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Bundesverwaltungsgericht 20.01.2012 E-255/2009

20 gennaio 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,075 parole·~10 min·3

Riassunto

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 12. Dezember 2008

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung V E­255/2009 Urteil   v om   2 0 .   J a nua r   2012 Besetzung Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz), Richter Kurt Gysi, Richterin Jenny de Coulon Scuntaro;    Gerichtsschreiberin Natasa Stankovic. Parteien A._______, geboren am (…), Türkei,   vertreten durch Peter Frei, Rechtsanwalt, (…) Beschwerdeführer,  Gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 12. Dezember 2008 / N (…).

E­255/2009 Sachverhalt: A.  Der Beschwerdeführer, ein Kurde aus B._______, mit letztem Wohnsitz in  C._______,  verliess  eigenen  Angaben  zufolge  sein  Heimatland  am  17. Februar  2007  und  gelangte  am  darauffolgenden  Tag  per  Luft­  und  Landweg über den Iran sowie unbekannte Länder  in die Schweiz, wo er  am  20. Februar  2007  ein  Asylgesuch  stellte.  Er  wurde  am  27.  Februar  2007  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  [EVZ]  (…)  summarisch  befragt und am 5. April 2007 im Kanton D._______, dem er für die Dauer  des  Asylverfahrens  zugewiesen  wurde,  zu  seinen  Ausreise­  und  Asylgründen angehört. Der  Beschwerdeführer  gab  zur  Begründung  seines  Asylgesuches  im  Wesentlichen  an,  dass  er  aufgrund  der  politischen  Tätigkeiten  seiner  Brüder seit 1996 wiederholt verhaftet worden sei: 1996 sei er unter dem  Vorwurf  der  Unterstützung  der  MLKP  (Marxistisch­Leninistische  Kommunistische  Partei)  zusammen mit  seinen  Brüdern  E._______  und  F._______,  die  in  der  Schweiz  als  Flüchtlinge  anerkannt  worden  seien  (und  denen  in  der  Folge Asyl  gewährt  worden  ist;  (…)),  festgenommen  und  massiv  gefoltert  worden;  im  Dezember  1996  sei  er  aber  mangels  Beweisen wieder freigelassen worden. Schliesslich sei er in dem erst am  (…) 2003 vom DGM (Devlet Güvenlik Mahkemesi) (…) ergangenen Urteil  wegen Verjährung der vorgeworfenen Straftaten  freigesprochen worden.  Wegen  diesem  Verfahren  sei  er  allerdings  wiederholt  festgenommen  worden  und  von  der  Folter  im  Jahre  1996  habe  er  einen  (…)­schaden  davongetragen. Des Weiteren sei am (…) 1998 ein Verfahren gegen ihn  und  [Geschwisterteil],  [der]  in  diesem  Zusammenhang  festgenommen  worden  sei,  eingeleitet  worden.  Nachdem  gegen  ihn  ein  Suchbefehl  erlassen worden sei,  habe er  sich bei der Polizeidirektion  in C._______  gemeldet,  wo  er  befragt  und  anschliessend wieder  freigelassen worden  sei.  Daraufhin  sei  er  bei  einer  Fahrt  nach  B._______  im  (…)  1998  festgenommen,  ohne Grund  während  zwei  Tagen  festgehalten  und  nur  dank  der  Vermittlung  einflussreicher  Leute  wieder  freigelassen  worden.  Am (…) 1999 sei er in C._______ erneut verhaftet worden und habe zehn  Tage im Gefängnis von G._______ in H._______ verbringen müssen. Da  sein Anwalt Beschwerde eingelegt habe,  sei er wieder  freigelassen und  mit Urteil des DGM (…) vom (…) 2000 wegen Mangels an einschlägigen  Beweisen  freigesprochen worden. Er sei  selbst nicht Mitglied der MLKP  gewesen,  sondern  habe  gelegentlich  an  Meetings  zum  1.  Mai,  an  Kundgebungen  anlässlich  des  Weltfriedenstages  oder  an 

