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Bundesverwaltungsgericht 19.01.2012 E-3893/2008

19 gennaio 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·3,722 parole·~19 min·2

Riassunto

Nichteintreten auf Asylgesuch (erneutes Asylverfahren Schweiz) und Wegweisung | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 28. Mai 2008 /

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung V E­3893/2008 Urteil   v om   1 9 .   J a nua r   2012 Besetzung Richterin Regula Schenker Senn (Vorsitz), Richter Hans Schürch, Richter Jean­Pierre Monnet,    Gerichtsschreiber Urs David. Parteien (angeblich) A._______, Bangladesch (angeblich ohne Staatsangehörigkeit), vertreten durch Gabriel Püntener, Rechtsanwalt, (…), Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 28. Mai 2008 / N (…).

E­3893/2008 Sachverhalt: A.  Der Beschwerdeführer stellte am 6. April 1998 in der Schweiz ein erstes  Asylgesuch.  Dabei  präsentierte  er  sich  als  ein  in  Dakka  geborener,  papierloser Bihari ohne Staatsangehörigkeit. Das Gesuch begründete er  mit einer ethnisch motivierten Verfolgung seitens Angehöriger der Awami  League  (AL),  Schutzgelderpressungen  durch  Leute  der  AL  und  der  Bangladesh  Nationalist  Party  (BNP)  sowie  einer  behördlichen  Suche  nach ihm im Zusammenhang mit einem ihm unberechtigterweise zur Last  gelegten Mord an einem AL­Anhänger in seinem Restaurant; er selber sei  nicht  politisch  tätig  gewesen  und  habe  im  Übrigen  keine  Probleme mit  den bangladeschischen Behörden gehabt. Mit Verfügung vom 14. September 2000 lehnte das damalige Bundesamt  für  Flüchtlinge  (BFF,  seit  2005  BFM)  das  Asylgesuch  ab.  In  der  Begründung qualifizierte  es die  geltend gemachten Vorbringen als  nicht  glaubhaft  im  Sinne  von  Art.  7  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR 142.31).  Der  Beschwerdeführer  erfülle  daher  die  Flüchtlingseigenschaft nach Art. 3 AsylG nicht. Gleichzeitig verfügte das  Bundesamt die Wegweisung aus der Schweiz, wobei es den Vollzug der  Wegweisung  nach  Bangladesch  als  zulässig,  zumutbar  und  möglich  erachtete.  Auf  eine  durch  den  damaligen  Rechtsvertreter  gegen  diese  Verfügung  eingereichte  Beschwerde  vom  12.  Oktober  2000  trat  die  vormalige  Schweizerische  Asylrekurskommission  (ARK)  mit  Urteil  vom  20.  November 2000 nicht ein, nachdem der für die materielle Behandlung der  als aussichtslos eingestuften Beschwerde eingeforderte Kostenvorschuss  nicht vollständig geleistet worden war.  Die  in  der  Folge  neu  angesetzte  Ausreisefrist  verstrich  unbenützt  und  verschiedene  Anstrengungen,  insbesondere  der  kantonalen  Migrationsbehörde,  im Hinblick  auf  die Durchsetzung  und Durchführung  des  angeordneten  Wegweisungsvollzuges  (Papierbeschaffungen,  Konsulatsvorführungen,  Anordnungen  von  Ausschaffungshaft  usw.)  blieben in den folgenden Jahren erfolglos. B.  Mit  Schreiben  vom  15.  April  2008  an  das  BFM  zeigte  der  Beschwerdeführer die Mandatierung des rubrizierten Rechtsvertreters an. 

E­3893/2008 Gleichzeitig  ersuchte  er  um  Einsicht  in  seine  beim  BFM  befindlichen  Akten, insbesondere auch in die Vollzugsakten. Mit  Begleitschreiben  vom  "13. März  2008"  (recte:  13. Mai  2008)  erhielt  der Beschwerdeführer in eingeschränkter Form Akteneinsicht. C.  Mit  (vorab  per  Telefax  eingereichter)  Eingabe  vom  23. Mai  2008  stellte  der Beschwerdeführer ein zweites Asylgesuch. Dieses begründete er  im  Wesentlichen  damit,  dass  die  von  der  Vorinstanz  und  der  kantonalen  Migrationsbehörde  über  Jahre  hinweg  erfolglos  unternommenen  und  nach  wie  vor  aktuellen  Vollzugsmassnahmen  eine  freiheits­,  integritäts­  und  gar  lebensbedrohliche  Verfolgungssituation  im  Sinne  von  Art.  3  AsylG  und  Art.  3  der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der Menschenrechte  und Grundfreiheiten  (EMRK,  SR  0.101)  begründet  hätten, welcher er im Falle einer Rückkehr nach Bangladesch ausgesetzt  sein würde. Aus den ihm offengelegten Vollzugsakten ergebe sich, dass  die  Vorinstanz  und  (…)  trotz  seiner  nicht  ausgewiesenen  Identität  und  Nationalität gemeinsam einen massiven Druck aufgebaut hätten, um  ihn  mittels  Ausstellung  eines  "Laisser­Passer"  zur  freiwilligen  oder  zwangsweisen  Ausreise  nach  Bangladesch  zu  bewegen;  dies  in  der  Erwartung,  er  werde  dann  bei  der  Befragung  durch  die  Immigrationsbehörde schon seine wahre  Identität und bangladeschische  (statt  biharische)  Ethnie  und  Nationalität  preisgeben.  Mit  diesem  "Versuchsballon"  sehe  er  sich  der  Gefahr  ausgesetzt,  Opfer  von  gerichtsnotorischen  Misshandlungen  und  Folterungen  bei  solchen  Verhören  zu  werden.  Er  halte  an  seinen  konstant  geltend  gemachten  Identitätsangaben und insbesondere seiner unbekannten, jedenfalls nicht  bangladeschischen Staatsangehörigkeit  fest,  deren Wahrheitsgehalt  das  BFM nunmehr abzuklären habe.  Auf den weiteren Inhalt des zweiten Asylgesuchs wird, soweit wesentlich,  in den Erwägungen eingegangen. D.  Das  BFM  stellte  mit  Verfügung  vom  23.  Mai  2008  den  Eingang  eines  zweiten Asylgesuchs vom "23. August 2006" fest und setzte den Vollzug  der  Wegweisung  aus,  in  welche  Anordnung  es  insbesondere  auch  Vorbereitungshandlungen wie die Papierbeschaffung einschloss.

E­3893/2008 In der Folge wurde eine zum Zwecke der Papierbeschaffung für den (…)  2008 vorgesehene (…) annulliert. E.  Mit Verfügung vom 28. Mai 2008 trat das BFM in Anwendung von Art. 32  Abs. 2 Bst. e AsylG auf das zweite Asylgesuch vom 23. Mai 2008 nicht  ein.  Gleichzeitig  verfügte  das  Bundesamt  die  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  aus  der  Schweiz,  wobei  es  den  Vollzug  der  Wegweisung als zulässig, zumutbar und möglich erachtete. Ferner erhob  es gestützt auf Art. 17b Abs. 4 AsylG eine Gebühr von Fr. 600.­­. Zudem  erhielt der Beschwerdeführer Einsicht in die editionspflichtigen Akten. Auf  die  Begründung  der  Verfügung  wird,  soweit  wesentlich,  in  den  Erwägungen eingegangen. F.  Mit  Eingabe  vom  12.  Juni  2008  erhob  der  Beschwerdeführer  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  gegen  die  vorinstanzliche  Verfügung. Darin beantragt er deren Aufhebung und die Rückweisung der  Sache  an  die  Vorinstanz  zur  vollständigen  und  richtigen  Sachverhaltsfeststellung  und Neubeurteilung  im Sinne  eines materiellen  Eintretens sowie als Eventualbegehren die Gewährung von Asyl und die  Feststellung  der Unmöglichkeit,  Unzulässigkeit  und Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzuges;  in  prozessualer  Hinsicht  sei  ihm  ferner  vollständige Einsicht in die Akten des zweiten Asylgesuchs, insbesondere  in die Akten B3­5, mit nachfolgender Einräumung des rechtlichen Gehörs  zu gewähren. Auf  die  Begründung  und  die  eingereichten  Beweismittel  wird,  soweit  wesentlich, in den Erwägungen eingegangen. G.  Mit Zwischenverfügung vom 18. Juni 2008 stellte die Instruktionsrichterin  des  Bundesverwaltungsgerichts  den  legalen  Aufenthalt  des  Beschwerdeführers  während  des  Beschwerdeverfahrens  fest.  Gleichzeitig  wurde  das  BFM  zur  Vernehmlassung  bis  zum  3.  Juli  2008  eingeladen. H.  Mit Zwischenverfügung vom 25. Juni 2008 lehnte die Instruktionsrichterin  ein  zwischenzeitlich  gestelltes  und  mit  „Einholung  von  zusätzlichen  Informationen  bei  der  Abteilung  Rückkehr  des  BFM  hinsichtlich 

