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Bundesverwaltungsgericht 06.09.2011 E-1727/2011

6 settembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,111 parole·~11 min·2

Riassunto

Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin-Verfahren) | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung nach Italien (Dublinverfahren); Verfügung des BFM vom 10. März 2011 / N

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung V E­1727/2011 Urteil   v om   6 .   S ep t embe r   2011 Besetzung Richterin Muriel Beck Kadima (Vorsitz), Richter Kurt Gysi, Richterin Gabriela Freihofer, Gerichtsschreiberin Tu­Binh Truong. Parteien A._______, geboren am (…),  B._______, geboren am (…), Somalia, beide vertreten durch Herr lic. iur. Dominique Wetli,  (…) Beschwerdeführende,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung (Dublin­ Verfahren); Verfügung des BFM vom 10. März 2011 /  N (…)

E­1727/2011 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,  dass die Beschwerdeführerin eigenen Angaben zufolge im Februar 2008  aus Somalia über Äthiopien, Sudan und Libyen nach Italien gelangte, dass  sie  gemäss  EURODAC­Meldungen  am  24.  September  2009  in  Lampedusa  (IT)  datkyloskopiert  worden war  und  am  7.  August  2009  in  Zevenaar  (NL)  respektive  am 8. November  2009  in Dänemark  um Asyl  nachgesucht hatte, dass sie erstmals am 1. Juni 2010 in der Schweiz um Asyl nachsuchte, dass  sie  am  7.  Juni  2010  im Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  (EVZ)  C._______ summarisch befragt und ihr gleichzeitig das rechtliche Gehör  zu einer allfälligen Wegweisung nach  Italien, die Niederlande  respektive  Dänemark gewährt wurde, dass  die  Beschwerdeführerin  anlässlich  der  summarischen  Befragung  aussagte, sie sei auf der Suche nach ihrem Lebenspartner, der sich seit  zwei Jahren  in der Schweiz aufhalte und mit dem sie bereits  in Somalia  zwei Jahre liiert gewesen sei (vgl. A1/13, S. 5 f.), dass  das  BFM  am  15.  Juni  2010  ein  Übernahmeersuchen  an  die  zuständigen  italienischen  Behörden  richtete,  welche  innerhalb  der  festgelegten Frist keine Stellungnahme abgaben, dass  der  vorerwähnte  Partner  der  Beschwerdeführerin  (namens  D._______) am 21. Juli 2010 beim BFM ein Schreiben einreichte, wonach  er und die Beschwerdeführerin am 2. Juli 2010 nach  islamischen Recht  geheiratet hätten, dass  er mit  Gesuch  vom  24.  September  2008  ein  Asylverfahren  in  der  Schweiz  eingeleitet  hatte,  welches  mit  Verfügung  des  BFM  vom  15.  Februar 2010 und seiner vorläufigen Aufnahme zum Abschluss kam,  dass  das BFM mit Verfügung  vom 12. August  2010  in Anwendung  von  Art.  34  Abs.  2  Bst.  d  des  Asylgesetzes  vom  26.  Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  auf  das  Asylgesuch  nicht  eintrat  und  die Wegweisung  aus  der  Schweiz sowie den Vollzug anordnete,  dass dieser Entscheid unangefochten in Rechtskraft erwuchs,

E­1727/2011 dass  die  Beschwerdeführerin  am  30.  November  2010  per  Flugüberstellung nach Italien ausgeschafft wurde,  dass  die  Beschwerdeführerin  eigenen  Angaben  zufolge  am  8.  Januar  2011 erneut  illegal  in die Schweiz einreiste und am 10. Januar 2011 ein  zweites Asylgesuch stellte,  dass sie am 13. Januar 2011 im EVZ E._______ summarisch befragt und  ihr  gleichzeitig  das  rechtliche  Gehör  zu  einer  allfälligen  erneuten  Wegweisung nach Italien gewährt wurde,  dass  sie  dabei  festhielt,  sie  sei  im  (Zahl)  Monat  von  ihrem  "Ehemann"  schwanger,  wobei  sie  von  der  Schwangerschaft  anlässlich  einer  am  26. November  2010  stattgefundenen  ärztlichen  Untersuchung  erfahren  habe (vgl. B5/10, S. 3),  dass  sie  zu  ihrem  Aufenthalt  in  Italien  ausführte,  sie  habe  nach  ihrer  Ausschaffung  Ende  November  2010  am  Flughafen  ein  Ticket  zum  Bahnhof  in  Rom  erhalten,  wo  sie  ca.  15  Tage  verbracht  habe,  und  sei  danach nach Mailand gereist, wo sie weitere 17 Tage gelebt habe  (vgl.  B5/10, S. 5), dass  sie  italienische  Hilfswerke  angegangen  und  diese  über  ihre  Schwangerschaft  und  ihre  "Unterbringung" am Bahnhof  informiert  habe,  worauf diese ihr rieten, sie solle doch zu ihrem "Ehemann" in die Schweiz  zurückkehren (B5/10, S. 6), dass sie zur erneuten Wegweisung nach Italien vorbrachte, es sei für sie  als  alleinstehende  und  schwangere  Frau  zu  riskant,  "im  Bahnhof  zu  leben"  –  wo  sie  überdies  diversen  sexuellen  Belästigungen  ausgesetzt  gewesen sei (B5/10, S. 6) –, weshalb sie mit ihrem "Ehemann" – wie von  den  italienischen  Hilfswerken  vorgeschlagen  –  zusammenleben  wolle  (B5/10, S. 7), dass die Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 21. Januar 2011 für die  Dauer des Asylverfahrens dem Kanton Bern zugewiesen wurde,  dass das BFM am 1. Februar 2011 ein erneutes Übernahmeersuchen an  die  zuständigen  italienischen  Behörden  richtete,  wobei  es  Italien  weder  auf die damals festgestellte Schwangerschaft noch die Tatsache hinwies,  dass  sich  der  "Ehemann"  der  Beschwerdeführerin  und  der  damals 

