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Bundesverwaltungsgericht 20.01.2012 E-2092/2009

20 gennaio 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,088 parole·~10 min·1

Riassunto

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 27. Februar 2009

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung V E­2092/2009 Urteil   v om   2 0 .   J a nua r   2012 Besetzung Richterin Gabriela Freihofer (Vorsitz), Richter Robert Galliker, Richterin Jenny de Coulon Scuntaro,  Gerichtsschreiberin Chantal Schwizer. Parteien A._______, geboren am (…), alias B._______, geboren am (…), ohne Nationalität  (Palästinenser von Libanon), vertreten durch Susanne Sadri, Asylhilfe Bern, Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM  vom 27. Februar 2009 / N (…).

E­2092/2009 Sachverhalt: A.  Eigenen  Angaben  gemäss  verliess  der  Beschwerdeführer  seinen  Heimatstaat am 21. April 2008 und gelangte via Syrien und – nach einem  Aufenthalt von ungefähr fünf Wochen in der Türkei – Bulgarien sowie ihm  unbekannte Transitländer unter Umgehung der Grenzkontrolle am 7. Juni  2008  in  die  Schweiz,  wo  er  gleichentags  um  Asyl  nachsuchte.  Am  12.  Juni 2008  fand  im Empfangs­ und Verfahrenszentrum  (EVZ) C._______  die  Kurzbefragung  statt,  und  am  8.  Juli  2008  erfolgte  die  Anhörung  zu  den Asylgründen durch das BFM.  Der  Beschwerdeführer  –  ein  staatenloser  Palästinenser  aus  dem  Flüchtlingslager D._______ im Libanon – brachte zur Begründung seines  Asylgesuchs  im  Wesentlichen  vor,  er  sei  Palästinenser  der  zweiten  Fluchtbewegung  von  1967  und  habe  als  solcher  keine  Rechte  im  Libanon. Sein Schwager sei  (…) dieses Flüchtlingslagers gewesen. Seit  Mai 2007 sei er mit dem Sudanesen A.I. befreundet gewesen und habe  sich täglich mit diesem getroffen. Nachdem er von A.I. lange nichts mehr  vernommen habe,  habe er  von  seinem Schwager erfahren,  dass dieser  geflohen  sei,  zumal  er  von  der  Hisbollah  (bewaffnete  paramilitärische  libanesische  Organisation  zur  Beendigung  der  israelischen  Besatzung  Israels  aus  dem  Libanon,  Anmerkung  Bundesverwaltungsgericht)  beschuldigt  worden  sei,  Spionagetätigkeiten  für  Israel  durchgeführt  zu  haben.  In  der  Folge  habe  die  Hisbollah  ihn  (den  Beschwerdeführer)  befragen wollen, weshalb sie eine Vorladung an das Sicherheitskomitee  des  Flüchtlingslagers  geschickt  hätten,  wonach  er  sich  beim  Sicherheitsbüro  der  Hisbollah  melden  solle.  Auf  Anraten  seines  Schwagers  habe  er  am  14. April  2008  das  Flüchtlingslager  D._______  verlassen und sei gleichentags (…) in Tripoli geflüchtet. B.  Eine  durch  einen  Experten  der  Fachstelle  Lingua  am  16.  Juni  2008  durchgeführte Sprachanalyse (Gutachten vom 27. Juni 2008) ergab, dass  der  Beschwerdeführer  eindeutig  in  einem  palästinensischen  Milieu  im  Libanon sozialisiert wurde. C.  Der  Beschwerdeführer  reichte  nachträglich  eine  Identitätskarte  der  "United Nations Relief and Works Agency  für Palestine Refugees  in  the  Near  East"  (UNRWA;  Hilfswerk  der  Vereinten  Nationen  für  Palästina – 