E­3893/2008 Bangladesh“  begründetes  Gesuch  des  BFM  vom  24.  Juni  2008  um  Fristerstreckung bis zum 24. Juli 2008 ab.  Auf  die  Begründung  wird,  soweit  wesentlich,  in  den  Erwägungen  eingegangen. I.  Die  Vorinstanz  beantragt  mit  Vernehmlassung  vom  "1.  Juli  2008"  (Eingang  Bundesverwaltungsgericht  am  30.  Juni  2008)  die  Abweisung  der  Beschwerde,  spricht  sich  aber  gleichzeitig  für  die  anbegehrte  Einsichtsgewährung in die Akten B3­5 aus. Mit  Zwischenverfügung  vom  4.  Juli  2008  gewährte  die  Instruktionsrichterin  dem  Beschwerdeführer  unter  Zustellung  der  Vernehmlassung  das  Replikrecht  bis  zum  21.  Juli  2008,  unter  gleichzeitiger  Offenlegung  der  Aktenstücke  B3­5  und  des  aktualisierten  vorinstanzlichen Aktenverzeichnisses. Mit  Replik  vom  21.  Juli  2008  hält  der  Beschwerdeführer  an  seinen  Beschwerdeanträgen  fest  und  ergänzt  diese  mit  dem  prozessualen  Antrag um gerichtliche Identitätsabklärung via das Hochkommissariat der  Vereinten Nationen für Flüchtlinge (UNHCR). Auf  den  Inhalt  des  Schriftenwechsels  wird,  soweit  wesentlich,  in  den  Erwägungen eingegangen. J.  Mit  Eingabe  vom  6.  November  2008  ergänzte  der  Beschwerdeführer  seine Beschwerdeakten. Auf den Inhalt der Beschwerdeergänzung wird, soweit wesentlich, in den  Erwägungen eingegangen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 

E­3893/2008 1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM  gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  AsylG;  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105 und Art. 108 Abs. 2 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG).  Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  Die zu beurteilende Beschwerde  richtet sich gegen eine Verfügung,  laut  deren  Dispositiv  das  BFM  auf  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  nicht  eingetreten  ist  (Ziffer  1  des Verfügungsdispositivs). Die Verfügung  bildet als Anfechtungsgegenstand  in der Bundesverwaltungsrechtspflege  den  äusseren  Rahmen,  innerhalb  welchem  die  Parteien  der  Rechtsmittelinstanz  ein  Rechtsverhältnis  zur  Beurteilung  unterbreiten  können.  Der  durch  die  Parteibegehren  definierte  Streitgegenstand  darf  nicht über den Anfechtungsgegenstand hinaus reichen. Gegenstand des  Beschwerdeverfahrens kann grundsätzlich nur sein, was Gegenstand des  erstinstanzlichen Verfahrens war oder nach richtiger Gesetzesauslegung  hätte  sein  sollen  (vgl.  ANDRÉ MOSER,  in:  Auer/Müller/Schindler  [Hrsg.],  Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren (VwVG), 

E­3893/2008 Zürich  2008,  Rz. 3  zu  Art. 52,  CHRISTOPH  AUER,  Streitgegenstand  und  Rügeprinzip  im  Spannungsfeld  der  verwaltungsrechtlichen  Prozessmaximen,  Bern  1997,  S.  63;  ALFRED  KÖLZ/ISABELLE  HÄNER,  Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 2. Aufl.,  Zürich  1998,  S.  149).  Werden  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es  das  BFM  der  Form  nach  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu  überprüfen  (Art. 32­35a  AsylG),  mit  Beschwerde  angefochten, so ist stets nur zu beurteilen, ob die Vorinstanz zu Recht auf  das Asylgesuch nicht eingetreten ist. Kommt die Beschwerdeinstanz zum  Schluss, dass das Nichteintreten auf das Asylgesuch zu Unrecht erfolgt  ist,  so  hat  sie  sich  konsequenterweise  einer  materiellen  Prüfung  zu  enthalten,  die  angefochtene  Nichteintretensverfügung  aufzuheben  und  die Sache zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1. S. 240 f.). Vorliegend  enthält  das  Dispositiv  der  angefochtenen  Verfügung  keine  Regelung  in  Bezug  auf  die  Gewährung  von  Asyl.  Auf  den  eventualiter  gestellten  Antrag,  es  sei  Asyl  zu  gewähren  (Ziff.  7),  ist  deshalb  im  Rahmen  des  vorliegenden  Beschwerdeverfahrens  nicht  einzutreten.  Nicht  beschränkt  ist  die  Beurteilungszuständigkeit  des  Bundesverwaltungsgerichts  dagegen hinsichtlich der Frage der Wegweisung und deren Vollzugs, da  das  BFM  diesbezüglich  eine  materielle  Prüfung  und  Entscheidung  vorzunehmen  hat  (vgl.  Art.  44  AsylG  i.V.m.  Art.  83  Abs.  1­4  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und  Ausländer [AuG, SR 142.20]). 4.  Gelangt  eine  ausländische  Person,  nachdem  ihrem  Asylgesuch  kein  Erfolg beschieden war,  erneut  an die Behörden,  liegt  gemäss geltender  Praxis (siehe EMARK 1998 Nr. 1 E. 6) unabhängig von der Bezeichnung  und  dem  Inhalt  der  Eingabe  wiederum  ein  Asylgesuch  vor,  wenn  sich  daraus  ergibt,  dass  sie  –  noch  immer  oder  wiederum  –  um Schutz  vor  Verfolgung  ersucht.  Befindet  sich  eine  ausländische  Person,  deren  Asylgesuch  rechtskräftig  abgelehnt worden  ist,  noch  in  der Schweiz,  so  ist  dann  nach  Art.  32  Abs.  2  Bst.  e  AsylG  vorzugehen,  wenn  sie  Nachfluchtgründe geltend macht, die seit dem Asylentscheid eingetreten  und für die Flüchtlingseigenschaft relevant sind. Wird hingegen das neue  Gesuch  ausschliesslich  mit  angeblich  bestehenden  völker­  oder  landesrechtlichen  Wegweisungsvollzugshindernissen  begründet,  ist  es  ohne  Bezugnahme  auf  Art.  32  AsylG  allein  nach  den  Regeln  über  die  Wiedererwägung  zu  behandeln.  In  einem  solchen  Fall  besteht  kein 

