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Bundesverwaltungsgericht 16.09.2011 E-5012/2011

16 settembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,659 parole·~8 min·1

Riassunto

Nichteintreten auf Asylgesuch (Safe Country) und Wegweisung | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 25. August 2011

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung V E­5012/2011 Urteil   v om   1 6 .   S ep t embe r   2011 Besetzung Einzelrichter Kurt Gysi, mit Zustimmung von Richter Gérald Bovier;   Gerichtsschreiber Christoph Berger. Parteien A._______, geboren am (…), Mongolei,   vertreten durch lic. iur. Linda Keller, Rechtsanwältin, (…) Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 25. August 2011 / N (…).

E­5012/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass  der  Beschwerdeführer  eigenen  Angaben  zufolge  sein  Heimatland  am 25. Mai 2009 verliess und am 7. Juni 2009 in die Schweiz gelangte,  wo er gleichentags um Asyl nachsuchte, dass er anlässlich der Befragung vom 8. Juli 2009 und der Anhörung vom  21. Juli 2009 durch das Bundesamt zur Begründung seines Asylgesuches  im Wesentlichen geltend machte, seine Eltern hätten sich im Jahre 2000  scheiden  lassen,  sein  Vater  sei  in  der  Folge  für  ihn  unbekannten  Aufenthaltes  geblieben  und  seine Mutter  sei  der  Alkoholsucht  verfallen,  weshalb er sich als Strassenkind habe durchschlagen müssen, dass  er  einmal  nach  einem  Diebstahl  von  Esswaren  für  zwei  Tage  in  polizeiliche  Gewahrsam  gekommen,  jedoch  ohne  weitere  Sanktionen  entlassen worden sei, dass sein Stiefvater  ihm geraten habe, nach Moskau zu ziehen und dort  eine Schule zu besuchen, dass er in Moskau für kurze Zeit Unterschlupf gefunden habe, ihm jedoch  geraten wurde, weiterzuziehen und er mit  einem Personenwagen  in die  Schweiz gereist sei, dass  für  den  detaillierten  Inhalt  der  Sachverhaltsvorbringen  auf  die  angefochtene  Verfügung  und  auf  die  aktenkundigen  Befragungs­  sowie  Anhörungsprotokolle zu verweisen ist, dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  25.  August  2011  – eröffnet  am  5.  September  2011 –  in  Anwendung  von  Art. 34  Abs. 1  des  Asylgesetzes  vom 26. Juni 1998  (AsylG, SR 142.31) auf das Asylgesuch nicht eintrat,  die  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  aus  der  Schweiz  sowie  den  Vollzug anordnete und Einsicht in die editionspflichtigen Verfahrensakten  gewährte, dass das Bundesamt zur Begründung seines Nichteintretensentscheides  darauf  hinweist,  dass  der  Bundesrat  die  Mongolei  mit  Beschluss  vom     28. Juni 2000 als verfolgungssicheren Staat („safe country“) im Sinne von  Art. 6a Abs. 2 Bst. a AsylG bezeichnet habe, dass die Bezeichnung eines Landes als  „safe country“ die widerlegbare  Vermutung der Verfolgungssicherheit begründe und nach Art. 34 Abs. 1  AsylG  auf  Gesuche  von  Asylbewerbern  mongolischer 

