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Bundesverwaltungsgericht 13.09.2011 E-3973/2006

13 settembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,525 parole·~13 min·1

Riassunto

Aufhebung vorläufige Aufnahme (Asyl) | Aufhebung der vorläufigen Aufnahme; Verfügung des BFM vom 3. Februar 2005

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung V E­3973/2006 Urteil   v om   1 3 .   S ep t embe r   2011 Besetzung Richterin Gabriela Freihofer (Vorsitz), Richter Hans Schürch, Richter Maurice Brodard, Gerichtsschreiber Jan Feichtinger. Parteien A._______, geboren am (…), Afghanistan,  (…),   Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Aufhebung der vorläufigen Aufnahme; Verfügung des BFM  vom 3. Februar 2005 / N (…).

E­3973/2006 Sachverhalt: A.  A.a  Am  7. Juli 1998  suchte  der  Beschwerdeführer,  ein  afghanischer  Staatsangehöriger aus Kabul, mit seiner Familie in der Schweiz um Asyl  nach.  A.b Mit Verfügung vom 30. Mai 2001 stellte das damalige Bundesamt für  Flüchtlinge  (BFF)  fest,  der  Beschwerdeführer  und  seine  Familienangehörigen erfüllten die Flüchtlingseigenschaft nicht,  lehnte die  Asylgesuche  vom  7. Juli 1998  ab,  ordnete  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz an und schob deren Vollzug  infolge Unzumutbarkeit  zugunsten  einer vorläufigen Aufnahme auf. A.c  Mit  Urteil  der  [Gerichtsbehörde]  vom  (…)   März 2004  wurde  der  Beschwerdeführer  wegen  mehrfacher  einfacher  Körperverletzung  (Art.  123  Ziff.  1  Abs.  1  des  Schweizerischen  Strafgesetzbuchs  vom  21. Dezember 1937  [StGB, SR 311.0]), mehrfacher versuchter Nötigung  (Art.  181  i.V.m.  Art.  22  Abs.  1  StGB),  Hausfriedensbruchs  (Art.  186  StGB), und Tätlichkeiten (Art. 126 Abs. 1 StGB) – unter Gewährung des  bedingten  Strafvollzugs  –  zu  einer  Freiheitsstrafe  von  sieben  Monaten  verurteilt. A.d  Mit  Schreiben  vom  2. Dezember 2004  teilte  das  BFF  dem  Beschwerdeführer mit,  es  erwäge mit  Blick  auf  das  vorgenannte  Urteil,  die  am  30. Mai 2001  verfügte  vorläufige  Aufnahme  in  Anwendung  von  Art. 14b Abs. 2 des damals noch in Kraft stehenden Bundesgesetzes vom  26. März 1931 über Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer (ANAG,  BS  1  121)  aufzuheben.  Angesichts  dessen  gewährte  das  Bundesamt  dem  Beschwerdeführer  das  rechtliche  Gehör  zur  beabsichtigten  Aufhebung  der  vorläufigen  Aufnahme  und  zum  damit  verbundenen  Wegweisungsvollzug. A.e  Der  Beschwerdeführer  liess  mit  Stellungnahme  seines  Rechtsvertreters  vom 24. Januar 2005  beantragen,  es  sei  die  vorläufige  Aufnahme  beizubehalten  und  von  der  Wegweisung  (recte:  vom  Wegweisungsvollzug) abzusehen. Zur Begründung wurde dabei  im Wesentlichen ausgeführt,  zwar sei das  Fehlverhalten des Beschwerdeführers gegenüber seiner Familie nicht von  der Hand zu weisen,  indessen sei  seine Delinquenz ausschliesslich auf  die  vorübergehenden  familiären  Auseinandersetzungen  im 

E­3973/2006 Zusammenhand mit  der  Trennung  der  Eheleute  zurückzuführen. Weiter  sei  zu  beachten,  dass  insbesondere  die  Körperverletzungen  bei  Handgreiflichkeiten  zustande  gekommen  seien  und  lediglich  Prellungen  respektive  Schürfungen  hervorgerufen  hätten.  Seither  habe  sich  der  Beschwerdeführer  nichts  mehr  zuschulden  kommen  lassen.  Das  Verhältnis  zu  seinen  Kindern  habe  sich  gebessert,  auch  komme  er  vollständig  für  den  Unterhalt  der  Familie  auf.  Eine  Wegweisung  des  betagten  und  (…)  Beschwerdeführers  würde  deshalb  eine  unverhältnismässige Härte bedeuten. B.  Mit  Verfügung  vom  3. Februar  2005  hob  das  BFM  die  vorläufige  Aufnahme  des  Beschwerdeführers  auf,  forderte  ihn  auf,  die  Schweiz –  unter  Androhung  von  Zwangsmitteln  im  Unterlassungsfall  –  bis  zum  3. April  2005  zu  verlassen,  und  beauftragte  den  Kanton  B._______ mit  dem Vollzug der Wegweisung. Zur Begründung führte das BFM aus, das  [Gericht] habe in seinem Urteil vom (…). März 2004 das Verschulden des  Beschwerdeführers  als  nicht  mehr  leicht  eingestuft.  So  habe  er  gegenüber  ihm  körperlich  unterlegene  Familienmitglieder  Gewalt  angewendet  und  diese  dabei  erheblich  verletzt,  weiter  habe  er  mit  erheblichen Repressionen gedroht. Schliesslich seien die Straftaten trotz  – mit einzelrichterlichem Urteil vom (…). Juni 2003 verhängter – Vorstrafe  erfolgt. In Anbetracht des Verhaltens des Beschwerdeführers erübrige es  sich  zu  prüfen,  ob  der Wegweisungsvollzug  zu  einer  schwerwiegenden  persönlichen Notlage führen würde. C.  Mit Eingabe seines damaligen Rechtsvertreters vom 2. März 2005 an die  ARK  liess  der Beschwerdeführer Beschwerde erheben und beantragen,  die  Verfügung  des  BFM  vom  3. Februar  2005  betreffend  Widerruf  der  Verfügung vom 30. Mai 2001 sei aufzuheben. In der Sache wurde der angefochtenen Verfügung entgegnet, die Delikte  des  Beschwerdeführers,  bei  welchen  es  sich  allesamt  um  Formen  der  häuslichen  Gewalt  handle,  seien  als  einmalige  Kurzschlussreaktion  zu  verstehen.  Zudem  habe  das  Gericht  das  Verschulden  des  Beschwerdeführers  als  "nicht mehr  leicht"  eingestuft,  wobei  es  sich  um  die  zweitniedrigste  von  13  Intensitätsstufen  handle.  Ein  schweres  Verschulden  im  Sinne  der  bundesgerichtlichen  Rechtsprechung  zu  Art.  10  ANAG  könne  demgemäss  nicht  angenommen  werden.  Inzwischen  habe  sich  der  Beschwerdeführer  mit  seinen  Angehörigen  versöhnt  und 