E­255/2009 Veranstaltungen  des  Menschenrechtsvereins  IHD  teilgenommen.  Nachdem  seine  beiden  Brüder  die  Türkei  verlassen  hätten,  sei  er  aber  wiederholt bedroht worden. Die Polizei habe abermals Razzien bei ihm zu  Hause  durchgeführt,  ihn  auf  den  Posten  mitgenommen,  ihm  gedroht  sowie  seinen  Arbeitgeber  unter  Druck  gesetzt.  Ausserdem  hätten  ihn  nationalistische  Banden,  welche  von  der  Polizei  unterstützt  würden,  mehrfach  bedroht.  Da  er  sich  seines  Lebens  nicht  mehr  sicher  gefühlt  habe, sei er ausgereist. Zur  Untermauerung  seiner  Asylvorbringen  reichte  er  folgende  Beweismittel  zu  den  Akten:  Nüfus  (…),  Führerschein  (…),  Gesundheitsrapport  des  Militärs  vom  (…),  Kopie  des  Urteils  des  DGM  (…) vom (…) 2000 sowie Kopie des Urteils des DGM (…) vom (…) 2003,  beide samt Übersetzungen. B.  Mit Eingabe vom 12. Juni 2008 an das BFM reichte der Rechtsvertreter  des Beschwerdeführers  einen Arztbericht  von Dr. med.  I._______,  (…),  vom 30. Mai  2008 betreffend Operation des Beschwerdeführers  an  (…)  zu den Akten. C.  Mit  Verfügung  vom  12.  Dezember  2008  –  eröffnet  am  15. Dezember  2008 –  lehnte  das  BFM  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  ab,  verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug der  Wegweisung  an.  Zur  Begründung  führte  es  im  Wesentlichen  aus,  die  Vorbringen des Beschwerdeführers würden den Anforderungen von Art. 3  und  7  AsylG  nicht  standhalten.  Die  vom  Beschwerdeführer  geltend  gemachten  Vorkommnisse,  nämlich  die  Inhaftierungen  in  den  Jahren  1996, 1998 und 1999, die ihm zur Last gelegte Unterstützung der MLKP,  sowie die Urteile  des DGM  (…)  vom  (…) 2000 und des DGM  (…)  vom  (…)  2003  seien  zum  Zeitpunkt  seiner  Ausreise  bereits  zu  weit  zurückgelegen, als dass sie noch Asylrelevanz hätten entfalten können.  Zwischen  Verfolgung  und  Flucht  müsse  insbesondere  ein  zeitlich  und  sachlich  genügend  enger  Kausalzusammenhang  bestehen;  dies  sei  vorliegend  jedoch  nicht  gegeben,  da  der  Beschwerdeführer  für  die  Zeit  nach  dem  Erlass  des  zweiten  Urteils  keine  asylrelevanten  Verfolgungshandlungen  mehr  habe  glaubhaft  machen  können.  Auf  die  ausführliche  Begründung  wird  –  soweit  entscheidwesentlich  –  in  den  Erwägungen eingegangen.

E­255/2009 D.  Mit Eingabe vom 14. Januar 2009 erhob der Rechtsvertreter namens und  im Auftrag des Beschwerdeführers gegen die Verfügung des BFM beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  und  beantragte  dabei  die  Aufhebung  der  vorinstanzlichen  Verfügung,  die  Gewährung  des  Asyls,  eventualiter die Feststellung der Unzulässigkeit und Unzumutbarkeit des  Wegweisungsvollzugs  sowie  in  formeller  Hinsicht  die  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  und  2  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021). Ferner wurde um Einsicht in  die Akten  der Beschwerdeverfahren  der Brüder  des Beschwerdeführers  ersucht.  Zur  Begründung  der  Beschwerde  wurde  im  Wesentlichen  angeführt,  der  Kausalzusammenhang  zwischen  Verfolgung  und  Flucht  des  Beschwerdeführer  sei  gegeben  und  die  Vorinstanz  habe  seine  geltend  gemachten  Vorbringen  zu  Unrecht  teilweise  als  unglaubhaft  betrachtet.  Zudem  habe  das  Bundesamt  die  Gefährdung  des  Beschwerdeführers  durch  eine  Reflexverfolgung  überhaupt  nicht  berücksichtigt.  Auf  die  ausführliche  Begründung  wird  –  soweit  urteilsrelevant – in den Erwägungen eingegangen. E.  Mit Verfügung vom 20. Januar 2009 hiess das Bundesverwaltungsgericht  das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1  VwVG  gut  und  verzichtete  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses.  Das Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung nach Art. 65 Abs. 2  VwVG wies es hingegen ab. F.  Mit Eingaben  vom 28.  und  30.  Januar  2009  reichte  der Rechtsvertreter  drei  Referenzschreiben  von  Gesinnungsgenossen  des  Beschwerdeführers  samt  Übersetzung  sowie  eine  Fürsorgebestätigung  zu den Akten. G.  Mit  Verfügung  vom  24.  April  2009  gewährte  das  Bundesverwaltungsgericht  dem  Rechtsvertreter  Einsicht  in  das  Beschwerdedossier  des  Bruders  F._______.  Bezüglich  des  Beschwerdeverfahrens  des Bruders E._______  stellte  es  fest,  dass  der  Rechtsvertreter  diesen  selbst  vertrete  und  daher  bereits  Einsicht  in  dessen Beschwerdeverfahren gehabt habe.

