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Bundesverwaltungsgericht 05.09.2011 E-4349/2011

5 settembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,488 parole·~7 min·1

Riassunto

Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung | Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 1. Juli 2011

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung V E­4349/2011 Urteil   v om   5 .   S ep t embe r   2011 Besetzung Einzelrichter Kurt Gysi, mit Zustimmung von Richter Walter Lang;  Gerichtsschreiberin Barbara Balmelli. Parteien A._______, B._______, Kolumbien p.A. Schweizerische Botschaft Bogotà, Kolumbien, Beschwerdeführende,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Einreisebewilligung und Asylgesuch aus dem Ausland; Verfügung des BFM vom 1. Juli 2011 / N (…).

E­4349/2011 Sachverhalt: A.  Die Beschwerdeführenden suchten mit Eingabe vom 25. Januar 2011 an  die Schweizerische Botschaft in Bogotà um Asyl in der Schweiz nach. In  der  Folge  forderte  die  Botschaft  die  Beschwerdeführenden  auf,  verschiedene  konkrete  Fragen  zu  beantworten.  Die  Antwort  ging  mit  Schreiben vom 3. Februar 2011 ein. Zur  Begründung  ihrer  Asylgesuche  machen  die  Beschwerdeführenden  geltend, sie seien in C._______ (D._______) wohnhaft und Mitglieder der  Partido  de  Integración  Nacional  (PIN).  Seit  Februar  2008  würden  sie  telefonisch  und  schriftlich  bedroht.  Aus  Angst  vor  allfälligen  Schwierigkeiten  hätten  sie  vorerst  auf  eine Anzeige  verzichtet.  Im März  2008  seien  sie  zuhause  von  zwei  Mitgliedern  der  Paramilitärs  zu  Zahlungen aufgefordert worden. Im Dezember 2008 hätten sie dann zum  ersten Mal  Geld  an  die  Paramilitärs  bezahlt.  Im  Januar  2009  seien  sie  erneut  aufgefordert  worden,  bis  Ende  Jahr  einen  Betrag  an  die  Paramilitärs zu überweisen. In der Folge hätten sie eine Anzeige bei der  Gemeinde  von  C._______  eingereicht.  Im  November  2009  seien  sie  schriftlich  gemahnt  worden,  die  noch  ausstehende  Zahlung  zu  leisten.  Dieser Aufforderung seien sie nachgekommen.  Im Februar 2010 sei die  Beschwerdeführerin  von  zwei  Männern  angesprochen  und  angehalten  worden,  erneut  Geld  zu  überweisen.  Gleichzeitig  sei  sie  aufgefordert  worden, ihre politischen Aktivitäten einzustellen. Ende August 2010 seien  die  gleichen Aufforderungen  erneut  an  sie  gerichtet  worden.  Sie  hätten  sich  deshalb  an  den  Staatsanwalt  gewendet  und  Anzeige  erstattet.  Deshalb  seien  sie  anfangs  Oktober  2010  bedroht  worden.  Am  15.  Oktober 2010 sei ein Attentat auf den Beschwerdeführer verübt worden,  welches  er  unverletzt  überstanden  habe.  Da  die  Drohungen  weiter  anhalten würden, hätten sie Angst vor einem weiteren Attentat. Als Beweismittel  reichten die Beschwerdeführenden –  jeweils  in Kopie –  ihre  Identitätskarten,  einen  Zivilregisterauszug  sowie  zahlreiche  spanischsprachige Dokumente zu den Akten. B.  Die  eingereichten  Akten  überwies  die  Schweizerische  Botschaft  am  1. Januar  2011  an  das  BFM  zur  weiteren  Bearbeitung  und  zum  Entscheid.  Im  Begleitschreiben  führte  die  Vertretung  aus,  aus  Kapazitätsgründen  sei  eine  Befragung  nicht  möglich.  Bei  den  Beschwerdeführenden  handle  es  sich  nicht  um  national  bekannte 

