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Bundesverwaltungsgericht 03.02.2012 E-129/2012

3 febbraio 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,290 parole·~6 min·2

Riassunto

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 8. Dezember 2011

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung V E­129/2012 Urteil   v om   3 .   Februar   2012 Besetzung Einzelrichterin Muriel Beck Kadima, mit Zustimmung von Richter Walter Lang;   Gerichtsschreiberin Alexandra Püntener. Parteien A._______ Türkei,   vertreten durch Edith Hofmann, Freiplatzaktion Zürich, (…), Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 8. Dezember 2011 / N (…).

E­129/2012 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass der Beschwerdeführer eigenen Angaben zufolge seinen Heimatstaat  am 14. April  2011  verlassen  hat  und  am 19. April  2011  in  die Schweiz  einreiste, wo er am 26. April 2011 um Asyl nachsuchte, dass  er  anlässlich  der  Kurzbefragung  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum (EVZ) B._______ vom 5. Mai 2011 sowie der direkten  Anhörung vom 29. November 2011 zur Begründung des Asylgesuchs im  Wesentlichen geltend machte, er sei ein aus Malatya stammender Kurde  und habe seit 17 Jahren in Istanbul gewohnt, dass er als Mitglied der Partei des Friedens und der Demokratie (BDP) an  verschiedenen Aktionen teilgenommen und Flugblätter verteilt habe, dass  er  im  Jahre  2010  zusammen  mit  anderen  Parteimitgliedern  festgenommen und geschlagen worden sei, dass  er  nach  sechzehn  Stunden  aus  der  Haft  entlassen  worden  sei,  währendem drei seiner Freunde ins Gefängnis verlegt worden seien, dass  er  nach  der Haftentlassung  bis  zu  seiner Ausreise  aus  der  Türkei  nicht  mehr  nach  Hause  gegangen  sei  und  im  Untergrund  in  Istanbul  gelebt habe, dass  er  sich  aus  Angst  vor  weiteren  Festnahmen  zur  Ausreise  entschlossen habe, dass für den weiteren Inhalt der Aussagen auf die Akten verwiesen wird, dass  das  BFM  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  mit  Verfügung  vom 8. Dezember 2011 – eröffnet am 13. Dezember 2011 – ablehnte und  die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug anordnete , dass das BFM zur Begründung im Wesentlichen anführte, die Vorbringen  des  Beschwerdeführers  würden  den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit nicht standhalten, so dass ihre Asylrelevanz nicht geprüft  werden müsse, dass der Sachverhaltsvortrag des Beschwerdeführers durch gravierende  Widersprüche  gekennzeichnet  sei,  welche  die  Kernpunkte  seiner  Asylvorbringen berührten,