E­3973/2006 unterhalte  mit  diesen  eine  normale  familiäre  Beziehung.  Eine  Wegweisung des Beschwerdeführers würde ein Auseinanderreissen der  Familie  entgegen  der  Interessen  der  auf  ihn  angewiesenen  Kinder  bedeuten.  Vor  diesem  Hintergrund  sowie  angesichts  des  schlechten  Gesundheitszustandes  des  Beschwerdeführers  und  der  allgemeinen  Lage in Afghanistan erweise sich ein Asylwiderruf (recte: eine Aufhebung  der vorläufigen Aufnahme) als unverhältnismässig. D.  Mit  prozessleitender  Verfügung  vom  21. März 2005  verzichtete  der  damals  zuständige  Instruktionsrichter  der  ARK  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses. Mit Vernehmlassung  vom 11. April 2005  beantragte  das BFM die Abweisung der Beschwerde. E.  Mit  Urteil  der  [Gerichtsbehörde]  vom  (…). März 2006  wurde  der  Beschwerdeführer  wegen  mehrfacher  versuchter  Nötigung  (Art.  181  i.V.m.  Art.  21  StGB)  sowie  Hinderung  einer  Amtshandlung  (Art. 286  StGB) zu einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten verurteilt. Mit  gleichem Urteil  wurde  die Gewährung  des  bedingten  Strafvollzuges  der mit Urteil  vom  (…). März 2004 ausgesprochenen Freiheitsstrafe  von  sieben Monaten widerrufen. F.  Auf  Anfrage  der  zuständigen  Instruktionsrichterin  vom  22. Juli 2009  übermittelte  [kantonale  Migrationsbehörde]  dem  Bundesverwaltungsgericht  weitere  sachdienliche  Akten  betreffend  die  nachstehenden Vorgänge.  Am  (…). Mai 2006  wurde  über  den  Beschwerdeführer  Konkurs  eröffnet. Mit Verfügung vom  (…). Mai 2007 erfolgte der Widerruf der  Konkurseröffnung infolge vollständiger Befriedigung der Gläubiger.  Am  16. November 2007  teilte  die  Staatsanwaltschaft  C._______  der  Stadtpolizei  B._______  mit,  gegen  den  Beschwerdeführer  sei  eine  Strafuntersuchung  wegen  Betrugs  (Art.  146  StGB)  respektive  Pfändungsbetrugs  (Art. 163 Ziff. 1 StGB), Verstrickungsbruches  (Art.  169  StGB)  und  Unterlassung  der  Buchführung  (Art.  166  StGB)  eröffnet  –  sowie  die  Akten  zur  Untersuchung  eines  allfälligen  Steuerbetrugs  an  die  kantonalen  Steuerämter  übermittelt  –  worden,  und  ihr  einen  entsprechenden  Ermittlungsauftrag  erteilte. Weitere  in 

E­3973/2006 Frage  kommende  Delikttatbestände  wie  Geldwäscherei  und  Sozialhilfebetrug würden  direkt mit  dem zuständigen Sachbearbeiter  besprochen. G.  Mit  Schreiben  vom  25. Januar 2010  teilte  der  Rechtsvertreter  des  Beschwerdeführers die Mandatsniederlegung mit. H.  Mit zweiter Vernehmlassung vom 27. Januar 2010 hielt das BFM an den  Erwägungen  in  seiner  Stellungnahme  vom  11. April 2005  fest  und  beantragte  –  unter  Hinweis  zwischenzeitlich  eingetretenen  Ereignisse  (vgl. Bst. E. und F.) die Abweisung der Beschwerde.  Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet unter anderem endgültig  über Beschwerden  gegen Verfügungen  des BFM  in Sachen Aufhebung  der  vorläufigen  Aufnahme  von  Ausländerinnen  und  Ausländern  in  der  Schweiz  (Art.  84  Abs.  2  und  3  AuG  i.V.m.  Art. 31  und  33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst.  c  Ziff.  3  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005  [BGG, SR 173.110]). 1.2.  Das  Bundesverwaltungsgericht  hat  am  1.  Januar  2007  die  Beurteilung  der  bei  der  ARK  am  31.  Dezember  2006  hängigen  Rechtsmittel übernommen. Das neue Verfahrensrecht ist anwendbar (Art.  53 Abs. 2 VGG). 1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Beschwerdeführer  ist  durch  die  angefochtenen  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Der  Beschwerdeführer  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art.  112  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und  Ausländer  [AuG, SR 142.20]  i.V.m. Art. 37 VGG, Art. 48 Abs. 1, Art. 50  Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.