E­2092/2009 Flüchtlinge  im  Nahen Osten;  Anmerkung  Bundesverwaltungsgericht)  zu  den Akten. D.  Eine  interne  Dokumentenanalyse  vom  5.  August  2008  ergab,  dass  der  vom  Beschwerdeführer  eingereichte  Flüchtlingsausweis  –  trotz  kleiner  formeller Unregelmässigkeiten – in Anbetracht der Gesamtumstände echt  sei.  E.  Mit Verfügung vom 27. Februar 2009 – eröffnet am 2. März 2009 – wies  das BFM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und ordnete seine  Wegweisung  aus  der  Schweiz  sowie  den  Vollzug  der Wegweisung  an.  Zur  Begründung  führte  es  im  Wesentlichen  aus,  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  hielten  weder  den  Anforderungen  an  die  Flüchtlingseigenschaft noch denjenigen an die Glaubhaftmachung stand;  ausserdem  sei  der  Vollzug  der  Wegweisung  möglich,  zulässig  und  zumutbar. Auf die Begründung wird – soweit entscheidwesentlich – in den  nachfolgenden Erwägungen eingegangen. F.  Mit Eingabe vom 30. März 2009 – Datum Poststempel: 31. März 2009 –  liess  der  Beschwerdeführer  durch  seine  Rechtsvertreterin  Beschwerde  erheben  und  beantragen,  die  Verfügung  des  BFM  sei  aufzuheben,  ihm  sei Asyl zu gewähren, es sei die Unzulässigkeit sowie die Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  festzustellen  und  es  sei  in  der  Folge  die  vorläufige Aufnahme anzuordnen.  In  verfahrensrechtlicher Hinsicht  liess  er  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  ersuchen.  Seiner  Beschwerde  liess  er  eine  Fürsorgeabhängigkeitsbestätigung  der  Gemeinde  (…)  vom  18.  März  2009  beilegen  und  stellte  einen  polizeilichen Haftbefehl, wonach er aufgrund eines Befehls der Hisbollah  vom Sicherheitskomitee gesucht werde, in Aussicht.  G.  Mit  Zwischenverfügung  vom  7.  April  2009  setzte  die  zuständige  Instruktionsrichterin  des  Bundesverwaltungsgerichts  Frist  zur  Nachreichung  des  in  Aussicht  gestellten  Haftbefehls  und  verwies  unter  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  auf  einen  späteren  Zeitpunkt.

E­2092/2009 H.  Mit  Eingabe  vom  6.  Mai  2009  liess  der  Beschwerdeführer  das  Original  sowie  eine  vollständige  deutsche  Übersetzung  der  Vorladung  der  Befreiungsbewegung Fatah vom 14. April 2008 zu den Akten reichen. I.  Mit  Schreiben  vom  29. Mai  2009  liess  sich  das  BFM  unter  besonderer  Berücksichtigung oben genannter Vorladung vernehmen. J.  Mit Eingabe vom 19. Juni 2009 liess der Beschwerdeführer replizieren. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.   1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021).  Das  BFM  gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]). 1.2. Eine Ausnahme  im Sinne von Art.  83 Bst.  d Ziff.  1 BGG  liegt nicht  vor,  so  dass  das  Bundesverwaltungsgericht  im  vorliegenden  Fall  endgültig entscheidet. 1.3. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.4.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist 

E­2092/2009 durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG).  Auf die Beschwerde ist einzutreten. 1.5. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 2.  2.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 2.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7  AsylG). 2.3.  Grundsätzlich  sind  Vorbringen  dann  glaubhaft  gemacht,  wenn  sie  genügend substanziiert,  in  sich  schlüssig und plausibel  sind. Sie dürfen  sich  nicht  in  vagen Schilderungen  erschöpfen,  in wesentlichen  Punkten  nicht  widersprüchlich  sein,  der  inneren  Logik  entbehren  oder  den  Tatsachen  oder  der  allgemeinen  Erfahrung  widersprechen.  Darüber  hinaus muss der Gesuchsteller  persönlich  glaubwürdig  erscheinen, was  insbesondere  dann  nicht  der  Fall  ist,  wenn  er  wichtige  Tatsachen  unterdrückt  oder  bewusst  falsch  darstellt,  im  Laufe  des  Verfahrens  Vorbringen auswechselt, steigert oder unbegründet nachschiebt oder die  nötige Mitwirkung am Verfahren verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet  ferner  –  im  im  Gegensatz  zum  strikten  Beweis  –  ein  reduziertes 

