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Bundesverwaltungsgericht 21.07.2011 E-2284/2007

21 luglio 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·3,318 parole·~17 min·1

Riassunto

Asyl und Wegweisung | Flüchtlingseigenschaft; Verfügung des BFM vom 21. Februar 2007

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung V E­2284/2007 Urteil   v om   2 1 .   Juli   2011 Besetzung Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz), Richter Hans Schürch, Richterin Muriel Beck Kadima;  Gerichtsschreiberin Natasa Stankovic. Parteien A._______, geboren am (…), Sri Lanka,  (…),   Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Flüchtlingseigenschaft; Verfügung des BFM vom 21. Februar  2007 / N (…).

E­2284/2007 Sachverhalt: A.  Der  Beschwerdeführer,  ein  aus  B._______  stammender  sri­lankischer  Staatsangehöriger  tamilischer  Ethnie  mit  letztem Wohnsitz  in  Colombo,  verliess  eigenen Angaben  zufolge  seinen Heimatstaat  am 4. April  2003  und  gelangte  am  7.  April  2003  in  die  Schweiz,  wo  er  gleichentags  ein  Asylgesuch  stellte.  Für  die  Dauer  des  Asylverfahrens  wurde  er  dem  Kanton  C._______  zugewiesen.  Am  8.  April  2003  wurde  er  in  der  Empfangsstelle  (heute:  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  [EVZ])  (...)  summarisch  und  am  15. April  2003  vom  BFM  eingehend  zu  seinen  Ausreise­ und Asylgründen befragt. Anlässlich seiner Befragungen trug er  im Wesentlichen Folgendes vor: [Zwangsrekrutation; Eintritt und Tätigkeiten  in der LTTE; Austritt aus der  LTTE].  Wenige  Tage  später  sei  er  deshalb  von  den  LTTE  bei  seinem  Vater,  welcher  von  den  LTTE­Mitgliedern  geschlagen  und  bedroht  worden sei,  in B._______ gesucht worden, und auch  in Colombo hätten  sich zwei Angehörige der LTTE nach  ihm erkundigt. Aus Angst  vor den  LTTE  sowie  vor  einer  Verfolgung  des  sri­lankischen  Staates  habe  sich  der Beschwerdeführer entschlossen, seinen Heimatstaat zu verlassen.  B.  Mit Verfügung vom 16. April 2003 stellte das Bundesamt  für Flüchtlinge  (BFF,  heute:  BFM)  fest,  der  Beschwerdeführer  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht,  lehnte sein Asylgesuch ab und ordnete die  Wegweisung sowie den Vollzug an.  C.  Der  ehemalige Rechtsvertreter  focht mit  Eingabe  vom 14. Mai  2003  an  die  damalige Schweizerische Asylrekurskommission  (ARK) namens und  im  Auftrag  des  Beschwerdeführers  die  Verfügung  des  BFF  an  und  beantragte  die  Aufhebung  der  angefochtenen  Verfügung  sowie  die  Gewährung  des  Asyls;  eventualiter  sei  die  vorläufige  Aufnahme  anzuordnen;  allenfalls  sei  das  Verfahren  zwecks  vollständiger  Sachverhaltsabklärung  an  die  Vorinstanz  zurückzuweisen.  In  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  sei  die  unentgeltliche  Rechtspflege  zu  gewähren und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten.  Im  Übrigen  seien  die  Akten  des  Verfahrens  [Geschwisterteil]  und  [Ehepartner des Geschwisterteils] des Beschwerdeführers beizuziehen. 

E­2284/2007 Im Wesentlichen wurde geltend gemacht,  der Beschwerdeführer  sei  ein  abtrünniges,  nicht  unbedeutendes  LTTE­[Mitglied],  was  er  auch  im  vorinstanzlichen  Verfahren  glaubhaft  dargelegt  habe.  Er  habe  für  die  LTTE  [Tätigkeit].  Zudem  sei  davon  auszugehen,  dass  er  als  wichtiges  Mitglied des LTTE­(…) dem Befehl,  die Büros  in B._______  zu  räumen  und sich nach Vanni zu begeben, nicht Folge geleistet habe, sondern sich  von  den  LTTE  abgesetzt  habe.  Im  Falle  seiner  Rückkehr  sei  er  einem  landesweiten,  erheblichen  Risiko  ausgesetzt;  dabei  könne  er  insbesondere nicht mit dem Schutz der sri­lankischen Behörden rechnen,  weil er von diesen Verfolgungshandlungen befürchten müsse.  Zur  Stützung  seiner  Vorbringen  wurden  folgende  Dokumente  zu  den  Akten  gereicht:  Kopie  der  Geburtsurkunde  vom  (…)  2003,  eingeschweisste  Farbkopie  seiner  LTTE­Identitätskarte  (Nr. (…)),  Zulassungsbestätigung  für  die  politische  Arbeit  für  die  LTTE  vom  (…),  diverse Fotos mit  dem Beschwerdeführer  in Uniform,  unter  anderem an  der  Seite  von  LTTE­Führer  Prabhakaran,  Begleitbrief  des  Vaters  des  Beschwerdeführers vom (…) 2003. D.  Mit Verfügung vom 25.  Juni 2003 hielt  die ARK  fest,  dass die Gesuche  um  unentgeltliche  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art. 65  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021)  sowie  um  Verzicht  auf  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  gutgeheissen  und  die  Verfahrensakten  [Geschwisterteil]  sowie  [Ehepartner  des  Geschwisterteils] antragsgemäss beigezogen würden.  E.  In  seiner  Vernehmlassung  vom  30.  Juni  2003  beantragte  das  BFF  die  Abweisung  der  Beschwerde,  da  die  Beschwerdeschrift  keine  neuen  erheblichen Tatsachen oder Beweismittel enthalte, welche eine Änderung  des  Standpunktes  des  Bundesamtes  zu  rechtfertigen  vermöchten.  Obwohl  der  Beschwerdeführer  wiederholt  nach  seiner  Tätigkeit  bei  den  LTTE gefragt worden sei, gehe aus den Protokollen lediglich hervor, dass  er von den LTTE zwangsrekrutiert und als unfreiwilliger Kämpfer  für die  Organisation  tätig  gewesen  sei.  [Tätigkeiten].  Daraus  könne  aber –  entgegen  der  Behauptung  des  Beschwerdeführers  in  der  Rechtsmitteleingabe – nicht geschlossen werden, bei ihm handle es sich  um  ein  wichtiges,  exponiertes  LTTE­Mitglied.  Auch  die  nachträglich  beigebrachte  Fotographie,  auf  welcher  der  Beschwerdeführer  mit  dem 

