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Bundesverwaltungsgericht 11.11.2011 E-2282/2009

11 novembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,249 parole·~6 min·2

Riassunto

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 10. März 2009

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung V E­2282/2009 Urteil   v om   1 1 .   No v embe r   2011 Besetzung Richterin Regula Schenker Senn (Vorsitz), Richter Walter Stöckli, Richter Jean­Pierre Monnet, Gerichtsschreiberin Néomie Nicolet. Parteien A._______, B._______, C._______, D._______, Eritrea, alle vertreten durch E._______, Advokatur Kanonengasse, Beschwerdeführende,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 10. März 2009 / N (…).

E­2282/2009 Sachverhalt: A.   Gemäss  eigenen  Angaben  verliessen  die  Beschwerdeführenden  (ein  religiös  getrautes  Paar  mit  ihren  beiden  Kindern)  ihren  Heimatstaat  Eritrea am 11. September 2007 und reisten über den Sudan, Libyen und  Italien  am  14.  November  2007  von  Italien  her  kommend  illegal  in  die  Schweiz  ein,  wo  sie  gleichentags  um  Asyl  nachsuchten.  Anlässlich  der  Kurzbefragungen  vom  21. November  2007  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  (EVZ)  F._______  und  der  Anhörungen  vom  13.  Dezember 2007 zu den Asylgründen machten die Beschwerdeführenden  im Wesentlichen Folgendes geltend: Der  Beschwerdeführer  sei  in  Asmara,  wo  die  Familie  ihren  Wohnsitz  gehabt  habe,  als  Händler  tätig  gewesen.  Ein  Freund  habe  die  Ware,  hauptsächlich  Kleider,  aus  dem  Ausland  geholt  und  er  (der  Beschwerdeführer)  habe  diese  anschliessend  an  die  Läden  verteilt.  Bei  schlechtem  Geschäftsgang  habe  er  nebenbei  als  Taxichauffeur  gearbeitet. Ab April  2007 sei er  von Soldaten mehrfach angehalten und  des  illegalen  Devisenhandels  und  der  Fluchthilfe  bezichtigt  worden.  Er  habe jeweils hohe Geldbeträge zahlen müssen. Als Soldaten später auch  bei  ihnen  (Beschwerdeführenden)  zuhause  vorbeigekommen  seien,  hätten sie sich gezwungen gesehen, das Land zu verlassen.  Als  Beweismittel  reichte  der  Beschwerdeführer  seine  eritreische  Identitätskarte zu den Akten. B.  Am  (…)  wurde  das  (nicht  rubrizierte)  Kind  G._______  der  erst­  und  zweitrubrizierten  Beschwerdeführenden  geboren  und  in  der  Folge  vom  Beschwerdeführer als das seine anerkannt.  C.  Mit Verfügung vom 10. März 2009 – eröffnet am 11. März 2009 – lehnte  das  BFM  die  Asylgesuche  der  Beschwerdeführenden  ab  und  ordnete  deren  Wegweisung  aus  der  Schweiz  an.  Das  Bundesamt  verzichtete  zufolge  Unzulässigkeit  auf  den  Vollzug  der Wegweisung  und  gewährte  den Beschwerdeführenden die vorläufige Aufnahme. Auf die Begründung  wird, soweit entscheidwesentlich, in den Erwägungen eingegangen.  D.  Mit  Beschwerdeeingabe  vom  8.  April  2009  (gemäss  Poststempel) 