E­1727/2011 vorrausichtlich künftige Vater des Kindes als vorläufig Aufgenommener in  der Schweiz aufhält,  dass  die  zuständigen Behörden  Italiens  innerhalb  der  festgelegten  Frist  keine Stellungnahme abgaben, dass das BFM mit Verfügung vom 10. März 2011 – eröffnet am 14. März  2011 – in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG auf das Asylgesuch  nicht eintrat und die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug mit  dem  Hinweis  anordnete,  einer  allfälligen  Beschwerde  komme  keine  aufschiebende Wirkung zu, dass  das  Bundesamt  zu  Begründung  ausführte,  gestützt  auf  die  einschlägigen  staatsvertraglichen  Bestimmungen  (Abkommen  vom  26.  Oktober 2004 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der  Europäischen  Gemeinschaft  über  die  Kriterien  und  Verfahren  zur  Bestimmung  des  zuständigen  Staates  für  die  Prüfung  eines  in  einem  Mitgliedstaat  oder  in  der  Schweiz  gestellten  Asylantrags  [Dublin­ Assoziierungsabkommen,  SR  0.142.392.68];  Dublin­II­VO;  Verordnung  [EG]  Nr.  1560/2003  der  Kommission  vom  2.  September  2003  mit  Durchführungsbestimmungen  zur  Verordnung  [EG]  343/2003  des Rates  [DVO­Dublin])  sei  Italien  für  die  Durchführung  des  Asylverfahrens  zuständig,  dass  sich  Italien  auf  Anfrage  des  BFM  vom  1.  Februar  2011  bis  zum  Ablauf  der  Antwortfrist  nicht  habe  vernehmen  lassen,  weshalb  davon  auszugehen  sei,  dem  Ersuchen  um  Rückübernahme  der  Beschwerdeführerin  sei  stillschweigend  zugestimmt  worden,  und  die  Zuständigkeit  zur  Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens  sei am 2. März 2011 gemäss DAA und unter Anwendung von Art. 20 Abs.  1 Bst. c Dublin­II­VO auf Italien übergegangen,  dass  das  Bundesamt  zur  Zulässigkeit  des  Wegweisungsvollzuges  ausführte, die Gesuchstellerin könne in einen Drittstaat reisen, in dem sie  Schutz  vor  Rückschiebung  im  Sinne  von  Art.  5  Abs.  1  AsylG  finde,  weshalb  das  Non­Refoulement­Gebot  bezüglich  des  Heimat­  und  Herkunftsstaates  nicht  zu  prüfen  sei,  und  es  bestünden  ferner  keine  Hinweise auf eine Verletzung von Art. 3 der Konvention vom 4. November  1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR  0.101) im Falle einer Rückkehr nach Italien, 