E­3973/2006 1.4. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige  oder  unvollständige  Feststellung  des  rechtserheblichen  Sachverhaltes  und  die Unangemessenheit  gerügt werden  (Art.  112 Abs.  1  AuG  i.V.m.  Art. 49 VwVG). 2.  2.1.  Die  am  1.  Januar  2008  in  Kraft  getretene  übergangsrechtliche  Bestimmung von Art. 126a Abs. 4 AuG sieht vor, dass für Personen, die  im  Zeitpunkt  des  Inkrafttretens  der  Änderung  des  AsylG  vom  16. De­ zember 2005  sowie  des  AuG  vorläufig  aufgenommen  sind,  das  neue  Recht gilt. Diese spezielle Regel geht der allgemeinen Regel von Art. 126  Abs. 1 AuG (vgl. dazu BVGE 2008/1) vor.  2.2.  Der  Beschwerdeführer  wurde  unter  altem  Recht  vorläufig  aufgenommen.  Aufgrund  der  übergangsrechtlichen  Regelung  gemäss  Art.  126a  Abs.  4  AuG  ist  im  vorliegenden  Beschwerdeverfahren  betreffend Aufhebung der vorläufigen Aufnahme jedoch zu prüfen, ob die  Voraussetzungen  für  die  Aufhebung  der  vorläufigen  Aufnahme  nach  neuem Recht – mithin nach Art. 84 Abs. 1 – 3 AuG – vorliegen. 2.3.  In  der  angefochtenen  Verfügung  beruft  sich  das  BFM  auf  Art.  10  Abs. 1 Bst.  a   des Bundesgesetzes  vom 26. März 1931 über Aufenthalt  und  Niederlassung  der  Ausländer  (ANAG,  BS  1  121;  vgl.  die  neurechtliche Entsprechung  in Art. 84 Abs. 3 AuG  i.V.m. Art. 83 Abs. 7  Bst. a AuG), welche Norm besagt, dass ein Ausländer aus der Schweiz  oder aus einem Kanton ausgewiesen werden kann, wenn er wegen eines  Verbrechens oder Vergehens gerichtlich bestraft worden  ist. Zudem  fällt  vorliegend  auch  die  Fallkonstellation  von  Bst.  b  derselben  Norm  (respektive  Art.  84  Abs.  3  AuG  i.V.m.  Art.  83  Abs.  7  Bst.  b  AuG)  in  Betracht,  wonach  eine  Ausweisung  erfolgen  kann,  wenn  das  Verhalten  des Betroffenen im allgemeinen und seine Handlungen darauf schliessen  lassen,  dass  er  nicht  gewillt  oder  fähig  ist,  sich  in  die  im  Gaststaat  geltende Ordnung einzufügen.  Nachstehend  ist  demnach  zu  prüfen,  ob  die  Delinquenz  des  Beschwerdeführers  die  zur  Aufhebung  der  vorläufigen  Aufnahme  erforderliche  Intensität erreicht, wobei – wie unter Ziffer 2.2 aufgezeigt –  die im AuG vorgesehenen Aufhebungsgründe zur Anwendung gelangen. 2.4.  Gemäss  Art.  84  Abs.  2  AuG  wird  die  vorläufige  Aufnahme  aufgehoben und der Vollzug angeordnet, wenn die Voraussetzungen der 

E­3973/2006 vorläufigen  Aufnahme  nicht  mehr  gegeben  sind,  d.h.  wenn  der  Vollzug  (wieder)  zulässig,  zumutbar  und möglich  ist.  Die  Ausnahmeklausel  von  Art. 83 Abs. 7 AuG ist auch bei der Aufhebung der vorläufigen Aufnahme  anwendbar (vgl. Art. 84 Abs. 3 AuG). Gemäss Art. 84 Abs. 3 AuG i.V.m.  Art. 83  Abs.  7  AuG  wird  die  vorläufige  Aufnahme  nicht  verfügt  beziehungsweise aufgehoben, wenn die weg­ oder ausgewiesene Person  zu  einer  längeren  Freiheitsstrafe  verurteilt  oder  gegen  sie  eine  strafrechtliche Massnahme nach Art. 61 oder 64 StGB angeordnet wurde  (Bst.  a)  oder  erheblich  oder  wiederholt  gegen  die  öffentliche  Sicherheit  und Ordnung in der Schweiz oder im Ausland verstossen hat oder diese  respektive die  innere oder die äussere Sicherheit gefährdet (Bst. b). Art.  83 Abs. 7 AuG Bst. a und b stimmen inhaltlich überein mit den Bst. b und  c  von  Art.  62  AuG,  welcher  die  allgemeinen  Voraussetzungen  des  Widerrufs  von  Bewilligungen  oder  anderen  Verfügungen  nach  jenem  Gesetz regelt. Aus dem Wortlaut der obgenannten Bestimmungen ergibt  sich zunächst, dass nicht  jeder Verstoss gegen die gesetzliche Ordnung  zu  einem  Widerruf  führt  beziehungsweise  für  eine  Aufhebung  der  vorläufigen  Aufnahme  genügt,  sondern  dass  dieser  von  einer  gewissen  Schwere sein muss. Im  Weiteren  wird  das  Verhältnismässigkeitsprinzip  zu  beachten  sein.  Dieses  Prinzip  (das  einen  allgemeinen  Grundsatz  staatlichen  Handelns  bildet  (vgl.  Art.  5  Abs.  2  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18.  April  1999  [BV,  SR  101]),  wird  für  den  vorliegend relevanten Rechtsbereich durch Art. 96 Abs. 1 AuG spezifisch  festgeschrieben,  wonach  die  zuständigen  Behörden  bei  der  Ermessensausübung  die  öffentlichen  Interessen  und  die  persönlichen  Verhältnisse  sowie  den  Grad  der  Integration  der  Ausländerinnen  und  Ausländer zu berücksichtigen haben (vgl. hierzu Ziff. 5). 3.  3.1. Grundlage  der  vorliegenden  Aufhebung  der  vorläufigen  Aufnahme  stellt  gemäss  der  angefochtenen  Verfügung  vom  3. Februar  2005  das  Urteil  der  [Gerichtsbehörde]  vom  (…). März 2004  dar.  Gemäss  der  schriftlichen  Urteilsbegründung  (vgl.  Akten  BFM  B7)  liegen  den  Schuldsprüchen  im  Wesentlichen  die  nachstehenden  Sachverhalte  zugrunde:  Mehrfache  einfache  Körperverletzung  im  Sinne  von  Art.  123  StGB,  Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 StGB:

