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Bundesverwaltungsgericht 07.11.2011 E-1478/2010

7 novembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,644 parole·~8 min·2

Riassunto

Asyl und Wegweisung | Asyl; Verfügung des BFM vom 3. Februar 2010

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung V E­1478/2010 Urteil   v om   7 .   No v embe r   2011   Besetzung Richter Kurt Gysi (Vorsitz), Richter Bendicht Tellenbach, Richter Bruno Huber,    Gerichtsschreiber Nicholas Swain. Parteien A:_______, Eritrea,   vertreten durch lic. iur. LL.M. Tarig Hassan,  (…) Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl; Verfügung des BFM vom 3. Februar 2010 / N (…).

E­1478/2010 Sachverhalt: A.  Der  Beschwerdeführer  verliess  nach  eigenen  Angaben  seinen  Heimatstaat am 10. oder 12. November 2007 und gelangte am 8. Januar  2008  in  die  Schweiz,  wo  er  gleichentags  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  Kreuzlingen  um  Asyl  ersuchte.  Nach  der  Kurzbefragung  vom  18.  Januar  2008  wurde  er  für  die  Dauer  des  Verfahrens  dem Kanton B._______  zugeteilt.  Am 31.  Januar  2008  fand  eine direkte Anhörung durch das BFM statt. B.  Der  Beschwerdeführer  brachte  zur  Begründung  seines  Asylgesuchs  im  Wesentlichen  vor,  er  habe  in  den  Jahren  1990  bis  1993  den  regulären  Militärdienst absolviert. Anfang Juni 1993 sei er wegen seiner Teilnahme  an  einem  Streik  im  Zusammenhang  mit  der  Streichung  von  Soldzahlungen  an  die  dienstleistenden  Soldaten  festgenommen  und  während  zwei  bis  drei  Jahren  im  Gefängnis  in  C._______  festgehalten  worden.  Nach  seiner  Freilassung  im  Jahre  1995  sei  ihm  eine  "Mentalstrafe" für zwei weitere Jahre auferlegt worden. Diese habe darin  bestanden,  dass  er  bei  der  (…) Division,  (…) Brigade,  (…) Bataillon  in  C._______ habe Dienst leisten müssen, ohne einen Sold zu erhalten, an  keiner  Versammlung  habe  teilnehmen  und  nicht  habe  arbeiten  dürfen.  Danach  sei  er  der  (…) Division,  (…) Brigade,  (…) Bataillon  zugeteilt  worden,  wo  er  im  Zeughaus  die  Statistik  für  das  Waffenlager  geführt  habe. Er habe in dieser Zeit mehrmals Auseinandersetzungen mit seinem  Vorgesetzten  gehabt,  weil  der  ihm  zustehende  Urlaub  nicht  gewährt  worden  sei.  Obwohl  er  mehrmals  schriftlich  und  mündlich  seine  Entlassung  aus  dem  Militärdienst  beantragt  habe,  sei  diese  nicht  genehmigt worden. Schliesslich sei ihm zusammen mit einem Kameraden  die Flucht geglückt, nachdem sie wenige Stunden zuvor nach D._______  an der Grenze zum Sudan zur Mithilfe bei der Ernte verlegt worden seien  (Akten  BFM  A1  S.  1),  beziehungsweise  ab  Juli  2007  in  D._______  stationiert  gewesen  seien  (A11  S. 9).  Es  sei  ihnen  bei  einem  Toilettengang gelungen, einen Wärter zu überlisten, und sie hätten dann  am Abend oder nachts die Grenze zum Sudan illegal zu Fuss überquert.  Er  sei  nach  der  Flucht  zuhause  gesucht  worden.  Zur  Stützung  seiner  Vorbringen reichte der Beschwerdeführer eine Identitätskarte, ausgestellt  am  28.  April  1997,  einen  Militärausweis  betreffend  die  Jahre  1990  bis  1993  und  einen  Mitgliederausweis  der  PFDJ  (Volksbefreiungsfront  für 

