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Bundesverwaltungsgericht 27.07.2011 E-2439/2011

27 luglio 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,559 parole·~8 min·1

Riassunto

Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung | Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung; Verfügung des BFM vom 1. März 2011

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung V E­2439/2011 Urteil   v om   2 7 .   Juli   2011 Besetzung Richter Walter Stöckli (Vorsitz), Richter Jean­Pierre Monnet,  Richterin Gabriela Freihofer,    Gerichtsschreiber Tobias Meyer. Parteien A._______, geboren (…), Sri Lanka,  Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asylgesuch aus dem Ausland und Einreisebewilligung;  Verfügung des BFM vom 1. März 2011 / N (…).

E­2439/2011 Sachverhalt: A.  Der  Beschwerdeführer,  ein  Staatsangehöriger  Sri  Lankas  tamilischer  Ethnie,  ersuchte  mit  Schreiben  vom  19. April  2010  bei  der  Schweizerischen Botschaft  in Colombo um Asyl  in der Schweiz. Jeweils  auf  Aufforderung  der  Botschaft  ergänzte  er  seine  Vorbringen  mit  Schreiben  vom  21. Mai  2010  und  vom  3. Juli  2010.  Am  22. September  2010  hörte  die  Botschaft  ihn  zu  seinen  Asylgründen  an  und  am  24. September  2010  überwies  sie  die  entsprechenden  Akten  an  das  BFM. Der  Beschwerdeführer  machte  im  Wesentlichen  geltend,  er  habe  von  1990 bis 1999 bei den Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) gekämpft.  1999  sei  er  von  der  Armee  festgenommen  und  in  einem  Armeecamp  gefoltert  worden.  Nach  seiner  Freilassung  habe  er  mehrere  Tage  in  einem  Spital  verbracht  und  anschliessend  eine  Klage  gegen  einen  Armeeangehörigen  eingereicht,  der  ihn misshandelt  habe.  Der  Prozess  sei  jedoch  wegen  eines  Formfehlers  abgebrochen  worden.  2004  sei  er  Mitglied  der  Eelam  People's  Revolutionary  Liberation  Front  (EPRLF)  geworden,  die  sich  der  Tamil  National  Alliance  (TNA)  angeschlossen  habe.  2005  habe  er  für  den  Parlamentarier  B._______,  der  ebenfalls  Mitglied der TNA gewesen sei, Wahlkampf betrieben; danach habe er die  Partei wieder verlassen. Bei den Parlamentswahlen 2010 sei sein Name  ohne  sein  Wissen  auf  der  Wahlliste  der  (…)  erschienen,  wofür  wahrscheinlich Mitglieder des Geheimdienstes der Armee verantwortlich  seien. Im Rahmen seiner Kandidatur sei seine Vergangenheit als Mitglied  der LTTE wieder bekannt geworden. Seither werde er von unbekannten  Personen gesucht,  die  vermutlich der Eelam People's Democratic Party  (EPDP) oder der Karuna­Gruppe angehörten. Diese würden regelmässig  an seinem früheren Wohnort nach  ihm suchen. Einmal sei er nur knapp  zwei maskierten Männern entkommen, die ihn gejagt hätten. Seither halte  er  sich  versteckt  und  wechsle  immer  wieder  seinen  Aufenthaltsort.  Am  6. Oktober  2010  habe  ihn  eine  unbekannte  Person  telefonisch  aufgefordert,  sich  auf  dem  Polizeiposten  zu  melden,  da  eine  Anzeige  gegen  ihn  eingegangen  sei.  Dieser  Aufforderung  sei  er  nicht  nachgekommen. B.  Mit  Verfügung  vom  1. März  2011  –  dem  Beschwerdeführer  durch  die  Schweizerische Botschaft  in Colombo mit Schreiben vom 17. März 2011 

