Skip to content

Bundesverwaltungsgericht 11.10.2011 E-3986/2007

11 ottobre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·4,723 parole·~24 min·1

Riassunto

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 10. Mai 2007

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung V E­3986/2007 Urteil   v om   1 1 .   O k t ob e r   2011 Besetzung Richterin Muriel Beck Kadima (Vorsitz), Richterin Regula Schenker Senn,  Richterin Gabriela Freihofer, Gerichtsschreiberin Tu­Binh Truong. Parteien A._______, geboren am (…), Türkei, vertreten durch Peter Frei, Rechtsanwalt, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 10. Mai  2007 / N (…).

E­3986/2007 Sachverhalt: A.  A.a Der Beschwerdeführer, ein alevitischer Kurde mit letztem Wohnsitz in  B._______,  suchte  am  30.  Mai  2005  in  der  Empfangsstelle  (ES;  heute  Empfangs­ und Verfahrenszentrum [EVZ]) C._______ um Asyl nach. Am  31.  Mai  2005  wurde  er  summarisch  befragt  und  am  22. Juni  2005  eingehend zu seinem Reiseweg und zu seinen Asylgründen angehört. A.b Dabei brachte er vor, er sei (Jahreszahl) als (Zahl)­Jähriger aus der  Türkei  ausgereist  und habe  sich  seit  dem  (Datum)  in  der Schweiz  –  im  Besitz  einer  Aufenthaltsbewilligung  B  –  bei  seinem Vater  –  der  damals  ebenfalls über eine kantonale B­Bewilligung verfügt habe – aufgehalten.  In einem Vereinslokal in C._______ sei er erstmals mit der Arbeiterpartei  Kurdistans  (PKK)  in Kontakt  gekommen, durch deren Propaganda stark  beeinflusst  worden  und  habe  ein  kurdisches  Bewusstsein  entwickelt.  Schliesslich  habe  er  sich  der  PKK  angeschlossen.  Er  sei  in  (Europäisches Land) oder den (Europäisches Land) für seine Tätigkeit in  der  PKK  ausgebildet  worden  und  habe  anschliessend  in  der  Schweiz  Propaganda betrieben. (Jahreszahl) habe er an einer Demonstration vor  dem  türkischen  Konsulat  in  Bern  teilgenommen  –  wobei  eine  Person  getötet  und  elf  Personen  verletzt  worden  seien  –  und  sei  in  der  Folge  während  drei  Stunden  durch  die  Polizei  festgehalten  worden.  (Jahreszahl)  sei  er  nach  (Europäisches  Land)  gegangen  und  dort  zwei  Jahre  lang  für  die  PKK  tätig  gewesen.  Am  (Datum)  habe  er  Europa  verlassen und  sich während  fünf Monaten  in  (Stadt)  aufgehalten, wo er  für seine zukünftige Tätigkeit ausgebildet worden sei. Danach habe er bis  (Jahreszahl)  in  den  kurdischen Bergen  im  (kurdisches Gebiet)  –  in  den  Regionen von D._______, E._______ und F._______ – gelebt. Er sei bei  der  PKK  als  Kämpfer  –  u.a.  als  Gruppenleiter  von  sieben  bis  zehn  Personen –, Pressemitarbeiter  und Vermittler  beim Funk  tätig gewesen,  mehrheitlich hinter der Front beim Stab. Eine Ausbildung  für den Kampf  habe er nur während vier Tagen  in D._______ erhalten.  Im Jahre 2001  sei  er  über  den  (Land)  nach  (Osteuropäisches  Land)  und  am  (Datum)  bzw.  (Jahreszahl)  nach  (Osteuropäisches  Land)  gereist.  Ende  (Jahreszahl) sei er in den (kurdisches Gebiet) (F._______) zurückgekehrt  und  zwei  Monate  später  nach  (Osteuropäisches  Land)  weitergereist,  wobei  er  zehn  Monate  später  wieder  in  den  (kurdisches  Gebiet)  zurückgekehrt  sei.  Dabei  sei  er  an  der  (...) Grenze  angehalten  und  auf  der (...) Seite durch die Demokratische Partei Kurdistans (KDP) während  zwölf  Tagen  festgehalten  worden.  Nach  der  Entlassung  sei  er  noch 

E­3986/2007 einmal nach (Osteuropäisches Land) gegangen. In jener Zeit sei es seine  Aufgabe  gewesen,  mit  Kurden  in  (Osteuropäischen  Ländern)  Kontakt  aufzunehmen,  um  sie  dazu  zu  bewegen,  sich  mehr  für  die  kurdische  Sprache  und  Kultur  zu  interessieren  und  sich  für  ihre  demokratischen  Rechte  einzusetzen.  Zudem  sollte  er  neue Guerilla­Kämpfer  rekrutieren  und Geld für die PKK beschaffen. Von (Osteuropäisches Land) aus sei er  am (Datum) wieder  in den  (kurdisches Gebiet) gereist. Ende 2004 habe  er  schriftlich  seinen Austritt  aus  der PKK bekannt  gegeben,  da  er  nach  der Spaltung der Organisation überzeugt gewesen sei, dass sie in dieser  Form nichts erreichen könne. Um ihn zum Bleiben zu zwingen, habe die  Organisation  ihn zunächst zwei Wochen  lang  isoliert und dann während  64  Tagen  in  Haft  genommen.  Da  er  jedoch  zum  Austritt  entschlossen  gewesen  sei,  sei  ihm  im März  2005  erlaubt  worden,  das  Lager  in  den  Bergen  zu  verlassen  und  sich  in  das  Flüchtlingslager  G._______  zu  begeben. Von dort aus habe er Kontakt mit seinem Vater aufgenommen,  der ihn zweimal in G._______ besucht und ihm Geld gebracht habe. Sein  Vater  sei  an  der  türkisch­(...)  Grenze  angehalten  und  über  den  Beschwerdeführer  befragt  bzw.  sei  ihm  mitgeteilt  worden,  sein  Sohn  werde  (tot oder  lebendig) gesucht. Mit dem Geld seines Vaters habe er  durch  einen  Schlepper  gefälschte  Reisepapiere  besorgen  können.  Anfang Mai 2005 habe er den (Land) verlassen und sei über den (Land)  per Flugzeug nach  (Land) gelangt,  von wo aus er am 23. Mai 2005 via  Wien nach Zürich geflogen sei. Zur  Begründung  seines  Asylgesuches  machte  er  des  Weiteren  im  Wesentlichen geltend, er könne als ehemaliger PKK­Aktivist nicht  in die  Türkei zurückkehren, da er davon ausgehe, wegen der Mitgliedschaft bei  einer  illegalen  Organisation  gesucht  zu  werden.  Die  gesamte  Bevölkerung  aus  dem  Raum  B._______  wisse,  dass  er  sich  der  PKK  angeschlossen  habe.  Ferner  gelte  er  in  der  Türkei  als  Militärdienstflüchtiger.  In  der  Schweiz  würden  zudem  alle  seine  Familienangehörigen leben.  A.c Der  Beschwerdeführer  reichte  auf  erstinstanzlicher  Ebene  folgende  Urkunden und Beweismittel ein: Eine gefälschte türkische Identitätskarte;  Kopien eines gefälschten Passes, den er  in der (Ausland) benutzt habe;  einen Auszug  aus  dem Familienregister;  einen Zeitungsbericht mit  Foto  (auf  dem er  abgebildet  ist)  über  die PKK  aus  der  (Zeitschriftname)  aus  dem Jahre (Jahreszahl); diverse Fotos aus den Jahren (Jahreszahl) (mit  Abdullah  Öcalan  in  (Stadt),  H._______),  (Jahreszahl)  (als  Kämpfer  in  I._______,  J._______),  (Jahreszahl)  (in  (Osteuropäische  Stadt))  und 

E­3986/2007 (Jahreszahl)  (im  Flüchtlingslager  G._______);  zwei  Visitenkarten  von  Hotels;  seine Flugtickets von  (Stadt) über Wien nach Zürich und zurück  sowie Tagebuchaufzeichnungen, die in der Zeit der Inhaftierung durch die  PKK entstanden seien. B.  Das BFM stellte mit Verfügung vom 10. Mai 2007 – eröffnet am 14. Mai  2007  –  fest,  der  Beschwerdeführer  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht, weshalb  das Asylgesuch abgelehnt  und die Wegweisung aus der  Schweiz  sowie  deren  Vollzug  angeordnet  wurde.  Zudem  wurde  die  gefälschte  türkische  Identitätskarte  eingezogen.  Den  Vollzug  der  Wegweisung erachtete das BFM als zulässig, zumutbar und möglich. Auf  die  Begründung  wird,  soweit  entscheidwesentlich,  in  den  Erwägungen  eingegangen. C.  Mit  Eingabe  vom  11.  Juni  2007  (Poststempel)  an  das  Bundesverwaltungsgericht  liess  der  Beschwerdeführer  durch  seinen  damaligen  Rechtsvertreter  gegen  die  Verfügung  des  BFM  Beschwerde  erheben  und  beantragen,  diese  sei  aufzuheben,  er  sei  als  Flüchtling  anzuerkennen  und  es  sei  ihm  Asyl  zu  gewähren.  Eventualiter  sei  die  Verfügung  des BFM aufzuheben  und  die Sache  sei  zur Neubeurteilung  an die Vorinstanz zurückzuweisen; subeventualiter sei festzustellen, dass  die  Wegweisung  (recte:  der  Vollzug  der  Wegweisung)  unzulässig  und  unzumutbar sei, weshalb  ihm die vorläufige Aufnahme zu gewähren sei.  In  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  wurde  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  sowie  um  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  ersucht.  Auf  die  Begründung  und  zusätzlich  eingereichte  Beweismittel  wird,  soweit  entscheidwesentlich,  in  den  Erwägungen eingegangen. D.  Mit  Zwischenverfügung  vom  18.  Juni  2007  erwog  die  damalige  Instruktionsrichterin,  der  Beschwerdeführer  könne  den  Ausgang  des  Verfahrens  in der Schweiz abwarten. Da seine Bedürftigkeit nicht belegt  sei, habe er bis zum 2. Juli 2007 eine Fürsorgebestätigung einzureichen,  ansonsten davon auszugehen sei, er sei nicht bedürftig. Die Fürsorgebestätigung wurde am 26. Juni 2007 eingereicht.