E­1478/2010 Demokratie  und  Gerechtigkeit),  ausgestellt  am  29.  Mai  1994,  zu  den  Akten.  C.  Mit  Verfügung  vom  3.  Februar  2010  lehnte  das  Bundesamt  das  Asylgesuch des Beschwerdeführers ab. Hingegen stellte es fest, dass er  infolge  subjektiver  Nachfluchtgründe  die  Flüchtlingseigenschaft  gemäss  Art.  3  Abs.  1  und  2  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  erfülle,  ordnete  die  Wegweisung  an  und  gewährte  ihm  wegen  Unzulässigkeit  des Wegweisungsvollzugs  die  vorläufige  Aufnahme.  Auf  die Begründung wird – soweit entscheidwesentlich − in den Erwägungen  eingegangen. D.  Mit  Eingabe  seines  Rechtsvertreters  vom  10.  März  2010  erhob  der  Beschwerdeführer  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  gegen  diese  Verfügung  und  beantragte  in  materieller  Hinsicht,  die  Dispositiv­ Ziffern 2 und 3 derselben seien aufzuheben und es sei  ihm das Asyl zu  gewähren.  In  formeller  Hinsicht  ersuchte  er  um  Gewährung  der  unentgeltlichen Rechtspflege und Verbeiständung gemäss Art. 65 Abs. 1  und  2  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021)  sowie  um  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses.  Auf  die  Begründung wird  –  soweit  entscheidwesentlich  −  in  den  Erwägungen  eingegangen.  Zur  Stützung  seiner  Vorbringen  reichte  der  Beschwerdeführer  drei  Fotografien  ein,  welche ihn 1999 im Militärdienst zeigen sollen, zu den Akten.  E.  Mit Zwischenverfügung vom 24. März 2010 stellte der  Instruktionsrichter  fest,  dass  über  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  zu  einem  späteren  Zeitpunkt  befunden  werde  und  verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Das Gesuch um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Verbeiständung  wurde  abgewiesen.  Schliesslich wurde die Vorinstanz zur Einreichung einer Vernehmlassung  eingeladen. F.  In ihrer Vernehmlassung vom 31. März 2010 hielt die Vorinstanz an ihrer  Verfügung fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde.

E­1478/2010 G.  Mit Eingabe vom 30. April 2010 machte der Beschwerdeführer von dem  ihm mit Instruktionsverfügung vom 16. April 2010 eingeräumten Recht zur  Replik Gebrauch.  H.  Mit  Eingabe  vom  13.  Januar  2011  reichte  der  Beschwerdeführer  eine  Quittung  vom  13.  Juli  2010  betreffend  die  Bezahlung  einer  Busse  von  50'000 Nakfa durch seine Ehefrau aufgrund seiner unerlaubten Ausreise  zu  den  Akten  und  ersuchte  um  beschleunigte  Behandlung  seiner  Beschwerdeeingabe. I.  Mit Eingaben vom 13. Oktober 2011 und 24. Oktober 2011 ersuchte der  Beschwerdeführer  erneut  um  beschleunigte  Behandlung  seiner  Beschwerde,  dies  unter  Hinweis  auf  das  von  seiner  Ehefrau  und  den  Kindern  aus  dem  Ausland  eingereichte  Gesuch  um  Bewilligung  der  Einreise und um Asyl.  Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]). 1.2.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise 

E­1478/2010 Änderung.  Er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und  Art. 48  Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  Die  Ziffer  1  (Erfüllen  der  Flüchtlingseigenschaft)  der  vorinstanzlichen  Verfügung  ist  in  Rechtskraft  erwachsen.  Die  Beschwerde  richtet  sich  gegen  die  Verweigerung  des  Asyls  (Ziffer  2),  die  Anordnung  der  Wegweisung  (Ziffer  3)  sowie  die  Erteilung  der  vorläufigen  Aufnahme  (Ziffern 4­7). 4.  4.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken.  Den  frauenspezifischen  Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 4.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7  AsylG). 5.  5.1.    Das  BFM  führte  zur  Begründung  seiner  Verfügung  aus,  die  Aussagen des Beschwerdeführers zu seiner  Inhaftierung und der Flucht 