E­2439/2011 eingeschrieben zugestellt (Eröffnungsdatum unbekannt) – verweigerte das  BFM dem Beschwerdeführer die Einreise und lehnte sein Asylgesuch ab. Zur  Begründung  führte  das  BFM  aus,  die  Festnahme  des  Beschwerdeführers durch die sri­lankische Armee im Jahre 1999 und die  dabei  erlittene  Folter  lägen  bereits  über  zehn  Jahre  zurück  und  vermöchten deshalb heute keine Einreisebewilligung mehr zu begründen.  Auch  die  Furcht  vor  zukünftiger  Verfolgung  sei  bei  objektiver  Betrachtungsweise  nicht  begründet,  da  nicht  ersichtlich  sei,  welches  Interesse der Geheimdienst  daran haben könnte,  ihn ohne sein Wissen  auf  eine  Kandidatenliste  für  die  Parlamentswahlen  zu  setzen.  Da  er  zudem  1999  aus  den  LTTE  ausgetreten  sei,  sei  auch  nicht  ersichtlich,  wieso  ihn  die  sri­lankischen  Behörden  heute  wegen  seiner  früheren  Mitgliedschaft  verfolgen  sollten.  Dasselbe  gelte  für  die  nach  seiner  Festnahme 1999 eingereichte Klage gegen die sri­lankische Armee. Und  schliesslich  sei  auch  ein  Verfolgungsinteresse  des  Staates  aufgrund  seiner  früheren  Tätigkeit  für  die  TNA  nicht  ersichtlich.  Er  könne  zudem  keine schwerwiegenden Verfolgungsmassnahmen seitens der staatlichen  Behörden  in  den  letzten  Jahren  geltend  machen,  weshalb  seine  Vorbringen bezüglich einer Verfolgung durch die sri­lankischen Behörden  nicht  einreiserelevant  seien.  Auch  seine  Vorbringen  bezüglich  einer  Verfolgung durch unbekannte Personen  seien nicht  einreiserelevant,  da  die  sri­lankischen  Behörden  solche  Verfolgungsmassnahmen  seitens  Dritter  ahnden  würden  und  er  sich  deshalb  diesbezüglich  an  die  zuständigen lokalen Instanzen wenden könne. Zudem handle es sich um  lokal  begrenzte  Nachteile,  denen  er  sich  durch  den  Wegzug  in  einen  anderen Teil seines Heimatlandes entziehen könnte. C.  Mit Eingabe vom 4. April 2011 (Poststempel unleserlich; Eingang bei der  Botschaft in Colombo: 19. April 2011) erhob der Beschwerdeführer gegen  diese Verfügung  des BFM  beim Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  und beantragte sinngemäss, die Verfügung sei aufzuheben und  ihm sei  die Einreise zu bewilligen sowie Asyl zu gewähren. D.  Mit  Eingabe  vom  13. Juni  2011  bat  der  Beschwerdeführer  um  raschen  Abschluss des Verfahrens und wiederholte, er lebe unter grosser Gefahr.  Am  11.  Juni  2011  seien  die  Sicherheitskräfte  in  sein  Haus  gekommen  und  hätten  Fotos  von  seiner  Frau,  seinem  Kind  und  seiner  Schwiegermutter gemacht.

E­2439/2011 Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM  gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates, vor dem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  [AsylG,  SR 142.31];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]). Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  soweit  das  VGG  nichts  anderes bestimmt (Art. 37 VGG). 1.2.  Das  genaue  Zustellungsdatum  der  angefochtenen  Verfügung  und  damit  das  Datum  ihrer  Eröffnung  kann  nicht  eruiert  werden.  Das  frühestmögliche Zustellungsdatum ist der 18. März 2011, die Beschwerde  ging  am 19. April  2011  bei  der Botschaft  ein: Damit wäre  die  30­tägige  Beschwerdefrist  um  einen  Tag  verpasst  (Art. 108  Abs. 1  AsylG).  Die  Beschwerdelast  für das Zustellungsdatum der angefochtenen Verfügung  trifft  jedoch  die  verfügende  Behörde,  im  vorliegenden  Fall  das  BFM,  weshalb zu Gunsten des Beschwerdeführers davon auszugehen ist, dass  die Frist eingehalten wurde (MOSER ANDRÉ/BEUSCH MICHAEL/KNEUBÜHLER  LORENZ,  Prozessieren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht,  Basel  2008,  Rz. 2.112). 1.3. Die Beschwerde  ist  formgerecht eingereicht. Der Beschwerdeführer  hat  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen,  ist  durch  die  angefochtene Verfügung besonders  berührt  und hat  ein  schutzwürdiges  Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er  ist  daher  zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 48  Abs. 1 und Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.