E­4349/2011 Persönlichkeiten.  Sie  hätten  den Wohnort  bisher  nicht  gewechselt.  Die  Beschwerdeführenden hätten keine Beziehung zur Schweiz und würden  keine schweizerische Landessprache sprechen. Indes würden Verwandte  von ihnen in den USA leben.  C.  Mit  Schreiben  vom  4.  März  2011  teilte  das  BFM  den  Beschwerdeführenden  mit,  es  erachte  den  entscheidwesentlichen  Sachverhalt  aufgrund  der  schriftlichen  Begründung  der  Asylgesuche  sowie  der  ausführlichen  Dokumentation  als  erstellt.  Eine  Anhörung  auf  der  Botschaft  erweise  sich  deshalb  nicht  als  notwendig.  Unter  Berücksichtigung  der  Akten,  der  zu  beachtenden  Aspekte  und  des  ihm  zustehenden  weiten  Ermessenspielraums  erwäge  es,  die  Asylgesuche  abzulehnen und die Einreise in die Schweiz zu verweigern. Insbesondere  erachte  es  vorliegend  die  Möglichkeit  einer  anderweitigen  Schutzsuche  als gegeben. Zur Einreichung einer Stellungnahme setzte das BFM den  Beschwerdeführenden Frist. D.  Innert  der  angesetzten  Frist  reichten  die  Beschwerdeführenden  am  28. März  2011  die  Antwort  zu  den  Akten.  Diese  übermittelte  die  Schweizerische Botschaft dem BFM mit Schreiben vom 11. April 2011. E.  Mit  Verfügung  vom  1.  Juli  2011  verweigerte  das  BFM  den  Beschwerdeführenden  die  Einreise  in  die  Schweiz  und  lehnte  die  Asylgesuche ab. F.  Mit Eingabe vom 25. Juli 2011 an die Schweizerische Botschaft (Eingang:  1.  August  2011)  zuhanden  des  Bundesverwaltungsgerichts  beantragen  die  Beschwerdeführenden  sinngemäss  die  Aufhebung  der  vorinstanzlichen  Verfügung.  Die  Beschwerde  ging  am  8. August  2011  beim Gericht ein. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden 

E­4349/2011 gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM  gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]). 2.  Die  Beschwerdeführenden  haben  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen,  sind  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt,  haben  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung  und  sind  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert.  Auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  ist  somit  einzutreten  (Art. 108  AsylG  sowie  Art.  105  AsylG  i.V.m. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 VwVG). 3.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 4.  4.1.  Über  offensichtlich  unbegründete  Beschwerden  wird  in  einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer  zweiten  Richterin  entschieden  (Art. 111  Bst. e  AsylG). Wie nachstehend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine  solche, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen  ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). 4.2.  Gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  wurde  vorliegend  auf  die  Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet. 5.  5.1.  In  der  Rechtsmitteleingabe  machen  die  Beschwerdeführenden  zunächst  geltend,  sie  hätten  vor  dem  Entscheid  durch  die  Botschaft 

