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Bundesverwaltungsgericht 04.01.2012 E-4693/2011

4 gennaio 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,383 parole·~7 min·1

Riassunto

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 25. Juli 2011 /

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung V E­4693/2011 Urteil   v om   4 .   J a nua r   2012 Besetzung Einzelrichter Kurt Gysi, mit Zustimmung von Richter Daniele Cattaneo;   Gerichtsschreiber Christoph Berger. Parteien A._______, Angola,   vertreten durch Alfred Ngoyi wa Mwanza, (…), Beschwerdeführerin,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 25. Juli 2011 / N (…).

E­4693/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass  die  Beschwerdeführerin  gemäss  eigenen  Angaben  ihr  Heimatland  am 11. Januar 2010 auf dem Landweg verliess, am 15. Februar 2010 aus  der  Demokratischen Republik  Kongo  auf  dem  Luftweg  nach  Frankreich  reiste,  am  18.  Februar  2010  in  die  Schweiz  gelangte  und  hier  gleichentags um Asyl nachsuchte, dass  sie  am 6. April  2010  im Empfangs­  und Verfahrenszentrum  (EVZ)  Kreuzlingen und am 19. April 2010 sowie am 3. Mai 2010 durch das BFM  ergänzend zu den Asylgründen angehört wurde, dass  sie  im  Wesentlichen  vorbrachte,  ihr  Stiefvater  (S.)  habe  als  Anhänger  der  FLEC  (Frente  de  Libertação  do  Enclave  de  Cabinda)  zu  Hause  Versammlungen  abgehalten,  weshalb  die  Polizei  sich  immer  wieder  nach  ihm  erkundigt  und  ihn  mehrmals  auch  in  Haft  genommen  hätte, dass anlässlich einer polizeilichen Vorsprache und Verhaftung von S.  in  ihrem  Haus  im  Jahre  2006  ihre  an  Bluthochdruck  leidende  Mutter  zusammengebrochen  und  nach  einem  zweitägigen  Spitalaufenthalt  gestorben sei, dass die Beschwerdeführerin im Jahre 2009 im Zusammenhang mit dem  Abriss von Häusern in ihrem Quartier zufälligerweise ein Interview­Team  getroffen  habe  und  die  von  ihr  abgegebene  Meinungsäusserung  im  Fernsehen ausgestrahlt worden sei, worauf sie von der Polizei verhaftet  und in einer zweitägigen Haft geschlagen und verletzt worden sei, dass  S.  zusammen mit  anderen  Leuten  im Vorfeld  des  Fussball­Afrika­ Cups  2010  auf  den  20.  Juni  2009  eine  Versammlung  organisiert  habe,  um auf die schlechten Lebensverhältnisse aufmerksam zu machen, dass S. jedoch im Mai 2009 von der Polizei festgenommen und an einen  der Beschwerdeführerin unbekannten Ort gebracht worden sei, dass ab diesem Zeitpunkt  die Polizei  öfters bei  der Beschwerdeführerin  zu Hause vorbeigekommen sei, nach dem Aufenthaltsort von S. geforscht  und  die  Beschwerdeführerin  befragt  sowie  sie  mehrmals  aufgefordert  habe, auf dem Posten zu erscheinen, dass  die  Beschwerdeführerin  aufgrund  der  ständigen  Behelligungen  durch die Polizei in ein anderes Quartier von Luanda gezogen sei, 

