Skip to content

Bundesverwaltungsgericht 30.03.2011 E-1234/2008

30 marzo 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,134 parole·~11 min·2

Riassunto

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 29. Januar 2008

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung V E­1234/2008 Urteil   v om   3 0 .  Mä r z   2011   Besetzung Richter Kurt Gysi (Vorsitz), Richterin Jenny de Coulon Scuntaro, Richterin Regula  Schenker Senn,    Gerichtsschreiber Nicholas Swain. Parteien A._______, geboren (…), Afghanistan, (…) Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern,   Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 29. Januar 2008 / N (…).

E­1234/2008 Sachverhalt: A.  Der Beschwerdeführer  reiste am 3. Dezember 2007  in die Schweiz ein,  wo er gleichentags im Empfangs­ und Verfahrenszentrum in Kreuzlingen  ein Asylgesuch stellte. Nach der Kurzbefragung vom 19. Dezember 2007  wurde er für die Dauer des Verfahrens dem Kanton B._______ zugeteilt.  Am 17. Januar 2008 fand eine direkte Anhörung durch das BFM statt. B.  Zur  Begründung  seines  Asylgesuchs  brachte  der  Beschwerdeführer  im  Wesentlichen  vor,  er  gehöre  der  Ethnie  der  Hazara  an  und  sei  in  C._______,  Provinz  D._______  Iran  geboren  worden,  wo  er  ohne  Unterbrechung  bis  zur  Ausreise  mit  seinen  Eltern  und  Geschwistern  gelebt habe. Er und seine Familie hätten im Iran über eine provisorische  Aufenthaltsbewilligung verfügt, welche jährlich verlängert werden müsse.  Seine  Grossmutter  sowie  zwei  Onkel  mütterlicherseits  würden  in  E._______ Provinz Ghazni  leben. Ende August/Anfang September 2007  sei  er  in  C._______  als  Gast  an  einer  Hochzeit  Zeuge  einer  Auseinandersetzung  zwischen  einem  seiner  Freunde  sowie  einem  anderen Jugendlichen geworden, wobei sein Freund getötet worden sei.  In  der  Folge  sei  er  von  den  Polizeibehörden  aufgefordert  worden,  eine  Zeugenaussage  zu  diesem  Vorfall  zu  machen  und  habe  den  Täter  identifiziert. Etwa zwei Wochen nach diesem Ereignis seien er sowie vier  weitere Zeugen vom Täter und einem seiner Freunde attackiert worden.  Er  habe  auch  gehört,  dass  der  Täter  gedroht  habe,  alle  Zeugen  seiner  Tat umzubringen. Daraufhin hätten er und die anderen Zeugen die Polizei  über  diese  Drohungen  informiert.  Diese  habe  ihnen  erklärt,  sie  gingen  davon aus, der Täter sei nach Afghanistan geflüchtet. Drei Wochen nach  dem ersten Angriff seien er und ein Freund erneut von zwei vermummten  Personen  auf  einem Motorrad  bedroht  worden.  Aus  Angst  vor  weiteren  Behelligungen habe er sich zur Ausreise entschlossen. Im Übrigen sei er  als  afghanischer  Flüchtling  im  Iran  Schikanen  ausgesetzt  gewesen.  So  habe  er  die  Schule  frühzeitig  beenden  müssen  und  habe  nicht  legal  arbeiten  können.  Im  September  2007  sei  er  mit  Hilfe  von  Schleppern  illegal  aus  dem  Iran  ausgereist  und  über  die  Türkei,  Griechenland  und  Italien in die Schweiz gelangt  C.  Mit  Verfügung  vom  29.  Januar  2008  −  eröffnet  am  31.  Januar  2008 –  stellte  das  BFM  fest,  der  Beschwerdeführer  erfülle  die 