E­4349/2011 angehört  werden  müssen  um  ihre  Situation  persönlich  darlegen  zu  können.  Sinngemäss  machen  sie  somit  geltend,  das  BFM  habe  das  rechtliche  Gehör  nicht  hinreichend  gewährt  und  insoweit  den  rechtserheblichen Sachverhalt nicht richtig festgestellt. 5.2. Gemäss  Art.  19  AsylG  kann  ein  Asylgesuch  im  Ausland  bei  einer  Schweizerischen Vertretung gestellt werden, welche es mit einem Bericht  an das Bundesamt überweist (Art. 20 Abs. 1 AsylG). Die schweizerische  Vertretung  führt  mit  der  asylsuchenden  Person  in  der  Regel  eine  Befragung  durch  (Art.  10 Abs.  1  der Asylverordnung  1  vom 11.  August  1999  über  Verfahrensfragen  [AsylV  1,  SR  142.311]).  Ist  dies  nicht  möglich,  so  wird  die  asylsuchende  Person  von  der  Vertretung  aufgefordert, ihre Asylgründe schriftlich festzuhalten (Art. 10 Abs. 2 AsylV  1).  5.3. Das Bundesverwaltungsgericht hat in Auslegung von Art. 19 AsylG in  BVGE 2007/30 erkannt, dass sich die Unmöglichkeit einer Befragung aus  organisatorischen  oder  kapazitätsmässigen  Gründen  bei  der  jeweiligen  Vertretung,  aus  faktischen Hindernissen  im betreffenden Land oder  aus  bei der asylsuchenden Person liegenden persönlichen Gründen ergeben  kann  (vgl.  BVGE  a.a.O.  E.  5.2  und  5.3).  Da  die  Anhörung  der  Sachverhaltserstellung  sowie  der  Gewährung  des  rechtlichen  Gehörs  dient  (vgl.  BVGE  a.a.O.  E.  5.5),  ist  die  asylsuchende  Person  bei  gegebener  Unmöglichkeit  einer  Anhörung  unter  Hinweis  auf  ihre  Mitwirkungspflicht  in einem  individualisierten Schreiben mittels konkreter  Fragen  aufzufordern,  ihre  Asylgründe  schriftlich  festzuhalten;  ein  standardisiertes  Schreiben  vermag  diesen  Anforderungen  damit  in  aller  Regel nicht zu genügen (BVGE a.a.O. E. 5.4). Allerdings kann sich eine  Befragung beziehungsweise eine schriftliche Sachverhaltsabklärung auch  erübrigen,  wenn  der  Sachverhalt  bereits  aufgrund  des  eingereichten  Asylgesuchs  als  entscheidreif  erstellt  erscheint;  der  asylsuchenden  Person  ist  diesfalls  immerhin  im  Sinne  des  rechtlichen  Gehörs  die  Gelegenheit zu geben, sich zu einem abzusehenden negativen Entscheid  zumindest  schriftlich  zu  äussern  (BVGE  a.a.O.  E.  5.7).  Schliesslich  ist  das BFM in jedem Fall gehalten, das Absehen von einer Befragung in der  Verfügung über das Asylgesuch zu begründen (BVGE a.a.O. E. 5.6 sowie  5.7). 5.4. Den Akten  ist  zu entnehmen, dass die Schweizerische Botschaft  in  Bogotá die Beschwerdeführenden nicht zu ihren Asylgründen befragt hat.  Die  Beschwerdeführenden  haben  mehrere  Eingaben  und  eine 

E­4349/2011 umfangreiche Dokumentation eingereicht. Aufgrund dieser  Informationen  durfte  das  BFM  ohne  weiteres  davon  ausgehen,  dass  die  für  die  Beurteilung  des  Gesuchs  notwendigen  Angaben  vorliegen,  namentlich  die  Personalien  der  Beschwerdeführenden  sowie  die  Gründe  für  die  Einreichung  der  Asylgesuche.  Diese  Erkenntnis  teilte  es  den  Beschwerdeführenden  mit  Schreiben  vom  4. März  2011  mit  und  gab  ihnen  gleichzeitig  in  Beachtung  der  in  BVGE  2007/30  festgelegten  Vorgehensweise  Gelegenheit,  sich  nochmals  zu  ihrer  aktuellen  Gefährdung  im Heimatstaat, der Möglichkeit  in einem anderen Staat als  der  Schweiz  um Schutz  zu  suchen,  ihrer  Beziehungsnähe  zur  Schweiz  sowie  ihrer  Assimilationsmöglichkeiten  und  dem  sich  abzeichnenden  negativen Entscheid zu äussern. Innert der angesetzten Frist reichten die  Beschwerdeführenden am 28. März 2011  ihre Stellungnahme ein. Diese  Ausführungen  änderten  am  Schluss  des  BFM,  der  Sachverhalt  sei  abschliessend  erstellt,  nichts.  Sodann  hat  es  –  wie  gemäss  der  Rechtsprechung erforderlich – in der angefochtenen Verfügung dargelegt,  aus welchen Gründen es auf eine Anhörung verzichtet habe. Mit dieser  Vorgehensweise  hat  das  BFM  nach  Ansicht  des  Gerichts  den  Anforderungen  an  die  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  Genüge getan. Es ist somit in materieller Hinsicht zu prüfen, ob das BFM  den  Beschwerdeführenden  zu  Recht  die  Einreise  in  die  Schweiz  verweigert hat. 6.  6.1. Das BFM kann ein im Ausland gestelltes Asylgesuch ablehnen, wenn  die asylsuchende Person keine Verfolgung glaubhaft machen (vgl. Art. 3  und Art.  7  AsylG)  oder  ihr  die  Aufnahme  in  einem Drittstaat  zugemutet  werden  kann  (vgl.  Art.  52  Abs.  2  AsylG).  Vorbringen  sind  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden. 6.2.  Gemäss  Art.  20  Abs.  2  AsylG  bewilligt  das  BFM  einem  Asylsuchenden die Einreise zur Abklärung des Sachverhaltes, wenn ihm  nicht  zugemutet  werden  kann,  im  Wohnsitz­  oder  Aufenthaltsstaat  zu  bleiben oder in ein anderes Land auszureisen. Gestützt auf Art. 20 Abs. 3  AsylG  kann das Eidgenössische  Justiz­  und Polizeidepartement  (EJPD)  schweizerische  Vertretungen  ermächtigen,  einem  Asylsuchenden  die  Einreise  zu  bewilligen,  der  glaubhaft  macht,  dass  eine  unmittelbare 