E­5012/2011 Staatsangehörigkeit  nicht  eingetreten  werde,  ausser  es  gebe  Hinweise  auf Verfolgung, dass  Hinweise,  welche  die  widerlegbare  Vermutung  der  Verfolgungssicherheit  umstossen  könnten,  vorliegend  aus  den  Akten  nicht  ersichtlich  seien,  sondern  vielmehr  jegliche  Hinweise  auf  das  Bestehen einer staatlichen Verfolgung fehlen würden, dass  der  Beschwerdeführer  lediglich  Schwierigkeiten  im  familiären  Bereich  vorbringe  und  abgesehen  von  der  legitimen  Massnahme  aufgrund des Diebstahls keine Probleme mit den heimatlichen Behörden  geltend mache, dass  demnach  in  Anwendung  von  Art.  34  Abs.  1  AsylG  auf  das  Asylgesuch nicht einzutreten sei, dass  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  die  Regelfolge  eines  Nichteintretensentscheides darstelle und keine Gründe ersichtlich seien,  die  auf  Unzulässigkeit,  Unzumutbarkeit  oder  Unmöglichkeit  eines  Wegweisungsvollzuges  schliessen  lassen  könnten,  zumal  aufgrund  der  Nichterfüllung  der  Flüchtlingseigenschaft  des  Beschwerdeführers  der  Grundsatz der Nichtrückschiebung gemäss Art. 5 Abs. 1 AsylG nicht zur  Anwendung  gelange,  ihm  im  Heimatstaat  keine  durch  Art.  3  der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR  0.101)  verbotene  Strafe  oder  Behandlung drohe,  in Beachtung des Übereinkommens über die Rechte  des Kindes vom 20. November 1989 (KRK) der Vollzug der Wegweisung  zulässig  sei  und  weder  die  politische  Situation  in  der  Mongolei  noch  individuelle Gründe gegen die Zumutbarkeit  des Wegweisungsvollzuges  sprächen, dass  auf  die  diesbezüglichen  Ausführungen  in  der  angefochtenen  Verfügung verwiesen wird, dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 12. September 2011 beim  Bundesverwaltungsgericht die Aufhebung des Entscheides des BFM vom  25. August 2011 und Eintreten auf das Asylgesuch beantragt,  dass festzustellen sei, dass eine Wegweisung des Beschwerdeführers in  seine Heimat unzumutbar sei, dass  er  in  prozessualer  Hinsicht  die  Erteilung  der  aufschiebenden  Wirkung  der  Beschwerde  sowie  die  unentgeltliche  Rechtspflege  und 

E­5012/2011 Rechtsverbeiständung  (nach Art.  65 Abs.  1  und  2  des Bundesgesetzes  über  das  Verwaltungsverfahren  vom  20.  Dezember  1968  [VwVG,  SR 172.021]) beantragt, dass  er  im  Wesentlichen  vorbringt,  allein  aus  dem  zweitägigen  Einsperren eines erst 14­jährigen Kindes auf dem Polizeiposten gehe die  Gefahr einer staatlichen Verfolgung hervor, weshalb auf das Asylgesuch  einzutreten sei, dass  im  Weiteren  insgesamt  unter  Verweis  auf  die  lange  Dauer  des  Asylverfahrens,  die  gute  Integration  in  der  Schweiz  sowie  des  Umstandes,  dass  er  in  der Heimat  über  keine Verwandten  verfüge  und  während  eines  früheren  Heimaufenthaltes  offenbar  sehr  schlechte  Erfahrungen  gemacht  haben müsse,  eine Wegweisung  in  die Mongolei  klar unzumutbar sei, dass bezüglich der Begründung der Rechtsbegehren im Einzelnen auf die  Rechtsmitteleingabe  und  ­  soweit  entscheidwesentlich  ­  auf  die  nachfolgenden Erwägungen verwiesen wird, dass  die  vorinstanzlichen  Akten  am  14.  September  2011  beim  Bundesverwaltungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG), und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht  in der Regel  ­ so auch vorliegend  ­  endgültig über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 VwVG) des BFM  entscheidet  (Art.  105  AsylG  i.V.m.  Art.  31­33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG, SR 173.32] sowie  Art.  83  Bst.  d  Ziff.  1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG, SR 173.110]), dass  der  Beschwerdeführer  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders berührt ist, ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung  beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist,  weshalb  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten  ist  (Art. 108  Abs.  2  AsylG  sowie  Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 VwVG),