E­1727/2011 dass  es  ferner  bemerkte,  der  im  Rahmen  des  rechtlichen  Gehörs  geäusserte  Einwand  der  Beschwerdeführerin,  sie  sei  seit  Juli  2010 mit  einer  seit  dem  15.  Februar  2010  in  der  Schweiz  vorläufig  aufgenommenen Person  religiös verheiratet, nichts an der Zuständigkeit  Italiens  zu  ändern  vermöge,  da  Art.  7  und  Art.  8  Dublin­II­VO  im  vorliegenden Fall nicht zur Anwendung kämen,  dass es überdies darauf hinwies, die Beschwerdeführerin könne aufgrund  bundesgerichtlicher Rechtsprechung – wonach nur  diejenigen Personen  sich  auf  den  Schutz  des  Familienlebens  gemäss  Art.  8  EMRK  berufen  könnten,  deren  Familienmitglieder  in  der  Schweiz  über  ein  gefestigtes  Aufenthaltsrecht verfügten, wobei als gefestigtes Aufenthaltsrecht nur das  Schweizer  Bürgerrecht  und  eine  Niederlassungsbewilligung  gelten  würden  –  "nichts  zu  ihren  Gunsten  aus  Art. 8  EMRK  ableiten",  da  ihr  religiös  angetrauter  "Ehemann"  lediglich  über  eine  vorläufige  Aufnahme  verfüge  und  "daran  könne  auch  die  Geburt  des  gemeinsamen  Kindes  nichts ändern", dass  weder  die  in  Italien  herrschende  Situation  noch  andere  Gründe  gegen die Zumutbarkeit der Wegweisung nach  Italien sprechen würden,  da  die  Beschwerdeführerin  bezüglich  der  geltend  gemachten  sexuellen  Belästigungen  und  der  fehlenden  Unterbringung  gehalten  sei,  die  italienischen  Behörden  und  Hilfsorganisationen  um  entsprechenden  Schutz anzugehen,  dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  nach  Italien  deshalb  zulässig,  zumutbar und möglich sei,  dass  die  Beschwerdeführerin  durch  ihren  Rechtsvertreter  mit  Eingabe  vom  21.  März  2011  (Poststempel)  gegen  diese  Verfügung  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  erhob  und  dabei  unter  anderem  beantragte, die schweizerischen Behörden hätten sich in Anwendung von  Art. 7  Dublin­II­VO  beziehungsweise  des  Selbsteintrittsrechts  gemäss  Art. 3 Abs. 2 Dublin­II­VO zur Beurteilung des vorliegenden Asylgesuchs  für zuständig zu erklären, dass sie zur Begründung im Wesentlichen ausführte, Art. 7 der Dublin­II­ VO sei – entgegen den Ausführungen der Vorinstanz –  im vorliegenden  Fall anzuwenden bzw. müsse die Schweiz sich – angesichts des vitalen  Interesses des (zum damaligen Zeitpunkt noch ungeborenen) Kindes mit  dem Vater in der Schweiz verweilen zu dürfen – in Beachtung von Art. 10 

E­1727/2011 Abs. 1 des Übereinkommens vom 20. November 1989 über die Rechte  des Kindes  (KRK, SR 0.107) gemäss Art. 3 Abs. 2 Dublin­II­VO  für den  Selbsteintritt entscheiden,  dass in verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragt wurde, es sei der Vollzug  vorsorglich auszusetzen, der Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung  zu  erteilen  und  der  Beschwerdeführerin  sei  die  unentgeltliche  Rechtspflege zu gewähren, dass das Bundesverwaltungsgericht mit Telefax vom 22. März 2011 die  kantonalen  Vollzugsbehörden  anwies,  den  Wegweisungsvollzug  per  sofort auszusetzen, bis nach Eingang der vorinstanzlichen Akten über die  allfällige Gewährung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde nach  Art. 107a AsylG befunden werde,  dass  die  vorinstanzlichen  Akten  am  23.  März  2011  beim  Bundesverwaltungsgericht eintrafen, dass das Bundesverwaltungsgericht mit Telefax vom 28. März 2011 der  Beschwerdeführerin die aufschiebende Wirkung der Beschwerde gestützt  auf  Art.  107a  AsylG  –  angesichts  ihrer  fortgeschrittenen  Schwangerschaft – gewährte, dass  es mit  Instruktionsverfügung  vom  31. März  2011  das Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  nach  Art.  65  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  über  das  Verwaltungsverfahren  vom  20.  Dezember  1968  (VwVG,  SR  172.021)  guthiess,  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  verzichtete  und  gleichzeitig  die  Vorinstanz  um  Einreichung einer Vernehmlassung ersuchte, dass  die  zuständige  Instruktionsrichterin  dabei  erwog,  dass  im  vorliegenden  Fall  zur  Vermeidung  der  Trennung  der  Familienmitglieder  bzw.  zur  Herstellung  der  von  der  Dublin­II­VO  "gewünschten"  Situation  eine "zwingende" Ausübung des Selbsteintrittsrechts gemäss Art. 3 Abs.  2 Dublin­II­VO durch die Schweiz denkbar wäre,  dass  das  BFM  in  seiner  Vernehmlassung  vom  6.  April  2011  an  seinen  Erwägungen  vom  10.  März  2011  festhielt  und  die  Abweisung  der  Beschwerde beantragte, dass  es  zusätzlich  ausführte,  Art.  8  Dublin­II­VO  hätte  allenfalls  im  vorliegenden  Fall  während  des  ersten  Asylverfahrens  der 