E­3893/2008 Grund, mittels Anwendung des weiten Verfolgungsbegriffs zugunsten des  Gesuchstellers sein Begehren als Asylgesuch zu  interpretieren  (EMARK  1998 Nr. 1 E. 6c/bb). Vorliegend  hat  der Beschwerdeführer  seine Eingabe  vom 23. Mai  2008  zutreffend  als  "neues  Asylgesuch"  bezeichnet:  Zwar  beschlägt  sie  scheinbar bloss den  technischen und praktischen Bereich und somit die  Möglichkeit  des  Wegweisungsvollzuges.  Indessen  wird  unmissverständlich  eine  neue  Furcht  vor  Verfolgung  geltend  gemacht,  deren Grund  die  Asylbehörden  durch  ihre  Vorgehensweise  im Rahmen  der Vollzugsdurchführung gesetzt hätten. Entsprechend hat das BFM das  Asylgesuch  ebenso  zutreffend  als  solches  (statt  als  Wiedererwägungsgesuch) anhand genommen, zumal für das Bundesamt  auch  kein  Anlass  bestand,  die  Eingabe  dem  Bundesverwaltungsgericht  zwecks Anhandnahme als Revisionsgesuch zu überwiesen. 5.  Gemäss  Art.  32  Abs.  2  Bst.  e  AsylG  wird  auf  Asylgesuche  nicht  eingetreten, wenn Asylsuchende in der Schweiz bereits ein Asylverfahren  erfolglos durchlaufen haben oder während des hängigen Asylverfahrens  in den Heimat­ oder Herkunftsstaat  zurückgekehrt  sind, ausser es gebe  Hinweise,  dass  in  der  Zwischenzeit  Ereignisse  eingetreten  sind,  die  geeignet sind, die Flüchtlingseigenschaft  zu begründen, oder die  für die  Gewährung vorübergehenden Schutzes relevant sind. 6.  6.1. Den  mit  Verfügung  vom  28.  Mai  2008  in  Anwendung  von  Art.  32  Abs. 2 Bst. e AsylG getroffenen Nichteintretensentscheid begründete das  BFM  mit  dem  Umstand,  dass  das  erste  Asylverfahren  rechtskräftig  abgeschlossen  sei  und  der  Beschwerdeführer  in  beiden  Asylverfahren  seine  in Art. 8 Abs. 1 AsylG verankerte Mitwirkungspflicht  insbesondere  hinsichtlich  Offenlegung  der  Identität  und  Abgabe  von  Reise­  und  Identitätspapieren missachtet, seine Kooperation bei der Beschaffung von  Reisepapieren  im  Hinblick  auf  die  Durchführung  des  Wegweisungsvollzuges  verweigert  und  gar  falsche  Angaben  zu  seiner  Identität sowie Aufenthalts­ und Herkunftsadresse gemacht habe, um den  Vollzug zu verhindern. Aus den Vollzugsakten ([…]), Gespräche zwischen  BFM und kantonaler Migrationsbehörde mit dem Beschwerdeführer) gehe  denn  auch  unmissverständlich  hervor,  dass  er  bangladeschischer  Staatsangehöriger  und  nicht  Bihari  sei.  Im Weiteren  verweist  das  BFM 

E­3893/2008 auf den gesetzlichen Vollzugsauftrag nach Art. 106 Bst. a AuG, welcher  die Bekanntgabe von Personalien an die ausländische Behörde vorsehe.  Eine  Gefährdungssituation,  insbesondere  unter  dem  Aspekt  von  Art.  3  EMRK,  könne  somit  aus  diesem  Vorgehen  nicht  hergeleitet  werden,  zumal  es  sich  bei  der  Furcht  des  Beschwerdeführers  vor  einer  Misshandlung durch die (…) um eine reine Parteibehauptung handle. Es  bestünden  somit  keine  Hinweise  auf  seit  Abschluss  des  ersten  Asylverfahrens  eingetretene  und  zur  Begründung  der  Flüchtlingseigenschaft  geeignete  Ereignisse.  Die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  sei  sodann  die  Regelfolge  des  Nichteintretensentscheides.  Mangels Hinweisen auf die Flüchtlingseigenschaft gelange der Grundsatz  der Nichtrückschiebung  nach Art.  5 Abs.  1 AsylG  nicht  zur Anwendung  und  es  bestünden  keine  Anhaltspunkte,  wonach  der  Vollzug  der  Wegweisung  unzulässig,  unzumutbar  oder  –  in  technischer  und  praktischer Hinsicht – unmöglich wäre. 6.2. In seiner Beschwerde vom 12. Juni 2008 rügt der Beschwerdeführer  ein  "eigenwilliges" und aktenkundigerweise  rechtswidriges Vorgehen der  verschiedenen vollzugsinvolvierten Behörden und Stellen im Hinblick auf  seine Ausschaffung und bei der Behandlung seines zweiten Asylgesuchs.  Vorab  kritisiert  er  die  unvollständige  und  unleserliche  Führung  des  Aktenverzeichnisses und die unberechtigte Verweigerung der Einsicht  in  die  Akten  B3,  B4  und  B5;  ebenso  bestünden  Zweifel,  ob  die  mit  dem  zweiten Asylgesuch eingereichten Beweismittel  vom BFM zu den Akten  genommen  worden  seien,  weshalb  er  diese  mit  der  Beschwerde  nochmals einreiche, damit sie im Rahmen der Vernehmlassung dem BFM  zwingend unterbreitet werden könnten. Überhaupt bestünden Zweifel, ob  die  Vorinstanz  die  Vollzugsakten  bei  der  Beurteilung  des  zweiten  Asylgesuchs beigezogen habe. Die Mängel seien somit  im Rahmen des  Beschwerdeverfahrens  unter  Wahrung  des  rechtlichen  Gehörs  zu  beheben  und  insbesondere  sei  ihm  ein  berichtigtes  und  vollständiges  Aktenverzeichnis  zuzustellen.  Ohne  Mängelbehebung  müsse  die  Verfügung infolge Verletzung des rechtlichen Gehörs aufgehoben und die  Sache  an  das  Bundesamt  zurückgewiesen  werden.  Sodann  rügt  der  Beschwerdeführer  das  "aussergewöhnlich  summarische  Vorgehen  des  BFM"  bei  der  Behandlung  und  Würdigung  des  zweiten  Asylgesuchs,  zumal  er  hieb­  und  stichfeste  Beweismittel  (Vollzugsakten)  vorgelegt  habe,  welche  über  den  gesetzlich  als  Minimum  vorgeschriebenen  "Hinweisen"  stünden. Das Bundesamt  habe  sich  auf  die  pauschale  und  unbegründete  Feststellung  beschränkt,  dass  die  Vollzugsakten  an  den  fehlenden  Verfolgungshinweisen  nichts  zu  ändern  vermöchten.  Die 

E­3893/2008 gemäss  BFM  fehlende  Eignung  zur  Begründung  der  Flüchtlingseigenschaft  basiere  auf  der  ungeprüft  (…)  übernommenen  Feststellung,  wonach  er  kein  Bihari,  sondern  bangladeschischer  Staatsangehöriger  sei,  obwohl  er  seit  seiner  Einreise  stets  und  widerspruchslos  das  Gegenteil  bekräftigt  habe.  Die  Unmöglichkeit  der  Papierbeschaffung sei  somit objektiv und gründe nicht  in  irgendwelchen  Falschangaben  oder  Mitwirkungsverletzungen.  Bei  den  zuständigen  Vollzugsstellen  habe  sich  einfach  eine  Verzweiflung  und  ein  gewisser  Überdruss  an  der  Unmöglichkeit  seiner  Rückschaffung  eingestellt.  Dies  erhelle  insbesondere  aus  der  aktenkundigen  Tatsache,  dass  er  als  "Bihari­Fall"  bezeichnet  werde  und  an  ihm  ein  "Versuchsballon"  mittels  Ausstellung (…) hätte statuiert werden sollen, mit dem Ziel zu testen, ob  er dann vor der (…) seine wahre Identität preisgeben würde und ob das  Vorgehen  auch  für  weitere  "Bihari­Fälle"  zweckmässig  wäre.  Rechtswidriger  Druck  auf  ihn  sei  seitens  der  Vollzugsbehörden  auch  dadurch ausgeübt worden, dass das Inaussichtstellen der Entlassung aus  der  Ausschaffungshaft  nach  Ausfüllen  des  Antragsformulars  betreffend  Ausstellen  von  Ersatzreisedokumenten  in  Kombination  mit  der  Ausschaffungsandrohung  nach  sieben  Tagen  ins  Auge  gefasst  worden  sei.  Solche  Vorgehensweisen  und  Druckausübungen  seien  unmenschlich,  gesetzeswidrig  und  seien  geeignet,  seine  Flüchtlingseigenschaft  zu  begründen,  zumal  sich  die  (…)  bedienen  würde.  Auf  das  Asylgesuch  hätte  somit  –  zumal  nach  den  negativen  Erfahrungen  im  Falle  (…)  im  Jahre  2004  –  eingetreten  und  weitere  Abklärungen  durchgeführt  werden  müssen,  da  die  geschilderten  Ereignisse und die erdrückende Beweislast durchaus zur Begründung der  Flüchtlingseigenschaft  geeignet  seien.  Im  Weiteren  stosse  die  vorinstanzliche  Anrufung  von  Art.  106  AuG  insofern  ins  Leere,  als  die  darauf  gestützte  Datenweitergabe  an  die  ausländische  Behörde  gerade  nur  innerhalb  der  Schranke  von  Art.  3  EMRK  zulässig  ist,  welche  Schranke das BFM aber  in seinem Fall missachte. Als Beweis  für die  in  Bangladesch  durchaus  existenten  Folter  und  unmenschlichen  Behandlungen  verweist  der  Beschwerdeführer  beispielhaft  auf  einen  Bericht  des  US  Department  of  State  aus  dem  Jahre  2007,  womit  dem  Vorwurf  einer  reinen  Parteibehauptung  in  seinem  Fall  entgegengewirkt  sei.  Abschliessend  bestärkt  der  Beschwerdeführer  nochmals  seine  konstant  beibehaltenen  und  mittels  weiterer  Abklärungen  des  BFM  (Anhörung,  Botschaftsabklärung  oder  dgl.)  überprüfbaren  Identitätsangaben  und  insbesondere  seine  Eigenschaft  als  Bihari.  Die  Behauptung  in  der  angefochtenen  Verfügung,  wonach  er  zugegeben  habe,  nicht  Bihari  zu  sein,  stütze  das  BFM  auf  eine  Aktennotiz,  deren 