E­2092/2009 Beweismass und lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel  an den Vorbringen des Gesuchstellers. Entscheidend ist, ob die Gründe,  welche  für  die  Richtigkeit  der  Sachverhaltsdarstellung  sprechen,  im  Rahmen  einer  Gesamtwürdigung  aller  Elemente  (übereinstimmende  Angaben  bezüglich  des  vorgebrachten  Sachverhaltes,  Substanziiertheit  und  Plausibilität  der  Vorbringen,  persönliche  Glaubwürdigkeit)  überwiegen  oder  nicht.  Dabei  ist  auf  eine  objektivierte  Sichtweise  abzustellen  (vgl.  Art. 7  AsylG;  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  vormals  zuständigen  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [ARK;  EMARK] 2005 Nr. 21 E. 6.1 S.  190  f.). Für das Glaubhaftmachen reicht  es demnach nicht aus, wenn der  Inhalt der Vorbringen zwar möglich  ist,  aber in Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche und überwiegende  Umstände  gegen  die  vorgebrachte  Sachverhaltsdarstellung  sprechen  (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl,  in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser  [Hrsg.],  Ausländerrecht,  2. Aufl.,  Basel  2009,  Rz. 11.149;  Handbuch  zum  Asyl­  und Wegweisungsverfahren, Schweizerische Flüchtlingshilfe SFH [Hrsg.],  Bern/Stuttgart/Wien 2009, S. 161 ff.; EMARK 1996 Nr. 28 E. 3.a S. 270). 3.  3.1.   3.1.1. Das  BFM  lehnte  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  ab,  da  seine Vorbringen weder den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft  gemäss  Art.  3  AsylG  noch  jenen  an  die  Glaubhaftigkeit  gemäss  Art. 7  AsylG standhielten.  3.1.2.  Zur  Begründung  ihres  ablehnenden  Entscheides  führte  die  Vorinstanz aus, die Zugehörigkeit  zur palästinensischen Volksgruppe  im  Libanon  begründe  für  sich  alleine  keine  asylrelevante  Verfolgung.  Die  Lage  der  schätzungsweise  250'000  bis  300'000  Palästinenser  in  libanesischen  Flüchtlingslagern  würde  sich  zweifellos  als  schwierig  gestalten:  So  bestünden  trotz  der  Lockerungen  in  der Wahl  beruflicher  Tätigkeit  im Jahr 2005 weiterhin Beschränkungen und die Erlangung der  libanesischen  Staatsangehörigkeit  sei  aus  sicherheitspolitischen  Überlegungen  und  aus  Furcht  vor  einer  Verschiebung  der  heiklen  religiösen und politischen Balance des Landes nicht vorgesehen. Zudem  werde die Grundversorgung weniger von staatlichen Institutionen als von  der UNRWA wahrgenommen. Dennoch aber genössen die Palästinenser  ein  erhebliches  Mass  an  Autonomie,  namentlich  in  den  von  ihnen  kontrollierten  Lagern.  Ihre  Anwesenheit  im  Libanon  sei  nicht  in  Frage  gestellt  und  ihre  Bewegungs­  sowie  Niederlassungsfreiheit  sei  http://links.weblaw.ch/EMARK-2005/21 http://links.weblaw.ch/EMARK-2005/21 http://links.weblaw.ch/EMARK-2005/21 http://links.weblaw.ch/EMARK-2005/21 http://links.weblaw.ch/EMARK-2005/21 http://links.weblaw.ch/EMARK-2005/21 http://links.weblaw.ch/EMARK-2005/21 http://links.weblaw.ch/EMARK-1996/28 http://links.weblaw.ch/EMARK-1996/28 http://links.weblaw.ch/EMARK-1996/28 http://links.weblaw.ch/EMARK-1996/28 http://links.weblaw.ch/EMARK-1996/28 http://links.weblaw.ch/EMARK-1996/28 http://links.weblaw.ch/EMARK-1996/28