E­1234/2008 Flüchtlingseigenschaft  nicht,  wies  sein  Asylgesuch  ab  und  ordnete  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  sowie  den  Vollzug  an.  Zur  Begründung  führte  es  an,  dass  seine  Vorbringen  den  Anforderungen  an  die  Flüchtlingseigenschaft  gemäss  Art. 3  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998 (AsylG, SR 142.31) nicht standzuhalten vermöchten. Ausserdem sei  der  Vollzug  der  Wegweisung  zulässig,  zumutbar  und  möglich.  Auf  die  detaillierte  Begründung  wird  –  soweit  entscheidwesentlich  −  in  den  Erwägungen eingegangen. D.  Mit  fremdsprachigen  Eingaben  vom  26.  und  28.  Februar  2008  (Poststempel)  erhob  der  Beschwerdeführer  Beschwerde  gegen  diese  Verfügung. E.  Mit  Zwischenverfügung  vom  29.  Februar  2008  forderte  der  Instruktionsrichter  den  Beschwerdeführer  zur  Beschwerdeverbesserung  (Beschwerdeeingabe  in  einer  Amtssprache  mit  klaren  Rechtsbegehren)  innert 7 Tagen sowie zur Bezahlung eines Kostenvorschusses auf.  F.  Mit fristgerechter Eingabe vom 6. März 2008 (Poststempel: 7. März 2008)  beantragte der Beschwerdeführer die Aufhebung der Verfügung des BFM  sowie  die  Anerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft  und  die  Gewährung  des  Asyls.  Eventualiter  sei  die  Unzulässigkeit,  Unzumutbarkeit  und  Unmöglichkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen und die vorläufige  Aufnahme  anzuordnen.  In  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  ersucht  er  um  Gewährung der  aufschiebenden Wirkung der Beschwerde, Feststellung,  dass  eine  vorsorgliche  Wegweisung  in  einen  Drittstaat  unzulässig,  unzumutbar  und  unmöglich  sei  und  um Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  und  Verbeiständung  sowie  um  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses.  Auf  die  Begründung  wird  –  soweit  entscheidwesentlich  −  in  den  Erwägungen  eingegangen.  Zur  Stützung  seiner  Vorbringen  reichte  der  Beschwerdeführer  eine  Fürsorgeabhängigkeitserklärung  des  Zentrums  für  Asylsuchende  F._______ vom 6. März 2008 ein. G.  Mit Zwischenverfügung  vom 11. März 2008 hiess der  Instruktionsrichter  das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das 

E­1234/2008 Verwaltungsverfahren  (VwVG, SR 172.021) gut, hob die Ziffern 2 und 3  der Zwischenverfügung vom 29. Februar 2008 auf und verzichtete auf die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses.  Hingegen  wurde  das  Gesuch  um  unentgeltliche Verbeiständung gemäss Art. 65 Abs. 2 VwVG abgewiesen. H.  In ihrer Vernehmlassung vom 17, März 2008 hielt die Vorinstanz an ihrer  Verfügung fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde. I.  Mit Eingabe vom 7. April 2008 machte der Beschwerdeführer von der ihm  mit  Zwischenverfügung  vom  20.  März  2008  eingeräumten  Gelegenheit  zur  Stellungnahme Gebrauch,  wobei  er  an  seinen  Ausführungen  in  der  Beschwerdeeingabe festhielt.     J.  Mit Eingabe vom 1. März 2010 (Poststempel) reichte er zwei Vorladungen  des Justizministeriums,  inklusive Übersetzungen, ein und teilte mit, dass  seine  im  Iran  lebenden  Familienmitglieder  unter  Druck  seien  und  riskierten, nach Afghanistan abgeschoben zu werden. Die in Afghanistan  verbliebenen Angehörigen seien inzwischen ins Ausland ausgereist.  Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und  entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgültig  (Art. 105 AsylG; Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]). 1.2.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise 

E­1234/2008 Änderung;  er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105 und Art. 108 AsylG, i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 sowie  Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  3.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7  AsylG). 4.  4.1. Das  Bundesamt  führte  zur  Begründung  seiner  Verfügung  aus,  die  Ausführungen des Beschwerdeführers zur Tötung seines Freundes seien  offensichtlich widersprüchlich und unlogisch. Zudem widerspreche es der  allgemeinen  Erfahrung  und  Logik,  dass  der  Beschwerdeführer  bedroht  worden  sein  soll,  nachdem  er  seine  Zeugenaussage  gegenüber  den  Polizeibehörden  gemacht  habe,  sowie  dass  er  trotz  der  angeblichen  Gefährdung  weiterhin  zur  Arbeit  gegangen  sei.  Bei  der  vom  Beschwerdeführer vorgebrachten Benachteiligung aufgrund seines Status  als  afghanischer  Flüchtling  im  Iran  handle  es  sich  nicht  um  eine  asylbeachtliche  Verfolgung  im  Sinne  von  Art.  3  AsylG.  Es  liessen  sich  diesen Vorbringen weder Hinweise auf eine gezielte Verfolgung noch auf 

