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Bundesverwaltungsgericht 29.08.2011 E-4370/2011

29 agosto 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,583 parole·~8 min·1

Riassunto

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 11. Juli 2011

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung V E­4370/2011 frg/ths/ris Urteil   v om   2 9 .   Augus t   2011 Besetzung Einzelrichterin Gabriela Freihofer, mit Zustimmung von Richterin Nina Spälti Giannakitsas; Gerichtsschreiber Simon Thurnheer. Parteien A._______, geboren am (…), Pakistan,  (…),   Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 11. Juli  2011 / N (…).

E­4370/2011 Sachverhalt: A.  Der Beschwerdeführer – ein dem Volk der Punjabi angehörender Sunnite  aus  B._______(Distrikt  Gujrat)  –  verliess  sein  Heimatland  gemäss  eigenen Angaben  erstmals  am 28.  Januar  2011,  in  dem er  von  Lahore  nach Dubai  geflogen  sei, wo  ihm die Weiterreise  nach Paris  verweigert  und er  nach Pakistan  zurückgeschickt worden  sei. Am 9. Februar  2011  sei  er  erneut  von  Lahore  über  Dubai  nach  Paris  geflogen,  wo  er  am  10. Februar  2011  angekommen  und  mit  dem  Zug  über  Genf  nach  Vallorbe gefahren sei. Dort suchte er am 11. Februar 2011 im Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  um  Asyl  nach.  Am  1.  März  2011  wurde  der  Beschwerdeführer summarisch und am 8. Juli 2011 eingehend zu seinen  Asylgründen angehört. Dabei brachte er im Wesentlichen vor, sein Leben  sei  in  seinem Heimatland  in Gefahr  gewesen,  da  er  eine  homosexuelle  Beziehung gehabt habe und seinen Partner habe heiraten wollen. Davon  hätten  fundamentalistisch  gesinnte  Muslime  erfahren,  die  ihm  schwerwiegende Nachteile angedroht hätten, falls er die Beziehung nicht  beende. Zudem sei er durch diese verprügelt und eingesperrt worden. B.  Mit Verfügung vom 11. Juli 2011 – eröffnet am 12. Juli 2011 – wies das  BFM  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  ab,  ordnete  die  Wegweisung an und forderte ihn auf, die Schweiz bis zum 5. September  2011 zu verlassen.  Begründet wurde der Entscheid damit, dass der Beschwerdeführer sich in  seinen  Aussagen  hinsichtlich  wesentlicher  Punkte  in  Widersprüche  verstrickt  habe  und  sich  seine  Schilderung  eines  Übergriffes  in  Allgemeinplätzen  erschöpfe.  Die  Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit  gemäss Art. 7 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998  (AsylG, SR 142.31)  seien nicht erfüllt, weshalb die Asylrelevanz der Vorbringen nicht geprüft  werden müsse. Der Vollzug der Wegweisung sei zulässig, zumutbar und  möglich.  C.  Gegen diesen Entscheid gelangte der Beschwerdeführer mit Beschwerde  vom 10. August 2011 an das Bundesverwaltungsgericht und beantragte  mittels  vorformulierten  Anträgen,  die  Verfügung  der  Vorinstanz  sei  aufzuheben,  es  sei  seine Flüchtlingseigenschaft  anzuerkennen  und  ihm  Asyl zu gewähren. Eventualiter seien die Unzulässigkeit, Unzumutbarkeit  und  Unmöglichkeit  des  Wegweisungsvollzugs  festzustellen  und  die 

E­4370/2011 vorläufige Aufnahme anzuordnen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wurde  um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1  und  2  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021)  und  um  Verzicht  auf  die  Erhebung eines Kostenvorschusses ersucht. Zudem wurde beantragt, die  zuständige  Behörde  sei  vorsorglich  anzuweisen,  die  Kontaktaufnahme  mit  den  Behörden  des  Heimat­  oder  Herkunftslandes  sowie  jegliche  Datenweitergabe  an  dieselben  zu  unterlassen  bzw.  sei  der  Beschwerdeführer  über  eine  bereits  erfolgte  Datenweitergabe  in  einer  separaten  Verfügung  zu  informieren.  Auf  die  Begründung  der  Beschwerde wird in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]). 1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG).  1.3 Die Beschwerde ist frist­ und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 1  AsylG,  Art.  37  VGG  i.V.m.  Art.  52  VwVG).  Der  Beschwerdeführer  ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung;  er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art.  105  AsylG  i.V.m.  Art. 37  VGG  und  Art.  48  Abs.  1  VwVG).  Auf  die  Beschwerde ist einzutreten.