E­3986/2007 E.  Mit  Zwischenverfügung  vom  2.  Juli  2007  hiess  das  Bundesverwaltungsgericht  das  Gesuch  des  Beschwerdeführers  um  Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021)  unter  Vorbehalt  der  Veränderung  seiner  finanziellen  Lage  gut,  verzichtete  auf  die Erhebung  eines  Kostenvorschusses  und  lud  die  Vorinstanz  zur  Einreichung  einer  Stellungnahme bis zum 17. Juli 2007 ein. F.  Das BFM liess sich mit Schreiben vom 5. Juli 2007 vernehmen und führte  aus, die Beschwerdeschrift enthalte keine neuen erheblichen Tatsachen  oder Beweismittel, die eine Änderung seines Standpunktes  rechtfertigen  könnten.  An  den  Erwägungen  werde  vollständig  festgehalten  und  es  werde daher die Abweisung der Beschwerde beantragt. G.  Am  20.  März  2008  reichte  der  Beschwerdeführer  zum  Beleg  seiner  Integration  in der Schweiz Kopien seines Lehrvertrages vom 18. August  2007  und  einer  Ausnahme­Bildungsbewilligung  des  (Kantonales  Amt)  vom  25. Februar  2008  sowie  ein  Referenzschreiben  eines  Turnvereins  vom März 2008 ein. H.  Mit Schreiben vom 4. Juli 2008 führte der Beschwerdeführer aus, er habe  erfahren,  dass  mehrere  Personen,  die  mit  ihm  im  F._______  gewesen  seien,  als  Flüchtlinge  anerkannt  worden  seien,  weshalb  er  aufgrund  seines noch ausstehenden Entscheides besorgt sei. I.  Am  27.  August  2008  zeigte  der  neue  Rechtsvertreter  des  Beschwerdeführers  sein  Mandat  an  und  reichte  ein  Referenzschreiben  eines  ehemaligen  Asylbewerbers  vom  18.  August  2008  ein,  der  dem  Beschwerdeführer im Sommer (Jahreszahl) im (kurdisches Gebiet) und in  den  Jahren  (Jahreszahl)  und  (Jahreszahl)  in  (Osteuropäisches  Land)  begegnet sei. Mit Eingabe vom 1. September 2008 wurden drei weitere  Referenzschreiben kurdischer Flüchtlinge und am 9. September 2009 ein  Arztbericht vom 17. März 2009 eingereicht.

E­3986/2007 Mit  Schreiben  vom  5.  August  2010  nahm  der  Arbeitgeber  des  Beschwerdeführers zu dessen beruflichem Werdegang Stellung. J.  Mit  Verfügung  vom  19.  April  2011  gab  das  Bundesverwaltungsgericht  dem Beschwerdeführer – angesichts des  länger zurückliegenden  letzten  Schriftenwechsels  –  Gelegenheit,  bis  zum  6.  Mai  2011  allfällige  Beschwerdeergänzungen  zu  machen  und  gegebenenfalls  Beweismittel  einzureichen. K.  Der Beschwerdeführer führte mit Schreiben vom 2. Mai 2011 aus, dass er  am 25. Juni 2011 seinen Berufsabschluss als (Beruf) erhalten sollte und  dass  ihm  sein  Lehrbetrieb  eine  Anstellung  für  zwei  Jahre  in  Aussicht  gestellt  habe;  insoweit  könne  er  sich  auf  eine  gelungene  Integration  berufen. L.  Mit  Schreiben  vom  22.  August  2011  reichte  der  Rechtsvertreter  des  Beschwerdeführers  den  Berufsabschluss  seines  Mandaten  als  (Beruf)  vom  5.  August  2011  (in  Kopie)  und  eine  detaillierte  Kostennote  zu  den  Akten. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  [AsylG,  SR 142.31];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]).  Ein  solches  Auslieferungsersuchen  besteht  nicht,  weshalb  das  Bundesverwaltungsgericht vorliegend endgültig entscheidet.

E­3986/2007 1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung;  er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art.  37  VGG  und  Art 48  Abs. 1,  Art.  50  sowie  Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  3.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 3.2.  Die  im  Gesetz  so  definierte  Flüchtlingseigenschaft  erfüllt  eine  asylsuchende  Person  nach  Lehre  und  Rechtsprechung  dann,  wenn  sie  Nachteile  von  bestimmter  Intensität  erlitten  hat  beziehungsweise  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  und  in  absehbarer  Zukunft  begründeterweise  befürchten  muss,  welche  ihr  gezielt  und  aufgrund  bestimmter  Verfolgungsmotive  durch  Organe  des  Heimatstaates  oder  durch  nichtstaatliche  Akteure  zugefügt  worden  sind  beziehungsweise  zugefügt  zu  werden  drohen  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2006 Nr. 18 E. 7 und 8  S. 190 ff., 2005 Nr. 21 E. 7 S. 193; BVGE 2008/4 E. 5.2). Dabei umfasst  die  Furcht  vor  künftiger  Verfolgung  allgemein  ein  auf  tatsächlichen  Gegebenheiten  beruhendes  objektives  Element  einerseits  sowie  die  persönliche  Furchtempfindung  der  betroffenen  Person  als  subjektives  Element  andererseits.  Begründete  Furcht  vor  Verfolgung  im  Sinne  von 

E­3986/2007 Art. 3 AsylG hat demnach, wer gute – d.h. von Dritten nachvollziehbare –  Gründe  (objektives  Element)  für  seine  Furcht  (subjektives  Element)  vorweist, mit gewisser Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft das  Opfer von Verfolgung zu werden (vgl. BVGE 2010/9 E. 5.2 mit weiteren  Hinweisen).  3.3.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7  AsylG). 3.4. Gemäss Art. 54 AsylG werden Flüchtlinge vom Asyl ausgeschlossen,  wenn  sie  erst  durch  ihre Ausreise aus dem Heimat­  und Herkunftsstaat  oder wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise Flüchtlinge im Sinne von  Art. 3 AsylG wurden.  4.  4.1.  Zur  Begründung  ihres  ablehnenden  Entscheides  stellte  die  Vorinstanz  in  ihrer  Verfügung  vorab  fest,  dass  nach  dem  Willen  des  Gesetzgebers exilpolitische Aktivitäten nur dann im Sinne von subjektiven  Nachfluchtgründen zu werten seien, wenn  feststehen würde, dass diese  Aktivitäten  im  Falle  einer  Rückkehr  mit  hoher  Wahrscheinlichkeit  eine  politische  Verfolgung  zur  Folge  haben  würde.  Diese  Feststellung  begründete  sie  mit  dem  Willen  des  Gesetzgebers,  wonach  "subjektive  Nachfluchtgründe  nur  dann  zur  Zuerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  oder  der  vorläufigen  Aufnahme  führen,  wenn  eine  Rückweisung  der  asylsuchenden  Person  in  ihre  Heimat  die  von  der  Schweiz  unterzeichneten  (recte:  ratifizierten)  Konventionen  verletzen  würde".  Analog der Prüfung des Vorliegens einer Wegweisungsschranke gemäss  Art.  3 EMARK  (recte: Konvention  vom 4. November 1950  zum Schutze  der Menschenrechte und Grundfreiheiten, SR 0.101, [EMRK]) sei folglich  auch bezüglich des Vorliegens subjektiver Nachfluchtgründe ein strenger  Massstab anzuwenden. Sie  führte  sodann  im  Wesentlichen  aus,  der  Beschwerdeführer  sei  gemäss  eigenen  Aussagen  vor  seiner  Einreise  in  die  Schweiz  im  Juli  (Jahreszahl) in seinem Heimatland in politischer Hinsicht in keiner Weise 

E­3986/2007 tätig gewesen. Zudem habe er vorgebracht, stets  im Ausland jedoch nie  in seinem Heimatland für die PKK tätig gewesen zu sein.  Mit  diesen Erwägungen  schloss  die  Vorinstanz  somit  implizit  vorab  das  Vorhandensein von Vorfluchtgründen aus. Sie  führte  des  Weiteren  aus,  vor  dem  Hintergrund  des  dargelegten  Sachverhaltes, seien somit keine konkreten Anhaltspunkte zur Annahme  ersichtlich, dass der Beschwerdeführer von den türkischen Behörden als  regimefeindliche Person oder gar als PKK­Mitglied registriert worden sei.  Da  der  türkische  Geheimdienst  Exilaktivitäten  wohl  beobachte,  seine  Erkenntnisse  aber  erfahrungsgemäss  nur  selten  den  Strafverfolgungsbehörden übermittle, sei nur dann von einer begründeten  Furcht  vor  Verfolgung  wegen  politischer  Aktivitäten  im  Ausland  auszugehen,  wenn  diese  offenkundig  den  türkischen  Behörden  zur  Kenntnis  gelangt  seien,  der  Betreffende  in  Medienerzeugnissen  unverwechselbar  als  militanter  Aktivist  erkennbar  sei,  allenfalls  sogar  namentlich genannt werde, oder eine Kaderfunktion ausübe. Eine solche  Sachlage  liege  jedoch  nicht  vor,  weshalb  nicht  davon  auszugehen  sei,  dass  der  Beschwerdeführer  unter  spezieller  Beobachtung  seitens  der  türkischen  Behörden  gestanden  hätte.  Den  Akten  könnten  also  keine  glaubhaften Hinweise entnommen werden, dass die türkischen Behörden  von der Mitgliedschaft des Beschwerdeführers bei der PKK und dessen  damit  zusammenhängenden  Aktivitäten  ausserhalb  der  Türkei  Kenntnis  genommen  hätten.  Ferner  würden  die  Ausführungen  des  Beschwerdeführers eine konkrete Bedrohung nicht nahe legen, da sie auf  blossen  Mutmassungen  oder  nicht  überprüfbaren  Erlebnissen  seines  Vaters  an  der  türkisch­(…)  Grenze  beruhen  würden.  Gleiches  gelte  für  die  als  Beweismittel  eingereichten  Fotografien,  welche  keine  Identifizierung  des  Beschwerdeführers  durch  die  türkischen  Behörden  ermöglichen  würden,  selbst  wenn  diese  in  deren  Besitz  genommen  worden wären.  Zusammenfassend  verfüge  der  Beschwerdeführer  somit  nicht über ein bekanntes politisches Profil, das ihn bei einer Rückkehr in  die Türkei einer konkreten Gefährdung aussetzen würde. Im Weiteren  bemerkte  die Vorinstanz  noch,  dass  die  geltend  gemachte  Inhaftierung  durch  die  KDP  im  (kurdisches  Gebiet)  –  somit  in  einem  Drittstaat  –  stattgefunden  habe.  Da  ausschliesslich  Verfolgungsmassnahmen  durch  den  Heimatstaat  als  staatliche  Verfolgungsmassnahmen  im  Sinne  des  Asylgesetzes  zu  bezeichnen  seien, komme diesem Vorbringen keine Asylrelevanz zu.