E­1234/2008 eine  begründete  Furcht  vor  Verfolgungsmassnahmen  aus  einem  asylrechtlich  relevanten  Grund  entnehmen.  Im  Weiteren  habe  der  Beschwerdeführer  keine  asylrechtlich  relevanten  Gründe  vorgebracht,  welche  gegen  eine  Rückkehr  nach  Afghanistan  sprechen  würden.  Sein  Verweis  auf  die  allgemeine  schwierige  Lage  in  diesem Land  sowie  das  fehlende  soziale Netz  stelle  keine  den Anforderungen  von Art.  3  AsylG  genügende  Verfolgung  dar.  Ferner  würden  sich  aus  den  Akten  keine  Anhaltspunkte  für  eine  ihm  im  Iran  drohende  gemäss  Art.  3  der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR  0.101)  verbotene  Strafe  oder  Behandlung  ergeben,  weshalb  der  Wegweisungsvollzug  zulässig  sei.  Zudem  sei  der  Vollzug  der  Wegweisung  in  den  Iran  als  zumutbar  zu  erachten, zumal der Beschwerdeführer sich dort sein ganzes Leben lang  legal  als  Flüchtling  aufgehalten  habe,  über  Schulbildung  und  berufliche  Erfahrung  verfüge  und  auf  ein  tragfähiges  soziales  Netz  zurückgreifen  könne. Ebenso erscheine eine Rückkehr nach Afghanistan als zumutbar.  Zwar  sei  die  Sicherheitslage  in  der  Provinz Ghazni,  wo mehrere  seiner  Verwandten  leben würden,  vergleichsweise  schlecht.  Jedoch  verfüge er  in  anderen  sicheren  Provinzen  Afghanistans,  namentlich  im Grossraum  Kabul, über eine  innerstaatliche Aufenthaltsalternative.  In Kabul habe er  aufgrund seiner ethnischen Zugehörigkeit  keine Nachteile zu befürchten  und  dürfte  aufgrund  seiner  schulischen  und  beruflichen  Qualifikationen  sowie allenfalls mit finanzieller Unterstützung seiner Angehorigen im Iran  in der Lage sein, seine wirtschaftliche Existenz zu sichern.      4.2.  Der  Beschwerdeführer  stellte  sich  zur  Begründung  seiner  Beschwerde  auf  den  Standpunkt,  er  habe  asylrelevante  Verfolgung  zu  befürchten.  Seine  Familie  habe  als  ethnische  Hazara  schiitischer  Glaubenszugehörigkeit  vor  den  Taliban  in  den  Iran  fliehen müssen,  wo  sie  aber  als  afghanische  Flüchtlinge  diskriminiert  und  von  den  Sicherheitskräften misshandelt würden. Er könne nicht nach Afghanistan  zurückkehren, da dort gemäss Berichten des UNHCR eine grosse Armut  und  ein  Mangel  an  Infrastruktur  herrschten.  Seine  in  Afghanistan  lebenden Verwandten seien sehr arm, und es sei nicht möglich, Arbeit zu  finden  oder  Hilfe  von  der  Regierung  zu  erhalten.  Zudem  sei  die  Sicherheitslage  dort  aufgrund  der  Anschläge  durch  die  Taliban  sehr  schlecht und die humanitäre Situation sei prekär. Die Hazara würden von  den Taliban als ungläubig erachtet und daher mit dem Tod bedroht. Auch  nach  der  Entmachtung  der  Taliban  sei  die  Lage  in  Afghanistan  sehr  instabil.  Dadurch  dass  sich  die  internationalen  Mächte  nicht  auf  ein  Vorgehen einigen könnten, würden  ihre Bemühungen beeinträchtigt und 