E­2439/2011 1.4.  Gestützt  auf  Art.  111a  Abs.  1  AsylG  wurde  vorliegend  auf  einen  Schriftenwechsel verzichtet. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  3.1. Eine gesuchstellende Person, die sich in ihrem Heimatstaat befindet,  kann  zwar  verfolgt  im  Sinne  von  Art.  3  AsylG  und  demzufolge  schutzbedürftig  sein;  um  aber  die  Flüchtlingseigenschaft  zu  erfüllen,  muss  sie  gemäss  Art.  1A  des  Abkommens  vom  28.  Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  (FK,  SR  0.142.30)  ihr  Heimatland  verlassen  haben.  Der  Beschwerdeführer  befindet  sich  in  seinem  Heimatstaat  und  erfüllt  somit  die  Voraussetzung  des  Verlassens  des  Heimatlandes und damit die Flüchtlingseigenschaft nicht. 3.2. Das Bundesamt bewilligt Asylsuchenden die Einreise in die Schweiz  entweder  zur  Asylerteilung,  wenn  feststeht,  dass  diese  die  entsprechenden  Voraussetzungen  erfüllen,  oder  zur  Abklärung  des  Sachverhalts,  wenn  ihnen  nicht  zugemutet  werden  kann,  im Wohnsitz­  oder Aufenthaltsstaat zu bleiben oder in einen anderen Staat auszureisen  (Art.  20  Abs.  2  AsylG).  Unzumutbar  ist  ein  Verbleib  namentlich  dann,  wenn  die  asylsuchende  Person  schutzbedürftig  ist.  Schutzbedürftig  im  Sinne des Asylgesetzes sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im  Land,  in  dem  sie  zuletzt  wohnten,  wegen  ihrer  Rasse,  Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder  Freiheit  sowie Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG).  3.3.  Für  die  Erteilung  einer  Einreisebewilligung  gelten  restriktive  Voraussetzungen,  wobei  den  Behörden  ein  weiter  Ermessensspielraum  zukommt.  Neben  der  erforderlichen  Gefährdung  im  Sinne  von  Art.  3  AsylG sind namentlich die Beziehungsnähe zur Schweiz, die Möglichkeit  der  Schutzgewährung  durch  einen  anderen  Staat,  die  Beziehungsnähe  zu  anderen  Staaten,  die  praktische  und  objektive  Zumutbarkeit  zur  anderweitigen  Schutzsuche  sowie  die  voraussichtlichen 

E­2439/2011 Eingliederungsmöglichkeiten  in  der  Schweiz  in  Betracht  zu  ziehen  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 21 E. 2b, EMARK 1997 Nr. 15  E.  2e­g).  Ausschlaggebend  für  die  Erteilung  der  Einreisebewilligung  ist  dabei  die  Schutzbedürftigkeit  der  betroffenen  Personen  (vgl.  EMARK  1997 Nr. 15 E. 2c), mithin die Prüfung der Frage, ob eine Gefährdung im  Sinne  von Art.  3 AsylG glaubhaft  gemacht wird  und ob  ihr  der Verbleib  am Aufenthaltsort  für die Dauer der Sachverhaltsabklärungen zugemutet  werden  kann.  Die  Einreise  wird  verweigert,  wenn  eine  Person  in  ihrem  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  nicht  in  asylrelevanter  Art  und  Weise  gefährdet ist und mithin des Schutzes der Schweiz nicht bedarf. 4.  Es  ist  zu  prüfen,  ob  das  BFM  dem  Beschwerdeführer  zu  Recht  die  Einreise  in  die  Schweiz  verweigert  und  sein  Asylgesuch  abgelehnt  hat,  weil  er  mangels  Gefährdung  im  Sinne  von  Art.  3  Asyl  nicht  schutzbedürftig sei. 4.1. Das  BFM  kam  in  der  angefochtenen  Verfügung  zum  Schluss,  der  Beschwerdeführer  habe  weder  begründete  Furcht  vor  den  staatlichen  Behörden,  noch  vor  unbekannten  Personengruppen.  Es  zweifelte  zwar  die  Vorfälle  im  Jahr  1999  nicht  an,  verneinte  aber  deren  Asylrelevanz,  weil sie bereits über zehn Jahre zurücklägen und der Beschwerdeführer  seither  keine  Verfolgungshandlungen  durch  staatliche  Organe  mehr  erlitten habe. Auch die geltend gemachten Verfolgungshandlungen durch  unbekannte  Personen  seien  nicht  asylrelevant,  da  er  sich  an  die  sri­ lankischen  Behörden  wenden  oder  in  einen  anderen  Teil  Sri  Lankas  wegziehen könne.  4.2. Der  Beschwerdeführer  macht  in  seiner  Beschwerdeschrift  geltend,  das  BFM  habe  die  Situation  vor  Ort  nicht  berücksichtigt.  Er  werde  seit  dem  Ende  des  Krieges  mehr  bedroht  als  vorher  und  lebe  im  Verborgenen. Die Personen, die an seiner Verhaftung beteiligt gewesen  seien,  seien noch  in C._______ und  suchten  ihn. Nur wenige Tage  vor  Erhalt  der Verfügung des BFM sei  er  einigen Männern,  die  ihn gesucht  hätten, nur knapp entkommen. Es gäbe auch nach dem Krieg weiterhin  bewaffnete Gruppen, die auch von der Regierung unterstützt würden. Er  könne  sich  bei  den  staatlichen  Behörden  nicht  über  Personen  beschweren,  die  mit  diesen  verbunden  seien.  Zudem  könne  er  den  staatlichen  Behörden  nicht  vertrauen,  da  sie  für  viele  Missbräuche  verantwortlich seien.