E­1478/2010 aus  dem Militärdienst  seien  als  unglaubhaft  zu  erachten,  da  er  sich  zu  wesentlichen Punkten mehrfach widersprüchlich geäussert habe, so zum  Ort   und zur Dauer der Haft, zu den konkreten Daten seiner Inhaftierung  und  zur  Freilassung,  sowie  zum  Zeitpunkt  der  Verlegung  nach  D._______. Der eingereichte Militärausweis belege zwar, dass er  in den  Jahren  1990  bis  1993  Militärdienst  geleistet  habe,  vermöge  aber  nicht  den  angeblich  daraufhin  bis  ins  Jahr  2007  geleisteten Dienst  sowie  die  Umstände  der  Flucht  zu  belegen.  Das  BFM  stellte  indessen  fest,  der  Beschwerdeführer  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft,  weil  aufgrund  der  Akten  davon  auszugehen  sei,  dass  er  Eritrea  illegal  und  in  militärdienstpflichtigem  Alter  verlassen  habe.  Die  eritreischen  Behörden  unterstellten  solchen  Personen  eine  regierungsfeindliche  Haltung  und  bestraften  sie  dafür  mit  sehr  strengen  und  brutalen  Massnahmen,  weshalb  der  Beschwerdeführer  begründete  Furcht  habe,  bei  einer  Rückkehr in seinen Heimatstaat ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art.  3 AsylG ausgesetzt zu werden. Da er nach Einschätzung des BFM erst  durch  die  Ausreise  aus  Eritrea  zum  Flüchtling  wurde,  schloss  es  ihn  gestützt  auf  Art.  54  AsylG  (subjektive  Nachfluchtgründe)  von  der  Asylgewährung aus.  5.2.  Der  Beschwerdeführer  stellte  zur  Begründung  seiner  Beschwerde  fest,  aufgrund  des  von  ihm  eingereichten  Militärausweises  stehe  zweifelsfrei  fest,  dass  er  bis  ins  Jahr  1993  oder  1994  Militärdienst  geleistet habe. Die Zweifel des Bundesamtes daran, dass er auch nach  diesem Zeitpunkt zum Militärdienst verpflichtet worden sei, seien nicht mit  den gesicherten Kenntnissen unabhängiger Quellen zum Militärdienst  in  Eritrea  vereinbar.  Zwar  habe  in  den  Jahren  1992  bis  1996  eine  relativ  umfangreiche  Demobilisierung  stattgefunden.  Jedoch  hätten  die  davon  Betroffenen  als  Angehörige  der  Reserve  weiterhin  der  Wehrpflicht  unterstanden. Nach Ausbruch des Grenzkrieges im Jahre 1998 seien die  Reservisten  wieder  umfassend  mobilisiert  und  ins  Militär  eingegliedert  worden.  Auch  nach  Ende  der  Kampfhandlungen  seien  nur  wenige  Militärangehörige  demobilisiert  worden.  Mit  der  "Warsai  Yekalo  Development  Campaign"  im  Jahre  2002  sei  der  Militärdienst  auf  unbestimmte  Zeit  verlängert  worden.  Da  er  (der  Beschwerdeführer)  bei  guter Gesundheit und  im militärdienstpflichtigen Alter sei und über keine  weitreichenden Beziehungen verfüge, hätte es keinen nachvollziehbaren  Grund  für  seine  Demobilisierung  im  Jahre  1998  gegeben.  Es  sei  demnach  als  glaubhaft  zu  erachten,  dass  er  bis  ins  Jahre  2007  Militärdienst geleistet habe. Dass er keine Dokumente zum Beleg hierzu  beizubringen vermöge, sei plausibel, weil es sich um eine ungesetzliche 