E­1234/2008 der Aufstand werde gefördert. Im Übrigen sei auch eine Rückkehr in den  Iran  nicht  zumutbar.  Denn  die  iranischen  Behörden  hätten  begonnen,  afghanische  Flüchtlinge  zwangsweise  nach  Afghanistan  auszuschaffen.  Das Ziel sei, dass alle afghanischen Flüchtlinge innert 18 Monaten in ihr  Heimatland  zurückkehren  würden.  Es  gebe  auch  Berichte,  wonach  afghanische  Flüchtlinge  durch  die  iranischen  Sicherheitskräfte  misshandelt worden seien. Gemäss Aussagen eines iranischen Beamten  des  Innenministeriums  drohe  illegal  anwesenden  Flüchtlingen  eine  Haftstrafe von bis zu fünf Jahren.  4.3.  In  ihrer  Vernehmlassung  hielt  die  Vorinstanz  daran  fest,  dass  die  sozialen  Probleme  afghanischer  Flüchtlinge  im  Iran  keine  zur  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  führende  Gefährdung  darstellen  würden  und  es  dem  Beschwerdeführer  darüber  hinaus  eine  Rückkehr nach Kabul  zuzumuten sei. Ferner  sei  zu beachten,  dass der  Beschwerdeführer  ungereimte  Angaben  zum  Verbleib  seines  Onkels  G._______  gemacht  habe  und  daher  davon  auszugehen  sei,  dass  er  seine  wahren  Familienverhältnisse  und  den  Aufenthaltsort  seiner  Verwandten zu verschleiern versuche. 4.4.  In  seiner  Replik  hielt  der  Beschwerdeführer  daran  fest,  dass  ihm  sowohl  im  Iran als auch  in Afghanistan eine Gefährdung  in asylrechtlich  relevantem  Ausmass  drohe.  Seine  Familie  sei  nicht  in  der  Lage,  ihn  finanziell zu unterstützten. Namentlich habe sein  im Iran verhafteter und  nach  Afghanistan  abgeschobener  Onkel  G._______  selber  eine  grosse  Familie zu ernähren.    5.  5.1. Aufgrund der Vorbringen des Beschwerdeführers sowie der von ihm  eingereichten  Dokumente  (Flüchtlingsausweis,  Bestätigung  der  afghanischen Botschaft  in Teheran)  ist davon auszugehen, dass es sich  bei  ihm  um  einen  afghanischen  Staatsangehörigen  handelt,  welcher  im  Iran als Flüchtling lebte. Eine Auslegung von Art. 3 Abs. 1 AsylG im Lichte von Art. 1A Abs. 2 des  Abkommens  vom  28. Juli  1951  über  die  Rechtsstellung  der  Flüchtlinge  (FK,  SR  0.142.30)  ergibt,  dass  Asylsuchende  nur  als  Flüchtlinge  anerkannt werden können, wenn sie im Heimatstaat verfolgt werden. Eine  Verfolgung in einem Drittstaat, in welchem ein Asylsuchender gelebt hat,  schliesst  die  Anerkennung  als  Flüchtling  aus,  wenn  die  betreffende 

