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Bundesverwaltungsgericht 01.09.2011 D-8811/2010

1 settembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,374 parole·~12 min·1

Riassunto

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 30. November 2010

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­8811/2010 law/bah Urteil   v om   1 .   S ep t embe r   2011 Besetzung Richter Walter Lang (Vorsitz), Richter Bendicht Tellenbach, Richter Fulvio Haefeli, Gerichtsschreiber Christoph Basler. Parteien A._______, geboren am (…), Iran,   vertreten durch lic. iur. Marisa Bützberger, Rechtsanwältin,  (…), Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 30. November 2010 / N (…).

D­8811/2010 Sachverhalt: A.  A.a. Der Beschwerdeführer, ethnischer Kurde sunnitischen Glaubens mit  letztem  Wohnsitz  in  B._______,  suchte  am  11.  Oktober  2008  im  Flughafen  Zürich­Kloten  gleichzeitig  mit  seinen  Eltern  und  den  beiden  minderjährigen  Geschwistern  zum  ersten  Mal  um  Asyl  nach.  Mit  Verfügung  vom  30. Oktober  2008  stellte  das  BFM  fest,  der  Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte das  Asylgesuch  ab.  Gleichzeitig  verfügte  es  die  Wegweisung  aus  dem  Transitbereich des Flughafens und ordnete den Wegweisungsvollzug an.  Das  Bundesverwaltungsgericht  wies  eine  gegen  diese  Verfügung  gerichtete  Beschwerde  vom  4. November  2008  mit  Urteil  D­6960/2008  vom 5. Dezember 2008 ab. A.b. Mit  als  "Wiedererwägungsgesuch"  bezeichneter  und  an  das  BFM  gerichteter  Eingabe  vom  5.  Februar  2009,  der  zahlreiche  Beweismittel  beilagen (vgl. S. 4 der Eingabe), liess der Beschwerdeführer durch seine  Rechtsvertreterin die Gewährung von Asyl beantragen. Eventualiter sei er  in  der Schweiz  vorläufig  aufzunehmen. Das BFM überwies  die Eingabe  am  9. Februar  2009  an  das  Bundesverwaltungsgericht,  da  es  sich  bei  dieser  seiner  Auffassung  nach  teilweise  um  ein  Revisionsgesuch  handelte.  Der  Instruktionsrichter  forderte  den  Beschwerdeführer  mit  Zwischenverfügung  vom  17.  Februar  2009  auf,  eine  Revisionsverbesserung  einzureichen.  Mit  Eingabe  an  das  Bundesverwaltungsgericht  vom  24. Februar  2009  kam  der  Beschwerdeführer dieser Aufforderung nach. Er liess die Aufhebung des  Urteils  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom  5. Dezember  2008  und  die  Gewährung  von  Asyl  beantragen.  Eventualiter  sei  zumindest  die  Flüchtlingseigenschaft  festzustellen  und  er  sei  in  der  Schweiz  vorläufig  aufzunehmen. Das Bundesverwaltungsgericht wies das Revisionsgesuch  mit Urteil D­839/2009 vom 28. Mai 2009 ab und überwies die Akten "zur  gutscheinenden  Erledigung  des  Wiedererwägungsgesuchs"  an  die  Vorinstanz. A.c. Der Beschwerdeführer  liess  am 30.  Juni  2009 eine  "Ergänzung  zu  den  Wiedererwägungsgesuchen"  einreichen.  In  dieser  Eingabe  wurde  beantragt,  ihm  sei  Asyl  zu  gewähren.  Eventualiter  sei  er  vorläufig  aufzunehmen.  Vorab  wurde  auf  den  Gesundheitszustand  seiner  Mutter  und die dazu eingereichten Beweismittel verwiesen. Auch seine jüngeren  Geschwister  litten.  Bereits  im Wiedererwägungsgesuch  vom  5.  Februar 