E­255/2009 H.  Mit Eingabe vom 11. Mai 2009 nahm der Rechtsvertreter zur gewährten  Akteneinsicht Stellung und führte unter anderem aus, dass aufgrund der  politischen Tätigkeit und der Verurteilungen der beiden Brüder sowie des  daraus  resultierenden,  nach  wie  vor  vorhandenen  Interesses  der  türkischen  Behörden  an  der  Ergreifung  der  Brüder  für  den  Beschwerdeführer die Gefahr einer Reflexverfolgung begründet sei. I.  Am  22.  Juli  2009  reichte  der  Rechtsvertreter  seine  Kostennote  zu  den  Akten. J.  Mit  Verfügung  vom  4.  August  2009  ersuchte  das  Bundesverwaltungsgericht das BFM, eine Vernehmlassung einzureichen  und sich dabei insbesondere zur geltend gemachten Reflexverfolgung zu  äussern. K.  Mit  Vernehmlassung  vom  18.  August  2009  beantragte  das  BFM  die  Abweisung  der  Beschwerde,  zumal  die  Beschwerdeschrift  keine  neuen  erheblichen Tatsachen oder Beweismittel enthalte.  L.  Mit  Verfügung  vom  21.  August  2009  stellte  das  Bundesverwaltungsgericht  dem  Beschwerdeführer  die  Vernehmlassung  des  BFM  zur  Kenntnis  und  gab  ihm Gelegenheit  zur  Einreichung  einer  Stellungnahme. M.  Der  Rechtsvertreter  reichte  mit  Eingabe  vom  27.  August  2009  an  das  Bundesverwaltungsgericht eine Replik ein. N.  Am  24.  November  2011  reichte  der  Rechtsvertreter  eine  ergänzende  Kostennote ein. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1. 

E­255/2009 1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]). 1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung;  er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG).  Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  3.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen 

E­255/2009 unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken.  Den  frauenspezifischen  Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7  AsylG). 4.  4.1. Die Vorinstanz  hielt  in  ihrer  abweisenden Verfügung  fest,  dass  der  Beschwerdeführer gemäss den eingereichten Urteilen vom (…) 2000 und  vom (…) 2003 von den  ihm zur Last gelegten Vorwürfen (Unterstützung  der  MLKP)  mangels  Beweisen  respektive  wegen  Verjährung  freigesprochen  worden  sei.  Diese  Ereignisse  seien  zum  Zeitpunkt  der  Ausreise  des  Beschwerdeführers  bereits  mehr  als  vier  Jahre  zurückgelegen.  Der  Begriff  der  Flüchtlingseigenschaft  setze  jedoch  voraus,  dass  zwischen  Verfolgung  und  Flucht  ein  zeitlich  und  sachlich  genügend enger kausaler Zusammenhang bestehe, was vorliegend nicht  erfüllt  sei.  Dies  auch  unter  Berücksichtigung  dessen,  dass  der  Beschwerdeführer für den Zeitraum nach dem Urteil vom (…) 2003 keine  asylrelevanten Verfolgungsmassnahmen habe glaubhaft machen können.  Er habe zwar geltend gemacht, seit der Ausreise seiner Brüder aus der  Türkei  habe  er  sich  bedroht  gefühlt.  Seine  Aussagen  seien  jedoch  widersprüchlich, da er anlässlich der Befragung im EVZ ausgesagt habe,  dass  die  Drohungen  weniger  durch  die  Polizei,  als  durch  Banden  ausgesprochen worden seien. Anlässlich der Anhörung habe er dagegen  geltend  gemacht,  die  Polizei  habe  bei  ihm  sicher  zehn  Razzien  durchgeführt  und  ihn  mit  dem  Tode  bedroht.  Dieses  Vorbringen  sei  aufgrund  der Diskrepanz  in  den Aussagen  nicht  glaubhaft. Weiter  habe  der  Beschwerdeführer  an  der  Anhörung  vorgebracht,  die  Polizei  habe  zudem mehrmals  seinen Arbeitgeber  unter Druck  gesetzt,  damit  er  den  Beschwerdeführer  entlasse.  Diesen  Umstand  habe  er  ebenso  wenig  in  der  EVZ­Befragung  vorgebracht  wie  die  geltend  gemachten  Polizeirazzien,  weshalb  diese  Vorbringen  als  nachgeschoben  zu  gelten  hätten und daher nicht glaubhaft seien. 

