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Bundesverwaltungsgericht 23.02.2012 D-900/2012

23 febbraio 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,445 parole·~7 min·2

Riassunto

Nichteintreten auf Asylgesuch (sicherer Drittstaat) und Wegweisung | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 26. Januar 2012

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung IV D­900/2012 Urteil   v om   2 3 .   Februar   2012 Besetzung Einzelrichter Fulvio Haefeli, mit Zustimmung von Richterin Claudia Cotting­Schalch;   Gerichtsschreiberin Karin Schnidrig. Parteien A._______, geboren (…), Eritrea,  (…),   Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 26. Januar 2012 / N _______.

D­900/2012 Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest und erwägt, dass  der  Beschwerdeführer  –  ein  eritreischer  Staatsangehöriger  –  am 7. Februar 2010 in der Schweiz erstmals um Asyl nachsuchte, dass das BFM mit Verfügung vom 21. Mai 2010 im Rahmen eines Dublin­ Verfahrens auf dieses Asylgesuch nicht eintrat und die Wegweisung aus  der Schweiz nach Italien anordnete, dass das Bundesverwaltungsgericht eine dagegen erhobene Beschwerde  mit Urteil vom 14. Juni 2010 abwies, dass  der  Beschwerdeführer  daraufhin  am  15.  Juli  2010  nach  Italien  überstellt wurde, dass er am 21. März 2011 im Empfangs­ und Verfahrenszentrum (…) ein  zweites Asylgesuch einreichte, dass  am  7.  April  2011  die  Befragung  zur  Person  stattfand  und  der  Beschwerdeführer am 25. Januar 2012 zu seinen Asylgründen angehört  wurde, dass  er  im  Rahmen  des  rechtlichen  Gehörs  zu  einer  allfälligen  Wegweisung nach Italien insbesondere erklärte, es sei für  ihn schwierig,  dort zu leben, dass er in Italien keine Arbeit finde, dass er nach seiner Rückführung dorthin weder Unterstützung noch eine  Unterkunft erhalten habe, dass er am 21. März 2011 erneut in die Schweiz eingereist sei, weil er in  Italien auf sich gestellt gewesen sei, dass  er  ausserdem  nicht  von  seinem  Bruder  und  der  Familie  getrennt  werden möchte, dass die  italienischen Behörden mit Schreiben vom 23. Dezember 2011  bestätigten, der Beschwerdeführer habe in Italien Asyl erhalten (vgl. Akte  B14),

D­900/2012 dass  sie  einer  Anfrage  des  BFM  um  Rückübernahme  zustimmten (vgl. B14), dass  das  BFM  mit  Verfügung  vom  26.  Januar  2012  –  eröffnet  am  9.  Februar 2012 – in Anwendung von Art. 34 Abs. 2 Bst. a des Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR 142.31)  auf  das  zweite  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers vom 21. März 2011 nicht eintrat und die Wegweisung  aus der Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug anordnete, dass  das  BFM  zur  Begründung  insbesondere  anführte,  der  Bundesrat  habe Italien als sicheren Drittstaat bezeichnet, dass der Beschwerdeführer  am 15.  Juli  2010  im Rahmen eines Dublin­ Verfahrens  nach  Italien  überstellt  worden  sei,  wo  er  sich  eigenen  Angaben zufolge bis zur erneuten Einreise  in die Schweiz am 21. März  2011 aufgehalten habe, dass  er  gemäss  Mitteilung  der  italienischen  Behörden  anerkannter  Flüchtling sei und in Italien Asyl erhalten habe, dass  Italien  sich  am  23.  Dezember  2011  bereit  erklärt  habe,  den  Beschwerdeführer zurückzunehmen, dass der Bundesrat am 14. Dezember 2007 beschlossen habe, alle EU­  und EFTA­Staaten, mithin auch Italien, im Sinne von Art. 6a Abs. 2 Bst. b  AsylG per 1. Januar 2008 als sichere Drittstaaten zu bezeichnen, dass  der  Beschwerdeführer  keine  Gründe,  welche  die  Vermutung  der  Beachtung  des  Non­Refoulement­Gebotes  widerlegen  könnten,  vorgebracht habe, dass  seine  Einwände,  in  Italien  weder  Rechte,  Unterkunft  noch  Verpflegung  gehabt  zu  haben  (vgl.  Anhörungsprotokoll  vom  25.  Januar  2012,  B18,  S.  2  ff.),  an  der  Zuständigkeit  Italiens  nichts  zu  ändern  vermöchten, dass  anerkannte  Flüchtlinge  in  Italien  im  Programm  Sistema  di  Protezione per Richiedenti asilo e Rifugiati (SPRAR) bevorzugt behandelt  würden,

