung der Identitätskarte sei nicht früher möglich gewesen, weil der  Beschwerdeführer keine Person gekannt habe, welche früher in den Irak  gereist sei. Es sei nie seine Absicht gewesen, die Behörden über seine  Identität zu  täuschen, sondern er sei aus entschuldbaren Gründen nicht  in der Lage gewesen, die Papiere früher einzureichen. Aufgrund der nun  vorhandenen  Identitätskarte  sei  davon  auszugehen,  dass  der  Beschwerdeführer  aus  B._____  stamme.  Die  dortigen  Vorfälle  seien  daher materiell zu würdigen.  Ein  Vollzug  der  Wegweisung  nach  B._____  sei  aufgrund  der  momentanen  Situation  unzumutbar.  Ebenso  sei  dem  Beschwerdeführer  eine  Rückkehr  in  den  Nordirak  nicht  zumutbar,  da  er  nicht  von  dort  stamme und dort über kein soziales Netz verfüge.

E­5588/2010 4.  4.1. Gemäss  Art. 32  Abs. 2  Bst. a  AsylG  wird  auf  ein  Asylgesuch  nicht  eingetreten,  wenn  Asylsuchende  den  Behörden  nicht  innerhalb  von  48  Stunden  nach  Einreichung  des  Gesuchs  Reise­  oder  Identitätspapiere  abgeben.  Gemäss  Art. 32  Abs. 3  AsylG  findet  diese  Bestimmung  keine  Anwendung,  wenn  Asylsuchende  glaubhaft  machen  können,  dass  sie  dazu aus entschuldbaren Gründen nicht  in der Lage sind  (Bst. a), wenn  auf  Grund  der  Anhörung  sowie  gestützt  auf  Art. 3  und  7  AsylG  die  Flüchtlingseigenschaft festgestellt wird (Bst. b) oder wenn sich auf Grund  der Anhörung erweist, dass zusätzliche Abklärungen zur Feststellung der  Flüchtlingseigenschaft  oder  eines  Wegweisungsvollzugshindernisses  nötig sind (Bst. c). 4.2. Der Beschwerdeführer  hat  bei  der Einreichung  seines Asylgesuchs  im EVZ Kreuzlingen am 16. Juni 2010 keine Reise­ oder Identitätspapiere  abgegeben.  Auch  in  den  folgenden  48 Stunden  hat  er  kein  entsprechendes  Dokument  eingereicht.  Damit  ist  die  Nichtabgabe  von  Reise­  und  Identitätspapieren  innert  48 Stunden  ab  Einreichung  des  Asylgesuchs als Grundtatbestand  für die Anwendung von Art. 32 Abs. 2  Bst. a AsylG gegeben. 4.3.  Entschuldbare  Gründe  im  Sinne  von  Art.  32  Abs. 3  Bst.  a  AsylG  liegen vor, wenn die asylsuchende Person glaubhaft machen kann, dass  sie  ihre  Papiere  aus  zwingenden  Gründen  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  oder  in  einem  Drittstaat  zurückgelassen  hat  und  sich  umgehend  und  ernsthaft  darum  bemüht,  die  zurückgelassenen  Papiere  innert  angemessener  Frist  zu  beschaffen  (vgl.  BVGE  2010/2  E. 6  S. 28 f.). An entschuldbaren Gründen  fehlt es  insbesondere dann, wenn  unglaubhafte Äusserungen über den Verzicht auf eine Beantragung oder  die Verweigerung einer Ausstellung im Heimatland, über den Verlust oder  ein  anderweitiges  Abhandenkommen,  über  das  unbemerkte  Passieren  von  Landesgrenzen  oder  das  Durchschreiten  von  Grenzkontrollen  den  Schluss nahe legen, die Nichtabgabe eines Reise­ oder Identitätspapiers  habe ihren Grund gerade nicht darin, dass die asylsuchende Person auf  keine solchen Dokumente greifen kann (vgl. BVGE 2007/8 E. 3.2 S. 74)  und  deshalb  geschlossen  werden  muss,  dem  Umstand,  dass  diese  Person  keine  Reise­  oder  Identitätspapiere  abgibt,  liege  die  Absicht  zugrunde,  den  Aufenthalt  in  der  Schweiz  unrechtmässig  zu  verlängern  (vgl. BVGE 2010/2 E. 5.6 S. 27 f.).