E­255/2009 4.2.  In  der  Beschwerdeeingabe  wurde  der  Argumentation  des  BFM  Folgendes  entgegengehalten:  Der  Beschwerdeführer  stamme  aus  einer  bekannten  "politischen  Familie",  welche  der  MLKP  nahestehe.  Aus  diesem  Grund  würden  zahlreiche  nahe  Verwandte  des  Beschwerdeführers  als  anerkannte  Flüchtlinge  in  der  Schweiz  leben.  Dem Beschwerdeführer sei demnach zu glauben, dass er selber  für die  MLKP sympatisiert habe und zudem Mitglied im alevitischen Kulturverein  (…)  gewesen  sei.  Der  vorinstanzlichen  Feststellung,  wonach  der  Beschwerdeführer  seit  2003  keinen  Behelligungen  mehr  ausgesetzt  gewesen  sei  und  der  Kausalzusammenhang  zwischen  Verfolgung  und  Flucht  fehle,  sei  entgegenzuhalten,  dass  den  Befragungsprotokollen  schlicht  nicht  entnommen  werden  könne,  dass  er  seit  2003  bis  zur  Ausreise  am  17.  Februar  2007  keinen  Behelligungen  mehr  ausgesetzt  gewesen  sei.  Den Protokollen  sei  vielmehr  zu  entnehmen,  dass  er  seit  der  Ausreise  seiner  Brüder  seitens  der  Sicherheitskräfte  fortwährend  behelligt und mit dem Tod bedroht worden sei (vgl. A2/10 S. 5; A13/16 S.  6).  Es  könne  daher  keine  Rede  davon  sein,  dass  der  zeitliche  sowie  sachliche  Kausalzusammenhang  zwischen  Verfolgung  und  Flucht  unterbrochen worden sei. Das BFM ziehe darüber hinaus überhaupt nicht  in  Betracht,  dass  der  Beschwerdeführer  während  der Gerichtsverfahren  im Polizeigewahrsam und Untersuchungshaft gewesen sei, bei mehreren  Gelegenheiten  gefoltert  beziehungsweise  misshandelt  worden  sei  und  dabei  am  [Körperteil]  einen  schweren  Gesundheitsschaden  davon  getragen habe, dessen Sanierung in der Schweiz im Sommer 2008 eine  mehrstündige Operation erforderlich gemacht habe. Diese vorgefallenen  Behelligungen würden  durchaus  asylrelevanten Charakter  entfalten  und  mindestens im Sinne einer erlittenen Vorverfolgung das Beweismass des  fluchtauslösenden  Ereignisses  deutlich  senken.  Keine  Widersprüche  würden  ferner  hinsichtlich  der  Angaben  in  Bezug  auf  die  Urheber  der  gegen  den  Beschwerdeführer  erhobenen  Drohungen  vorliegen:  Der  Beschwerdeführer  habe  in  der  EVZ­Befragung  vorgebracht,  dass  die  Drohungen  weniger  durch  die  Polizei,  sondern  vielmehr  durch  Banden  ausgesprochen worden seien  (vgl. A2/10 S. 5). Dies könne nur  insofern  verstanden  werden,  als  dass  er  sowohl  von  Seiten  der  offiziellen  Sicherheitskräfte  als  auch  seitens  privater  Dritter,  welche  er  dem  Dunstkreis des "tiefen Staates" zurechne, bedroht worden sei. Anlässlich  der Anhörung habe er  sodann die Drohungen  seitens der Polizei  sowie  der  nationalistischen  Banden  ausführlich  geschildert  (vgl.  A13/16  S.  9).  Dass  der  Beschwerdeführer  überdies  das  Vorbringen,  sein  Arbeitgeber  sei  von  der  Polizei  aufgesucht  und  unter Druck  gesetzt  worden,  erst  in  der  Anhörung  vorgebracht  habe,  lasse  es  nicht  per  se  unglaubhaft 