E­2092/2009 gewährleistet, so dass zahlreiche Palästinenser die Lager verlassen und  sich ausserhalb eine Existenz aufgebaut hätten.  Vor  diesem  Hintergrund  sowie  der  faktischen  bewaffneten  Selbstverwaltung  der  Palästinenser  sei  nicht  nachvollziehbar,  weshalb  das  Sicherheitskomitee  des  rund  (…)  Flüchtlinge  umfassenden  Lagers  D._______  den  Schwager  des  (…)  dermassen  rasch  an  die  schiitische  Hisbollah  ausliefern  sollte,  nur  weil  diese  ihn  der  Spionage  für  Israel  beschuldigt habe. Damit würde die Verwaltung ihren Handlungsspielraum  gegenüber  den  expandierenden  Schiiten  aufgeben  und  ein  Präjudiz  für  weitere  "Auslieferungsgesuche"  schaffen.  Aufgrund  dieser  Tatsache  dürfte  erwartet  werden,  dass  das  Sicherheitskomitee  selbst  abklären  würde,  ob  sich  unter  ihnen  tatsächlich  ein  Verräter  befinde.  Der  Beschwerdeführer  habe  auf  Vorhalt  hin  keine  Erklärung  abzugeben  vermocht  (vgl.  Akten  BFM  A17/12  Frage  95).  Ferner  sei  er  trotz  des  herrschenden  Misstrauens  im  Libanon  kaum  über  die  Ansichten  und  Probleme seines angeblichen Freundes  informiert gewesen (vgl. A17/12  Fragen 62­69). Spätestens nach der Beschuldigung durch die Hisbollah  und  die  daraus  angeblich  resultierende  Bedrohung  wäre  zu  erwarten  gewesen, dass sich der Beschwerdeführer und seine Angehörigen nach  der  Gefahr  erkundigt  hätten,  um  diese  abzuschätzen.  Zudem  sei  nicht  nachvollziehbar,  weshalb  der  Beschwerdeführer  überstürzt  und  ohne  nähere  Informationen  das  Land  und  seine  Frau,  die  er  habe  heiraten  wollen,  verlassen  und  nicht  länger  (…)  abgewartet  habe,  um  die  Entwicklung der Lage abzuwarten.  Gemäss  dem  Subsidiaritätsprinzip  seien  Personen  mit  einer  innerstaatlichen Fluchtalternative nicht auf den Schutz eines Drittstaates  angewiesen.  Der  Beschwerdeführer  mache  ausschliesslich  Schwierigkeiten mit  der  schiitischen Hisbollah  geltend. Dabei  handle  es  sich  um  eine  von  Syrien  und  dem  Iran  unterstützte,  mehrere  tausend  Mitglieder  umfassende  islamistische  Organisation.  Deren  Einflussgebiet  konzentriere  sich  auf  Teile  der  Bekaa­Ebene,  auf  südliche  Vororte  von  Beirut  und  auf  den  Südlibanon,  den  sie  und  die  libanesische  Armee  kontrollierten.  Sie  sei  indessen  nicht  die  einzige  Vertreterin  schiitischer  Anliegen  im  Libanon.  Obwohl  sie  seit  dem  11.  Juli  2008  wieder  einen  Minister  in  der  libanesischen  Allparteienregierung  stelle,  bleibe  ihr  Machtbereich  –  entgegen  den  Behauptungen  des  Beschwerdeführers –  weiterhin  auf  diese  Regionen  beschränkt.  Der  überwiegende  Teil  des  Landes  werde  von  anderen  Gruppierungen  kontrolliert  und  sei  dem  Machtbereich der schiitischen Hisbollah entzogen. Der Beschwerdeführer 