E­4693/2011 dass  sie  sich  habe  prostituieren  müssen,  um  ihren  Lebensunterhalt  zu  bestreiten, dass  sie  mit  Hilfe  eines  Freundes  ihre  Ausreise  aus  dem  Heimatland  vorbereitet habe und am 8. Januar 2010 über den Flughafen von Luanda  Angola habe verlassen wollen, dass  sie  jedoch  am  Flughafen  verhaftet  und  während  drei  Tagen  misshandelt worden sei, dass  der  zuständige  Kommandant  mit  ihr  Mitleid  bekommen  und  ihre  Ausreise in die Demokratische Republik Kongo ermöglicht habe, dass  für den  Inhalt der Aussagen  im Einzelnen auf die Akten verwiesen  wird, dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  25.  Juli  2011  feststellte,  die  Beschwerdeführerin  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht,  ihr  Asylgesuch ablehnte und die Wegweisung aus der Schweiz sowie deren  Vollzug anordnete, dass es zur Begründung  im Wesentlichen ausführte, die Vorbringen der  Beschwerdeführerin  würden  den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit  gemäss Art. 7 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31)  nicht standhalten, weshalb sie die Flüchtlingseigenschaft nicht erfülle und  das Asylgesuch abzulehnen sei, dass  die  Beschwerdeführerin  mit  Eingabe  vom  25.  Augst  2011  gegen  diesen  Entscheid  Beschwerde  erhob  und  in  materieller  Hinsicht  beantragt,  der  Entscheid  der  Vorinstanz  sei  aufzuheben  und  es  sei  ihr  Asyl oder subsidiär die vorläufige Aufnahme zu gewähren, dass  sie  in  prozessualer  Hinsicht  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  und  um  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses ersucht, dass  auf  die  Begründung  der  Beschwerdebegehren,  soweit  entscheidwesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen einzugehen ist, dass  das  Bundesverwaltungsgericht  mit  Verfügung  vom  1.  September  2011 den Eingang der Beschwerde bestätigte,

E­4693/2011 und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht  im Bereich des Asyls  in der Regel ­  so  auch  vorliegend  ­  endgültig  über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  (Art. 5  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember 1968  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR 172.021])  des  BFM  entscheidet  (Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art. 31­33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005  [VGG,  SR 173.32]  sowie  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass  die  Beschwerdeführerin  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist    (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass auf die  frist­ und  formgerecht eingereichte Beschwerde einzutreten  ist  (Art.  108  Abs.  1  AsylG  und  Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art.  37  VGG  und  Art. 52 VwVG), dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  entschieden  wird  (Art. 111  Bst. e  AsylG)  und  es  sich  vorliegend,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass die Schweiz Flüchtlingen grundsätzlich Asyl  gewährt  (Art. 2 Abs. 1  AsylG), wobei als Flüchtlinge Personen gelten, die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG), dass die Flüchtlingseigenschaft nachgewiesen oder zumindest glaubhaft  gemacht werden muss (Art. 7 AsylG),

E­4693/2011 dass die Flüchtlingseigenschaft glaubhaft gemacht ist, wenn die Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält, dass  in  Berücksichtigung  der  gesamten  Aktenlage  das  BFM  in  der  angefochtenen Verfügung im Resultat zu Recht feststellt, die Vorbringen  der  Beschwerdeführerin  würden  den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG nicht standhalten, dass zwar dem Einwand in der Rechtsmitteleingabe zu folgen ist, wonach  die  Angaben  der  Beschwerdeführerin  zur  zweitägigen  Festnahme  vom  Jahre  2009  anlässlich  der  Befragung  im  EVZ  in Gegenüberstellung mit  den  Vorbringen  bei  der  Bundesanhörung  nicht  als  widersprüchlich  bezeichnet werden können, dass  in  diesem  Zusammenhang  die  Aussagen  anlässlich  der  Bundesanhörung als Ergänzungen zu den nur rudimentären Angaben zur  geltend gemachten Festnahme betrachtet werden können und anlässlich  der  Befragung  im  EVZ  hierzu  keine  vertiefenderen  Nachfragen  gestellt  wurden (Akten BFM A1/12 S. 6/7), dass das Gericht jedoch die Einschätzung des BFM insofern teilt, wonach  nicht  nachvollziehbar  erscheint,  dass  die  Beschwerdeführerin  anlässlich  der geltend gemachten Verhaftung ihres Stiefvaters von der Polizei selbst  nicht unmittelbar zumindest zu einem Verhör mitgenommen worden wäre,  falls  die  angolanischen Behörden  ernsthaft  erwartet  hätten,  über  sie  an  mögliche  Informationen  gelangen  zu  können  oder  an  ihrer  Person  ein  tatsächliches Interesse bekundet hätten, dass  ein  entsprechendes  Vorgehen  der  angolanischen  Behörden  umso  mehr zu erwarten gewesen wäre, als der Stiefvater den gleichen Namen  getragen habe wie der Sohn [einer bekannten Persönlichkeit], das  bei  einem  ernsthaften  Interesse  an  der  Beschwerdeführerin  die  angolanischen  Behörden  ihr  nicht  die  Gelegenheit  gelassen  hätten,  Spuren zu verwischen, allfällige Dokumente des Stiefvaters zu beseitigen  und sich selbst abzusetzen, dass  demnach  das  BFM  in  der  angefochtenen  Verfügung  zu  Recht  ausführt,  es  sei  nicht  einsehbar,  warum  die  Polizei,  die  gemäss  den  Aussagen  der  Beschwerdeführerin  ihren  Stiefvater  verhaftet 