D­900/2012 dass  sich  in  Italien  neben  den  staatlichen  Strukturen  auch  private  Hilfsorganisationen  der  Betreuung  von  Asylsuchenden  und  Flüchtlingen  annähmen, dass die Organisation Arci  con Fraternità  seit  dem 1.  Januar 2009 eine  Betreuung  für Flüchtlinge  im Flughafen Fiumicino  (Rom) und kostenlose  Rechtsberatung biete, dass  in  diesem  Licht  keine  Hinweise  darauf  bestünden,  der  Beschwerdeführer  könne  im  Falle  einer  Rückkehr  nach  Italien  in  eine  existenzielle Notlage geraten, dass er  im Weiteren geltend mache,  in der Schweiz würden ein Bruder,  eine  Tante  und  zwei  seiner  Onkel  leben  (vgl.  Befragungsprotokoll  vom 7. April 2011, B7, S. 3), dass der Bruder  für  ihn mehr als nur eines seiner Geschwister sei, weil  sie die Kindheit gemeinsam ohne den Vater gemeistert hätten (vgl. B18,  S. 3 F14), dass die Onkel für ihn wie ein Vaterersatz seien (vgl. B18, S. 3 F17 f.), dass sich die Beziehung zu diesen Familienangehörigen  in der Schweiz  jedoch  auf  das  gemeinsame  Verbringen  von  Freizeit  und  Feiertagen  beschränke (vgl. B18, S. 3 F13 und F20), dass  die  genannten  Personen  dennoch  –  selbst  wenn  der  Bruder  zur  erweiterten  Kernfamilie  gezählt  werden  könne  –  keine  nahen  Angehörigen im Sinne der Ausnahmeklausel seien, dass  sie  weder  zur  Kernfamilie  des  Beschwerdeführers  gehörten  noch  nahe Verwandte im weiteren Sinn seien, dass  seine  Angaben  weder  auf  eine  enge  Beziehung  noch  eine  besondere Abhängigkeit  zwischen  ihm und diesen Personen  schliessen  liessen, dass somit in der Schweiz keine Personen lebten, zu denen er eine enge  Beziehung unterhalte, dass ferner offengelassen werden könne, ob der Beschwerdeführer auch  aus Sicht der Schweizer Asylbehörden die Flüchtlingseigenschaft erfülle, 

D­900/2012 zumal  ihm  von  Italien  bereits  Schutz  gewährt  worden  sei  und weiterhin  zuerkannt werde, dass in einem solchen Fall die Ausnahmeklausel von Art. 34 Abs. 3 Bst. b  AsylG  nicht  zum  Tragen  kommen  könne,  wie  das  Bundesverwaltungsgericht  im  Urteil  E­5151/2008  vom  15.  August  2008  festhalte, dass  es  nämlich  nicht  die  Absicht  des  Gesetzgebers  sei,  jene  Asylsuchenden  von  dieser  Ausnahmeklausel  profitieren  zu  lassen,  welche  den  asylrechtlichen  Schutz  gar  nicht  nötig  hätten,  weil  sie  ihn  bereits in einem Drittstaat beanspruchten, dass  auch  keine  Hinweise  darauf  bestünden,  Italien  gewähre  keinen  effektiven Schutz vor Rückschiebung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 AsylG, dass  Italien das Übereinkommen vom 10. Dezember 1984 gegen Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder Strafe (FoK, SR 0.105), die Konvention vom 4. November 1950 zum  Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK, SR 0.101) und  das Abkommen vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge  (FK, SR 0.142.30) ratifiziert habe, dass nach dem Gesagten auf das Asylgesuch nicht einzutreten sei, dass  das  BFM  schliesslich  den  Wegweisungsvollzug  als  durchführbar  erachtete  und  diesbezüglich  festhielt,  das  Non­Refoulement­Gebot  bezüglich  des  Heimat­  oder  Herkunftsstaates  sei  vorliegend  nicht  zu  prüfen, da der Beschwerdeführer in einen Drittstaat reisen könne, in dem  er Schutz vor Rückschiebung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 AsylG finde, dass  weder  die  in  Italien  herrschende  politische  Situation  noch  andere  Gründe  gegen  die  Zumutbarkeit  der  Wegweisung  in  diesen  Staat  sprächen, dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  ausserdem  technisch  möglich  und  praktisch  durchführbar  sei,  weil  die  italienischen  Behörden  einer  Rückübernahme des Beschwerdeführers zugestimmt hätten, dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 15. Februar 2012 gegen die  Verfügung  vom  26.  Januar  2012  beim  Bundesverwaltungsgericht 