E­255/2009 erscheinen. Es sei vielmehr eine notorische Massnahme, dass türkische  Sicherheitskräfte  politisch  missliebigen  Personen  die  finanzielle  Existenzgrundlage zu entziehen versuchten, indem sie deren Arbeitgeber  unter  Druck  setzen  würden,  sie  zu  entlassen.  Im  Übrigen  sei  zu  berücksichtigen,  dass  beim  Beschwerdeführer  ein  ökonomisches  Fluchtmotiv  unwahrscheinlich  sei,  habe  er  in  der  Türkei  doch  über  ein  regelmässiges und den Lebensunterhalt deckendes Einkommen verfügt.  Des Weiteren  habe  das  BFM  die  Fluchtgründe  der  beiden  Brüder  des  Beschwerdeführers  als  glaubhaft  beurteilt  und  sie  als  Flüchtlinge  anerkannt;  daher  sei  es nicht  einleuchtend, weshalb es die Gefährdung  des  Beschwerdeführers  durch  eine  Reflexverfolgung  nicht  anerkannt  habe,  nachdem  er  im  vorliegenden  Verfahren  auch  geltend  gemacht  habe, wegen seiner Brüder behelligt worden zu sein. Er müsse  im Falle  einer zwangsweisen Rückführung in die Türkei bereits beim kontrollierten  Grenzübertritt mit einer Festnahme  rechnen;  im Polizeigewahrsam wäre  er einem erheblichen Folterrisiko ausgesetzt. Das Bundesamt habe somit  den  familiären  Hintergrund  nicht  zutreffend  gewürdigt,  obwohl  diesem  Fluchtgrund ausschlaggebende Bedeutung zukomme.  4.3. In seiner Vernehmlassung vom 18. August 2009 hielt das BFM fest,  die  Verwandtschaft  als  solche mit  politischen  Aktivisten  begründe  noch  keine  Furcht  vor  asylrelevanter  Reflexverfolgung  durch  die  türkischen  Behörden.  Bei  der  Fahndung  nach  einer  gesuchten  Person  könne  es  allenfalls  zu  gewissen  Schikanen,  Behelligungen  und  Verfolgungs­ massnahmen  gegenüber  Verwandten  kommen.  In  der  Regel  erreichten  solche Benachteiligungen aber keine asylrelevante Intensität. Verwandte  hätten überdies die Möglichkeit einer innerstaatlichen Wohnsitzverlegung  – namentlich  in  eine  der  westlichen  Grossstädte  –,  um  sich  allfälligen  Belästigungen  zu  entziehen.  Im  vorliegenden  Fall  habe  der  Beschwerdeführer nicht glaubhaft machen können, dass er vom Zeitpunkt  seines Freispruchs  im Jahre 2003 bis zu seiner Ausreise aus der Türkei  Mitte  Februar  2007  asylrelevanten  behördlichen  Benachteiligungen  ausgesetzt gewesen sei, was die grundsätzliche Einschätzung des BFM  bestätige.  4.4. Mit Eingabe vom 27. August 2009 an das Bundesverwaltungsgericht  führte  der  Rechtsvertreter  aus,  der  Beschwerdeführer  habe  durchaus  nachvollziehbar und plausibel dargelegt, dass er bis zum Zeitpunkt seiner  Ausreise  behördlichen  Behelligungen  ausgesetzt  gewesen  sei.  Die  asylrelevante Gefährdung des Beschwerdeführers im Fall einer Rückkehr 