E­5588/2010 Der  Beschwerdeführer  gab  an,  für  seine  Ausreise  in  die  Türkei  einen  Pass beantragt zu haben, welchen er durch einen Dritten in Bagdad habe  abholen  lassen.  Der  Pass  sei  echt  gewesen  und  in  der  Türkei  beim  Schlepper geblieben  (vgl. Akten BFM A1 S. 4, A18 S. 7). Entgegen den  Ausführungen  in der Beschwerde  führte er anlässlich der Erstbefragung  bezüglich  der  Identitätskarte  ebenfalls  an,  diese  auf  Anraten  des  Schleppers  in  der  Türkei  gelassen  zu  haben.  Bezüglich  seines  Nationalitätenausweises  behauptete  auf  Frage,  dieser  befinde  sich  im  Irak bei seiner Mutter  (A1, S. 5).  Indessen gab er bei der Erstbefragung  an, die Identitätskarte und einige Beweismittel aus dem Irak besorgen zu  können (vgl. A1 S. 6). Mit der Rechtsmitteleingabe reichte er sodann die  erwähnte  Identitätskarte  ein,  nachdem  eine  Person,  welche  in  den  Irak  gereist sei, ihm diese gebracht habe. Da  die  Dokumentenprüfung  des  Urkundenlabors  der  Kantonspolizei  Zürich  vom  8.  September  2010  ergeben  hat,  dass  die  vom  Beschwerdeführer  eingereichte  Identitätskarte  eine  Totalfälschung  ist –  was  vom  Beschwerdeführer  in  der  Replik  nicht  bestritten  wird  –  ,  erscheinen  die  Aussagen  bezüglich  der  Identitätspapiere  insgesamt  als  unglaubhaft.  Zudem  stellt  sich  die  Frage,  warum  er  unter  diesen  Umständen nicht auch den Nationalitätenausweis nachreichte.  Somit  ist davon auszugehen, dass die Angaben des Beschwerdeführers  zu  seiner  Identität  wahrheitswidrig  waren,  womit  die Glaubhaftmachung  von  entschuldbaren  Gründen  im  Sinne  von  Art. 32  Abs. 3  Bst. a  AsylG  scheitert. 4.4.  Im Weiteren  hat  die Vorinstanz  geprüft,  ob  aufgrund  der Anhörung  und  gestützt  auf  Art.  3  und  7  AsylG  die  Flüchtlingseigenschaft  festzustellen  ist  oder  allenfalls  zusätzliche Abklärungen  zur Feststellung  der Flüchtlingseigenschaft oder eines Wegweisungsvollzugshindernisses  nötig sind  (Art. 32 Abs. 2 Bst. b und c AsylG). Dabei kam sie zu Recht  zum  Schluss,  dass  die  Aussagen  des  Beschwerdeführers  insgesamt  unsubstanziiert  und  realitätsfremd  ausgefallen  sind.  Aufgrund  der  LINGUA­Analyse  hat  sich  ausserdem  herausgestellt,  dass  der  Beschwerdeführer entgegen seinen Angaben nicht aus B._____, sondern  höchstwahrscheinlich  aus  der Region  von D._____  stammt  und  zu  den  örtlichen  Begebenheiten  in  B._____  nur  sehr  vage  Aussagen  machen  konnte.  An  dieser  Einschätzung  vermögen  auch  die  diesbezüglichen  Ausführungen  in  der  Beschwerde  nichts  zu  ändern.  Die  geltend  gemachten Probleme in B._____ müssen deshalb in ihrer Gesamtheit als 