E­4370/2011 2.  Mit Beschwerde  können die Verletzung  von Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer  zweiten  Richterin  entschieden  (Art. 111  Bst. e  AsylG).  Wie  nachfolgend aufgezeigt wird, ist dieser Fall vorliegend gegeben, weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  begründen  ist  (Art. 111a  Abs. 2 AsylG).  Gestützt  auf  Art.  111a  Abs.  1  AsylG  wurde  vorliegend  auf  die  Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 4.  4.1.  Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Als  Flüchtling  wird  eine  ausländische  Person  anerkannt,  wenn  sie  in  ihrem  Heimatstaat  oder  im  Land,  in  dem  sie  zuletzt  wohnte,  wegen  ihrer Rasse, Religion, Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen  Anschauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete  Furcht  hat,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden.  Als  ernsthafte  Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder  Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck  bewirken (Art. 3 AsylG). 4.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art.  7  AsylG). 5.  5.1.  Der  Beschwerdeführer  brachte  bei  der  Befragung  zur  Person  am  1. März  2011  vor,  er  habe  seit  August  2010  eine  homosexuelle 

E­4370/2011 Beziehung  unterhalten.  Sein  Partner  habe  dies  einem  Freund  erzählt,  welcher die Nachricht überall verbreitet habe, so dass alle Dorfbewohner  über die Beziehung informiert gewesen seien (A4/13 S. 6). Am 8. Januar  2011  seien  Mitglieder  der  islamistischen  Organisation  C._______  ("D._______")  zu  ihm  nach  Hause  gekommen  und  hätten  bei  seinem  älteren Bruder nach  ihm gefragt. Am darauffolgenden Tag sei  einer der  D._______  in  den  Laden  gekommen,  in  dem  der  Beschwerdeführer  gearbeitet habe. Dieser habe  ihn zum Hof der D._______ gebracht und  ihn  dort  bezüglich  seiner Beziehung  konfrontiert. Der Beschwerdeführer  habe  diese  zugegeben  und  sei  deshalb  verprügelt  und  eine  Nacht  eingesperrt worden (A4/13 S. 6). Am 19. Januar 2011 sei er nachts durch  sechs  Personen  erneut  bedroht  worden;  sie  hätten  ihm  gesagt,  sie  würden ihn in ein oder zwei Tagen umbringen. Die D._______ hätten ihn  entführt und an einen ihm unbekannten Ort gebracht, wo sie ihn gefesselt  und erneut verprügelt hätten. Er sei dann ohnmächtig und am nächsten  Tag  dadurch  geweckt  geworden,  dass  ihm  jemand Wasser  ins Gesicht  geschüttet habe. Dieselbe Person sei nachts noch einmal mit Essen zu  ihm gekommen. Der Beschwerdeführer habe sie überwältigen, einsperren  und  schliesslich  fliehen  können  (A4/13  S.  6f.).  Bei  der  Polizei  habe  er  keinen  Schutz  gesucht,  da  diese  noch  mehr  Probleme  gemacht  hätte,  wenn sie von seiner Beziehung erfahren hätte (A4/13 S. 8).  5.2. Bei seiner Anhörung vom 8. Juli 2011  führte der Beschwerdeführer  aus,  bei  dem Übergriff  am  9.  Januar  2011  sei  er  verprügelt  und  verbal  bedroht worden. Danach hätten ihn seine Angreifer (gleichentags) wieder  gehen  lassen  (A15/8  S.  4).  Darauf  angesprochen,  dass  er  bei  der  Befragung  zur  Person  angegeben  hatte,  eine  Nacht  lang  eingesperrt  worden zu sein, entgegnete er, was er bei der Anhörung gesagt habe, sei  richtig. Über Nacht eingesperrt worden sei er nur am 19., nicht aber am 9.  Januar 2011  (A15/8 S. 5). Am 19.  Januar 2011 seien  in der Nacht  fünf  Personen zu ihm nach Hause gekommen, um ihn zu suchen. Sie hätten  dabei auch mit  seinem Bruder gesprochen und diesen mit der Situation  konfrontiert,  woraufhin  er  gesagt  habe,  er  wolle  nichts  mehr  mit  dem  Beschwerdeführer zu  tun haben; sie dürften  ihn mitnehmen und mit  ihm  machen, was sie wollten (A15/8 S. 3). Auf einer Farm in der Nähe seines  Heimatdorfes  hätten  sie  ihn  verprügelt.  Der  Rest  der  Schilderung  der  Vorkommnisse vom 19. Januar 2011 deckt sich mit  jenen anlässlich der  Befragung zur Person (vgl. A15/8 S. 3). 5.3.  Das  BFM  begründete  seinen  Entscheid  insbesondere  mit  der  Unglaubhaftigkeit  der  Vorbringen.  Der  Beschwerdeführer  habe  sich  in 