E­1478/2010 Verlängerung  des  Militärdiensts  gehandelt  habe.  Da  aber  die  Identitätskarte  üblicherweise  erst  nach  Abschluss  des  Militärdiensts  ausgestellt werde, stütze das Ausstelldatum seiner Identitätskarte (1997)  seine Angaben, dass er nach dem ordentlichen Dienst von 1990 bis 1993  eine  vierjährige  Strafe  (2  Jahre  Haft,  2  Jahre  "Mentalstrafe")  habe  verbüssen müssen.  Im  Weiteren  seien  die  vom  BFM  gerügten  Widersprüche  in  seinen  Aussagen auf  Flüchtigkeitsfehler  und Missverständnisse  zurückzuführen  und  er  habe  diese  überzeugend  ausräumen  können.  Dass  es  zu  gewissen  Verwirrungen  gekommen  sei,  sei  in  Anbetracht  der  Fülle  an  Daten, Orten, Namen von Vorgesetzten und Bezeichnungen militärischer  Einheiten  nachvollziehbar.  Insgesamt  ergebe  sich  aus  seinen  Ausführungen ein umfassendes und glaubwürdiges Bild seiner Erlebnisse  im  Heimatstaat.  Die  Einschätzung  der  Vorinstanz  beruhe  auf  einer  blossen  Gegenbehauptung,  welche  sich  auf  unhaltbare  Argumente  stütze.  Die  Asylrelevanz  seiner  Vorbringen  sei  in  Anbetracht  seiner  Desertion sowie seiner Vorgeschichte als Regimekritiker, der verbüssten  Strafe  und  der  notorischen  Menschenrechtsverletzungen  durch  die  eritreischen Geheimdienste zweifelsfrei gegeben. Er verfüge schliesslich  auch über keine innerstaatliche Fluchtalternative. 6.    6.1.  Grundsätzlich  sind  die  Vorbringen  eines  Gesuchstellers  dann  glaubhaft,  wenn  sie  genügend  substanziiert,  in  sich  schlüssig  und  plausibel sind; sie dürfen sich nicht  in vagen Schilderungen erschöpfen,  in  wesentlichen  Punkten  nicht  widersprüchlich  sein  oder  der  inneren  Logik  entbehren  und  auch  nicht  den  Tatsachen  oder  der  allgemeinen  Erfahrung  widersprechen  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2004  Nr.  1  E.  5  S.  4  ff.).  An  die  Glaubhaftmachung  dürfen  nicht  zu  strenge  Anforderungen  gestellt  werden  und  die  Argumentation  der  Behörden  darf  sich  nicht  in  blossen  Gegenbehauptungen  oder  allgemeinen  Vermutungen  erschöpfen.  Angesichts  des  reduzierten  Beweismasses  der  Glaubhaftmachung  besteht  durchaus  Raum  für  gewisse  Einwände  und  Zweifel an den Vorbringen des Gesuchstellers. Entscheidend ist, ob eine  Gesamtwürdigung  aller  Vorbringen  ergibt,  dass  die  Gründe,  die  für  die  Richtigkeit  der  Sachverhaltsdarstellung  des  Gesuchstellers  sprechen  überwiegen oder nicht (vgl. EMARK 2004 Nr. 1 E. 5 S. 4 ff., mit weiteren  Hinweisen, EMARK 1993 Nr. 21 S. 134 ff., EMARK 1993 Nr. 11 S. 67 ff.).

E­1478/2010 6.2.  In Anwendung dieser Massstäbe gelangt das Gericht  zum Schluss,  dass  das BFM die Asylvorbringen des Beschwerdeführers  zu Recht  als  unglaubhaft  erachtet  hat.  Der  Beschwerdeführer  hat  mehrfach  divergierende  und  vage  Angaben  zur  Dauer  und  zeitlichen  Einordnung  der ihm angeblich im Jahre 1993 auferlegten Haftstrafe gemacht. So gab  er  anlässlich  der  Empfangsstellenbefragung  zu  Protokoll,  er  sei  am  12.  Juni  1993  verhaftet  worden  und  im  Mai  1995  aus  der  Haft  entlassen  worden  (A1  S.  2),  sprach  aber  andererseits  von  einer  Haftdauer  von  9  Jahren  (A1 S. 5).  Im Rahmen der Anhörung durch das BFM sprach der  Beschwerdeführer  abwechselnd  von  einer  Haftdauer  von  2,  2½  ­  3  beziehungsweise  2  Jahren  und  5  Monaten,  respektive  von  einer  Inhaftierung  von  Mai  1993  bis  Juli  1995  (A11  S.  11).  Zwar  weicht  die  Aussage, er sei 9 Jahre in Haft gewesen, derart stark von seinen übrigen  diesbezüglichen Angaben ab, dass ein Übersetzungsfehler oder sonstiger  Irrtum  nicht  ausgeschlossen  werden  kann.  Aber  auch  die  übrigen  Äusserungen  des  Beschwerdeführers  zu  diesem  Punkt  sind  derart  unpräzise und uneinheitlich, dass sie als unglaubhaft zu bezeichnen sind.  Auch  unter  Berücksichtigung  des Umstands,  dass  es  sich  um  ein  nach  seiner  Darstellung  lange  zurückliegendes  Ereignis  handelt,  erscheint  dieses derart einschneidend, dass zu erwarten wäre, er könne es zeitlich  genauer  einordnen.  Ebenso  vermag  der  Beschwerdeführer  den  festgestellten  klaren  Widerspruch  in  seinen  Aussagen  zum  Ort  seiner  Inhaftierung nicht  aufzulösen. Die Erklärung  in der Beschwerdeeingabe,  es  habe  sich  um  ein  Missverständnis  gehandelt,  vermag  angesichts  seiner eindeutigen Aussagen zu diesen Punkt anlässlich der Befragungen  nicht zu überzeugen. Schliesslich hat die Vorinstanz zu Recht festgestellt,  dass  der  Beschwerdeführer  klar  widersprüchliche  Angaben  zu  den  Umständen seiner Flucht  in den Sudan im Jahre 2007 gemacht hat. Die  diesbezüglichen  Vorbringen  in  der  Beschwerdeeingabe  sind  nicht  geeignet,  diese  Ungereimtheiten  auszuräumen,  zumal  sie  klar  von  der  entsprechenden  Erklärung  des  Beschwerdeführers  anlässlich  der  Anhörung  durch  das  BFM  (A11  S.  9)  abweichen.  Darüber  hinaus  sind  seine  Schilderungen  der  Flucht  überaus  vage  und  realitätsfremd  ausgefallen.  Dass  es  ihm  und  seinem  Kameraden  ohne  Weiteres  gelungen  sein  soll,  bei  einem  Toilettengang  zu  fliehen,  erscheint  unplausibel,  da  bei  einer  Stationierung  in  der  Nähe  der  Grenze  eine  verstärkte Überwachung der Dienstleistenden zu erwarten wäre.  6.3.  Zu  Recht  hat  das  BFM  auch  festgestellt,  dass  die  vom  Beschwerdeführer eingereichten Beweismittel nicht geeignet sind, dessen  Asylvorbringen  zu  belegen.  Entgegen  der  Auffassung  des 