E­5588/2010 unglaubhaft  bezeichnet  werden,  womit  eine  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  ausser  Betracht  fällt.  Es  rechtfertigte  sich  daher,  im Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung keine zusätzlichen sachlichen  oder rechtlichen Abklärungen vorzunehmen. 4.5.  Der  Beschwerdeführer  macht  geltend,  die  Vorinstanz  hätte  ihren  Entscheid  auf  Art. 32  Abs. 2  Bst. b  AsylG  stützen  müssen,  da  sie  ihm  vorwerfe,  mit  der  Nicht­Einreichung  von  Identitätspapieren  eine  Identitätstäuschung  zu  bezwecken,  und  der  Tatbestand  der  Identitätstäuschung demjenigen der Papierlosigkeit vorgehe. Gemäss dem in der Beschwerdeschrift zitierten Entscheid der vormaligen  Schweizerischen  Asylrekurskommission  (ARK)  sanktioniert  das  schweizerische Asylgesetz das Verhalten von Personen, die im Verfahren  keine  Identitätspapiere  einreichen,  in  erster  Linie  mit  der  sogenannten  Papierlosen­Bestimmung  von  Art. 32  Abs. 2  Bst. a  AsylG.  Die  Nichteintretensbestimmung  von  Art. 32  Abs. 2  Bst. b  AsylG  kommt  demgegenüber  nur  dann  zur  Anwendung,  wenn  neben  dem  Fehlen  identitätsbelegender  Dokumente  zusätzlich  feststeht,  dass  die  asylsuchende Person die schweizerischen Asylbehörden über ihre wahre  Identität  täuscht  (Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2003 Nr. 27 E. 4.  e)  S. 180). Demnach  geht  der  Tatbestand  der  Identitätstäuschung  demjenigen  der  Papierlosigkeit eben gerade nicht vor, sondern hängt vom Vorhandensein  zusätzlicher,  qualifizierender  Elemente  ab.  Dass  sich  ein  Nichteintretensentscheid bei Vorliegen einer Identitätstäuschung im Sinne  von  Art 32  Abs. 2  Bst. b  AsylG  auf  diesen  Artikel  stützen  soll,  ist  vorliegend  unbeachtlich.  Die  Argumentation  des  Beschwerdeführers,  dass diese Bestimmung hätte angewendet werden müssen, obwohl – wie  vom  Beschwerdeführer  dargelegt  –  die  Voraussetzungen  hierzu  nicht  erfüllt sind, ist nicht nachvollziehbar.  4.6. Nach dem Gesagten ist das BFM zu Recht gestützt auf Art. 32 Abs. 2  Bst. a  i.V.m.  Art. 32  Abs. 3  AsylG  auf  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers nicht eingetreten. 5.  5.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit  der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

E­5588/2010 5.2. Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44  Abs. 1 AsylG; BVGE 2009/50 E. 9 S. 733). 6.  6.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder  nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG,  SR 142.20]). Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt  gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner  Vorgängerorganisation  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte  Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl.  WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.],  Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148). 6.2. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen  der  Schweiz  einer Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen  (Art.  83  Abs. 3 AuG). So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  Art. 3  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom  4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher  oder  erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden.