E­255/2009 in  die  Türkei  beruhe  –  wie  dargelegt  worden  sei  –  auf  seinen  eigenen  politischen Aktivitäten und denjenigen seiner Brüder.  5.  Im Nachfolgenden ist zu prüfen, ob die Vorinstanz die geltend gemachten  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  zu  Recht  teils  als  unglaubhaft,  teils  als  flüchtlingsrechtlich  nicht  relevant  beurteilte.  Dabei  ist  insbesondere  der  Frage  nachzugehen,  ob  er  im  Zeitpunkt  des  Verlassens  seines  Heimatlandes  aufgrund  der  geltend  gemachten  Reflexverfolgung  im  Fokus der türkischen Sicherheitskräfte stand und künftige Verfolgung auf  türkischem  Territorium  zu  befürchten  hatte  beziehungsweise  heute  weiterhin  zu  befürchten  hat.  Ob  er  dabei  angesichts  seiner  geltend  gemachten  eigenen  Verfolgungsgeschichte  Nachstellung  in  seinem  Heimatland zu befürchten hätte, kann im vorliegenden Fall  letztlich offen  gelassen  werden,  ist  jedoch  bei  der  nachfolgenden  Prüfung  vor  dem  Hintergrund  der  Reflexverfolgung  nicht  vollkommen  unberücksichtigt  zu  lassen. 5.1. Das Bundesverwaltungsgericht geht – in Anlehnung an die Praxis der  ARK  –  davon  aus,  dass  in  der  Türkei  staatliche  Repressalien  gegen  Familienangehörige  von  politischen  Aktivisten  existieren,  die  als  sogenannte Reflexverfolgung  flüchtlingsrechtlich  erheblich  im Sinne  von  Art.  3  AsylG  sein  können.  Die  Wahrscheinlichkeit,  Opfer  einer  Reflexverfolgung  im  dargelegten  Sinne  zu  werden,  ist  nach  weitergeführter  Praxis  der  ARK  vor  allem  gegeben,  wenn  nach  einem  flüchtigen  Familienmitglied  gefahndet  wird  und  die  Behörde  Anlass  zur  Vermutung hat, jemand stehe mit dem Gesuchten in engem Kontakt. Das  Risiko erhöht  sich  zusätzlich, wenn ein  nicht  unbedeutendes politisches  Engagement  der  reflexverfolgten  Person  für  illegale  politische  Organisationen  hinzukommt  beziehungsweise  ihr  seitens  der  Behörden  unterstellt  wird  (vgl.  EMARK  2005  Nr.  21  E.  10.1.  S. 195,  mit  weiteren  Hinweisen).  Im  Zuge  des  Reformprozesses  zur  Annäherung  an  die  Europäische  Union  hat  sich  die  Verfolgungspraxis  der  türkischen  Behörden zwar insofern geändert, als Fälle, in denen Familienangehörige  kurdischer  Aktivisten  gefoltert  oder  misshandelt  wurden,  abgenommen  haben.  Familienangehörige  müssen  aber  unverändert  mit  Hausdurchsuchungen  und  kürzeren  Festnahmen  rechnen,  die  oft  mit  Beschimpfungen  und Schikane  verbunden  sind.  Ein Regelverhalten  der  türkischen Behörden  lässt  sich  jedoch nicht ausmachen; vielmehr hängt  die Wahrscheinlichkeit  einer Reflexverfolgung und deren  Intensität  stark  von den  konkreten Umständen des Einzelfalls  ab.  Feststellen  lässt  sich  http://links.weblaw.ch/EMARK-2005/21 http://links.weblaw.ch/EMARK-2005/21 http://links.weblaw.ch/EMARK-2005/21 http://links.weblaw.ch/EMARK-2005/21 http://links.weblaw.ch/EMARK-2005/21 http://links.weblaw.ch/EMARK-2005/21 http://links.weblaw.ch/EMARK-2005/21