E­2439/2011 5.  5.1.  Das  BFM  stellt  zu  Recht  fest,  die  Verhaftung  und  Folterung  des  Beschwerdeführers durch die sri­lankische Armee liege bereits über zehn  Jahre zurück und könne deshalb – so schwerwiegend diese Vorfälle auch  gewesen  sein  mögen  –  keine  aktuelle  Schutzbedürftigkeit  des  Beschwerdeführers begründen, zumal dieser nach eigenen Aussagen bis  zu  den  Wahlen  im  Januar  2010  keinen  Verfolgungshandlungen  ausgesetzt  gewesen  ist  und  es  bei  der  Flüchtlingsqualität  allein  darum  geht, ob im Zeitpunkt des Entscheides die asylsuchende Person künftige  Verfolgung mit gutem Grund befürchtet. Zudem machen weder der vom  Beschwerdeführer  angestrengte  Prozess  gegen  einen  Armeeangehörigen,  der  2001  aus  verfahrenstechnischen  Gründen  abgebrochen  wurde,  noch  seine  Wahlkampfaktivitäten  für  einen  Parlamentarier  der  TNA  im  Jahre  2005  ein  Interesse  der  sri­lankischen  Behörden an seiner Verfolgung glaubhaft.  5.1.1. Das Vorbringen des Beschwerdeführers, der Sicherheitsdienst der  Armee  habe  ihn  ohne  sein  Wissen  auf  eine  Kandidatenliste  für  die  Parlamentswahlen im Jahre 2010 gesetzt, ist ebenfalls als unglaubhaft zu  bezeichnen.  Es  ist  nicht  ersichtlich,  welches  Interesse  der  Sicherheitsdienst  daran  gehabt  haben  könnte,  den  Beschwerdeführer  heimlich  als  Kandidat  auf  einer  Liste  (…)  für  die  nationalen  Parlamentswahlen aufzustellen.  Insbesondere  ist nicht glaubhaft, dass –  wie der Beschwerdeführer zu  implizieren scheint – der Sicherheitsdienst  es darauf angelegt hatte, dass seine Vergangenheit als Mitglied der LTTE  ans  Licht  kommen  würde,  und  ihn  damit  bewusst  der  Verfolgung  bewaffneter  Gruppen  aussetzen  wollte.  Zudem  spricht  der  Beschwerdeführer  in  seinen  Eingaben  an  die  Botschaft  davon,  er  sei  unter Drohungen  zur  Teilnahme gezwungen worden, während  er  in  der  Befragung  angab,  sein  Name  sei  ohne  sein  Wissen  auf  der  Wahlliste  aufgetaucht.  Dieser  Widerspruch  unterhöhlt  die  Glaubhaftigkeit  dieses  Vorbringens  zusätzlich.  Da  unbestritten  ist,  dass  sein  Name  auf  der  genannten Wahlliste  steht,  ist  davon  auszugehen,  dass  er  freiwillig  bei  den Parlamentswahlen 2010 kandidiert hat.  5.1.2.  Selbst  wenn  das  auf  Beschwerdestufe  geltend  gemachte –  allerdings schwer nachvollziehbare – Ereignis vom 11. Juni 2011, wonach  Sicherheitskräfte  zu  seinem Wohnhaus  gekommen  seien  und  (in  seiner  Abwesenheit)  Fotos  von  seiner  Frau,  seinem  Kind  und  seiner  Schwiegermutter gemacht haben, stattgefunden haben sollte, käme dies  mangels Intensität der Massnahme keiner Verfolgung gleich und es wäre 