E­3986/2007 Schliesslich  führte sie aus,  in der Türkei erfolge eine Bestrafung wegen  Wehrdienstverweigerung  aus  rein  militärstrafrechtlichen  Gründen,  weshalb  selbst  aus  einer  allenfalls  drohenden  schweren  Strafe  keine  asylbeachtliche Verfolgung abgeleitet werden könne. Somit sei auch das  diesbezügliche Vorbringen des Beschwerdeführers nicht asylrelevant. 4.2. Auf Beschwerdeebene bringt der Beschwerdeführer im Wesentlichen  vor,  es  handle  sich  bei  seinen  Tätigkeiten  nicht  um  exilpolitische  Aktivitäten.  Er  sei  während  fünf  Jahren  in  den  Bergen  an  der  (…)­ türkischen Grenze stationiert gewesen und habe sich jeweils von Frühling  bis Herbst auf der türkischen Seite aufgehalten und dort an bewaffneten  Auseinandersetzungen  der  PKK  gegen  die  türkische  Armee  teilgenommen. Ferner bestehe die Gefahr bei einer Rückkehr in die Türkei, dass man ihn  verraten  würde,  da  er  Personen  kenne,  die  von  der  türkischen  Polizei  festgenommen  worden  seien,  so  beispielsweise  Abdullah  Öcalan,  den  Führer der PKK. Auch würden  in seinem Herkunftsort einige Feinde des  Beschwerdeführers  wohnen,  die  um  seine  PKK­Mitgliedschaft  wüssten  und  ihn  bei  einer  Rückkehr  sofort  anzeigen  würden.  Ferner  sei  ein  (Verwandter)  des  Beschwerdeführers  –  (Name),  ein  PKK­Mitglied  –  vor  (Zeitperiode)  in  der  Türkei  durch  türkische  Soldaten  getötet  worden.  Aufgrund  der  Befragung  seines  Vaters  durch  die  türkischen  Sicherheitskräfte müsse  ebenfalls  davon  ausgegangen werden,  dass  er  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  werden  würde.  Einen  Haftbefehl  der  türkischen  Polizei  könne  der  Beschwerdeführer  nicht  abgeben,  da  gemäss türkischem Gesetz die Polizei über eine angezeigte Person keine  Auskunft gebe.  Es  müsse  zudem  der  Schluss  gezogen  werden,  dass  er  begründete  Furcht  vor  Verfolgung  wegen  politischer  Aktivitäten  im  Ausland  habe –  insbesondere durch seine Tätigkeit für die PKK im (kurdisches Gebiet), in  H._______  und  in  verschiedenen  (Osteuropäischen  Ländern)  sowie  durch die Teilnahme an einer Kundgebung vor dem türkischen Konsulat  in  Bern  im  Jahre  (Jahreszahl).  Diese  Exilaktivitäten  hätten  bei  der  Rückkehr mit  hoher Wahrscheinlichkeit  politische  Verfolgung  zur  Folge.  Da  jedoch  überwiegend  Vorfluchtgründe  bestehen  würden,  sei  ein  Asylausschluss aus diesem Grunde nicht gerechtfertigt. Schliesslich sei die Wegweisung wegen einer drohenden Verletzung von  Art. 3 EMRK durch allfällig zu erwartende Folter in der Türkei unzulässig 

E­3986/2007 und  aufgrund  einer  beim  Beschwerdeführer  bestehenden  depressiven  Symptomatik auch unzumutbar. Zum Beleg dieser Vorbringen werden mehrere Beweismittel eingereicht:  Ein  Zeitungsausschnitt  aus  der  (Zeitschriftname)  mit  einem  Foto  des  Beschwerdeführers  als  PKK­Kämpfer  aus  dem  Jahre  (Jahreszahl)  (Beilage  3);  ein  Schreiben  in  türkischer  Sprache  vom  26.  April  2007  (Beilage  4);  ein  Arztbericht  vom  6.  Juni  2007  (Beilage  5);  deutsche  Übersetzung  eines  ergänzenden Schreibens  des Beschwerdeführers  zu  seinen  PKK­Aktivitäten  vom  11.  Juni  2007  inklusive  Medienmitteilung  vom  30. Juni  2005  (Beilage  6)  sowie  ein  Referenzschreiben  einer  Mitarbeiterin des Sozialamtes bzw. ein Schreiben der Asylbetreuung der  Gemeinde K._______ vom 18. Mai 2007 (Beilage 7).  Im  ergänzenden  Schreiben  des  Beschwerdeführers  vom  11.  Juni  2007  (Beilage  6)  schildert  er  im  Detail  seine  exilpolitischen  Tätigkeiten  im  Ausland  und  seine  Funktionen  innerhalb  der  PKK  während  seiner  Ausbildungszeit  in  (Stadt)  und  seiner  Stationierung  im  (kurdisches  Gebiet)  respektive  in  der  Türkei;  ebenso  macht  er  konkrete  Angaben,  weshalb der türkische Staat von seinen Aktivitäten Kenntnis haben sollte.  So sei er zwischen Mai und August (Jahreszahl)  im Ausbildungscamp in  (Stadt) Mitglied in einer aus acht Personen bestehenden Führungsgruppe  gewesen,  wobei  täglich  der  Reihe  nach  eine  Person  Koordinator  gewesen  sei,  die  anderen  hätten  dann  jeweils  die  Ausbildungen  vorbereitet.  Diese  Führungsgruppe  sei  durch  Bestätigung  des  PKK­ "Führers" Abdullah Öcalan gewählt worden. Während der wöchentlichen  Besuche durch Öcalan  habe  sich  immer  einer  aus der Führungsgruppe  abwechslungsweise als Sprecher neben  ihm aufgehalten, wobei das auf  erstinstanzlicher  Ebene  als  Beweismittel  eingereichte  Foto  von  ihm mit  Öcalan  in  diesem  Zusammenhang  entstanden  sei.  Zusammenfassend  habe er  im Ausbildungscamp die Rolle des Koordinators, Sprechers und  Ausbildners  innegehabt.  In  dieser  Zeit  seien  zwei  als Agenten  entlarvte  Personen (namentlich (Person) und (Person)) geflüchtet und hätten sich  den türkischen Sicherheitskräften gestellt, so dass Informationen über ihn  und das Ausbildungslager dem türkischen Staat zur Kenntnis gelangt sein  müssten. Während seiner Zeit  im  (kurdisches Gebiet) habe er die Rolle  eines politischen Führers innegehabt. In den Kriegseinheiten sei er in der  Funktion des politischen Kommissars  tätig  gewesen. Seine Aufgabe  sei  es gewesen, die Parteibefehle und Führerlösungen an die Kriegseinheit  weiterzuleiten  und  dafür  besorgt  zu  sein,  diese  zu  verstehen  und  auf  deren Grundlage  Ausbildungen  zu  veranstalten.  Im  (kurdisches Gebiet) 

E­3986/2007 habe  er  jeweils  nur  den  Winter  verbracht.  Im  Frühling  seien  die  "Guerillaeinheiten" dann wieder in die Türkei gegangen und hätten in den  Gebieten  von  D._______,  L._______,  M._______  und  N._______  Aktivitäten vorgenommen, um dann dort bewaffnete Attentate zu verüben.  Er sei  in dieser Phase bei der Planung aller Attentate dabei und bei der  Ausführung  immer  neben  dem  Koordinator  (Kommandant)  anwesend  gewesen.  Ausser  bei  den  Schiessereien,  zu  welchen  sie  "gezwungen  worden  waren,  mitzumachen",  habe  er  an  keiner  Schiesserei  aktiv  teilgenommen.  In  den  fünf  Jahren,  in  denen  er  bei  diesen  "Guerillaeinheiten" gewesen sei, seien mehrere Personen aus der Partei  geflüchtet,  davon seien einige  zur KDP übergetreten,  einige hätten  sich  dem  "Feind"  angeschlossen.  Die  von  Letzteren  preisgegebenen  Informationen  sowie  sein  entwendetes  Fotoalbum  und  sein  Tagebuch  hätten  dem  türkischen  Staat  wohl  genügend  Kenntnisse  über  ihn  geliefert.  Ferner  würde  er  aber  –  unabhängig  davon,  ob  die  türkischen  Behörden nun tatsächlich Kenntnis von seiner PKK­Vergangenheit hätten  – bei einer Rückreise in die Türkei aufgrund seiner langen Abwesenheit –  und  weil  er  als  Militärdienstflüchtiger  registriert  sei  –  garantiert  am  Flughafen verhört werden. Spätestens dann, wenn er gezwungen werden  würde, den Militärdienst zu  leisten, würden Vorwürfe gegen  ihn von  ihm  nicht  wohl  gesinnten  Personen  seines  Heimatdorfes  B._______  –  in  welchem jeder jeden kenne – erhoben werden; ihm drohe somit auf jeden  Fall  bei einer Rückkehr ein Prozess bzw. eine unverhältnismässig hohe  Gefängnisstrafe,  d.h.  politisch  motivierte  Verfolgung.  Diese  von  ihm  dargelegten  Befürchtungen  würden  nicht  nur  seinem  subjektiven  Empfinden  entspringen,  sondern  würden  den  tatsächlichen  Gegebenheiten entsprechen. Als Beleg für die entsprechenden Vorgänge  in  der  Türkei  legte  der  Beschwerdeführer  eine  auf  Deutsch  übersetzte  Medienmeldung  vom  30. Juni  2005,  wonach  ein  von  der  türkischen  Sicherheitsdirektion gesuchtes ehemaliges PKK­Mitglied während seines  Militärdienstes  verhaftet  worden  sei,  zu  den  Akten  (vgl.  zum  Ganzen  Beilage 6 der Beschwerde).  4.3. Wie  im  Folgenden  zu  zeigen  sein wird  (vgl.  unten  E.  7.1  ff.),  stellt  sich  im  vorliegenden  Fall  aufgrund  der  Ausführungen  des  Beschwerdeführers  die  Frage  des  Bestehens  eines  Grundes  für  den  Ausschluss  von  der  Flüchtlingseigenschaft  im  Sinne  von  Art.  1F  des  Abkommens  vom  28.  Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  (Flüchtlingskonvention,  FK;  SR  0.142.30).  Gemäss  UNHCR  ist  der  Einschluss der Flüchtlingseigenschaft  in aller Regel vor dem Ausschluss  im  Sinne  von  Art.  1F  FK  zu  prüfen.  Eine  Ausnahme  von  diesem 

