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Bundesverwaltungsgericht 10.08.2011 E-4266/2011

10 agosto 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·805 parole·~4 min·1

Riassunto

Asylverfahren (Übriges) | Revision; Urteil des Bundesverwaltugnsgerichts vom 6. Juli 2011

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung V E­4266/2011 beu/boi/ris Urteil   v om   1 0 .   Augus t   2011 Besetzung Richterin Muriel Beck Kadima (Vorsitz), Richter Pietro Angeli­Busi, Richterin Gabriela Freihofer,    Gerichtsschreiberin Stella Boleki. Parteien A._______, geboren am (…), Iran,   vertreten durch Johanna Fuchs, Elisa ­ Asile, Assistance  juridique, (…), Gesuchsteller,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern.    Gegenstand Revision; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom  6. Juli 2011 / E­(…).

E­4266/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass  der Gesuchsteller  am  7. November  2008  in  der  Schweiz  um Asyl  nachsuchte, dass  er  zur  Begründung  seines  Gesuchs  zusammenfassend  geltend  machte,  er  habe  sich  für  das Christentum  interessiert,  seine Eltern  und  sein Bruder, der beim iranischen Verteidigungsministerium arbeite, seien  jedoch  dagegen  gewesen  und  er  sei  u.a.  durch  Letzteren  bedroht  gewesen, dass das BFM mit Verfügung vom 15. Januar 2009 auf das Asylgesuch  des Gesuchstellers  gestützt  auf Art.  32 Abs.  2 Bst.  a  des Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  nicht  eintrat  und  seine  Wegweisung aus der Schweiz sowie deren Vollzug anordnete, dass  das  Bundesverwaltungsgericht  mit  Urteil  vom  6.  Juli  2011  die  dagegen  erhobene  Beschwerde  des  Gesuchstellers  letztinstanzlich  abwies, dass der Gesuchsteller mit Eingabe vom 2. August 2011 erneut an das  Bundesverwaltungsgericht gelangte, dass er dabei um Revision des Urteils vom 6. Juli 2011, um Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  und  eventualiter  um  Feststellung  der  Unzulässigkeit,  Unzumutbarkeit  und  Unmöglichkeit  des  Vollzugs  der  Wegweisung und um Gewährung der vorläufigen Aufnahme ersuchte, dass  er  in  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  den  Erlass  vorsorglicher  Massnahmen (Aussetzen des Wegweisungsvollzugs), die Gewährung der  unentgeltlichen Prozessführung und den Verzicht auf die Erhebung eines  Kostenvorschusses beantragte, dass gleichzeitig zwei Bestätigungsschreiben als Beweismittel eingereicht  wurden, dass  der  Gesuchsteller  zur  Begründung  seiner  Revisionseingabe  im  Wesentlichen anführte, es hätten sich neue Tatsachen bezüglich seines  religiösen Glaubens und der Situation von Christen im Iran ergeben, dass  er  zudem Schritte  unternommen  habe,  um  seine  Frau, mit  der  er  nach Brauch verheiratet sei, auch zivilrechtlich zu ehelichen,

E­4266/2011 dass  die  Instruktionsrichterin  des  Bundesverwaltungsgerichts  die  zuständigen  kantonalen  Behörden  am  3.  August  2011  per  Telefax  anwies,  einstweilen  von  Vollzugsmassnahmen  abzusehen,  bis  das  Bundesverwaltungsgericht  nach  Eingang  der  Akten  über  allfällige  vorsorgliche Massnahmen entscheiden könne, und erwägt, dass  das  Bundesverwaltungsgericht  für  die  Revision  von  Entscheiden  zuständig ist, die es in seiner Funktion als Beschwerdeinstanz gefällt hat  (vgl. BVGE 2007/21 E.2.1 mit weiteren Hinweisen), dass  gemäss  Art.  45  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17.  Juni  2005  (VGG,  SR  173.32)  für  die  Revision  von  Urteilen  des  Bundesverwaltungsgerichts die Art. 121­128 des Bundesgerichtsgesetzes  vom 17. Juni 2005 (BGG, SR 173.110) sinngemäss gelten,  dass  gemäss  Art.  47  VGG  auf  Inhalt,  Form  und  Ergänzung  des  Revisionsgesuches  Art.  67  Abs.  3  des  Bundesgesetzes  vom  20.  Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021)  Anwendung findet, dass  an  die  Begründung  ausserordentlicher  Rechtsmittel  erhöhte  Anforderungen gestellt werden (Art. 125 BGG; Art. 67 Abs. 3 VwVG), dass  mit  dem  ausserordentlichen  Rechtsmittel  der  Revision  die  Unabänderlichkeit  und  Massgeblichkeit  eines  rechtskräftigen  Beschwerdeentscheides  angefochten  werden  kann,  im  Hinblick  darauf,  dass die Rechtskraft beseitigt und über die Sache neu entschieden wird, dass  in  der  Rechtsschrift  die  Rechtzeitigkeit  des  Revisionsbegehrens  darzutun  und  zudem  anzugeben  ist,  welcher  gesetzliche  Revisionstatbestand angerufen wird und inwieweit Anlass besteht, gerade  diesen Grund geltend zu machen, dass  auf  ein  Gesuch  nur  einzutreten  ist,  wenn  ihm  genügend  substantiierte,  wirkliche  Rechtsmittelgründe  zu  entnehmen  sind  (vgl.  FRITZ GYGI, Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Aufl., Bern 1983, S. 229  f.),