E­4370/2011 seinen  Aussagen  hinsichtlich  wesentlicher  Punkte  in  Widersprüche  verstrickt. So habe er bezüglich des Übergriffes vom 9. Januar 2011 bei  seiner Befragung zur Person angegeben, er sei von den Verfolgern eine  Nacht  lang  festgehalten  worden,  während  er  anlässlich  der  Bundesanhörung explizit geltend gemacht habe, er sei in jener Nacht von  seinen Peinigern nicht eingesperrt worden. Des Weiteren habe er bei der  Befragung zur Person angegeben, am Abend des 19. Januar 2011 hätten  ihn  fünf  Personen  in  einem  Fahrzeug  sowie  eine  weitere  auf  einem  Motorrad  abgeholt,  während  er  bei  der  Anhörung  von  vier  Personen  in  einem Auto und einer auf einem Motorrad gesprochen habe. Ferner habe  der  Beschwerdeführer  bei  der  Befragung  zur  Person  ausgesagt,  die  Verfolger  hätten  ihn  bei  der  Festnahme  am  19. Januar  2011  mit  dem  Tode  bedroht,  während  er  dies  anlässlich  der  Anhörung  nicht  mehr  erwähnt habe. Schliesslich erschöpfe sich seine Schilderung hinsichtlich  des Übergriffes am 19./20. Januar 2011  in Allgemeinplätzen; namentlich  bezüglich der Ereignisse nach der Entführung aus seinem Haus würden  unter anderem  jegliche Angaben über Gespräche der Beteiligten  fehlen.  Bei den vorgebrachten Verfolgungsgründen handle es sich offensichtlich  um ein Sachverhaltskonstrukt.  5.4.  In  seiner  Beschwerdeschrift  führte  der  Beschwerdeführer  aus,  er  halte  daran  fest,  in  beiden  Befragungen  bezüglich  des Übergriffes  vom  9. Januar  2011  dieselben  Aussagen  gemacht  zu  haben.  Sollte  der  Dolmetscher etwas missverstanden haben, tue es ihm Leid. Er habe sich  vor  vier  Monaten  in  eine  Schweizerin  verliebt,  mit  der  er  seither  zusammenlebe;  dies  ändere  jedoch  nichts  an  seiner  Vergangenheit  (in  welcher  er  aufgrund  seiner  sexuellen Orientierung  verfolgt  worden  sei).  Da  er  (nach  dem  Überfall  vom  19./20.  Januar  2011)  keinen  Arzt  aufgesucht  habe,  sondern  sich  nur  durch  seine  Familie  habe  verarzten  lassen, könne er keine weiteren Beweise  für die Glaubwürdigkeit  (recte:  Glaubhaftigkeit)  seiner  Erlebnisse  vorbringen;  er  könne  höchstens  Aussagen seiner Familienangehörigen nachliefern.  5.5. Vorbringen sind dann glaubhaft, wenn sie genügend substantiiert, in  sich  schlüssig  und  plausibel  sind.  Sie  dürfen  sich  nicht  in  vagen  Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten nicht widersprüchlich  sein  oder  der  inneren  Logik  entbehren  und  auch  nicht  den  Tatsachen  oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss die  gesuchstellende Person glaubwürdig erscheinen, was insbesondere dann  nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder verfälschte  Beweismittel  abstützt,  aber  auch  dann,  wenn  sie  wichtige  Tatsachen 