E­1234/2008 Person  im  Heimatstaat  Zuflucht  finden  kann  (WALTER  KÄLIN,  Grundriss  des Asylverfahrens, Basel/Frankfurt a. M. 1990, S. 34 f.). 5.2.  Im  Folgenden  ist  somit  zu  prüfen,  ob  dem  Beschwerdeführer  in  seinem Heimatstaat Afghanistan asylrechtlich relevante Verfolgung droht.  Weder  seinen  Ausführungen  anlässlich  der  Befragungen  noch  seinen  Eingaben  auf  Beschwerdeebene  sind  konkrete  Hinweise  auf  eine  gezielte,  ihm  drohende  Verfolgung  im  Heimatstaat  Afghanistan  zu  entnehmen. Vielmehr  hat  er  ausschliesslich auf  die  allgemein  schlechte  Sicherheitslage  in seinem Heimatstaat und  insbesondere die Verfolgung  der  Volksgruppe  der  Hazara,  welcher  er  angehört,  durch  die  Taliban  Bezug  genommen.  Indessen  hat  die  Vorinstanz  zu  Recht  festgestellt,  dass Nachteile, welche auf den allgemeinen politischen, wirtschaftlichen  oder  sozialen  Lebensbedingungen  im  Heimatland  beruhen,  keine  asylbeachtlichen  Verfolgung  im  Sinne  von  Art.  3  AsylG  darstellen  (vgl.  Handbuch  zum  Asyl­  und  Wegweisungsverfahren,  Schweizerische  Flüchtlingshilfe SFH [Hrsg.], Bern/Stuttgart/Wien 2009, S. 178) .  Ferner  ist  nicht  von  einer  allgemeinen,  alleine  an  die  Zugehörigkeit  zur  Ethnie  der  Hazara  anknüpfenden  Verfolgungssituation  im  Sinne  einer  Kollektivverfolgung  auszugehen,  welche  es  rechtfertigen  würde,  vom  Erfordernis  der  gezielten  Verfolgung  abzusehen.  Die  Anforderungen  an  die Feststellung einer Kollektivverfolgung sind, gemäss einer auch für das  Bundesverwaltungsgericht  nach  wie  vor  geltenden  Rechtsprechung  der  ARK, sehr hoch. Alleine die Zugehörigkeit zu einem Kollektiv, welches in  seinen  spezifischen  Eigenschaften  Ziel  einer  Verfolgungsmotivation  ist,  reicht  in  der  Regel  nicht,  um  eine  Kollektivverfolgung  zu  begründen.  Vielmehr kommen auch bei geltend gemachter Verfolgung aufgrund der  blossen  Zugehörigkeit  zu  einem  bestimmten  Kollektiv  die  Kriterien  der  ernsthaften Nachteile oder der begründeten Furcht gemäss Art. 3 AsylG  zur Anwendung. Solange die Übergriffe gegen das Kollektiv nicht derart  intensiv und häufig sind, dass jedes Gruppenmitglied mit guten Gründen  befürchten  muss,  getroffen  zu  werden,  müssen  besondere  Umstände  vorliegen,  damit  bereits  aufgrund  der  blossen  Zugehörigkeit  zu  einem  bestimmten Kollektiv die Ernsthaftigkeit der Nachteile oder Begründetheit  der Furcht als erfüllt betrachtet werden können (vgl. Entscheidungen und  Mitteilungen  der Schweizerischen Asylrekurskommission  [EMARK]  2006  Nr. 1 E. 4.3, S. 3 f., mit weiteren Hinweisen). Solche Umstände liegen zur  Zeit im Falle der Hazara in Afghanistan nicht vor. Insbesondere ist auf die  vom  UNHCR  vertretene  Auffassung  zu  verweisen,  dass  ethnisch 

E­1234/2008 motivierte Spannungen und Gewalt seit dem Fall der Taliban beträchtlich  abgenommen  haben  und  eine  Gefährdung  aus  ethnischen  Gründen  in  Gebieten,  wo  die  betreffende  Volksgruppe  die  Bevölkerungsmehrheit  stellt,  unwahrscheinlich  ist  (vgl.  UNHCR,  Eligibility  Guidelines  for  Assessing  the  International  Protection  Needs  of  Asylum­Seekers  from  Afghanistan,  17. Dezember  2010,  S.  29  f.).  Jedoch  führt  auch  die  Zugehörigkeit zu einer ethnischen Minderheit in einem bestimmten Gebiet  nicht  per  se  zu  einer  relevanten Gefährdung,  sondern  es müssen  auch  weitere  Faktoren,  wie  der  soziale,  politische,  wirtschaftliche  und  militärische  Einfluss  der  betreffenden  Person  beziehungsweise  ihrer  ethnischen  Gruppe  berücksichtigt  werden  (UNHCR,  a.a.O.,  S.  32).  Die  Hazara  stellen  in  mehreren  Provinzen  und  Teilgebieten  von  Provinzen  Afghanistans, namentlich im Distrikt E._______ wo der Beschwerdeführer  über  Familienangehörige  verfügt  (hat),  die  Bevölkerungsmehrheit.  Zumindest  in  diesen  Regionen  kann  eine  generelle  Verfolgung  dieser  Volksgruppe nach dem Gesagten ausgeschlossen werden.  Es besteht demnach kein Anlass zur Annahme einer begründeten Furcht  des  Beschwerdeführers  vor  Verfolgung  aufgrund  seiner  ethnischen  Zugehörigkeit. 5.3.  Nachdem  aufgrund  vorstehender  Ausführungen  eine  asylrechtlich  relevante  Gefährdung  des  Beschwerdeführers  in  seinem  Heimatstaat  Afghanistan ausgeschlossen werden kann, braucht nicht näher erörtert zu  werden,  ob mit  Bezug  auf  die  behaupteten  Vorkommnisse  im Drittstaat  Iran  die  Voraussetzungen  der  Glaubhaftmachung  im  Sinne  von  Art.  7  Abs.  2  und  3  AsylG  erfüllt  sind.  Somit  kann  auch  darauf  verzichtet  werden,  auf  die  diesbezüglich  in  der  Eingabe  vom  1. März  2010  eingereichten Beweismittel einzugehen. 5.4. Zusammenfassend  ist  festzuhalten, dass es dem Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  Verfolgungsgefahr  im  Sinne  von  Art.  3  AsylG  nachzuweisen oder glaubhaft darzutun. Es erübrigt sich, auf die weiteren  Ausführungen  in  der  Beschwerde  einzugehen,  da  diese  am  Ergebnis  nichts  zu  ändern  vermögen.  Die  Vorinstanz  hat  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers demnach zu Recht abgelehnt. 6.  6.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und 