E­4693/2011 beziehungsweise  verschleppt  habe,  es  weiterhin  auf  die  Beschwerdeführerin abgesehen haben sollte, dass somit mit dem BFM davon auszugehen ist, dass die Polizei anders  vorgegangen  wäre,  falls  sie  ein  ernstzunehmendes  Interesse  an  der  Beschwerdeführerin  gehabt  hätte  und  die  Vorbringen  der  Beschwerdeführerin konstruiert wirken, dass die Entgegnungen in der Rechtsmitteleingabe, die Sicherheitskräfte  oder  die Polizei würden  auf  verschiedene Arten  operieren  und  es  gäbe  keine präzise Direktive und kein Schema für Verhaftungen von Leuten, im  vorliegenden Zusammenhang nicht zu überzeugen vermögen, dass  im  Weiteren  die  Erwägungen  des  BFM  in  der  angefochtenen  Verfügung  zu  bestätigen  sind,  wonach  die  Vorbringen  bezüglich  der  dreitägigen Haft am Flughafen nicht glaubhaft sind und auszuschliessen  ist, dass die Beschwerdeführerin festgenommen, geschlagen und befragt  wurde und dann vom zuständigen Kommandanten persönlich aus Mitleid  freigelassen worden sein soll, dass  der  Einschätzung  des  BFM  zuzustimmen  ist,  dass  die  für  den  Kommandanten mit einer solchen Handlung verbundenen Konsequenzen  zu gross gewesen sein dürften, insbesondere seinen Ruf und seine Stelle  aufs Spiel zu setzen, dass  eine  solches  Vorgehen  vorliegend  insbesondere  angesichts  der  Tatsache unverständlich wäre, dass es bei dem Anschlag der FLEC vom      8.  Januar  2011  Todesopfer  gegeben  hat  und  darüber  in  den  Medien  weltweit berichtet wurde, was dem Image Angolas für die Austragung des  Fussball­Cups erheblich schadete und sich ein entsprechendes Handeln  des  Kommandanten  nicht  erklären  lassen  könnte,  wenn  die  Beschwerdeführerin  tatsächlich,  wie  geltend  gemacht,  unter  dem  Verdacht  gestanden  wäre,  mit  FLEC­Aktivisten  in  engem  persönlichen  Kontakt gestanden zu haben, dass  auch  die  diesbezüglichen  Einwände  in  der  Rechtsmitteleingabe  nicht  stichhaltig  sind,  wenn  entgegnet  wird,  wie  auch  in  anderen  afrikanischen Ländern existiere die Korruption auf verschiedenem Niveau  und in verschiedenen Sektoren, darunter auch im Sicherheitssektor, dass  im  Übrigen  die  Beschwerdeführerin  selbst  bestätigte,  der  Kommandant habe kein Geld von ihr verlangt (A17/17 F152),