E­3973/2006 Am  (…). August 2003  kurz  vor  Mitternacht  versetzte  der  Beschwerdeführer an einer Tramhaltestelle in B._______ seinen Söhnen  D._______  und  E._______  jeweils  einen  Faustschlag  an  den  Kopf  respektive Hals, wodurch diese stürzten und der Letztere kurzzeitig das  Bewusstseins  verlor.  In  derselben  Situation  trat  er  seine  Ehefrau  F._______ gegen den Oberschenkel und schlug sie mit der Faust gegen  den  Kopf,  wodurch  sie  Schädel­,  Schulter­,  Ellbogen­  und  Handgelenkskontusionen erlitt.   Hausfriedensbruch im Sinne von Art. 186 StGB:  Am  (…). März 2003  betrat  der  Beschwerdeführer  trotz  ihm  bekannten  Hausverbots die von seiner Familie bewohnte Liegenschaft.   Mehrfache  versuchte  Nötigung  im  Sinne  von  Art.  181  i.V.m  Art.  22  Abs. 1 StGB: Im  Dezember 2002  drohte  der  Beschwerdeführer  seinem  Sohn  D._______,  er  werde  ihn,  seine  Mutter  und  seine  Geschwister  beim  nächsten  Zusammentreffen  schlagen  respektive  die  Mafia  damit  beauftragen,  falls  es  ihm  nicht  gelinge,  seine  Mutter  von  der  Notwendigkeit  eines  erneuten Gesprächs  zu  überzeugen.  Im  Juni  /  Juli  2003  sowie  anlässlich  eines  Quartierfests  am  (…). August 2003  drohte  der  Beschwerdeführer  F._______  für  den  Fall,  dass  sie  nicht  zulassen  würde, dass er wieder mit ihr zusammenleben könne.  3.2.  3.2.1.  Bereits  auf  Grundlage  dieses  Urteils  fällt  eine  Aufhebung  der  vorläufigen  Aufnahme  gestützt  auf  Art.  83  Abs.  7  Bst.  a   AuG  (Verurteilung  zu  einer  längerfristigen  Freiheitsstrafe)  in  Betracht.  Im  Hinblick auf die erforderliche  Intensität genügen die  im genannten Urteil  berücksichtigten Straftaten  zur Aufhebung der  vorläufigen Aufnahme.  In  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission (EMARK) 2004 Nr. 39 wurde eine wiederholte und  zu  einem  vergleichbaren  Strafmass  führende Delinquenz  (zehn Monate  Freiheitsstrafe  unter  Gewährung  des  bedingten  Strafvollzugs)  als  ausreichende  Grundlage  für  den  Ausschluss  von  der  vorläufigen  Aufnahme  gemäss  dem  inhaltlich  weitestgehend  Art. 83  Abs.  7  AuG  entsprechenden Art. 14a Abs. 6 des – mit der Inkraftsetzung des AuG am  1. Januar 2008 aufgehobenen – ANAG erachtet.

E­3973/2006 3.2.2. Sodann wurde der Beschwerdeführer mit Urteil  [Gerichtsbehörde]  vom (…). März 2006 erneut zu einer Freiheitsstrafe  (von zehn Monaten)  verurteilt. Den neuerlichen Schuldsprüchen  liegen gemäss Urteilsbegründung  (vgl.  pag.  67  ff.  Beschwerdeakten)  im  Wesentlichen  die  nachstehenden  Sachverhalte zugrunde:  Mehrfache  versuchte  Nötigung  im  Sinne  von  Art.  181  i.V.m  Art.  22  Abs. 1 StGB: Ab  August 2005  bis  zu  seiner  Verhaftung  am  (…). September 2005  versuchte  der  Beschwerdeführer  in  nicht  bekannter  Häufigkeit,  sich  Zugang  zur Wohnung  seiner  Angehörigen  zu  verschaffen.  Da  ihm  dies  nicht gelang, drohte er seiner Frau F._______ und seinen Kindern, dass  er  sie  auf  offener  Strasse  schlagen  respektive  umbringen  respektive  jemanden  damit  beauftragen  würde,  dass  er  die  ganze  Familie  nach  Afghanistan  entführen  würde,  dass  er  den  Kindern  die  Gedärme  aufreissen und seine Töchter schänden würde, wenn seine Ehefrau nicht  von der geplanten Scheidung absähe.  Hinderung einer Amtshandlung im Sinne von Art. 286 StGB: (…) 3.2.3.  Vor  dem  Hintergrund  der  Verurteilungen  zu  Freiheitsstrafen  von  insgesamt 17 Monaten  ist – unter Hinweis auf das bereits  zuvor zitierte  Urteil  EMARK  2004  Nr.  39  –  im  Sinne  eines  Zwischenergebnisses  festzuhalten, dass eine Aufhebung der vorläufigen Aufnahme gestützt auf  Art. 84 Abs. 3 AuG i.V.m. Art. 83 Abs. 7 Bst. a AuG – vorbehältlich deren  Verhältnismässigkeit (vgl. hierzu Ziff. 5) – rechtens erscheint. 3.3.  Angesichts  der  umfangreichen  und  mehrere  Jahre  umfassenden  Strafakten  ist zudem festzustellen, dass der Beschwerdeführer erheblich  und  wiederholt  gegen  die  öffentliche  Sicherheit  und  Ordnung  in  der  Schweiz  verstossen  hat,  weshalb  alternativ  auch  eine  Aufhebung  der  vorläufigen Aufnahme gestützt auf Art. 84 Abs. 3 AuG i.V.m. Art. 83 Abs.  7 Bst. b AuG in Betracht fällt. 3.3.1.  Wenngleich  den  im  Urteil  des  [Gerichts]  vom  (…). März 2004  aufgeführten  Delikten  mit  der  Trennung  des  Beschwerdeführers  von  seiner Familie dasselbe Motiv zugrunde zu liegen scheint, erscheinen die 