E­1727/2011 Beschwerdeführerin  in der Schweiz  tatsächlich angewendet werden und  zu einer Zuständigkeit der Schweiz führen können, allerdings habe dafür  (auch) ein Übernahmeersuchen der Niederlande an die Schweiz gefehlt,  dass  das  Bundesamt  ferner  in  Zweifel  zog,  ob  die  an  sich  unbestritten  bereits  im  Heimatland  bestehende  Beziehung  zwischen  der  Beschwerdeführerin  und  ihrem  "Ehemann"  vor  dem  soziokulturellen  Hintergrund  der  Beschwerdeführerin  als  gefestigte  Partnerschaft  i.S.v.  Art. 2 Bst. (i) Dublin­II­VO gelten könne,  dass  es  unter  Hinweis  auf  die  "ständige"  Rechtsprechung  des  Bundesverwaltungsgerichtes  in  "ähnlich  gelagerten  Fällen"  anführte,  die  Wegweisung  in den zuständigen Dublin­Staat  verletze –  trotz Heirat mit  einer  Person,  welche  in  der  Schweiz  über  eine  vorläufige  Aufnahme  verfüge – weder Art. 7 Dublin­II­VO noch Art. 8 EMRK,  dass  die  vorinstanzliche  Vernehmlassung  der  Beschwerdeführerin  mit  Verfügung  vom  11.  April  2011  zur  Kenntnis  gebracht  und  ihr  Frist  zur  Einreichung einer Replik und allfälliger Beweismittel angesetzt wurde,  dass  der  Rechtsvertreter  der  Beschwerdeführerin  am  10.  Mai  2011  fristgerecht  eine  Eingabe  einreichte,  wonach  aufgrund  der  Niederkunft  der  Beschwerdeführerin  am  (…)  die  Frage  des  Vorbestehens  der  Beziehung zwischen der Beschwerdeführerin und ihrem "Ehemann" nicht  abschliessend  habe  abgeklärt  werden  können,  weshalb  eine  Stellungnahme  in  dieser  Frage  nachgereicht  und  betreffend  die  Erwägungen  der  Vorinstanz  zu  Art. 8  EMRK  auf  die  Ausführungen  der  Beschwerde vom 21. März 2011 verwiesen werde,  dass  die  Beschwerdeführerin  am  (…)  einen  Sohn  namens  B._______  geboren hat,  und zieht in Erwägung,  dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über  Beschwerden  gegen  Verfügungen  (Art. 5  VwVG)  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  AsylG,  i. V. m.  Art. 31 – 33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des 

E­1727/2011 Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]),  wobei  eine solche Ausnahme vorliegend nicht besteht, dass  sich  das  Verfahren  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG  richtet,  soweit  das  AsylG  nichts  anderes  bestimmt  (Art. 37  VGG  und  Art. 6 AsylG), dass  die  Beschwerdeführerin  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist  (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass  somit  auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten ist (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 VwVG), dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass  das  am  (…)  geborene  Kind  namens  B._______  in  das  Beschwerdeverfahren der Beschwerdeführerin einbezogen wird (vgl. Art.  4 Abs. 3 Satz 2 Dublin­II­VO),  dass  bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es  das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu  überprüfen  (Art. 32 – 35a  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Beschwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die  Vorinstanz  zu Recht  auf  das  Asylgesuch  nicht  eingetreten  ist,  und  sich  die  Beschwerdeinstanz  – sofern  sie  den  Nichteintretensentscheid  als  unrechtmässig  erachtet –  einer  selbstständigen  materiellen  Prüfung  enthält,  die  angefochtene  Verfügung  aufhebt  und  die  Sache  zu  neuer  Entscheidung an die Vorinstanz zurückweist (vgl. BVGE 2007/8 E. 2.1.), dass  die  Vorinstanz  indessen  die  Frage  der  Wegweisung  und  des  Vollzugs  materiell  prüft,  weshalb  dem  Bundesverwaltungsgericht  diesbezüglich volle Kognition zukommt, dass  auf  Asylgesuche  in  der  Regel  nicht  eingetreten  wird,  wenn  Asylsuchende  in  einen  Drittstaat  ausreisen  können,  der  für  die  Durchführung  des  Asyl­  und  Wegweisungsverfahrens  staatvertraglich  zuständig ist (Art. 34 Abs. 2 Bst. d AsylG),

E­1727/2011 dass  die  Beschwerdeinstanz  an  die  Begründung  der  Begehren  nicht  gebunden ist (Art. 62 Abs. 4 VwVG), dass der Aufenthalt in Italien von der Beschwerdeführerin nicht bestritten  wird,  dass  von  den  Niederlanden  –  als  Erstasylantragsland  –  kein  Übernahemeersuchen  an  die  Schweiz  gemäss  Art.  8  Dublin­II­VO  gelangte, weshalb nach den einschlägigen Bestimmungen der Dublin­II­ VO  Italien  für  die  Durchführung  des  ordentlichen  Asylverfahrens  zuständig ist,  dass  somit  zu  prüfen  ist,  ob  allenfalls  der  Selbsteintritt  gemäss  Art.  3  Abs. 2 Dublin­II­VO erklärt werden sollte,  dass  das  Bundesverwaltungsgericht  nach  Würdigung  sämtlicher  Umstände und gründlicher Prüfung der Aktenlage zum Ergebnis gelangt,  die Vorinstanz hätte ihr Selbsteintrittsrecht gemäss Art. 3 Abs. 2 Dublin­II­ VO      – wie nachfolgend aufgezeigt wird – aufgrund von Art. 15 Abs. 2  Dublin­II­VO ausüben müssen,  dass  gemäss  Art.  15  Abs.  1  Dublin­II­VO  jeder  Mitgliedstaat  aus  humanitären  Gründen,  die  sich  insbesondere  aus  dem  familiären  oder  kulturellen  Kontext  ergeben,  Familienmitglieder  und  andere  abhängige  Familienangehörige  zusammenführen  kann,  auch  wenn  er  dafür  nach  den Kriterien der Verordnung nicht zuständig ist, dass  gemäss  Art.  15  Abs.  2  Dublin­II­VO  in  Fällen,  in  denen  die  betroffene  Person  wegen  Schwangerschaft,  einer  schweren  Krankheit  oder hohen Alters auf die Unterstützung der anderen Person angewiesen  ist,  die  Mitgliedstaaten  indessen  im  Regelfall  entscheiden,  den  Asylbewerber  und  den  anderen  Familienangehörigen,  der  sich  im  Hoheitsgebiet  eines  Mitgliedstaates  aufhält,  nicht  zu  trennen  bzw.  sie  zusammenführen, sofern  die  familiäre Bindung bereits  im Herkunftsland  bestanden hat,  dass  vorab  festzuhalten  gilt,  dass  Art.  15  Abs.  2  Dublin­II­VO  gemäss  seinem  Wortlaut  insbesondere  Konstellationen  umfasst,  in  denen  die  betroffenen Familienangehörigen "nicht zu trennen" sind, dass  damit  der  Aufenthalt  des  Asylsuchenden  im  Ausland  in  den  von  Art. 15  Abs.  2  Dublin­II­VO  genannten  Fällen  nicht  Voraussetzung  für 