E­2092/2009 könne  sich  allfälligen  künftigen  Verfolgungsmassnahmen  durch  einen  Wegzug in einen solchen Teil des Landes entziehen, wo ihm zugemutet  werden  könne,  effektiven  Schutz  durch  den  libanesischen  Staat  in  Anspruch zu nehmen.  3.1.3.  Demgegenüber  macht  der  Beschwerdeführer  in  seiner  Rechtsmitteleingabe  geltend,  er  habe  von  seinem  Schwager  erfahren,  dass  er  aufgrund  eines  polizeilichen Haft­  und Auslieferungsbefehls  der  Hisbollah vom Sicherheitskomitee gesucht werde. Wie allgemein bekannt  sei, übe die Hisbollah  in zahlreichen palästinensischen Flüchtlingslagern  ihre  Macht  aus  und  arbeite  eng  mit  den  Sicherheitskomitees  der  Flüchtlingslager in Beirut zusammen. Ein solcher Auslieferungsbefehl sei  ein  Indiz  für  die Machtausübung der Hisbollah  in den palästinensischen  Flüchtlingslagern. Er habe sich nicht länger (…) aufhalten können, zumal  er  sich  vor  der Verfolgung der Hisbollah  (…) nicht mehr habe  schützen  können. Weil er wegen seines Status weder eine Arbeitsstelle noch eine  Wohnung erhalten hätte, hätte er sich früher oder später bei den dortigen  Behörden melden müssen und sich damit der Gefahr ausgesetzt, an die  Hisbollah  ausgeliefert  und  inhaftiert  zu werden.  Aufgrund  der  fehlenden  Schutzbereitschaft  des  Sicherheitskomitees  des  Flüchtlingslagers  respektive  des  Quasi­Staates,  müsse  von  einer  mittelbaren  staatlichen  Verfolgung ausgegangen werden.  Ferner  weist  er  im  Wesentlichen  auf  die  prekären  allgemeinen  Lebensbedingungen  in  den  libanesischen  Flüchtlingslagern  und  die  Diskriminierung  der  palästinensischen  Bevölkerung  im  Libanon  hin  und  macht  geltend,  dass  seine  Fluchtmotivation  nicht  alleine  in  seiner  palästinensischen  Ethnie  gründe.  Diese  sei  aber  Indiz  für  die  nicht  vorhandene  inländische  Fluchtalternative.  Als  palästinensischer  Vertriebener  von  1967  erhalte  er weder  einen  libanesischen Pass  noch  Unterstützung seitens der UNRWA. Demzufolge gehe das BFM in seiner  Einschätzung  fehl,  wonach  die  Bewegungs­  und  Niederlassungsfreiheit  der palästinensischen Flüchtlinge gewährleistet sei. 3.1.4.  In  seiner  Vernehmlassung  vom  29. Mai  2009  hält  das  BFM  fest,  dass  die  mit  der  Beschwerdeschrift  eingereichte  Vorladung  der  Fatah  kein  taugliches  Beweismittel  sei,  um  eine  asylrelevante  Verfolgung  zu  untermauern.  Solche  Dokumente  ohne  jegliches  Sicherheitsmerkmal  könnten  problemlos  auf  jedem  beliebigen  Computer  hergestellt  und  gegebenenfalls  erhältlich  gemacht  werden,  insbesondere  wenn  –  wie  vorliegend –  (…). Zudem würden bei effektivem Verdacht der Spionage 