E­255/2009 immerhin, dass oftmals diejenigen Personen von einer Reflexverfolgung  bedroht sind, die sich offen für politisch aktive Verwandte einsetzen. Dies  wiederum  heisst  nicht,  dass  eine  Reflexverfolgung  ausschliesslich  von  einem besonderen Engagement  für  politisch  aktive Verwandte  abhängt.  Vielmehr kann hinter einer Reflexverfolgung auch nur die Absicht liegen,  die  gesamte  Familie  für  Taten  eines  Familienmitglieds  zu  bestrafen,  in  der  Vermutung,  dessen  politische Ansichten  und  Ziele würden  von  den  engeren  Angehörigen  geteilt,  beziehungsweise  mit  dem  Zweck,  sie  so  einzuschüchtern,  dass  sie  sich  von  oppositionellen  kurdischen  Gruppierungen fern halten (EMARK 2005 Nr. 21 E. 10.2.3. S. 199 f., mit  weiteren  Hinweisen).  Es  muss  also  aufgrund  der  Umstände  des  Einzelfalls  ermittelt werden,  ob  die  Furcht  vor Verfolgung  begründet  ist.  Die  erlittene  Verfolgung  beziehungsweise  die  begründete  Furcht  vor  zukünftiger  (Reflex­)Verfolgung muss  ferner  sachlich  und  zeitlich  kausal  für die Ausreise aus dem Heimat­ oder Herkunftsstaat und grundsätzlich  auch  im Zeitpunkt  des Asylentscheides  noch  aktuell  sein.  Zudem muss  feststehen,  dass  die  von  einer  Verfolgung  bedrohte  Person  über  keine  innerstaatliche  Fluchtalternative  verfügt  (vgl.  zur  allgemeinen  Menschenrechtslage  in der Türkei Urteil des Bundesverwaltungsgerichts  E­6587/2007 vom 25. Oktober 2010 mit weiteren Hinweisen).  5.2. Vorliegend steht fest, dass die beiden Brüder des Beschwerdeführers  aufgrund  ihrer  aktiver Mitgliedschaft  in  der Organisation MLKP  und  der  ihnen  aus  diesem  Grund  in  der  Türkei  drohenden  Verfolgung  in  der  Schweiz Asyl erhalten haben.  Des Weiteren  hinterlassen  die  Aussagen  des  Beschwerdeführers  einen  glaubhaften  sowie  substanziierten  Eindruck.  Die  geltend  gemachten  Erlebnisse  wurden  anschaulich  dargelegt,  so  dass  ein  glaubhafter  Eindruck selbst erlebter Ereignisse entsteht. Sodann sind die angeführten  zeitlichen  Angaben  konform  und  fügen  sich  mühelos  in  den  Gesamtkontext  ein.  Folglich werden  die  vom Beschwerdeführer  geltend  gemachten  Verhaftungen  und  Misshandlungen  in  Haft  weder  von  der  Vorinstanz noch vom Bundesverwaltungsgericht grundsätzlich bezweifelt.  Im  Übrigen  ist  als  erstellt  zu  erachten,  dass  der  Beschwerdeführer  angesichts der beigebrachten Urteile  vom  (…) 2000 und vom  (…) 2003  von  den  ihm  zur  Last  gelegten  Vorwürfen  der  Unterstützung  einer  illegalen Vereinigung aus Mangel an einschlägigen Beweisen  respektive  wegen  Verjährung  freigesprochen  wurde.  Aufgrund  des  Gesagten  ist  allerdings  festzuhalten,  dass  der  Beschwerdeführer  den  Behörden  in  einem  nicht  irrelevanten  politischen  Kontext  –  Engagement  für  eine  http://links.weblaw.ch/EMARK-2005/21 http://links.weblaw.ch/EMARK-2005/21 http://links.weblaw.ch/EMARK-2005/21 http://links.weblaw.ch/EMARK-2005/21 http://links.weblaw.ch/EMARK-2005/21 http://links.weblaw.ch/EMARK-2005/21 http://links.weblaw.ch/EMARK-2005/21

E­255/2009 illegale politische Organisation – bereits aufgefallen ist. Des Weiteren gab  der  Beschwerdeführer  zu  Protokoll,  dass  er  seit  der  Ausreise  seiner  Brüder  im  Jahre  2003  bis  zu  seiner  eigenen  Ausreise  am  17.  Februar  2007  sowohl  seitens  der  Sicherheitskräfte  als  auch  nationalistischer  Banden fortwährend Repressalien unterworfen gewesen sei. Die von der  Vorinstanz  aufgezeigten  vermeintlichen  Widersprüche  konnten  dabei  in  der Rechtmitteleingabe plausibel  erklärt werden  (vgl. Beschwerdeeinabe  S.  9  sowie  A2/10  S. 5,  A13/16  S.  6  und  S.  9).  Insbesondere  ist  ein  Widerspruch  hinsichtlich  der  Urheber  der  gegen  den  Beschwerdeführer  erhobenen Drohungen nicht ersichtlich, da der Kern der Aussage in allen  zu Protokoll gegebenen Schilderungen des Sachverhalts erhalten bleibt,  nämlich, dass der Beschwerdeführer seit der Ausreise seiner Brüder und  bis  zu  seiner  eigenen Ausreise  seitens  der Sicherheitskräfte  permanent  behelligt  und  mit  dem  Tod  bedroht  worden  sei.  Ein  Unterbruch  des  zeitlichen  sowie  sachlichen  Kausalzusammenhangs  zwischen  der  (Reflex­)Verfolgung  und  Flucht  ist  daher  zu  verneinen.  Schliesslich  handelt  es  sich  beim  –  vom  BFM  als  nachgeschoben  qualifizierten –  Vorbringen des Beschwerdeführers, sein ehemaliger Arbeitgeber sei von  der  Polizei  aufgesucht  und  unter  Druck  gesetzt  worden,  um  eine  nur  mittelbar  handlungsbezogene  Schilderung  in  seiner  Verfolgungsgeschichte  und  nicht  um  ein  zentrales  Element  der  geltend  gemachten  Verfolgung.  Dass  der  Beschwerdeführer  diesen  Punkt  nicht  bereits  in  der  EVZ­Befragung  erwähnt  hat,  lässt  jedenfalls  nicht  seine  gesamten Vorbringen als unglaubhaft erscheinen.  Folglich liegen konkrete Indizien vor, welche den Eintritt einer aus einem  der  vom  Gesetz  aufgezählten  Motive  erfolgenden  Benachteiligung  als  wahrscheinlich und dementsprechend die Furcht davor als realistisch und  nachvollziehbar  erscheinen  lassen.  Vor  dem  Hintergrund  vorstehender  Erwägungen  und  in  Würdigung  der  Gesamtumstände  geht  das  Bundesverwaltungsgericht  davon  aus,  dass  im  heutigen  Zeitpunkt  mit  überwiegender Wahrscheinlichkeit  angenommen werden muss,  dass  es  sich beim Beschwerdeführer um eine reflexverfolgte Person handelt, der  bei  einer  Rückkehr  in  die  Türkei  ernsthafte  Nachteile  asylrechtlich  relevanten Ausmasses drohen würden, und dass eine begründete Furcht  vor Verfolgung im Heimatland besteht. 6.  Zusammenfassend  ergibt  sich  somit,  dass  die  Voraussetzungen  von  Art. 3 sowie Art. 7 AsylG erfüllt sind. Die Vorinstanz hat das Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  zu  Unrecht  abgewiesen.  Die  Beschwerde  ist 