E­1478/2010 Beschwerdeführers kann aus dem Ausstellungsdatum der Identitätskarte  (28. April 1997) kein Rückschluss auf die angebliche Haftstrafe gezogen  werden, zumal der Zeitpunkt der Ausstellung auch andere Gründe haben  kann  (z.  B.  Verlust  eines  vorherigen  Identitätsdokuments).  In  der  auf  Beschwerdeebene eingereichten Quittung betreffend eine Bussenzahlung  von  50'000  Nakfa  durch  die  Ehefrau  des  Beschwerdeführers  wird  zur  Begründung  nur  auf  dessen  illegale  Ausreise  verwiesen.  Dieses  Dokument  hat  daher  hinsichtlich  des  angeblich  nach  1993  geleisteten  Militärdiensts  beziehungsweise  der  Desertion  keinen  Beweiswert.  Die  beiden  Fotos,  welche  den  Beschwerdeführer  in  Militäruniform  zeigen,  lassen sich weder zeitlich noch örtlich zuordnen und können daher ohne  weiteres aus dem Zeitraum 1990 bis 1993 stammen.  6.4.  Im  Weiteren  vermag  auch  die  Argumentation  des  Beschwerdeführers,  seine  Vorbringen  seien  als  plausibel  zu  erachten,  weil  sie  mit  den  allgemeinen  Erkenntnissen  über  die  Praxis  der  eritreischen Militärbehörden übereinstimmen würden, nicht zu verfangen.  Gemäss  Praxis  der  vormaligen  Schweizerischen  Asylrekurskommission  (ARK),  welche  vom  Bundesverwaltungsgericht  übernommen  wurde,  ist  die  Furcht  vor  einer Bestrafung  durch  die  eritreischen Behörden wegen  Dienstverweigerung oder Desertion dann begründet, wenn die betroffene  Person  in  einem  konkreten  Kontakt  zu  den  Militärbehörden  Eritreas  stand. Ein solcher Kontakt ist regelmässig anzunehmen, wenn die Person  im  aktiven  Dienst  stand  und  desertierte.  Darüber  hinaus  ist  jeglicher  Kontakt  zu  den  Behörden  relevant,  aus  dem  erkennbar  wird,  dass  die  betroffene Person rekrutiert werden sollte (EMARK 2006 Nr. 3; Urteil des  Bundesverwaltungsgerichts  E­6642/2006  vom  29.  September  2009).  Es  reicht nicht aus, dass die betroffene Person im dienstfähigen Alter ist und  fürchtet,  irgendwann  ausgehoben  zu  werden  (EMARK  2006  Nr.  3  E.  4.10).  Demnach  kann  alleine  aus  dem  Umstand,  dass  der  Beschwerdeführer grundsätzlich die Voraussetzungen zur Einberufung in  den Militärdienst erfüllte, nicht auf eine im Zeitpunkt der Ausreise aktuelle,  begründete  Furcht  vor  Verfolgung  geschlossen  werden.  Wie  oben  ausgeführt,  ist  es  dem  Beschwerdeführer  jedoch  nicht  gelungen,  glaubhaft  zu  machen,  dass  er  in  diesem  Zeitraum  in  Kontakt  zu  den  heimatlichen Militärbehörden stand.  6.5. Zusammenfassend gelangt das Gericht  in Übereinstimmung mit der  Vorinstanz zum Schluss, dass es dem Beschwerdeführer nicht gelungen  ist,  eine  Vorverfolgung  im  Sinne  von  Art.  3  AsylG  nachzuweisen  oder  glaubhaft zu machen, und die Voraussetzungen für die Zuerkennung des 