E­2284/2007 Führer der LTTE Prabhakaran abgebildet sei, sei als Beweismittel für die  geltend  gemachte  wichtige  Stellung  innerhalb  der  LTTE  nicht  geeignet,  zumal bekanntlich solche Fotographien manipulierbar seien. F.  In der Replik vom 11. August 2003 führte der ehemalige Rechtsvertreter  aus, es sei erstaunlich, dass sich das BFF trotz Vielzahl der Beweismittel  und  konkreter  Hinweise  auf  eine  exponierte  (…)  Tätigkeit  des  Beschwerdeführers  nicht  dazu  entschlossen  habe,  eine  ergänzende  Anhörung  durchzuführen.  Die  Sachverhaltsermittlung  des  BFF  bleibe  damit unvollständig und genüge dem Untersuchungsgrundsatz nicht.  Der Beschwerdeführer sei als Kadermitglied  innerhalb des LTTE­(…) an  (…) diverser  von den LTTE verübter Attentate  beteiligt  gewesen. Dabei  handle es sich um [schwere Anschläge auf zivile Ziele]. Die Aufgabe des  Beschwerdeführers habe darin bestanden,  [Tätigkeiten]. Aufgrund seiner  langen  (…)­Dienstzeit  kenne  er  sowohl  Struktur  als  auch  Beteiligte  der  LTTE  und  müsse  daher  seit  seiner  Flucht  mit  Racheakten  seitens  der  LTTE rechnen.  Gleichzeitig zog der Beschwerdeführer seinen Antrag auf Asylgewährung  zurück,  hielt  jedoch  an  den  Anträgen  auf  Anerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft sowie Gewährung der vorläufigen Aufnahme fest. G.  In seiner ergänzenden Vernehmlassung vom 25. August 2003 beantragte  das  BFF  weiterhin  die  Abweisung  der  Beschwerde,  zumal  mit  der  Sachverhaltsergänzung  und  den  eingereichten  Beweismittel  die  geltend  gemachten Vorbringen des Beschwerdeführers  nicht  glaubhaft  dargetan  worden seien. H.  Der  ehemalige  Rechtsvertreter  führte  mit  Stellungnahme  vom  3.  September  2003  aus,  dass  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers –  nicht  zuletzt  vor  dem  Hintergrund  der  Vielzahl  der  eingereichten  Beweismittel – durchaus glaubhaft erschienen. I.  Mit  Eingabe  vom  24.  Mai  2004  an  die  ARK  führte  der  ehemalige  Rechtsvertreter  aus,  dass  die  vom  Beschwerdeführer  begangenen  Befehlsverweigerungen und der Ausstieg eines LTTE­[Mitglieds] aus der  Organisation  schwerwiegende  Folgen  nach  sich  ziehen  würden.  Des 

E­2284/2007 Weiteren  machte  er  auf  das  Urteil  der  ARK  vom  (…)  aufmerksam,  mit  welchem  [Ehepartner  des  Geschwisterteils]  des  Beschwerdeführers –  aufgrund der von der ARK als glaubhaft erachteten LTTE­Aktivitäten des  Beschwerdeführers und aus diesem Grunde erlittenen [Gewaltakt] – Asyl  gewährt wurde.  J.  Mit Eingabe vom 7. September 2004 an die ARK reichte der ehemalige  Rechtsvertreter  einen  Brief  vom  Vater  des  Beschwerdeführers  ein,  in  welchem  ausgeführt  werde,  dass  sich  Ende  Juli  2004  Mitglieder  des  LTTE­(…) nach dem Verbleib des Beschwerdeführers erkundigt hätten.  K.  Die  ARK  hiess  mit  Urteil  vom  30.  Januar  2006  die  gegen  die  vorinstanzliche Verfügung vom 16. April 2003 erhobene Beschwerde des  Beschwerdeführers vom 14. Mai 2003 gut, hob die betreffende Verfügung  auf und wies die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurück. Zur  Begründung  führte die ARK aus, dass der  rechtserhebliche Sachverhalt  in mehrfacher Hinsicht  unvollständig  respektive  unzutreffend  festgestellt  worden sei.  L.  Im  wieder  aufgenommenen  Asylverfahren  gelangte  der  ehemalige  Rechtsvertreter des Beschwerdeführers mit Eingabe vom 24. April 2006  an das BFM und reichte folgende Dokumente zu den Akten: Berichte vom  (…)  2005  sowie  vom  (…)  2006  von  Dr. C._______,  Assistenzärztin,  Bericht  von  Dr.  med.  D._______  vom  (…)  2005,  radiologischer  Untersuchungsbericht von Dr. med. E._______ vom (…) 2005.  Dem  Begleitschreiben  ist  zu  entnehmen,  dass  es  sich  hierbei  um  dokumentierte  Nachwirkungen  einer  im  Jahr  (…)  erlittenen  Schussverletzung  sowie  einer  anderen  Verletzung  handle,  welche  sich  nach  Aufnahme  einer  Erwerbstätigkeit  durch  den  Beschwerdeführer  wieder  akut  verschärft  hätten.  Die  Ursachen  der  Verletzungen  würden  indes  nicht  in  unmittelbarem  Zusammenhang  zu  den  fluchtauslösenden  Ereignissen  stehen,  es  handle  sich  vielmehr  um  weiter  zurückliegende  Ereignisse,  welche  der  Beschwerdeführer  in  den  Befragungen  nur  summarisch angesprochen habe.  M.  Der ehemalige Rechtsvertreter  führte  in der Eingabe vom 28. November 

E­2284/2007 2006 an das BFM aus, dass zwar der Asylausschluss,  jedoch nicht der  Ausschluss  des  Beschwerdeführers  von  der  Flüchtlingseigenschaft  gerechtfertigt  sei.  Vorliegend  komme  im  Hinblick  auf  einen  Ausschluss  der Flüchtlingseigenschaft  lediglich Art.  1F Bst.  a des Abkommens vom  28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) in  Frage,  handle  es  sich  doch  bei  den  fraglichen  Beteiligungen  des  Beschwerdeführers  zumindest  um  "relative  politische  Delikte".  Der  Ausschluss von der Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 1F Bst. a FK sei  auf  Personen  ausgerichtet,  welche  in  der  Lage  seien,  die  politischen  Zielsetzungen  der  Organisation  mitzuprägen.  Dies  sei  vorliegend  nicht  der Fall,  da der Beschwerdeführer  zu erkennen gegeben habe, dass er  von den LTTE zwangsrekrutiert und zum (…) abkommandiert worden sei.  Somit sei er ein reiner Befehlsempfänger gewesen, welcher die Taktik der  LTTE  in  keiner Weise  selbst  bestimmt  oder  gewählt  habe. Dabei  sei  er  zwar  im  Jahre  (…)  als  [Tätigkeit]  [an  den]  Attentaten  auf  zivile  Ziele  beteiligt  gewesen.  Seine  Beteiligung  beschränke  sich  indes  auf  [Tätigkeit].  Schliesslich  habe  der  Beschwerdeführer  auch  darauf  hingewiesen,  dass  er  sich  im  Jahre  (…)  –  sobald  sich  die  Möglichkeit  geboten habe – von den LTTE abgesetzt habe. Dies zeige, dass er in den  LTTE  nicht  in  eigener  Überzeugung  und  aus  freiem  Willen  gehandelt  habe.  Die  hohe  Schwelle  zur  Annahme  eines  Ausschlussgrundes  nach  Art. 1F Bst. a FK sei somit vorliegend nicht erreicht. Der Asylausschluss  als  Sanktionierung  sei  dem Profil  des  Beschwerdeführers  angemessen;  ein  Ausschluss  von  der  Flüchtlingseigenschaft  sei  dagegen  nicht  verhältnismässig.  Schliesslich  sei  –  wie  bereits  im  vorangehenden  Verfahren  dargelegt  worden  sei  –  der  Beschwerdeführer  von  sich  aus  bereit, die Konsequenzen – den Asylausschluss – seiner (…) Beteiligung  an den Anschlägen der LTTE zu tragen.  N.  Mit Verfügung  vom 21.  Februar  2007 –  eröffnet  am 26. Februar  2007 –  wies  das  BFM  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  ab.  Zur  Begründung  führte  es  aus,  der  Beschwerdeführer  erfülle  zwar  die  Flüchtlingseigenschaft  im Sinne  von Art.  3  AsylG,  werde  jedoch  infolge  Vorliegens  des  Ausschlussgrundes  von  Art.  1F  Bst.  b  FK  von  der  Flüchtlingseigenschaft  ausgeschlossen.  Die  Wegweisung  werde  jedoch  zur Zeit wegen Unzulässigkeit (drohende von Art. 3 der Konvention vom  4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  [EMRK,  SR 0.101]  verbotene  Strafe  oder  Behandlung)  nicht  vollzogen,  und  der  Vollzug  werde  zu  Gunsten  einer  vorläufigen 