D­8811/2010 2009  und  dem  Revisionsgesuch  vom  24.  Februar  2009  sei  dargelegt  worden,  dass  jemand,  dessen  Mitgliedschaft  bei  einer  gegen  das  iranische  Regime  gerichteten  Partei  bekannt  sei,  im  Iran  asylrechtlich  relevanter Verfolgung ausgesetzt sei. Der  iranische Geheimdienst kenne  zahlreiche Überwachungsmöglichkeiten des Internets und sei über seine  Bürger  informiert. Der Beschwerdeführer  und seine Eltern  seien bei  der  Teilnahme  an  einer  Demonstration  vor  dem  UN­Gebäude  in  Genf  vom  April  2009  fotografiert  und  gefilmt worden. Die Bilder,  auf  denen  sie  zu  sehen  seien,  seien  in  der  ganzen  Welt  ausgestrahlt  worden;  eine  auf  Farsi  gehaltene  Sendung  sei  auch  im  Iran  zu  sehen  gewesen.  Der  Beschwerdeführer  sei  sogar  von  einem  französischen  Journalisten  interviewt worden. Die Geschehnisse in der Schweiz würden im Iran aufs  Genaueste  verfolgt  und  vom Geheimdienst  gesichtet  und archiviert. Die  "International Federation of  Iranian Refugees"  (IFIR) habe ohne Wissen  des  Beschwerdeführers  einen  seine  Familie  betreffenden  Bericht  im  Internet aufgeschaltet. Zwischenzeitlich seien auf weiteren Internetseiten  Berichte  und  Fotos  erschienen,  welche  ihn  mit  gegen  das  iranische  Regime gerichteten Organisationen  in Verbindung bringe.  Im Nachgang  zu  den  Präsidentschaftswahlen  im  Iran  habe  der  Beschwerdeführer  insbesondere  an  einer  Demonstration  vom  25.  Juni  2006  (recte:  2009)  teilgenommen; seine Teilnahme sei aus zahlreichen Internetpublikationen  und  Youtube­Filmen  ersichtlich;  diese  seien  auch  im  Iran  zugänglich.  Aufgrund dessen sei davon auszugehen, dass er im Iran als Gegner des  Präsidenten  und  damit  des  Regimes  bekannt  sei,  da  der  Iran  über  ein  hochmodernes Kontrollsystem verfüge. Er habe bei einer Rückkehr in die  Heimat  mit  Repressionen  zu  rechnen.  Gegen  seine  Rückkehr  spreche  auch  die  durch  die  Präsidentschaftswahlen  vom  12.  Juni  2009  hervorgerufene  Situation  im  Iran.  Der  Eingabe  lagen  zahlreiche  Beweismittel bei (vgl. S. 9 der Eingabe). A.d. Das  BFM  schrieb  in  einem  internen  Abschreibungsbeschluss  vom  7. August  2009  das  am  5.  Februar  2009  eingereichte  Wiedererwägungsgesuch  als  gegenstandslos  geworden  ab,  da  am  30. Juni 2009 ein zweites Asylgesuch eingereicht worden sei. A.e. Das BFM hörte  den Beschwerdeführer  am 24. November  2009  zu  seinen Asylgründen an. Er machte im Wesentlichen geltend, er habe am  "Tag der Hingerichteten" an einer Veranstaltung teilgenommen. Es seien  Fotos gezeigt, Dokumente verteilt und Unterschriften gesammelt worden.  Die  Organisation,  mit  der  er  momentan  zusammenarbeite,  heisse  "Sarasari  Panhandegan  ausserhalb  des  Landes".  Er  sei Mitglied  dieser 

D­8811/2010 Organisation geworden, seit er deren Chef am Flughafen kennengelernt  habe. Seit er  in der Schweiz sei, habe er an allen Demonstrationen und  Aktivitäten  der  Organisation  teilgenommen.  Er  habe  jeweils  Plakate  getragen. Bereits im Iran habe er seinem Vater, der Mitglied der Komala  sei,  bei  dessen  Aktivitäten  geholfen  und  an  Demonstrationen  teilgenommen.  Wegen  der  Unterstützung  seines  Vaters  sei  er  verfolgt  worden.  Auch  aufgrund  seiner  politischen  Aktivitäten  in  der  Schweiz  befürchte er,  im  Iran Probleme zu haben, da Fotos und Filme davon  im  Internet  publiziert  worden  seien.  Bekannte  und  Freunde  seiner  Familie,  die  im  Iran  lebten,  hätten  gesagt,  sie  hätten  sie  (in  am  Fernsehen  gezeigten Aufnahmen) bei der Teilnahme an Demonstrationen gesehen.   A.f. Mit Schreiben vom 24. November 2009  liess der Beschwerdeführer  ergänzende Unterlagen zu seinem Asylgesuch einreichen. B.  Mit Verfügung vom 30. November 2010 – eröffnet am 1. Dezember 2010  – stellte  das  BFM  fest,  der  Beschwerdeführer  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft nicht, und  lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig  verfügte  es  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz,  ordnete  den  Wegweisungsvollzug an, und erhob eine Gebühr von Fr. 600.­. C.  Mit Eingabe vom 27. Dezember 2010  liess der Beschwerdeführer durch  seine  Rechtsvertreterin  beim  Bundesverwaltungsgericht  gegen  diesen  Entscheid Beschwerde erheben und beantragen, die Verfügung des BFM  sei  aufzuheben  und  seine  Flüchtlingseigenschaft  sei  anzuerkennen.  Es  sei  die  Unzulässigkeit,  allenfalls  die  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  festzustellen  und  zumindest  die  vorläufige  Aufnahme  anzuordnen.  Es  sei  die  unentgeltliche  Prozessführung  zu  gewähren und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten.  Es  sei  ihm  in  der  Person  der  unterzeichneten  Rechtsanwältin  ein  unentgeltlicher Rechtsbeistand zu bestellen. Die zuständige Behörde sei  vorsorglich  anzuweisen,  die  Wegweisung  zu  stoppen  sowie  die  Kontaktaufnahme  mit  den  Behörden  des  Heimatstaats  sowie  jegliche  Datenweitergabe zu unterlassen. Eventualiter  sei er bei bereits erfolgter  Datenweitergabe  in  einer  separaten  Verfügung  darüber  zu  informieren.  Der Eingabe lagen mehrere Beweismittel bei (vgl. S. 15 derselben). D.  Mit  Zwischenverfügung  vom  5. Januar  2011  bestätigte  der 

