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Bundesverwaltungsgericht 25.10.2011 E-1980/2008

25 ottobre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·4,227 parole·~21 min·1

Riassunto

Asyl und Wegweisung (Beschwerden gegen Wiedererwägungsentscheid) | Vollzug der Wegweisung (Beschwerde gegen Wiedererwägungsentscheid); Verfügung des BFM vom 13. Februar 2008

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung V E­1980/2008 Urteil   v om   2 5 .   O k t ob e r   2011   Besetzung Richterin Christa Luterbacher (Vorsitz), Richter Kurt Gysi, Richterin Emilia Antonioni; Gerichtsschreiberin Natasa Stankovic. Parteien A._______, geboren am (…), B._______, geboren am (…), C._______, geboren am (…), D._______, geboren am (…), alle Sierra Leone,   alle vertreten durch Antigone Schobinger, Rechtsanwältin,  (…),  Beschwerdeführende,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz.  Gegenstand Vollzug der Wegweisung (Beschwerde gegen  Wiedererwägungsentscheid); Verfügung des BFM vom  13. Februar 2008 / N (…) und N (…).

E­1980/2008 Sachverhalt: I. Mit  Verfügung  vom  3.  März  2004  lehnte  das  damals  zuständige  BFF  (Bundesamt  für  Flüchtlinge;  heute:  BFM)  die  Asylgesuche  der  die  liberianische Staatszugehörigkeit behauptenden Beschwerdeführerin und  ihres  erstgeborenen  Kindes  vom  24.  Februar  2004  ab  und  ordnete  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  sowie  den  Vollzug  der Wegweisung  an.  Das  Asylgesuch  des  nachgereisten  und  ebenso  die  liberianische  Staatszugehörigkeit behauptenden Beschwerdeführers vom 6. März 2004  wies das BFF mit Verfügung vom 12. März 2004 ebenfalls ab und ordnete  die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug der Wegweisung an.  Auf  die  gegen  diese Verfügungen  erhobenen Beschwerden  vom  5. und  14. März 2004  trat  die Schweizerische Asylrekurskommission  (ARK) mit  Urteilen  vom  1.  April  2004  (betreffend  die  Beschwerdeführerin  und  ihr  Kind)  beziehungsweise  vom  14.  April  2004  (betreffend  den  Beschwerdeführer)  infolge  Nichtleistens  des  eingeforderten  Kostenvorschusses nicht ein. II. Das  mit  Eingabe  vom  26.  September  2005  an  das  BFM  gestellte  Wiedererwägungsgesuch des Beschwerdeführers, mit welchem er die  Aufhebung der vorinstanzlichen Verfügung, die wiedererwägungsweise  Feststellung  der  liberianischen  Staatsangehörigkeit  und  die  Gewährung  der  vorläufigen  Aufnahme  unter  Feststellung  der  Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges für sich und seine Familie  beantragte,  wies  das  BFM  mit  Verfügung  vom  27. Oktober  2005  ab.  Diese Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.  [Geburt des zweiten Kindes]. III. Am  (…)  mandatierten  die  Beschwerdeführenden  die  rubrizierte  Rechtsvertreterin  mit  der  Wahrung  ihrer  rechtlichen  Interessen  betreffend Asyl und Aufenthalt. Mit  Eingabe  vom  20. September  2007  an  das  BFM  stellten  die  Beschwerdeführenden  ein  weiteres  Wiedererwägungsgesuch,  mit  welchem  sie  insbesondere  die Gewährung  der  vorläufigen  Aufnahme 

E­1980/2008 unter  Feststellung  der  Unzulässigkeit  und  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzuges  beantragten.  Das  Wiedererwägungsgesuch  begründeten  sie  einerseits  mit  neuen  Tatsachen  und  Beweismitteln  (Staatsangehörigkeit  und  Herkunft  von  Sierra  Leone;  kritische  allgemeine  Lage  dort;  Traumatisierung  der  beiden  Eltern  durch  den  Bürgerkrieg), welche  sie  im Rahmen des  ordentlichen Asylverfahrens  nicht  hätten  geltend  machen  können;  anderseits  wurden  erhebliche  vollzugshinderliche Umstände geltend machten, die seit Abschluss des  ordentlichen  Asylverfahrens  eingetreten  seien  (verschiedene  gesundheitliche Beeinträchtigungen). Dieses  Wiedererwägungsgesuch  wies  das  BFM  mit  Verfügung  vom  5. Oktober 2007 unter Kostenfolge ab, soweit es darauf eintrat. Zudem  erkannte  es  die  Verfügungen  vom  3. und  12. März  2004  als  rechtskräftig und vollstreckbar, sprach einer allfälligen Beschwerde die  Zuerkennung  der  aufschiebenden Wirkung  ab  und  lehnte  schliesslich  das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ab.  Mit  gemeinsamer  Eingabe  vom  7. November  2007  (und  Ergänzung  vom  9. November  2007)  erhoben  die  Beschwerdeführenden  gegen  diese  vorinstanzliche  Verfügung  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde (Verfahren E­7567/2007 und E­7568/2007). Im Rahmen eines Schriftenwechsels (Art. 57 Abs. 1 des Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR 172.021]) hob das BFM – nachdem das Bundesverwaltungsgericht in  seiner  Verfügung  vom  19.  November  2007  festhielt,  dass  ein  nicht  unerhebliches  Potenzial  für  eine  Kassation  des  angefochtenen  Entscheides  bestehe,  weil  nach  Ansicht  des  Gerichts  für  das  BFM  in  keinem  Punkt  Veranlassung  bestanden  habe,  auf  das  Wiedererwägungsgesuch  vom  20. September  2007  einzutreten,  und  da  der  formell  zutreffende Nichteintretensteil  der  angefochtenen  Verfügung  auf  einer  unzutreffenden  Gesetzesberufung  basiere –  wiedererwägungsweise seinen angefochtenen Entscheid vom 5. Oktober  2007  auf  und  ersetzte  diesen  durch  eine  neue  Verfügung  vom  10. Dezember 2007, mit welcher es auf das Wiedererwägungsgesuch der  Beschwerdeführenden  vom  24. September  2007  (recte:  20. September  2007)  vollumfänglich  nicht  eintrat.  Zudem  hielt  es  fest,  dass  die  Verfügungen  vom  3. und  12.  März  2004  rechtskräftig  und  vollstreckbar  seien,  sprach  einer  allfälligen  Beschwerde  die  Zuerkennung  der 

E­1980/2008 aufschiebenden  Wirkung  ab  und  lehnte  schliesslich  das  Gesuch  um  Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ab. Mit  Abschreibungsentscheid  vom  17.  Dezember  2007  stellte  das  Bundesverwaltungsgericht  fest,  dass  mit  Verfügung  des  BFM  vom  10. Dezember 2007 der Anfechtungsgegenstand der Beschwerde vom  7.  November  2007  weggefallen  und  das  Beschwerdeverfahren  daher  als gegenstandslos geworden abzuschreiben sei. IV. A.  Mit  Eingabe  vom  24.  Januar  2008  an  das  BFM  stellten  die  Beschwerdeführenden  ein  weiteres  Wiedererwägungsgesuch,  mit  welchem sie die wiedererwägungsweise Aufhebung der vorinstanzlichen  Verfügung  vom  3. März  2004  respektive  vom  12. März  2004  sowie  die  Gewährung  der  vorläufigen  Aufnahme  unter  Feststellung  der  Unzulässigkeit  respektive  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  beantragten.  In  prozessualer  Hinsicht  wurde  um  die  Gewährung  der  unentgeltlichen Rechtspflege  im Sinne  von Art.  65 Abs.  1  sowie Abs.  2  VwVG  ersucht.  Sodann  wurde  beantragt,  dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  bis  zum  Entscheid  über  das  vorliegende  Wiedererwägungsgesuch  zu  sistieren  und  der  weitere  Aufenthalt  der  Beschwerdeführenden in der Schweiz zu bewilligen sei. Zur Stützung der  geltend gemachten Vorbringen wurden folgende Dokumente  in Kopie zu  den  Akten  gereicht:  Bestätigungsschreiben  (…)  Botschaft  von  Sierra  Leone in [europäisches Land], vom 7. Dezember 2007, ärztlicher Bericht  von E._______,  Facharzt  FMH  für Psychiatrie  und Psychotherapie,  und  F._______, Psychotherapeut  (…), vom 10. Januar 2008, Austrittsbericht  des  Kriseninterventionszentrums  (…)  vom  27. September  2007  sowie  Bestätigungsschreiben der [Kantonale Behörde] vom 6. November 2007. Zur  Begründung  des  Wiedererwägungsgesuchs  wurden  einerseits  die  sierra­leonische  Staatsangehörigkeit  und  Herkunft  der  Beschwerdeführenden,  was  aus  dem  beigebrachten  Bestätigungsschreiben  des  (…)  Botschafters  von  Sierra  Leone  in  [europäisches  Land]  vom  7. Dezember  2007  hervorgehe,  geltend  gemacht;  anderseits  wurde  ausgeführt,  erhebliche  Umstände,  die  seit  Abschluss  des  ordentlichen  Asylverfahrens  eingetreten  seien –  insbesondere  die  Suizidalität  der  Beschwerdeführerin  seit  Ende  September 2007 –,  führten zu einem Wegweisungsvollzugshindernis.  Im 