E­5012/2011 dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  entschieden  wird  (Art. 111  Bst. e  AsylG),  und  es  sich  vorliegend,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass  gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  auf  einen  Schriftenwechsel  verzichtet wurde, dass  bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es  das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu  überprüfen  (Art. 32­35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Beschwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die  Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist, dass  sich  die  Beschwerdeinstanz  ­  sofern  sie  den  Nichteintretensentscheid  als  unrechtmässig  erachtet  ­  einer  selbständigen  materiellen  Prüfung  enthält,  die  angefochtene  Verfügung  aufhebt  und  die  Sache  zu  neuer  Entscheidung  an  die  Vorinstanz  zurückweist  (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen  Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1. S. 240 f.), dass  die  Vorinstanz  die  Frage  der  Wegweisung  und  des  Vollzugs  materiell  prüft,  weshalb  dem  Bundesverwaltungsgericht  diesbezüglich  volle Kognition zukommt, dass auf Gesuche von Asylsuchenden aus verfolgungssicheren Staaten  nach  Art. 6a  Abs. 2  Bst. a  AsylG  (sogenannte  „safe  countries“)  nicht  eingetreten wird,  ausser  es  gebe Hinweise  auf  eine Verfolgung  (Art. 34  Abs. 1 AsylG), dass der Bundesrat die Mongolei mit Beschluss vom 28. Juni 2000 zum  "safe  country"  im Sinne  von Art. 6a  Abs. 2  Bst. a  AsylG  erklärt  hat  und  von  dieser  Einschätzung  im  Rahmen  der  periodischen  Prüfung  (vgl.  Art. 6a Abs. 3 AsylG) bisher nicht abgewichen ist, dass  das  Bundesamt  die  Mongolei  daher  zu  Recht  und  unbestritte­ nerweise  als  auf  der  bundesrätlichen  Liste  verfolgungssicherer  Staaten  stehend  erkannt  hat  und  somit  die  formelle  Bedingung  für  den  Erlass 

E­5012/2011 eines  Nichteintretensentscheides  auf  der  Grundlage  von  Art. 34  Abs. 1  AsylG grundsätzlich erfüllt ist, dass  praxisgemäss  bei  Art. 34  Abs. 1  AsylG  derselbe  weite  Verfolgungsbegriff  zur  Anwendung  gelangt  wie  bei  den  Art. 18,  Art. 33  Abs. 3  Bst. b  und  Art. 35  AsylG  (zu  den  beiden  erstgenannten  Bestimmungen vgl. EMARK 2004 Nr. 35 E. 4.3 S. 247), dass  gemäss  konstanter  Rechtsprechung  (EMARK  2004  Nr. 5  E. 4c.aa  S. 35 f.,  2004 Nr. 35 E. 4.3 S. 247) dieser weite Verfolgungsbegriff  nicht  bloss  ernsthafte  Nachteile  im  Sinne  von  Art. 3  AsylG  umfasst,  sondern  auch  die  von Menschenhand  verursachten Wegweisungshindernisse  im  Sinne  von  Art. 44  Abs. 2  AsylG  i.V.m.  Art. 83  Abs. 3  und  4  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005  über  die Ausländerinnen  und  Ausländer (AuG, SR 142.20), dass  ausserdem  dabei  ein  im  Vergleich  zum  ­  bereits  erleichterten  ­  Beweismass des Glaubhaftmachens ein nochmals  reduzierter Massstab  anzuwenden ist, dass, sobald sich aus den Akten Hinweise auf Verfolgung ergeben, deren  Unglaubhaftigkeit (und somit Unerheblichkeit) nicht bereits auf den ersten  Blick  erkannt  werden  kann,  auch  bei  Asylsuchenden  aus  verfolgungssicheren Staaten einlässlich geprüft werden muss, ob sie die  Flüchtlingseigenschaft erfüllen (vgl. EMARK 2005 Nr. 2 E. 4.3 S. 16 f.), dass  entgegen  der  in  der Rechtsmitteleingabe  vertretenen Ansicht  eine  zweitägige  Anhaltung  (wegen  Diebstahls)  auch  eines  14­jährigen  offenkundig  keine  Rückschlüsse  auf  eine  persönliche  Verfolgungssituation des Beschwerdeführers zulassen, dass  die  Vorinstanz  zutreffend  festgestellt  hat,  dass  der  Beschwerdeführer  keine  Hinweise  auf  Verfolgung,  welche  nicht  offensichtlich  haltlos  sind,  darzulegen  vermag,  und  die  diesbezüglichen  Erwägungen  ­  im  Besonderen  auch  in  der  Anwendung  des  massgeblichen weiten Verfolgungsbegriffs ­ nicht zu beanstanden sind, dass  der  Inhalt  der  Beschwerde  offensichtlich  keine  andere  Sichtweise  erkennen lässt, dass  das  BFM  demnach  in  Anwendung  von  Art. 34  Abs. 1  AsylG  zu  Recht auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten ist,