E­5588/2010 6.3.  Die  Vorinstanz  wies  in  ihrer  angefochtenen  Verfügung  zutreffend  darauf hin, dass das Prinzip des  flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulement  nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der  in Art. 5  AsylG  verankerte  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  im  vorliegenden  Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr in den Heimatstaat ist  demnach vorliegend unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers  noch  aus  den  Akten  Anhaltspunkte  dafür,  dass  er  für  den  Fall  einer  Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit  einer  nach  Art. 3  EMRK  oder  Art. 1  FoK  verbotenen  Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wäre.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­ Folterausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine  konkrete  Gefahr  ("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft machen,  dass  ihm  im Fall  einer  Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche  Behandlung  drohen  würde  (vgl.  EGMR  [Grosse  Kammer],  Saadi  gegen  Italien,  Urteil  vom  28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 – 127, mit weiteren  Hinweisen).  Auch  die  allgemeine  Menschenrechtssituation  im  Nordirak  lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt klarerweise nicht  als  unzulässig  erscheinen.  Nach  dem  Gesagten  ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  sowohl  im  Sinne  der  asyl­  als  auch  der  völkerrechtlichen  Bestimmungen zulässig. 6.4.    Gemäss  Art. 83  Abs. 4  AuG  kann  der  Vollzug  für  Ausländerinnen  und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 6.5.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  in  seinem  Grundsatzurteil  vom  14. März  2008  (vgl.  BVGE  2008/5)  aufgrund  einer  umfassenden  Beurteilung  der  aktuellen  Situation  in  den  nordirakischen  Provinzen  Dohuk, Erbil und Suleimaniya zum Schluss gekommen, dass in den drei  kurdischen Provinzen keine Situation allgemeiner Gewalt herrscht und die  dortige Lage nicht dermassen angespannt ist, als dass eine Rückführung  dorthin als generell unzumutbar betrachtet werden müsste. Die Region ist  zudem  mit  Direktflügen  aus  Europa  und  aus  den  Nachbarstaaten 

E­5588/2010 erreichbar.  Damit  entfällt  das  Element  der  unzumutbaren Rückreise  via  Bagdad  und  anschliessend  auf  dem  Landweg  durch  den  von  Gewalt  heimgesuchten Zentralirak. Der  Beschwerdeführer  gibt  zwar  an,  er  stamme  aus  B._____,  die  LINGUA­Analyse  hat  aber  ergeben,  dass  er  in  einer  der  drei  Nordprovinzen  –  vermutlich  in  der  Region  von  D._____  –  sozialisiert  wurde  und  sich  in  B._____  nicht  auskennt.  Es  ist  deshalb  auch  davon  auszugehen, dass er  im Nordirak über ein Beziehungsnetz verfügt. Das  BFM hat zu Recht  festgestellt, dass es nicht Aufgabe der Asylbehörden  ist,  bei  fehlenden  Hinweisen  seitens  des  Beschwerdeführers  nach  allfälligen  Wegweisungshindernissen  zu  forschen,  wenn  dieser  seiner  Mitwirkungs­ und Wahrheitspflicht im Rahmen der Sachverhaltsermittlung  nicht  nachkommt  und  die  Asylbehörden  zu  täuschen  versucht.  Mit  Abgabe der gefälschten Identitätskarte hat der Beschwerdeführer die ihm  obliegenden  Pflichten  verletzt  und  es  den  Asylbehörden  verunmöglicht,  sich zum Wegweisungsvollzug in Kenntnis der vollständigen Sachlage zu  äussern. Vorliegend  lassen  auch  keine  individuellen  Gründe  auf  eine  konkrete  Gefährdung  im  Falle  einer  Rückkehr  schliessen,  da  der  Beschwerdeführer  gestützt  auf  die  Aktenlage  jung  und  gesund  ist,  aus  einer  finanziell  gut  gestellten  Familie  stammt  und  über  ein  tragfähiges  soziales  Beziehungsnetz  verfügt.  Aufgrund  seiner  Arbeitserfahrung  ist  davon auszugehen, dass er seine berufliche Tätigkeit wieder aufnehmen  und seinen Lebensunterhalt nach der Rückkehr selber verdienen kann. Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als  zumutbar. 6.6.  Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der  zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr  notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (Art. 8  Abs. 4  AsylG;  vgl.  dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug der  Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 6.7. Zusammenfassend  hat  die  Vorinstanz  den Wegweisungsvollzug  zu  Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten  fällt  eine  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  ausser  Betracht  (Art. 83  Abs. 1 – 4 AuG).

E­5588/2010 7.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die  Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerde­ führer aufzuerlegen  (Art. 63 Abs. 1 VwVG).  Infolge der Gutheissung des  Gesuchs um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ist jedoch von  einer Kostenauflage abzusehen.

E­5588/2010 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3.  Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und (…). Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Bruno Huber Sarah Straub Versand:

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