E­2284/2007 Aufnahme aufgeschoben. Auf die detaillierte Begründung der Verfügung  wird – soweit urteilsrelevant – in den Erwägungen eingegangen. O.  Der  Beschwerdeführer  reichte mit  Eingabe  vom  28. März  2007  (Datum  Poststempel)  beim  Bundesverwaltungsgericht  gegen  die  vorinstanzliche  Verfügung  Beschwerde  ein  und  beantragte,  es  sei  die  Ziffer  1  der  angefochtenen Verfügung aufzuheben und ihm die Flüchtlingseigenschaft  zuzuerkennen.  In  formeller  Hinsicht  wurde  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  gemäss  Art.  65  Abs.  1  VwVG  sowie  um  Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses ersucht.  P.  Mit  Verfügung  vom  10.  April  2007  wies  das  Bundesverwaltungsgericht  das Gesuch  um Gewährung  der  unentgeltlichen Rechtspflege  im Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  VwVG  mit  Verweis  auf  das  Sicherheitskonto  des  Beschwerdeführers  ab,  verzichtete  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  und  lud  das  BFM  zur  Einreichung  einer  Vernehmlassung ein.  Q.  In  seiner  Vernehmlassung  vom  24.  Mai  2007  beantragte  das  BFM  die  Abweisung der Beschwerde, da sie keine neuen erheblichen Tatsachen  oder  Beweismittel  enthalte,  welche  eine  Änderung  des  vorinstanzlichen  Standpunktes rechtfertigen könnten.  R.  Mit Verfügung  vom 1.  Juni  2007 brachte das Bundesverwaltungsgericht  die Vernehmlassung der Vorinstanz dem Beschwerdeführer zur Kenntnis.  S.  Das BFM  stellte mit  Verfügung  vom  (…)  2009  fest,  dass  die  vorläufige  Aufnahme  des  Beschwerdeführers  infolge  Erteilung  einer  Aufenthaltsbewilligung  seit  (…)  2009  wegen  Vorliegens  eines  schwerwiegenden  persönlichen  Härtefalls  gemäss  Art.  84  Abs.  5  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005  über  die Ausländerinnen  und  Ausländer (AuG, SR 142.20)  i.V.m. Art. 30 Abs. 1 Bst. b AuG erloschen  ist.   T.  Mit  Verfügung  vom  (…)  2009  ersuchte  das  Bundesverwaltungsgericht  den  Beschwerdeführer  innert  Frist  um  Mitteilung,  ob  er  an  der 

E­2284/2007 Beschwerde  (Begehren betreffend Flüchtlingseigenschaft)  festhalte oder  diese  allenfalls  zurückziehe.  Bei  ungenutzter  Frist  zur  Stellungnahme  gehe das Gericht vom Festhalten an den Rechtsbegehren aus und führe  das Verfahren in der gesetzlich vorgesehenen Weise fort.  Der Beschwerdeführer liess die Frist unbenutzt verstreichen.  Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]). 1.2.  Das  Bundesverwaltungsgericht  hat  am  1.  Januar  2007  die  Beurteilung  der  am  31.  Dezember  2006  bei  der  ARK  hängigen  Rechtsmittel übernommen. Das neue Verfahrensrecht ist anwendbar (vgl.  Art.  53 Abs. 2 VGG). Das Verfahren  richtet  sich nach dem VwVG, dem  VGG und dem BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37  VGG und Art. 6 AsylG). 1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht  (Art. 105  AsylG,  Art. 6  AsylG  i.V.m.  Art. 50  und  Art.  52  VwVG).  Der  Beschwerdeführer  ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise Änderung; er ist daher zur Einreichung der Beschwerde  legitimiert  (Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art. 48  Abs. 1  VwVG).  Auf  die  Beschwerde ist einzutreten.

E­2284/2007 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  3.1.  Das  BFM  vertrat  in  seiner  Verfügung  vom  21.  Februar  2007  die  Auffassung,  dass  aufgrund  der  Aktenlage  der  Beschwerdeführer  begründete  Furcht  habe,  asylrelevanten Nachteilen  im Sinne  von Art.  3  AsylG  in seinem Heimatland ausgesetzt  zu werden. Allerdings greife  im  vorliegenden  Fall  der  Ausschlussgrund  von  Art.  1F  Bst.  b  FK,  weshalb  der  Beschwerdeführer  von  der  Flüchtlingseigenschaft  auszuschliessen  sei. Zur Begründung seiner Verfügung  führte das Bundesamt aus, dass  gemäss  Praxis  der  Schweizerischen  Asylbehörden  unter  den  im  vorliegenden Fall  im Vordergrund stehenden Art. 1F Bst. b FK nicht nur  eigenhändig  begangenen  Taten  fallen  würden,  vielmehr  sei  dieser  Tatbestand  auch  dann  erfüllt,  wenn  eine  Person  aufgrund  einer  spezifischen  Aufgabenverteilung  Mittäter,  wenn  sie  wegen  ihrer  vorgesetzten  Funktion  für  derartige  Taten  als  direkt  und  persönlich  mitverantwortlich  zu  erachten  oder  wenn  sie  angesichts  ihrer  hohen  hierarchischen  Position  innerhalb  einer  Organisation  aufgrund  ihres  mitbestimmenden Einflusses insgesamt für deren Taten mitverantwortlich  zu  machen  sei,  weil  sie  in  der  Lage  gewesen  sei,  die  Zielsetzung  der  Organisation mitzuprägen (vgl. EMARK 2005 Nr. 18, EMARK 2002 Nr. 9  sowie EMARK 1999 Nr. 11). Ferner seien gemäss ständiger Praxis des  Bundesgerichtes  und  der  Schweizerischen  Asylbehörden  unter  die  Bestimmung  von  Art.  1F  Bst.  b  FK  nicht  nur  im  engeren  Sinne  rein  gemeinrechtliche Straftaten, sondern unter bestimmten Voraussetzungen  auch  in  einem  politischen  Kontext  verübte  Straftaten,  bei  denen  der  gemeinstrafrechtliche Gehalt  einer Tat  ein allfälliges politisches Moment  klarerweise überwiege, zu subsumieren. Eine Straftat sei demgegenüber  als relativ politisches Delikt zu qualifizieren, wenn die Handlung nicht aus  persönlichen  Gründen  oder  zum  persönlichen  Vorteil  erfolge,  sondern  nach  den  Umständen,  namentlich  nach  den  Beweggründen  und  Zielen  des  Täters,  einen  vorwiegend  politischen  Charakter  habe,  welcher  anzunehmen  sei,  wenn  die  strafbare  Handlung  im  Rahmen  eines  Kampfes  um die Macht  im Staate  erfolge  oder wenn  sie  verübt worden  sei,  um  jemanden  dem Zwang  eines  jede Opposition  ausschliessenden 