E­2092/2009 zugunsten Israels die zuständigen staatlichen Institutionen aktiv und nicht  die Milizen. Mit Verweis auf eine  Internetseite hält es des Weiteren  fest,  dass  in  diesen  Tagen  libanesische  Behörden mehrere  Verhaftungen  in  diesem Zusammenhang vorgenommen und sich damit deutlich gegen die  Hisbollah positioniert hätten. Ferner beschränke sich das Machtgebiet der  Hisbollah weiterhin nur auf Teilgebiete des Libanon.  3.1.5.  In  seiner Replik  beharrt  der Beschwerdeführer  auf  der Richtigkeit  seiner  Ausführungen  und  macht  geltend,  die  Argumentation  des  BFM  basiere  auf  einer  reinen  Behauptung.  Die  Machtausübung  und  der  Einfluss der Hisbollah in palästinensischen Flüchtlingslagern könne nicht  bestritten  werden.  Aufgrund  der  Beschuldigung  der  Spionage  für  Israel  habe er begründete Furcht vor Verfolgung.  3.2.   3.2.1. Aufgrund des Lingua­Ergebnisses  steht  unter  anderem  fest,  dass  die palästinensische Herkunft des Beschwerdeführers und sein Aufenthalt  im Flüchtlingslager D._______ erstellt ist. Der Beschwerdeführer hat sich  im  Verfahren  mit  seinem  UNRWA­Ausweis  legitimiert.  Mit  der  Anwendbarkeit  der  Flüchtlingskonvention  auf  palästinensische  Asylsuchende  hat  sich  das  Bundesverwaltungsgericht  in  seinem  Urteil  BVGE  2008/34  auseinandergesetzt:  Bei  palästinensischen  Asylsuchenden,  die  unter  das  Mandat  der  UNRWA  fallen,  ist  kein  genereller  Ausschluss  vom  Anwendungsbereich  der  Flüchtlingskonvention  anzunehmen,  sondern es  ist  auch bei  ihnen  stets  individuell  zu  prüfen,  ob  sie  die  Voraussetzungen  für  die  Anerkennung  der Flüchtlingseigenschaft erfüllen (Art. 1 D des Abkommens vom 28. Juli  1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30] i.V.m. Art.  1 A Ziff. 2 FK, Art. 3 AsylG).  3.2.2.  Nach  eingehender  Prüfung  der  Akten  schliesst  sich  das  Bundesverwaltungsgericht  der  Ansicht  der  Vorinstanz  an,  wonach  die  Vorbringen des Beschwerdeführers in einer Gesamtwürdigung weder den  Anforderungen  an  die  Flüchtlingseigenschaft  noch  denjenigen  an  die  Glaubhaftmachung  standhalten.  Die  Vorbringen  in  der  Rechtsmitteleingabe vom 30. März 2009 sowie  in seiner Replik vom 19.  Juni  2009  sind  insgesamt  nicht  geeignet,  eine  Änderung  der  vorinstanzlichen  Verfügung  zu  bewirken.  Der  Argumentation  des  BFM  werden keine stichhaltigen und substanziierten Gründe entgegengesetzt  und  eine  diesbezügliche  Auseinandersetzung  unterbleibt  weitgehend.  Daran vermag auch das Beharren auf der Richtigkeit seiner Vorbringen in 

E­2092/2009 seiner  Replik  nichts  dazu  ändern.  Darüber  hinaus  geht  aus  dem  auf  Beschwerdeebene eingereichten Dokument in keiner Weise hervor, dass  es  sich  dabei  um  ein  Schreiben  einer  staatlichen  Institution  handelt.  Vielmehr  ist  diesem  zu  entnehmen,  dass  es  sich  dabei  nicht  um  einen  polizeilichen Haft­  respektive Auslieferungsbefehl  an  die Hisbollah  geht,  sondern  um  eine  Vorladung  zu  einer  Befragung  der  Fatah  (politische  Partei in den palästinensischen Autonomiegebieten und stärkste Fraktion  innerhalb  der  Dachorganisation  der  PLO  [Palestine  Liberation  Organization];  Anmerkung  Bundesverwaltungsgericht).  Entgegen  seinen  Ausführungen  ist  daher  nicht  einsehbar, weshalb  der Beschwerdeführer  aufgrund der Vorladung der Fatah, welche unter  anderem die Hisbollah  bekämpft,  von  letzterer  gesucht  werden  sollte.  Wie  das  BFM  in  seiner  Vernehmlassung  vom  29.  Mai  2009  ferner  erwogen  hat,  ist  die  eingereichte Vorladung wegen der  fehlenden Sicherheitsmerkmale  nicht  geeignet,  seine  angeblich  asylrelevante  Verfolgung  zu  untermauern.  Darüber  hinaus  liegen  keine  Anhaltspunkte  dafür  vor,  dass  sich  der  Beschwerdeführer aufgrund seines Persönlichkeitsprofils derart exponiert  und  einen  solchen  Bekanntheitsgrad  erlangt  hätte,  dass  er  von  der  Hisbollah  gesucht  würde.  Für  das  Bundesverwaltungsgericht  besteht  nach  Überprüfung  der  Akten  keine  Veranlassung,  die  Erwägungen  des  BFM  zu  beanstanden,  zumal  sie  sich  mit  der  Lagebeurteilung  des  Gerichts  decken  (vgl.  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  D­3731/2008  vom  12. Juni  2008,  D­1861/2009  vom  19. Mai  2009  und  E­1402/2008 vom 24. Oktober 2011). Um Wiederholungen zu vermeiden,  kann  weitgehend  auf  die  zutreffenden  Ausführungen  in  der  angefochtenen Verfügung und in der Vernehmlassung verwiesen werden.  3.3. Zusammenfassend  ist  festzuhalten, dass es dem Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrelevante  Verfolgung  nachzuweisen  oder  glaubhaft  darzutun.  Es  erübrigt  sich,  auf  weitere  Ausführungen  in  der  Beschwerde  einzugehen,  da  diese  am  Ergebnis  nichts  zu  ändern  vermögen.  Somit  hat  die  Vorinstanz  im  Ergebnis  zu  Recht  das  Asylgesuch des Beschwerdeführers abgewiesen. 4.  4.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit  der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). http://de.wikipedia.org/wiki/Politische_Partei http://de.wikipedia.org/wiki/Politische_Partei http://de.wikipedia.org/wiki/Politische_Partei http://de.wikipedia.org/wiki/Pal%C3%A4stinensische_Autonomiegebiete http://de.wikipedia.org/wiki/Pal%C3%A4stinensische_Autonomiegebiete http://de.wikipedia.org/wiki/Pal%C3%A4stinensische_Autonomiegebiete http://de.wikipedia.org/wiki/Fraktion_(Politik)