E­2439/2011 keine begründete Furcht vor künftiger Verfolgung durch staatliche Organe  erstellt.  Nachdem  der  Beschwerdeführer  in  der  Befragung  durch  die  Botschaft  ausgesagt hatte,  er und seine Familie wohnten nicht  in  ihrem  Haus,  sondern  bei  einer  Schwester,  scheint  dies  zum  Zeitpunkt  dieser  Eingabe  nicht  mehr  der  Fall  gewesen  zu  sein.  Leben  der  Beschwerdeführer  und  seine  Familie  jedoch  wieder  in  ihrem  Haus,  ist  davon  auszugehen,  dass  sich  seine  Furcht  vor  Verfolgungshandlungen  vermindert hat. 5.1.3.  Dem  Beschwerdeführer  ist  es  damit  nicht  gelungen,  begründete  Furcht  vor  Verfolgung  durch  die  staatlichen  Behörden  Sri  Lankas  glaubhaft zu machen. 5.2.  Der  Beschwerdeführer  macht  zudem  Verfolgung  durch  ihm  unbekannte  Personen  geltend,  die  nach  seiner  Vermutung  der  EPDP  oder  der  Karuna­Gruppe  angehörten,  beides  regierungsfreundliche  paramilitärische  Gruppen.  Er  vermutet,  diese  Personen  suchten  ihn  aufgrund seiner Mitgliedschaft  in den LTTE von 1990 bis 1999 und/oder  seiner Tätigkeit als Wahlkampfhelfer  für die TNA  im Jahr 2005. Er habe  seine Wohnung verlassen und halte sich seit April 2010 an wechselnden  Orten  versteckt  auf,  da  unbekannte  Personen  immer  wieder  nach  ihm  fragten. Zuerst seien am 6. April 2010 zwei maskierte Männer zu seinem  Haus  gekommen  und  hätten,  da  er  nicht  zu Hause  gewesen  sei,  seine  Frau nach ihm gefragt. Anschliessend sei er diesen beiden Männern auf  der  Strasse  begegnet,  wo  sie  ihn  verfolgt  hätten.  Er  sei  in  einen  Einkaufsladen  geflüchtet,  worauf  die  Männer  weggegangen  seien.  Seit  dem  14.  August  2010  bekomme  seine  Schwiegermutter,  die  noch  an  seinem  früheren  Wohnort  wohne,  regelmässig  Telefonanrufe  von  Personen,  die  sich  nach  ihm  erkundigten.  Die  Männer  kämen  auch  regelmässig  zu  seinem  Haus.  Er  selber  sei  am  6.  Oktober  2010  telefonisch von einem unbekannten Anrufer aufgefordert worden, sich bei  der  örtlichen  Polizeistation  zu  melden.  Er  sei  der  Aufforderung  nicht  nachgekommen.  Am  19.  Oktober  2010  sei  seine  Schwiegermutter  auf  das Civil Office bestellt und zu seinem Aufenthalt befragt worden. 5.2.1. Das Bundesverwaltungsgericht  stellt  grundsätzlich  fest,  dass  sich  die Sicherheits­ und Menschenrechtslage in Sri Lanka seit dem Ende des  Bürgerkrieges  im  Mai  2009  erheblich  verbessert  hat.  Insbesondere  die  Aktivitäten  paramilitärischer  Gruppierungen  haben  stark  abgenommen.  Auch  wenn  die  Lage  noch  nicht  befriedigend  ist  und  die  Regierung 