E­2284/2007 Staates  zu  entziehen.  Zwischen  solchen  Taten  und  den  angestrebten  Zielen müsse eine direkte und klare Beziehung bestehen (vgl. BGE 106  Ib 309 und BGE 110 lb 285 sowie EMARK 1993 Nr. 8). Indessen hätten  das vom Täter verfolgte politische Ziel und die durch seine Tat verletzten  fremden Rechtsgüter  in einem angemessenen Verhältnis zu stehen; die  Tat  müsse  angesichts  der  damit  verfolgten  Ziele  mindestens  einigermassen  verständlich  erscheinen.  Gravierende,  direkt  gegen  Leib  und  Leben  gerichtete  Straftaten  seien  demgemäss  nur  dann  als  relativ  politische Delikte zu betrachten, wenn die Handlungen das einzige Mittel  seien, um die im Spiel stehenden, elementaren Interessen zu wahren und  das gesetzte politische Ziel zu erreichen, was unter anderem im Rahmen  eines offenen bewaffneten Konfliktes der Fall sein könne (vgl. BGE 106 Ib  309).  Die  LTTE  würden  zur  Umsetzung  ihrer  Ziele  im  Rahmen  ihres  bewaffneten  Kampfes  notorischerweise  massive  Gewaltakte  begehen,  die  insgesamt  als  terroristische  Handlungen  zu  qualifizieren  seien,  die  offenkundig  in keinem angemessenen Verhältnis zu den allenfalls damit  verfolgten politischen Zielen stehen würden. Der Beschwerdeführer habe  innerhalb  des  LTTE­(…)  eine  Kaderstellung  bekleidet,  sich  in  dieser  Funktion  an  (…)  diverser  von  den  LTTE  verübter  Attentate  [auf  zivile  Ziele] –, bei welchen zahlreiche Menschen ums Leben gekommen seien,  beteiligt  und  damit  die  schwerwiegenden  Taten  der  LTTE  objektiv  mitgetragen.  Seine  Aufgabe  habe  darin  bestanden,  [Tätigkeiten].  Im  Übrigen  kenne  er  durch  seine  lange  (…)­Dienstzeit  Strukturen  und  Beteiligte der Attentate. Eine gesamthafte Würdigung all dieser seit  (…)  ausgeübter  Tätigkeiten  und Funktionen  innerhalb  des LTTE­(…) ergebe  klarerweise eine direkte Mitverantwortung des Beschwerdeführers für die  durch die LTTE  im Laufe der Jahre verübten zahlreichen Straftaten, die  im Kern als gemeinstrafrechtliche, gegen Leib und Leben gerichtete, und  nicht  als  politische  Delikte  zu  qualifizieren  seien.  Dieser  Befund  gelte  unabhängig  davon,  ob  der  Beschwerdeführer  innerlich  mit  der  Vorgehensweise  der  LTTE  in  allen  Teilen  einverstanden  gewesen  sei  oder  nicht.  Zudem  habe  er  durch  seinen  Tatbeitrag  auch  subjektiv  zumindest  in  Kauf  genommen,  die  LTTE  durch  sein  Tun  mit  zu  unterstützen.  Angesicht  dessen  sei  von  sowohl  objektiv  überaus  schwerwiegenden  Taten  als  auch  von  einem  subjektiv  schweren  Verschulden  des  Beschwerdeführers  auszugehen.  Auch  eine  diesbezügliche  Güterabwägung  zwischen  der  objektiven  Verwerflichkeit  seiner  Taten  und  seiner  subjektiven  Schuld  einerseits,  unter  Berücksichtigung  möglicher  Schuldminderungsgründe,  sowie  seinem  Schutzinteresse  vor  einer  ihm  drohenden  Verfolgung  in  seinem  Heimatstaat  andererseits,  vermöge  vorliegend  zu  keinem  anderen 

E­2284/2007 Resultat zu führen (vgl. EMARK 1993 Nr. 8). Eine Anwendung von Art. 1F  Bst. b  FK  sei  deshalb  auch  unter  diesem  Aspekt  als  angemessen  zu  erachten.  Der  Beschwerdeführer  erfülle  demnach  die  Flüchtlingseigenschaft  im Sinne von Art. 3 AsylG;  infolge des Vorliegens  der Ausschlussgrundes von Art. 1F Bst. b FK sei der Beschwerdeführer  jedoch von der Flüchtlingseigenschaft auszuschliessen.  3.2.  Dem  wurde  in  der  Rechtsmitteleingabe  entgegengehalten,  dem  Beschwerdeführer  seien  die  tragischen  Auswirkungen  der  in  Frage  stehenden  Anschläge  durch  die  LTTE  zwar  sehr  wohl  bewusst  und  er  bereue diese Taten. Trotzdem würde seine Rolle innerhalb des LTTE­(…)  und der Grad der Verantwortung  für  diese Taten  zur Diskussion  stehen  (dazu  werde  auf  die  Eingabe  des  Rechtsvertreters  an  das  BFM  vom  28. November  2006  verwiesen).  Gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  sei  der  Ausschluss  von  der  Flüchtlingseigenschaft (im Gegensatz zum Asylausschluss) im Sinne von  Art.  1F  FK  auf  Personen  ausgerichtet,  welche  "in  der  Lage  waren,  die  politischen  Zielsetzungen  der  Organisation mitzuprägen"  (EMARK  2002  Nr.  9  S.  79  sowie  EMARK  1999  Nr. 11  S.  80  f.,  EMARK  2006  Nr.  29  S. 314  u.a.m.).  Dies  treffe  im  vorliegenden  Fall  jedoch  aus  folgenden  Gründen nicht zu: Er sei, wie bereits  in der Beschwerdeergänzung vom  11. August 2003 dargelegt worden sei, im Jahre (…) gegen seinen Willen  von  den  LTTE  zwangsrekrutiert  und  sei  anschliessend  zum  (…)  abkommandiert worden. Dafür, dass er keine Kaderposition  in der LTTE  innegehabt  habe,  spreche  die   Tatsache,  dass  er  zwar  Leute  habe  befehligen, die von ihm erarbeiteten Rapporte jedoch stets seinem Leiter  habe vorlegen müssen; somit sei er selber bloss reiner Befehlsempfänger  gewesen;  dies  sei  der  Konstellation  von  EMARK  1999  Nr.  11  S.  82  ähnlich, wo die Beschwerde gutgeheissen worden sei. Zudem lasse sich  aufgrund  der  Tatsache,  dass  er  die  inneren  Strukturen  des  LTTE­(…)  kenne,  was  sich  lediglich  durch  die  jahrelange  Tätigkeit  ergeben  habe,  nicht  einfach  darauf  schliessen,  dass  er  eine  Kaderfunktion  ausgeübt  habe.  Zusammenfassend  lasse  sich  daher  festhalten,  dass  er  keineswegs  derart  im  Zentrum  der  Macht  gestanden  sei  (vgl.  EMARK  1999  Nr.  11  S.  81  f.),  dass  er  auf  die  Taktik  der  LTTE  einen  mitbestimmenden Einfluss habe nehmen können. Seit (…) sei er zwar als  [Tätigkeit]  (…)  an  (…)  Attentaten  auf  zivile  Ziele  beteiligt  gewesen,  die  Beteiligung beschränke sich aber auf [Tätigkeit]. Dafür, dass er in seiner  Tätigkeit  für  die  LTTE  nicht  in  eigener  Überzeugung  und  aus  freiem  Willen  gehandelt  habe,  spreche  ferner  die  bereits  in  der  Beschwerdeergänzung  erwähnte  Rüge  von  seinem  Leiter  in  Bezug  auf 