E­3893/2008 inhaltliche  Feststellungen  jedoch  willkürlich  und  tatsachenwidrig  seien.  Aus dem Gesagten ergebe sich im Übrigen gleichsam die Unzulässigkeit,  Unmöglichkeit  und  –  nicht  zuletzt  angesichts  der  über  zehnjährigen  Landesabwesenheit – Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges.  6.3.  In  ihrer  Zwischenverfügung  vom  25.  Juni  2008,  mit  welcher  das  Bundesverwaltungsgericht  ein  zwischenzeitlich  gestelltes  und  mit  „Einholung  von  zusätzlichen  Informationen  bei  der  Abteilung  Rückkehr  des  BFM  hinsichtlich  Bangladesh“  begründetes  Gesuch  des  BFM  um  Erstreckung  der  Vernehmlassungsfrist  ablehnte,  erwog  die  Instruktionsrichterin  insbesondere,  "dass  vorliegend  zudem  die  Begründung  des  Fristerstreckungsgesuchs  und  die  beantragte  Erstreckungsdauer  prima  vista  darauf  hindeuten,  dass  weitere  Abklärungen  beabsichtigt  sind,  deren  Vereinbarkeit  mit  einem  Nichteintretensentscheid  nach  Art.  32  Abs.  2  Bst.  e  AsylG  fraglich  sein  dürften". 6.4.  In  seiner  die  Beschwerdeabweisung  beantragenden  Vernehmlassung verweist das BFM zur Problematik der Feststellung der  Identität  und  Staatsangehörigkeit  von  bengalischen  Beschwerdeführenden  sowie  der  behaupteten  Zugehörigkeit  zu  den  Biharis  zunächst  auf  allgemeine  Informationen  des  Bundesamtes.  Insbesondere  hebt  es  den  geringen  Anteil  der  angeblich  bengalischen  Gesuchsteller  mit  dokumentiertem  Identitätsnachweis  und  die  diesbezüglich  regelmässige  Kooperationsverweigerung  im  Vollzugsstadium hervor. Bei  angeblichen Bihari  sei  die Angabe  falscher  Identitäts­  und Herkunftsdaten  erfahrungsgemäss  besonders  häufig  und  deren  Überprüfbarkeit  für  die  schweizerischen  Behörden  nur  begrenzt  möglich.  Hingegen  sei  es  den  Betroffenen  möglich  und  zumutbar,  bei  bestimmten  bangladeschischen  Behördenstellen  und  Institutionen  beglaubigte  Beweismittel  für  die  biharische  Herkunft  zu  erhalten.  Der  Beschwerdeführer  habe  seit  seiner  Einreise  im  Jahre  1998  keinerlei  Identitätsdokumente  eingereicht  und  sich  auch  nie  darum  bemüht,  sondern, wie bereits  im Asylentscheid vom 28. Mai 2008 erkannt,  seine  diesbezügliche  Mitwirkungspflicht  nach  Art.  8  AsylG  verletzt.  Die  Rüge  einer  ungenügenden  Sachverhaltsabklärung  sei  daher  unbegründet.  Weiter macht das BFM auf die Praxis gemäss EMARK 1995 Nr. 14 und  EMARK  2002 Nr. 23  aufmerksam,  wonach  nicht  von  der  Unmöglichkeit  des Wegweisungsvollzuges auszugehen sei, wenn die Möglichkeit einer  freiwilligen  Heimreise  bestehe;  diese  sei  beim  Beschwerdeführer  gegeben.  Die  für  das  Fristerstreckungsgesuch  angeführte  Begründung 

E­3893/2008 sei  nicht  auf  die  Durchführung  weiterer  Sachverhaltsabklärungen  gerichtet  gewesen.  Vielmehr  sei  es  dem  BFM  darum  gegangen  aufzuzeigen, dass alles Mögliche unternommen worden sei, die  Identität  des  Beschwerdeführers  festzustellen  und  den  Wegweisungsvollzug  zu  realisieren,  was  aber  am  Verhalten  des  Beschwerdeführers  gescheitert  sei.  Sodann  verneint  das  BFM  die  Begründung  einer  Verfolgungs­  und  Gefährdungssituation  aufgrund  des  in  der  Beschwerde  beschriebenen  "Versuchsballons". Hierzu sei vorab auf die Tatsache zu verweisen, dass  der  den  ordentlichen  Abschluss  des  ersten  Asylverfahren  bewirkende  Nichteintretensentscheid  der  ARK  vom  24. Oktober  2000  als  Folge  der  als  aussichtslos  erkannten  und  mithin  kostenpflichtigen  Beschwerde  erging.  Die  ARK  habe  die  Erkenntnis  der  Aussichtslosigkeit  unter  Berücksichtigung  der  vom  Beschwerdeführer  behaupteten  Staatenlosigkeit und Bihari­Zugehörigkeit gewonnen, diese Elemente als  unglaubhaft  betrachtet,  den  Beschwerdeführer  in  der  Folge  als  Staatsangehörigen von Bangladesch bezeichnet und ihm im Hinblick auf  den  Wegweisungsvollzug  ein  spezielles  Gefährdungs­  oder  Risikoprofil  abgesprochen.  Von  dieser  Einschätzung  sei  auch  seither  nicht  abzuweichen  und  es  sei  aufgrund  der  aufgezeigten  Umstände  beim  Beschwerdeführer  kein  "real  risk"  im  Sinne  von  Art.  3  EMRK  auszumachen,  sondern  es  bestünden  offensichtlich  keine  Hinweise  auf  die  Erfüllung  der  Flüchtlingseigenschaft,  weshalb  kein  Anlass  für  ein  materielles  Eintreten  auf  das  zweite  Asylgesuch  bestanden  habe.  Hinsichtlich der Aktenstücke B3­5 befürwortet das BFM eine Offenlegung.  Eine kassationsauslösende Verletzung des rechtlichen Gehörs sei damit  nicht verbunden, zumal es sich um administrative Akten handle, welche  bloss  die  Art  und  Weise  der  Gesuchsbehandlung  beschlügen.  Im  weiteren  bekräftigt  das  BFM,  bei  der  Beurteilung  des  zweiten  Asylgesuchs  auch  die  Vollzugsakten,  insbesondere  die  dem  Gesuch  beigelegten,  herangezogen  zu  haben;  diese  seien  denn  auch  als  Aktenstücke paginiert und erfasst worden. Aus einem dieser Aktenstücke  (Gesprächsnotiz  vom  […] November  2007)  gehe  unmissverständlich  hervor, dass der Beschwerdeführer eingeräumt habe, kein Bihari zu sein,  jedoch die Preisgabe seiner  tatsächlichen  Identität weiter  zu verweigern  gedenke. Aus einer anderen Gesprächsnotiz vom (…) April 2008 gingen  ebenfalls  seine  bangladeschische  Nationalität  und  seine  Weigerung  hervor, seine richtigen Personalien und die korrekte Adresse anzugeben  und  das  Antragsformular  zur  Ausstellung  eines  Ersatzreisedokumentes  zu  unterschreiben;  die  von  ihm  angegebene  Adresse  in  Bangladesch  habe sich gar als falsch herausgestellt. Im Übrigen verweist das BFM auf  seine bisherigen Erwägungen.