E­1980/2008 Zeitpunkt der Einreichung des Gesuches vom 20. September 2007  (vgl.  oben,  Ziff.  III)  habe  noch  keine  entsprechende  Diagnose  vorgelegen,  obwohl  sich  der  psychische  Gesundheitszustand  der  traumatisierten  Beschwerdeführerin  seit  Mitte  September  2007  markant  verschlechtert  habe  und  sie  deshalb  am  18. September  2007  in  das  Kriseninterventionszentrum (…) eingewiesen worden sei. Die Suizidalität  sei  jedoch  erst  seit  dem  Klinikaufenthalt  absehbar  gewesen.  Dem  Austrittsbericht vom 27. September 2007 sei zu entnehmen, dass bei ihr  eine posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert worden sei. Dem  ergänzenden  Arztbericht  vom  7.  November  2007  sei  ferner  zu  entnehmen,  dass  die  Beschwerdeführerin  wechselnd  in  der  Intensität,  jedoch  ständig  suizidgefährdet  und  damit  auf  eine  psychiatrische  und  medikamentöse Behandlung angewiesen sei. Der Bericht von E._______  und  F._______  vom  10.  Januar  2008  bestätige,  dass  bei  der  Beschwerdeführerin  seit  etwa  Mitte  Oktober  2007  wiederholt  und  zunehmend  manifeste  Suizidabsichten  bestünden  und  seit  Mitte  November 2007 die Intensität der Suizidalität kontinuierlich zugenommen  habe.  Es  seien  bei  ihr  eine  schwere  chronische  posttraumatische  Belastungsstörung  sowie  schwere  depressive  Episoden  assoziiert  mit  akuter Suizidalität diagnostiziert worden. Beim Abbruch der angezeigten  und  laufenden  Medikation  sei  mit  einer  weitgehenden  psychischen  Dekompensation zu rechnen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit führe dies zu  Suizidhandlungen. Der rechtserhebliche Sachverhalt habe sich nach dem  Gesagten seit dem ursprünglichen Asylentscheid des BFM vom 3. März  2004  (und  auch  seit  dem  Wiedererwägungsentscheid  vom  20.  beziehungsweise  21.  September  2007)  insofern  verändert,  als  sich  die  vorbestehenden  psychischen  Störungen  der  Beschwerdeführerin  neu  in  akuter Suizidalität niederschlagen hätten (Suizidalität gehöre jedoch nicht  notwendig  zu  den  festgestellten  psychischen  Störungen  und  sei  bei  Therapiebeginn  auch  nicht  absehbar  gewesen).  Die  Zumutbarkeit  und  Zulässigkeit des Wegweisungsvollzuges nach Sierra Leone sei nunmehr  einerseits  vor  dem  Hintergrund  der  Behandlungsanforderungen  und  andererseits  im  Hinblick  auf  die  Behandlungsmöglichkeiten  dort  zu  beurteilen.  Gemäss  Arztbericht  vom  10.  Januar  2008  sei  die  Beschwerdeführerin  auf  intensive  und  engmaschige  gesprächstherapeutische  Betreuung  sowie  auf  eine  intensive  antisuizidale  Psychopharmakatherapie  angewiesen.  Im  Falle  akuter  Suizidabsichten  sei  eine Krisenintervention mit  geeignetem Betreuungs­  und  Behandlungssetting  (gegebenenfalls  Hospitalisation)  ins  Auge  zu  fassen. In Sierra Leone sei die benötigte medizinische Versorgung indes  nicht  verfügbar.  Wie  aus  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der 

E­1980/2008 Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2006  Nr. 16  hervorgehe,  sei  eine  psychiatrische  Versorgung  in  weiten  Teilen  von  Sierra  Leone  nicht  gewährleistet;  das  Kissy  Mental  Hospital  sei  die  einzige  auf  mentale  Erkrankungen  spezialisierte  Klinik;  die  dort  praktizierten  Behandlungsmethoden  seien  archaisch  und  wenig  fachmännisch;  in  dieser  Klinik  habe  im  Januar  2005  ein  einziger  Psychiater gearbeitet. Gemäss dem Bericht von Julia Mackenzie, Sierra  Leone`s  failing health,  in: BBC News, vom 1. April 2007, seien  in Sierra  Leone  weder  stationäre  noch  ambulante  Therapien mit  entsprechender  Ausrichtung  für  akut  suizidale  Personen  mit  einer  posttraumatischen  Belastungsstörung  verfügbar.  Sodann  sei  anzumerken,  dass  das  "Gesundheitswesen" in Sierra Leone weitgehend privatisiert sei und dass  die  Kosten  der  medizinischen  Grundversorgung  die  finanziellen  Möglichkeiten  der  meisten  Personen  übersteigen  würden.  Die  Beschwerdeführenden seien aber ohnehin mittelos und daher selbst dann  nicht  in der Lage, die benötigten medizinischen Dienste  in Anspruch zu  nehmen, wenn  es  sie  geben würde.  Im Übrigen  basiere  die Suizidalität  der  Beschwerdeführerin  nicht  primär  auf  der  derzeitigen Drucksituation,  auch  wenn  regelmässig  erst  Drucksituationen  den  Umschlag  von  passiver  in  aktive  Suizidalität  veranlassen  würden.  Es  gehe  im  vorliegenden Fall nicht um eine rein situative Suizidneigung, welche nach  erfolgter  Rückschaffung  verpuffe,  sondern  um  eine  lebensbedrohliche  psychische Störung, die  in Sierra Leone nicht behandelt werden könne.  Deshalb  könnten  flankierende  Massnahmen,  welche  bei  der  Ausschaffung  zur  Anwendung  gelangen  würden,  nichts  an  der  Selbstgefährdung  der  Beschwerdeführerin  ändern.  Schliesslich  sei  das  vorliegende Gesuch nach Treu und Glauben rechtzeitig gestellt worden. B.  Mit Verfügung  vom 13.  Februar  2008 –  eröffnet  am 21. Februar  2008 –  wies  das  BFM  auch  dieses  Wiedererwägungsgesuch  der  Beschwerdeführenden,  soweit  darauf  einzutreten  sei,  unter  Kostenfolge  ab, erkannte die Verfügungen vom 3. und 12. März 2004 als rechtskräftig  und  vollstreckbar,  erhob  eine  Gebühr  in  Höhe  von  Fr.  1'200.–,  sprach  einer  allfälligen  Beschwerde  die  Zuerkennung  der  aufschiebenden  Wirkung  ab  und  lehnte  schliesslich  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen Rechtspflege ab. Zur Begründung führte das Bundesamt  aus, dass vorliegend kein plausibler Grund ersichtlich sei, weshalb es den  Beschwerdeführenden  trotz  zumutbarer  Sorgfalt  nicht  möglich  gewesen  sei,  Beweismittel  wie  das  Bestätigungsschreiben  des  (…)  Botschafters  von  Sierra  Leone  in  [europäisches  Land]  früher  einzureichen.  Dieses 

E­1980/2008 Beweismittel  stelle  deshalb gemäss Art. 66 Abs.  3 VwVG keinen Grund  dar,  der  zu  einer  wiedererwägungsweisen  Überprüfung  der  rechtskräftigen Verfügung Anlass  geben  könne. Des Weiteren  habe  die  Beschwerdeführerin, obwohl sie sich seit einigen Jahren  in der Schweiz  befinde,  erst  im  Rahmen  der  Vorbereitungshandlungen  des  Wegweisungsvollzugs  angegeben,  dass  sie  eine  sierra­leonische  Staatsangehörige  sei  und  gefälschte  Dokumente  hierzu  eingereicht.  Selbst wenn  die Beschwerdeführerin  aus Sierra  Leone  stamme,  sei  sie  bis dato nicht bereit gewesen,  ihren wahren Herkunftsort  innerhalb  ihres  angeblichen  Heimatlandes  preiszugeben.  Im  Übrigen  sei  ihre  Reisefähigkeit erst im Zeitpunkt des Wegweisungsvollzugs zu beurteilen.  C.  Mit Schreiben vom 7. Februar 2008 [recte: 7. März 2008] an [kantonales  Migrationsamt]  stellte  das BFM  fest,  dass  die Beschwerdeführenden an  den  "zentralen  Befragungen  Sierra  Leone"  (Interviews  zur  Klärung  der  Staatsangehörigkeit unter Mitwirkung einer Delegation von Sierra Leone)  vom  26.  Februar  2008  teilgenommen  hätten  und  seitens  der  sierra­ leonischen  Delegation  keine  Zweifel  bestünden,  dass  sie  aus  Sierra  Leone stammen würden.  D.  Mit Eingabe vom 25. März 2008 erhob die Rechtsvertreterin namens und  im  Auftrag  der  Beschwerdeführenden  gegen  die  vorinstanzliche  Verfügung  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  und  beantragte  dabei  die  Aufhebung  des  angefochtenen  Entscheides  und  die  wiedererwägungsweise  Gewährung  der  vorläufigen  Aufnahme  unter  Feststellung  der  Unzulässigkeit  respektive  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzuges  nach  Sierra  Leone;  eventualiter  sei  die  Vorinstanz anzuhalten, über ihre Schlussfolgerung aus der Befragung der  Beschwerdeführenden  durch  die  Botschaft  von  Sierra  Leone  in  [europäisches  Land]  vom  26.  Februar  2008  Auskunft  zu  geben;  subeventualiter  sei  das  Beschwerdeverfahren  zu  sistieren,  bis  die  Behörden  die  Staatsangehörigkeit  und  Herkunft  der  Beschwerdeführenden  als  festgestellt  erachteten.  In  prozessualer  Hinsicht wurde um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne  von  Art. 65  Abs.  1  und  Abs.  2  VwVG,  um  Zuerkennung  der  aufschiebenden  Wirkung  der  Beschwerde  sowie  um  Aussetzung  des  Wegweisungsvollzuges ersucht. 