D­8811/2010 Instruktionsrichter  das  dem  Beschwerdeführer  zustehende  Recht,  den  Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten zu können, und trat auf  den  Antrag,  die  zuständige  Behörde  sei  vorsorglich  anzuweisen,  die  angeordnete Wegweisung zu stoppen, nicht ein. Gleichzeitig hiess er das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  nach  Art. 65  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021)  gut  und  verzichtete  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen Rechtspflege nach Art. 65 Abs. 2 VwVG und den Antrag,  die  Vollzugsbehörden  seien  anzuweisen,  die  Kontaktaufnahme  mit  den  Behörden  des  Heimatstaats  sowie  jede  Weitergabe  von  Daten  zu  unterlassen,  wies  er  ab.  Schliesslich  wies  er  das  BFM  an,  dem  Beschwerdeführer  eventuell  der  zuständigen  ausländischen  Behörde  bereits  weitergegebene  Personendaten  offenzulegen,  und  gab  der  Vorinstanz Gelegenheit, eine Vernehmlassung einzureichen. E.  In seiner Vernehmlassung vom 12. Januar 2011 beantragte das BFM die  Abweisung der Beschwerde. F.  Das  Bundesverwaltungsgericht  brachte  dem  Beschwerdeführer  die  Vernehmlassung am 18. Januar 2011 zur Kenntnis. G.  Mit  Schreiben  vom  24. Januar  2011  übermittelte  der  Beschwerdeführer  eine Bestätigung seiner Fürsorgeabhängigkeit vom 19. Januar 2011. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und  entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend  – endgültig,  (Art. 105  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  [AsylG, 

D­8811/2010 SR 142.31];  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2.  Der  Beschwerdeführer  hat  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen,  ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde  legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG).  Auf  die  frist­  und  formgerecht  (Art.  108  Abs.  1  AsylG;  Art. 105  AsylG  i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) eingereichte Beschwerde  ist einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  3.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7  AsylG). 4.  4.1. Das  BFM  führt  zur  Begründung  seiner  Verfügung  aus,  die  blosse  Mitgliedschaft  bei  der  IFIR  vermöge  im  Iran  nicht  zu  asylrechtlicher  Verfolgung des Beschwerdeführers zu  führen. Den Akten könnten keine  Hinweise  dafür  entnommen  werden,  dass  die  iranischen  Behörden  von 