E­5012/2011 dass  die  Ablehnung  eines  Asylgesuchs  oder  das Nichteintreten  auf  ein  Asylgesuch in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge hat  (Art. 44  Abs. 1  AsylG),  vorliegend  der  Kanton  keine  Aufenthaltsbewilligung erteilt hat und zudem kein Anspruch auf Erteilung  einer solchen besteht (BVGE 2009/50 E. 9 S. 733), weshalb die verfügte  Wegweisung  im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen steht und  demnach vom Bundesamt zu Recht angeordnet wurde, dass das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  regelt,  wenn  der  Vollzug  der Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar  oder  nicht möglich ist (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG), dass  bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft  gilt,  dass  heisst,  sie  sind  zu  beweisen, wenn  der  strikte  Beweis möglich  ist,  und  andernfalls  wenigstens  glaubhaft  zu  machen  (vgl.  WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser,  Ausländerrecht,  2. Aufl.,  Basel,  Rz. 11.148), dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig  ist,  wenn  völkerrechtliche  Verpflichtungen  der  Schweiz  einer  Weiterreise  der  Ausländerin oder des Ausländers  in den Heimat­, Herkunfts­ oder einen  Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG), dass  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen werden darf, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus  einem  Grund  nach  Art.  3  Abs.  1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art.  5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli  1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]), dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  vorliegend  in  Beachtung  dieser  massgeblichen völker­ und landesrechtlichen Bestimmungen zulässig ist,  da  der  Beschwerdeführer  keine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung  nachzuweisen oder glaubhaft zu machen vermag, weshalb das  in Art. 5  AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulements im  vorliegenden Verfahren keine Anwendung findet und keine Anhaltspunkte  für  eine  menschenrechtswidrige  Behandlung  ersichtlich  sind,  die  dem  Beschwerdeführer im Heimat­ oder Herkunftsstaat droht,

E­5012/2011 dass der Beschwerdeführer  eigenen Angaben  zufolge  am 12.  Juli  1995  geboren  wurde  und  die  Vorinstanz  die  Minderjährigkeit  des  Beschwerdeführers nicht bestritt, dass er  im heutigen Zeitpunkt nach wie vor minderjährig  ist und deshalb  grundsätzlich den Normen des KRK unterliegt, dass  Art.  22  Abs.  2  KRK  darauf  abzielt,  durch  Mitwirkung  der  Vertragsstaaten  bei  der  Informationsbeschaffung  die  Familienzusammenführung zu fördern, dass  Art.  22  KRK  indessen  nur  minderjährige  Asylsuchende  und  Flüchtlinge beschlägt, nicht aber ausländische Kinder, deren Asylgesuch  ­ wie vorliegend ­ abgewiesen worden ist, dass  somit  keine  völkerrechtliche  Verpflichtung  besteht,  im  Vorfeld  des  Vollzugs der Wegweisung eines  im Asylverfahren abgewiesenen Kindes  Abklärungen  über  den  Aufenthaltsort  seiner  Angehörigen  vorzunehmen  (EMARK 1998 Nr. 13 E. 5d.aa S. 95 f.), dass  allerdings  eine  völkerrechtliche Verpflichtung  der Schweiz  besteht,  innerstaatliches  Recht  zu  schaffen,  das  die  in  der  KRK  statuierten  völkerrechtlichen Rahmenbestimmungen konkretisiert, dass  dies  sowohl  im  Ausländer­  als  auch  im  Asylrecht  ­  soweit  nötig  ­  geschehen  ist  und  somit  namentlich  das  in  Art.  3  KRK  angesprochene  Kindeswohl  im  Rahmen  der  Prüfung  der  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  als  gewichtiger  Aspekt  mitberücksichtigt  werden  muss  (vgl.  dazu  EMARK  1998  Nr.  13  E.  5e.aa  S.  98  f.)  und  dies  vorliegend mitberücksichtigt wurde, dass nach dem Gesagten der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne  der asyl­ als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig ist, dass sich der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer als unzumutbar  erweist,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer  Notlage konkret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AuG), dass die vorläufige Aufnahme ­ unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG ­  zu  gewähren  ist,  wenn  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt  wird  (vgl.  Botschaft  zum  Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom 8. März 2002, BBl 2002 3818),