E­2092/2009 4.2. Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44  Abs. 1 AsylG; EMARK 2001 Nr. 21). 5.  5.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder  nicht  möglich,  regelt  das  Bundesamt  das  Anwesenheitsverhältnis  nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG,  SR 142.20]). Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt  gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner  Vorgängerorganisation  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte  Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl.  STÖCKLI, a.a.O. Rz. 11.148). 6.  6.1. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen  der  Schweiz  einer Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen  (Art.  83  Abs. 3 AuG).  6.2.  Keine  Person  darf  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG,  Art. 33  Abs. 1  FK).  Dieses  flüchtlingsrechtliche  Rückschiebungsverbot  schützt  nur  Personen,  welche  die  Flüchtlingseigenschaft  im Sinne  von Art.  3 AsylG  respektive Art.  1A FK  erfüllen.  Dies  ist  vorliegend  nicht  der  Fall,  weshalb  das  in  Art.  5  AsylG  verankerte  Prinzip  des  flüchtlingsrechtlichen  Rückschiebungsverbots  nicht zur Anwendung gelangen kann. Der Vollzug der Wegweisung in den  Libanon ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.  6.3. Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  Art. 3  des 

E­2092/2009 Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom  4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher  oder  erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. Weder  aus  den Aussagen  des Beschwerdeführers  noch  aus  den Akten  ergeben  sich  Anhaltspunkte  dafür,  dass  er  für  den  Fall  einer  Ausschaffung  in  den  Herkunftsstaat  dort  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  einer  nach Art. 3  EMRK  oder  Art. 1  FoK  verbotenen  Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wäre.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­Folterausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine  konkrete  Gefahr  ("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft  machen,  dass  ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung  drohen würde  (vgl. EGMR  [Grosse Kammer], Saadi gegen  Italien, Urteil  vom  28. Februar  2008,  Beschwerde  Nr. 37201/06,  §§ 124 ­ 127,  mit  weiteren  Hinweisen).  Dies  ist  vorliegend  nicht  der  Fall.  Die  aktuelle  allgemeine  Menschenrechtssituation  im  Herkunftsstaat  lässt  den  Wegweisungsvollzug  zum  heutigen  Zeitpunkt  nicht  als  unzulässig  erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl  im Sinne der asyl­ als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 6.4.   6.4.1. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug  für Ausländerinnen  und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art. 83  Abs. 7  AuG  –  die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren  (vgl.  Botschaft zum Bundesgesetz über Ausländerinnen und Ausländer vom 8.  März 2002, BBl 2002 3818). 6.4.2. Die allgemeine Situation  im Libanon hat sich seit Beendigung des  Krieges  Im  Sommer  2006  wieder  stabilisiert.  Heute  herrscht  dort  nicht  landesweit  eine  Bürgerkriegssituation  oder  eine  Situation  allgemeiner  Gewalt,  aufgrund  derer  die  Zivilbevölkerung  als  konkret  gefährdet  bezeichnet werden müsste.