E­2282/2009 beantragten  die  Beschwerdeführenden  die  Aufhebung  der  Ziffern  1  (Nichterfüllung  der  Flüchtlingseigenschaft)  und  2  (Ablehnung  der  Asylgesuche)  der  vorinstanzlichen  Verfügung,  die  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  und  die  Gewährung  der  vorläufigen  Aufnahme  sowie  in  prozessualer  Hinsicht  die  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  für  die  Verfahrenskosten  und  den  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses.  Auf  die  Begründung  wird,  soweit  entscheidwesentlich, in den Erwägungen eingegangen.  E.  Mit  Verfügung  vom  15.  April  2009  bestätigte  das  Bundesverwaltungsgericht den Eingang der Beschwerde. F.  Mit Verfügung vom 17. April 2009 verzichtete die Instruktionsrichterin auf  die Erhebung eines Kostenvorschusses und hielt  fest, über die weiteren  Anträge werde zu einem späteren Zeitpunkt befunden. Gleichzeitig wurde  der Vorinstanz Frist gesetzt zur Vernehmlassung. G.  Am 1. Mai 2009 reichte das BFM eine Vernehmlassung ein, mit welcher  es die Abweisung der Beschwerde beantragte. Für die Begründung wird,  soweit wesentlich, auf die Erwägungen verwiesen. Das  Bundesverwaltungsgericht  brachte  die  Vernehmlassung  den  Beschwerdeführenden am 5. Mai 2009 zur Kenntnis und gewährte Frist  zur Stellungnahme.  Mit Replik vom 25. Mai 2009 hielten die Beschwerdeführenden an  ihren  Beschwerdeanträgen fest. Für den Inhalt wird, soweit wesentlich, auf die  Erwägungen verwiesen. H.  Am  18.  März  und  am  16.  Dezember  2010  ergänzten  die  Beschwerdeführenden  ihre  Beschwerde.  Auf  den  Inhalt  der  Beschwerdeergänzungen  wird,  soweit  wesentlich,  in  den  Erwägungen  eingegangen.  I.  Mit Zwischenverfügung vom 2. Februar 2011 wurde der Vorinstanz Frist  gewährt für eine ergänzende Vernehmlassung.

E­2282/2009 Mit Vernehmlassung vom 21. Februar 2011 hielt das BFM unter Verweis  auf  seine  bisherigen  Standpunkte  und  Erwägungen  an  seinem  Abweisungsantrag fest. Die  Vernehmlassung wurde  den Beschwerdeführenden  am  24.  Februar  2011 zur Kenntnis gebracht.  J.  Mit Begleitschreiben vom 5. Juli 2011 reichten die Beschwerdeführenden  weitere  Beweismittel  (Arztzeugnis  vom  […]  2011  und  ­bericht  vom  […]  2011) zu den Akten und ersuchten erneut um beschleunigte Behandlung  ihres  Verfahrens.  Auf  deren  Inhalt  wird,  soweit  wesentlich,  in  den  Erwägungen eingegangen.  K.  Am  14.  September  2011  reichte  der  Rechtsvertreter  der  Beschwerdeführenden eine Kostennote ein. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM  gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]). 1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG).

E­2282/2009 1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Die  rubrizierten  Beschwerdeführenden  haben  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen,  sind  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  haben  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung;  sie  sind  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 108  AsylG  sowie  Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde  ist einzutreten. Die Verfügung der Vorinstanz vom 10. März 2009 erging nicht betreffend  das am (…) geborene Kind. Mangels formeller Beschwer ist es nicht zur  Beschwerde  legitimiert.  Dieses,  welches  auch  in  der  Beschwerde  nicht  erwähnt wird, tritt vor dem Bundesverwaltungsgericht nicht als Partei auf.  Ergänzend ist festzuhalten, dass es Sache des BFM sein wird zu klären,  ob  das  Kind  an  einem  Asylverfahren  beteiligt  ist  und  wie  dieses  gegebenenfalls auszugehen hat. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  In  ihrer Beschwerde beantragen die Beschwerdeführenden in materieller  Hinsicht  die  Aufhebung  der  Ziffern  1  und  2  der  vorinstanzlichen  Verfügung  und  die  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  sowie  die  Gewährung der vorläufigen Aufnahme. Die Aufhebung der Ziffer 2 betrifft  die verfügte Ablehnung der Asylgesuche. Die Gewährung des Asyls wird  aber  in  der  Folge  in  den  Rechtsbegehren  nicht  beantragt.  Aus  der  Beschwerdebegründung  geht  diesfalls  nichts  anderes  hervor,  zumal  die  Beschwerdeführenden  ausdrücklich  und  ausschliesslich  nur  die  Anerkennung  als  Flüchtlinge  wegen  subjektiver  Nachfluchtgründe  (gemäss Art. 54 AsylG ein Asylausschlussgrund) und daraus folgend die  vorläufige  Aufnahme  verlangen.  Das  Bundesverwaltungsgericht  geht  daher  davon  aus,  dass  Ziffer  2  des  Dispositivs  der  vorinstanzlichen  Verfügung  vom 10. März  2009  unangefochten  und  somit  in Rechtskraft  erwachsen  ist. Dies entspricht auch der  in der Replik vom 25. Mai 2009  (vgl. dort Seite 2 oben) ausdrücklich geäusserten Absicht. 

