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Bundesverwaltungsgericht 09.09.2011 E-4888/2011

9 settembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·823 parole·~4 min·1

Riassunto

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren) | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-verfahren); verfügung des BFM vom 31. August 2011 /

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung V E­4888/2011 Urteil   v om   9 .   S ep t embe r   2011 Besetzung Einzelrichter Bruno Huber, mit Zustimmung von Richter François Badoud; Gerichtsschreiber Peter Jaggi. Parteien A._______, geboren (…), Somalia, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin­Verfahren); Verfügung des BFM vom 31. August 2011 / N (…).

E­4888/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass  der  Beschwerdeführer  eigenen  Angaben  zufolge  Somalia  Anfang  (…)  verliess  und  nach  einem  mehrjährigen  Aufenthalt  in  Spanien  über  Frankreich am 13. Juli 2011  in die Schweiz gelangte, wo er am 14. Juli  2011 um Asyl nachsuchte, dass das BFM dem Beschwerdeführer anlässlich der Kurzbefragung vom  29.  Juli  2011  im  B._______  gestützt  auf  dessen  Aussagen  und  einen  EURODAC­Treffer das rechtliche Gehör zur mutmasslichen Zuständigkeit  Spaniens  für  das  vorliegende  Asylverfahren  und  zu  einer  allfälligen  Wegweisung dorthin gewährte, dass der Beschwerdeführer anführte, er wolle nicht nach Spanien zurück,  weil  ihm dort das Asylrecht verweigert worden sei und er sein Leben  in  Spanien als Arbeitsloser ohne Obdach, ohne Geld und ohne Essen habe  fristen müssen, dass das BFM Spanien am 16. August 2011 gestützt auf die Verordnung  (EG) Nr. 343/2003 des Rates vom 18. Februar 2003 zur Festlegung der  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des Mitgliedstaats,  der  für  die  Prüfung  eines  von  einem  Drittstaatsangehörigen  in  einem  Mitgliedstaat  gestellten Asylantrags  zuständig  ist  (Dublin­II­VO),  um Wiederaufnahme  des Beschwerdeführers ersuchte, dass  die  spanischen  Behörden  diesem  Ersuchen  am  30.  August  2011  entsprachen, dass das Bundesamt mit Verfügung vom 31. August 2011 – eröffnet am  1. September  2011  –  in  Anwendung  von  Art. 34  Abs. 2  Bst. d  des  Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) auf das Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  nicht  eintrat  und  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz nach Spanien anordnete, dass  es  den  Beschwerdeführer  gleichzeitig  aufforderte,  die  Schweiz  spätestens  am Tag  nach Ablauf  der  Beschwerdefrist  zu  verlassen,  den  Kanton  C._______  mit  dem  Vollzug  der  Wegweisungsverfügung  beauftragte,  die  Aushändigung  der  editionspflichtigen  Akten  gemäss  Aktenverzeichnis  verfügte  und  festhielt,  eine  Beschwerde  gegen  diese  Verfügung habe keine aufschiebende Wirkung,

E­4888/2011 dass die Überstellung – vorbehältlich einer allfälligen Unterbrechung oder  Verlängerung der Frist – bis spätestens am 29. Februar 2012 zu erfolgen  habe, dass  das  BFM  in  seinem  Entscheid  –  unter  Verweis  auf  die  Bestimmungen  zum  Dublin­Verfahren,  den  vorgängigen  Aufenthalt  des  Beschwerdeführers  in Spanien und die explizit  erfolgte Zustimmung der  spanischen Behörden zum Transfer – auf die Zuständigkeit Spaniens für  die Behandlung des Asylgesuches verwies, dass  das  Bundesamt  festhielt,  der  Beschwerdeführer  habe  keine  relevanten  Argumente  gegen  die  beabsichtigte  Überstellung  vorbringen  können, dass  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  die  Regelfolge  des  Nichteintretens auf ein Asylgesuch und deren Vollzug zulässig, zumutbar  und möglich sei, dass  der  Beschwerdeführer mit  Rechtsmitteleingabe  vom  6.  September  2011  (Poststempel)  in  materieller  Hinsicht  die  Aufhebung  der  angefochtenen Verfügung und die Rückweisung des Asylgesuchs an die  Vorinstanz  zur  materiellen  Prüfung,  eventualiter  die  Gewährung  der  vorläufigen Aufnahme wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs  beantragt, dass  er  in  prozessualer  Hinsicht  die  Gewährung  der  aufschiebenden  Wirkung  (der  Beschwerde),  unter  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  den  Erlass  der  Verfahrenskosten  und  bei  einer  Gutheissung  der  Beschwerde  die  Ausrichtung  einer  angemessenen  Parteientschädigung beantragt, dass auf die Begründung der Rechtsbegehren, soweit  für den Entscheid  wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen wird, dass  die  vollständigen  vorinstanzlichen  Akten  am  8.  September  2011  beim Bundesverwaltungsgericht eingingen (Art. 109 Abs. 2 AsylG), und erwägt, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes vom 