E­1980/2008 Zur  Begründung  wurde  insbesondere  ausgeführt,  dass  sich  seit  dem   Erlass  des  negativen  Asylentscheids  vom  3.  März  2004  der  rechtserhebliche  Sachverhalt  massgeblich  verändert  habe.  Die  Beschwerdeführerin  sei  –  wie  bereits  im  Wiedererwägungsgesuch  gestützt  auf  die  eingereichten  Arztberichte  geltend  gemacht  wurde –  seit  Ende  September  2007  suizidal  (im  Gegensatz  zum  Beschwerdeführer,  bei  welchem  es  bereits  früher  zu  einem  Suizidversuch  gekommen  sei).  Aus  dem  ärztlichen  Bericht  von  E._______ und F._______ vom 7. November 2007 gehe hervor, dass  die  Beschwerdeführerin  wechselnd  in  der  Intensität,  jedoch  ständig  suizidgefährdet und damit auf eine psychiatrische und medikamentöse  Behandlung angewiesen  sei.  Zudem sei  dem Bericht  vom 10.  Januar  2008  weiter  zu  entnehmen,  dass  sich  ihr  Gesundheitszustand  seit  Oktober 2007 in relativ kurzer Zeit gravierend verschlechtert habe. Die  psychischen Störungen äusserten sich seither zusätzlich auch in Form  von  Suizidalität.  Deren  Intensität  habe  seit  Mitte  November  2007  kontinuierlich  zugenommen  und  bleibe  kurz­  und  mittelfristig  hoch.  Zusammengefasst  leide  die  Beschwerdeführerin  an  einer  schweren  chronischen  posttraumatischen  Belastungsstörung  und  an  schweren  depressiven  Episoden  assoziiert  mit  akuter  Suizidalität.  Bei  Abbruch  der  angezeigten  Medikation  sei  mit  einer  weitgehenden  psychischen  Dekompensation  und  mit  Suizidhandlungen  zu  rechnen.  Ohne  kontinuierliche und nachhaltige gesprächstherapeutische Aufarbeitung  würde  sich  die  posttraumatische  Belastungsstörung  weiter  zu  einer  andauernden  Persönlichkeitsänderung  entwickeln.  Ein  solcher  Krankheitsverlauf chronifiziere die Suizidalität der Beschwerdeführerin.  Die  Entwicklung  selbstgefährdender  Tendenzen  sei  bei  Therapiebeginn  nicht  absehbar  gewesen.  Das  Risiko  einer  wesentlichen  Verschlechterung  des  Gesundheitszustands  der  Beschwerdeführerin  sei  im  Falle  einer  Rückschaffung  folglich  nicht  spekulativ,  sondern  handfest  und  hoch.  Zu  den  Behandlungsmöglichkeiten  in  Sierra  Leone  sei  –  wie  bereits  im  Wiedererwägungsgesuch  –  insbesondere  auf  EMARK  2006  Nr. 16  sowie den Bericht  von Julia Mackenzie, Sierra Leone`s  failing health,  in: BBC News,  vom 1. April  2007  verwiesen  (vgl. Bst. A).  Im Übrigen  halte  die  Vorinstanz  in  der  angefochtenen  Verfügung  fest,  dass  die  Staatsangehörigkeit  der  Beschwerdeführenden  bis  zu  diesem  Zeitpunkt nicht abschliessend geklärt worden sei. Aus den Akten gehe  jedoch  hervor,  dass  sich  die  Beschwerdeführenden  am  26.  Februar  2008 nach dem Erlass der angefochtenen Verfügung einer Befragung  mit einer Delegation aus Sierra Leone unterzogen hätten und dabei als 

E­1980/2008 sierra­leonische  Staatsangehörige  anerkannt  worden  seien  (vgl. Bestätigungsschreiben  der  sierra­leonischen  Botschaft  in  [europäisches  Land]  vom  7.  Dezember  2007).  Daher  könne  den  Ausführungen  der  Vorinstanz,  das  vorgebrachte  Wegweisungsvollzugshindernis  sei  wegen  der  unbekannten  Herkunft  der  Beschwerdeführenden  keiner  inhaltlichen  Prüfung  zugänglich,  nicht  gefolgt  werden.  Schliesslich  hänge  die  Suizidgefährdung  der  Beschwerdeführerin  nicht  von  der  psychischen  Drucksituation  im  Vorfeld  oder  von  einer  Ausschaffung  ab,  sondern  sei  durch  eine  tief  angelegte  Störung  bedingt,  was  eine  medikamentöse  Abfederung  während  der  Rückschaffung  nicht  beseitige.  Flankierende  Massnahmen  bei  der  Ausschaffung  würden  nichts  an  der  in  Sierra  Leone  angeblich  nicht  austilgbaren  Selbstgefährdung  der  Beschwerdeführerin ändern. E.  Mit Telefax vom 27. März 2008 setzte das Bundesverwaltungsgericht den  Vollzug der Wegweisung im Sinne einer superprovisorischen Massnahme  einstweilen aus. F.  Mit Verfügung vom 10. April  2008 setzte das Bundesverwaltungsgericht  den  Vollzug  der  Wegweisung  aus  und  hielt  fest,  die  Beschwerdeführenden  könnten  den  Ausgang  des  Verfahrens  in  der  Schweiz  abwarten.  Ferner  hiess  es  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  gut,  wies  allerdings  dasjenige  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Verbeiständung  ab  und  verzichtete  sodann  auf  die Erhebung  eines Kostenvorschusses.  Schliesslich  lud  es  die Vorinstanz zur Einreichung einer Vernehmlassung ein. G.  In  seiner  Vernehmlassung  vom  23.  Mai  2008  führte  das  BFM  aus,  es  treffe  zu,  dass  sich  die Beschwerdeführerin  am 26.  Februar  2008  einer  Befragung  mit  einer  sierra­leonischen  Delegation  unterzogen  habe  und  dabei als sierra­leonische Staatsangehörige anerkannt worden sei. Es sei  allerdings  kein  plausibler  Grund  ersichtlich,  weshalb  es  den  Beschwerdeführenden  seit  der  Einreichung  ihres  Asylgesuchs  nicht  möglich  gewesen  sei,  geeignete  Beweismittel  zum  Nachweis  ihrer  Herkunft bereits im Rahmen des ordentlichen Verfahrens zu den Akten zu  reichen.  Jedoch  stelle  auch  die  nunmehr  feststehende  sierra­leonische  Staatsangehörigkeit  der  Beschwerdeführenden  gemäss  Art.  66  VwVG 

E­1980/2008 keinen Grund dar, der zu einer wiedererwägungsweisen Überprüfung der  rechtskräftigen  Verfügung  im  Hinblick  auf  allfällige  Wegweisungsvollzugshindernisse  Anlass  geben  könnte.  Im  Übrigen  sei  der  wahre  Herkunftsort  innerhalb  von  Sierra  Leone  immer  noch  nicht  bekannt.  H.  Mit Eingabe vom 24. Mai 2008 an das Bundesverwaltungsgericht reichte  die  Rechtsvertreterin  folgende  Dokumenten  zu  den  Akten,  welche  die  anhaltende  drastische  psychiatrisch­psychologische  Unterversorgung  in  Sierra  Leone  verdeutlichen  würden:  einen  Bericht  des  United  Nations  High  Commissioner  for  Human  Rights  (UNHCHR)  betreffend  Sierra  Leone  vom  26.  Februar  2008  sowie  eine  Zusammenfassung  eines  Dokumentarfilms zur Versorgung in Sierra Leone vom 20. März 2008.  I.  Mit  Verfügung  vom  27.  Mai  2008  stellte  das  Bundesverwaltungsgericht  den  Beschwerdeführenden  die  Vernehmlassung  der  Vorinstanz  zu  und  räumte ihnen Gelegenheit ein, hierzu Stellung zu nehmen.  J.  Mit Replikeingabe vom 8. Juni 2008 nahm die Rechtsvertreterin wie folgt  Stellung:  Die  nunmehr  feststehende  Staatsangehörigkeit  der  Beschwerdeführenden  selbst  bilde  nicht  den  Wiedererwägungsgrund,  dessen  Geltendmachung  an  Bedingungen  geknüpft  sei,  sondern  Voraussetzung  der  Überprüfbarkeit  des  Vorliegens  eines  Wegweisungsvollzugshindernisses.  Der  Wiedererwägungsgrund  sei  vorliegend  die  Suizidalität  der  Beschwerdeführerin.  Ausserdem  sei  den  diversen  zu  den  Akten  gegebenen  Beweismitteln  zu  entnehmen,  dass  selbst  in  Freetown  –  die  Beschwerdeführerin  und  ihre  Familie  kämen  allerdings  aus  G._______–  die  Versorgung  nicht  gewährleistet  sei,  welche  die Beschwerdeführerin  zur  auch  nur  ansatzweisen Behandlung  der  diagnostizierten  schweren  chronischen  posttraumatischen  Belastungsstörung  assoziiert  mit  akuter  Suizidalität  benötige.  Die  Vorinstanz  habe  sich  –  trotz  des  Hinweises  des  Bundesverwaltungsgericht  in  seiner  Verfügung  vom  10. April  2008 –  weder  zum  Sachverhalt  der  Suizidalität  nach  einer  hypothetischen  Rückschaffung noch zur Rechtsfolge dieser Einschätzung geäussert.  Im  Übrigen  habe  der  Therapeut  der  Beschwerdeführerin  auf  Anfrage  hin  mitgeteilt,  dass  sich  ihr  gesundheitlicher  Zustand  in  keiner  Weise  verbessert habe. 