E­3973/2006 einzelnen  Tathandlungen  keineswegs  als  Einheit.  Vielmehr  ist  festzustellen,  dass  der  Beschwerdeführer  seine Angehörigen wiederholt  und  über  einen  längeren  Zeitraum  in  strafrechtlich  relevanter  Weise  behelligt  hat. Der   Einwand  des Rechtsvertreters, wonach  jener  "genau  einmal  straffällig"  geworden  sei  und  es  sich  hierbei  um  eine  "einmalige  Kurzschlussreaktion"  handle,  kann  deshalb  klarerweise  nicht  gehört  werden.  Der Eindruck fortgesetzter Delinquenz wird zusätzlich verstärkt durch die  Vorakten  der  [Polizeibehörde]  (pag.  87  Beschwerdeakten),  wonach  der  Beschwerdeführer  seine Angehörigen  bereits  seit  2001  verschiedentlich  in  rechtswidriger  Weise  behelligt  (insbesondere  Drohung,  Hausfriedensbruch) habe. 3.3.2.  Als  zutreffend  erweist  sich  die  Feststellung  in  der  Rechtsmitteleingabe, wonach dem Beschwerdeführer  im besagten Urteil  eine  günstige  Prognose  gestellt  und  deshalb  der  bedingte  Strafvollzug  gewährt wurde. Vor dem Hintergrund der heutigen Aktenlage ist hingegen  festzustellen, dass sich diese Prognose in keiner Weise bewahrheitet hat.  Dies  widerspiegelt  sich  insbesondere  im  Widerruf  der  Gewährung  des  bedingten  Strafvollzugs  mit  Urteil  des  [Gerichts]  vom  (…). März 2006.  Betreffend  den  Inhalt  dieses  Urteils  kann  auf  die  Zusammenstellung  in  Ziffer 3.2.2 verwiesen werden. 3.3.3.  In Ergänzung hierzu  ist  festzustellen, dass die Staatsanwaltschaft  C._______  im  November  2007  unter  dem  Tatvorwurf  verschiedener  Betrugsdelikte  eine  Strafuntersuchung  gegen  den  Beschwerdeführer  eingeleitet hat, welche gemäss Aktenlage nach wie vor hängig ist. Dem  beiliegenden  Anzeigerapport  ist  als  Hintergrund  dieser  Amtshandlung  namentlich  zu  entnehmen,  dass  der  Beschwerdeführer  von  seinem  durch  Konkurs  belegten  Konto  die  Summe  von  (…)  abgehoben  und  zudem  trotz  eines  Kontoguthabens  von  (…)  von  der  Asylorganisation Hilfsleistungen bezogen habe. Aufgrund  des  in  einem  rechtsstaatlichen  Strafverfahren  geltenden  Grundprinzips  der  Unschuldsvermutung  müssen  diese  jüngsten  Tatvorwürfe  bei  der  Beurteilung  des  vorliegenden  Verfahrens  unberücksichtigt  bleiben.  Eine  Gesamtbetrachtung  der  Aktenlage  führt  jedoch  unweigerlich  zur  Feststellung,  dass  der  Beschwerdeführer  seit  2003  immer  wieder  in  Justizverfahren  verwickelt  war. Er  hat  durch  die 