E­2282/2009 4.  4.1.  Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken.  Den  frauenspezifischen  Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 4.2. Kein Asyl wird Flüchtlingen gewährt, die erst durch ihre Ausreise aus  dem Heimat­ oder Herkunftsstaat oder wegen ihres Verhaltens nach der  Ausreise  Flüchtlinge  im  Sinne  von  Art.  3  AsylG  wurden  (subjektive  Nachfluchtgründe nach Art. 54 AsylG).  4.3.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art.  7  AsylG). 5.   5.1. Die Vorinstanz hält  in der angefochtenen Verfügung unter anderem  fest,  die  Vorbringen  der  Beschwerdeführenden  zur  geltend  gemachten  Verfolgung  würden  den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit  gemäss  Art. 7 AsylG nicht standhalten. Die Beschwerdeführenden würden daher  die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllen. Da sie aber ihr Heimatland illegal  verlassen  hätten  und  bei  einer  Rückkehr  in  Verletzung  von  Art.  3  der  Konvention  vom  4.  November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) streng bestraft würden, seien sie  infolge Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig aufzunehmen.  5.2.  In  ihrer  Rechtsmitteleingabe  halten  die  Beschwerdeführenden  fest,  dass Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens die Anerkennung als  Flüchtlinge infolge subjektiver Nachfluchtgründe sei. Die Vorinstanz habe 

E­2282/2009 zwar  zurecht  festgehalten,  dass  Personen,  welche  Eritrea  illegal  verlassen hätten, bei deren Rückkehr unter Verletzung von Art. 3 EMRK  streng  bestraft würden. Eine Person, welche  sich  jedoch  darauf  berufe,  durch  ihr  Verhalten  nach  der  Ausreise  aus  dem  Heimatstaat  eine  Gefährdungssituation  erst  geschaffen  zu  haben,  mache  subjektive  Nachfluchtgründe  gemäss  Art.  54  i.V.m.  Art.  3  AsylG  geltend.  Gemäss  ständiger Praxis der Vorinstanz und des Bundesverwaltungsgerichts  sei  die  illegale  Ausreise  aus  Eritrea  als  subjektiver  Nachfluchtgrund  zu  qualifizieren und die  illegal aus Eritrea ausgereisten Personen seien als  Flüchtlinge vorläufig aufzunehmen. Soweit die Vorinstanz festhalte, dass  sie  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht  erfüllten,  obwohl  sie  Eritrea  illegal  verlassen hätten, müsse es sich um einen offensichtlichen Fehler  in der  Redaktion  der  vorinstanzlichen  Verfügung  handeln.  Zur  Untermauerung  ihrer  Vorbringen  reichten  die  Beschwerdeführenden  einen  Bericht  der  Schweizerischen  Flüchtlingshilfe  (SFH)  betreffend Gefährdung  bei  einer  Rückkehr nach Eritrea vom 20. Januar 2009 bei.  5.3. Die  Vorinstanz  hält  in  ihrer  Vernehmlassung  vom  1.  Mai  2009  an  ihren Standpunkten fest. Sie argumentiert unter anderem, dass Personen  ausserhalb  des  militärdienstpflichtigen  Alters,  welche  die  Flüchtlingseigenschaft – wie vorliegend die Beschwerdeführenden – nicht  erfüllen  würden,  Eritrea  jedoch  illegal  verlassen  hätten,  nur  wegen  Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig aufzunehmen seien.  5.4.  In  ihrer Replik  vom 25. Mai  2009  halten  die Beschwerdeführenden  daran  fest,  dass  ihre  Gefährdungssituation  erst  durch  ihre  illegale  Ausreise  geschaffen  worden  sei  und  sie  sich  daher  nicht  auf  asylrelevante Vorfluchtgründe berufen, sondern das Vorliegen subjektiver  Nachfluchtgründe  im  Sinne  von  Art.  54  i.V.m.  Art.  3  AsylG  geltend  machen würden. Weil die  illegale Ausreise strengstens verboten sei und  schwer  sanktioniert  werde,  sei  die  Gefährdungssituation  flüchtlingsrechtlich  beachtlich.  Sie  hätten  daher  praxisgemäss Anspruch  auf Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft und die daraus resultierende  vorläufige Aufnahme.  5.5.  Am  18.  März  2010  und  am  16.  Dezember  2010  reichen  die  Beschwerdeführenden  weitere  Beweismittel  ein,  welche  die  durch  die  Ausreise  veranlasste  Gefährdungssituation  der  Beschwerdeführenden  bestätigen würden. Es  handle  sich  hierbei  um eine Vorladung  vom  (…)  2009, mit welcher die Mutter der Beschwerdeführerin aufgefordert werde,  vor Gericht zu erscheinen. Zudem wird ein Gerichtsurteil  vom (…) 2009 