E­1980/2008 K.  Mit  Eingabe  vom 4. März  2009  reichte  die Rechtsvertreterin  den  in  der  Eingabe vom 24. Mai 2008 erwähnten Dokumentarfilm zur psychiatrisch­ psychologischen  Unterversorgung  in  Sierra  Leone  auf  DVD  ein.  Ferner  habe sich gemäss Auskunft des behandelnden Therapeuten, F._______,  vom  2.  Februar  2009  der  Gesundheitszustand  der  Beschwerdeführer  nicht  verändert. Vor dem Hintergrund der psychiatrisch­psychologischen  Verhältnisse  in  Sierra  Leone  sei  eine  Rückschiebung  der  Beschwerdeführerin mithin nicht zulässig.  L.  Die Rechtsvertretung  reichte mit Eingabe vom 1. Dezember 2009 sowie  E­Mail  vom 3. Dezember  2009  an  das Bundesverwaltungsgericht  einen  Austrittsbericht  von  Dr.  med.  H._______,  Assistenzarzt,  (...),  vom  24. August 2009 zu den Akten, gemäss welchem die sehr ängstliche und  verschlossene Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der Selbsteinweisung ins  Krankenhaus  an  akutem Drehschwindel  und  rezidivierendem Erbrechen  gelitten  habe.  Nach  den  Angaben  des  Beschwerdeführers  sei  die  Beschwerdeführerin nicht mehr  fähig gewesen,  zu stehen und habe auf  der  Tragbahre  eingeliefert werden müssen.  Im Krankenhaus  sei  sie mit  Medikamenten beruhigt geworden und habe zur Beobachtung eine Nacht  auf  der  Notfallstation  bleiben  müssen.  Die  Ursache  sei  gemäss  dem  eingereichten Bericht unklar, jedoch werde vermutet, dass der Schwindel  gegebenenfalls  psychisch  bedingt  gewesen  sei.  Laut  den Angaben  des  Therapeuten  der  Beschwerdeführerin,  F._______,  sei  die  Beschwerdeführerin  ohne  die  intensive  antisuizidale  Psychopharmakatherapie,  welche  die  Gesprächstherapie  begleite,  extrem suizidal und fragmentiert oder sogar randpsychotisch.  M.  Mit  Eingabe  vom  18.  März  2009  teilte  die  Rechtsvertreterin  dem  Bundesverwaltungsgericht  mit,  dass  der  Beschwerdeführerin  Ende  Februar 2009  innerhalb weniger Tage alle Kopfhaare ausgefallen seien.  Der behandelnde Therapeut, F._______, sei der Ansicht, der Haarausfall  sei  psychisch  bedingt,  zumal  der  gesundheitliche  Zustand  der  Beschwerdeführerin unverändert schlecht sei.  N.  Das Bundesverwaltungsgericht forderte mit Verfügung vom 13. Juli 2011  die  Beschwerdeführenden  auf,  einen  aktuellen  Arztbericht  den  Zustand 

E­1980/2008 der  Beschwerdeführerin  betreffend  sowie  eine  allfällige  Kostennote  einzureichen.  O.  Mit Eingabe vom 19. September 2011 reichte die Rechtsvertreterin einen  Ergänzungsbericht  von  E._______  und  dem  Psychotherapeuten  der  Beschwerdeführerin, F._______, vom 14. September 2011 zu den Akten,  dem  zu  entnehmen  ist,  dass  die  im  Bericht  vom  10.  Januar  2008  gestellten  Diagnosen  nach  wie  vor  Gültigkeit  beanspruchen  würden.  Zusätzlich  habe  sich  der  Gesundheitszustand  der  Beschwerdeführerin  verschlechtert.  Die  engmaschige  psychotherapeutische  und  medikamentöse  Behandlung  habe  aber  immerhin  zu  einer  leicht  stabilisierenden Wirkung führen können. Die Fortsetzung sei nach wie vor  dringend nötig und sinnvoll. Ein Abbruch der Medikation würde zu einer  psychischen  Dekompensation  führen.  Ohne  kontinuierliche  und  nachhaltige  gesprächstherapeutische  Aufarbeitung  könnte  sich  die  posttraumatische  Belastungsstörung  weiter  zu  einer  andauernden  Persönlichkeitsänderung  entwickeln,  was  die  Suizidalität  der  Patientin  chronifiziere.  Die  Rechtsvertreterin  führte  sodann  aus,  der  im  Ergänzungsbericht  aufgezeigte  Krankheitsverlauf  bestätige  auch,  dass  die Suizidalität der Beschwerdeführerin auf einer psychischen Erkrankung  und nicht  primär auf  einer punktuellen Drucksituation basiere. Zu Frage  der  Behandelbarkeit  der  Erkrankung  in  Sierra  Leone  werde  auf  die  Beschwerdeeingabe und die eingereichten ergänzenden Stellungnahmen  verwiesen.  Ergänzend  sei  zudem  darauf  hinzuweisen,  dass  sich  die  beiden  Kinder  derweil  sehr  gut  in  der  Schweiz  integriert  hätten.  Zur  Stützung  der  geltend  gemachten  Vorbringen  wurden  zwei  Bestätigungsschreiben  in  Kopie  von  der  Kindergärtnerin  I._______  vom  15. September  2011  sowie  vom  Klassenlehrer  J._______  vom  19.  September 2011 die Kinder betreffend zu den Akten gereicht.  P.  Mit Eingabe vom 22. September 2011 an das Bundesverwaltungsgericht  reichte die Rechtsvertreterin folgende, in der Eingabe vom 19. September  2011  in  Aussicht  gestellte  Unterlagen  ein:  Bestätigungsschreiben  im  Original   von  der  Kindergärtnerin  I._______  vom  15. September  2011  sowie  eine  Bescheinigung  des  [Sportclub]  vom  7.  September  2011  die  Kinder betreffend. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

E­1980/2008 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art.  5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art.  33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom 26. Juni 1998  [AsylG, SR 142.31]  i. V. m. Art. 31 – 33 VGG; Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]). 1.2  Das  Bundesverwaltungsgericht  beurteilt  gemäss  bisheriger  Praxis  letztinstanzlich  auch  Beschwerden  gegen  Verfügungen,  in  denen  das  Bundesamt  es  ablehnt,  einen  früheren  Entscheid  auf  Gesuch  hin  in  Wiedererwägung zu ziehen. 1.3 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 1.4  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Die  Beschwerdeführenden sind durch die angefochtene Verfügung besonders  berührt  und  haben  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Sie  sind  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art.  108 AsylG  sowie Art.  105 AsylG  i.V.m. Art.  37 VGG und Art. 48 Abs. 1 und Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde  ist  einzutreten. 2.  Die  Wiedererwägung  im  Verwaltungsverfahren  ist  ein  gesetzlich  nicht  geregelter  Rechtsbehelf,  auf  dessen  Behandlung  durch  die  verfügende  Behörde  grundsätzlich  kein  Anspruch  besteht.  Der  Sinn  der  Wiedererwägung  –  wie  auch  der  Revision  –  ist  nicht  die  erneute  rechtliche  Würdigung  eines  bereits  hinlänglich  erstellten  und  endgültig  beurteilten Sachverhalts  (vgl. EMARK 1999 Nr. 4 E. 5a S. 24  f.). Es  ist  unzulässig, ein  rechtskräftig abgeschlossenes Verfahren unter dem Titel 

E­1980/2008 eines  Wiedererwägungsgesuchs  faktisch  zu  wiederholen,  indem  die  rechtliche Beurteilung der verfügenden Behörde (erneut) in Frage gestellt  wird;  in  diesem  Fall  wird  auf  das  Wiedererwägungsgesuch  nicht  eingetreten. Zudem ist auf ein Wiedererwägungsgesuch nicht einzutreten,  wenn  zu  dessen  Begründung  lediglich  unsubstanziierte  Behauptungen  aufgestellt  werden  und  aus  der  Rechtsschrift  die  tatsächlichen  Anhaltspunkte,  die  auf  das  Vorliegen  eines  Wiedererwägungsgrundes  hindeuten sollen, nicht ersichtlich sind (vgl. EMARK 2005 Nr. 25 E. 4.2 S.  227 f., EMARK 2003 Nr. 17 E. 2a S. 103 f., EMARK 2001 Nr. 20 E. 3c.dd  S. 156). Gemäss  herrschender  Lehre  und  ständiger  Praxis  des  Bundesgerichts  wird  jedoch  aus  Art.  29  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR  101)  unter  bestimmten  Voraussetzungen  ein  verfassungsmässiger  Anspruch  auf  Wiedererwägung  abgeleitet  (vgl.  BGE  127  I  133  E.  6,  mit  weiteren  Hinweisen).  Danach  hat  die  zuständige  Behörde  eine  selbst  getroffene  Verfügung in Wiedererwägung zu ziehen, wenn sich der rechtserhebliche  Sachverhalt seit Eintritt der Rechtskraft – am Tag nach Ablauf der nicht  genutzten  Rechtsmittelfrist  oder  durch  bestätigendes  Urteil  der  mit  Beschwerde  angerufenen  Rechtsmittelinstanz  –  in  wesentlicher  Weise  verändert  hat  und mithin  eine Anpassung der  (ursprünglich  fehlerfreien)  Verfügung  erforderlich  ist,  ohne  dass  deren  Gegenstand  neu  beurteilt  wird.  Im  Weiteren  können  auch  Revisionsgründe  einen  Anspruch  auf  Wiedererwägung  begründen,  sofern  sie  sich  auf  eine  rechtskräftige  Verfügung  beziehen,  die  entweder  unangefochten  blieb  oder  deswegen  niemals  einer  materiellen  Prüfung  unterzogen  wurde,  weil  das  angehobene Beschwerdeverfahren mit einem formellen Urteil endete. Ein  solchermassen  als  qualifiziertes  Wiedererwägungsgesuch  zu  bezeichnendes  Rechtsmittel  ist  grundsätzlich  nach  den  Regeln  des  Revisionsverfahrens gemäss Art. 66 ff. VwVG zu behandeln (vgl. EMARK  2003 Nr. 17 E. 2a S. 103 f. mit weiteren Hinweisen). 3.  3.1.  Als  Wiedererwägungsgründe  wurden  im  Wesentlichen  erhebliche  vollzugshinderliche  Umstände  respektive  die  seit  Abschluss  des  ordentlichen  Asylverfahrens  eingetretene  veränderte  gesundheitliche  Lage  der  Beschwerdeführerin  –  insbesondere  die  seit  Ende September  2007  bestehende  Suizidalität  –  und  die  damit  verbundenen  Schwierigkeiten, jene im nunmehr festgestellten Heimatland Sierra Leone 