E­1234/2008 ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit  der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 6.2. Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44  Abs. 1 AsylG; EMARK 2001 Nr. 21). 7.  7.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder  nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG,  SR 142.20]). Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt  gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner  Vorgängerorganisation  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte  Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl.  WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi/Yar/Geiser  [Hrsg.],  Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, RZ. 11.148). 7.2. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen  der  Schweiz  einer Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen  (Art.  83  Abs. 3 AuG). So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  Art. 3  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter 

E­1234/2008 oder  unmenschlicher  oder  erniedrigender  Strafe  oder  Behandlung  unterworfen werden. 7.3.  Die  Vorinstanz  wies  in  ihrer  angefochtenen  Verfügung  zutreffend  darauf hin, dass das Prinzip des  flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulement  nur Personen  schützt, welche die Flüchtlingseigenschaft  erfüllen. Da es  dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der  in Art. 5  AsylG  verankerte  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  des  Beschwerdeführers nach Afghanistan ist demnach unter dem Aspekt von  Art. 5  AsylG  rechtmässig.  Sodann  ergeben  sich  weder  aus  seinen  Aussagen noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall  einer  Ausschaffung  nach  Afghanistan  dort  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  einer  nach Art. 3  EMRK  oder  Art. 1  FoK  verbotenen  Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wäre.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­Folterausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine  konkrete  Gefahr  ("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft  machen,  dass  ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung  drohen würde  (vgl. EGMR  [Grosse Kammer], Saadi gegen  Italien, Urteil  vom  28. Februar  2008,  Beschwerde  Nr. 37201/06,  §§ 124 – 127,  mit  weiteren  Hinwiesen).  Aufgrund  der  Akten  sowie  der  vorstehenden  Erwägungen  betreffend  die  Frage  der  Flüchtlingseigenschaft  ist  nicht  davon  auszugehen,  dass  ihm  im  Falle  einer  Rückschiebung  nach  Afghanistan  eine  derartige  Gefahr  droht.  Auch  die  allgemeine  Menschenrechtssituation  in diesem Land  lässt den Wegweisungsvollzug  zum  heutigen  Zeitpunkt  nicht  als  unzulässig  erscheinen.  Nach  dem  Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl­ als  auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 7.4.  7.4.1. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug  für Ausländerinnen  und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art. 83 Abs. 7 AuG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. 7.4.2.  Die  Situation  in  Afghanistan  ist  gemäss  zur  Zeit  immer  noch  geltender  Praxis  differenziert  zu  beurteilen.  Als  zumutbar  gilt  eine 