E­1478/2010 Asyls nicht erfüllt sind. Die Vorinstanz hat demnach das Asylgesuch des  Beschwerdeführers zu Recht abgelehnt. 7.  7.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit  der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 7.2. Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44  Abs. 1 AsylG; vgl. BVGE 2009/50 E. 9 S. 733 mit weiteren Hinweisen). 7.3. Da dem Beschwerdeführer von der Vorinstanz wegen des Vorliegens  subjektiver  Nachfluchtgründe  gemäss  Art.  54  AsylG  die  Flüchtlingseigenschaft  zugesprochen  und  er  unter  Hinweis  auf  die  Unzulässigkeit  des   Wegweisungsvollzugs  vorläufig  aufgenommen  wurde,  erübrigen  sich  Ausführungen  zur  Zulässigkeit,  Zumutbarkeit  und  Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs. 8.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die  Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 9.  9.1. Der  Entscheid  über  das  vom  Beschwerdeführer  in  seiner  Eingabe  vom  10.  März  2010  gestellte  Gesuch  um  unentgeltliche  Rechtspflege  wurde in der Zwischenverfügung vom 24. März 2010 auf einen späteren  Zeitpunkt verschoben. Gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG wird eine Partei, die  nicht  über  die  erforderlichen  Mittel  verfügt,  auf  Antrag  hin  von  der  Bezahlung der Verfahrenskosten befreit, wenn ihr Begehren im Zeitpunkt  der  Gesuchseinreichung  nicht  aussichtslos  erscheint.  Nicht  über  die  erforderlichen Mittel verfügt, wer ohne Beeinträchtigung des notwendigen  Lebensunterhaltes  die  Prozesskosten  nicht  zu  bestreiten  vermag.  Aussichtslos  ist  eine  Beschwerde,  wenn  die  Gewinnaussichten  beträchtlich geringer sind als die Verlustgefahren und deshalb kaum als  ernsthaft bezeichnet werden können (vgl. BGE 128 I 235 E. 2.5.3 S. 235 

E­1478/2010 f., BGE 125 II 265 E. 4b S. 275). Für die Beurteilung der Prozesschancen  ist  eine  summarische  Prüfung  vorzunehmen.  Vorliegend  sind  die  Voraussetzungen  für  die  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  nicht gegeben, da sich zum einen die Vorbringen des Beschwerdeführers  als aussichtslos erwiesen haben und er zum anderen die von ihm geltend  gemachte Mittellosigkeit nicht belegt hat. 9.2. Demnach  sind  die  Kosten  des  Verfahrens  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  VwVG)  und  auf  insgesamt  Fr. 600.−  festzusetzen (Art. 1 – 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die  Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,           SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite)

E­1478/2010 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das  Gesuch  um  unentgeltliche  Rechtspflege  gemäss  Art.  65  Abs.  1  VwVG wird abgewiesen. 3.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  600.−  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Rechtsvertreter  des  Beschwerdeführers,  das  BFM und die zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Kurt Gysi Nicholas Swain Versand:

E-1478/2010 — Bundesverwaltungsgericht 07.11.2011 E-1478/2010 — Swissrulings