E­1980/2008 zu  behandeln,  angeführt  und  mittels  diverser  Arztberichte  untermauert.  Der  psychische  Gesundheitszustand  der  traumatisierten  Beschwerdeführerin  habe  sich  seit  September  2007  markant  verschlechtert  und  sie  habe  deshalb  am  18. September  2007  in  das  Kriseninterventionszentrum (…) eingewiesen werden müssen. Zusätzlich  wurde  auch  die  lange Anwesenheit  der Kinder  in  der Schweiz  und  ihre  sehr  gute  Integration  vorgebracht.  Diese  Sachvorbringen  sind  darauf  ausgerichtet,  die  ursprünglich  fehlerfreien  rechtskräftigen  Verfügungen  vom  3.  März  2004  und  12. März  2004,  mit  welchen  das  BFF  die  Asylgesuche der Beschwerdeführenden ablehnte sowie die Wegweisung  aus der Schweiz samt Vollzug anordnete,  in Bezug auf den Vollzug der  Wegweisung nachträglich anzupassen.  3.2.  Das  BFM  hat  mit  Verfügung  vom  13. Februar  2008  das  Wiedererwägungsgesuch  der  Beschwerdeführenden  vom  24.  Januar  2008 abgewiesen, soweit es darauf eintrat.  3.2.1.  Nicht  eingetreten  ist  das  Bundesamt  auf  das  Wiedererwägungsgesuch,  soweit  es  (als  Revisionsgrund)  die  Geltendmachung der Staatsangehörigkeit und Herkunft von Sierra Leone  betraf,  da  die  Beschwerdeführenden  dieses  Vorbringen  bereits  früher  hätten  geltend  machen müssen.  Diese  Überlegungen  des  BFM mögen  zutreffend  sein;  sie  werden  im  Beschwerdeverfahren  aber  gar  nicht  bestritten (vgl. Replikeingabe vom 8. Juni 2008, oben Bst. J).  Im Übrigen ist festzuhalten, dass das Bundesverwaltungsgericht aufgrund  der  vorliegenden  Aktenlage  (vgl. insbesondere  das  Bestätigungsschreiben  des  (...)  Botschafters  von  Sierra  Leone  in  [europäisches  Land]  vom  7. Dezember  2007)  in  Übereinstimmung  mit  dem  BFM  davon  ausgeht,  dass  es  sich  bei  den  Beschwerdeführenden  um sierra­leonische Staatsangehörige handelt. Es steht mithin heute fest,  dass ein Wegweisungsvollzug nach Sierra Leone zu erfolgen hätte.  3.2.2.  Die  Vorinstanz  hat  den  Anspruch  auf  Behandlung  als  Wiedererwägungsgesuch  betreffend  die  Anpassung  der  ursprünglich  fehlerfreien  Verfügung  an  eine  nachträglich  veränderte  Sachlage  vorliegend  nicht  in  Abrede  gestellt  und  ist  materiell  auf  das  Gesuch  eingetreten, welches sie allerdings ablehnte, da keine Gründe vorlägen,  welche  die  Rechtskraft  der  Verfügung  vom  3.  sowie  12.  März  2004  beseitigen könnten. Den Prozessgegenstand bildet vorliegend – gemäss  den  ausdrücklichen  Rechtsbegehren  im  Wiedererwägungsgesuch  vom 

E­1980/2008 24. Januar  2008  sowie  auch  in  der  Beschwerdeeingabe  vom  25.  März  2008  –  lediglich  der  Vollzug  der  Wegweisung.  Demnach  hat  das  Bundesverwaltungsgericht  zu  prüfen,  ob  hinsichtlich  des  Wegweisungsvollzugs  eine  seit  dem  Abschluss  des  ordentlichen  Verfahrens (sprich seit dem 3. und 12. März 2004) erheblich veränderte  Sachlage  im  wiedererwägungsrechtlichen  Sinne  vorliegt,  wobei  für  das  Gericht die Situation heute, zum Zeitpunkt des Entscheids, massgeblich  ist.  Wie nachfolgend ausgeführt, ist dies in zweierlei Hinsicht – bezüglich des  Gesundheitszustands  der  Beschwerdeführerin  (vgl.  dazu  E.  4.3)  und  hinsichtlich  der  Situation  der  Kinder  (vgl.  dazu E.  4.4)  –  zu  bejahen.  In  Bezug  auf  die  gesundheitliche  Lage  der  Beschwerdeführerin  (und  ihres  Ehemannes)  wurden  im  ordentlichen  Verfahren  im  Jahre  2004  keine  Probleme aktenkundig. Diesbezüglich hat sich die Lage seither geändert  beziehungsweise massiv verschlechtert. Was die Kinder betrifft, war das  ältere  im  ordentlichen  Verfahren  noch  klein,  das  andere  gar  nicht  geboren. Auch hier ist die Situation heute eine grundlegend andere. 4.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht  möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG). 4.1. Gemäss  Rechtsprechung  des  Bundesverwaltungsgerichts  sind  die  Bedingungen  für  einen  Verzicht  auf  den  Vollzug  der  Wegweisung  (Unzulässigkeit,  Unzumutbarkeit,  Unmöglichkeit)  alternativer  Natur.  Sobald eine der Bedingungen erfüllt  ist,  ist der Vollzug der Wegweisung  als  undurchführbar  zu  betrachten  und  die  weitere  Anwesenheit  in  der  Schweiz  gemäss  den  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  zu  regeln (vgl. dazu BVGE 2009/51 E. 5.4, mit weiteren Hinweisen). Gegen  eine  allfällige  Aufhebung  der  vorläufigen  Aufnahme  steht  dem  weggewiesenen  Asylsuchenden  wiederum  die  Beschwerde  an  das  Bundesverwaltungsgericht offen (vgl. Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 44 Abs. 2  AsylG).  In  diesem  Verfahren  wäre  dann  der  Wegweisungsvollzug  vor  dem Hintergrund sämtlicher Vollzugshindernisse von Amtes wegen nach  Massgabe der in diesem Zeitpunkt herrschenden Verhältnisse zu prüfen. 4.2.  Vorliegend  konzentriert  sich  die  Prüfung  auf  die  Frage  der  Unzumutbarkeit.  Da  aufgrund  des  nachfolgend  Gesagten  die 

E­1980/2008 Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  heute  bejaht  werden  muss,  kann darauf verzichtet werden, auf die Frage der Unzulässigkeit im Lichte  der  Rechtsprechung  des  EGMR  zu  Art.  3  der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  im  Falle  von  gravierenden  Gesundheitsproblemen einzugehen. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG  ist der  Vollzug der Wegweisung nicht zumutbar, wenn die beschwerdeführende  Person  bei  einer  Rückkehr  in  ihren  Heimatstaat  einer  konkreten  Gefährdung  ausgesetzt  wäre.  Diese  Bestimmung  wird  vor  allem  bei  Gewaltflüchtlingen  angewendet,  das  heisst  bei  Ausländerinnen  und  Ausländern,  die  mangels  persönlicher  Verfolgung  weder  die  Voraussetzungen  der  Flüchtlingseigenschaft  noch  jene  des  völkerrechtlichen  Non­Refoulement­Prinzips  erfüllen,  jedoch  wegen  der  Folgen  von  Krieg,  Bürgerkrieg  oder  einer  Situation  allgemeiner  Gewalt  nicht  in  ihren Heimatstaat  zurückkehren  können.  Im Weiteren  findet  sie  Anwendung  auf  andere  Personen,  die  nach  ihrer  Rückkehr  ebenfalls  einer konkreten Gefahr ausgesetzt wären, weil sie die absolut notwendige  medizinische  Versorgung  nicht  erhalten  könnten  oder  –  aus  objektiver  Sicht  –  wegen  der  vorherrschenden  Verhältnisse  mit  grosser  Wahrscheinlichkeit unwiederbringlich  in völlige Armut gestossen würden,  dem  Hunger  und  somit  einer  ernsthaften  Verschlechterung  ihres  Gesundheitszustands,  der  Invalidität  oder  sogar  dem  Tod  ausgeliefert  wären  (BVGE 2009/52 E. 10.1, 2009/51 E. 5.5, 2009/28 E. 9.3.1,  je mit  weiteren  Hinweisen).  Den  Asylbehörden  kommt  im  Rahmen  der  Anwendung  von  Art. 83  Abs.  4  AuG  ein  Ermessensspielraum  zu  (vgl.  EMARK  2001  Nr.  16  E.  6b  S.  123  mit  weiteren  Hinweisen,  wobei  zu  berücksichtigen ist, dass die dort zitierte Bestimmung von Art. 14a Abs. 4  des  Bundesgesetzes  über  Aufenthalt  und  Niederlassung  der  Ausländer  vom  26. März  1931  [ANAG,  BS  1  121]  in  das  heute  geltende  AuG  überführt wurde). 4.3.  4.3.1.  Den  Akten  zufolge  leide  die  Beschwerdeführenden  unter  gesundheitlichen  Problemen  respektive  Krankheitsbildern  psychischer  Natur.  Dem  aktuellsten  Arztbericht  vom  14.  September  2011  ist  zu  entnehmen, dass der Befund im ärztlichen Zeugnis vom 10. Januar 2008  nach  wie  vor  gültig  sei;  danach  leide  die  Beschwerdeführerin  an  einer  schweren  chronischen  posttraumatischen  Belastungsstörung  und  an  schweren depressiven Episoden assoziiert mit akuter Suizidalität und sei  deshalb  auf  eine  andauernde,  engmaschige  psychiatrische  und  medikamentöse Behandlung angewiesen. Der Gesundheitszustand habe 