E­1727/2011 dessen Anwendbarkeit ist (dies im Gegensatz zu Abs. 1, welcher nur die  Vereinigung  eines  im  Ausland  lebenden  Asylsuchenden  mit  einem  Familienangehörigen  in  der  Schweiz  regelt  und  deshalb  nach  einem  Aufnahmeersuchen  vom  Ausland  verlangt  [vgl.  statt  vieler  Urteil  D­ 1211/2011  vom  28. März  2011;  CHRISTIAN  FILZWIESER/ANDREA  SPRUNG,  Dublin  II­Verordnung  –  Das  Europäische  Asylzuständigkeitssystem,  3.,  überarbeitete Auflage, Wien/Graz 2010, K4 zu Art. 15]), d.h. Abs. 2 von  Art. 15 Dublin­II­VO auch Konstellationen umfasst,  in denen sich sowohl  der  Familienangehörige  als  auch  der  Asylsuchende  im  selben  Mitgliedstaat befinden (vgl. z.B. Urteil E­2087/2010 vom 14. April 2010),  dass ein Ersuchen aus dem Ausland in solchen Fällen in der Praxis nicht  notwendig  ist, da es der Aufenthaltsstaat  in diesem Fall bereits allein  in  der Hand hat,  die Trennung der Familienmitglieder durch die Ausübung  des Selbsteintrittsrechts gemäss Art. 3 Abs. 2 Dublin­II­VO zu verhindern  (vgl. CHRISTIAN FILZWIESER/ANDREA SPRUNG, a.a.O., K11 zu Art. 15), dass  es  ferner  zu  beachten  gilt,  dass  Art.  15  Abs.  2  der  Dublin­II­VO  Konstellationen  beschreibt,  die  die  wesentlichsten  Lebenssachverhalte  umfassen,  die  eine  Person  in  einer  solchen  Weise  verletzlich  machen  können,  dass  die  Zusammenführung  mit  bestimmten  Bezugspersonen  humanitäre  Pflicht  wird,  d.h.  der  Ermessensspielraum  der  entscheidenden  Behörde  wird  für  die  darin  bezeichneten  Umstände  im  Gegensatz zu Abs. 1 derart verengt, dass es für sie – wenn die in Abs. 2  genannten  Fälle  gegeben  sind  –  nur  noch  eine  rechtsrichtige  Lösung  (nämlich:  Zustimmung  des  Aufnahmeersuchens  bzw.  Selbsteintritt)  gibt  (vgl.  zum Ganzen CHRISTIAN FILZWIESER/ANDREA SPRUNG, a.a.O., K2  zu  Art. 15, K10 und K11 zu Art. 3; MATHIAS HERMANN, Das Dublin System,  Zürich 2008, S. 119 f.),  dass damit eine Ablehnung von auf Art. 15 Abs. 2 Dublin­II­VO gestützte  Ersuchen  bzw.  die  Nichterklärung  des  Selbsteintrittes  –  bei  Vorhandensein  aller  Ermessensdeterminanten  und  gemeinsamen  Aufenthalts  der  betroffenen  Personen  in  einem  Mitgliedstaat  –  sich  im  Einzelfall  als  menschenrechtswidrig  und  allgemein  als  Ermessensmissbrauch  darstellen  würde  (vgl.  hierzu  CHRISTIAN  FILZWIESER/ANDREA SPRUNG, a.a.O., K11 zu Art.  15, mit Hinweis auf K2  und K 6 zu Art. 15),  dass mit dem "Familienangehörigen" gemäss Art. 15 Abs. 2 Dublin­II­VO  ein  weiter  Familienbegriff  angesprochen  wird,  der  demjenigen  des 