E­3973/2006 mehrfache Missachtung von gesetzlichen Vorschriften die in der Schweiz  geltende  Rechtsordnung  wiederholt  verletzt  und  ist  –  wie  den  oben  aufgeführten Strafurteilen zu entnehmen ist – wiederholt rechtskräftig für  sein deliktisches Verhalten gerichtlich belangt worden. Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  der  Auffassung,  der  Beschwerdeführer  habe  durch  sein  Verhalten  die  öffentliche  Sicherheit  und Ordnung im Sinne von Art 83 Abs. 7 Bst. b AuG in schwerwiegender  Weise verletzt, und die Delinquenz des Beschwerdeführers habe die zur  Aufhebung der vorläufigen Aufnahme erforderliche Intensität erreicht. 4.  Nachdem  vorstehend  festgestellt  wurde,  dass  die  Tatbestandsvarianten  von  Art.  83  Abs.  7  Bst.  a  und  b  AuG  vorliegend  erfüllt  sind,  bleibt  zu  prüfen, ob der Vollzug der Wegweisung durchführbar (vgl. Ziff. 4.1 ff.) und  verhältnismässig (vgl. Ziff. 5) ist. 4.1.    Mit  Verfügung  des  BFF  vom  30. Mai 2001  wurde  rechtskräftig  festgestellt,  dass  der  Beschwerdeführer  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht  erfüllt.  Daher  kann  das  in  Art.  5  AsylG  verankerte  Prinzip  des  flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulements im vorliegenden Verfahren keine  Anwendung  finden.  Sodann  ergeben  sich  aus  den  Ausführungen  des  Beschwerdeführers  und  den  übrigen  Akten  keine  glaubhaften  Hinweise  auf eine menschenrechtswidrige Behandlung  (vgl. Art. 3 der Konvention  vom  4.  November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  [EMRK,  SR  0.101]),  die  ihm  in  Afghanistan  drohen  könnte.  Der  Vollzug  der Wegweisung  erweist  sich  vorliegend  daher  als  zulässig. 4.2. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und  Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat­ oder Herkunftsstaat auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter Vorbehalt  von Art.  83 Abs.  7 AuG –  die vorläufige Aufnahme zu gewähren (vgl. Botschaft zum Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom  8.  März  2002,  BBl  2002  3818). Dieser  Vorbehalt  von  Art.  83  Abs.  7  AuG  greift  im  Falle  des  Beschwerdeführers.  Nach  dieser  Bestimmung  wird  die  vorläufige  Aufnahme  insbesondere  dann  nicht  verfügt,  wenn  die  weg­  oder 

E­3973/2006 ausgewiesene Person zu einer  längerfristigen Freiheitsstrafe  im In­ oder  Ausland  verurteilt  wurde  oder  sie  erheblich  oder  wiederholt  gegen  die  öffentliche  Sicherheit  und  Ordnung  in  der  Schweiz  oder  im  Ausland  verstossen  hat  oder  diese  gefährdet.  Diese  Voraussetzungen  für  die  Anwendbarkeit der Ausnahmeklausel von Art. 83 Abs. 7 AuG sind beim  Beschwerdeführer,  der  in  der  Schweiz  wegen  verschiedener  Delikte  Freiheitsstrafen  von  insgesamt  17 Monaten  erwirkt  hat,  wie  vorstehend  aufgezeigt,  gegeben.  Somit  erübrigt  es  sich,  die  materiellen  Zumutbarkeitsvoraussetzungen  näher  zu  prüfen  und  beispielsweise  auf  die  aktuelle  politische  und  humanitäre  Lage  in  Afghanistan  oder  auf  Zumutbarkeitserschwernisse individueller Art einzugehen. Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als  zumutbar. 4.3.    Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der  zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr  notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (Art.  8  Abs.  4  AsylG),  weshalb der Vollzug der Wegweisung als möglich zu bezeichnen ist (Art.  83 Abs. 2 AuG).  5.  Nachdem festgestellt wurde, dass vorliegend die Aufhebungsgründe von  Art. 84 Abs. 3 i.V.m. Art. 83 Abs. 7 Bstn. a und b AuG gegeben sind und  der  Wegweisungsvollzug  nach  dem  oben  Gesagten  als  durchführbar  gelten  kann,  muss  im Weiteren  geprüft  werden,  ob  die  Aufhebung  der  vorläufigen  Aufnahme  unter  Berücksichtigung  der  gesamten  Umstände  verhältnismässig ist. 5.1.  Ausgangspunkt  der  durchzuführenden  Prüfung  ist  die  Praxis  der  ARK,  wonach  die  Ausschlussklausel  von  Art.  14a  Abs.  6  ANAG  mit  Zurückhaltung  und  insbesondere  unter  Beachtung  des  Verhältnismässigkeitsprinzips  (das  einen  allgemeinen  Grundsatz  staatlichen Handelns bildet, vgl. Art. 5 Abs. 2 der Bundesverfassung der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18.  April  1999  [BV,  SR  101])  anzuwenden  ist  (vgl.  EMARK  2003  Nr.  3  E.  3a).  Auch  nach  neuerer  Praxis  zu  Art.  14a  Abs.  6  ANAG  ist  zu  überprüfen,  ob  das  öffentliche  Interesse  am  Vollzug  der  verfügten  Wegweisung  die  persönlichen  Interessen  des  Beschwerdeführers  am  Verbleib  in  der  Schweiz  zu  überwiegen vermag (BVGE 2007/32).