E­255/2009 somit  gutzuheissen.  Die  Verfügung  des  BFM  ist  aufzuheben  und  die  Vorinstanz ist anzuweisen, dem Beschwerdeführer Asyl zu gewähren. 7.  7.1.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  keine  Verfahrenskosten  aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). 7.2. Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  ist  von  einem  Obsiegen  des  Beschwerdeführers  auszugehen.  Es  ist  ihm  in  Anwendung  von  Art.  64  Abs. 1 VwVG eine Parteientschädigung für  ihm erwachsene notwendige  Vertretungskosten zuzusprechen. Der  Rechtsvertreter  reichte  mit  Eingabe  vom  22.  Juli  2009  eine  Kostennote für die Verfahrensdauer vom 15. Dezember 2008 bis zum 22.  Juli  2009  ein,  gemäss  welcher  er  einen  Aufwand  von  insgesamt  9.83  Stunden  zu  einem  Stundenansatz  von  Fr.  240.–  und  Auslagen  in  der  Höhe  von  Fr. 125.50  geltend  machte.  Ferner  wurde  eine  ergänzende  Kostennote mit Eingabe vom 24. November 2011 zu den Akten gereicht,  mit welcher für die Dauer des Verfahrens vom 24. August 2009 bis zum  24. November 2011 ein Aufwand von insgesamt 3.33 Stunden zu einem  Stundenansatz  von  Fr.  240.–  und  Auslagen  in  der  Höhe  von  Fr.  44.–  geltend  gemacht wurden. Der  in Rechnung  gestellte  Aufwand  erscheint  angemessen,  weshalb  dem  Beschwerdeführer  unter  Berücksichtigung  der  Bemessungsgrundsätze  nach  Art.  7  ff.  des  Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  (VGKE,  SR  173.320.2)  für  das  vorliegende  Beschwerdeverfahren  eine  Parteientschädigung  in  der  Höhe  von  Fr. 3'583.30 (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) zuzusprechen und vom  BFM auszurichten ist.  (Dispositiv nächste Seite) 

E­255/2009 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2.  Die Verfügung vom 12. Dezember 2008 wird aufgehoben. Das BFM wird  angewiesen, dem Beschwerdeführer Asyl zu gewähren. 3.  Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4.  Das  BFM  wird  angewiesen  dem  Beschwerdeführer  eine  Parteientschädigung  in  der  Höhe  von  Fr. 3'583.30  (inkl.  Auslagen  und  Mehrwertsteuer) auszurichten. 5.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Christa Luterbacher Natasa Stankovic Versand:

E-255/2009 — Bundesverwaltungsgericht 20.01.2012 E-255/2009 — Swissrulings