E­1727/2011 "anderen  abhängigen  Familienangehörigen"  des  Abs.  1  entspricht,  allerdings  mit  der  Abweichung,  dass  in  Abs.  2  die  familiäre  Bindung  bereits  im  Heimatland  bestanden  haben  muss  (vgl.  CHRISTIAN  FILZWIESER/ANDREA  SPRUNG,  a.a.O.,  K8  und  K14  zu  Art.  15;  zum  Erfordernis  des  Vorbestehens  der  familiären  Bindung  im  Herkunftsland  vgl. auch MATHIAS HERMANN, a.a.O., S. 120), dass  dieser weite Familienbegriff  sich  somit  –  trotz  gleichem Wortlaut –  nicht mit dem "Familienangehörigen" des Art 2 Bst.  i Dublin­II­VO deckt,  sondern über diesen hinausgeht, für dessen Festlegung ferner keine fixe  Grenze  zu  ziehen,  sondern  die  Kriterien  der  verwandtschaftlichen  Nahebeziehung  und  der  Intensität  der  Abhängigkeit  in  Beziehung  zu  setzen  sind  (vgl. CHRISTIAN FILZWIESER/ANDREA SPRUNG, a.a.O.,  K8  und  K14 zu Art. 15), dass  zur  Bewertung  des  geforderten  Abhängigkeitsverhältnisses  nach  Möglichkeit  objektive Schriftstücke  (z.B. ärztliche Atteste) herangezogen  werden  sollen,  bei  deren  Abwesenheit  die  Beteiligten  die  Hilfsbedürftigkeit  durch  entsprechende  Angaben  glaubhaft  machen  müssen (vgl. Art. 11 Abs. 2 Dublin­DVO), dass  die  Beschwerdeführerin  zum  Zeitpunkt  des  Übernahmeersuchens  der Schweiz an Italien (1. Februar 2011) im (…) Monat von ihrem religiös  angetrautem  Ehemann,  welcher  in  der  Schweiz  als  vorläufig  Aufgenommener  lebte,  schwanger  war,  und  die  Vorinstanz  gemäss  Aktenlage von diesen Tatsachen Kenntnis hatte, dass sie ferner aufgrund ihrer Schwangerschaft und, indem sie anlässlich  ihrer  Befragung  vom  13.  Januar  2011  ihre  prekäre  Lage  als  "alleinstehende",  hochschwangere  Frau  in  Italien  beschrieb  (Übernachtung am Bahnhof,  fehlender Schutz  vor  sexuellen Übergriffen  und  die  Aufforderung  selbst  italienischer  Hilfswerke  in  die  Schweiz  zu  ihrem  "Ehemann"  zurückzukehren,  um  sich  dort  die  notwendige  Unterstützung  zu  holen),  ein  klares  und  ausgewiesenes  "Abhängigkeitsverhältnis"  bzw.  ein  "Angewiesensein"  auf  die  Unterstützung ihres "Ehemannes" glaubhaft darlegen konnte,  dass damit offen bleiben kann, ob die Beschwerdeführerin vorliegend die  Voraussetzungen  einer  "Familienangehörigen"  gemäss  Art.  2  Bst.  i  Dublin­II­VO  erfüllt,  denn  das  von  der  Beschwerdeführerin  glaubhaft  gemachte  Abhängigkeitsverhältnis  indiziert  klar,  dass  die  geforderte 

E­1727/2011 familiäre Bindung  nach Art.  15 Abs.  2 Dublin­II­VO, welche  – wie  oben  ausgeführt – weit zu fassen ist, gegeben ist,  dass  die  Angaben  der  Beschwerdeführerin  (A1/13,  S.  5  f.),  sie  und  ihr  jetziger  "Ehemann"  hätten  sich,  zwei  Jahre  bevor  er  ausgereist  sei,  kennen und  lieben gelernt,  sie  kenne eine Schwester  beim Namen und  habe Kontakt mit  ihr, und beide hätten  im gleichen Quartier gelebt, den  Ausführungen  in  den  Akten  des  Asylverfahrens  des  "Ehemannes"  (vgl.  A14/9,  S.  3  von N (…))  –  auch  in  zeitlicher  Hinsicht  –  entsprechen,  so  dass  davon  ausgegangen  werden  kann,  dass  die  oben  festgestellte  familiäre Bindung bereits im Herkunftsland bestanden hatte, dass  ferner  die  Anforderung  der  bereits  im  Heimatland  bestandenen  familiären Bindung nur  für den Regelfall gilt, d.h. ausnahmsweise davon  abgewichen  werden  kann,  falls  sich  etwa  erst  auf  der  Flucht  in  einen  Drittstaat  eine  familiäre  Bindung  zwischen  zwei  Familienangehörigen  entwickelt  hat  und  ein  besonderes Abhängigkeitsverhältnis  besteht  (vgl.  CHRISTIAN FILZWIESER/ANDREA SPRUNG, a.a.O., K8 und K14 zu Art15),  dass somit die Voraussetzungen gemäss Art. 15 Abs. 2 Dublin­II­VO zum  Zeitpunkt  des Übernahmeersuchens  der  Schweiz  an  Italien  (1.  Februar  2011) klar erfüllt waren,  dass  ferner  davon  ausgegangen  werden  kann,  Italien  hätte  dem  Übernahmeersuchen  der  Schweiz  nicht  entsprochen,  wenn  es  von  der  Schwangerschaft  und dem Aufenthalt  des  "Ehemannes"  in  der Schweiz  Kenntnis  gehabt  hätte,  da  Italien  nachgewiesenermassen  in  Bezug  auf  schwangere  Frauen  und  auf  solche  mit  neugeborenen  Kindern  Art.  15  Abs. 2 Dublin­II­VO anwendet (vgl. "European Council on Refugees and  Exiles", "Summary Report on the Application of the Dublin II Regulation in  Europe", März 2006, AD2/3/2006/EXT/MH, S. 15), dass die Vorinstanz aber ohnehin – da beide Angehörige sich bereits  in  der Schweiz  befanden und die Vorinstanz  volle Kenntnis  hatte  von  den  bestimmenden  Tatsachen  –  verpflichtet  gewesen  wäre,  gemäss  Art.  3  Abs. 2 Dublin­II­VO den Selbsteintritt zu erklären,  dass die Dublin­II­VO keine  inhaltlichen Vorgaben  zur Handhabung des  Selbsteintrittsrechts  der  nicht  zuständigen  Mitgliedstaaten  bietet  (vgl.  etwa  CHRISTIAN  FILZWIESER/ANDREA  SPRUNG,  a.a.O.,  K8  zu  Art.  3;  vgl.  hierzu und zum Folgenden auch BVGE 2010/45) und damit diesbezüglich  innerstaatliches Recht zur Anwendung kommen kann, 