E­3986/2007 Grundsatz  rechtfertige  sich  nur  dann,  wenn  etwa  Anklage  vor  einem  internationalen  Strafgericht  erhoben  worden  sei  oder  offensichtliche  Beweise dafür  vorlägen,  dass der Asylsuchende  in  ein  ausserordentlich  schweres Verbrechen – insbesondere im Sinne von spektakulären Fällen  nach  Art.  1F  Bst.  c  FK  –  verwickelt  sei  oder  wenn  im  Rechtsmittelverfahren  der  Ausschluss  im  Mittelpunkt  stehe  (vgl.  United  Nations  High  Commissioner  for  Refugees  [UNHCR],  Richtlinien  zum  internationalen  Schutz:  Anwendung  der  Ausschlussklauseln:  Artikel  1  F  des  Abkommens  von  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge,  4.  September  2003,  Ziff.  31.  [UNHCR  Richtlinien]);  UNHCR,  Background  Note on the Application of the Exclusion Clauses: Article 1 F of the 1951  Convention relating to the Status of Refugees, Ziff. 100 S. 36 f. [UNHCR  Background  Notes]).  Das  Bundesverwaltungsgericht  hat  sich  diesem  Prinzip "inclusion before exclusion" angeschlossen (vgl. namentlich Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  E­2284/2007  vom  21.  Juli  2011  E.  4.1  mit  weiteren Hinweisen)  und  es  kann  vorliegend  den Akten  kein Grund  entnommen  werden,  der  ein  Abweichen  von  diesem  Grundsatz  rechtfertigen  würde.  Folglich  ist  zunächst  zu  prüfen,  ob  dem  Beschwerdeführer aufgrund der von ihm vorgebrachten Fluchtgründe die  Flüchtlingseigenschaft zuzusprechen ist. 5.  5.1. Vorab gilt es zu prüfen, ob die Vorinstanz zu Recht davon ausging,  der  Beschwerdeführer  habe  keine  asylrelevanten  Vorfluchtgründe  glaubhaft darlegen können (Art. 3 i.V.m. Art. 7 AsylG).  5.2.  An  dieser  Stelle  gilt  es  festzuhalten,  dass  es  sich  bei  den  vom  Beschwerdeführer  vorgebrachten  Aktivitäten  im  Zusammenhang  mit  seiner PKK­Mitgliedschaft unbestritten um Sachverhalte handelt, die sich  nach dem (erstmaligen) Verlassen des Heimatlandes zugetragen haben. Eigenen Angaben zufolge war der Beschwerdeführer vor seiner Einreise  in  die  Schweiz  im  Jahre  (Jahreszahl)  in  seiner  Heimat  weder  politisch  aktiv  noch  berichtete  er  von  gegen  ihn  gerichteten  asylrechtlich  relevanten Verfolgungsmassnahmen polizeilicher oder strafrechtlicher Art  in der Türkei bzw. sind den Akten keine Hinweise zu entnehmen, er hätte  Gründe zur Furcht  vor einer asylrechtlich  relevanten Verfolgung gehabt,  welche  ihn  dann  zur  Ausreise  bewogen  hätten.  Soweit  die  Vorinstanz  implizit das Vorhandensein von Vorfluchtgründen ausgeschlossen hat, ist  ihr also zuzustimmen. 

E­3986/2007 5.3.  An  dem  Gesagten  vermag  auch  der  vom  Beschwerdeführer  auf  Beschwerdeebene  vorgebrachte  Einwand,  bei  seinen  für  die  PKK  ausgeübten Tätigkeiten handle es sich nicht um exilpolitische Aktivitäten,  weil er während fünf Jahren in den Bergen an der (…)­türkischen Grenze  stationiert gewesen sei und sich  jeweils von Frühling bis Herbst auf der  türkischen  Seite  aufgehalten  und  dort  an  bewaffneten  Auseinandersetzungen  der  PKK  gegen  die  türkische  Armee  teilgenommen habe (vgl. Ausführungen oben in E. 4.2.), nichts zu ändern.  Die  Anrufung  des  völkerrechtlichen  Flüchtlingsschutzes  bedingt  zwar,  dass der Flüchtling seinen Heimatstaat endgültig verlassen hat, denn er  kann  seine Wirkung nur  entfalten, wenn die  staatliche Souveränität  des  Verfolgerstaates  dem  nicht  mehr  entgegensteht.  Offiziell  verlassen  hat  der Beschwerdeführer die Türkei eigenen Angaben zufolge allerdings im  Jahre  (Jahreszahl).  Die  geltend  gemachten  halbjährigen  Aufenthalte  sollen im Rahmen von bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen der  PKK  und  der  türkischen  Armee  stattgefunden  haben,  weshalb  diese  Grenzüberschreitungen,  d.h.  die Ein­  und Ausreisen,  offensichtlich  nicht  auf legalem bzw. ordentlichem Wege erfolgten; sie wurden folglich weder  von den offiziellen  türkischen Behörden  registriert noch können sie vom  Beschwerdeführer belegt werden. Überdies wäre auch mit der Annahme,  der  Beschwerdeführer  habe  nach  seiner  ersten  Ausreise  türkisches  Territorium tatsächlich wieder betreten, der Beweis nicht erbracht, dass er  die  Türkei  jeweils wegen  einer  asylrelevanten Verfolgungssituation,  d.h.  einem Vorfluchtgrund, wieder verlassen habe. 5.4.  Allenfalls  könnte  sein  Vorbringen,  er  werde  in  seiner  Heimat  als  Militärdienstflüchtiger  gesucht  (vgl.  Prozessgeschichte  Bst.  0.  oben),  dahingehend  ausgelegt  werden,  dass  sein  Unwille,  Militärdienst  zu  leisten,  bzw.  die  Angst  vor  den  strafrechtlichen  Konsequenzen  einer  Dienstverweigerung  ihn  dazumal  bewogen  hätten,  die  Türkei  zu  verlassen.  Um  asylrelevant  zu  sein,  muss  die  befürchtete  Bestrafung  indessen  die  Voraussetzungen  eines  "polit  malus"  (siehe  die  nachfolgenden Ausführungen) erfüllen.  5.4.1.  Dazu  ist  festzuhalten,  dass  gemäss  konstanter  Praxis  allfällige  strafrechtliche  Konsequenzen  wegen  Refraktion,  Dienstverweigerung  oder  Desertion  bei  einer  Rückkehr  ins  Heimatland  grundsätzlich  keine  Verfolgung  im  Sinne  des  Asylgesetzes  darstellen.  Es  ist  ein  legitimes  Recht  jedes  Staates,  seine  Bürger  zum  Militärdienst  einzuberufen,  weshalb  strafrechtliche  oder  disziplinarische  Massnahmen  bei 

E­3986/2007 Pflichtverletzungen  grundsätzlich  nicht  als  politisch  motivierte  oder  menschenrechtswidrige  Verfolgungsmassnahmen  zu  betrachten  sind.  Unter  gewissen  Umständen  kann  allerdings  eine  Einberufung  zum  Militärdienst  oder  eine  drohende  Bestrafung  wegen  Refraktion,  Dienstverweigerung  oder  Desertion  dennoch  für  eine  Anerkennung  als  Flüchtling  beachtlich  sein,  zum  Beispiel,  wenn  der  Wehrpflichtige  aufgrund der Rasse, Religion, Nationalität, seiner Zugehörigkeit zu einer  ethnischen  oder  sozialen  Gruppierung  oder  wegen  seiner  politischen  Anschauungen mit einer unverhältnismässig schweren Strafe zu rechnen  hat oder wenn das Strafmass für ihn höher ausfällt als für Deserteure und  Refraktäre  ohne  diesen  spezifischen  Hintergrund  oder  wenn  der  Wehrpflichtige  aus  denselben  Gründen  während  des  Dienstes  schwersten  Übergriffen  und  Misshandlungen  durch  Kameraden  und  Vorgesetzte  ausgesetzt  wäre;  ferner  auch  dann,  wenn  der  Militärdienst  dazu dient, bestimmte Personen oder Personengruppen aus asylrechtlich  relevanten  Verfolgungsmotiven  im  Lauf  ihrer  Dienstleistung  zu  disziplinieren,  einzuschüchtern,  zu  assimilieren  oder  gezielter  menschenrechtswidriger Behandlung auszusetzen (vgl. EMARK 2006 Nr.  3 E. 4.2 S. 31 f., 2004 Nr. 2 E. 6b.aa S. 16 ff., 2003 Nr. 8 E. 6 S. 52 ff.,  2002 Nr. 19 E. 7 S. 159 f.; vgl. dazu auch: Handbuch über Verfahren und  Kriterien  zur  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  gemäss  dem  Abkommen  von  1951  und  dem  Protokoll  von  1967  über  die  Rechtsstellung der Flüchtlinge, Genf 1979, Neuauflage: Dezember 2003,  [UNHCR Handbuch], Ziff. 167 ff., mit weiteren Hinweisen). 5.4.2.  Der  Aktenlage  ist  indessen  zu  entnehmen,  dass  der  Beschwerdeführer  offensichtlich  nicht  aufgrund  eines  politischen  Engagements  oder  eines  anderen  asylrelevanten  Grundes  den  Militärdienst nicht leisten wollte, denn er wurde eigenen Angaben zufolge  erst  in  der Schweiz  politisch  aktiv. Die Refraktion  bzw.  eine wegen des  Nichtleistens  des  Militärdienstes  drohende  Strafe  hätte  somit  im  vorliegenden  Fall  einer  politischen  und  mithin  asylrechtlich  relevanten  Grundlage  entbehrt,  d.h.  sie  hätte  die  Flüchtlingseigenschaft  des  Beschwerdeführers (als Vorfluchtgrund) nicht zu begründen vermögen.  5.5.  Im Sinne eines Zwischenergebnisses  ist  festzuhalten, dass es dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  für  den  Zeitpunkt  seiner  Ausreise  aus  der  Türkei  eine  Verfolgungssituation  im  Sinne  von  Art.  3  AsylG  nachzuweisen  oder  glaubhaft  zu machen.  Aus  diesen Gründen  erübrigt  es  sich,  hinsichtlich  der  Prüfung  der  Vorverfolgung  auf  die  weiteren  Ausführungen  in  der  Beschwerdeschrift  und  in  den  übrigen  Eingaben 