E­129/2012 dass  er  bezüglich  seiner  einzigen  Festnahme  unterschiedliche  Daten  angegeben habe und sich auf Vorhalt des Widerspruchs zwischen seinen  Aussagen in der Erstbefragung sowie bei der Bundesanhörung in weitere  Widersprüche  bezüglich  seines  Aufenthaltes  vor  seiner  Einreise  in  die  Schweiz verwickelt habe, dass er diese mit seiner Aussage, wonach er ein Durcheinander gemacht  habe, nicht habe aufklären können, dass  der  gesamte  Sachverhaltsvortrag  einen  dermassen  einfachen  Aufbau  aufweise,  dass  eine widerspruchsfreie  Darlegung  der  nicht  weit  zurückliegenden Ereignisse erwartet werden könne, dass die widersprüchlichen Aussagen über den Zeitpunkt seiner Ausreise  aus der Türkei und den Verbleib seiner  türkischen Ausweise zusammen  mit  seinen vagen Angaben zum Reiseweg  in die Schweiz den Eindruck  entstehen  liessen,  er  sei  nicht  bereit,  seinen  Reisepass  den  schweizerischen Behörden auszuhändigen und versuche, diese über den  wirklichen Aufenthaltsort vor seiner Einreise in die Schweiz zu täuschen, dass  die  Vorbringen  insgesamt  eindeutige  Kennzeichen  einer  konstruierten  Verfolgungsgeschichte  aufweisen  und  den  Eindruck  erwecken  würden,  er  habe  bei  seinen  Schilderungen  nicht  auf  Erinnerungen  an  tatsächliche  Begebenheiten  zurückgreifen  können,  sondern  lediglich  versucht,  seine  angebliche  Verfolgungssituation  in  allgemein  bekannte Umstände  in  seinem Heimatland  einzubetten,  ohne  davon betroffen gewesen zu sein, dass  der  Beschwerdeführer  mit  Eingabe  vom  9.  Januar  2012  gegen  diesen  Entscheid  beim  Bundesverwaltungsgericht  durch  seine  Rechtsvertreterin  Beschwerde  erhob  und  dabei  die  Aufhebung  der  vorinstanzlichen  Verfügung  und  die  Gewährung  von  Asyl,  im  Falle  der  Bestätigung  des  negativen  Asylentscheids  die  Feststellung  der  Unzulässigkeit  und  Unzumutbarkeit  des  Vollzugs  der  Wegweisung  und  die Gewährung der vorläufigen Aufnahme beantragte, dass  er  in  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  um Verzicht  auf  die  Erhebung  eines Kostenvorschusses und um Erlass der Verfahrenskosten ersuchte, dass  er  zur  Begründung  der  Beschwerde  anführte,  er  sei  ein  Kurde  im  militärpflichtigen Alter,

E­129/2012 dass  seine Mutter  aus  dem Dorf  C._______  (Provinz  Elbistan)  stamme  und die Schwester von D._______ sei, dass  die  Bewohner  von  C._______  anfangs  der  Achtziger­Jahre  Zielscheibe der türkischen Sicherheitskräfte gewesen sei, dass  sämtlichen  Söhnen  und  Töchtern  der  Familie  D._______  in  der  Schweiz Asyl gewährt worden sei, dass die Cousine des Beschwerdeführers, E._______, die sich der PKK­ Guerilla angeschlossen habe, festgenommen und inhaftiert und später in  die Schweiz geflohen und ihr Asyl gewährt worden sei, dass  ihr  jüngster Bruder  F._______  als  letzter  in  der Schweiz  ebenfalls  Asyl  gewährt  worden  sei  und  hier  mit  der  Schwester  des  Beschwerdeführers, G._______, verheiratet sei, dass die Eltern des Beschwerdeführers wegen der damaligen Unruhen in  Malatya, als der Beschwerdeführer noch ein Kleinkind gewesen sei, nach  Istanbul gezogen seien, dass  die  kurdischen  Parteien,  so  auch  die  BDP,  der  der  Beschwerdeführer angehöre, bis heute unter grossem Druck stünden, dass der Beschwerdeführer deshalb festgenommen und nach 16 Stunden  wieder  freigelassen  worden  sei,  jedoch  wegen  des  bevorstehenden  Militärdienstes seine Ausreise vorbereitet habe, dass  die  von  der  Vorinstanz  festgestellten  Ungereimtheiten  darauf  zurückzuführen  seien,  dass  der  Beschwerdeführer  durch  die  damalige  brutale  Festnahme  aus  der  Bahn  geworfen  worden  sei  und  er  sich  als  Militärdienstverweigerer habe verstecken müssen, dass sich ferner die Lage der Kurden, insbesondere im Grenzgebiet zum  Irak,  verschlechtert  habe  und  immer  mehr  BDP­Vorstandsmitglieder  inhaftiert  worden  seien,  was  beim  Beschwerdeführer  eine  zunehmende  Hoffnungslosigkeit bewirkt habe,  dass  er  aufgrund  seiner  Vorgeschichte  und  wegen  seinen  Verwandten  begründete  Furcht  vor  asylrelevanter  Verfolgung  während  dem  Militärdienst habe,