D­900/2012 Beschwerde erhob und dabei beantragte, der Entscheid sei aufzuheben  und auf sein Asylgesuch einzutreten, dass ihm Asyl zu gewähren sei, dass  der  Beschwerde  die  aufschiebende  Wirkung  zu  erteilen  und  die  Vollzugsbehörde  anzuweisen  sei,  von  einer  Überstellung  nach  Italien  abzusehen, bis die Beschwerdeinstanz über die aufschiebende Wirkung  entschieden habe, dass  ihm  die  unentgeltliche  Rechtspflege  zu  gewähren  und  er  eventualiter  von  der  Pflicht  zur  Zahlung  eines  Kostenvorschusses  zu  entbinden sei, dass  der  Beschwerdeführer  zur  Untermauerung  der  Vorbringen  die  Verfügung  der  zuständigen  kantonalen  Behörde  vom  4.  Oktober  2011  betreffend  Stellenantritt  als  Küchenbursche  im  Restaurant  B._______,  C._______,  gültig  ab  dem  28.  September  2011,  als  Beweismittel  einreichte, dass die  vorinstanzlichen Akten am 17. Februar  2012 per Telefax  beim  Bundesverwaltungsgericht eintrafen (Art. 109 Abs. 2 AsylG), dass  die  vorinstanzlichen  Akten  am  22.  Februar  2012  im Original  beim  Gericht eingingen, dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig  über Beschwerden gegen Verfügungen (Art. 5 des Bundesgesetzes vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  [VwVG,  SR 172.021])  des  BFM  entscheidet,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art. 31 – 33  des Verwaltungsgerichtsgesetzes  vom 17. Juni  2005  [VGG,  SR 173.32];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]), dass  eine  solche  Ausnahme  in  casu  nicht  vorliegt,  weshalb  das  Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet, dass  der  Beschwerdeführer  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  ist,  ein  schutzwürdiges  Interesse  an deren Aufhebung beziehungsweise 

D­900/2012 Änderung  hat  und  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  ist  (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG), dass  somit  auf  die  im  Übrigen  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde – im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen – einzutreten  ist  (Art. 108  Abs. 2  und  Art.  105  AsylG  i.V.m.  Art.  37  VGG  und  Art. 52  Abs. 1 VwVG), dass  mit  Beschwerde  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG), dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher  Zuständigkeit  mit  Zustimmung  eines  zweiten  Richters  beziehungsweise  einer  zweiten Richterin  entschieden wird  (Art. 111 Bst. e AsylG)  und  es  sich  vorliegend,  wie  nachfolgend  aufgezeigt,  um  eine  solche  handelt,  weshalb  der  Beschwerdeentscheid  nur  summarisch  zu  begründen  ist  (Art. 111a Abs. 2 AsylG), dass  gestützt  auf  Art. 111a  Abs. 1  AsylG  vorliegend  auf  einen  Schriftenwechsel verzichtet wurde, dass  bei  Beschwerden  gegen  Nichteintretensentscheide,  mit  denen  es  das  BFM  ablehnt,  das  Asylgesuch  auf  seine  Begründetheit  hin  zu  überprüfen  (Art. 32 – 35  AsylG),  die  Beurteilungskompetenz  der  Beschwerdeinstanz  grundsätzlich  auf  die  Frage  beschränkt  ist,  ob  die  Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist, dass  sich  demnach  die  Beschwerdeinstanz  – sofern  sie  den  Nichteintretensentscheid  als  unrechtmässig  erachtet –  einer  selbstständigen materiellen Prüfung enthält, die angefochtene Verfügung  aufhebt  und  die  Sache  zu  neuer  Entscheidung  an  die  Vorinstanz  zurückweist  (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen  Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 34 E. 2.1. S. 240 f.), dass  folglich  auf  den  Antrag,  dem  Beschwerdeführer  sei  Asyl  zu  gewähren, nicht einzutreten ist, dass  die  Vorinstanz  die  Frage  der  Wegweisung  und  des  Vollzugs  materiell  prüft,  weshalb  dem  Bundesverwaltungsgericht  diesbezüglich  volle Kognition zukommt,