E­3893/2008 6.5.  Replikweise  hält  der  Beschwerdeführer  seinerseits  an  seinen  Ausführungen in der Beschwerde fest und kritisiert, die Vorinstanz weiche  den  rechtserheblichen  Fragestellungen  wortreich  aus.  Die  Gesprächsnotiz  vom  (…)  November  2007  habe  sodann  keine  Beweiskraft, da sie ein Gespräch zwischen dem (…) in Anwesenheit des  Beschwerdeführers  festhalte,  ohne  dass  darüber  ein  Protokoll  geführt,  Angaben zum Übersetzer gemacht und das rechtliche Gehör eingeräumt  worden wären. Das BFM zweifle zu Unrecht und  in "holpriger Logik" am  Vorbringen  des  Beschwerdeführers,  wonach  er  ein  staatenloser  Bihari  sei,  (…)  und  er  (…)  in  einem  Flüchtlingslager  aufgewachsen  und  registriert  worden  sei,  ohne  dass  ihm  jemals  Identitätsdokumente  ausgestellt  worden  seien.  Das  Bundesamt  hätte  die  Registrierung  als  Bihari­Flüchtling  beim  UNHCR  in  Genf  respektive  bei  der  Zweigstelle  Bangladesch abklären  können und müssen. Das Abklärungsversäumnis  sei  daher  nunmehr  durch  das  Bundesverwaltungsgericht  nachzuholen,  und er sei darüber zu informieren. Im Weiteren sei nicht nachvollziehbar,  wie die im geschilderten "Versuchsballon" begründete Furcht eines Bihari  vor unmenschlicher Behandlung vom BFM einfach wegdiskutiert werden  könne.  Die  Vorinstanz  unterlasse  es  darzulegen,  welche  Elemente  konkret  für  die  Nicht­Biharizugehörigkeit  sprächen.  Hinsichtlich  seiner  Adressangaben,  welche  sich  behauptungsgemäss  als  unkorrekt  herausgestellt hätten, sei zu bedenken, dass er vor Jahren ausgereist sei,  weshalb  es  unwahrscheinlich  sei,  dass  sich  noch  Personen  in  der  Gegend an  ihn erinnerten,  falls überhaupt noch  ihm bekannte Personen  dort lebten.  6.6.  In seiner Beschwerdeergänzung vom 6. November 2008 beruft sich  der Beschwerdeführer auf einen analogen Fall, in welchem das BFM und  gar die gleiche Sachbearbeiterin durch eine Zusammenarbeit mit (…) und  "rechtsstaatlich  unzulässige  Grenzüberschreitung"  eine  asylrelevante  Bedrohungslage  für eine (…) Person geschaffen habe. Die betreffenden  Akten  seien  in  der  vorliegenden  Sache  beizuziehen.  Als  Beweismittel  reicht der Beschwerdeführer die Kopie des neuen Asylgesuchs besagter  Person zu den Akten. 7.  Unter  Bezugnahme  auf  die  formellen  Rügen  einer  Verletzung  des  rechtlichen  Gehörs  (insbesondere  durch  unvollständige  Gewährung  der  Akteneinsicht,  unzulängliche  Führung  des  Aktenverzichnisses,  Zweifel  am  Beizug  der  Vollzugsakten  bei  der  Entscheidfindung)  ist  zunächst  Folgendes  festzustellen:  Der  Beschwerdeführer  erhielt  im  Laufe  des 

E­3893/2008 Beschwerdeverfahrens  Einsicht  in  die  von  ihm  speziell  beantragten  Aktenstücke B3­5. Wie das Bundesamt  zutreffend bemerkte,  handelt  es  sich dabei um die in Bst. D oben erwähnte Vollzugsaussetzung und eine  Kopie derselben – der Vertreter wurde bereits zum damaligen Zeitpunkt  mit  einer  Kopie  bedient  –  sowie  um  eine  Aktennotiz  betreffend  die  ebenfalls  in  Bst.  D  oben  erwähnte  Annullierung  des  Vorsprachetermins  auf dem Konsulat. Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs ist somit nicht  ersichtlich. Eine solche wäre zudem durch die nachträgliche Offenlegung  ohnehin  als  geheilt  zu  betrachten,  was  gleichsam  für  das  Aktenverzeichnis  gilt,  zumal  dieses  in  ordentlich  nachgeführter  Form  offengelegt  wurde,  der  Beschwerdeführer  in  der  Folge  Gelegenheit  zur  Stellungnahme  hatte  und  er  für  den  Fall  der  Mängelbehebung  auf  Beschwerdestufe ausdrücklich keine Kassationsansprüche geltend macht  (vgl. Beschwerde S. 7). Die vom Beschwerdeführer angeführten Zweifel,  ob die Vorinstanz die Vollzugsakten überhaupt  für  die Entscheidfindung  beigezogen habe, entbehren  jeder Grundlage,  zumal sich die gesamten  Vollzugsakten  im  Verfahrensdossier  befinden  und  die  im  zweiten  Asylgesuch  besonders  hervorgehobenen  Aktenstücke  dem  Gesuch  beigelegt  und  vom  BFM  ordentlich  paginiert  und  ins  Aktenverzeichnis  aufgenommen  wurden.  Zusammenfassend  sind  für  das  Gericht  vorliegend  keine  Anhaltspunkte  erkennbar,  wonach  der  Anspruch  des  Beschwerdeführers  auf  rechtliches Gehör  (vgl.  insb.  Art.  29  Abs.  2  der  Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April  1999  [BV,  SR  101]  sowie  Art.  26  ff.  und  29  VwVG)  im  Rahmen  des  zweiten Asylverfahrens verletzt worden wäre. 8.  Der  Nichteintretensgrund  von  Art.  32  Abs.  2  Bst.  e  AsylG  enthält  ein  formelles  (früheres  Asylverfahren  oder  Rückkehr  in  den  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  während  des  hängigen  Verfahrens)  und  ein  materielles  Erfordernis  (fehlende  Hinweise  betreffend  Flüchtlingseigenschaft  beziehungsweise  Gewährung  vorübergehenden  Schutzes),  welche  im  Einzelfall kumulativ erfüllt sein müssen und im Folgenden zu prüfen sind. 8.1.  Das  am  6.  April  1998  gestellte  erste  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  wurde  mit  Verfügung  des  BFF  vom  14.  September  2000 unter Anordnung der Wegweisung und des Wegweisungsvollzuges  vollumfänglich  abgelehnt.  Diese  Verfügung  erwuchs  in  Rechtskraft,  nachdem  die  ARK  auf  die  dagegen  erhobene  und  mittels  Zwischenverfügung  als  aussichtslos  qualifizierte  Beschwerde  vom  12.  Oktober 2000 mit Urteil  vom 20. November 2000 mangels Leistung des 