E­129/2012 dass für die weitere Beschwerdebegründung auf die Akten zu verweisen  ist, dass  in  der  Beschwerdeschrift  zudem  unter  Beilage  zweier  Zeitungsberichte  der  Özgür  Politika  vom  30.  Dezember  2011  und  des  Landboten  vom  30.  Dezember  2011  auf  Angriffe  der  türkischen  Streitkräfte auf vermeintliche PKK­Guerillas im Grenzgebiet zum Irak, bei  denen Zivilisten getötet worden seien, hingewiesen wurde, dass  das  Bundesverwaltungsgericht  am  11.  Januar  2012  den  Eingang  der Beschwerde bestätigte, und zieht in Erwägung, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR 172.021])  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  [AsylG,  SR 142.31]  i. V. m.  Art. 31 – 33  des  Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG, SR 173.110]), dass eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG nicht  vorliegt, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet, dass  sich  das  Verfahren  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG  richtet,  soweit  das  AsylG  nichts  anderes  bestimmt  (Art. 37  VGG  und  Art. 6 AsylG), dass  der  Beschwerdeführer  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise  Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist  (Art. 105 AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG),

E­129/2012 dass  somit  auf  die  im  Übrigen  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  einzutreten  ist  (Art.  108  Abs.  1  AsylG  und  Art.  105  AsylG  i.V.m. Art. 50 und 52 VwVG), dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer zweiten Richterin entschieden wird  (Art. 111 Bst. e AsylG) und es  sich  vorliegend,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt,  weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art.  111a Abs. 2 AsylG), dass  gestützt  auf  Art.  111a  Abs.  1  und  2  AsylG  vorliegend  auf  einen  Schriftenwechsel verzichtet wurde, dass die Schweiz Flüchtlingen grundsätzlich Asyl  gewährt  (Art. 2 Abs. 1  AsylG), wobei Flüchtlinge Personen sind, die  in  ihrem Heimatstaat oder  im  Land,  in  dem  sie  zuletzt  wohnten,  wegen  ihrer  Rasse,  Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden (Art. 3 Abs. 1 AsylG), dass die Flüchtlingseigenschaft nachgewiesen oder zumindest glaubhaft  gemacht werden muss (Art. 7 AsylG), dass die Flüchtlingseigenschaft glaubhaft gemacht ist, wenn die Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält, dass  Vorbringen  insbesondere  dann  unglaubhaft  sind,  wenn  sie  in  wesentlichen  Punkten  zu  wenig  begründet  oder  in  sich  widersprüchlich  sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte  oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden, dass sich die Erwägungen der Vorinstanz nach Prüfung der Akten durch  das Bundesverwaltungsgericht als zutreffend erweisen und auf diese zu  verweisen ist (Art. 109 Abs. 3 BGG),