E­4693/2011 dass  die  vorgenannten  Zweifel  am  Wahrheitsgehalt  der  Schilderungen  der  Beschwerdeführerin  sich  dadurch  erhärten,  als  sie  im  Zusammenhang mit der anlässlich der polizeilichen Vorsprache im Jahre  2006  geltend  gemachten  Verhaftung  von  S.  in  ihrem  Haus  widersprüchliche  Aussagen  macht,  wenn  sie  gemäss  den  Angaben  im  EVZ während dieses Ereignisses nicht zu Hause gewesen sei (A1/12 S.  6),  demgegenüber  aus  den  Schilderungen  bei  der  Bundesanhörung  zu  entnehmen  ist,  dass  sie  dabei  persönlich  anwesend  gewesen  sein  soll  (A17/17 F33), dass  zwingend  erwartet  werden  müsste,  dass  die  Beschwerdeführerin  hierzu kohärente Angaben zu machen im Stande sein müsste, zumal es  sich  dabei  um  ein  einschneidendes  Ereignis  gehandelt  hätte,  das  nachhaltig in Erinnerung hätte bleiben müssen, dass  die  Prüfung  der  Akten  ergibt,  dass  die  Vorbringen  kein  stimmiges  Bild vermitteln und  in entscheidwesentlicher Hinsicht den Anforderungen  an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG offenkundig nicht genügen, dass  das  unstimmige  und  widersprüchliche  Aussageverhalten  zu  zentralen  Aspekten  des  geltend  gemachten  Sachverhaltes  durch  die  Einwände in der Rechtsmitteleingabe nicht entkräftet wird, dass  in  Würdigung  der  Aktenlage  demnach  einem  flüchtlingsrechtlich  relevantem Sachverhalt  die Grundlage  entzogen  bleiben muss  und  das  BFM  zu  Recht  feststellte,  die  Beschwerdeführerin  habe  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht  nachzuweisen  oder  zumindest  glaubhaft  zu  machen vermocht, dass  es  sich  nach  den  vorstehenden  Erwägungen  erübrigt,  auf  weitere  Aspekte einzugehen, dass sich die Beschwerdeführerin  in der Rechtsmitteleingabe vorbehielt,  weitere Beweismittel nachzureichen, jedoch keine weiteren Unterlagen zu  den Akten gereicht wurden, dass aufgrund der Aktenlage auch keine Veranlassung besteht, allfällige  weitere Eingaben abzuwarten, dass  aufgrund  der  Aktenlage  keine  hinreichenden  Anhaltspunkte  erkennbar sind, wonach die Beschwerdeführerin in ihrem Heimatland aus  flüchtlingsrechtlich relevanten Motiven ernsthaften Nachteilen ausgesetzt 

E­4693/2011 war  oder  in  absehbarer  Zukunft  mit  erheblicher  Wahrscheinlichkeit  ausgesetzt sein könnte, dass das Bundesamt das Asylgesuch demnach zu Recht abgelehnt hat, dass die Ablehnung eines Asylgesuches oder das Nichteintreten auf ein  Asylgesuch in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge hat  (Art. 44  Abs. 1  AsylG),  vorliegend  der  Kanton  keine  Aufenthaltsbewilligung erteilt hat und zudem kein Anspruch auf Erteilung  einer solchen besteht (BVGE 2009/50 E. 9 S. 733), weshalb die verfügte  Wegweisung  im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen steht und  demnach vom Bundesamt zu Recht angeordnet wurde, dass,  falls  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar  oder nicht möglich ist, das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  (Art.  44  Abs.  2  AsylG;  Art.  83  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005 über  die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG,         SR 142.20]) regelt, dass der Vollzug nicht zulässig ist, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen  der Schweiz eine Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den  Heimat­,  Herkunfts­,  oder  in  einen  Drittstaat  entgegenstehen  (Art.  83   Abs. 3 AuG), dass  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen werden darf, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus  einem Grund  nach  Art. 3  Abs. 1 AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  in  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1 des  Abkommens  vom  28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30 ])  und  dieses  flüchtlingsrechtliche  Rückschiebungsverbot  nur  Personen  schützt,  die  die  Flüchtlingseigenschaft  im  Sinne  von  Art. 3  AsylG  respektive Art. 1A FK erfüllen, dass  die  Beschwerdeführerin  keine  asylrechtlich  erhebliche Gefährdung  nachzuweisen  oder  glaubhaft  zu  machen  vermochte,  so  dass  das  in  Art. 5 AsylG  verankerte  Prinzip  des  flüchtlingsrechtlichen  Rückschiebungsverbots  vorliegend nicht  zur Anwendung gelangen kann  und  der  Vollzug  der  Wegweisung  nach  Angola  demnach  unter  dem  Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig ist,