E­2284/2007 seine  nicht  zur  Zufriedenheit  der  LTTE  ausgeführten  Tätigkeiten  sowie  die angebliche Tatsache, dass er sich im Jahre (…), sobald sich ihm die  Möglichkeit  geboten  habe,  von  den  LTTE  abgesetzt  habe.  Dass  er  die  verheerenden Konsequenzen seiner Tätigkeit  für den LTTE­(…)  in Kauf  genommen habe beziehungsweise habe nehmen müssen, habe mehr mit  den  internen  Zwängen  der  LTTE­Struktur,  denen  man  sich  kaum  entziehen  könne,  als  mit  fahrlässiger  Gleichgültigkeit  oder  gar  Befürwortung  zu  tun.  Daher  könne  ihm  kein  schweres  Verschulden  angelastet  werden.  Aus  den  genannten  Gründen  könne  ihm  keine  unmittelbare  Mitverantwortung  für  die  Taten  der  LTTE  zur  Last  gelegt  werden. Die hohe Schwelle zur Annahme eines Ausschlussgrundes nach  Art. 1F FK sei insofern nicht erreicht. Der Beschwerdeführer habe folglich  glaubhaft machen  können,  dass  er  in  Sri  Lanka  von  den  LTTE  verfolgt  werde und erfülle somit die Flüchtlingsgeigenschaft. 4.  4.1.  Praxisgemäss,  und  in  Übereinstimmung  mit  entsprechenden  Richtlinien  des  United  Nations  High  Commissioner  for  Refugees  [UNHCR] (vgl. BVGE 2010/44 E.5.2 sowie BVGE 2010/43 E. 5.3.2.1), ist  der Einschluss der Flüchtlingseigenschaft gemeinhin vor dem Ausschluss  im  Sinne  von  Art.  1F  FK  zu  prüfen.  Eine  Ausnahme  von  diesem  Grundsatz rechtfertigt sich gemäss UNHCR allerdings, wenn Anklage vor  einem  internationalen  Strafgericht  erhoben  wurde,  offensichtliche  Beweise  vorliegen,  dass  die  asylsuchende  Person  in  ein  besonders  schweres Verbrechen – wie namentlich im Sinne von bedeutenden Fällen  nach Art. 1F Bst.  c FK –  involviert  ist oder die Frage des Ausschlusses  den  Gegenstand  des  Rechtsmittelverfahrens  bildet  (vgl. UNHCR­ Richtlinien zur Auslegung der Ausschlussklauseln Art. 1F Bst. a­c FK vom  4.  September  2003  [UNHCR­Richtlinien],  Ziff.  31.).  Das  Bundesverwaltungsgericht  hat  sich  dem  Grundsatz  "inclusion  before  exclusion"  und  der  genannten  Betrachtungsweise  grundsätzlich  angeschlossen  (vgl.  namentlich  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  E­7772/2006  vom  22.  Juni  2007  E.  4.8.2  sowie  E­2190/2010  vom  25.  August 2010 E.4.4.2). Das  BFM  hat  in  seiner  Verfügung  vom  21.  Februar  2007  bereits  festgestellt,  dass  der  Beschwerdeführer  die  Flüchtlingseigenschaft  gemäss  Art. 3  AsylG  erfülle.  Dieser  Einschätzung  ist  zuzustimmen.  Folglich erübrigen sich weitere Ausführungen hierzu. 

E­2284/2007 4.2. Die Vorinstanz erachtete indessen den Ausschlussgrund von Art. 1F  Bst. b  FK  als  gegeben,  weshalb  es  den  Beschwerdeführer  von  der  an  sich  bestehenden  Flüchtlingseigenschaft  ausschloss  und  dessen  Asylgesuch ablehnte. In der angefochtenen Verfügung ging das BFM von  der           – vom Beschwerdeführer selber nicht bestrittenen – Beteiligung  an  diversen  Anschlägen  (…)  aus,  welche  als  besonders  schwere  Verbrechen  des  gemeinen  Rechts  im  Sinne  von  Art. 1F  Bst.  b  FK  zu  qualifizieren seien. 4.3.  4.3.1.  Gemäss  Art.  1F  FK  sind  die  Bestimmungen  der  Flüchtlingskonvention  nicht  anwendbar  auf  Personen,  bei  denen  ernsthafte  Gründe  für  den  Verdacht  bestehen,  dass  sie  ein  schweres  Verbrechen  des  gemeinen  Rechts  ausserhalb  des  Zufluchtlandes  begangen  haben,  bevor  sie  dort  als  Flüchtling  aufgenommen  worden  sind.  UNHCR  führt  hierzu  erläuternd  aus,  die  begangenen  ungeheuerlichen Taten müssten so verabscheuungswürdig sein, dass die  Personen  –  auch  wenn  sie  begründete  Furcht  vor  Verfolgung  aus  Konventionsgründen  haben  –  nicht  würdig  sind,  internationalen  Rechtsschutz  nach  der  Flüchtlingskonvention  zu  erhalten.  Es  ist  allerdings  nicht  jeder  Straftäter  von  der  Flüchtlingseigenschaft  auszuschliessen,  sondern  nur  derjenige,  der  sich  schwerer  und  unannehmbarer  Handlungen  schuldig  gemacht  hat  (vgl. UNHCR  "Auslegung  von  Artikel  1  des  Abkommens  von  1951  über  die  Rechtstellung  der  Flüchtlinge"  zum  UNHCR­Handbuch  über  Verfahren  und  Kriterien  zur  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  gemäss  dem  Abkommen  von  1951  und  dem  Protokoll  von  1967  über  die  Rechtsstellung der Flüchtlinge, Genf 1979, Neuauflage: 2003, vom April  2007  [Auslegung  von  Artikel  1  des  Abkommens  von  1951  über  die  Rechtstellung der Flüchtlinge zum UNHCR­Handbuch], Ziff. 41; UNHCR,  Background Note on the Application of the Exclusion Clauses: Article 1 F  of  the  1951  Convention  relating  to  the  Status  of  Refugees  [UNHCR  Background Note], Ziff. 38  ff.). Art. 1F Bst. b FK, welcher – ebenso wie  die beiden anderen Tatbestandsvarianten von Art. 1F FK – in Anbetracht  der  schwerwiegenden  Folgen,  die  ein  Ausschluss  für  die  betreffende  Person  hat,  restriktiv  auszulegen  ist  (vgl. Auslegung  von  Artikel  1  des  Abkommens  von  1951  über  die  Rechtstellung  der  Flüchtlinge  zum  UNHCR­Handbuch,  a.a.O.,  Ziff.  38),  schliesst  mithin  Personen  vom  Flüchtlingsstatus  aus,  die  sich  der  legitimen  strafrechtlichen  Verfolgung  wegen schwerer nichtpolitischer Verbrechen entziehen wollen, und zwar 