E­2439/2011 teilweise  rücksichtslos  gegen  politische  Gegner  vorgeht,  hat  sich  die  Situation seit dem Untergang der LTTE im ganzen Land beruhigt. 5.2.2.  Der  Beschwerdeführer  macht  geltend,  die  Nachstellungen  durch  unbekannte Personen hätten  im Anschluss an seine Kandidatur bei den  Parlamentswahlen  im  April  2010  begonnen.  Seine  Verhaftung  und  Internierung durch die sri­lankische Armee sowie die Klage gegen einen  Armeeangehörigen  lagen  zu  diesem Zeitpunkt  bereits  über  zehn  Jahre,  seine  politischen  Aktivitäten  für  die  TNA  über  fünf  Jahre  zurück.  Auch  wenn  diese  Aktivitäten  des  Beschwerdeführers  im  Rahmen  der  Parlamentswahlen 2010 wieder bekannt geworden sein  sollten,  ist  nicht  plausibel,  dass  mit  der  Regierung  verbundene  Gruppierungen  nach  so  vielen Jahren noch ein Interesse an seinen damaligen Aktivitäten gehabt  hätten; respektive ist es unglaubhaft, dass diese – sollten sie tatsächlich  ein  Interesse am Beschwerdeführer haben – diesen nicht bereits  früher,  insbesondere  im Anschluss  an  die militärische  Zerschlagung  der  LTTE,  gesucht hätten. Hinzu kommt, dass der Beschwerdeführer keine Belege  dafür  vorlegt,  dass  seine  Vergangenheit  im  Rahmen  der  Parlamentswahlen 2010 tatsächlich an die Oberfläche gekommen ist; es  handelt  sich  dabei  um  reine  Behauptungen  beziehungsweise  Vermutungen.  Er  macht  auch  nicht  geltend,  sich  im  Wahlkampf  2010  besonders  exponiert  zu  haben  und  zum  Beispiel  den  Präsidenten  oder  die Art der Kriegsführung gegen die LTTE kritisiert zu haben.  5.3.  Zudem  handelt  es  sich  bei  den  Verfolgungsmassnahmen  beziehungsweise  Schikanierungen,  denen  der  Beschwerdeführer  nach  seinen Behauptungen ausgesetzt ist, um lokal begrenzte Aktionen. Auch  wenn die staatlichen Behörden Sri Lankas in gewissen Teilen des Landes  nicht  konsequent  gegen  paramilitärische,  der  Regierung  nahestehende  Gruppierungen  vorgehen  und  ihr  Wille,  tamilische  Staatsbürger  zu  schützen,  teilweise  in  Zweifel  gezogen  werden  muss,  könnte  der  Beschwerdeführer sich – wie das BFM zu Recht  feststellt – durch einen  Wegzug  in  einen  anderen  Teil  des  Landes  der  Verfolgung  entziehen.  Teile  der  Familie  der  Ehefrau  des  Beschwerdeführers  leben  in  D._______,  womit  der  Beschwerdeführer  und  seine  Familie  in  der  Hauptstadtregion  zumindest  über  ein  rudimentäres  Beziehungsnetz  verfügen, das ihnen eine Integration erleichtern würde. 6.  Zusammenfassend  hat  das  BFM  das Gesuch  um Einreise  und  Asyl  zu  Recht  abgelehnt,  da  die  Schutzbedürftigkeit  des  Beschwerdeführers  im 

E­2439/2011 Sinne von Art. 20 i.V.m. Art. 3 AsylG nicht gegeben ist. Die Verfügung der  Vorinstanz ist zu bestätigen. 7.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art.  106  AsylG).  Die  Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 8.  Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art.  63  Abs.  1  und  5  VwVG).  Aus  verwaltungsökonomischen Gründen  ist  vorliegend  jedoch  in Anwendung  von Art. 63 Abs. 1 letzter Satz VwVG und Art. 6 des Reglements vom 21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  (VGKE, SR 173.320.2) auf die Erhebung von  Verfahrenskosten zu verzichten. (Dispositiv nächste Seite)

E­2439/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  die  Schweizerische  Vertretung in Colombo und das BFM. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Walter Stöckli Tobias Meyer Versand:

E-2439/2011 — Bundesverwaltungsgericht 27.07.2011 E-2439/2011 — Swissrulings