E­4349/2011 Gefahr  für  Leib  und Leben oder  für  die Freiheit  aus  einem Grund nach  Art. 3 Abs. 1 AsylG bestehe. 6.3.  Bei  diesem  Entscheid  gelten  restriktive  Voraussetzungen  für  die  Erteilung  einer  Einreisebewilligung,  wobei  den  Behörden  ein  weiter  Ermessensspielraum zukommt. Neben der erforderlichen Gefährdung im  Sinne von Art. 3 AsylG sind namentlich die Beziehungsnähe zur Schweiz,  die  Möglichkeit  der  Schutzgewährung  durch  einen  anderen  Staat,  die  Beziehungsnähe  zu  anderen  Staaten,  die  praktische  Möglichkeit  und  objektive  Zumutbarkeit  zur  anderweitigen  Schutzsuche  sowie  die  voraussichtlichen  Eingliederungs­  und  Assimilationsmöglichkeiten  in  Betracht  zu  ziehen  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1997 Nr. 15 E. 2.e.­ g.  S.  131  ff.;  die  dort  akzentuierte  Praxis  hat  nach  bloss  redaktionellen  Änderungen bei der  letzten Totalrevision des Asylgesetzes nach wie vor  Gültigkeit). 7.  7.1. Das BFM verweigerte den Beschwerdeführenden die Einreise in die  Schweiz und lehnte die Asylgesuche ab.  Zur Begründung führte es aus, bei den Beschwerdeführenden handle es  sich  nicht  um  landesweit  bekannte Persönlichkeiten.  Es  sei  daher  nicht  davon  auszugehen,  dass  sie  von  ihren  Verfolgern  an  jedem  beliebigen  Ort  in  Kolumbien  ausfindig  gemacht  werden  können.  Zwar  sei  gemäss  den  eingereichten  Beweismitteln  das  Risikoprofil  der  Beschwerdeführenden  als  sehr  hoch  eingestuft  worden.  Dementsprechend hätten sie durch die Polizei Schutz erhalten, was das  Risiko  vermindere.  Trotz  der  geltend  gemachten  Gefährdung  seien  die  Beschwerdeführenden nach wie vor  in C._______ wohnhaft, was gegen  eine  akute  Gefährdung  spreche.  In  An­betracht  dieser  Sachlage  hätten  sie eine  innerstaatliche Fluchtalternative. Ferner  handle es  sich bei  den  geltend gemachten Erpressungen um kriminelle Machenschaften seitens  der Paramilitärs und nicht um eine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG. Weiter  führt die Vorinstanz aus, die Asylgesuche könnten auch gestützt  auf  Art.  52  Abs.  2  AsylG  abgelehnt  werden.  Gemäss  diesem  Artikel  könne  ein  Asylgesuch  eines  sich  im  Ausland  befindenden  Ausländers  abgelehnt  werden,  wenn  ihm  zugemutet  werden  könne,  sich  in  einem  anderen Staat um Aufnahme zu bemühen. Dabei sei das Vorhandensein  enger Bindungen zur Schweiz eines der wesentlichen Kriterien, welches 