D­900/2012 dass  auf  Asylgesuche  in  der  Regel  nicht  eingetreten  wird,  wenn  Asylsuchende  in  einen  sicheren  Drittstaat  nach  Art.  6a  Abs.  2  Bst.  b  AsylG  zurückkehren  können,  in  welchem  sie  sich  vorher  aufgehalten  haben (Art. 34 Abs. 2 Bst. a AsylG), dass  diese  Bestimmung  keine  Anwendung  findet,  wenn  Personen,  zu  denen  die  asylsuchende  Person  enge  Beziehungen  hat,  oder  nahe  Angehörige  in  der  Schweiz  leben,  oder  die  asylsuchende  Person  offensichtlich  die  Flüchtlingseigenschaft  nach  Art.  3  AsylG  erfüllt,  oder  Hinweise  darauf  bestehen,  dass  im Drittstaat  kein  effektiver  Schutz  vor  Rückschiebung nach Art. 5 Abs. 1 AsylG besteht (Art. 34 Abs. 3 Bst. a­c  AsylG), dass  der  Beschwerdeführer  in  der  Rechtsmitteleingabe  insbesondere  geltend  machte,  gemäss  dem  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts D­395/2009  vom  12. Mai  2009  handle  es  sich  bei  seinem Bruder  ganz  klar um einen nahen Angehörigen, dass  er  zu  diesem  eine  enge  Beziehung  habe,  da  er  mit  ihm  unter  anderem täglich telefoniere, jede freie Minute in D._______ verbringe und  ihn finanziell unterstütze, dass zwischen  ihnen ausserdem ein Abhängigkeitsverhältnis sowie eine  Zweckgemeinschaft  bestehe,  weil  der  Bruder  aus  gesundheitlichen  Gründen auf seine Fürsorge angewiesen sei, dass  er  auch  zu  seiner  Tante  und  seinen  Onkeln  eine  sehr  enge  Beziehung habe, dass er von der Tante grossgezogen und unterstützt worden sei, dass  seine  Integration  in  der  Schweiz  dank  dieser  Angehörigen,  die  immer hinter ihm stünden, gelungen sei, dass er in der Schweiz einer geregelten Arbeit nachgehe und sich bereits  für einen Deutschkurs angemeldet habe, dass schliesslich eine Rückkehr nach Italien für ihn unzumutbar sei,