E­4370/2011 unterdrückt  oder  bewusst  falsch  darstellt,  im  Laufe  des  Verfahrens  Vorbringen  auswechselt,  steigert  oder  unbegründet  nachschiebt,  mangelndes  Interesse  am  Verfahren  zeigt  oder  die  nötige  Mitwirkung  verweigert.  Glaubhaftmachung  bedeutet  ferner  –  im  Gegensatz  zum  strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus Raum  für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Gesuchstellers.  Entscheidend ist, ob im Rahmen einer Gesamtwürdigung die Gründe, die  für  die  Richtigkeit  der  Sachverhaltsdarstellung  des  Asylsuchenden  sprechen,  überwiegen  oder  nicht.  Dabei  ist  auf  eine  objektivierte  Sichtweise abzustellen  (vgl. Art. 7 Abs. 2 und 3 AsylG; Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2005 Nr. 21 E. 6.1).  Der  Beschwerdeführer  hat  den  Inhalt  sämtlicher  Protokolle  mit  seiner  Unterschrift  genehmigt  und  muss  sich  deshalb  seine  Aussagen  grundsätzlich entgegenhalten lassen. 5.6.  Das  Bundesverwaltungsgericht  kommt  nach  Würdigung  der  Akten  zum  Schluss,  dass  das  BFM  zu  Recht  von  der  Unglaubhaftigkeit  der  Vorbringen des Beschwerdeführers ausging. Bei  der Befragung  zur Person äusserte  der Beschwerdeführer  in  seiner  freien Schilderung, er sei auf dem Nachhauseweg bedroht worden (A4/13  S. 5);  im Laufe der Befragung gab er demgegenüber zu Protokoll, er sei  schon zu Hause gewesen, als ihn jemand gerufen habe (A4/13 S. 7). Im  Weiteren  führte  er  –  nachdem  er  von  der  Bedrohung  durch  die  D._______  berichtet  hatte  –  aus,  er  habe  einen Freund  kontaktiert,  der  beim Gericht  arbeite und diesen um Rat gebeten, ob er  "deswegen zur  Polizei gehen" solle (A4/13 S. 5). Später gab er an, diesen Freund am 6.  Januar 2011 – demnach bereits vor den vorgebrachten Bedrohungen und  Gewalttätigkeiten  –  getroffen  zu  haben  (A4/13  S.  7).  Auch  gab  der  Beschwerdeführer  zunächst  zu  Protokoll,  sein  Bruder  –  der  mit  ihm  gemäss  späteren  Vorbringen  nichts  mehr  zu  tun  haben  wollte  –  habe  einen Schlepper organisiert (A4/13 S. 3), während er kurz darauf angab,  einen  Freund  um  Hilfe  gebeten  zu  haben,  welcher  für  ihn  mit  einem  Schlepper  Kontakt  aufgenommen  habe  (A4/13  S.  7).  Schliesslich  erstaunt, dass die gesamte Dorfgemeinschaft von der Beziehung gewusst  haben  (A4/13 S.  6),  der Bruder  des Beschwerdeführers  darüber  jedoch  erst am 19. Januar 2011 durch die D._______ informiert worden sei soll  (A15/8 S. 3, vgl. auch A4/13 S. 6). Im Übrigen kann auf die Erwägungen  der  Vorinstanz  verwiesen  werden,  denen  vollumfänglich  beigepflichtet 

E­4370/2011 wird.  In  den  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  finden  sich  zahlreiche  Widersprüche,  so  dass  ihm diese nicht  geglaubt werden  können. Seine  Entgegnungen  auf  Beschwerdeebene  erweisen  sich  sodann  als  unsubstantiiert; er hält einzig daran fest, dass seine Aussagen hinsichtlich  des Vorfalles vom 9. Januar 2011 nicht widersprüchlich seien, setzt sich  jedoch ansonsten  in keiner Weise mit den vorinstanzlichen Erwägungen  auseinander. 5.7.  Zusammenfassend  ist  festzustellen,  dass  das  BFM  dem  Beschwerdeführenden  zu  Recht  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht  zuerkannt und dessen Asylgesuch abgewiesen hat.  6.  Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so  verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den  Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie  (Art. 44 Abs. 1 AsylG).  Der Beschwerdeführer  führt vorliegend aus, er stehe kurz vor der Heirat  mit  einer Schweizer Bürgerin. Bezüglich einer  zwischenzeitlich erfolgten  Eheschliessung  lässt  sich  den  Akten  indes  nichts  entnehmen.  Der  Beschwerdeführer  verfügt  damit  weder  über  eine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen  (BVGE  2009/50  E.  9).  Damit  ist  die  Wegweisung  zu  Recht  verfügt worden. 7.  Ist  der Vollzug der Wegweisung nicht möglich,  nicht  zulässig oder nicht  zumutbar,  so  regelt  das  Bundesamt  das  Anwesenheitsverhältnis  nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  (Art.  44  Abs.  2  AsylG;  Art.  83  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG,  SR 142.20]). 7.1. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen  der  Schweiz  einer  Weiterreise  des  Ausländers  in  seinen  Heimat­,  Herkunfts­ oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus  einem  Grund  nach  Art.  3  Abs.  1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 