E­4349/2011 zur Erteilung  einer Einreisebewilligung  führe. Die Beschwerdeführenden  machten  keine  besonders  nahen  Beziehungen  zur  Schweiz  geltend.  Unter diesen Umständen sei es ihnen zuzumuten, in einem anderen Land  um  Asylgewährung  nachzusuchen,  beispielsweise  in  einem  der  Nachbarstaaten von Kolumbien. Die meisten Staaten Südamerikas hätten  das  Abkommens  vom  28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  (FK,  SR  0.142.30)  ratifiziert  und  würden  sich  gemäss  den  Erkenntnissen  des  BFM  an  die  damit  verbundenen  Verpflichtungen  halten.  So  seien  beispielsweise  die  Nachbarstaaten  Brasilien,  Ecuador,  Panama  und  Peru  Vertragsparteien  sowohl  der  FK  als  auch  des  betreffenden  Zusatzprotokolls  vom  31.  Januar  1967;  Venezuela  seinerseits  habe  das  Abkommen  selbst  nicht  ratifiziert,  indes  das  Protokoll. Diese  Länder würden  über  ein  eigenes,  gesetzlich  geregeltes  Verfahren  zur  Anerkennung  von  Flüchtlingen  verfügen.  Namentlich  Argentinien und Brasilien würden über ein im Allgemeinen formelles und  gesichertes Asylverfahren verfügen. Zudem hielten sie sich gemäss den  Erkenntnissen  des  BFM  grundsätzlich  an  das  Gebot  des  Non­ Refoulement  von  Art.  33  FK,  auch  wenn  als  Einschränkung  habe  festgestellt  werden  müssen,  dass  es  in  den  Grenzgebieten  ­  insbesondere  denjenigen  zu  Panama  und  Venezuela  ­  in  den  letzten  Jahren  zu  unkontrollierten  Rückschiebungen  durch  die  Grenzbehörden  gekommen sei. Für die praktische Möglichkeit und die Zumutbarkeit der  anderweitigen  Schutzsuche  spreche  im  weiteren  die  Möglichkeit  der  visumsfreien Einreise in sämtliche umliegende Länder Kolumbiens sowie  der  Umstand,  dass  jährlich  mehrere  tausend  kolumbianische  Staatsangehörige  in  den Nachbarländern  ­  namentlich  in  Ecuador  ­  um  Asyl ersuchen und dort zu einem beträchtlichen Teil auch als Flüchtlinge  anerkannt  würden.  Diese  Staaten  würden  überdies  aus  geografischen,  sprachlichen  und  kulturellen  Gründen  als  offensichtlich  näherliegend  erscheinen. Hinzu komme, dass das UNHCR  in diesen Ländern vor Ort  sei  und  während  der  ersten  Monaten  wirtschaftliche  Unterstützung  an  Asylsuchende  und  Flüchtlinge  gewähre.  Den  Beschwerdeführenden  sei  es somit zumutbar, sich in einem anderen Staat um Schutz zu bemühen. 7.2.  In  der  Rechtsmitteleingabe  machen  die  Beschwerdeführenden  geltend,  sie  würden  weiterhin  von  den  Paramilitärs  bedroht  und  eingeschüchtert,  weil  sie  diese  bei  den  Behörden  angezeigt  hätten.  Weiter  führen  die  Beschwerdeführenden  aus,  ein  innerstaatliches  Ausweichen  sei  für  sie  nicht  möglich.  Sie  hätten  ihre  wirtschaftliche  Lebensgrundlage  und  ihre  persönlichen  Beziehungen  in  C._______.  Zwischenzeitlich hätten sie sich mit ihren Nachbarn zusammen getan und 