E­4266/2011 dass  demgegenüber  nicht  erforderlich  ist,  dass  die  angerufenen  Revisionsgründe  wirklich  bestehen,  sondern  es  genügt,  wenn  der  Gesuchsteller deren Vorliegen behauptet (vgl. BGE 96 I 279), dass  der Gesuchsteller  in  seiner  Eingabe  zwei  Beweismittel  (Schreiben  eines  Jugendpastors  vom 6.  Juli  2010  und  des Kaders  der  "Aumônerie  genevoise  oecuménique  auprès  des  requérants  d'asile"  [AGORA]  vom  25.  Juli  2011)  zum  Beleg  seines  christlichen  Glaubens  und  der  im  ordentlichen  Verfahren  vorgebrachten  drohenden  Nachteile  seines  Heimatstaates  gegen  ihn  als  Christ  einreichte  und  sich  auf  den  Revisionsgrund gemäss Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG berief, dass zudem von der Rechtzeitigkeit des Revisionsgesuches auszugehen  ist,  da dieses weniger als 90 Tage nach Erlass des ordentlichen Urteils  eingereicht wurde (vgl. Art. 124 Abs. 1 Bst. d BGG), dass auf  das Revisionsgesuch nach dem Gesagten  einzutreten  ist  (vgl.  Art.  124  BGG;  Art.  47  VGG  i.V.m.  Art.  67  Abs.  3  VwVG  i.V.m.  Art.  52  VwVG),  zumal  der  Gesuchsteller  durch  das  angefochtene  Urteil  besonders  berührt  ist  und  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  dessen  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung  hat,  womit  die  Legitimation  gegeben  ist  (vgl.  analog  Art.  48  Abs.  1  VwVG;  URSINA BEERLI­BONORAND,  Die ausserordentlichen Rechtsmittel des Bundes und der Kantone, Zürich  1985, S. 65 ff.), dass  aus  den  nachstehend  dargelegten  Gründen  ein  unbegründetes  Revisionsgesuch vorliegt,  dass  gemäss  Art.  123  Abs.  2  Bst.  a  BGG  in  öffentlich­rechtlichen  Angelegenheiten die Revision eines Urteils verlangt werden kann, wenn  die  ersuchende  Partei  nachträglich  erhebliche  Tatsachen  erfährt  oder  entscheidende Beweismittel auffindet, die sie im früheren Verfahren nicht  beibringen konnte, unter Ausschluss der Tatsachen und Beweismittel, die  erst nach dem Entscheid entstanden sind, dass  der  Revisionsgrund  der  nachträglich  erfahrenen  Tatsachen  zum  einen  beinhaltet,  dass  sich  diese  bereits  vor  Abschluss  des  Beschwerdeverfahrens verwirklicht haben; als Revisionsgrund sind somit  lediglich sogenannte unechte Noven zugelassen;  dass  zum  anderen  Art.  123  Abs.  2  Bst.  a  BGG  verlangt,  dass  die  gesuchstellende  Partei  die  betreffende  Tatsache  während  des 