E­1980/2008 sich  zudem  seit  2008  nochmals  verschlechtert.  Die  befürchtete  Entwicklung einer andauernden Persönlichkeitsstörung habe bisher aber  durch  die  leicht  stabilisierende Wirkung  der  Therapie  noch  abgewendet  werden  können.  Eine  adäquate  Behandlung  der  Beschwerdeführerin  garantiere  jedoch  keinen  Therapieerfolg.  Die  Wahrscheinlichkeit  von  Suizidalhandlungen  bleibe  kurz­  und  mittelfristig  hoch.  Beim  Wegfallen  der Medikation sei mit einer weitgehenden psychischen Dekompensation  zu  rechnen  und  es  komme  mit  hoher  Wahrscheinlichkeit  zu  Suizidhandlungen.  Zudem  entwickle  sich  ohne  die  kontinuierliche  und  nachhaltige  gesprächstherapeutische  Aufarbeitung  die  posttraumatische  Belastungsstörung  zu  einer  andauernden  Persönlichkeitsveränderung.  Ein  solcher  Krankheitsverlauf  chronifiziere  die  Suizidalität  der  Beschwerdeführerin.  Es besteht vorliegend keine konkrete Veranlassung, an der von den die  Beschwerdeführerin  behandelnden  Fachärzten  und  Therapeuten  gestellten  Diagnose  zu  zweifeln.  Somit  ist  vom  medizinischen  Sachverhalt,  wie  er  in  den  ärztlichen  Berichten  beschrieben  wird,  auszugehen.  Fraglich  ist  folglich,  ob  die  Beschwerdeführerin  im  Falle  eines Wegweisungsvollzugs eine angemessene medizinische Betreuung  in ihrem Heimatland Sierra Leone – zumindest in Freetown – vorfände. 4.3.2. Gemäss dem Report von United Nations Children's Fund (UNICEF)  "Free,  universal  health  care  rolls  out  for mothers  and  children  in  Sierra  Leone"  vom  28.  Juli  2010  ist  das  Gesundheitssystem  in  Sierra  Leone  trotz  positiven  Entwicklungen  nach  wie  vor  mit  diversen  Problemen  konfrontiert  (vgl.  http://www.unicef.org/infobycountry/sierraleone_55298.html,  abgerufen  am 14. Oktober 2011). Eine allgemeine Krankenversicherung existiert  in  Sierra Leone nicht und mit Ausnahme der Unterstützung für Schwangere,  stillende  Mütter  und  Kinder  unter  fünf  Jahren  müssen  Kosten  für  medizinische  Behandlungen  von  den  Patienten  selber  bezahlt  werden  (vgl.  US  Social  Security  Administration,  Social  Security  Programs  Throughout  the  World:  Africa  2011:  Sierra  Leone,  2011,  http://www.ssa.gov/policy/docs/progdesc/ssptw/2010­2011/africa/sierrale one.html,  abgerufen  am  14.  Oktober  2011).  Für  die  sierra­leonische  Regierung  stellen  der  Mangel  an  qualifiziertem  Fachpersonal,  die  unzureichende  Versorgung  mit  Medikamenten  sowie  technischen  Geräten  und  die  Gebühren,  welche  Patienten  bezahlen  müssen,  die  grössten  Probleme  des  Gesundheitswesens  dar  (vgl.  Government  of  Sierra Leone, Free healthcare services for pregnant and lactating women  http://www.unicef.org/infobycountry/sierraleone_55298.html http://www.ssa.gov/policy/docs/progdesc/ssptw/20102011/africa/sierraleone http://www.ssa.gov/policy/docs/progdesc/ssptw/20102011/africa/sierraleone http://www.ssa.gov/policy/docs/progdesc/ssptw/20102011/africa/sierraleone http://www.ssa.gov/policy/docs/progdesc/ssptw/20102011/africa/sierraleone

E­1980/2008 and  young  children  in  Sierra  Leone,  November  2009,  http://unipsil.unmissions.org/portals/uni­ psil/media/publications/free_services_framewk_nov09.pdf,  und  Republic  of Sierra  Leone, Ministry  of Health  and Sanitation, Sierra  Leone Mental  Health  Policy,  März  2010,  http://www.whosierraleone.org/1_docs/mo­ hspartnersdocs/mental_health_policy.pdf,  beide  abgerufen  am  14.  Oktober  2011).  Theoretisch  würden  Medikamente  zwar  kostenlos  abgegeben,  in  der  Praxis  fehlen  sie  aber  in  den  Kliniken  (vgl.  Irish  Examiner,  Condemned  to  life  of  poverty  and  struggle,  vom  16.  Mai  2011,http://www.irish­examiner.com/ireland/kfojeygbeygb/rss2/,  abgerufen  am  14.  Oktober  2011).  Sodann  ist  es  besonders  schwierig,  Personen  für  die  Arbeit  im  psychiatrischen  Bereich  zu  rekrutieren,  da  Psychiatrie häufig gemieden wird und einen schlechten Ruf hat (vgl. The  Patriotic  Vanguard, Desperate  need  for mental  health workers  in Sierra  Leone,  3.  August  2009,  http://www.thepatrioticvanguard.com/spip.php?article4398,  abgerufen  am  14. Oktober 2011). Im Rahmen der staatlichen Mental Health Policy wird  deshalb beabsichtigt, Fachpersonal  in Psychiatrie aus dem Ausland (mit  Schwerpunkt  auf  Sierraleoner  in  der  Diaspora)  anzustellen.  In  den  verfügbaren  Quellen  existieren  aber  keine  Hinweise,  dass  dieses  Vorhaben  bereits  umgesetzt  wurde  (vgl.  Republic  of  Sierra  Leone,  a.a.O.).  Das  staatliche  Kissy  Mental  Hospital  (auch  als  Kissy  Mental  Home oder Sierra Leone Psychiatric Hospital bezeichnet) wurde 1827 in  Freetown  erbaut  und  verfügt  über  400  Betten.  Unterkunft,  Essen  und  medizinische  Versorgung  sind  zwar  kostenlos,  jedoch  limitiert  (vgl.  Awareness  Times,  Freetown,  Remember  those  living  atop  the  Hill  at  Sierra  Leone's  Kissy  Mental  Hospital,  24.  Mai  2011,http://news.sl/drwebsite/publish/article_20051­7900.shtml,  abgerufen am 14. Oktober 2011). Das Krankenhaus verfügt lediglich über  zwei in Psychiatrie ausgebildete Krankenpfleger. Patienten werden in der  Institution "abgeliefert" und bleiben dort oft  jahrelang (vgl. Ayana Jordan,  The  Faces  of  Mental  Illness  in  Kono,  Sierra  Leone,  26.  Mai  2011,  http://wellbodyalliance.org/news1/2011/5/26/the­faces­of­mental­illness­ in­kono­sierra­leone.html, abgerufen am 14. Oktober 2011). Im November  2010 wurden 93 Personen  im Kissy Mental Hospital behandelt, darunter  Drogensüchtige  sowie  Personen,  die  an  Depressionen  und  Schizophrenie,  an  Manien  und  Epilepsie  leiden.  Bei  den  meisten  Patienten  handelt  es  sich  um  Drogenabhängige  und  Personen  mit  schweren  psychischen  Erkrankungen.  Dr.  E.  Nahim  arbeitete  rund  30  Jahre  lang  als  einziger  Psychiater  in  Sierra  Leone  (im  Kissy  Mental  Hospital)  und  wurde  vor  wenigen  Jahren  pensioniert.  Deshalb  existiert  http://unipsil.unmissions.org/portals/uni-psil/media/publications/free_services_framewk_nov09.pdf http://unipsil.unmissions.org/portals/uni-psil/media/publications/free_services_framewk_nov09.pdf http://www.thepatrioticvanguard.com/spip.php?article4398 http://wellbodyalliance.org/news1/2011/5/26/the-faces-of-mental-illness-in-kono-sierra-leone.html http://wellbodyalliance.org/news1/2011/5/26/the-faces-of-mental-illness-in-kono-sierra-leone.html