E­4370/2011 5 Abs. 1 AsylG, Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über  die Rechtsstellung der Flüchtlinge  [FK, SR 0.142.30] und Art. 25 Abs. 2  der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18.  April  1999  [BV,  SR  101]).  Unter  das  flüchtlingsrechtliche  Rückschiebungsverbot  fallen  somit  nur  Flüchtlinge.  Das  menschenrechtliche Rückschiebungsverbot (Art. 3 der Konvention vom 4.  November  1950  zum Schutze  der Menschenrechte  und Grundfreiheiten  [EMRK, SR 0.101], Art.  25 Abs. 3 BV), wonach niemand  in einen Staat  ausgeschafft  werden  darf,  in  dem  ihm  Folter  oder  eine  andere  Art  grausamer und unmenschlicher Behandlung oder Bestrafung drohen,  ist  dagegen  auf  alle  Menschen  ohne  Rücksicht  auf  ihren  Status  anzuwenden.  Da  der  Beschwerdeführer  nicht  als  Flüchtling  anerkannt  wird,  hat  das  BFM  zu  Recht  ausgeführt,  dass  der  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  gemäss Art. 5 Abs. 1 AsylG vorliegend nicht angewendet werden kann.  Im  Hinblick  auf  das  menschenrechtliche  Rückschiebungsverbot  nach  Art. 3  EMRK  ist  zu  bemerken,  dass  sich weder  aus  den Aussagen  des  Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte für eine konkrete  Bedrohung  durch  Folter  oder  eine  andere  Art  grausamer  und  unmenschlicher  Behandlung  oder  Bestrafung  entnehmen  lassen.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­Folterausschusses  müsste  er  eine  konkrete  Gefahr  ("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft  machen,  dass  ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung  drohen würde (vgl. EMARK 2001 Nr. 16, mit weiteren Hinweisen; EGMR,  [Grosse  Kammer],  Saadi  gegen  Italien,  Urteil  vom  28.  Februar  2008,  Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 ­ 127, mit weiteren Hinweisen), was er  indes nicht tut.  Nach  dem Gesagten  ist  der  Vollzug  der Wegweisung  sowohl  im  Sinne  der asyl­ als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 7.2. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG  ist der Vollzug  für Ausländerinnen und  Ausländer unzumutbar, wenn sie im Heimat­ oder Herkunftsstaat konkret  gefährdet sind. Diese Bestimmung wird vor allem bei Gewaltflüchtlingen  angewendet, das heisst bei Ausländerinnen und Ausländern, die mangels  persönlicher  Verfolgung  weder  die  Voraussetzungen  der  Flüchtlingseigenschaft noch jene des völkerrechtlichen Non­Refoulement­ Prinzips  erfüllen,  jedoch wegen  der  Folgen  von Krieg,  Bürgerkrieg  oder  einer  Situation  allgemeiner  Gewalt  nicht  in  ihren  Heimatstaat 