D­900/2012 dass er dort niemanden kenne und sozusagen auf der Strasse gewesen  sei,  nachdem  er  das  Empfangszentrum  in  E._______  habe  verlassen  müssen, dass  er  einmal  am  Tag  von  der  Caritas  mit  Nahrungsmitteln  versorgt  worden sei, wenn er Glück gehabt habe, dass  das  BFM  in  ausführlicher  Art  und  Weise  darlegte,  weshalb  vorliegend  die  Voraussetzungen  für  ein  Nichteintreten  gemäss  Art.  34  Abs. 2 Bst. a AsylG erfüllt sind, dass der Beschwerdeführer in Italien über eine bis zum 24. Oktober 2015  gültige  Aufenthaltsbewilligung  verfügt,  weshalb  die  italienischen  Behörden  seiner  Rückübernahme  zustimmten  (vgl.  Schreiben  vom  23.  Dezember 2011, B14), dass  sich  angesichts  dessen  eine Rückführung  des Beschwerdeführers  nach Italien rechtfertigt, dass an dieser Einschätzung weder die Ausführungen in der Beschwerde  noch das damit eingereichte Beweismittel etwas ändern können, dass  das  Bundesverwaltungsgericht  im  Grundsatzurteil  BVGE  2009/8  ausführte,  als  nahe  Angehörige  sei  beispielsweise  an  die  Geschwister,  die  Grosseltern  und  die  Pflegekinder  zu  denken  (vgl.  a.a.O.,  E.  5.3.2 S. 106), dass  zusätzlich  eine  "enge"  Beziehung  vorhanden  sein  müsse,  die  es  rechtfertige,  vom  Grundsatz,  dass  bei  erfüllten  Voraussetzungen  von Art.  34 Abs.  2 AsylG ein Nichteintretensentscheid ergehe,  abzuweichen (vgl. a.a.O., E. 8.4 S. 115), dass  der  Bruder  des  Beschwerdeführers  im  Sinne  der  erwähnten  Rechtsprechung zwar als naher Angehöriger gemäss Art. 34 Abs. 3 Bst.  a AsylG anzusehen ist, dass  vorliegend  indessen  keine  "enge"  Beziehung  zu  diesem  Bruder  besteht,  da  der  Beschwerdeführer  eigenen  Angaben  zufolge  lediglich  seine Freizeit mit ihm verbringt (vgl. B18, S. 3 F13),

D­900/2012 dass  eine  "enge"  Beziehung  auch  hinsichtlich  der weiteren Verwandten  zu verneinen ist, da das angeblich gemeinsame Verbringen der Feiertage  (vgl. B18, S. 3 F20) dafür nicht genügt, dass das Bundesverwaltungsgericht bereits im Beschwerdeentscheid des  ersten  Asylverfahrens  zum  Schluss  kam,  es  bestünden  keine  Anhaltspunkte,  die  auf  eine  tatsächlich  gelebte  Beziehung  beziehungsweise  ein  Abhängigkeitsverhältnis  zwischen  dem  Beschwerdeführer  und  seinen  in  der  Schweiz  lebenden  Verwandten  hindeuten  würden  (vgl.  Urteil D­4057/2010 vom 14. Juni 2010, S. 9), dass  der  Beschwerdeführer  in  der  Rechtsmitteleingabe  zwar  vorbringt,  zwischen ihm und seinem Bruder bestehe ein Abhängigkeitsverhältnis, er  dieses jedoch nicht zu belegen vermag, dass  den  Akten  schliesslich  auch  keine  Hinweise  auf  ein  Abhängigkeitsverhältnis  zwischen  dem  Beschwerdeführer  und  seiner  Tante beziehungsweise seinen Onkeln zu entnehmen sind, dass  im  Übrigen  zur  Vermeidung  von  Wiederholungen  auf  die  zutreffenden  Erwägungen  in  der  angefochtenen  Verfügung  verwiesen  werden kann, dass  das  BFM  angesichts  der  gesamten  Umstände  in  Anwendung  von  Art. 34  Abs.  2  Bst.  a  AsylG  zu  Recht  auf  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers nicht eingetreten ist, dass  die  Ablehnung  eines  Asylgesuchs  oder  das Nichteintreten  auf  ein  Asylgesuch in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge hat  (Art. 44  Abs. 1  AsylG),  vorliegend  der  Kanton  keine  Aufenthaltsbewilligung erteilt hat und zudem kein Anspruch auf Erteilung  einer  solchen  besteht  (vgl.  EMARK 2001  Nr. 21),  weshalb  die  verfügte  Wegweisung  im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen steht und  demnach vom Bundesamt zu Recht angeordnet wurde, dass das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  regelt,  wenn  der  Vollzug  der Wegweisung  nicht  zulässig,  nicht  zumutbar  oder  nicht  möglich  ist  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005  über  die Ausländerinnen  und  Ausländer [AuG, SR 142.20]),