E­3986/2007 sowie  die  im  Beschwerdeverfahren  eingereichten  Beweismittel  einzugehen, zumal sie im Ergebnis nichts ändern können.  6.  6.1.  Der  Beschwerdeführer  vertritt  sodann  den  Standpunkt,  er  müsse  wegen  seines  Verhaltens  nach  der  Ausreise  aus  dem  Heimatland,  namentlich  der  geltend  gemachten  exilpolitischen  Tätigkeiten  in  der  Schweiz  und  im  Ausland  (im  (kurdisches Gebiet),  in  H._______  und  in  verschiedenen (osteuropäischen Ländern)), befürchten, einer zukünftigen  Verfolgung  seitens  der  türkischen Behörden  ausgesetzt  zu  sein,  und  er  erfülle aus diesem Grund die Voraussetzungen  für die Zuerkennung der  Flüchtlingseigenschaft. Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten  nach  der  Ausreise  aus  dem  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  eine  Gefährdungssituation  erst  geschaffen  worden  ist,  macht  subjektive  Nachfluchtgründe geltend (vgl. Art. 54 AsylG).  6.2. Dazu  ist  vorab  festzuhalten,  dass  für  die  vorinstanzliche  rechtliche  Feststellung,  wonach  gemäss  dem Willen  des Gesetzgebers  subjektive  Nachfluchtgründe  nur  dann  zur  Zuerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  führen  würden,  wenn  eine  Rückweisung  der  asylsuchenden  Person  in  ihre Heimat Art. 3 EMRK verletzen würde (vgl. Ausführungen oben unter  E. 4.1.),  weder  eine  Grundlage  in  der  Rechtspraxis  noch  in  den  gesetzlichen Materialien gefunden werden kann.  Nach  dem  Willen  des  Gesetzgebers  wurde  nämlich  anlässlich  der  Revision des Asylgesetzes im Jahre 1990 mit aArt. 8a AsylG (neu: Art. 54  AsylG)  eine  klare  gesetzliche  Grundlage  für  den  Asylausschluss  bei  Vorliegen  subjektiver  Nachfluchtgründe  eingeführt.  Damit  wurde  gleichzeitig – im Sinne eines Mindeststandards – erreicht, dass Personen  mit subjektiven Nachfluchtgründen prinzipiell als Flüchtlinge im Sinne von  Art. 3  AsylG  anerkannt  und  hiermit  automatisch  vom  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  gemäss  aArt.  45  AsylG  (neu:  Art.  5  AsylG)  erfasst  werden  (vgl.  Botschaft  zum  Bundesbeschluss  über  das  Asylverfahren  (AVB)  und  zu  einem  Bundesgesetz  über  die  Schaffung  eines  Bundesamtes  für Flüchtlinge vom 25. April 1990, BBl 1990  II 573  ff., S.  613). Der Zweck der neugeschaffenen Gesetzesnorm bestand also einzig  darin, die gesetzesanwendenden Behörden künftig zur strikten Einhaltung  der Flüchtlingskonvention,  insbesondere von Art. 33 Abs. 1, zu zwingen,  also  jeweils  klar  zwischen  Flüchtlingen  und  Nicht­Flüchtlingen  zu  unterscheiden (vgl. Botschaft, BBl 1990 II 658 f.; EMARK 1995 Nr. 7 E. 7  S. 66  ff.). Subjektive Nachfluchtgründe sind sodann anzunehmen, wenn  eine  asylsuchende Person  erst  durch  die  Flucht  aus  dem Heimat­  oder 

E­3986/2007 Herkunftsstaat  oder  wegen  ihres  Verhaltens  nach  der  Ausreise  eine  Verfolgung  im Sinne  von  Art.  3  AsylG  zu  befürchten  hat.  Personen mit  subjektiven Nachfluchtgründen erhalten zwar gemäss Art. 54 AsylG kein  Asyl, werden jedoch als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (vgl. EMARK  2000 Nr. 16 E. 5a S. 141 f. mit weiteren Hinweisen). Massgebend ist also,  ob  die  Behörden  das  Verhalten  des  Asylsuchenden  als  staatsfeindlich  einstufen  und  dieser  deswegen  bei  einer  Rückkehr  in  den  Heimatstaat  eine Verfolgung  im Sinne von Art. 3 AsylG befürchten muss. Es bleiben  damit – entgegen der Feststellung der Vorinstanz – die Anforderungen an  den  Nachweis  einer  begründeten  Furcht  massgeblich  (Art.  3  und  7  AsylG).  Der  Asylausschlussgrund  von  Art.  54  AsylG  ist  absolut  zu  verstehen  und  mithin  unabhängig  davon  anzuwenden,  ob  Nachfluchtgründe  missbräuchlich  gesetzt  worden  sind  oder  nicht  (vgl.  BVGE  2009/28  E.  7.3  mit  weiteren  Hinweisen).  Es  ist  daher  nicht  entscheidend,  welchen mutmasslichen  Zweck  die  asylsuchende  Person  durch  ihre  exilpolitischen  Tätigkeiten  zu  erreichen  versucht  hat.  Ferner  verbietet  die  vom  Gesetzgeber  gewollte  Bestimmung  subjektiver  Nachfluchtgründe als Asylausschlussgrund ein Addieren von subjektiven  Nachfluchtgründen  mit  (Vor)Flucht­  bzw.  objektiven  Nachfluchtgründen,  die  für  sich  allein  nicht  zur  Anerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  ausreichen (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.3 mit weiteren Hinweisen). Nach  dem  Gesagten  erweist  sich  die  vorinstanzliche  Feststellung  als  juristisch  unkorrekt,  da  die  Vorinstanz  bei  der  Beurteilung  des  Vorhandenseins  von  subjektiven  Nachfluchtgründen  einen  "strengeren  Massstab"  angewandt  hat,  statt  die  Anforderungen  an  den  Nachweis  einer begründeten Furcht gemäss Art. 3 und 7 AsylG zu prüfen.  6.3. Der Beschwerdeführer hat sich exilpolitisch verschiedentlich betätigt.  Um  Wiederholungen  zu  vermeiden  sei  im  Wesentlichen  auf  den  Sachverhalt,  wie  er  von  ihm  glaubhaft  vorgetragen  worden  war  (vgl.  Prozessgeschichte Bst. A und E. 4.2.), verwiesen. 6.3.1.  Die  über  10­jährige  PKK­Mitgliedschaft  und  die  damit  einhergehenden exilpolitischen Aktivitäten in der Schweiz – Teilnahme an  einer Kundgebung vor dem  türkischen Konsulat  im Jahre  (Jahreszahl) –  und im Ausland – insbesondere in H._______ und im (kurdisches Gebiet)  – werden auch von der Vorinstanz  in  ihrer Verfügung vom 10. Mai 2007  als  erstellte  Tatsachen  nicht  in  Zweifel  gezogen.  Auch  in  ihrer  Vernehmlassung vom 5. Juli 2007 bringt die Vorinstanz keine Zweifel an  der Glaubhaftigkeit  der Vorbringen des Beschwerdeführers  an.  In  ihrem 

E­3986/2007 ablehnenden  Entscheid  äussert  sie  sich  hingegen  in  der  Folge  nur  unzureichend  darüber,  welche  Auswirkungen  diese  exilpolitischen  Aktivitäten  des  Beschwerdeführers  auf  das  allfällige  Bestehen  einer  aktuellen  Verfolgung  oder  einer  Gefahr  für  zukünftige  Verfolgungshandlungen  haben  könnten.  Stattdessen  geht  sie  ohne  weiteres  davon  aus,  der  Beschwerdeführer  sei  von  den  türkischen  Behörden  nicht  als  regimefeindliche  Person  oder  gar  als  PKK­Mitglied  registriert worden, da er  schliesslich nie  in  seinem Heimatland,  sondern  stets nur  im Ausland  für die PKK  tätig gewesen sei, mithin schliesst sie  automatisch  vom  Fehlen  von  Vorfluchtgründen  auch  auf  eine  fehlende  Verfolgungsgefahr  wegen  subjektiver  Nachfluchtgründe.  Diese  Argumentationslogik  wiederspricht  klar  sowohl  Wortlaut  als  auch  Sinn  und Zweck  von Art.  54 AsylG  (vgl.  auch Ausführungen oben  zu Art.  54  AsylG in E. 6.2.). 6.3.2. Die Vorinstanz begründet sodann eine fehlende Verfolgungsgefahr  damit,  dass  der  türkische  Geheimdienst  seine  durch  Beobachtung  von  Exilaktivitäten  gewonnenen  Erkenntnisse  nur  selten  an  die  Strafverfolgungsbehörden übermitteln würde, weshalb nur dann von einer  begründeten  Furcht  vor  Verfolgung  wegen  politischer  Aktivitäten  im  Ausland  auszugehen  sei,  wenn  diese  offenkundig  den  türkischen  Behörden  zur  Kenntnis  gelangt  seien,  der  Betreffende  in  Medienerzeugnissen  unverwechselbar  als  militanter  Aktivist  erkennbar  sei,  allenfalls  sogar namentlich genannt werde, oder eine Kaderfunktion  ausübe.  Soweit  die  Vorinstanz  das  Zutreffen  dieser  Sachlage  im  vorliegenden  Fall  pauschal  verneint,  verfügt  sie  sachverhaltswidrig.  Der  Beschwerdeführer  hat  seine Vergangenheit  als  ehemaliger  PKK­Aktivist  und seine Aufgaben – bei der er teilweise auch Kaderfunktionen ausübte  – sowohl  auf  erstinstanzlicher  als  auch  auf  Beschwerdeebene  mit  entsprechenden  Fotos  (abgebildet  mit  Abdullah  Öcalan  in  (Stadt))  und  Abbildungen  in  Medienerzeugnissen  (in  der  Zeitschrift  "(Zeitschriftenname)")  belegen  können.  Auch  wenn  mit  der  Vorinstanz  festzustellen ist, dass er in den eingereichten Fotos und Zeitungsartikeln  namentlich nicht erwähnt wurde,  ist der Beschwerdeführer  identifizierbar  und  als  solcher  klar  als  PKK­Kämpfer  ("militanter  Aktivist")  abgebildet.  Ferner sei an dieser Stelle daran zu erinnern, dass  für die Bestimmung  der  Flüchtlingseigenschaft  der  Zeitpunkt  des  Asylentscheides  massgebend ist (BVGE 2010/57 E. 2.6). Grundsätzlich muss – entgegen  der  vorinstanzlichen  Feststellung  –  davon  ausgegangen  werden,  dass  exilpolitische  Aktivitäten  türkischer  Staatsangehöriger  im  Ausland  zum  damaligen  Zeitpunkt  bzw.  auch  weiterhin  mit  hoher  Aufmerksamkeit 

E­3986/2007 durch  den  unter  militärischer  Leitung  stehenden  türkischen  Nachrichtendienst  (Milli  Istihbarat Teskilati, MIT) überwacht werden. Der  MIT  führt  gesicherten  Informationen  zufolge  eigene  Dienststellen  im  Ausland,  welche  ihren  Sitz  bei  den  Generalkonsulaten  haben.  Diese  würden  über  Spitzel  verfügen,  die  in  türkische  und  kurdische  Auslandsorganisationen  eingeschleust  würden.  Die  Beschaffung  von  Informationen  erfolge  durch  Auswertung  von  Bildmaterial  und  Publikationen.  Es  sei  davon  auszugehen,  dass  der  MIT  an  allen  staatsfeindlichen  Aktivitäten  türkischer  Staatsangehöriger  in  Europa  interessiert  sei.  Der  MIT  könne  somit  eine  Identifizierung,  gezielte  Sammlung und Zuordnung von Beweismaterial  für den Kreis exponierter  Exilpolitiker und ­politikerinnen vornehmen. Eingeschleuste Spitzel hätten  die Aufgabe, Vereinsaktivitäten zu beobachten, die daran teilnehmenden  Personen  zu  identifizieren  und  die  gesammelten  Informationen  an  die  Geheimdienstmitarbeiter  in  den  Konsulaten  weiterzuleiten.  So  würden  auch  die  kurdische  Zeitschrift  ("Zeitschriftname")  sowie  kurdische  Satellitensender (Med­TV / Medya­TV bzw. Roj­TV) und deren Mitarbeiter  und Mitarbeiterinnen  einer  umfassenden Überwachung  unterliegen  (vgl.  insbesondere Schweizerische Flüchtlingshilfe [SFH], Gutachten der SFH­ Länderanalyse  [SFH­Gutachten  2006],  Türkei:  Rückkehr  eines  ehemaligen  PKK­  Aktivisten,  der  aufgrund  der  politischen  Tätigkeiten,  Unterstützung  und  vermuteten  Mitgliedschaft  bei  der  PKK  angeklagt,  verurteilt und inhaftiert wurde, Bern, Februar 2006, S. 9, und zur aktuellen  Situation:  Auskunft  der  SFH­Länderanalyse  zur  Türkei:  Risiken  bei  der  Rückkehr  eines  verurteilten  PKK­Mitglieds,  Bern,  26.  Mai  2010  [beide  unter:  http://www.fluechtlingshilfe.ch/herkunftslaender/europe/tuerkei];  in  der  deutschen  Praxis  vgl.  das  Urteil  des  Oberverwaltungsgerichts  Nordrheinwestfalen  vom  19.  April  2005,  8  A  273/04.A,  Ziff.  380,  mit  weiteren  Hinweisen  sowie  das  Urteil  des  Verwaltungsgerichts  Stuttgart  vom  17.  Januar  2011,  A  13  K  604/07,  S.  17  ff.,  mit  Hinweis  auf  SFH­ Gutachten 2006; vgl. auch Amnesty International, Asylgutachten vom 27.  Juli  1999  [unter:  http://aidrupal.aspdienste.de/umleitung/1999/deu06/059?lang=de?  mimetype=text/html]).  6.3.3.  Das  Bundesverwaltungsgericht  teilt  demnach  die  vorinstanzliche  Betrachtungsweise nicht, wonach keine Hinweise vorliegen würden, dass  der Beschwerdeführer  nach  seinen mehrjährigen Aktivitäten  und  seinen  illegalen  Aufenthalten  im  Ausland  –  insbesondere  in  H._______  und  (kurdisches  Gebiet)  –  künftig  mit  Verfolgungsmassnahmen  rechnen  müsse.  Vielmehr  hat  der  Beschwerdeführer  in  nachvollziehbarer  Art 