E­2284/2007 auch  dann,  wenn  sie  an  sich  die  nötigen  Voraussetzungen  für  den  Flüchtlingsstatus  erfüllen.  Einerseits  trägt  diese  Bestimmung  offensichtlich dem legitimen Anliegen der Staaten Rechnung, ihre Bürger  zu  schützen,  andererseits  garantieren  die  zahlreichen  Vorbedingungen,  die  in  diese  Bestimmung  aufgenommen  worden  sind,  dass  der  Schutz  von  Flüchtlingen,  die  weniger  schwere  Straftaten  verübt  haben,  weiter  gewährleistet ist (vgl. Auslegung von Artikel 1 des Abkommens von 1951  über  die  Rechtstellung  der  Flüchtlinge  zum  UNHCR­Handbuch,  a.a.O.,  Ziff. 44).  4.3.2. Bei der Unterscheidung, ob ein Vergehen eine nichtpolitische oder  eine  politische Straftat  darstellt,  hält  sich  das Bundesverwaltungsgericht  an  die  einschlägige  Rechtsprechung  des  Bundesgerichts  im  Auslieferungsrecht  (vgl.  insbesondere  BGE  106  Ib  297).  Dabei  ist  in  erster Linie zu beachten, um was für ein Verbrechen es sich handelt und  welcher  Zweck mit  der Straftat  verfolgt wurde. Bei  der Begehung  eines  politischen  Deliktes  muss  ein  enger  und  direkter  kausaler  Zusammenhang  zwischen  dem  begangenen  Verbrechen  und  dem  angeblich politischen Zweck und Ziel des Verbrechens bestehen. Bei der  Straftat soll auch das politische Element dasjenige nach gemeinem Recht  überwiegen.  Dies  ist  nicht  der  Fall,  wenn  die  begangenen  Straftaten  in  grobem Missverhältnis zu dem angeblich erstrebten Ziel stehen. Wird die  Straftat  besonders  grausam  begangen,  ist  es  schwer,  ihren  politischen  Charakter  zu  akzeptieren.  Der  politischen  Charakter  ist  insbesondere  dann  anzunehmen,  wenn  mit  dem  Delikt  überwiegend  politische  Ziele  verfolgt  wurden  und  die  Tat  im  Gesamtkontext  des  Einzelfalles  verhältnismässig erscheint (vgl. UNHCR­Richtlinien, Ziff. 15; vgl. auch die  zutreffenden  Ausführungen  in  der  angefochtenen  Verfügung).  Hat  ein  Delikt nach den Beweggründen und Zielen des Täters einen vorwiegend  politischen  Charakter,  so  ist  die  Straftat  als  relativ  politisches  Delikt  zu  bezeichnen, bei welchem das vom Täter verfolgte politische Ziel und die  durch die Tat verletzten Rechtsgüter  in einem angemessenen Verhältnis  stehen  müssen.  Schwere,  gegen  Leib  und  Leben  gerichtete  Straftaten  können  nur  dann  als  solch  relativ  politische Delikte  bezeichnet werden,  wenn  die  Handlungen  das  einzige  Mittel  sind,  um  die  im  Spiele  stehenden,  elementaren  Interessen  zu  wahren  und  das  gesetzte  politische  Ziel  zu  erreichen  (vgl.  BGE  106  Ib  309,  BGE 110  1b  285,  EMARK 1993 Nr. 8). Terroristische Straftaten sind in aller Regel nicht als  politische  Delikte  zu  werten  (vgl.  UNHCR­Richtlinien  Ziff.  15;  UNHCR  Background Note Ziff. 41 und 79 ff.). http://links.weblaw.ch/BGE-106-IB-307 http://links.weblaw.ch/BGE-106-IB-307 http://links.weblaw.ch/BGE-106-IB-307 http://links.weblaw.ch/BGE-106-IB-307 http://links.weblaw.ch/BGE-106-IB-307 http://links.weblaw.ch/EMARK-1993/8 http://links.weblaw.ch/EMARK-1993/8 http://links.weblaw.ch/EMARK-1993/8 http://links.weblaw.ch/EMARK-1993/8 http://links.weblaw.ch/EMARK-1993/8 http://links.weblaw.ch/EMARK-1993/8 http://links.weblaw.ch/EMARK-1993/8

E­2284/2007 4.3.3.  Ein  weiteres  Tatbestandselement  ist  die  individuelle  Verantwortlichkeit  des  Täters  für  das  ihm  zur  Last  gelegte  Delikt.  Die  Anwendung  von  Art. 1F  Bst.  b  FK  schliesst  nicht  aus,  dass  auch  hohe  Führungspersonen  in  Organisationen,  die  als  Mittel  der  Zielerreichung  terroristische Handlungen  begehen  und  dabei  schwere  Verbrechen  des  gemeinen  Rechts  in  Kauf  nehmen,  die  Verantwortung  für  deren  Handlungen  zu  tragen  haben  und  sich  solche  Verbrechen  anrechnen  lassen  müssen  (vgl.  EMARK  2005  Nr. 18  E.  6.2  u.  E  6.3  mit  weiteren  Hinweisen; EMARK 1999 Nr. 11;  vgl. die  systematische Einordnung der  Ausführungen zur Verantwortlichkeit in UNHCR­Richtlinien, Ziff. 18 ff.). In  Anbetracht  der  Tragweite  eines Ausschlusses  vom Anwendungsbereich  der  Flüchtlingskonvention  ist  jedoch  von  einer  pauschalen  und  undifferenzierten Zurechnung der Verantwortlichkeit Abstand zu nehmen  (vgl.  UNHCR­Richtlinien,  Ziff.  19;  vgl. zum  Ganzen  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts E­4286/2008 vom 17. Oktober 2008). 4.3.4. Falls die Beurteilung eines Asylgesuches schliesslich ergibt, dass  effektiv  ein  schweres  gemeinrechtliches  Delikt  begangen  wurde,  ist  die  Anwendung  der  Ausschlussklausel  von  Art.  1F  Bst.  b  FK  auf  ihre  Verhältnismässigkeit  hin  zu  überprüfen.  Im  Rahmen  dieser  Güterabwägung  sind  die  Folgen  des  Ausschlusses  von  der  Flüchtlingseigenschaft  der  Schwere  der  Tat  gegenüberzustellen.  Lässt  sich  im  Rahmen  einer  solchen  Güterabwägung  feststellen,  dass  das  Schutzinteresse  des  Täters  vor  der  ihm  drohenden  Verfolgung  im  Heimatland  im  Vergleich  zur  Verwerflichkeit  seines  Verbrechens  und  seiner subjektiven Schuld als geringer erscheint, so ist der Asylsuchende  vom Anwendungsbereich der Konvention auszuschliessen (vgl. UNHCR­ Richtlinien,  Ziff.  24  sowie  die weiterhin  zutreffende Rechtsprechung  der  ARK  in  EMARK  1993  Nr.  8  E.  6a  und  das  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts E­4286/2008 vom 17. Oktober 2008). 4.4.  Das  Bundesverwaltungsgericht  gelangt  nach  eingehender  Prüfung  der Akten in Übereinstimmung mit der Vorinstanz zum Schluss, dass sich  der  Beschwerdeführer  schwerer  und  unannehmbarer  Handlungen  schuldig gemacht hat. Wie von  ihm unbestritten, war er an diversen seit  (…)  von  der  LTTE  verübten  Anschlägen  (…),  bei  welchen  zahlreiche  Menschen ums Leben gekommen sind, beteiligt.  Zur  Umsetzung  ihrer  politischen  Ziele,  nämlich  die  Erlangung  der  Unabhängigkeit des Nordens und Ostens Sri Lankas, beging die LTTE im  Laufe  der  Jahre  notorischerweise  massive  Gewaltakte,  bei  welchen  es  http://links.weblaw.ch/EMARK-2005/18 http://links.weblaw.ch/EMARK-2005/18 http://links.weblaw.ch/EMARK-2005/18 http://links.weblaw.ch/EMARK-2005/18 http://links.weblaw.ch/EMARK-2005/18 http://links.weblaw.ch/EMARK-2005/18 http://links.weblaw.ch/EMARK-2005/18 http://links.weblaw.ch/EMARK-1999/11 http://links.weblaw.ch/EMARK-1999/11 http://links.weblaw.ch/EMARK-1999/11 http://links.weblaw.ch/EMARK-1999/11 http://links.weblaw.ch/EMARK-1999/11 http://links.weblaw.ch/EMARK-1999/11 http://links.weblaw.ch/EMARK-1999/11 http://links.weblaw.ch/EMARK-1993/8 http://links.weblaw.ch/EMARK-1993/8 http://links.weblaw.ch/EMARK-1993/8 http://links.weblaw.ch/EMARK-1993/8 http://links.weblaw.ch/EMARK-1993/8 http://links.weblaw.ch/EMARK-1993/8 http://links.weblaw.ch/EMARK-1993/8 http://links.weblaw.ch/BVGer-E-4286/2008