E­129/2012 dass  der  Beschwerdeschrift  keinerlei  Argumente  zu  entnehmen  sind,  welche an der Würdigung der Vorinstanz etwas zu ändern vermögen, dass  vorab  die  Einschätzung  der  Vorinstanz,  wonach  der  Beschwerdeführer  bezüglich  seiner  Festnahme  widersprüchliche  Angaben gemacht habe, bestätigt werden muss, dass  er  bei  der  Kurzbefragung  angab,  diese  sei  am  15.  oder  16.  Juni  2010  gewesen,  währenddem  er  anlässlich  der  Bundesanhörung  vorbrachte,  diese  habe  am  16.  August  2010  stattgefunden,  um  auf  Vorhalt  der  damit  nicht  übereinstimmenden  Ausreise  im  April  2010,  anzugeben, diese habe bereits am 16. August 2009 stattgefunden, wobei  er diese Angaben später wiederum korrigierte, dass  der  Erklärungsversuch  des  Beschwerdeführers,  wonach  die  Umstände der Befragungen zu berücksichtigen seien – es seien  jeweils  verschiedene  Dolmetscher  bei  den  Befragungen  anwesend  gewesen,  zudem habe er sich für die zweite Befragung Notizen gemacht, weshalb  diese genauer sein müsse – nicht plausibel sind, dass  er  anlässlich  beider  Anhörungen  die  Richtigkeit  des  ihm  rückübersetzten  Protokolls  unterschriftlich  bestätigt  hat  (Akten  A7  S.  7  und A19 S. 11), dass  er  zudem  auch  innerhalb  der  Bundesanhörung  widersprüchliche  Angaben  gemacht  hat,  und  sich  auf  Vorhalt  der  Ungereimtheiten  in  weitere Widersprüche verwickelte (Akte A19 S. 5 f.), dass  insbesondere  die  jeweiligen  Reaktionen  auf  die  wiederholten  Vorwürfe, dass er sich widerspreche, den Eindruck erwecken, er habe die  geschilderte Festnahme gar nicht erlebt, dass es sich bei der genannten Festnahme indessen um einen zentralen  Punkt seiner Asylbegründung handelt, der zu seinem Ausreiseentschluss  geführt  haben  soll  (vgl.  Akte  A19  S.  2  f.),  weshalb  von  ihm  erwartet  werden durfte, dass er diese widerspruchsfrei vortragen könne,  dass auch der Einwand  in der Beschwerdeschrift, wonach es anlässlich  der  Bundesbefragung  ein  "Durcheinander"  und  eine  akute  Verwirrung  gegeben  habe,  als  unbehelfliche  Schutzbehauptung  bezeichnet  werden  muss, 

E­129/2012 dass der Beschwerdeführer zudem auch hinsichtlich des Verbleibs seiner  türkischen Ausweise widersprüchliche Angaben gemacht  hat, welche er  in der Beschwerdeschrift nicht zu erklären vermochte, dass  ferner  bezüglich  des  noch  ausstehenden  Militärdienstes  des  Beschwerdeführers  festzuhalten  ist,  dass  wehrpflichtige  Männer  in  der  Türkei  aufgrund  ihrer  Staatsangehörigkeit  und  ihres  Jahrgangs  für  das  Militär  aufgeboten  werden,  ohne  dass  dieser  Verpflichtung  eine  asylrechtlich  relevante  Verfolgungsabsicht  des  Staates  zugrunde  liegen  würde, dass  im  Weiteren  zwar  bekannt  ist,  dass  während  des  Militärdienstes  Schikanen  von  Seiten  türkischer  Kameraden  und  Vorgesetzter  gegen  Kurden  vorkommen  können,  diese  jedoch  in  der  Regel  nicht  derart  gravierend  sind,  dass  es  sich  um  ernsthafte  Nachteile  im  Sinne  des  Asylgesetzes handeln würde, dass  diesbezüglich  somit  keine  Hinweise  für  eine  objektiv  begründete  Furcht vor Verfolgung vorliegen, dass an dieser Einschätzung auch der Umstand, wonach Verwandte  im  Zusammenhang  mit  Unruhen  in  seiner  Herkunftsregion  Malatya  ausgereist  und  in  der  Schweiz  als  Flüchtlinge  anerkannt  worden  seien  nichts zu ändern vermag, zumal der Beschwerdeführer nie erwähnt hatte,  wegen seinen politisch aktiven Verwandten Probleme gehabt zu haben,  dass  es  sich  erübrigt,  auf  die  weiteren  Ausführungen  in  der  Beschwerdeschrift  einzugehen,  weil  sie  am  Ergebnis  nichts  ändern  können, dass  es  dem  Beschwerdeführer  somit  offensichtlich  nicht  gelungen  ist,  die  Flüchtlingseigenschaft  nachzuweisen  oder  zumindest  glaubhaft  zu  machen,  weshalb  das  Bundesamt  das  Asylgesucht  zu Recht  abgelehnt  hat,  dass  die  Ablehnung  eines  Asylgesuchs  oder  das Nichteintreten  auf  ein  Asylgesuch in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge hat  (Art. 44  Abs. 1  AsylG),  vorliegend  der  Kanton  keine  Aufenthaltsbewilligung erteilt hat und zudem kein Anspruch auf Erteilung  einer solchen besteht, weshalb die verfügte Wegweisung im Einklang mit  den gesetzlichen Bestimmungen steht und demnach vom Bundesamt zu 