E­2282/2009 vorgelegt, gemäss diesem sei die Mutter der Beschwerdeführerin zu einer  Busse  von  50'000  Nafka  verurteilt  worden,  da  ihre  Tochter  das  Land  illegal verlassen habe. Die eritreischen Behörden hätten davon Kenntnis  erhalten, nachdem die Mutter versucht habe, für ihre Tochter Dokumente  zu  erlangen.  Weiter  ersuchten  die  Beschwerdeführenden  um  Beschleunigung des Verfahrens.  5.6. In der ergänzenden Vernehmlassung vom 21. Februar 2011 hält die  Vorinstanz vollumfänglich an ihren Erwägungen und Standpunkten fest.  6.   6.1.  Als  subjektive  Nachfluchtgründe  gelten  gemäss  Art.  54  AsylG  insbesondere  illegales  Verlassen  des  Heimatlandes  (sogenannte  Republikflucht), Einreichung eines Asylgesuchs im Ausland oder aus der  Sicht  der  heimatstaatlichen  Behörden  unerwünschte  exilpolitische  Betätigung, wenn sie die Gefahr einer zukünftigen Verfolgung begründet  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2006  Nr. 1  E. 6,  mit  weiteren  Hinweisen). Durch Republikflucht zum Flüchtling wird, wer sich aufgrund  der  unerlaubten  Ausreise  mit  Sanktionen  seines  Heimatstaates  konfrontiert  sieht,  die  bezüglich  ihrer  Intensität  ernsthafte  Nachteile  gemäss Art. 3 Abs. 2 AsylG darstellen.  6.2. Die  eritreischen Ausreisebestimmungen  sind  äusserst  restriktiv  und  legales  Ausreisen  ist  nur  mit  einem  gültigen  Reisepass  und  einem  entsprechenden  Ausreisevisum  möglich  (vgl.  Art.  11  der  "Proclamation  No. 24/1992", welche die Ein­ und Ausreise nach und von Eritrea regelt).  In der Praxis werden Ausreisevisa bereits seit mehreren Jahren nur noch  unter  sehr  restriktiven  Bedingungen  und  gegen  Bezahlung  hoher  Geldbeträge an wenige, als  loyal beurteilte Personen ausgestellt, wobei  Kinder ab elf Jahren, Männer bis zum Alter von 54 Jahren und Frauen bis  47  Jahren  grundsätzlich  von  der  Visumserteilung  ausgeschlossen  sind.  Das illegale Verlassen des Landes wird als Zeichen politischer Opposition  gegen  den Staat  gewertet  und  hart  bestraft.  Grenzschutztruppen  sollen  gemäss  übereinstimmenden Quellen  den  Befehl  haben,  Fluchtversuche  mit  gezielten  Schüssen  zu  verhindern  (vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts vom 6. April 2010 D­3892/2008 E. 5.3.2.). 6.3.  Das  Bundesverwaltungsgericht  wie  auch  das  BFM  in  der  angefochtenen Verfügung vom 10. März 2009 gehen davon aus, dass die 