E­5012/2011 dass bei minderjährigen Beschwerdeführern das Kindeswohl im Rahmen  der  Zumutbarkeitsprüfung  als  gewichtiger  Aspekt  mitberücksichtigt  werden muss (vgl. dazu vorstehende Erwägungen), dass,  mit  Blick  auf  die  allgemeine  politische  Lage,  die  Menschenrechtssituation  sowie die allgemeinen Lebensumstände  in  der  Mongolei eine Rückschaffung des Beschwerdeführers unter dem Aspekt  der  konkreten  Gefährdung  durch  Gewaltsituationen  als  zumutbar  zu  erachten ist, dass,  wie  bereits  erwähnt,  bei  der  Beurteilung  der  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  von  Minderjährigen  nicht  nur  eine  allfällige  Gefährdung  aufgrund  einer  Situation  allgemeiner  Gewalt  zu  prüfen,  sondern auch abzuklären ist, welche Situation sich für den unbegleiteten  Minderjährigen  im Falle der Rückkehr realistischerweise ergeben könnte  und ob dabei das Kindeswohl gefährdet wäre, dass  in diesem Zusammenhang nicht nur das Alter und die persönliche  Reife  des Minderjährigen  als massgebliche Kriterien  zu  berücksichtigen  sind,  sondern  vor  allem  auch  die  effektive  Tragfähigkeit  eines  allenfalls  noch vorhandenen Beziehungsnetzes im Heimatland, die Ausbildung des  Minderjährigen und seine Perspektiven im Heimatland sowie ­ bei einem  längeren Aufenthalt in der Schweiz ­ der Grad der Integration, dass falls keine Angehörigen ausfindig gemacht werden können oder sich  ergibt, dass die Rückkehr zu diesen dem Kindeswohl nicht entspricht, die  Asylbehörden verpflichtet sind, von Amtes wegen und in konkreter Weise  abzuklären,  ob  das Kind  in  seiner Heimat  allenfalls  in  einer  geeigneten  Anstalt oder bei einer Drittperson untergebracht werden kann, dass  das  Bundesamt  daher  im  Hinblick  auf  die  Anordnung  des  Wegweisungsvollzugs  vorgängig  geeignete Massnahmen  zu  treffen  hat,  damit  unbegleitete Minderjährige  bei  ihrer  Rückkehr  von  einer  Behörde  oder  Institution  in  Empfang  genommen  werden,  die  willens  und  in  der  Lage  ist,  die Verantwortung  für  die Kinder  zu übernehmen und  sich mit  der  gebotenen  Fürsorglichkeit  um  sie  zu  kümmern  (vgl.  die  von  der  Schweizerischen Asylrekurskommission entwickelte Praxis [EMARK 2006  Nr. 24,  EMARK  2003  Nr.  5,  EMARK  1998  Nr.  13,  mit  weiteren  Hinweisen], welche vom Bundesverwaltungsgericht weitergeführt wird), dass  hingegen  die  Rückreisemodalitäten  wie  beispielsweise  die  Begleitung  des  Minderjährigen  sowie  Zeitpunkt  und  Ort  der  Übergabe 