E­1234/2008 Rückkehr  abgewiesener  Asylsuchender  nach  wie  vor  lediglich  in  die  Provinz  Kabul  (vgl.  bereits  EMARK  2003  Nr.  10),  die  nördlich  der  Hauptstadt gelegenen Provinzen Parwan, Baghlan, Takhar, Badakhshan,  Kunduz, Balkh, Sari Pul sowie die Gebiete um Samangan, die nicht zum  Hazarajat  gehören  (vgl.  EMARK  2003  Nr.  30  E.  7a  S.  193)  sowie  die  Provinz Herat im Westen des Landes (vgl. EMARK 2006 Nr. 9 E. 7.8. S.  102),  sofern  sie  aus  diesen  Regionen  stammen  oder  dort  über  ein  tragfähiges  Beziehungsnetz  verfügen  und  konkrete  Möglichkeiten  der  Sicherung des Existenzminimums und der Wohnsituation bestehen  (vgl.  EMARK 2003 Nr. 10 E. 10b.cc S. 68; EMARK 2003 Nr. 30 E. 7b S. 193  f.).  Zudem  ist  die  Rückkehr  in  diese  Provinzen  nur  für  junge,  unverheiratete  Personen  oder  kinderlose  Paare  ohne  schwere  gesundheitliche Probleme  zumutbar  (vgl.  EMARK 2006 Nr.  9 E.  7.8. S.  102).  In  den  übrigen  östlichen,  südlichen  und  südöstlichen  Provinzen  besteht  hingegen  eine  Situation  allgemeiner  Gewalt,  weshalb  der  Wegweisungsvollzug dorthin nach wie vor als unzumutbar zu betrachten  ist (vgl. EMARK 2006 Nr. 9 E. 7.5.3 und 7.8). Seit dem Jahr 2006 hat sich  die Lage in Afghanistan offenkundig verschlechtert; jene Gebiete, welche  im Jahre 2006 als für eine Rückkehr unzumutbar behandelt wurden, sind  es heute  fraglos  immer noch. Das Bundesverwaltungsgericht sieht denn  auch in Anbetracht der jüngsten Entwicklung in Afghanistan (vgl. etwa die  Urteile  des Bundesverwaltungsgerichts D­1689/2009  vom  7.  September  2010,  D­  8645/2007  vom  7.  Juni  2010  und  E­5519/2006  vom  25.  November  2009)  keine  Veranlassung,  von  dieser  Lageeinschätzung  abzuweichen.  Ob  die  Gebiete,  in  die  laut  EMARK  2006  Nr.  9  der  Wegweisungsvollzug noch als zumutbar betrachtet werden konnte, heute  anders beurteilt werden müssten, kann in casu offen bleiben. 7.4.3. Der Beschwerdeführer hat sich vor der Einreise in die Schweiz nie  in  seinem  Heimatstaat  aufgehalten,  sondern  mit  seinen  Eltern  und  Geschwistern  als  Flüchtling  im  Iran  gelebt.  Anlässlich  der  Befragungen  gab  er  zu  Protokoll,  er  verfüge  in  E._______  Provinz  Ghazni  über  mehrere Verwandte  (Onkel, Grossmutter). Auf Beschwerdeebene hat er  indessen vorgebracht, diese Angehörigen hätten Afghanistan inzwischen  ebenfalls verlassen. Ungeachtet der Frage, ob die vom BFM geäusserten  Zweifel an der Glaubhaftigkeit der Ausführungen des Beschwerdeführers  zu  seinen  Familienverhältnissen  berechtigt  sind,  ist  jedenfalls  festzustellen,  dass  der  Wegweisungsvollzug  in  die  Provinz  Ghazni  als  generell  unzumutbar  zu  erachten  ist.  Zudem  sind  den  Akten  keine  Anhaltspunkte dafür zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer in Kabul  oder den obengenannten Provinzen, in welche gemäss bisheriger Praxis 