E­3973/2006 Mit  der  Einführung  des  AuG  wurde  Art.  14a  Abs.  6  ANAG  durch  den  vergleichbar  ausgestalteten  Art.  83  Abs.  7  AuG  ersetzt,  weshalb  die  vorstehend aufgezeigte Praxis auch  im Hinblick auf dessen Anwendung  weiterzuführen  ist.  Die  genannte  Norm  ist  als  "Kann"­Bestimmung  formuliert, was bedeutet, dass die Aufhebung der vorläufigen Aufnahme  fakultativ  ist und der Feststellung von Aufhebungsgründen  im Sinne von  Art.  84  Abs.  3  AuG  i.V.m.  Art.  83  Abs.  7  AuG  in  jedem  Fall  eine  sorgfältige  behördliche  Interessenabwägung  folgen  muss  (vgl.  Art.  96  Abs.  1  AuG;  vgl.  dazu  PETER  BOLZLI,  in  MARC  SPESCHA/HANSPETER  THÜR/ANREAS  ZÜND/PETER  BOLZLI,  Kommentar  Migrationsrecht,  Zürich  2008, N. 6 zu Art. 84 AuG und N. 23 zu Art. 83 AuG). Daraus  ergibt  sich,  dass  bei  der  Beurteilung  der  Verhältnismässigkeit  nicht von einer schematischen Betrachtungsweise auszugehen, sondern  auf  die  gesamten  Umstände  des  Einzelfalles  abzustellen  ist.  Zu  berücksichtigen sind insbesondere die Art der verletzten Rechtsgüter und  die  Schwere  des  Verschuldens.  Steht  nicht  der  Ausschluss  von  der  vorläufigen Aufnahme, sondern die Aufhebung derselben zur Diskussion,  wird  auf  Seiten  des  Ausländers  im  Rahmen  der  Interessenabwägung  namentlich der Dauer der Anwesenheit in der Schweiz sowie den mit dem  Vollzug  der  Wegweisung  allenfalls  verbundenen  persönlichen  und  familiären  Nachteilen  ein  relativ  hoher  Stellenwert  beizumessen  sein  (zum Ganzen vgl. BVGE 2007/32 E. 3 S. 386 ff., EMARK 2006 Nr. 23 E.  8.3 S. 247 ff; EMARK 2006 Nr. 11 E. 7 S. 124 ff. und EMARK 2004 Nr. 39  E. 5.3 S. 271, mit je weiteren Verweisen). 5.2.  Zugunsten  des  Beschwerdeführers  fällt  (…)  zunächst  seine  lange  Aufenthaltsdauer  in  der  Schweiz  ins  Gewicht.  Er  hält  sich  seit  dem  7. Juli 1998  –  mithin  seit  rund  13  Jahren  –  in  der  Schweiz  auf.  Auch  bestehen  aufgrund  der  Aktenlage  gewisse  Anhaltspunkte  auf  eine  der  langen  Anwesenheitsdauer  entsprechende  Integration  beziehungsweise  auf  eine  gewisse  Bindung  des  Beschwerdeführers  an  die  Schweiz.  Namentlich  ist  er  gemäss  den  vorliegenden  Akten  (…)  in  den  Arbeitsmarkt eingebunden.  Weiter  ist  die  allgemeine  Lage  in  Afghanistan  zu  berücksichtigen.  In  weiten  Teilen  des  Landes  herrschen  eine  prekäre  Sicherheitslage  und  derart  schwierige  humanitäre  Bedingungen,  dass  die  Situation  als  existenzbedrohend  zu  qualifizieren  ist.  Indessen  ist  von  dieser  allgemeinen  Feststellung  die  Situation  in  Kabul,  dem  Herkunftsort  des  Beschwerdeführers,  zu  unterscheiden.  In  der  Hauptstadt  ist  die 

E­3973/2006 Sicherheitslage weniger bedrohlich als  in den anderen Landesteilen und  die  humanitäre  Situation  ist  im  Vergleich  zu  den  übrigen  Gebieten  weniger dramatisch. Entsprechend gilt eine Rückkehr  in die Stadt Kabul  gemäss  Rechtsprechung  des  Bundesverwaltungsgerichts  nicht  generell  als  unzumutbar,  sondern  kann  unter  begünstigenden  als  zumutbar  erkannt werden (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E­7625/2008  vom 16. Juni 2011). Im Falle des Beschwerdeführers, der jedenfalls zum  Zeitpunkt seiner Einreise über (…) in Afghanistan wohnhafte Geschwister  (vgl.  A1  S.  2)  und  gemäss  Aktenlage  offenbar  über  ein  Vermögen  von  über  (…)  verfügt,  ist  die  Lage  in  seinem  Heimatland  zwar  in  die  Verhältnismässigkeitsprüfung  miteinzubeziehen,  doch  steht  sie  der  Aufhebung der vorläufigen Aufnahme nicht grundsätzlich entgegen. Mit  Stellungnahme  vom  24. Januar 2005  wurde  ausgeführt,  der  Beschwerdeführer  sei  (…),  welcher  Umstand  im  Laufe  des  Verfahrens  weder  belegt  noch  erneut  angerufen  wurde.  Afghanistan  zählt  noch  immer  zu  den  Ländern  mit  der  schlechtesten  Gesundheitsversorgung  weltweit.  Indessen  wäre  zumindest  in  Kabul  eine  allenfalls  vorliegende  (…)  behandelbar.  Zwar  würde  eine  entsprechende  Behandlung  eine  erhebliche finanzielle Belastung mit sich bringen, indessen vermöchte der  Beschwerdeführer  dieselbe  angesichts  seiner  wirtschaftlichen  Verhältnisse zu bestreiten. Die Ausführungen in der Rechtsmitteleingabe, wonach die Beziehung des  Beschwerdeführers mit  seiner Familie ausgezeichnet  sei und die Kinder  auf  die  Unterstützung  des  Beschwerdeführers  angewiesen  seien,  findet  keine  Entsprechung  in  den  Verfahrensakten.  Vielmehr  ist  festzustellen,  dass die Aufhebung der  vorläufigen Aufnahme direkte Folge von gegen  diese  Angehörigen  gerichteten  Delikten  des  Beschwerdeführers  waren.  Aus  der  Tatsache,  dass  er  im  Falle  einer  Wegweisung  von  denselben  getrennt würde, kann somit nichts zu seinen Gunsten abgeleitet werden. 5.3.  Wie  vorstehend  aufgezeigt,  sind  vorliegend  beide  Tatbestandsvarianten von Art. 83 Abs. 7 (Bstn. a und b) AuG erfüllt (vgl.  Ziff.  3.2.3  und  Ziff. 3.3.3).  Die  Tatsache,  dass  der  Beschwerdeführer  rechtskräftig zu mehreren Strafen verurteilt wurde und zudem wiederholt  und in erheblichem Masse gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung  verstossen  hat,  lässt  das  öffentliche  Interesse  am Wegweisungsvollzug  und  somit  an  der  Aufhebung  der  vorläufigen  Aufnahme  des  Beschwerdeführers  gewichtig  erscheinen.  Dabei  ist  an  dieser  Stelle  darauf  hinzuweisen,  dass  insbesondere  die  erfolgte  Begehung  von 