E­4888/2011 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR 172.021])  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  AsylG  i. V. m.  Art. 31 – 33  des Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass  der  Beschwerdeführer  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist  (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 VwVG), dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  entschieden  wird  (Art. 111  Bst. e  AsylG),  und  es  sich  vorliegend,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  solche  handelt,  weshalb  die  Beschwerdeentscheide  nur  summarisch zu begründen sind (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass  gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  vorliegend  auf  einen  Schriftenwechsel verzichtet wurde, dass  bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es  das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu  überprüfen  (Art. 32 – 35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Beschwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die  Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist, dass  auf  Asylgesuche  in  der  Regel  nicht  eingetreten  wird,  wenn  Asylsuchende  in  einen  Drittstaat  ausreisen  können,  welcher  für  die  Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens  staatsvertraglich  zuständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG), 

E­4888/2011 dass  der  Aufenthalt  des  Beschwerdeführers  in  Spanien  vor  seiner  Einreise in die Schweiz nicht bestritten ist, dass  bei  dieser  Sachlage  –  entsprechend  den  vom  BFM  angerufenen  Bestimmungen  zum  Dublin­Verfahren,  auf  welche  anstelle  einer  Wiederholung zu verweisen ist – Spanien für die Prüfung des Asylantrags  des Beschwerdeführers zuständig ist, dass die spanischen Behörden dem Ersuchen des BFM um Übernahme  des  Beschwerdeführers  ausdrücklich  zugestimmt  haben,  womit  die  Grundlage  für einen Nichteintretensentscheid  in Anwendung von Art. 34  Abs. 2 Bst. d AsylG ohne weiteres gegeben ist, dass  Spanien  Signatarstaat  sowohl  des  Abkommens  vom  28. Juli  1951  über  die  Rechtstellung  der  Flüchtlinge  (FK,  SR  0.142.30)  als  auch  der  Konvention vom 4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  ist  und  vorliegend  entgegen  den  Ausführungen  in  der  Rechtsmitteleingabe  keine  Hinweise  darauf  bestehen,  Spanien  würde  sich  nicht  an  seine  völkerrechtlichen  Verpflichtungen halten, dass  Spanien  verpflichtet  ist,  über  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  zu  befinden,  und  vorliegend  keine  konkreten  Hinweise  dafür  bestehen,  der  spanische  Staat  würde  den  Zugang  zu  einem funktionierenden Asylverfahren nicht gewährleisten, dass  auch  kein  konkreter  Grund  zur  Annahme  besteht,  die  spanischen  Behörden würden den Beschwerdeführer ohne korrekte Prüfung seines in  der  Schweiz  eingereichten  Asylantrages  in  dessen  Heimatland  zurückführen, dass  es  vorliegend  dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  einzelfallspezifische  besondere  Verletzlichkeit  nachzuweisen,  aufgrund  derer  geschlossen  werden  könnte,  ihm  drohe  in  Spanien  eine  unmenschliche Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK, dass sich vor diesem Hintergrund der Vollzug der Wegweisung entgegen  den  Beschwerdevorbringen  als  zulässig  erweist  (Art.  83  Abs.  3  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005  über  die Ausländerinnen  und  Ausländer [AuG, SR 142.20]),