E­5012/2011 durchaus  erst  im  unmittelbaren  Vorfeld  der  Rückkehr  geregelt  werden  und  ­  als  blosse  Vollzugsmodalitäten  ­  vom  Bundesamt  an  den  zuständigen Kanton delegiert werden können, dass  zu  prüfen  bleibt,  ob  sich  aus  der  Tatsache,  dass  der  Beschwerdeführer  eigenen  Angaben  zufolge  im  Heimatland  über  keine  Bezugspersonen verfügt, eine Gefährdung des Kindeswohls ergibt, dass dies nur dann zu bejahen wäre, wenn er weder in einer geeigneten  Institution  noch  bei  geeigneten  Drittpersonen  untergebracht  werden  könnte, dass das BFM diesbezüglich zur Vornahme von Abklärungen verpflichtet  ist, dass  das  Bundesamt  im  Nachgang  an  das  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  D­5803/2010  vom  25.  August  2010  der  ihm  obliegenden Abklärungspflicht in genügender Weise nachgekommen ist, dass  der  Verfügung  des  BFM  vom  25.  August  2011  insbesondere  zu  entnehmen  ist,  dass  die  "National  Authority  for  Children"  (NAC)  für  die  Aufnahme  und  Unterbringung  zurückgeführter  unbegleiteter  Minderjähriger  zuständig  sei,  welche  nach  einer  Vorankündigung  unbegleitete Minderjährige vom Flugzeug abhole und  in den geeigneten  Strukturen unterbringe, dass  diese  Abklärungen  einer  gerichtsnotorischen  Tatsache  entspricht  (vgl.  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  D­4692/2009  vom  8.  März  2010  E.  5.7.3,  D­3921/2008  vom  15.  Februar  2010  E.  6.2.2  und              D­1507/2011 vom 11. Juli 2011), dass es sich beim NAC um eine staatliche Behörde handelt, welche sich  für das Wohlergehen der Kinder in der Mongolei einsetzt und dabei unter  anderem auch mit privaten Organisationen zusammenarbeitet  (vgl. dazu  die  Informationen  auf  der  Webseite  des  "Child  Rights  Information  Network"  [CRIN],  www.crin.org/organisations/vieworg.asp?id=4531  [zuletzt besucht am 15. September 2011]), dass  aufgrund  dieser  Abklärung  zwar  noch  nicht  feststeht,  in  welchem  Heim  der  Beschwerdeführer  bei  einer  Rückkehr  in  die  Mongolei  untergebracht und betreut werden wird, daraus jedoch nicht zu schliessen  ist,  dass  das  BFM  seiner  Abklärungspflicht  nicht  genügend  nachgekommen ist,