E­1234/2008 der  Wegweisungsvollzug  unter  bestimmten  Umständen  als  zumutbar  erachtet  wurde,  über  ein  Beziehungsnetz  verfügt,  auf  deren  Unterstützung  er  zählen  könnte,  oder  sonstige  Möglichkeiten  der  Sicherung des Existenzminimums und der Wohnsituation. Allein aus dem  Umstand,  dass er  über eine gute Schuldbildung und gewisse berufliche  Erfahrung  verfügt,  kann  entgegen  der  Auffassung  der  Vorinstanz  in  Berücksichtigung  der  länderspezifischen  gesellschaftlichen  Gegebenheiten  nicht  auf  die  Möglichkeit  der  Existenzsicherung  geschlossen werden.  In Anwendung der geltenden Rechtsprechung kommt das Gericht daher  zum  Schluss,  dass  dem  Beschwerdeführer  der  Aufbau  einer  menschenwürdigen Existenz  in seinem Heimatstaat kaum möglich wäre,  weshalb  der  Vollzug  der  Wegweisung  im  heutigen  Zeitpunkt  als  unzumutbar zu qualifizieren ist. 7.4.4.  Schliesslich  ist  auch  ein  Vollzug  der  Wegweisung  in  den  Iran  auszuschliessen. Ein Vollzug der Wegweisung dorthin könnte nur dann in  Betracht  gezogen  werden,  wenn  die  Möglichkeit  einer  legalen  Einreise  bestehen  würde  (vgl.  EMARK  1997  Nr.  24  und  EMARK  1995  Nr.  22).  Vorliegend ist indes nicht ersichtlich, dass der Beschwerdeführer legal in  den  Iran einreisen könnte. Der Beschwerdeführer hat sich zwar eigenen  Angaben zufolge seit seiner Geburt bis zu seiner Ausreise im September  2007 legal als Flüchtling im Iran aufgehalten. Hingegen es erscheint nicht  realistisch,  dass  er  respektive  seine  Angehörigen  als  afghanische  Staatsbürger die iranische Staatsbürgerschaft erwerben konnten. Zudem  dürfte  der  Beschwerdeführer  als  afghanischer  Staatsbürger  einen  allfälligen  Duldungsanspruch  im  Iran  aufgrund  seiner  langjährigen  Landesabwesenheit  ohnehin  verwirkt  haben.  Der  Vollzug  der  Wegweisung  in  den  Iran  erweist  sich  daher  als  unrealistisch  und  fällt  somit nicht in Betracht.  7.5.  Im  Übrigen  liegen  gemäss  Aktenlage  keine  Gründe  für  den  Ausschluss  von  der  vorläufigen  Aufnahme  gemäss  Art.  83  Abs.  7  AuG  vor. Somit sind die Voraussetzungen  für die Gewährung der vorläufigen  Aufnahme erfüllt. 8.  Nach  dem  Gesagten  ist  die  Beschwerde,  soweit  den  Vollzug  der  Wegweisung betreffend,  gutzuheissen, und die Dispositivziffern 4 und 5  der  vorinstanzlichen  Verfügung  vom  29.  Januar  2008  sind  aufzuheben. 

E­1234/2008 Im Übrigen  ist die Beschwerde abzuweisen. Das BFM wird angewiesen,  den Beschwerdeführer wegen Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs  vorläufig in der Schweiz aufzunehmen (vgl. Art. 44 Abs. 2 AsylG und Art.  83 Abs. 4 AuG). 9.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  wären  die  um  die  Hälfte  zu  reduzierenden  Verfahrenskosten  von  Fr.  300.−  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihm mit Zwischenverfügung vom  11. März  2008  die  unentgeltliche  Rechtspflege  gemäss  Art.  65  Abs.  1  VwVG gewährt wurde und keine Anhaltspunkte dafür bestehen, dass sich  seine finanzielle Lage seither massgeblich verändert hat, sind ihm jedoch  keine Verfahrenskosten aufzuerlegen. 10.  Die Beschwerdeinstanz kann der ganz oder teilweise obsiegenden Partei  von  Amtes  wegen  oder  auf  Begehren  eine  Entschädigung  für  ihr  erwachsene  notwendige  und  verhältnismässig  hohe Kosten  zusprechen  (Art.  64  Abs.  1  VwVG;  Art.  7  und  8  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2]).  Aufgrund  der  Aktenlage ist jedoch nicht davon auszugehen, dass dem nicht vertretenen  Beschwerdeführer  durch  das  Beschwerdeverfahren  notwendige  und  verhältnismässig  hohe  Kosten  erwachsen  sind.  Daher  ist  ihm  keine  Parteientschädigung zuzusprechen  (Dispositiv nächste Seite)

E­1234/2008 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird, soweit den Vollzug der Wegweisung betreffend,  gutgeheissen. Im Übrigen wird sie abgewiesen. 2.  Die  Dispositivziffern  4  und  5  der  vorinstanzlichen  Verfügung  vom  29.  Januar  2008  werden  aufgehoben,  und  das  BFM wird  angewiesen,  den  Beschwerdeführer vorläufig aufzunehmen. 3.  Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4.  Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet. 5.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Kurt Gysi Nicholas Swain Versand:

E-1234/2008 — Bundesverwaltungsgericht 30.03.2011 E-1234/2008 — Swissrulings