E­4349/2011 eine soziale Gemeinschaft gebildet. Jeder Unbekannte beziehungsweise  jedes  unbekannte  Fahrzeug  werde  umgehend  bei  den  Behörden  gemeldet. 7.3.  Vorweg  ist  festzuhalten,  dass  sowohl  das  BFM  als  auch  das  Bundesverwaltungsgericht  nicht  bestreiten,  dass  die  Beschwerdeführenden  seitens  der  Paramilitärs  bedroht  und  erpresst  werden.  Indes  gelangt  das Gericht  zum Schluss,  dass  das  BFM  in  der  angefochtenen  Verfügung  einerseits  zutreffend  festgestellt  hat,  den  Beschwerdeführenden  würde  eine  valable  innerstaatliche  Fluchtalternative  offenstehen,  weshalb  sie  nicht  auf  den  Schutz  der  Schweiz  angewiesen  seien.  Andererseits  hat  es  ausführlich  erwogen,  dass  es  den  Beschwerdeführenden  zumutbar  und  möglich  ist,  sich  in  einem  der  Nachbarstaaten  Kolumbiens  um  Schutz  vor  allfälliger  Verfolgung  zu  bemühen.  An  diesen  Feststellungen  vermag  der Hinweis  der  Beschwerdeführenden  in  der  Rechtsmitteleingabe,  sie  hätten  keine  persönliche  Beziehungen  beziehungsweise  keine  Lebensgrundlage  in  einem  anderen  Landesteil  Kolumbiens  beziehungsweise  ausserhalb  Kolumbiens,  nichts  zu  ändern.  Einzig  ist  darauf  zu  verweisen,  dass  sie  auch hier in der Schweiz niemanden kennen und keine Lebensgrundalge  haben. Sodann  ist  festzuhalten, dass die Beschwerdeführenden auch  in  der  Rechtsmitteleingabe  keinen  persönlichen  Bezug  zur  Schweiz  darlegen. Demnach  ist mit  der Vorinstanz  zu  schliessen,  dass es  ihnen  zuzumuten  ist,  in  einem  anderen  Land  als  der  Schweiz  um  Asylgewährung  nachzusuchen.  Um  diesbezüglich  Wiederholungen  zu  vermeiden, kann vollumfänglich auf die zutreffenden Erwägungen  in der  angefochtenen Verfügung verwiesen werden. Insgesamt ergeben sich somit keine Anhaltspunkte, die darauf schliessen  liessen,  es  sei  den  Beschwerdeführenden  praktisch  unmöglich  oder  objektiv unzumutbar, sich in einen anderen Staat, insbesondere einen der  Nachbarstaaten Kolumbiens, zu begeben. 8.  Zusammenfassend  ist  festzustellen,  dass  die  Beschwerdeführenden  weder  schutzbedürftig  im  Sinne  von  Art.  3  AsylG  sind,  noch  die  Anforderungen an eine Aufnahme in der Schweiz gemäss Art. 52 Abs. 2  AsylG  erfüllt  sind.  An  diesem  Schluss  vermögen  auch  die  auf  Beschwerdestufe  lediglich  in Kopie eingereichten Beweismittel  nichts zu  ändern. Das BFM hat den Beschwerdeführenden demnach zur Recht die  Einreise in die Schweiz nicht bewilligt und die Asylgesuche abgelehnt.

E­4349/2011 9.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art.  106  AsylG).  Die  Beschwerde ist daher abzuweisen. 10.  Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich der  Beschwerdeführerin  aufzuerlegen  (Art.  63  Abs.  1  VwVG).  Aus  verwaltungsökonomischen  Gründen  sowie  in  Anwendung  von  Art.  63  Abs.  1  in  fine VwVG und Art.  2  und  6 Bst.  b  des Reglements  vom 21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  (VGKE,  SR  173.320.2)  ist  vorliegend  auf  die  Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten. (Dispositiv nächste Seite)

E­4349/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die  Schweizerische Botschaft in Bogotá. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Kurt Gysi Barbara Balmelli Versand:

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