E­1727/2011 dass  gemäss  der  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichtes  Art. 3  Abs. 2  erster  Satz  Dublin­II­VO  (Souveränitätsklausel)  nicht  als  unmittelbar  anwendbare  Bestimmung  gilt,  d.h.  ein  Asylsuchender  aus  ihr  keine  rechtlich durchsetzbaren Ansprüche ableiten kann (vgl. BVGE 2010/45),  dass sich ein Asylgesuchsteller aber  in einem Beschwerdeverfahren auf  die Verletzung einer direkt anwendbaren Bestimmung des internationalen  öffentlichen  Rechts  oder  einer  Norm  des  Landesrechts  –  insbesondere  Art. 29a  Abs. 3  der  Asylverordnung  vom  11.  August  1999  über  Verfahrensfragen  (AsylV  1,  SR  142.311)  –,  welche  einer  Überstellung  entgegenstehen,  berufen  kann,  und  falls  die  Rüge  begründet  ist,  die  Souveränitätsklausel angewendet werden und die Schweiz sich zuständig  zur Prüfung des Asylgesuchs erklären muss (vgl. BVGE 2010/45 E. 5), dass Art.  29a Abs.  3 AsylV  1  das Selbsteintrittsrecht  von Art.  3  Abs.  2  Dulbin­II­VO  für  die  Schweiz  konkretisiert  und  den  Schweizer  Asylbehörden die Möglichkeit  gibt,  das Asylgesuch gegebenenfalls  "aus  humanitären Gründen" selber zu behandeln,  dass Art. 3 Abs. 2 Dublin­II­VO und Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 explizit als  Kann­ und Ermessensbestimmungen konzipiert sind (vgl. BVGE 2010/54)  und  weder  aus  der  Dublin­II­VO  noch  aus  der  schweizerischen  Gesetzgebung  klare  Kriterien  zur  Ermessenausübung  eines  Selbsteintrittsrechts hervorgehen,  dass  die  Vorinstanz  selbst  dazu  in  verschiedenen  Vernehmlassungen  festhält,  dass  unter  "humanitären  Gründen"  gemäss  Art. 29a  Abs. 3  AsylV1  insbesondere auch solche  im Sinne des Art.  15 Dublin­II­VO zu  verstehen seien,  dass sich somit die Notwendigkeit eines Selbsteintrittes nach Art. 3 Abs.  2  Dublin­II­VO  vorliegend  daraus  ergibt,  dass  der  Ermessensspielraum  der Vorinstanz im Rahmen des Art. 29a Abs. 3 AsylV1 i.V.m. Art. 15 Abs.  2  Dublin­II­VO  derart  eng  gezogen  wird,  dass  beim  Erfüllen  sämtlicher  Voraussetzungen von Art. 15 Abs. 2 Dublin­II­VO sie nur dann von einer  zusammenführenden bzw. nicht trennenden Entscheidung absehen kann,  wenn  besondere  Umstände  gegeben  sind,  die  dies  ausnahmsweise  gebieten, d.h. sich die betreffenden Personen in einer Situation befinden,  die von den sonstigen Situationen,  in denen Art. 15 Abs. 2 angewendet  wird, erheblich abweicht (vgl. MATHIAS HERMANN, a.a.O., S. 119 f.), 