E­5012/2011 dass  in  der  Regel  ein  konkreter  Heimplatz  nur  eruiert  und  reserviert  werden  kann,  wenn  das  Ankunftsdatum  der  minderjährigen  Person  feststeht, dass  das  Bundesverwaltungsgericht  davon  ausgehen  kann,  dass  der  Beschwerdeführer  bei  seiner  Ankunft  in  der  Mongolei  von  einer  Vertreterin  oder  einem  Vertreter  der  NAC  in  Empfang  genommen  und  sich  die  NAC  um  Unterkunft  und  Betreuung  des  Beschwerdeführers  kümmern wird, dass  zudem  mangels  anderweitiger,  konkreter  Hinweise  davon  auszugehen ist, dass die NAC, welche in diesem Bereich über jahrelange  Erfahrung  verfügt  (die  Behörde  wurde  im  Jahr  1925  gegründet),  den  Beschwerdeführer  in  einer  geeigneten  Institution  unterbringen,  wo  er  seinen Bedürfnissen und seinem Alter entsprechend betreut werden wird  (vgl.  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  D­4692/2009  vom  8.  März  2010 E. 5.7.3 und D­3921/2008 vom 15. Februar 2010 E. 6.2.2), dass  nach  dem  Gesagten  feststeht,  dass  die  von  der  Vorinstanz  vorgenommenen  Abklärungen  ausreichend  sind  und  der  Beschwerdeführer  diesen  Abklärungen  zufolge  bei  einer  Rückkehr  ins  Heimatland  trotz  allenfalls  fehlenden  Beziehungsnetzes  keiner  Gefährdung des Kindeswohls ausgesetzt wäre, da er bei seiner Ankunft  in  der Mongolei  durch  die NAC  in Empfang  genommen  und  von  dieser  Behörde weiter betreut würde, dass der Umstand, dass diese Betreuung nicht die Qualität derjenigen in  einigen westeuropäischen Staaten erreicht, nicht gegen die Zumutbarkeit  einer  Rückkehr  in  das  Heimatland  und  damit  in  den  angestammten  Kulturkreis spricht, dass  angesichts  seines  relativ  kurzen  Aufenthaltes  (zwei  Jahre  und  3  Monate)  in der Schweiz der Grad seiner  Integration noch keinen Faktor  darstellt,  der  in  entscheidwesentlicher  Hinsicht  als  ausschlaggebend  erachtet werden könnte, dass  sich  zusammenfassend  ergibt,  dass  keine  individuellen,  in  der  Person  des  Beschwerdeführers  liegenden  Gründe  bestehen,  die  den  Wegweisungsvollzug  in die Mongolei  als unzumutbar erscheinen  lassen  würden,

E­5012/2011 dass  ­  wie  erwähnt  ­  die  Reisemodalitäten,  wie  insbesondere  die  Begleitung  des  Beschwerdeführers  sowie  Zeitpunkt  und  Ort  der  Übergabe  an  die  NAC  im  unmittelbaren  Vorfeld  der  Rückkehr  geregelt  werden können, dass  ansonsten  vollumfänglich  auf  die  vorinstanzlichen  Erwägungen  verwiesen werden kann, dass  die  Ausführungen  in  der  Beschwerde,  er  habe  offenbar  während  eines  früheren  Heimaufenthaltes  sehr  schlechte  Erfahrungen  machen  müssen, einerseits als nachgeschoben bezeichnet werden müssen  (vgl.  Akten  BFM  A13/12  F  103,  wonach  er  sich  an  einen  Aufenthalt  im  Pflegeheim  nicht  erinnerte)  und  andererseits  an  den  obgenannten  Feststellungen nichts zu ändern vermögen, dass  die  Vorinstanz  demnach  zu  Recht  die  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG festgestellt hat, dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  in  den  Heimatstaat  schliesslich  möglich  ist,  da  keine  Vollzugshindernisse  bestehen (Art. 83 Abs. 2 AuG), und es dem Beschwerdeführer obliegt, bei  der  Beschaffung  gültiger  Reisepapiere  mitzuwirken  (vgl.  Art.  8  Abs.  4  AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513­515), dass  der  vom  Bundesamt  verfügte  Vollzug  der Wegweisung  nach  dem  Gesagten zu bestätigen ist, dass  es  dem  Beschwerdeführer  demnach  nicht  gelungen  ist  darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig  feststellt oder  unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen  ist, dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr.  600.–      (Art.  1­3  des  Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1  VwVG) und das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege  und  Rechtsverbeiständung  infolge  der  als  aussichtslos  erkannten  Rechtsbegehren abzuweisen ist, dass mit vorliegendem Urteil  in der Hauptsache das Gesuch um Erteilen  der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde gegenstandslos ist.

E­5012/2011 (Dispositiv nächste Seite) Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  und  Rechtsverbeiständung wird abgewiesen. 3.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  600.–  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Kurt Gysi Christoph Berger

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