E­4888/2011 dass des Weiteren der Beschwerdeführer nichts vorbringt, was das BFM  hätte veranlassen können, aus humanitären Gründen (Art. 29a Abs. 3 der  Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 über Verfahrensfragen  [AsylV 1,  SR 142.311]) auf sein Asylgesuch einzutreten, dass der Beschwerdeführer – soweit aktenkundig – gesund  ist und sich  keine  Hinweise  auf  ernsthafte  gesundheitliche  Probleme  psychischer  oder physischer Natur ergeben, dass  im Rahmen einer Gesamtabwägung aller  relevanten Umstände  im  konkreten  Einzelfall  auch  sonst  keine  Gründe  ersichtlich  sind,  die  eine  Wegweisung  aus  humanitärer  Sicht  als  unangemessen  erscheinen  lassen  (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E­7221/2009 vom 10.  Mai 2011), dass  das  vorliegende  Urteil  in  Übereinstimmung  mit  der  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  zum  Wegweisungsvollzug  nach  Spanien  ergeht  (vgl.  beispielsweise  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  E­ 4369/2011 vom 12. August 2011, D­4247/2011 vom 4. August 2011 und  D­3374/2011 vom 20. Juni 2011), dass sich angesichts dieser Sachlage eine Auseinandersetzung mit den  weiteren  Ausführungen  in  der  Rechtsmitteleingabe  erübrigt,  weil  diese  nicht geeignet sind, zu einer anderen Beurteilung zu gelangen, dass  zusammenfassend  festzustellen  ist,  dass  einer  Überstellung  des  Beschwerdeführers nach Spanien weder völkerrechtliche Verpflichtungen  der  Schweiz  noch  humanitäre  Gründe  entgegenstehen,  weshalb  die  Souveränitätsklausel  (Art.  3  Abs.  2  Dublin­II­VO)  nicht  zur  Anwendung  gelangt und folglich das BFM zu Recht in Anwendung von Art. 34 Abs. 2  Bst. d AsylG auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist, dass das Nichteintreten auf ein Asylgesuch in der Regel die Wegweisung  aus  der  Schweiz  zur  Folge  hat  (Art. 44  Abs. 1  AsylG),  vorliegend  der  Kanton keine Aufenthaltsbewilligung erteilt hat und zudem kein Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen  besteht  (BVGE  2009/50  E.  9.  S.  733),  weshalb  die  verfügte  Wegweisung  nach  Spanien  im  Einklang  mit  den  gesetzlichen  Bestimmungen  steht  und  demnach  vom  Bundesamt  zu  Recht angeordnet wurde, dass  in  Verfahren  nach  Art.  34  Abs.  2  Bst.  d  AsylG  die  Frage  der  Durchführbarkeit  des Wegweisungsvollzugs  bereits  Voraussetzung  (und 

E­4888/2011 nicht erst Regelfolge) des Nichteintretensentscheides ist (BVGE 2010/45  E. 10.2), dass  deshalb  allfällige  völkerrechtliche  und  humanitäre  Vollzugshindernisse vor der Prüfung des Nichteintretens im Rahmen der  Anwendung der sogenannten Souveränitätsklausel (Art. 3 Abs. 2 Dublin­ II­VO)  oder  gegebenenfalls  –  wenn  sich  Familienmitglieder  in  verschiedenen  Dublin­Mitgliedstaaten  befinden  und  zusammengeführt  werden  sollen  –  bei  der  Ausübung  der  Humanitären  Klausel  (Art. 15  Dublin­II­VO) zu prüfen sind, weshalb kein Raum für Ersatzmassnahmen  im Sinne von Art. 44 Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 83 Abs. 1 ­ 4 AuG besteht, dass nach dem Gesagten der vom Bundesamt verfügte Vollzug der Weg­ weisung zu bestätigen ist, dass  es  dem  Beschwerdeführer  demnach  nicht  gelungen  ist,  darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig  feststellt oder  unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen  ist, dass mit dem Entscheid  in der Hauptsache ohne vorgängige  Instruktion  die Anträge auf Erteilung der aufschiebenden Wirkung (der Beschwerde)  und auf Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses hinfällig wer­ den, dass  sich  die  Beschwerde  aufgrund  der  vorstehenden  Erwägungen  als  aussichtslos erweist, weshalb der Antrag auf Erlass der Verfahrenskosten  (Art.  65  Abs.  1  VwVG)  unbesehen  der  allenfalls  bestehenden  prozessualen Bedürftigkeit abzuweisen  ist und bei diesem Ausgang des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr.  600.­  (Art. 1 – 3  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2])  dem  Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG). (Dispositiv nächste Seite)

E­4888/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Der Antrag auf Erlass der Verfahrenskosten wird abgewiesen. 3.   Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4.  Dieses Urteil geht an den Beschwerdeführer, das BFM und (…). Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Bruno Huber Peter Jaggi Versand:

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