E­2092/2009 6.4.3. Aus den Akten ergeben sich auch keine Anhaltspunkte, die darauf  schliessen liessen, der Beschwerdeführer gerate im Falle einer Rückkehr  in  den  Libanon  aus  individuellen Gründen wirtschaftlicher,  sozialer  oder  gesundheitlicher  Natur  in  eine  existenzbedrohende  Situation.  Der  Beschwerdeführer  –  der  gemäss  Aktenlage  keine  gesundheitlichen  Beeinträchtigungen  geltend  macht  und  arbeitsfähig  ist  –  verfügt  im  Libanon  über  ein  breites  Familiennetz  (vgl.  A1/11  S.  4;  A17/12  S.  3),  welches  ihm gegebenenfalls  auch bei  einer Wohnsitznahme ausserhalb  seiner  bisherigen  Heimatregion  behilflich  sein  kann.  Der  Beschwerdeführer  absolvierte  vier  Jahre  die Primarschule  und arbeitete  bis  zu  seiner  Ausreise  als  (…)  in  E._______  (vgl.  A17/12  S.  4).  Angesichts  des  relativ  jungen  Alters  und  seiner  bisherigen  Schulausbildung,  der  beruflichen  Tätigkeiten  und  seiner  Berufserfahrungen ist davon auszugehen, dass er – wie andere Personen  palästinensischer Herkunft  –  sowohl  innerhalb  als  auch  ausserhalb  des  Lagers leben und/oder zu seinen Verwandten zurückkehren kann und es  ihm möglich sein wird, wieder eine Existenz aufzubauen.  6.4.4.  Nach  dem  Gesagten  erweist  sich  der  Vollzug  der  Wegweisung  auch als zumutbar.  6.5.  Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  dessen  Identität  aufgrund  seines  UNRWA­Ausweises  nachweisbar  ist,  sich  bei  der  zuständigen  Vertretung  Libanons  die  für  die  Rückkehr  erforderlichen  Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG, BVGE 2008/34  E. 12), weshalb der Wegweisungsvollzug auch möglich ist.  6.6. Insgesamt ist der durch die Vorinstanz verfügte Wegweisungsvollzug  zu  bestätigen.  Das  BFM  hat  ihn  zu  Recht  als  zulässig,  zumutbar  und  möglich erachtet. Die Anordnung einer  vorläufigen Aufnahme  fällt  damit  ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1 ­ 4 AuG). 7.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die  Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 8.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  wären  die  Kosten  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  und  5  VwVG)  und  auf  http://links.weblaw.ch/BVGE-2008/34 http://links.weblaw.ch/BVGE-2008/34 http://links.weblaw.ch/BVGE-2008/34

E­2092/2009 insgesamt  Fr. 600.­  festzusetzen  (Art.  1  ­  3  des  Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2]).  Nachdem  die  Bedürftigkeit des Beschwerdeführers ausgewiesen ist und das Verfahren  nicht als aussichtslos zu bezeichnen war, ist das Gesuch um Gewährung  der unentgeltlichen Rechtspflege, über welches bisher nicht entschieden  worden  ist,  gutzuheissen,  und  es  sind  keine  Verfahrenskosten  zu  erheben. (Dispositiv nächste Seite)

E­2092/2009 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  wird  gutgeheissen. 3.  Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Gabriela Freihofer Chantal Schwizer Versand:

E-2092/2009 — Bundesverwaltungsgericht 20.01.2012 E-2092/2009 — Swissrulings