E­129/2012 Recht  angeordnet  wurde  (vgl.  BVGE  2009/50  E. 9  S. 733, mit  weiteren  Hinweisen), dass das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  regelt,  wenn  der  Vollzug  der Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar  oder  nicht  möglich  ist  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005  über  die Ausländerinnen  und  Ausländer [AuG, SR 142.20]), dass  bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft  gilt,  das  heisst,  sie  sind  zu  beweisen, wenn  der  strikte  Beweis möglich  ist,  und  andernfalls  wenigstens  glaubhaft  zu  machen  (vgl.  WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.],  Ausländerrecht,  2. Aufl.,  Basel  2009, Rz. 11.148), dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig  ist,  wenn  völkerrechtliche  Verpflichtungen  der  Schweiz  einer  Weiterreise  der  Ausländerin oder des Ausländers  in den Heimat­, Herkunfts­ oder einen  Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG), dass  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen werden darf, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]), dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  vorliegend  in  Beachtung  dieser  massgeblichen völker­ und landesrechtlichen Bestimmungen zulässig ist,  da  es  dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung  nachzuweisen  oder  glaubhaft  zu  machen,  weshalb das in Art. 5 AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen  Non­Refoulement  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  findet  und keine Anhaltspunkte für eine menschenrechtswidrige Behandlung im  Sinne  von  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  von  Art. 3  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe 

E­129/2012 (FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom  4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten  (EMRK, SR 0.101) ersichtlich sind, die ihm in der Türkei droht, dass sich der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer als unzumutbar  erweist,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer  Notlage konkret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AuG), dass weder die allgemeine Lage  in der Türkei noch  individuelle Gründe  auf  eine  konkrete  Gefährdung  im  Falle  einer  Rückkehr  des  Beschwerdeführers schliessen lassen, dass  es  sich  beim  Beschwerdeführer  um  einen  ­  soweit  aktenkundig  ­  gesunden  jungen Mann handelt,  der über eine gute Schulbildung  sowie  gewisse  Berufserfahrungen  verfügt  und  in  seinem  Heimatstaat  auf  ein  Beziehungsnetz  (Eltern  und  drei  Geschwister;  vgl.  Akte  A7,  S.  2  f.)  zurückgreifen kann, welches ihn bei Bedarf unterstützen kann,  dass der Vollzug der Wegweisung daher auch als zumutbar zu erachten  ist, dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  in  den  Heimatstaat  schliesslich  möglich  ist,  da  keine  Vollzugshindernisse  bestehen (Art. 83 Abs. 2 AuG), und es dem Beschwerdeführer obliegt, bei  der  Beschaffung  gültiger  Reisepapiere  mitzuwirken  (vgl.  Art. 8  Abs. 4  AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), dass  nach  dem  Gesagten  der  vom  Bundesamt  verfügte  Vollzug  der  Wegweisung zu bestätigen ist, dass  es  dem  Beschwerdeführer  demnach  nicht  gelungen  ist  darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig  feststellt oder  unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen  ist, dass  das  mit  der  Beschwerde  gestellte  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen Rechtspflege gemäss Art.  65 Abs.  1 VwVG abzuweisen  ist, da die Begehren ­ wie sich aus den vorliegenden Erwägungen ergibt ­  als  aussichtslos  zu  bezeichnen  waren,  weshalb  die  kumulativen 

E­129/2012 Voraussetzungen  für  die  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  nicht erfüllt sind, dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr. 600.­  (Art. 1 – 3  des Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1  VwVG). (Dispositiv nächste Seite)

E­129/2012 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  wird  abgewiesen. 3.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die Einzelrichterin: Die Gerichtsschreiberin: Muriel Beck Kadima Alexandra Püntener Versand:

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