E­1980/2008 gegenwärtig  im  ganzen  Land  kein  praktizierender  Psychiater.  Dr.  E.  Nahim  bietet  allerdings  drei  Mal  pro Woche  private  Konsultationen  an;  über  die  Kosten  existieren  in  den  verfügbaren  Quellen  jedoch  keine  Angaben (vgl. Ayana Jordan, The Faces of Mental Illness in Kono, Sierra  Leone, a.a.O.; The Torchlight, Sierra Leone, Kissy Mental Home Needs  More  Attention,  vom  27. November  2010).  Die  Europäische  Union  finanziert  seit  2011 ein  fünf  Jahre dauerndes Projekt  namens  "Enabling  Access to Mental Health Care in Sierra Leone", das als Zielgruppe primär  Personal  definiert,  welches  im  Bereich  Mental  Health  in  Sierra  Leone  arbeitet.  Es  existieren  allerdings  keine  Berichte,  wonach  dieses  Projekt  bereits  eine  direkte  Verbesserung  der  Zustände  insbesondere  im  Kissy  Mental  Hospital  zur  Folge  hätte  (vgl. Enabling  Access  to Mental  Health  Care  in  Sierra  Leone  [EAMH­SL],  Newsletter  Juli  2011,  http://enablingaccesstomentalhealthsl.files.word­ press.com/2011/08/newsletter­for­project1.pdf, abgerufen am 14. Oktober  2011). 4.3.3.  Diesen  Erwägungen  entsprechend  ist  zu  schliessen,  dass  die  Beschwerdeführerin  in  ihrem Heimatland keine genügende medizinische  Behandlung bekommen wird, was schwerwiegende Konsequenzen nach  sich  ziehen  würde.  Angesichts  der  als  erforderlich  erachteten  Therapie  kann offenkundig nicht von einer lückenlosen und adäquaten Versorgung  beziehungsweise  von  einer  sichergestellten  Fortsetzung  der  in  der  Schweiz  eingeleiteten  Behandlung  ausgegangen  werden.  Durch  die  Therapie,  welche  die  Beschwerdeführerin  hierzulande  erfahren  hat,  konnte  eine  leicht  stabilisierende  Wirkung  erzielt  werden.  Die  Aufrechterhaltung  und  Sicherstellung  dieser  gewonnen,  jedoch  gefährdeten  Stabilität  setzt  gerade  die  gesicherte  Fortsetzung  der  laufenden  medizinischen  Behandlungen  und  Kontrollen  voraus;  andernfalls  ist  mit  hoher  Wahrscheinlichkeit  mit  Suizidhandlungen  zu  rechnen.  Die  Gesundheit  der  Beschwerdeführerin  wäre  im  Falle  eines  Wegweisungsvollzuges nach Sierra Leone ernsthaft gefährdet. Aufgrund  der  Akten  kann  auch  nicht  angenommen  werden,  dass  die  Beschwerdeführenden  finanziell  gut  situiert  sind;  selbst  wenn  sich  eine  auf  die  Beschwerdeführerin  zugeschnittene  Behandlung  in  ihrem  Heimatland  finden  liesse,  wäre  ihr  der  Zugang  mangels  genügender  finanzieller Mittel  somit mit grösster Wahrscheinlichkeit  verwehrt. Ferner  geht  aus  den  Akten  hervor,  dass  der  Beschwerdeführer  und  Ehemann  ebenfalls  gesundheitlich  angeschlagen  ist  und  selber medizinische Hilfe  benötigt, weswegen voraussichtlich auch er seine Familie nicht pekuniär  unterstützen  könnte.  Auch  die  Möglichkeit,  medizinische  Rückkehrhilfe 

E­1980/2008 gemäss  Art. 75  der  Asylverordnung 2  vom  11. August  1999  über  Finanzierungsfragen  (AsylV 2,  SR 142.312)  zu  beantragen,  vermag  an  der Einschätzung der Unzumutbarkeit nichts zu ändern, ist jene doch auf  maximal  sechs  Monate  befristet  und  kann  eine  zuverlässige  Aussage  zum  weiteren  Krankheitsverlauf  im  jetzigen  Zeitpunkt  nicht  gemacht  werden;  gleichzeitig  muss  aber  davon  ausgegangen  werden,  dass  die  Beschwerdeführerin  auf  unbestimmte  Zeit  auf  medizinische  Untersuchungen, Kontrollen und Behandlungen angewiesen sein wird. 4.4.  4.4.1.  Gemäss  der  Rechtsprechung  der  vormals  zuständigen  ARK,  welche vom Bundesverwaltungsgericht diesbezüglich weitergeführt wird,  bildet im Rahmen der Zumutbarkeitsprüfung ferner das Wohl des Kindes  einen Gesichtspunkt von gewichtiger Bedeutung,  falls Kinder von einem  Wegweisungsvollzug  betroffen  sind.  Dies  ergibt  sich  nicht  zuletzt  aus  einer völkerrechtskonformen Auslegung von Art. 83 Abs. 4 AuG im Lichte  von Art. 3 Abs. 1 des Übereinkommens vom 20. November 1989 über die  Rechte des Kindes (KRK, SR 0.107). Demzufolge sind unter dem Aspekt  des Kindswohls sämtliche Umstände einzubeziehen und zu würdigen, die  im Hinblick  auf  eine Wegweisung wesentlich  erscheinen  (EMARK  1998  Nr. 13 E. 5e.aa S. 98 f.); namentlich sind Kriterien wie Alter des Kindes,  Reife, Abhängigkeit, Art  der Beziehung  (Nähe,  Intensität,  Tragfähigkeit),  Eigenschaften  der  Bezugsperson  (insbesondere  Unterstützungsbereitschaft und ­fähigkeit), Stand und Prognose bezüglich  Entwicklung  und  Ausbildung  des  Kindes,  Grad  der  erfolgten  Integration  bei einem längeren Aufenthalt in der Schweiz zu würdigen (EMARK 2005  Nr. 6 E. 6.2 S. 57 f.). Gerade letzterer Aspekt, die Dauer des Aufenthaltes  in  der  Schweiz,  ist  im  Hinblick  auf  die  Prüfung  der  Chancen  und  Hindernisse einer Reintegration  im Heimatland als gewichtiger Faktor zu  werten, da insbesondere adoleszente Kinder nicht ohne guten Grund aus  einem  vertrauten  Umfeld  herausgerissen  werden  sollten.  Damit  ist  aus  entwicklungspsychologisscher  Sicht  nicht  nur  das  unmittelbare  persönliche  Umfeld  des  Kindes  (d.h.  dessen  Kernfamilie)  zu  berücksichtigen, sondern auch dessen übrige soziale Einbettung.  Die  Verwurzelung  in  der  Schweiz  kann  eine  reziproke Wirkung  auf  die  Frage  der  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  haben,  indem  eine  starke  Assimilierung  in  der  Schweiz  eine  Entwurzelung  im  Heimatstaat  zur Folge haben kann, welche unter Umständen die Rückkehr dorthin als  unzumutbar  erscheinen  lässt  (vgl.  BVGE 2009/28 E.  9.3.2 S.267  f.  und  BVGE  2009/51  E.  5.6  je  mit  weiteren  Hinweisen). Während  Kindern  in 

E­1980/2008 einem  anpassungsfähigen  Alter  die  Rückkehr  in  ihr  Heimatland  selbst  nach  einem mehrjährigen  Aufenthalt  im Gastland  gemeinhin  zugemutet  wird,  verlangt  ein  Wegweisungsvollzug  eines  langjährig  anwesenden  Adoleszenten  eine  differenzierte  Betrachtung.  Abzuwägen  sind  dabei  insbesondere die besonderen Bindungen, welche die betreffende Person  im  Aufenthaltsstaat  eingegangen  ist,  in  dem  sie  massgeblich  ihre  Erziehung  erhalten,  den  Grossteil  der  sozialen  Kontakte  geknüpft  und  ihre eigene Identität entwickelt hat. Die Gewichtung der Aufenthaltsdauer  hat  sodann  der  Intensität  und  Prägung  des  Aufenthalts  Rechnung  zu  tragen. 4.4.2.  Im  Lichte  dieser  allgemeinen  Ausführungen  ist  die  Situation  der  Kinder  der  Beschwerdeführenden  näher  zu  betrachten.  Auch  diesbezüglich hat sich die Sachlage  im Vergleich zu den ursprünglichen  Verfügungen  von  2004  verändert.  Das  erstgeborene  Kind  ist mit  seiner  Mutter im Jahre 2004 in die Schweiz eingereist. Das jüngere Kind wurde  im  Jahre  (…)  in  der  Schweiz  geboren.  Die  nunmehr  (…)­  und  (…)­ jährigen Kinder besuchen hier momentan die (…). Klasse respektive den  Kindergarten. Mit Eingaben vom 19. sowie 22. September 2011 wies die  Rechtsvertreterin darauf hin, dass sich die beiden Kinder derweil sehr  gut  in der Schweiz  integriert  hätten,  und  reichte  zur Stützung dieses  Vorbringens  folgende  Dokumente  zu  den  Akten:  Bestätigungsschreiben  der  Kindergärtnerin  I._______  vom  15. September  2011,  Bestätigungsschreiben  in  Kopie  des  Klassenlehrers  J._______  vom  19.  September  2011  sowie  Bescheinigung  des  [Sportclub]  vom  7. September  2011.  Den  Unterlagen  ist  zu  entnehmen,  dass  das  erstgeborene  Kind,  C._______,  über  gute  bis  sehr  gute  sowohl  Hoch­  als  auch  Schweizerdeutschkenntnisse  verfüge  und  vollends  in  seiner  Klasse  sowie in der hiesigen Gesellschaft integriert sei. Da das (…). Schuljahr  erst begonnen habe,  falle eine mögliche Einstufung schwierig aus;  in  der  derzeitigen  Lage  würden  seine  Gesamtleistungen  aber  für  die  Sekundarschule  (…) ausreichen. C._______ pflege einen sehr guten  und respektvollen Umgang mit seinen Mitmenschen. Ferner sei er als  sehr talentierter [Sportler] seit (…) 2011 [Sportclub], in welcher er sich  [sportlich]  und menschlich hervorragend  integriert  habe. Das  jüngere  Kind, D._______, verfüge ebenfalls über gute Deutschkenntnisse, sei  vollkommen in der Kindergartenklasse integriert und auf dem gleichen  Entwicklungsstand  wie  seine  gleichaltrigen  Kameraden.  Er  sei  neugierig,  lernfreudig und beteilige  sich aktiv  am Unterricht, weshalb  für den Übertritt  in die erste Klasse keine Schwierigkeiten bestünden. 