E­3893/2008 eingeforderten Kostenvorschusses nicht eintrat. Somit steht fest und wird  im  Übrigen  auch  nicht  bestritten,  dass  der  Beschwerdeführer  in  der  Schweiz bereits ein Asylverfahren erfolglos durchlaufen hat. Das formelle  Erfordernis des Nichteintretensgrundes von Art. 32 Abs. 2 Bst. e AsylG ist  daher offensichtlich erfüllt.  8.2. Damit bleibt  im Rahmen der Eintretensfrage zu prüfen, ob Hinweise  auf  in  der  Zwischenzeit  eingetretene  Ereignisse  bestehen,  welche  geeignet sind, die Flüchtlingseigenschaft  zu begründen, oder die  für die  Gewährung vorübergehenden Schutzes relevant sind. 8.2.1.  Auf  das  Asylgesuch  ist  nicht  einzutreten,  wenn  die  geltend  gemachte Verfolgung nicht unter den Flüchtlingsbegriff von Art. 3 AsylG  subsumiert  werden  kann  (vgl.  Entscheide  des  Schweizerischen  Bundesverwaltungsgerichts  [BVGE] 2008/57 E. 3.3; EMARK 2005 Nr. 2  E.  4.5).  Bei  der  Prüfung,  ob  Hinweise  auf  Ereignisse  vorliegen,  welche  geeignet  sind,  die  Flüchtlingseigenschaft  zu  begründen,  ist  vom  engen  Verfolgungsbegriff  im  Sinne  von  Art. 3  AsylG  auszugehen.  Gleichzeitig  gelangt ein gegenüber der Glaubhaftmachung  reduzierter Beweismassstab zur  Anwendung, weshalb auf ein Asylgesuch bereits dann eingetreten werden muss,  wenn  sich  Hinweise  auf  eine  relevante  Verfolgung  ergeben,  welche  nicht  von  vornherein  haltlos  sind  (vgl.  BVGE  2009/53  E.  4.2,  mit  weiteren  Hinweisen;  BVGE 2008/57 E. 3.2; EMARK 2005 Nr. 2 E. 4.3). 8.2.2. Die  Instruktionsrichterin  des  Bundesverwaltungsgerichts  erkannte  in  der  Begründung  des  Gesuchs  des  BFM  um  Erstreckung  der  Vernehmlassungsfrist einen möglichen Abklärungsbedarf  im Hinblick auf  die  behauptete  Verfolgungs­  und  Gefährdungslage  des  Beschwerdeführers.  Ein  solcher  Abklärungsbedarf  wäre  gemäss  Praxis  (vgl. zuvor) untrennbar mit dem Bestehen von Hinweisen auf eine relevante  Verfolgung, welche  nicht  von  vornherein  haltlos  sind,  verbunden  und müssten  daher  einen  Nichteintretensentscheid  nach  Art. 32  Abs. 2  Bst. e  AsylG  ausschliessen.  Das  BFM  hat  jedoch  in  seiner  Vernehmlassung  nachvollziehbar  erklärt  und  aufgezeigt,  dass  die  Fristerstreckung  zum  Zwecke  einer  Zusammenstellung  bereits  bestehender  amtlicher  Erkenntnisse über die allgemeine Vollzugsproblematik von Personen aus  Bangladesch  und  insbesondere  solche  biharischer  Ethnie  anbegehrt  wurde.  Diese  Informationsgrundlagen  werden  in  der  Vernehmlassung  umfassend  und  transparent  dargelegt,  richtigerweise  ohne  dass  dabei  auch  neue  Abklärungsergebnisse  betreffend  eine  allfällige  Verfolgungs­  und Gefährdungslage des Beschwerdeführers eingeflossen wären. Somit 

E­3893/2008 erstaunt  es  zwar,  dass  es  dem  BFM  trotz  abschlägigen  Fristerstreckungsbescheides  vor  Ablauf  der  Vernehmlassungsfrist  problemlos  gelungen  ist,  diese  umfassenden  Hintergrundinformationen  mittels  Vernehmlassung  zu  liefern  und  damit  seinen  bisherigen  Erkenntnissen  (insbesondere  Mitwirkungsverweigerung  des  Beschwerdeführers) mehr Gewicht  zu  verleihen.  Jedenfalls  aber  lassen  sich  aus  dem gesamten Vernehmlassungsprozedere  rückblickend  keine  Anhaltspunkte  für  Hinweise  entnehmen,  wonach  in  der  Zwischenzeit  Ereignisse  eingetreten  sind,  die  geeignet  wären,  die  Flüchtlingseigenschaft  zu  begründen,  oder  die  für  die  Gewährung  vorübergehenden Schutzes relevant sein könnten. 8.2.3. Dreh­ und Angelpunkt des zweiten Asylverfahrens ist die Identität,  insbesondere  die  angebliche  biharische  Herkunft  und  die  behauptete  Staatenlosigkeit  des  Beschwerdeführers.  In  diesem  Zusammenhang  ist  vorab festzustellen, dass das ursächlich auf das Verfolgungsmotiv seiner  biharischen Ethnie gestützte erste Asylgesuch seitens der Vorinstanz mit  der  Begründung  abgelehnt  wurde,  die  geltend  gemachten  Vorbringen  seien nicht glaubhaft  im Sinne von Art. 7 AsylG (vgl. Asylentscheid vom  14. September  2000  E.  I).  Diese  Einschätzung  stützte  der  zuständige  Instruktionsrichter der ARK im Rahmen einer summarischen Prüfung der  gegen diese Verfügung erhobenen Beschwerde (vgl. Zwischenverfügung  der ARK vom 24. Oktober 2000).  Im nachfolgend mangels Leistung des  Kostenvorschusses  ergangenen  Nichteintretensurteil  der  ARK  vom  20. November  2000  wurde,  wie  von  der  Vorinstanz  in  ihrer  Vernehmlassung  vom  1.  Juli  2008  (dort  S.  3)  zutreffend  bemerkt,  die  Staatsangehörigkeit  des  Beschwerdeführers  mit  "Bangladesch"  bezeichnet. In einem rechtskräftig abgeschlossenen Asylverfahren wurde  somit – wenngleich es infolge impliziten Verzichts des Beschwerdeführers  nicht  zu  einer  materiellen  gerichtlichen  Überprüfung  gekommen  war –  implizit  erkannt,  dass  an  den  Ethnie­,  Herkunfts­  und  Staatszugehörigkeitsangaben  des  (papierlosen)  Beschwerdeführers  Zweifel  bestehen.  Festzuhalten  ist  im  Übrigen  ebenso,  dass  bis  zur  Einreichung  des  zweiten  Asylgesuchs  diese  Erkenntnisse  seitens  des  Beschwerdeführers  nie  im  Rahmen  eines  Wiedererwägungs­  oder  Revisionsverfahrens zum Thema gemacht wurden. Das hier zu beurteilende zweite Asylgesuch stützt der Beschwerdeführer  nunmehr  auf  eine  behauptungsgemäss  von  den  (vor  allem  schweizerischen)  Vollzugsbehörden  zwischenzeitlich  verursachten  Verfolgungs­  und  Gefährdungssituation,  welche  ihren  Ursprung  im 