E­4370/2011 zurückkehren  können.  Im  Weiteren  findet  sie  Anwendung  auf  andere  Personen,  die  nach  ihrer  Rückkehr  ebenfalls  einer  konkreten  Gefahr  ausgesetzt  wären,  weil  sie  die  absolut  notwendige  medizinische  Versorgung nicht  erhalten  könnten oder – aus objektiver Sicht – wegen  der  vorherrschenden  Verhältnisse  mit  grosser  Wahrscheinlichkeit  unwiederbringlich  in  völlige  Armut  gestossen  würden,  dem  Hunger  und  somit einer ernsthaften Verschlechterung ihres Gesundheitszustands, der  Invalidität oder sogar dem Tod ausgeliefert wären (vgl. BVGE 2009/28 E.  9.3.1, mit weiteren Verweisen). Das  BFM  führte  in  der  angefochtenen  Verfügung  zur  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzuges  aus,  dass  weder  die  im  Heimatstaat  des  Beschwerdeführers herrschende politische Situation noch andere Gründe  gegen die Zumutbarkeit  seiner Rückführung sprechen würden.  In seiner  Beschwerdeschrift bat dieser darum, aus humanitären Gründen von einer  Wegweisung  bzw.  einem Wegweisungsvollzug  abzusehen.  Es  ergeben  sich  jedoch  –  wie  das  BFM  zutreffend  ausführte  –  auch  keine  individuellen  Vollzugshindernisse.  Der  Beschwerdeführer  hat  gemäss  eigenen Angaben während zehn Jahren die Schule besucht und  in  (…)  seines Bruders gearbeitet; seine Mutter und sein Bruder  leben weiterhin  am  Ort  seines  letzten  Auslandswohnsitzes  (A4/13  S.  2f.).  Es  ist  ihm  demnach zuzumuten, nach Pakistan zurückzukehren. 7.3.  Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der  zuständigen  Vertretung  seines  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr  notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (Art.  8  Abs.  4  AsylG),  weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist  (Art. 83 Abs. 2 AuG).  7.4.  Zusammenfassend  hat  das  BFM  den  Vollzug  der  Wegweisung  zu  Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten  fällt  eine Anordnung der  vorläufigen Aufnahme ausser Betracht  (Art.  83  Abs. 1­4 AuG). 8.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art.  106  AsylG).  Die  Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.

E­4370/2011 9.  Der in der Rechtsmitteleingabe gestellte Antrag, die zuständige Behörde  sei  anzuweisen,  die  Kontaktaufnahme  mit  den  Behörden  des  Heimatstaates  sowie  jegliche  Datenweitergabe  an  dieselben  zu  unterlassen,  ist  mit  dem  vorliegenden  Endentscheid  in  der  Hauptsache  gegenstandslos  geworden.  Selbiges  gilt  bezüglich  der  Gesuche  um  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  und  um  Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung, wobei einer Beschwerde  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  in  Asylsachen  mit  Ausnahme  von  Verfahren  gemäss  Art.  107a  AsylG  ohnehin  aufschiebende  Wirkung  zukommt, sofern diese – wie vorliegend – nicht entzogen wurde (55 Abs.  1 und 2 VwVG). 10.  Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten grundsätzlich dem  unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen. Dieser hat beantragt, die  Verfahrenskosten  seien  ihm  zu  erlassen,  da  er  fürsorgeabhängig  und  damit  als  bedürftig  zu  betrachten  sei;  zudem  sei  die  Beschwerde  nicht  von vorneherein aussichtslos. Angesichts der juristischen Komplexität der  Materie  sei  ihm  ausserdem  ein  amtlicher  Rechtsvertreter  beizuordnen.  Damit wird um unentgeltliche Rechtspflege ersucht. Gemäss Art. 65 Abs.  1  VwVG  befreit  die  Beschwerdeinstanz  eine  Partei,  die  nicht  über  die  erforderlichen  Mittel  verfügt,  auf  Antrag  von  der  Bezahlung  der  Verfahrenskosten, sofern ihr Begehren nicht aussichtslos erscheint. Unter  den gleichen Voraussetzungen bestellt die Beschwerdeinstanz der Partei  einen Anwalt, wenn es zur Wahrung  ihrer Rechte notwendig  ist  (Art. 65  Abs.  2  VwVG).  Die  Bedürftigkeit  des  Beschwerdeführers  ist  aus  den  Akten  nicht  ersichtlich,  indes  sind  die  Gesuche  um  unentgeltliche  Prozessführung  sowie  unentgeltliche  Verbeiständung  aufgrund  der  Aussichtslosigkeit  des  vorliegenden Beschwerdeverfahrens  abzuweisen.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  600.­­  (Art.  1­3  des Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2])  sind  deshalb  durch  den Beschwerdeführer zu tragen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). (Dispositiv nächste Seite)

E­4370/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1  und 2 VwVG wird abgewiesen. 3.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  600.­­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen 4.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die Einzelrichterin: Der Gerichtsschreiber: Gabriela Freihofer Simon Thurnheer Versand:

E-4370/2011 — Bundesverwaltungsgericht 29.08.2011 E-4370/2011 — Swissrulings