E­2284/2007 sich    –  wie  die  Vorinstanz  richtig  festhielt  –  im  Kern  um  gemeinstrafrechtliche,  gegen  Leib  und  Leben  von  Zivilpersonen  gerichtete  Delikte  handelt.  Diese  durch  die  Organisation  zu  verantwortenden Taten sind als terroristische Handlungen und folglich als  gemeinrechtliche  Straftaten  zu  qualifizieren.  Demnach  ist  den  verübten  Anschlägen  durch  die  LTTE  ein  politischer  Charakter  abzusprechen,  zumal  die  Gewaltakte  offenkundig  in  keinem  angemessenen  Verhältnis  zu  den  damit  angestrebten  politischen  Zielen  der  Organisation  stehen.  Der Umstand, dass die Schweiz die LTTE offiziell nicht zur terroristischen  Organisation  im  Sinne  von  Art.  260ter  des  Schweizerischen  Strafgesetzbuchs vom 21. Dezember 1937 (StGB, SR 311.0) erklärt hat,  verbunden mit  der Möglichkeit,  die Mitgliedschaft  in  dieser Organisation  strafrechtlich zu sanktionieren, ändert nichts an der Beurteilung, dass der  terroristische Aspekt  der  oben  beschriebenen Delikte  der  LTTE  nicht  in  Abrede  zu  stellen  ist,  sondern  besagt  einzig,  dass  nicht  bereits  die  Zugehörigkeit zur LTTE an sich einen Straftatbestand erfüllt.  Der Argumentation des ehemaligen Rechtsvertreters, vorliegend komme  allein  Art.  1F  Bst.  a  FK  im  Hinblick  auf  einen  Ausschluss  des  Beschwerdeführers von der Flüchtlingseigenschaft  in Frage, weil es sich  bei  den  fraglichen  Beteiligungen  des  Beschwerdeführers  –  wenn  überhaupt – um relative politische Delikte handle, kann somit nicht gefolgt  werden. 4.5. Das  Gericht  geht  –  in  Übereinstimmung  mit  der  Vorinstanz  –  von  einer  Verantwortlichkeit  des  Beschwerdeführers  als  Mittäter  für  die  von  den LTTE begangenen Gewaltakte (…) in den Jahren (…) aus, an denen  er  durch  seine  Handlung  direkt  beteiligt  war.  Es  erachtet  es  als  zutreffend, dass sich der Beschwerdeführer aufgrund seiner spezifischen  Aufgabenverteilung  –  [konkrete  Tätigkeiten]  –  sowie  dem  ihm  dadurch  zukommenden mitbestimmenden  Einfluss  auf  die  Art  der  Verübung  der  Anschläge  und  die  Zielsetzungen  der  Organisation  die  folgenden  verübten  und  von  ihm  unbestrittenen  Attentate  der  LTTE  anrechnen  lassen muss: [Aufzählung der Attentate]. Zum Einwand, sein Beitrag habe  sich  lediglich auf  [Tätigkeit] beschränkt, er habe – selbst wenn er Leute  habe  befehligen  müssen  –  die  von  ihm  erarbeiteten  Rapporte  stets  seinem  Vorgesetzten  vorlegen  müssen  und  sei  somit  selber  lediglich  Befehlsempfänger  gewesen  (…),  gilt  es  Folgendes  anzumerken:  Als  allgemein  anerkanntes  Rechtsprinzip  gilt,  dass  das  Handeln  auf  Befehl  nicht  von  der  Verantwortung  entbindet.  Dieser  Grundsatz  liegt  auch  völkerrechtlichen Regelungen  zentral  zu Grunde  (vgl.  insbesondere Art. 

E­2284/2007 33 des Römer Statuts des Internationalen Strafgerichtshofs vom 17. Juli  1998, SR 0.312.1). Die Verteidigung des Handelns auf Befehl kommt nur  in  Betracht,  wenn  eine  Person  rechtlich  verpflichtet  war,  dem  Befehl  nachzukommen, von dessen Gesetzeswidrigkeit keine Kenntnis hatte und  der  Befehl  an  sich  nicht  offensichtlich  rechtswidrig  war  (vgl.  UNHCR­ Richtlinien  Ziff.  21  ff.).  Vorliegend  ist  keine  dieser  Voraussetzungen  offensichtlich  erfüllt.  Auch  die  Vorbringen,  er  habe  die  verheerenden  Konsequenzen seiner Tätigkeit  für  [LTTE] aufgrund  interner Zwänge der  LTTE­Struktur – er sei zwangsrekrutiert worden, habe sich im Jahre (…),  sobald  sich  ihm  die  Gelegenheit  geboten  habe,  jedoch  von  den  LTTE  abgesetzt  –  in  Kauf  nehmen  müssen,  vermögen  die  vorstehenden  Erwägungen  nicht  umzustossen.  Ob  der  Beschwerdeführer  dabei  eine  hochrangigen  Führungsposition  innehatte,  kann  offengelassen  werden,  da er aufgrund seiner Tatbeiträge und Einflussnahme auf das Vorgehen  der Organisation für die von den LTTE begangenen obgenannten Delikte  als direkt und persönlich mitverantwortlich zu erachten ist.  Angesichts  der  hinreichenden  Möglichkeit  einer  differenzierten  Zurechnung  der  Verantwortlichkeit  sowie  seiner  direkten  Einflussnahme  auf  die  (…)­Handlungen  der  LTTE  ist  die  individuelle  Verantwortlichkeit  des Beschwerdeführers  für die  ihm zur Last gelegten gemeinrechtlichen  Delikte zu bejahen.  4.6. Schliesslich  ist  die  Anwendung  der  Ausschlussklausel  von  Art.  1F  Bst. b FK auf ihre Verhältnismässigkeit hin zu überprüfen.  Die  Vorinstanz  stellte  in  ihrer  Verfügung  zu  Recht  fest,  auch  eine  Güterabwägung  zwischen  der  objektiven  Verwerflichkeit  der  Taten  des  Beschwerdeführers  und  seiner  subjektiven  Schuld  einerseits  sowie  seinem  Schutzinteresse  vor  einer  allenfalls  drohenden  Verfolgung  im  Heimatstaat  andererseits  vermöge  zu  keinem  anderen  Resultat  als  zu  dem  des  Ausschlusses  von  der  Flüchtlingseigenschaft  zu  führen  (vgl.  EMARK  1993  Nr. 8  E. 6a).  Sodann  ist  darauf  hinzuweisen,  dass  der  Beschwerdeführer  zwar  seine  Reue  kundgetan  und  von  seinen  kriminellen Aktivitäten Abstand genommen respektive sich von den LTTE  abgewandt  hat,  er  jedoch  seine  Taten  bis  dato  nicht  sühnen  musste.  Immerhin  kann  festgehalten  werden,  dass  nicht  davon  auszugehen  ist,  dass  der  Beschwerdeführer  eine  potenzielle  Gefahr  für  die  Schweizerische  Bevölkerung  darstellt.  Zudem  liegen  die  Taten  bereits  Jahre  zurück  und  bis  dato  hat  der Beschwerdeführer  in  der Schweiz  in  keiner  Form  zu  Klagen Anlass  gegeben.  Allerdings  gilt  es  festzuhalten, 