E­3893/2008 Umstand  habe,  dass  das  BFM  die  biharische  Herkunft  und  die  Staatenlosigkeit des Beschwerdeführers zu Unrecht nicht glaube. Dieser  Umstand  ist  aber  nicht  zwischenzeitlich  eingetreten,  sondern  bereits  im  ersten  Asylverfahren  erkannt  worden.  Bezeichnenderweise  liefert  der  Beschwerdeführer  im  Rahmen  seines  zweiten  Asylverfahrens  keine  zureichenden Hinweise  oder  gar  Beweismittel,  welche  die  Erkenntnisse  aus dem Jahre 2000 umstossen könnten. Im Gegenteil zeichnet sich der  Beschwerdeführer  seither  durch  eine  fortgesetzte  Verletzung  der  ihm  nach  Art.  8  Abs.  1  Bstn.  a,  b  und  d  und  vor  allem  Abs.  4  AsylG  obliegenden  Mitwirkungspflicht  aus.  Insbesondere  gehen  aus  den  gesamten  vorliegenden  Akten  trotz  seit  2000  bestehender  objektiver  Möglichkeit  und  individueller  Zumutbarkeit  keine  ernsthaften  Bemühungen  des  Beschwerdeführers  hervor,  die  von  ihm  behaupteten  Identitätselemente  eigeninitiativ  zu  belegen.  Dabei  ist  mit  Nachdruck  klarzustellen,  dass  es  –  gerade  im  Falle  klarer  Mitwirkungs­  und  Kooperationsverweigerung  des  Beschwerdeführers  –  nicht  Sache  der  Vollzugsbehörden  sein  kann,  im  Hinblick  auf  die  Durchsetzung  eines  rechtskräftigen  Asyl­  und  Wegweisungsentscheides  die  Identität  des  Betroffenen zu erstellen. Ebenso wenig besteht für die Behörde – schon  gar  nicht  für  die  letztinstanzliche  Beschwerdebehörde  –  Anlass,  Abklärungen  durchzuführen,  die  vom  Beschwerdeführer  selber  vorgenommen  werden  können  und  müssen  und  die  von  ihm  sogar  konkret  vorgeschlagen  und  als  realisierbar  bezeichnet  werden  (z.B.  Einholung  Bestätigung  des  UNHCR).  Dementsprechend  kann  offensichtlich  auch  nicht  von  einer  objektiven  Unmöglichkeit  der  Dokumentenbeschaffung gesprochen werden; eine solche Unmöglichkeit  wurde entsprechend auch  im ersten Asylverfahren nicht  festgestellt. Die  vorliegenden  Akten  –  vorab  die  Vollzugsakten  –  hinterlassen  den  gefestigten  Eindruck,  der  Beschwerdeführer  verweigere  nicht  nur  konstant  die  ihm  obliegende  Mitwirkungspflicht,  sondern  er  untergrabe  darüber  hinaus  systematisch  die  dennoch  unternommenen  und  in  Anbetracht  von  Art.  106  AuG  durchaus  legitimen  Bemühungen  der  zuständigen  Vollzugsbehörden,  im  Hinblick  auf  die  Vollstreckung  einer  rechtskräftigen  Asyl­  und  Wegweisungsverfügung  Identitätsabklärungen  vorzunehmen.  Art.  106  AuG  nennt  zwar  als  Schranke  der  Zusammenarbeit  mit  der  ausländischen  Behörde  (insbesondere  Datenweitergabe)  den  Ausschluss  der  Begründung  einer  Gefährdungssituation. Eine solche kann aber vorliegend gerade deshalb  nicht vorliegen, weil einerseits eine Gefährdung im vorangegangenen und  rechtskräftig  abgeschlossenen  Asylverfahren  verneint  worden  war  und  der  Beschwerdeführer  anderseits  im  Vollzugsstadium  kein  Interesse  an 

E­3893/2008 der  Abwendung  einer  irgendwie  gearteten  Gefährdungssituation  zeigt,  andernfalls  er  seine  Mitwirkung  an  der  Darlegung  einer  solchen  Gefährdungssituation  manifestieren  und  die  angeblich  gefährdungsbegründenden Identitätsmerkmale richtigstellen und belegen  würde.  Hinsichtlich  der  Frage  der  Verwertbarkeit  und  des  Beweiswerts  der Gesprächsnotiz vom (…) November 2007 betreffend das Eingestehen  seiner  nicht­biharischen  Herkunft  ist  zunächst  festzuhalten,  dass  im  reinen  Vollzugsstadium,  im  Gegensatz  zum  erstinstanzlichen  Asylverfahren,  keine  gesetzliche  Befragung  oder  Anhörung  mit  den  spezifischen  formellen  Anforderungen  vorgesehen  ist,  da  ja  der  Sachverhalt  im  ordentlichen  Asylverfahren  festzustellen  war  und  die  Vollzugsphase  nur  noch  der  Vollstreckung  des  in  Rechtskraft  erwachsenen Dispositivs des Asyl­ und Wegweisungsentscheides dienen  kann.  Eine  abschliessende  Beantwortung  der  Frage  kann  indessen  unterbleiben, da es sich bei der fraglichen Gesprächsnotiz um eines von  vielen  Erwägungselementen  im  Hinblick  auf  die  Erkenntnis  einer  Mitwirkungsverweigerung  des  Beschwerdeführers  in  der  Vollzugsphase  und  einer  nicht  zwischenzeitlich  eingetretenen  Verfolgungssituation  handelt,  weshalb  dem  Dokument  auch  keine  ausschlaggebende  Bedeutung  zukommt.  Ungeachtet  der  Frage  der  Verwertbarkeit  der  genannten Gesprächsnotiz  ist  jedoch Folgendes zu beachten: Wenn die  angebliche  biharische  Herkunft  beziehungsweise  Ethnie  und  die  behauptete  Staatenlosigkeit  des  Beschwerdeführers  aufgrund  dessen  offensichtlicher Mitwirkungsverweigerung nicht glaubhaft sind, kann auch  die  auf  diesen  Identitätselementen  basierte  neue  Verfolgungs­  und  Gefährdungsfurcht nicht glaubhaft sein, und zwar unbesehen der Frage,  ob  die  technischen  Papierbeschaffungs­  und  Vollzugsvorbereitungsmassnahmen  per  se  im  konkreten  Fall  zu  beanstanden  wären.  In  diesem  letzteren  Zusammenhang  ist  der  Beschwerdeführer im Übrigen darauf aufmerksam zu machen, dass seine  auf  mehrere  Verfahren  bezogene  Kritik  an  systematischen  Vorgehensweisen  der  involvierten  Vollzugsbehörden  ("Versuchsballon";  Inaussichtstellen  der  Entlassung  aus  der  Ausschaffungshaft  nach  Ausfüllen  des  Antragsformulars  betreffend  Ausstellen  von  Ersatzreisedokumenten in Kombination mit der Ausschaffungsandrohung)  grundsätzlich  nicht  im  Rahmen  des  materiellrechtlichen  Asyl­  oder  Verwaltungsbeschwerdeverfahrens  rügbar  ist,  sondern  er  hierfür  gegebenenfalls auf die in Art. 25 und 25a VwVG offerierten Möglichkeiten  des  Erwirkens  einer  Feststellungsverfügung  beziehungsweise  einer  Verfügung über Realakte sowie auf die spezifischen aufsichtsrechtlichen 

E­3893/2008 Behelfe  zurückzugreifen  hätte.  Solche  sind  vorliegend  nicht  Verfahrensgegenstand. Das  gewonnene  Ergebnis  nicht  bestehender  Hinweise  auf  zwischenzeitlich  eingetretene  Ereignisse,  die  das  Potenzial  zur  Begründung  der  Flüchtlingseigenschaft  aufweisen,  bestätigt  sich  durch  das am 29. Juli 2011 ergangene, auf vollumfängliche Abweisung lautende  Urteil  D­2006/2011,  ebenfalls  betreffend  eines  zweiten  Asylgesuchs.  Dieses  befasst  sich  mit  dem  vom  Beschwerdeführer  angerufenen  analogen Fall, in welchem das BFM und gar die gleiche Sachbearbeiterin  durch  (…)  und  "rechtsstaatlich  unzulässige  Grenzüberschreitung"  behauptungsgemäss ebenfalls eine asylrelevante Bedrohungslage für die  betreffende  Person  geschaffen  habe.  In  jenem  Urteil  kommt  das  Richtergremium  zusammenfassend  zum  Schluss,  dass  durch  das  Verhalten  der  involvierten  Vollzugsbehörden  keine  Verfolgungs­  oder  Gefährdungslage  geschaffen  worden  und  die  neuen  Asylgründe  als  haltlos  zu  bezeichnen  seien,  wogegen  dem  Beschwerdeführer  Mitwirkungs­ und Kooperationsverweigerung sowie Falschaussagen und  Täuschungsabsicht betreffend seine Identität vorzuwerfen seien. Auf den  detaillierten Inhalt des Urteils, (…), kann verwiesen werden. 8.3. Nach  dem Gesagten  steht  fest,  dass  der  Beschwerdeführer  in  der  Schweiz  bereits  ein  Asylverfahren  erfolglos  durchlaufen  hat  und  keine  Hinweise  auf  nach  Abschluss  des  letzten  Asylverfahrens  eingetretene  Ereignisse erkennbar sind, die geeignet wären, die Flüchtlingseigenschaft  zu  begründen  oder  die  für  die  Gewährung  vorübergehenden  Schutzes  relevant  wären.  Demzufolge  ist  das  BFM  zu Recht  gestützt  auf  Art.  32  Abs. 2 Bst. e AsylG auf das zweite Asylgesuch des Beschwerdeführers  nicht eingetreten. 9.  9.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit  der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 9.2. Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44  Abs. 1 AsylG; BVGE 2009/50 E.9).