E­4693/2011 dass gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR  101),  Art. 3  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten (EMRK,   SR 0.101) niemand in einen Staat ausgeschafft  werden darf, in dem ihm Folter oder eine andere Art unmenschlicher oder  erniedrigender Strafe oder Behandlung droht, dass  sich  weder  aus  den  Aussagen  der  Beschwerdeführerin  noch  aus  den  Akten  Anhaltspunkte  dafür  ergeben,  dass  sie  für  den  Fall  einer  Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit  einer  nach  Art. 3  EMRK  oder  Art. 1  FoK  verbotenen  Strafe  oder  Behandlung ausgesetzt wäre, dass gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­Folterausschusses  die  Beschwerdeführerin  eine  konkrete  Gefahr  („real  risk“)  nachweisen  oder  glaubhaft machen müsste, dass  ihr  im Falle einer Rückschiebung Folter  oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EMARK 2001 Nr. 16  S. 122, mit weiteren Hinweisen) und dies vorliegend nicht der Fall ist, dass  auch  die  allgemeine  Menschenrechtssituation  in  Angola  den  Wegweisungsvollzug nicht als unzulässig erscheinen lässt, dass  der Vollzug  der Wegweisung  damit  sowohl  im Sinne  der  asyl­  als  auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig ist, dass  gemäss  Art. 83  Abs. 4  AuG  der  Vollzug  für  Ausländerinnen  und  Ausländer  unzumutbar  sein  kann,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind, dass, wird eine  konkrete Gefährdung  festgestellt,  – unter Vorbehalt  von  Art. 83 Abs. 7 AuG  –  die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren  ist  (vgl.  Botschaft  zum  Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom 8. März 2002, BBl 2002 3818), dass eine Situation, welche angolanische Staatsangehörige generell  als  Gewalt­  oder  de­facto­Flüchtlinge  qualifizieren würde,  sich  aufgrund  der  heutigen Situation in Angola nicht bejahen lässt,