E­3986/2007 dargetan, dass er begründeterweise bei einer Rückkehr Behelligungen zu  befürchten habe. Nach wie  vor gilt  es nämlich  zu berücksichtigen,  dass  zurückkehrende  türkische  Staatsangehörige,  besonders  wenn  sie  der  kurdischen  Ethnie  angehören,  bei  der  Einreise  überprüft  werden  (vgl.  BVGE  2010/9  E.  5.3.3;  EMARK  2005  Nr.  21,  E.  2).  Es  ist  davon  auszugehen,  dass  die  türkische  Flughafenpolizei  im  Rahmen  einer  Befragung  des  Beschwerdeführers  auch  Kenntnis  von  dessen  über  10­ jährigen  Auslandaufenthalt  erhalten  wird.  Hier  gilt  es  auch  zu  berücksichtigen,  dass  den  Akten Hinweise  zu  entnehmen  sind  (vgl.  die  Ausführungen  des  Beschwerdeführers  im  ergänzenden  Schreiben  vom  11.  Juni  2007  [Beilage  6  der  Beschwerde]),  dass  seine  Identität  und  Informationen  zu  seinen  PKK­Aktivitäten  durch  geflohene  PKK­ Abtrünnige  mit  überwiegender Wahrscheinlichkeit  dem  türkischen  Staat  zu  Kenntnis  gelangt  sind.  Dass  der  Beschwerdeführer  diesbezüglich  einfach  zu  identifizieren  ist,  belegen  nicht  zuletzt  die  diversen  Referenzschreiben  ehemaliger  Weggefährten  des  Beschwerdeführers –  welche als anerkannte Flüchtlinge mittlerweile in der Schweiz leben –, die  übereinstimmend bezeugen, er sei unter dem Decknamen (Name) in der  Schweiz  und  im  Ausland  als  PKK­Aktivist  tätig  gewesen.  Da  der  Beschwerdeführer  sich  in  hohem  Mass  exponierte,  ist  deshalb  davon  auszugehen,  dass  er  ein  konkretes  und  identifizierbares  Persönlichkeitsprofil  aufweist,  welches  das  Interesse  der  türkischen  Behörden  geweckt  haben  dürfte.  Als  weitere  Hinweise  für  eine  Gefährdung  dürften  die  glaubhaft  gemachten  Vorbringen  des  Beschwerdeführers gelten, sein Vater sei an der türkisch­(…) Grenze zu  seiner  Person  verhört  worden  (vgl.  A9/19  S.  S.  14),  und  er  befürchte,  sobald  er  gezwungen  werde  den  Militärdienst  in  der  Gegend  seines  Heimatdorfes zu leisten, durch Bekannte aus seinem Dorf denunziert und  verhaftet  zu werden  (vgl.  A2/11 S.  5, A9/19 S.  10  und S.  16  sowie  die  Ausführungen  oben  in  E.  4.2  zum  ergänzenden  Schreiben  des  Beschwerdeführers vom 11. Juni 2007 [Beilage 6 der Beschwerde]). Die  Möglichkeit,  dass  der  Beschwerdeführer  aufgrund  seiner  mehrjährigen  PKK­Mitgliedschaft  bei  einer  Rückkehr  in  seinen  Heimatstaat  mit  asylrechtlich  relevanten  Nachteilen  rechnen  müsste,  erscheint  nach  Einschätzung  des  Bundesverwaltungsgerichts  als  überwiegend  wahrscheinlich. Es ist davon auszugehen, dass die türkischen Behörden  seine  exilpolitischen  Tätigkeiten  als  staatsfeindlich  einstufen  und  er  deswegen bei einer Rückkehr in die Türkei eine Verfolgung im Sinne von  Art. 3 AsylG befürchten muss. Im Falle einer Wiedereinreise in die Türkei  ist  namentlich  das  Risiko  für  den  Beschwerdeführer,  festgenommen  zu  werden, nach dem Gesagten auch objektiv als begründet anzusehen.

E­3986/2007 Da  sich  die  Gefahr  vor  Verfolgung  mithin  bereits  bei  einer  allfälligen  Einreise  in  die  Türkei  zeigen  dürfte,  kann  nicht  davon  ausgegangen  werden,  dem  Beschwerdeführer  stehe  zum  heutigen  Zeitpunkt  eine  innerstaatliche Fluchtalternative zur Verfügung. So besehen gelangt das  Bundesverwaltungsgericht  im  vorliegenden  Fall  zur  Einschätzung,  dass  eine künftige Gefährdung des Beschwerdeführers  in seinem Heimatland  wegen  seiner  exilpolitischen  Aktivitäten  nach  wie  vor  nicht  mit  hinlänglicher Sicherheit als ausgeschlossen betrachtet werden kann. 6.4.  Zusammenfassend  ist  somit  festzustellen,  dass  die  Vorinstanz  die  Flüchtlingseigenschaft  des  Beschwerdeführers  zu  Unrecht  verneint  hat,  da  er  die  Voraussetzungen  von  Art.  3  AsylG  zufolge  Bestehens  subjektiver  Nachfluchtgründe  erfüllt.  Die  Asylberechtigung  bleibt  dem  Beschwerdeführer  indessen aufgrund der Ausschlussklausel von Art. 54  AsylG,  wonach  subjektive  Nachfluchtgründe  zwar  zur  Anerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft, nicht jedoch zur Asylgewährung führen, verwehrt. 7.  7.1.  Angesichts  der  glaubhaft  gemachten  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  zu  seinen  "PKK­Guerillatätigkeiten"  im  Grenzgebiet  (kurdisches  Gebiet)/Türkei  ist  die  Frage  eines  allfälligen  Ausschlusses  des  Beschwerdeführers  vom  Anwendungsbereich  der  Flüchtlingskonvention  gemäss  deren  Art.  1F  zu  prüfen.  Nach  dieser  Bestimmung  werden  nämlich  Personen  ausgeschlossen,  "in  Bezug  auf  die  aus  schwerwiegenden  Gründen  die  Annahme  gerechtfertigt  ist,  a)  dass sie ein Verbrechen gegen den Frieden, ein Kriegsverbrechen oder  ein  Verbrechen  gegen  die  Menschlichkeit  im  Sinne  der  internationalen  Vertragswerke  begangen  haben,  die  Bestimmungen  zur  Verhinderung  solcher Verbrechen enthalten, b) dass sie ein schweres Verbrechen des  gemeinen Rechts ausserhalb des Gastlandes begangen haben, bevor sie  dort  als  Flüchtling  aufgenommen  worden  sind,  c)  dass  sie  sich  Handlungen  zuschulden  kommen  liessen,  die  gegen  die  Ziele  und  Grundsätze der Vereinten Nationen gerichtet sind."  7.2. Die Ausführungen des Beschwerdeführers, welche eine Relevanz im  Sinne  von  Art.  1F  FK  indizieren,  sind  die  Folgenden:  Der  Beschwerdeführer  führt  auf  Beschwerdeebene  aus,  er  habe  im  Grenzgebiet  (kurdisches  Gebiet)/Türkei  zwar  hauptsächlich  die  Rolle  eines "politischen Führers" – d.h. die politische Strategieentwicklung und  Propagierung –  innegehabt,  indessen habe er während dieser Zeit auch  an  bewaffneten  Kämpfen  teilgenommen,  insbesondere  sei  er  bei  der  "Planung aller Attentate dabei und sei bei der Ausführung  immer neben 