E­3893/2008 10.  10.1. Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder  nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG). Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt  gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner  Vorgängerorganisation  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte  Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl.  WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.],  Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148). 10.2. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen  der  Schweiz  einer Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen  (Art.  83  Abs. 3 AuG). So darf  keine Person  in  irgendeiner Form zur Ausreise  in  ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit  aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet  ist oder in dem sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).  Gemäss  Art. 25  Abs. 3  BV,  Art. 3  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder  erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. Die Vorinstanz wies  in  ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend darauf  hin,  dass  das  Prinzip  des  flüchtlingsrechtlichen  Non­Refoulement  nur  Personen  schützt,  die  die  Flüchtlingseigenschaft  erfüllen.  Da  es  dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung  nachzuweisen  oder  glaubhaft  zu machen  beziehungsweise  nur schon Hinweise hierfür zu liefern, kann der in Art. 5 AsylG verankerte  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  des  Beschwerdeführers  nach  Bangladesch  ist  demnach  unter  dem  Aspekt  von  Art. 5  AsylG  rechtmässig.  Sodann  ergeben  sich  weder  aus  den  Aussagen  des  Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für 

E­3893/2008 den  Fall  einer  Ausschaffung  nach  Bangladesch  dort  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  einer  nach Art. 3  EMRK  oder  Art. 1  FoK  verbotenen  Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wäre.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­Folterausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine  konkrete  Gefahr  ("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft  machen,  dass  ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung  drohen würde  (vgl. EGMR  [Grosse Kammer], Saadi gegen  Italien, Urteil  vom  28. Februar  2008,  Beschwerde  Nr. 37201/06,  §§ 124 – 127,  mit  weiteren  Hinweisen).  Auch  die  allgemeine  Menschenrechtssituation  in  Bangladesch  lässt  den  Wegweisungsvollzug  zum  heutigen  Zeitpunkt  klarerweise  nicht  als  unzulässig  erscheinen.  Die  in  der  Beschwerde  geäusserte und versuchsweise auf einen Bericht des US Department of  State  gestützte  Behauptung,  wonach  die  dortige  Immigrationsbehörde  systematisch misshandle und foltere, stellt in ihrer Pauschalität kein "real  risk"  dar,  zumal  der  Beschwerdeführer  auch  nicht  darzutun  vermochte,  weshalb gerade er Opfer einer solchen Behandlung werden sollte. Nach  dem Gesagten  ist  der  Vollzug  der Wegweisung  sowohl  im  Sinne  der asyl­ als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 10.3.   Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug  für Ausländerinnen  und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren.  Mangels  gegenteiliger  Anhaltspunkte  in  der  Beschwerde  oder  in  den  weiteren Akten ist der Vollzug der Wegweisung für den Beschwerdeführer  zumutbar.  Zwar  weist  dieser  durchaus  berechtigterweise  auf  die  in  die  Würdigung  mit  einzubeziehende  langjährige  Landesabwesenheit  bezüglich  Bangladesch  hin.  Dabei  verkennt  er  jedoch,  dass  er  die  langjährige Landesabwesenheit durch sein eigenes  renitentes Verhalten  (Mitwirkungs­  und  Kooperationsverweigerung)  bewusst  und  gezielt  herbeigeführt  hat,  zumal  er  seit  dem  Jahre  2000  rechtskräftig  zur  Ausreise  verpflichtet  war.  Die  Berufung  auf  die  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzuges müsste somit als rechtsmissbräuchlich betrachtet  werden,  wenn  –  rein  hypothetisch  –  die  lange  Dauer  der  Landesabwesenheit  als  Unzumutbarkeitselement  höher  als  die 

E­3893/2008 bestehenden  Zumutbarkeitselemente  in  ihrer  Gesamtheit  zu  gewichten  wäre.  Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als  zumutbar. 10.4.  Der  Vollzug  der  Wegweisung  ist  nicht  möglich,  wenn  der  Beschwerdeführer weder in den Herkunfts­ oder in den Heimatstaat noch  in einen Drittstaat reisen oder dorthin gebracht werden kann (Art. 83 Abs.  2 AuG). Gemäss Art. 83 Abs. 7 Bst. c AuG wird eine vorläufige Aufnahme  insbesondere  dann  nicht  verfügt,  wenn  die  weggewiesene  Person  die  Unmöglichkeit  des  Wegweisungsvollzuges  durch  ihr  eigenes  Verhalten  verursacht hat. Gemäss Praxis (vgl. zum Ganzen insb. EMARK 2006 Nr. 15 E. 3.3 sowie  das Urteil E­3844/2008 E. 4, 7 und 8, mit umfassenden Ausführungen zur  Auslegung  der  genannten  Bestimmungen)  setzt  die  Feststellung  der  technischen  und  praktischen  Unmöglichkeit  des  Wegweisungsvollzugs  voraus, dass sowohl seitens der betroffenen Person als auch seitens der  zuständigen  kantonalen  und  Bundesbehörden  alle  Anstrengungen  hinsichtlich  einer  freiwilligen  Ausreise  respektive  der  zwangsweisen  Rückführung  unternommen  worden  sind.  Art.  83  Abs.  7  Bst.  c  AuG,  welcher einen Ausschluss von der vorläufigen Aufnahme vorsieht, bezieht  sich nur auf solche Fälle, in welchen eine Ausreise objektiv möglich wäre,  sie  jedoch  aufgrund  des  Verhaltens  des  Beschwerdeführers  unmöglich  wird,  wenn  die  weggewiesene  Person  also  durchaus  ausreisen  könnte,  dies  jedoch  verweigert,  indem  sie  beispielsweise  nicht  preisgibt,  woher  sie  kommt  und  es  den  Behörden  aus  diesem  Grund  unmöglich  wird,  gültige Papiere zu beschaffen. Im  vorliegenden  Fall  scheitern  –  wie  oben  gesehen  –  sowohl  eine  Zwangsausschaffung  als  auch  eine  freiwillige  Ausreise  des  Beschwerdeführers daran, dass er seine Mitwirkung verweigert und sich  mit  seinem Verhalten  gegen  die  Ausreise  stellt.  Ihm  ist  es  jedoch  nicht  objektiv  unmöglich  nach  Bangladesch  auszureisen.  Es  obliegt  daher  weiterhin  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der  zuständigen  Vertretung  des Heimatstaates  die  für  eine Rückkehr  notwendigen Reisedokumente  zu  beschaffen  (vgl.  Art. 8  Abs. 4  AsylG  und  dazu  auch  BVGE 2008/34  E. 12 S. 513 – 515).  Der Vollzug der Wegweisung ist daher als möglich zu bezeichnen.

E­3893/2008 10.5. Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu  Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten  fällt  eine  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  ausser  Betracht  (Art. 83  Abs. 1 – 4 AuG). 11.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die  Beschwerde  ist  nach  dem Gesagten  abzuweisen,  und  es  erübrigt  sich,  auf  die  einzelnen  Anträge,  Rügen  und  Beweismittel  im  Detail  näher  einzugehen,  zumal  sie  am  Ausgang  des  Verfahrens  nichts  zu  ändern  vermögen.  12.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  die  Kosten  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  VwVG)  und  auf  insgesamt  Fr. 600.­­  festzusetzen  (Art.  1  –  3  des  Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 2.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Der Gerichtsschreiber:

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E-3893/2008 — Bundesverwaltungsgericht 19.01.2012 E-3893/2008 — Swissrulings