E­2284/2007 dass der Umstand,  dass  die Taten  bereits mehrere  Jahre  zurückliegen,  die  Schwere  der  begangenen  Verbrechen  –  die  Attentate  haben  zahlreiche  Menschenleben  gefordert  –  nicht  aufzuwiegen  vermag.  Im  Übrigen  würde  die  Verfolgungsverjährung  für  die  Taten  (…)  noch  nicht  greifen (vgl. als Richtwert für die Verjährung Art. 97 StGB).  Überdies erscheint der Ausschluss aus der Flüchtlingseigenschaft auch in  Anbetracht  des  Umstandes,  dass  der  Beschwerdeführer  vom  BFM  vorläufig  aufgenommen  wurde  und  inzwischen  über  eine  Aufenthaltsbewilligung  verfügt  (vgl.  Bst.  S)  und  der  Ausschluss  aus  der  Flüchtlingseigenschaft daher nicht die Rückschaffung  in das Heimatland  zur  Folge  hat,  verhältnismässig.  Die  dem  Beschwerdeführer  möglicherweise drohende Verfolgung seitens der sri­lankischen Behörden  wird  allenfalls  im  Rahmen  einer  Prüfung  der  Aufhebung  der  Aufenthaltsbewilligung  respektive  einer  allfälligen  erneuten  Anordnung  einer vorläufigen Aufnahme zu berücksichtigen sein.  Schliesslich  sind  allfällige  Schuldminderungsgründe  nicht  ersichtlich,  da  weder das Alter noch der Tatbeitrag  respektive die Form der Teilnahme  als Gründe in Betracht kommen.  Nach  dem  Gesagten  erscheint  das  Schutzinteresse  des  Beschwerdeführers vor der ihm drohenden Verfolgung im Heimatland im  Vergleich  zur  Verwerflichkeit  seiner  Verbrechen  und  seiner  subjektiven  Schuld geringer. Eine Anwendung von Art. 1F Bst. b FK und folglich ein  Ausschluss  vom Anwendungsbereich  der Konvention  ist  demnach  auch  unter  dem  Gesichtspunkt  der  Verhältnismässigkeit  als  angemessen  zu  erachten.  4.7. Vor  dem Hintergrund  vorstehender  Erwägungen  und  in Würdigung  der  Gesamtumstände  geht  das  Bundesverwaltungsgericht  davon  aus,  dass  hinsichtlich  der  Anwendbarkeit  der  Ausschlussklausel  von  Art.  1F  Bst. b FK die vorinstanzliche Verfügung zu bestätigen ist. Die Vorinstanz  hielt  zu Recht  und mit  treffender  Begründung  fest,  dass  die  (...)  in  den  Jahren  (…)  begangen  gemeinrechtlichen  Delikte  der  LTTE,  für  welche  der Beschwerdeführer Mitverantwortung trägt, einen Ausschluss im Sinne  der FK begründen. Das Schutzinteresse des Beschwerdeführers ist dabei  – wie  die  Vorinstanz  richtig  ausführte  –  geringer  einzustufen  als  die  Verwerflichkeit  der  begangenen  Taten.  Aus  dem  Gesagten  ergibt  sich  folglich,  dass  ein  Ausschlussgrund  nach  Art.  1F  Bst. b  FK  vorliegt.  Der  Beschwerdeführer  ist  daher  von  der  Flüchtlingseigenschaft,  welche  er 

E­2284/2007 zwar  erfüllt,  auszuschliessen  und  mithin  nicht  als  Flüchtling  anzuerkennen. 5.  Das  BFM  stellte  mit  Verfügung  vom  12.  Januar  2009  fest,  dass  die  vorläufige  Aufnahme  des  Beschwerdeführers  infolge  Erteilung  einer  Aufenthaltsbewilligung  seit  (…)  2009  wegen  Vorliegens  eines  schwerwiegenden  persönlichen  Härtefalls  gemäss  Art.  84  Abs.  5  AuG  i.V.m.  Art.  30  Abs.  1  Bst.  b  AuG  erloschen  ist.  Demnach  kann  eine  Erörterung  des  Wegweisungsvollzugs  beziehungsweise  des  Bestehens  von Vollzugshindernissen unterbleiben. 6.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art.  106  AsylG).  Die  Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 7.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  wären  die  Kosten  dem  Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG).  Mit  Verfügung  vom  10. April  2007  wies  das  Bundesverwaltungsgericht  das Gesuch  um Gewährung  der  unentgeltlichen Rechtspflege  im Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  VwVG  mit  Verweis  auf  das  Sicherheitskonto  des  Beschwerdeführers ab. Diesbezüglich  ist  festzuhalten,  dass  mit  der  Asylgesetzrevision  vom  16. Dezember 2005  (in Kraft  seit 1.  Januar 2008) eine Änderung dieser  Praxis  einhergegangen  ist. Nach  dem bis Ende  2007  geltenden Art.  86  Abs.  1  aAsylG  (AS  1999  2262)  waren  Asylsuchende  verpflichtet,  unter  anderem  auch  für  die  Kosten  des  Rechtsmittelverfahrens  Sicherheit  zu  leisten. Mit dem Inkrafttreten der neuen Bestimmung am 1. Januar 2008  wurde  die  bisherige  Sicherheitsleistungspflicht  durch  die  sogenannte  Sonderabgabe  ersetzt.  Diese  dient  gemäss  revidiertem  Art.  86  Abs.  1  AsylG "zur Deckung der Gesamtkosten, welche alle diese erwerbstätigen  Personen (...) verursachen" und kann daher nicht mehr zur  individuellen  Kostendeckung  herangezogen  werden.  Nach  dem  Gesagten  ist  die  Dispositivziffer  1  der  Verfügung  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom  10. April 2007 aufzuheben. Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  VwVG  wird  wiedererwägungsweise 

E­2284/2007 gutgeheissen,  nachdem  die  Rechtsbegehren  im  Zeitpunkt  ihrer  Einreichung  nicht  aussichtslos  waren  und  sich  in  den  Akten  keine  Hinweise darauf finden, dass der Beschwerdeführer nicht bedürftig ist. Es  sind  daher  keine  Verfahrenskosten  aufzuerlegen  (Art.  6  Bst.  b  des  Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen  vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite)

E­2284/2007 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das Gesuch um Gewährung der  unentgeltlichen Rechtspflege  im Sinne  von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird wiedererwägungsweise gutgeheissen. Es  werden keine Verfahrenskosten erhoben. 3.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Christa Luterbacher Natasa Stankovic Versand:

E-2284/2007 — Bundesverwaltungsgericht 21.07.2011 E-2284/2007 — Swissrulings