E­3986/2007 dem Koordinator (Kommandant) anwesend gewesen". Ferner habe er bei  den  "Schiessereien,  in  welche  sie  gezwungen  worden  waren,  mitzumachen,  aktiv  teilgenommen"  (vgl.  das ergänzende Schreiben des  Beschwerdeführers vom 11. Juni 2007 [Beilage 6 der Beschwerde]; siehe  auch  die  entsprechenden  Ausführungen  dazu  oben  in  E. 4.2).  In  der  Anhörung  und  in  der  Beschwerde  gibt  er  ferner  an,  er  sei  fünf  Jahre  (Zeitperiode)  in  den  Bergen  an  der  (…)­türkischen  Grenze  stationiert  gewesen und habe dort an "bewaffneten Auseinandersetzungen der PKK  gegen die türkische Armee teilgenommen" (vgl. Beschwerde S. 3). So sei  er  gemäss  den  Befragungsprotokollen  in  besagter  Zeit  im  (kurdisches  Gebiet) an diversen "militärischen Operationen" mit der türkischen Armee  beteiligt  gewesen  und  habe  sich  vor  diesen  (Angriffen)  entsprechend  geschützt  (vgl.  A9/19,  S.  9  und  10)  bzw.  sei  er  mehrheitlich  hinter  der  Front  tätig gewesen, wobei es allerdings bei Gegenoffensiven schon zu  bewaffneten Auseinandersetzungen gekommen sei (vgl. A2/11 S. 6).  Wie bereits erwähnt (vgl. oben E. 4.3), begründen diese Aussagen keine  Verdachtsmomente, der Beschwerdeführer habe Handlungen begangen,  die den Tatbestand des Art. 1F Bst. c FK erfüllen könnten, weshalb auf  die  Prüfung  desselben  verzichtet  werden  kann  (zur  konkreten  Anwendung  dieser Bestimmung  vgl.  BVGE 2010/44 E.  5.2.3,  E.  5.3.2  ­  E. 5.5).  Hinsichtlich  der  Prüfung  eines  Ausschlusses  des  Beschwerdeführers  von  der  FK  gemäss  Art.  1F  Bst.  a  und  b  FK  ist  anhand  dieser  Aussagen  festzustellen,  dass  einerseits  durch  die  Wortwahl  des  Beschwerdeführers  –  Planung  und  Teilnahme  an  der  Ausführung  von  "Attentaten"  bzw.  Teilnahme  an  "Schiessereien"  und  "Kampfhandlungen"  –  Verdachtsmomente  begründet  werden,  dieser  habe  sich  allenfalls  eines  schweren  gemeinrechtlichen  (und  damit  nicht  politischen) Deliktes im Sinne von Art. 1F Bst. b FK schuldig gemacht. So  weckt  nämlich  insbesondere  der  Ausdruck  "Attentat"  unvermeidlich  Assoziationen  mit  terroristischen  Straftaten,  d.h.  massiven  Gewaltakten  gegen  Leib  und  Leben  von  insbesondere  Zivilpersonen,  welche  gemeinhin  als  gemeinrechtliche Delikte  im Sinne  von Art.  1F Bst.  b  FK  gelten (vgl. unten E. 4). Dass der Beschwerdeführer des Weiteren bei der  Planung  und  Ausführung  dieser  "Attentate"  dabei  gewesen  sein  soll,  indiziert  eine  Mittäterschaft  bzw.  Mitverantwortlichkeit  des  Beschwerdeführers bzw. seine  individuelle Verantwortlichkeit  (vgl.  unten  E. 7.3). Auch könnten seine "Kampfhandlungen" damit unter Umständen  als  "Verbrechen  gegen  den  Frieden",  "Kriegsverbrechen"  oder  "Verbrechen  gegen  die Menschlichkeit"  im Sinne  von Art.  1F Bst.  a  FK  qualifiziert  werden  (vgl.  unten  E.  7.3.2).  Andererseits  macht  der 

E­3986/2007 Beschwerdeführer  in  der  Anhörung  und  in  der  Beschwerde  implizit  geltend,  dass  es  sich  bei  den  Kampfhandlungen mit  seiner  Beteiligung  um solche gehandelt habe, die im Rahmen eines bewaffneten Konfliktes  zwischen der PKK und der türkischen Armee stattgefunden hätten, dass  er also nicht an Angriffen gegen Zivilisten oder zivile Institutionen beteiligt  gewesen sei, sondern dass die PKK­Kämpfer  jeweils von der  türkischen  Armee  angegriffen  worden  seien,  und  er  als  Verteidigungsmassnahme  jeweils gezwungen worden sei, zur Waffe zu greifen. Obschon bei dieser  Sachlage die Begehung eines Verbrechens oder eines gemeinrechtlichen  Deliktes  gemäss  Art.  1F  Bst.  a  und  b  FK  durch  den  Beschwerdeführer  nach  wie  vor  nicht  a  priori  ausgeschlossen  werden  kann,  liegen  keine  überwiegenden  Hinweise  für  Attacken  gegen  die  Zivilbevölkerung  vor.  Dabei muss  berücksichtigt werden,  dass  die Beweislast  im Hinblick  auf  den  Ausschluss  von  der  FK  beim  Staat  liegt  und  im  Zweifelsfall  zugunsten  der  auszuschliessenden  Person  entschieden  werden  muss  (vgl.  UNCHR­Richtlinien,  a.a.O.,  Ziff.  34).  Da  die  Vorinstanz  die  Flüchtlingseigenschaft  des  Beschwerdeführers  verneinte,  war  in  der  Folge kein allfälliger Ausschluss von der Flüchtlingseigenschaft zu prüfen,  mithin dem Beschwerdeführer das rechtliche Gehör zur Möglichkeit eines  Ausschlusses  nicht  zu  gewähren.  So  wird  vorliegend  mangels  anderweitiger konkreter Hinweise und in Gesamtwürdigung der Aktenlage  zugunsten  des  Beschwerdeführers  angenommen,  dass  es  sich  bei  den  von  ihm  angeführten  "Attentaten"  um  Kampfhandlungen  in  Gefechten  handelte, die sich gegen militärische und nicht gegen zivile Ziele richteten  und  im  Rahmen  seiner  hauptsächlich  ausgeübten  Tätigkeit  –  nämlich  diejenige  einer  politisch­strategischen  Kriegsführung  –  stattfanden.  Das  Bundesverwaltungsgericht  geht  folglich  bei  der  Prüfung  des  Ausschlusses  des  Beschwerdeführers  von  der  Flüchtlingskonvention  gemäss Art. 1F Bst. a und b FK von diesem Sachverhalt aus. 7.3.  7.3.1.  Die  Ausschlussbestimmung  von  Art.  1F  FK  ist  grundsätzlich  restriktiv  auszulegen  (vgl.  UNHCR  Handbuch,  a.a.O.,  Ziff.  149).  Der  UNHCR  führt  hierzu  erläuternd  aus,  die  begangenen  ungeheuerlichen  Taten  müssten  so  verabscheuungswürdig  sein,  dass  die  Personen –  auch  wenn  sie  begründete  Furcht  vor  Verfolgung  aus  Konventionsgründen  hätten  –  nicht  würdig  seien,  internationalen  Rechtsschutz  nach  der  Flüchtlingskonvention  zu  erhalten  (UNHCR  Richtlinien,  a.a.O.,  Ziff.  2).  Ein  weiteres  Tatbestandselement  bildet  sodann die individuelle Verantwortlichkeit des Täters für das ihm zur Last  gelegte Delikt (vgl. UNHCR Background Note, a.a.O., Ziff. 50 ff.; UNHCR 

E­3986/2007 Richtlinien,  a.a.O.,  Ziff.  18  ff.).  Bei  der  Prüfung  von  Art.  1F  FK  ist  ein  herabgesetzter  Beweismassstab  anzusetzen.  Entsprechend  dem  Konventionstext müssen allerdings zumindest "ernsthafte Gründe" für die  Annahme  eines  Ausschlusstatbestandes  vorliegen,  d.h.  es  braucht  zumindest  substanziell  verdichtete  Verdachtsmomente;  blosse  Mutmassungen genügen  jedenfalls nicht  (vgl. BVGE 2010/43 E. 5.3.2.4;  EMARK 2006 Nr. 29 E. 4.4 mit weiteren Hinweisen). 7.3.2. Die  Tatsache  allein,  dass  der  Beschwerdeführer  an militärischen  Kampfhandlungen  der  PKK  gegen  die  türkische  Armee  teilgenommen  hat,  vermag  nach  Ansicht  des  Bundesverwaltungsgerichtes  –  wie  nachfolgend aufgezeigt wird – den Verdachtsmoment, er habe aufgrund  seiner Stellung als solcher beziehungsweise seiner Tätigkeiten allenfalls  "Verbrechen  gegen  den  Frieden",  "Kriegsverbrechen"  oder  "Verbrechen  gegen  die  Menschlichkeit"  im  Sinne  von  Art.  1F  Bst.  a  FK  begangen,  substantiell  nicht  zu  verdichten.  Zu  den  verschiedenen  internationalen  Vertragswerken,  die  in  Bezug  auf  die  Definition  dieser  internationalen  Verbrechen  eine  Orientierungshilfe  bieten,  zählen  das  Übereinkommen  von 1948 über die Verhütung und Bestrafung des Völkermordes, die vier  Genfer  Abkommen  von  1949  zum  Schutz  von  Kriegsopfern  und  deren  zwei  Zusatzprotokolle  von  1977,  die  Satzungen  der  Internationalen  Strafgerichtshöfe für das ehemalige Jugoslawien und Ruanda, die Charta  des Internationalen Militärtribunals von 1945 (die „Londoner Charta”) und  zuletzt  die  Satzung  des  Internationalen  Strafgerichtshofs  von  1998,  die  am 1. Juli 2002 in Kraft  trat (UNCHR Richtlinie, a.a.O., Ziff. 10). Gemäß  der  Londoner  Charta  besteht  ein  "Verbrechen  gegen  den  Frieden"  aus  „Planung,  Vorbereitung,  Anstiften  zu  oder  Führen  eines  Angriffskrieges  oder  eines Krieges,  durch den  internationale Verträge, Abkommen oder  Zusicherungen  verletzt  werden  oder  die  Teilnahme  an  einer  Verschwörung zum Zwecke der Erfüllung eines der vorgenannten Ziele".  Angesichts  der  Natur  dieses  Verbrechens  kann  es  nur  von  Personen  verübt  werden,  die  eine  hohe  Stellung  in  der  Machtstruktur  innehaben  und einen Staat oder ein staatenähnliches Gebilde vertreten (vgl. UNCHR  Richtlinie,  a.a.O.,  Ziff.  11).  Diese  Bestimmung  wurde  in  der  Praxis  nur  selten angewendet und augenscheinlich fallen auch die Handlungen des  Beschwerdeführers  mangels  entsprechend  hoher  Stellung  in  der  Machtstruktur nicht unter diese Kategorie. Als "Kriegsverbrechen" werden  Straftaten qualifiziert wie etwa die vorsätzliche Tötung und Folterung von  Zivilpersonen,  wahllose  Angriffe  gegen  die  Zivilbevölkerung  und  das  mutwillige  Vorenthalten  eines  fairen  und  ordnungsgemässen  Gerichtsverfahrens  gegenüber  einem  Zivilisten  oder  einem 