E­2282/2009 Beschwerdeführenden  ihr  Heimatland  illegal  verlassen  haben.  Insbesondere  unter  Berücksichtigung  obiger  Ausführungen  zu  den  eingeschränkten Möglichkeiten, Eritrea legal mit einem Ausreisevisum zu  verlassen  (vgl.  E. 6.2.),  ist  zu  schliessen,  dass  trotz  des  Alters  des  Beschwerdeführers  und  des  fehlenden  Kontakts  der  Beschwerdeführenden mit  dem Militär,  faktisch  ausgeschlossen werden  kann, dass sie  ihr Heimatland  legal  verlassen haben. Das BFM erkennt  weiter zu Recht, dass den Beschwerdeführenden im Falle einer Rückkehr  nach Eritrea mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit eine durch Art. 3 EMRK  verbotene  Strafe  droht  und  hat  daher  die  vorläufige  Aufnahme  der  Beschwerdeführenden  angeordnet.  Es  unterlässt  aber  zu  Unrecht  die  Prüfung,  ob  bei  den  Beschwerdeführenden  aufgrund  ihrer  illegalen  Ausreise  subjektive  Nachfluchtgründe  bestehen.  Nachdem  die  Beschwerdeführenden  begründete  Furcht  haben,  bei  einer  Rückkehr  nach  Eritrea  wegen  ihrer  illegalen  Ausreise  erheblichen  Nachteilen  im  Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt zu sein,  ist das Bestehen subjektiver  Nachfluchtgründe  im  Sinne  von  Art. 54  AsylG  zu  bejahen.  Die  Beschwerdeführenden sind somit als Flüchtlinge vorläufig aufzunehmen.  6.4.  Vor  dem  Hintergrund  dieser  Erwägungen  erübrigt  es  sich,  auf  die  weiteren  von  den  Beschwerdeführenden  gemachten  Vorbringen  und  beigebrachten Beweismittel einzugehen.  7.  Zusammenfassend  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  soweit  sie  die  Frage  der  Flüchtlingseigenschaft  betrifft.  Die  Beschwerde  ist  insoweit  gutzuheissen,  die  Verfügung  des  BFM  vom  10. März  2009  teilweise  –  die Dispositiv­Ziffer  1  betreffend –  aufzuheben und das Bundesamt anzuweisen, die Beschwerdeführenden  als Flüchtlinge vorläufig aufzunehmen. 7.1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Verfahrenskosten zu  erheben (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Das Begehren betreffend Gewährung der  unentgeltlichen Rechtspflege ist damit gegenstandslos geworden. Obsiegende  Parteien  haben  Anspruch  auf  Ausrichtung  einer  Parteientschädigung  für  die  ihnen  erwachsenen  notwendigen  und  verhältnismässig hohen Kosten (Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 7 Abs. 1  des  Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2]). 

E­2282/2009 Die  Beschwerdeführenden  sind  mit  ihrem  Hauptbegehren  durchgedrungen und haben demzufolge obsiegt.  In der Kostennote vom  14.  September  2011  machen  sie  eine  Parteientschädigung  im  Gesamtbetrag von Fr. 2'607.55 (inklusive Auslagen und Mehrwertsteuer)  geltend.  Der  in  der  Kostennote  ausgewiesene  Vertretungsaufwand  erscheint  nicht  als  vollumfänglich  angemessen  respektive  notwendig  im  Sinne von Art. 64 Abs. 1 VwVG. Als übermässig erscheint  insbesondere  die  beträchtliche,  in  den Akten  nicht  enthaltene,  Korrespondenz mit  der  Klientschaft.  Unter  Berücksichtigung  der  massgebenden  Bemessungsfaktoren  (Art.  9  ­  13  VGKE)  ist  der  Vertretungsaufwand  angemessen  zu  reduzieren.  Den  Beschwerdeführenden  ist  somit  eine  Parteientschädigung  im  Betrag  von  Fr. 1'500.–  (inklusive  Auslagen  und  Mehrwertsteuer) zu entrichten. (Dispositiv nächste Seite)

E­2282/2009 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2.  Die  Ziffer  1  des  Dispositivs  der  Verfügung  vom  10.  März  2009  wird  aufgehoben und das BFM wird  angewiesen,  den Beschwerdeführenden  die Flüchtlingseigenschaft zuzuerkennen.  3.  Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4.  Die  Vorinstanz  wird  angewiesen,  den  Beschwerdeführenden  eine  Parteientschädigung  von  Fr. 1'500.–  (inklusive  Auslagen  und  Mehrwertsteuer) auszurichten.  5.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Regula Schenker Senn Néomie Nicolet Versand:

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