E­1727/2011 dass – wie oben aufgezeigt – eine solche Ausnahmesituation vorliegend  nicht  gegeben  war,  sondern  nach  dem Gesagten  die  Vorinstanz  die  in  Art. 15 Abs. 2 Dublin­II­VO genannten Ermessendeterminanten verkannt  und  damit  das  Verhältnismässigkeitsprinzip  verletzt  hat,  weil  sie  den  Wegweisungsvollzug nicht unter dem Aspekt von Art. 15 Abs. 2 Dublin­II­ VO gewürdigt und als Folge davon gemäss Art. 3 Abs. 2 Dublin­II­VO den  Selbsteintritt  erklärt  hat  (vgl.  CHRISTIAN  FILZWIESER/ANDREA  SPRUNG,  a.a.O., K2, K6 und K11 zu Art. 15), dass  damit  die  angefochtene  Verfügung  angesichts  der  vorliegend  klar  erfüllten Umstände nach Art. 15 Abs. 2 Dublin­II­VO i.V.m. Art. 29a Abs. 3  AsylV1 nicht als angemessen im Sinne von Art. 106 Abs. 1 Bst. c AsylG  bezeichnet werden kann,  dass  die  Beschwerdeführerin  ferner  zum  jetzigen  Zeitpunkt  zwar  nicht  mehr  schwanger  ist,  sie  allerdings  nach  wie  vor  im  Sinne  von  Art.  15  Abs. 2  Dublin­II­VO  aufgrund  ihres  neugeborenen  Kindes,  welches  gemäss  Art.  4  Abs.  3  Satz  2  Dublin­II­VO  in  das  Verfahren  der  Beschwerdeführerin  mit  einzubeziehen  ist,  auf  die  Unterstützung  ihres  "Ehemannes" angewiesen ist,  dass  nach  dem  Gesagten  die  Frage  offen  bleiben  kann,  ob  im  vorliegenden  Fall  der  Wegweisungsvollzug  nach  Italien  unter  dem  Gesichtspunkt  von Art. 8 EMRK bzw. Art. 10 KRK eine Verletzung nach  sich gezogen hätte,  dass  damit  ebenfalls  offen  bleiben  kann,  ob  die  geltend  gemachten  fehlenden  Unterbringungsmöglichkeiten  und  die  damit  einhergehende  prekäre  Lebenssituation  für  besonders  verletzliche  Gruppen  wie  schwangere oder alleinstehende Frauen bzw. solche mit Kleinkindern  in  Italien  vorliegend  zur  Feststellung  von  Hindernissen  des  Wegweisungsvollzuges hätten führen müssen, dass  die  Beschwerde  vom  21.  März  2011  nach  dem  Gesagten  gutzuheissen  und  die  Vorinstanz  anzuweisen  ist,  den  Selbsteintritt  der  Schweiz  zu  erklären  und  danach  das  Asylverfahren  der  Beschwerdeführerin in der der Schweiz durchzuführen,  dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  keine  Verfahrenskosten  aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG), 

E­1727/2011 dass  der  Beschwerdeführerin  für  das  Verfahren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  eine  volle Parteientschädigung  zuzusprechen  ist (Art. 64 Abs. 1 VwVG),  dass gemäss Art. 14 Abs. 1 des Reglements vom 21. Februar 2008 über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2])  die  Parteien,  die  Anspruch  auf  Parteientschädigung  erheben,  und  die  amtlich  bestellten  Anwälte  und  Anwältinnen dem Gericht vor dem Entscheid eine detaillierte Kostennote  einzureichen haben, dass  vorliegend  der  Rechtsvertreter  keine  Kostennote  eingereicht  hat,  obschon  ihm  dies  im  Rahmen  der  Eingaben  vom  21.  März  2011  beziehungsweise vom 10. Mai 2011 möglich gewesen wäre,  dass der Antrag auf angemessene Fristansetzung zur Einreichung einer  detaillierten Kostennote (vgl. Beschwerde S. 5) deshalb abzuweisen und  die  Entschädigung  auf  Grund  der  Akten  (Art. 14  Abs. 2  in  fine  VGKE)  unter Berücksichtigung der massgeblichen Bemessungsfaktoren (vgl. Art.  8  ff.  VGKE)  auf  Fr. 800.–  (inkl.  Auslagen  und  Mehrwertsteuer)  festzusetzen ist,  dass das BFM anzuweisen ist, der Beschwerdeführerin diesen Betrag als  Parteientschädigung  für  das  Verfahren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht auszurichten. (Dispositiv nächste Seite)

E­1727/2011 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird gutgeheissen.  2.  Die  Vorinstanz  wird  angewiesen,  den  Selbsteintritt  in  der  Schweiz  gemäss  Art.  3  Abs.  2  Dublin­II­VO  auszusprechen  und  das  ordentliche  Asylverfahren der Beschwerdeführerin in der Schweiz durchzuführen.  3.  Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.  4.  Das  BFM  wird  angewiesen,  der  Beschwerdeführerin  für  das  Verfahren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  eine  Parteientschädigung  von  Fr.  800.­ auszurichten. 5.   Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführerin,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Muriel Beck Kadima Tu­Binh Truong Versand:

E-1727/2011 — Bundesverwaltungsgericht 06.09.2011 E-1727/2011 — Swissrulings