D­900/2012 dass  bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungsvollzugshindernissen  gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner  Vorgängerorganisation  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft  gilt,  das  heisst,  sie  sind  zu  beweisen,  wenn  der  strikte  Beweis  möglich  ist  und  andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl,  in: Peter Uebersax/Beat Rudin/Thomas Hugi Yar/Thomas Geiser [Hrsg.],  Ausländerrecht, Handbücher für die Anwaltspraxis, Band VIII, 2. Auflage,  Basel 2009, S. 568 Rz. 11.148), dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zulässig  ist,  wenn  völkerrechtliche  Verpflichtungen  der  Schweiz  einer  Weiterreise  der  Ausländerin oder des Ausländers  in den Heimat­, Herkunfts­ oder einen  Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG), dass  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen werden darf, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 FK), dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  vorliegend  in  Beachtung  dieser  massgeblichen völker­ und landesrechtlichen Bestimmungen zulässig ist,  da  es  keine Hinweise  darauf  gibt,  dass  der Beschwerdeführer  in  Italien  keinen effektiven Schutz vor Rückschiebung gemäss Art. 5 Abs. 1 AsylG  oder Art. 33 FK erhalte, dass  darüber  hinaus  keine  Anhaltspunkte  für  eine  menschenrechtswidrige  Behandlung  im  Sinne  von  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April  1999  (BV,  SR 101),  von  Art. 3  FoK  und  der  Praxis  zu  Art. 3  EMRK  ersichtlich sind, die dem Beschwerdeführer in Italien droht, dass sich der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer als unzumutbar  erweist,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer  Notlage konkret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AuG), dass weder  die  allgemeine  Lage  in  Italien  noch  individuelle Gründe auf  eine  konkrete  Gefährdung  im  Falle  einer  Rückkehr  schliessen  lassen,  weshalb der Vollzug der Wegweisung vorliegend in Übereinstimmung mit  dem BFM zumutbar ist,

D­900/2012 dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  nach  Italien  dem  Beschwerdeführer  schliesslich möglich  ist,  da  keine  Vollzugshindernisse  bestehen  (Art. 83  Abs. 2  AuG),  und  es  ihm  obliegt,  bei  der  Beschaffung  gültiger  Reisepapiere  mitzuwirken  (vgl.  Art. 8  Abs. 4  AsylG,  dazu  auch  BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 ­ 515), dass  der  vom  Bundesamt  verfügte  Wegweisungsvollzug  demnach  zu  bestätigen  ist  und  eine  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  ausser  Betracht fällt (Art. 83 Abs. 1­4 AuG), dass  es  dem  Beschwerdeführer  somit  nicht  gelungen  ist  darzutun,  inwiefern  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht  verletzt,  den  rechtserheblichen Sachverhalt unrichtig oder unvollständig  feststellt oder  unangemessen ist (Art. 106 AsylG), weshalb die Beschwerde abzuweisen  ist, soweit darauf einzutreten ist, dass  mit  dem  Urteil  in  der  Hauptsache  die  Gesuche  um  Erteilung  der  aufschiebenden  Wirkung  der  Beschwerde  und  um  Anweisung  der  Vollzugsbehörde, von einer Überstellung nach Italien abzusehen, bis die  Beschwerdeinstanz  über  die  aufschiebende  Wirkung  entschieden  habe  sowie  der  Eventualantrag  auf  Verzicht  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses gegenstandslos geworden sind, dass  sich  die  Rechtsbegehren  aufgrund  vorstehender  Erwägungen  als  aussichtslos  erwiesen  haben,  weshalb  das Gesuch  um Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  VwVG  unbesehen  einer  allfälligen  Bedürftigkeit  des  Beschwerdeführers  abzuweisen ist, dass  bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  die  Kosten  von  Fr.  600.–(Art. 1 – 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR 173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1  VwVG). (Dispositiv nächste Seite)

D­900/2012 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird. 2.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  gemäss  Art. 65 Abs. 1 VwVG wird abgewiesen. 3.   Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der Einzelrichter: Die Gerichtsschreiberin: Fulvio Haefeli Karin Schnidrig Versand:

D-900/2012 — Bundesverwaltungsgericht 23.02.2012 D-900/2012 — Swissrulings