E­4693/2011 dass  indes gemäss der  in EMARK 2004 Nr. 32  festgehaltenen und vom  Bundesverwaltungsgericht  weiter  geführten  Praxis  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  (ARK)  –  da  seit  Ergehen  dieses  Urteils  keine  offensichtlich markante Verbesserung der humanitären Lage eingetreten  ist  –  der  Wegweisungsvollzug  von  Personen,  die  einer  "Risikogruppe"  (Personen  mit  gesundheitlichen  Problemen,  unbegleitete  Minderjährige,  Personen  mit  Kleinkindern,  allein  stehende  Frauen  und  betagte  Personen)  angehören,  grundsätzlich  weiterhin  als  unzumutbar  erachtet  wird, dass  ausnahmsweise  diesen  Personen  eine  Rückkehr  nach  Angola  zugemutet werden kann, wenn sie ihren letzten Wohnsitz in Luanda oder  einer  leicht  zugänglichen  Stadt  der  Provinzen  Cuene,  Huila,  Namibe,  Beguela, Huambo, Cuanza Sul, Cuanza Norte, Bengo und Zaire  hatten  und dort über ein Beziehungsnetz beziehungsweise über die finanziellen  Mittel zu ihrer Existenzsicherung verfügen (vgl. zum Ganzen a.a.O.E. 7.3  S. 230 f.). dass  vorliegend  keine  konkreten  Anhaltspunkte  glaubhaft  gemacht  wurden,  dass  die  Beschwerdeführerin  aus  individuellen  Gründen  wirtschaftlicher,  sozialer  oder  gesundheitlicher  Natur  in  eine  existenzbedrohende Situation geraten würde, dass sie zahlreiche Jahre in Luanda Wohnsitz hatte,  dass  mit  dem  BFM  einig  zu  gehen  ist,  dass  aufgrund  der  als  unglaubwürdig  zu  erachtenden  Vorbringen  der  Beschwerdeführerin  davon auszugehen ist, dass sie entgegen ihren Aussagen in ihrer Heimat  sehr wohl ein Beziehungsnetz und Verwandte hat und bei einer Rückkehr  nach  Angola  in  Luanda  über  die  für  eine  Wiedereingliederung  notwendigen Kontakte verfügt und auch beruflich Fuss fassen kann, dass  die  Beschwerdeführerin  bereits  vor  ihrer  Ausreise  aus  dem  Heimatland  bei  einem  Freund  ihres  Stiefvaters  in  gesicherten  Wohnverhältnissen lebte,  dass  auch  in  gesundheitlicher  und  medizinischer  Hinsicht  offenkundig  keine  Gründe  gegeben  sind,  die  derart  schwer  wiegen  würden,  als  sie  nach  der  Rechtsprechung  zwingend  ein  Hindernis  des  Vollzuges  der  Wegweisung darstellen müssten,

E­4693/2011 dass  sich  der  Vollzug  der  Wegweisung  daher  sowohl  in  genereller  als  auch in individueller Hinsicht als zumutbar erweist, dass es schliesslich der Beschwerdeführerin obliegt, bei der Beschaffung  gültiger  Reisepapiere  mitzuwirken  (Art. 8  Abs. 4  AsylG),  weshalb  der  Vollzug  der  Wegweisung  auch  als  möglich  zu  bezeichnen  ist  (Art. 83  Abs. 2 AuG), dass  insgesamt  der  durch  die  Vorinstanz  verfügte Wegweisungsvollzug  zu  bestätigen  ist  und  das BFM diesen  zu Recht  als  zulässig,  zumutbar  und  möglich  erachtet  hat,  weshalb  eine  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  der  Beschwerdeführerin  damit  ausser  Betracht  fällt  (Art. 83  Abs. 1­4  AuG), dass  sich  aus  diesen  Erwägungen  ergibt,  dass  die  angefochtene  Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt  richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106 AsylG) und  die Beschwerde somit abzuweisen ist, dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr.  600.­­       (Art.  16  Abs.  1  Bst.  a  VGG  i.V.m.  Art.  1­3  des  Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2])  der  Beschwerdeführerin  aufzuerlegen  sind  (Art. 63  Abs. 1  VwVG)  und  das  Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege angesichts der  aussichtslosen Rechtsbegehren abzuweisen ist (Art. 65 Abs. 1VwVG), dass  das  Gesuch,  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  zu  verzichten, mit vorliegendem Urteil gegenstandslos ist. (Dispositiv nächste Seite)

E­4693/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  wird  abgewiesen. 3.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  600.­­  werden  der  Beschwerdeführerin  auferlegt.  Der  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  vorliegenden  Urteils zugunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführerin,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber: Kurt Gysi Christoph Berger Versand:

E-4693/2011 — Bundesverwaltungsgericht 04.01.2012 E-4693/2011 — Swissrulings