E­3986/2007 Kriegsgefangen (UNCHR Richtlinie, a.a.O., Ziff. 12). Mangels Angriffs auf  Zivilpersonen  bzw.  Hinweisen  auf  widerrechtliche  Behandlung  von  Kriegsgefangenen sind die oben beschriebenen "Kampfhandlungen" des  Beschwerdeführers ebenso wenig als "Kriegsverbrechen" zu qualifizieren.  Die  dritte  Kategorie  der  "Verbrechen  gegen  die  Menschlichkeit",  die  Handlungen  wie  Völkermord,  Mord,  Vergewaltigung  und  Folter  einschließen, sind schliesslich dadurch charakterisiert, dass sie Teil eines  groß  angelegten  oder  systematischen  Angriffs  auf  die  Zivilbevölkerung  sein  müssen  (UNCHR  Richtlinie,  a.a.O.,  Ziff.  13).  Mangels  dieser  Anwendungsvoraussetzung  im  vorliegenden  Fall  kann  die  Planung  und  Beteiligung  des  Beschwerdeführers  an  den  Kampfhandlungen  der  PKK  ebenso  wenig  unter  den  Tatbestand  der  "Verbrechen  gegen  die  Menschlichkeit" fallen. 7.3.3. Zusammenfassend ist  in einem Zwischenschritt  festzuhalten, dass  kein  Verbrechenstatbestand  von Art.  1F Bst.  a  FK  vorliegend  erfüllt  ist,  weshalb gestützt darauf kein Ausschlussgrund besteht. 7.4. Schliesslich  bleibt  die Ausschlussklausel  von Art.  1 F Bst.  b FK  zu  prüfen. Als  schwere nicht  politische Verbrechen  in  diesem Sinne gelten  gemäss  dem  UNHCR  Kapitalverbrechen  oder  besonders  schwerwiegende  Straftaten  des  gemeinen  Rechts  (vgl.  UNHCR  Handbuch,  a.a.O.,  Ziff.  155;  UNHCR  Richtlinien,  a.a.O.,  Ziff.  14).  Ein  solches  Kapitalverbrechen  fällt  jedoch  dann  nicht  in  den  Anwendungsbereich  von Art.  1 F Bst.  b FK, wenn es einen vorwiegend  politischen Charakter aufweist. Letzterer ist dann anzunehmen, wenn mit  dem Delikt  zum überwiegenden Teil poltische Ziele verfolgt wurden und  die Tat im Gesamtkontext des Einzelfalls verhältnismässig erscheint (vgl.  UNHCR Handbuch,  a.a.O.,  Ziff.  152; UNHCR Background Note,  a.a.O.,  Ziff. 41; UNHCR Richtlinien, a.a.O., Ziff. 15). Falls die Beurteilung eines  Asylgesuches  schliesslich  ergibt,  dass  effektiv  ein  schweres  gemeinrechtliches  Delikt  begangen  wurde,  ist  die  Anwendung  der  Ausschlussklausel von Art. 1 F Bst. b FK auf ihre Verhältnismässigkeit hin  zu  überprüfen.  Im Rahmen  dieser Güterabwägung  sind  die  Folgen  des  Ausschlusses  von  der  Flüchtlingseigenschaft  der  Schwere  der  Tat  gegenüberzustellen  (vgl. UNHCR Richtlinien, a.a.O., Ziff. 24). Lässt sich  im  Rahmen  einer  solchen  Güterabwägung  feststellen,  dass  das  Schutzinteresse  des  Täters  vor  der  ihm  drohenden  Verfolgung  im  Heimatland  im  Vergleich  zur  Verwerflichkeit  seines  Verbrechens  und  seiner subjektiven Schuld als geringer erscheint, so ist der Asylsuchende  vom  Anwendungsbereich  der  Konvention  auszuschliessen  (vgl.  zum 

E­3986/2007 Ganzen  die  weiterhin  zutreffende  Rechtsprechung  der  ARK  in  EMARK  1993  Nr.  8  E.  6a  sowie  das  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichtes  E­4286/2008  vom 17. Oktober  2008 E.  5.1). Die  eingangs  aufgeführten  Verdachtsmomente,  der Beschwerdeführer  habe  allenfalls  ein  schweres  gemeinrechtliches Verbrechen im Sinne des Art. 1F Bst. b FK begangen  (vgl. oben E. 7.2), können nach dem Gesagten und unter Würdigung des  Sachverhaltes  jedoch  nicht  angenommen  werden.  So  bestand  dessen  Hauptaufgabe  in  der  PKK  in  der  politischen  Führung,  Schulung  und  Verbreitung  des  politischen  Ideenguts.  Soweit  er  gemäss  seinen  Ausführungen zu den Waffen griff, richteten sich seine Gewalthandlungen  jeweils  gegen  die  türkischen  Streitkräfte  und  nicht  gegen  Zivilisten;  sie  sind  entsprechend  als  "Kriegshandlungen"  (jedoch  nicht  als  "Kriegsverbrechen"  oder  "Verbrechen  gegen  die  Menschlichkeit")  zu  qualifizieren.  Damit  fallen  sie  auch  nicht  unter  die  Kategorie  der  (nichtpolitischen) Kapitalverbrechen oder besonders schweren Straftaten  gemäss Art. 1F Bst. b FK. 7.5.  Nach  dem  Gesagten  erweist  sich,  dass  bezüglich  des  individuell  konkreten  Tatbeitrags  des  Beschwerdeführers  weder  ein  Ausschlussgrund nach Art. 1F Bst. a noch nach Bst. b FK vorliegt. Das  Bundesverwaltungsgericht  gelangt  deshalb  zum  Schluss,  dass  sich  der  Beschwerdeführer  keiner  schweren  und  unannehmbaren  Handlung  im  Sinne  von  Art.  1F  FK  schuldig  gemacht  hat.  Er  ist  daher  von  der  Flüchtlingseigenschaft, welche er erfüllt, nicht auszuschliessen und mithin  als Flüchtling anzuerkennen. 7.6. Ergänzend sei an dieser Stelle festzuhalten, dass die Frage nach der  Asylunwürdigkeit  des  Beschwerdeführers  wegen  seiner  PKK­Aktivitäten  gemäss  Art. 53  AsylG  –  wonach  Flüchtlingen  kein  Asyl  gewährt  wird,  wenn sie wegen verwerflicher Handlungen dessen unwürdig sind – offen  gelassen  werden  kann,  da  der  Beschwerdeführer  bereits  –  wie  oben  festgestellt  wurde  (vgl.  E.  6.4.)  –  aufgrund  von Art.  54 AsylG  vom Asyl  ausgeschlossen wird.  8.  8.1. Die Vorinstanz hat als Folge des negativen Asylentscheides zu Recht  die  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  angeordnet  (Art.  44  Abs.  1  AsylG; vgl. EMARK 2001 Nr. 21). 8.2. Aufgrund der objektiv begründeten Furcht des Beschwerdeführers, in  der Türkei künftig  im Sinne von Art. 3 AsylG verfolgt zu werden, erweist  sich  der  Vollzug  der  Wegweisung  wegen  drohender  Verletzung  des 

E­3986/2007 flüchtlingsrechtlichen Gebots des Non­Refoulement jedoch als unzulässig  (vgl.  5  Abs.  1  AsylG,  Art.  83  Abs.  3  des  Bundesgesetzes  vom  16.  Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  [AuG,  SR  142.20]).  Der  Beschwerdeführer  ist  somit  in  der  Schweiz  als  Flüchtling  vorläufig aufzunehmen. 9.  Die  Beschwerde  ist  insoweit  gutzuheissen,  als  die  Zuerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  und  die  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  beantragt wird;  im Übrigen ist sie abzuweisen. Die Ziffern 1 (Verneinung  der  Flüchtlingseigenschaft),  4  (Ausreisefrist)  und  5  (Vollzug  der  Wegweisung)  des  Dispositivs  der  Verfügung  vom  10.  Mai  2007  sind  aufzuheben und das Bundesamt  ist anzuweisen, den Beschwerdeführer  als Flüchtling vorläufig aufzunehmen. 10.  10.1. Dem Beschwerdeführer wurde mit Instruktionsverfügung vom 2. Juli  2007 die unentgeltliche Prozessführung unter Vorbehalt der Veränderung  seiner  finanziellen  Lage  gewährt.  Zum  jetzigen  Zeitpunkt  kann  davon  ausgegangen  werden,  dass  der  Beschwerdeführer  nicht  mehr  als  bedürftig  gilt  (vgl.  Eingabe  vom  2.  Mai  2011  betreffend  seines  Lehrabschlusses und der Aussichtstellung einer  zweijährigen Anstellung  bei  seinem  Lehrbetrieb).  Aufgrund  der  Veränderung  seiner  finanziellen  Lage  werden  dem  Beschwerdeführer  deshalb  praxisgemäss  um  zwei  Drittel  reduzierte  Verfahrenskosten  in  der  Höhe  von  Fr. 200.­  auferlegt  (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 2 und 3 des Reglements vom 21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2]  i.V.m.  Art.  16  Abs.  1  Bst. a VGG). 10.2. Der  Beschwerdeführer  hat  teilweise  obsiegt,  indem  er  mit  seiner  Beschwerde  bei  der  Frage  der  Flüchtlingseigenschaft  durchgedrungen  ist. Es  ist  ihm daher eine angemessene, praxisgemäss um einen Drittel  reduzierte Parteientschädigung zuzusprechen (vgl. Art. 64 Abs. 1 VwVG;  Art. 7 ff. VGKE).  In der mit der Beschwerde vom 11. Juni 2007 eingereichten Kostennote  weist der vormalige Rechtsvertreter einen zeitlichen Vertretungsaufwand  von  8  Stunden  und  20 Minuten  zu  einem  Stundenansatz  von  Fr.  150.­  (plus  Fr.  50.­  Dossiereröffnungspauschale),  insgesamt  also  Fr.  1'300.­,  und  Auslagen  von  insgesamt  Fr.  50.­  aus.  In  der  am  22.  August  2011  eingereichten  Kostennote  weist  der  derzeitige  Rechtsvertreter  einen 

E­3986/2007 zeitlichen  Vertretungsaufwand  von  5  Stunden  zu  einem  Stundenansatz  von Fr. 240.­,  total also Fr. 1200.­ und Auslagen von  insgesamt Fr. 95.–  aus.  Unter Berücksichtigung der massgebenden Bemessungsfaktoren (Art. 9 ­  13 VGKE) und der Entschädigungspraxis  in Vergleichsfällen erscheinen  diese  Vertretungskosten  als  angemessen,  weshalb  dem  Beschwerdeführer eine Parteientschädigung  im Betrag von pauschal Fr.  1'900.­­ (entspricht zwei Drittel des Vertretungsaufwandes des vormaligen  Rechtsvertreters inklusive Auslagen und Mehrwertsteuer von 7,6 Prozent  und  zwei  Drittel  des  Vertretungsaufwandes  des  derzeitigen  Rechtsvertreters inklusive Auslagen und Mehrwertsteuer von 7,6 Prozent  auf vor dem 1. Januar 2011 und 8 Prozent auf nach dem 1. Januar 2011  erbrachte Leistungen) zu entrichten. (Dispositiv nächste Seite)

E­3986/2007 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die  Beschwerde  wird  gutgeheissen,  soweit  sie  die  Frage  der  Anerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  und  des  Vollzugs  der  Wegweisung betrifft; im Übrigen wird sie abgewiesen. 2.  Die Ziffern 1, 4 und 5 des Dispositivs der vorinstanzlichen Verfügung vom  10. Mai 2007 werden aufgehoben.  3.  Die  Vorinstanz  wird  angewiesen,  den  Beschwerdeführer  als  Flüchtling  anzuerkennen und vorläufig in der Schweiz aufzunehmen.  4.  Die  ermässigten  Verfahrenskosten  von  Fr.  200.­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand des Urteils zu Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.  5.  Das BFM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor  dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von Fr. 1'900.­­  (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) zu entrichten.  6.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Muriel Beck Kadima Tu­Binh Truong Versand:

E-3986/2007 — Bundesverwaltungsgericht 11.10.2011 E-3986/2007 — Swissrulings