E­3973/2006 Körperverletzungen  und  Tätlichkeiten  ein  erhebliches  öffentliches  Interesse  am  Vollzug  der  Wegweisung  begründen,  sind  doch  hiervon  Rechtsgüter  wie  die  körperliche  und  psychische  Unversehrtheit  (vgl.  EMARK 2006 Nr.  11 E.  7.2.1)  betroffen. Erschwerend  tritt  der Umstand  hinzu,  dass  namentlich  der  Vorfall  vom  (…). August 2003  von  einer  erheblichen  Gewaltbereitschaft  gekennzeichnet  war,  traktierte  der  Beschwerdeführer  doch  seine  ihm  körperlich  unterlegenen Angehörigen  mit Fäusten und Füssen.  Auch  der  Umstand,  dass  auch  die  wiederholt  geäusserten  Drohungen  des  Beschwerdeführers  besonders  wertvolle  Rechtsgüter  beschlagen,  lassen  auf  keine  geringe  Gefährdung  der  öffentlichen  Sicherheit  und  Ordnung mehr  schliessen. Die gesetzlichen Gründe  für  den Ausschluss  respektive  die  Aufhebung  einer  vorläufigen  Aufnahme  erfüllen  auch  präventive  Schutzinteressen;  sie  sind  nicht  nur  darauf  ausgerichtet,  vergangene  Straftaten  zu  sanktionieren,  sondern  wollen  auch  die  Öffentlichkeit  vor künftigen Delikten des Ausländers bewahren  (BOLZLI,  a.a.O., N. 22 zu Art. 83 Abs. 7 Bst. a und b AuG). Seit dem Erlass der  vorinstanzlichen  Verfügung  vom  3. Februar 2005  konnte  keine  Stabilisierung  in  Bezug  auf  das  regelwidrige  Verhalten  des  Beschwerdeführers  erreicht  werden.  Vielmehr  ist  die  Tendenz  und  zur  wiederholten  Deliktsbegehung  zu  beobachten.  Dem  Beschwerdeführer  kann  somit  kein  Wille  zur  Besserung  respektive  keine  Möglichkeit  attestiert  werden,  sich  aus  der  Deliktsspirale  zu  lösen.  In  Anbetracht  seiner  langjährigen  Delinquenz  kann  dem  Beschwerdeführer  insgesamt  keine  gute  Prognose  gestellt  werden;  die  Gefahr  neuerlicher,  insbesondere gleichartiger, gegen seine Angehörigen gerichteter Delikte  für  die  nähere  Zukunft  kann  nicht  ausgeschlossen  werden.  Dabei  ist  herauszustreichen,  dass  dem  Beschwerdeführer  bereits  mit  Entscheid  des  BFF  vom  30. Mai  2001  betreffend  seine  vorläufige  Aufnahme  zur  Kenntnis  gebracht  wurde,  dieselbe  könne  jederzeit  mittels  separater  Verfügung widerrufen werden. Er hat sich aber  in den Jahren nach dem  erstmaligen Kontakt mit der Justiz nicht einsichtig gezeigt, beging er doch  mehrere  Delikte  innerhalb  der  Probezeit  der  mit  Urteil  vom  (…). März 2004  bedingt  angeordneten  Sanktion.  Bemerkenswert  ist  zudem, dass das BFM auf Grundlage dieser Verurteilung mit Verfügung  vom  3. Februar 2005  die  vorläufige  Aufnahme  aufhob  und  dies  den  Beschwerdeführer nicht davon abhielt, im August / September desselben  Jahres  mehrere  Delikte  der  gleichen  Art  und  in  eher  gesteigerter  Intensität zu begehen.  

E­3973/2006 5.4  Nach  dieser  Gegenüberstellung  des  öffentlichen  Interesses  am  Wegweisungsvollzug und dem privaten Interesse des Beschwerdeführers  an  einem  weiteren  Verbleib  in  der  Schweiz  kommt  das  Bundesverwaltungsgericht  zum  Schluss,  es  bestünden  keine  konkreten  Anhaltspunkte  dafür,  dass  der  Beschwerdeführer  künftig  die  öffentliche  Sicherheit und Ordnung nicht mehr gefährden wird, weshalb an sich ein  erhebliches  öffentliches  Interesse  am Wegweisungsvollzug  besteht.  Vor  dem Hintergrund obiger Erwägungen überwiegt das öffentliche Interesse  am Vollzug  der  verfügten Wegweisung  die  persönlichen  Interessen  des  Beschwerdeführers am Verbleib in der Schweiz. 6.  Aus den obigen Erwägungen ergibt  sich,  dass die  durch die Vorinstanz  angeordnete Aufhebung der vorläufigen Aufnahme zu bestätigen ist. Die  angefochtene  Verfügung  verletzt  somit  Bundesrecht  nicht,  stellt  den  rechtserheblichen  Sachverhalt  richtig  und  vollständig  fest  und  ist  angemessen. Die Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 7.  Da  der  Beschwerdeführer  mit  seiner  Beschwerde  vollumfänglich  unterlegen  ist,  sind  ihm  die  Verfahrenskosten  im  Betrag  von  Fr.  600.–  (Art. 2 und 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.3]) aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). (Dispositiv nächste Seite)

E­3973/2006 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  600.–  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Rechtsvertreter  des  Beschwerdeführers,  das  BFM und die zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber: Gabriela Freihofer Jan Feichtinger Versand:

E-3973/2006 — Bundesverwaltungsgericht 13.09.2011 E-3973/2006 — Swissrulings