E­4266/2011 vorangegangenen  Verfahrens,  das  heisst  bis  zur  Urteilsfällung,  nicht  gekannt hat und deshalb nicht geltend machen konnte, dass nur mit Zurückhaltung anzunehmen ist, es sei einer gemäss Art. 123  BGG um Revision ersuchenden Partei nicht möglich gewesen, Tatsachen  und  Beweise  bereits  im  früheren  Verfahren  beizubringen;  der  Revisionsgrund  der  unechten  Noven  dient  nicht  dazu,  bisherige  Unterlassungen  in  der  Beweisführung  wieder  gutzumachen  (vgl.  ELISABETH ESCHER,  in:  Basler Kommentar,  Bundesgerichtsgesetz,  Basel  2008, N. 8 zu Art. 123 BGG), dass  damit  auch  Umstände  ausgeschlossen  sind,  welche  die  gesuchstellende Partei bei pflichtgemässer Sorgfalt hätte kennen können;  eine Revision ist namentlich dann ausgeschlossen, wenn die Entdeckung  der  erheblichen  Tatsachen  auf  Nachforschungen  beruht,  die  bereits  im  früheren Verfahren hätten angestellt werden können, denn darin  ist eine  unsorgfältige  Prozessführung  der  gesuchstellenden  Partei  zu  erblicken  (vgl. zum Ganzen: ANDRÉ MOSER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER,  Prozessieren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht,  Handbücher  für  die  Anwaltspraxis, Band X, Basel 2008, Rz. 5.47, S. 249 f.), dass  revisionsweise  eingereichte  Beweismittel  nur  dann  als  neu  zu  qualifizieren  und  beachtlich  sind,  wenn  sie  entweder  neue  erhebliche  Tatsachen  erhärten  oder  geeignet  sind,  dem Beweis  von  Tatsachen  zu  dienen,  die  zwar  im  früheren  Verfahren  bekannt  gewesen,  aber  zum  Nachteil  der  gesuchstellenden  Partei  unbewiesen  geblieben  sind,  respektive wenn  sie  bei  Vorliegen  im  ordentlichen  Verfahren  vermutlich  zu einem anderen Entscheid geführt hätten, dass das Schreiben des Jugendpastors der Gemeinde B._______ vom 6.  Juli  2010  (Zeugnis  für  Eheschliessungsgesuch)  dem Gericht  bereits  im  ordentlichen  Verfahren  bekannt  war  (vgl.  A33),  diesem  jedoch  ohnehin  lediglich  zu  entnehmen  ist,  dass  der  Gesuchsteller  es  ernst  meine  mit  dem christlichen Glauben und dass der Verfasser eine kirchliche Trauung  des Gesuchstellers und seiner zukünftigen Frau – deren Asylgesuch auf  erstinstanzlicher Ebene hängig ist – unterstützen könne, dass  es  somit  revisionsrechtlich  weder  als  neu  noch  erheblich  erachtet  werden kann,  dass  zudem  nicht  ersichtlich  ist,  inwiefern  dem  Schreiben  von  AGORA  vom  25.  Juli  2011  –  wonach  der  Gesuchsteller  sich  in  die  christliche 

E­4266/2011 Gemeinschaft  integriere und sich durch seinen christlichen Glauben von  der afghanischen Gemeinschaft  in Genf distanziere –  revisionsrelevante  Tatsachen enthalten sollte, dass  es  erst  nach  dem  revisionsweise  angefochtenen Urteil  entstanden  ist und sich daher im Zusammenhang mit Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG die  Frage  der  Rechtzeitigkeit  ergibt,  die  indessen  vorliegend  offenbleiben  kann, da das Beweismittel jedenfalls offenkundig der revisionsrechtlichen  Erheblichkeit entbehrt, dass auch die übrigen Ausführungen des Gesuchstellers über in den Iran  rückkehrende  konvertierte  Christen  und  seine  dreijährige  Landesabwesenheit an dieser Einschätzung nichts zu ändern vermögen,  da  sie  lediglich  als  appellatorische  Kritik  am  Beschwerdeurteil  zu  bewerten sind, zu deren Berücksichtigung auf Revisionsebene kein Raum  besteht, dass  die  vom  Gesuchsteller  mit  diesen  Vorbringen  begehrte  erneute  rechtliche  Würdigung  aktenkundiger  Tatsachen  eine  Rechtsfrage  und  nicht  den  Sachverhalt  beschlägt  und  damit  keinen  Revisionsgrund  darstellt  (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der ARK  [EMARK] 2000  Nr. 29 E. 5), dass  die  geplante  zivilrechtliche  Heirat  des  Gesuchstellers  ebenfalls  keinen Revisionsgrund  darstellt,  in  diesem Zusammenhang  aber  darauf  hingewiesen  wird,  dass  in  Folge  einer  Heirat  allenfalls  ein  Wiedererwägungsgesuch an das BFM gerichtet werden könnte,  dass  sich  aus  den  Beweismitteln  insgesamt  somit  keine  Tatsachen  ergeben,  die  zu  einer  Aufhebung  des  Urteils  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom  6.  Juli  2011  führen  könnten,  weshalb  das Gesuch um Revision dieses Urteils abzuweisen ist, dass mit  Ergehen  des  vorliegenden  Entscheids  die  gestellten  Gesuche  um Aussetzung des Vollzugs der Wegweisung  (Art. 112 AsylG) und um  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  gegenstandslos  geworden sind, dass wegen der Aussichtslosigkeit des vorliegenden Revisionsgesuches  das Gesuch  um Gewährung  der  unentgeltlichen Rechtspflege  im Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  VwVG  ungeachtet  der  vorgebrachten  –  indes  nicht  belegten – Bedürftigkeit des Gesuchstellers abzuweisen ist,

E­4266/2011 dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten von Fr. 1'200.­  (Art.  37  VGG  i.  V. m.  Art.  63  Abs.  1  VwVG)  dem Gesuchsteller  aufzuerlegen  sind (Art. 1­3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite)

E­4266/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Das Revisionsgesuch wird abgewiesen. 2.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  wird  abgewiesen. 3.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  1'200.­  werden  dem  Gesuchsteller  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4.  Dieses Urteil geht an die Rechtsvertreterin des Gesuchstellers, das BFM  und die zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Muriel Beck Kadima Stella Boleki Versand:

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