E­1980/2008 Auf Konflikte  reagiere  er  ruhig  und  nicht  aggressiv;  zudem könne  er  sich  gut  an  Spielregeln  halten  und  akzeptiere  Grenzen.  Im  Übrigen  würden  sich  die  Eltern  für  das  Geschehen  interessieren  und  seien  auch an Anlässen dabei. Nach dem Gesagten ist von einem hohen Grad  der  erfolgten  Integration  der Kinder  auszugehen. Zumindest  das ältere  Kind  hat  durch  seinen  Aufenthalt  in  der  Schweiz  seit  2004  den  wesentlichen Teil seiner Sozialisation in der hiesigen Kultur erlebt. Aus  den Akten  geht  namentlich  auch nicht  hervor  vor,  dass  die Kinder eine  mit  den  hiesigen  Bindungen  vergleichbare  Beziehung  mit  Bezugspersonen  ihres Heimatlandes unterhalten würden. Sie würden  heute  somit  aus  einer  Lebensstruktur  herausgerissen,  welche  sich  grundlegend von derjenigen in ihrem Heimatland unterscheiden dürfte  und  welche  insbesondere  während  der  letzten  Jahre  die  Persönlichkeitsentwicklung  des  älteren  der  beiden  Kinder  und  den  Alltag  geprägt  hat.  Des  Weiteren  würde  im  Falle  eines  Wegweisungsvollzugs  die  in  der  Schweiz  gewonnene  Sicherheit  der  Beschwerdeführerin  verschwinden,  so  dass  äusserst  fraglich  ist,  ob  sie  noch  in  der  Lage  wäre,  ihren  Alltag  und  denjenigen  ihrer  Kinder  zu  bewältigen,  zumal  auch  der  Beschwerdeführer  und  Ehemann  gesundheitlich  angeschlagen  ist.  Dieser  Umstand  würde  die  Kinder  erheblich tangieren und wäre mit dem Wohl des Kindes nicht vereinbar. 4.4.3.  Vor  dem  geschilderten  Hintergrund  kommt  das  Bundesverwaltungsgericht zum Schluss, dass die in der Schweiz erlebten  Kindsjahre und die dadurch erfolgte Prägung, die kulturellen Differenzen  zum  Heimatland  sowie  der  prekäre  Gesundheitszustand  jedenfalls  der  Beschwerdeführerin  die  Reintegration  zumindest  des  älteren  Kindes  im  Heimatland  tatsächlich  in  Frage  stellen  würden.  Bei  einem  Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt ist davon auszugehen, dass  dieser  eine  Entwurzelung  zur  Folge  hätte,  welche  aufgrund  der  sich  abzeichnenden Problematik einer Reintegration in eine fremd gewordene  Kultur  und  Umgebung  als  gegen  den  Gesichtspunkt  des  Kindswohl  sprechend  qualifiziert  werden  müsste.  Die  positive  Entwicklung  der  Kinder ist daher weiterhin zu unterstützen. Nach dem Gesagten erachtet  das  Bundesverwaltungsgericht  den Wegweisungsvollzug  der  Kinder  als  nicht zumutbar. 4.5.  In  einer  Gesamtwürdigung  der  dem  Bundesverwaltungsgericht  vorliegenden  Akten  und  der  sich  präsentierenden  Rückkehrsituation  kommt  dieses  zum  Schluss,  dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  der  Beschwerdeführenden  als  nicht  zumutbar  im  Sinne  von  Art.  83  Abs.  4 

E­1980/2008 AuG  zu  qualifizieren  ist.  Die  Beschwerdeführenden  sind  daher  in  der  Schweiz vorläufig aufzunehmen. Aus  den  Akten  ergeben  sich  hinsichtlich  der  Beschwerdeführenden  auch  keine  Hinweise  auf  Ausschlussgründe  im  Sinne  von  Art.  83  Abs. 7  AuG.  Dass  die  Beschwerdeführenden  im  Rahmen  des  ordentlichen  Verfahrens  über  ihre  Staatsangehörigkeit  unrichtige  Angaben gemacht haben, erweist sich – da heute die Unzumutbarkeit  des Wegweisungsvollzugs angenommen werden muss und demnach  Bst. c  von  Art.  83  Abs.  7  AuG  nicht  einschlägig  ist  –  nicht  als  entscheidrelevant.  5.  Die Beschwerde ist somit gutzuheissen. Die Dispositiv­Ziffern 1 bis 3 der  Verfügung  des  BFM  vom  13. Februar  2008  sind  aufzuheben  und  das  BFM  anzuweisen,  die  Beschwerdeführenden  –  in  teilweiser  Wiedererwägung  seiner  Verfügungen  vom  3.  und  12.  März  2004 –  vorläufig  aufzunehmen.  Sofern  die  Beschwerdeführenden  die  mit  Verfügung vom 13. Februar 2008 auferlegte Gebühr in der Höhe von Fr.  1'200.– bezahlt haben, ist diese zurückzuerstatten; andernfalls würde sich  eine  Rückerstattung  erübrigen.  Schliesslich  sind  die  Dispositiv­Ziffern  4  bis  6  der  Verfügung  des  BFM  vom  13. Februar  2008  zu  bestätigen,  soweit sie nicht obsolet geworden sind.  6.  6.1.  Bei  diesem  Ausgang  des  Beschwerdeverfahrens  sind  keine  Verfahrenskosten aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG). 6.2.  Den  Beschwerdeführenden  ist  angesichts  ihres  Obsiegens  im  Beschwerdeverfahren  in  Anwendung  von  Art.  64  VwVG  eine  Parteientschädigung  für  ihnen  erwachsene  notwendige  Vertretungskosten  zuzusprechen  (vgl.  Art.  7  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Die Rechtsvertreterin  reichte mit Eingabe vom 19. September 2011  ihre  Kostennote  ein,  gemäss  welcher  sie  für  das  Verfahren  der  Beschwerdeführenden  einen  Aufwand  von  insgesamt  37  Stunden  zu  einem  Stundenansatz  von  Fr.  200.–  und  Auslagen  in  der  Höhe  von  insgesamt Fr. 90.50 geltend gemacht. 

E­1980/2008 Der  in  Rechnung  gestellte  Aufwand  erscheint  nicht  vollumfänglich  angemessen;  insbesondere  ist  der  ausgewiesene  zeitliche Aufwand der  Rechtsvertreterin  von  16  Stunden  für  die  Ausarbeitung  der  11­seitigen  Beschwerdeschrift  (8  Stunden  für  die  Ausarbeitung  der  eigentlichen  Rechtsschrift; 8 Stunden  für Vorbereitung und Aktenstudium) zu kürzen,  zumal  die  Beschwerde  in  gewissen  Zügen  identisch  ist  mit  dem  Wiedererwägungsgesuch  vom  24.  Januar  2008.  Auch  der  übrige  ausgewiesene  zeitliche  Aufwand  für  den  Zeitraum  zwischen  April  2008  und März 2010  sowie  zischen  Juli  2011 und September  2011  scheint –  angesichts der nicht überdurchschnittlich umfangreichen oder zahlreichen  Eingaben  ans  Gericht  und  Schriftenwechsel  –  nicht  vollumfänglich  angemessen, und ist daher ebenfalls zu kürzen.  Das Gericht erachtet  insgesamt einen Aufwand von 20 Stunden  für das  Beschwerdeverfahren  –  auch  im  Vergleich  mit  anderen,  ähnlich  komplexen Verfahren – als angemessen. Den Beschwerdeführenden  ist  somit unter Berücksichtigung der Bemessungsgrundsätze nach Art. 7  ff.  VGKE  eine  Parteientschädigung  zu  Lasten  des  BFM  in  der  Höhe  von  Fr. 4'405.50  (inkl. Auslagen  und  Mehrwertsteuer  zu  7,6  %  bis  zum  31. Dezember 2010 sowie 8 % ab 1. Januar 2011) zuzusprechen. (Dispositiv nächste Seite)

E­1980/2008 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2.  Die  Dispositiv­Ziffern  1  bis  3  der  Verfügung  des  BFM  vom  13. Februar  2008  werden  aufgehoben.  Sofern  die  Beschwerdeführenden  die  mit  Verfügung  vom  13. Februar  2008  auferlegte  Gebühr  in  der  Höhe  von  Fr. 1'200.– bezahlt haben, ist diese zurückzuerstatten; andernfalls würde  sich eine Rückerstattung erübrigen.  3.  Das BFM wird  angewiesen,  seine  Verfügungen  vom  3.  sowie  12. März  2004  (Dispositivziffern 4 und 5) wiedererwägungsweise aufzuheben und  die Beschwerdeführenden vorläufig aufzunehmen.  4.  Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. 5.  Das BFM hat den Beschwerdeführenden eine Parteientschädigung in der  Höhe  von  Fr.  4'405.50.–  (inkl.  Auslagen  und  Mehrwertsteuer)  zu  entrichten. 6.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Christa Luterbacher Natasa Stankovic Versand

E-1980/2008 — Bundesverwaltungsgericht 25.10.2011 E-1980/2008 — Swissrulings