D­8811/2010 seiner Mitgliedschaft Kenntnis genommen oder Massnahmen zu seinem  Nachteil eingeleitet hätten. Die eingereichten Beweismittel  zeigten, dass  allein  in  der  Schweiz  innert  weniger  Monate  unzählige  Anlässe  stattfänden,  von  denen  anschliessend  schulfotomässige  Gruppenaufnahmen  von  Hunderten  von  Teilnehmern  in  einschlägigen  Internetseiten  publiziert  würden,  sodass  es  den  iranischen  Behörden  unmöglich  sein  dürfte,  all  diesen,  oftmals  schlecht  erkennbaren,  Gesichtern Namen zuzuordnen. Die iranischen Behörden hätten nur dann  ein  Interesse  an  der  Identifizierung  von  Personen,  wenn  die  Aktivitäten  als  konkrete  Bedrohung  für  das  politische  System  wahrgenommen  würden. Die  Aktivitäten  des Beschwerdeführers  könnten  keine  konkrete  Gefährdung  begründen.  Sein  Verhalten  in  der  Schweiz  sei  insgesamt  betrachtet  nicht  geeignet,  ein  ernsthaftes  Vorgehen  der  iranischen  Sicherheitsbehörden  zu  bewirken.  Zusammenfassend  sei  davon  auszugehen, dass er über kein derartiges politisches Profil  verfüge, das  ihn bei einer Rückkehr in den Iran einer konkreten Gefährdung aussetze.  Die  geltend  gemachten  subjektiven  Nachfluchtgründe  hielten  demnach  den  Anforderungen  an  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht  stand.  Den  Vollzug der Wegweisung erachtete das BFM als durchführbar. 4.2.  In  der  Beschwerde  wird  geltend  gemacht,  das  BFM  habe  in  der  Sachverhaltsdarstellung  gewichtige  Faktoren  nicht  berücksichtigt  und  übergangen  und  das  Asylgesuch  überwiegend  mit  Textbausteinen  abgewiesen.  Dem  Beschwerdeführer  werde  unterstellt,  dass  er  aus  vorwiegend wirtschaftlichen Gründen ein Aufenthaltsrecht in der Schweiz  erwirken wolle, und allein deshalb regimekritischen Aktivitäten nachginge.  Da der Iran über ein modernes Kontrollsystem verfüge und die Aktivitäten  von gegen das Regime gerichteten Bewegungen überwache,  sei  davon  auszugehen, dass dieser Kenntnis von seiner Beteiligung an gegen das  Regime  gerichteten  Veranstaltungen  habe.  Es  habe  sich  nicht  um  Veranstaltungen  gehandelt,  die  unter  Ausschluss  der  Öffentlichkeit  stattgefunden  hätten.  Es  handle  sich  um  Veranstaltungen,  welche  zum  Teil  in  unmittelbarer  Nähe  zu  Präsident  Ahmadinejad  stattgefunden  hätten.  Aufgrund  diverser  Publikationen  müsse  davon  ausgegangen  werden,  dass  der  Iran  von  seinen Aktivitäten Kenntnis  habe,  oder  dass  ihm  die  Publikationen  zumindest  zur  Verfügung  stünden.  Auch  von  der  Schweizerischen  Flüchtlingshilfe  (SFH)  sei  in  einem  Bericht  vom  16.  November  2008  (recte:  2010)  festgehalten  worden,  dass  die  Überwachung  durch  den  iranischen  Geheimdienst  seit  2009  zugenommen  habe. Die  Tätigkeiten  des Beschwerdeführers  seien  nicht  nur mit Fotos belegt worden, sondern auch sein Name sei zusammen mit 

D­8811/2010 den Herkunftsangaben mehrfach  im  Internet  publiziert  worden.  Auf  den  Fotos  sei  er  keineswegs  schlecht  erkennbar  und  aufgrund  eines  Fotos  lasse sich  leicht auf die weiteren Familienmitglieder schliessen, was die  Möglichkeit  der Zuordnung erhöhe. Seine  im  Iran  lebenden Verwandten  hätten über diese Quellen von seiner Verhaftung in der Schweiz erfahren.  Auch  das  Interview mit  ihm  sei  von  den  Verwandten  gesehen  worden.  Selbst wenn das Datenmaterial noch nicht ausgewertet sein sollte, wäre  es für den Iran ein Leichtes, ihn bei einer Rückkehr zu identifizieren. Der  Iran  nehme  es  als  Bedrohung wahr,  dass  die Öffentlichkeit  im Ausland  auf  die  Menschenrechtslage  aufmerksam  gemacht  werde.  Der  Geheimdienst  überwache  Veranstaltungen  im  Ausland  und  die  Betroffenen oder ihre Familienangehörigen im Iran hätten Konsequenzen  zu  tragen.  Der  Vater  des  Beschwerdeführers  sei  im  Iran  kein  unbeschriebenes  Blatt.  In  dessen  erstem  Asylverfahren  sei  erkannt  worden,  dass  er  im  Jahr  1982  verhaftet  und  während  fünf  Jahren  als  politischer  Gefangener  inhaftiert  worden  sei.  Er  habe  dazu  ausgeführt,  dass  er  sich  nach  seiner  Freilassung  zweimal  monatlich  bei  den  Behörden  zur  Überwachung  habe  melden  müssen.  Es  sei  davon  auszugehen,  dass  die  Familie  unter  erhöhter  Überwachung  gestanden  habe und nach einer Rückkehr unterstünde. Die Sichtung des durch den  Iran gesammelten Datenmaterials  sei daher sehr wahrscheinlich. Es sei  davon  auszugehen,  dass  der  Iran  sich  für  die  Tätigkeiten  des  Beschwerdeführers  in  der  Schweiz  interessiere,  zumal  er  kurdischer  Ethnie  sei. Aufgrund der  illegalen Ausreise aus dem  Iran  sei  zumindest  eine  vorübergehende  Verhaftung  anlässlich  der  Wiedereinreise  und  in  dieser  Zeit  eine  Abklärung  der  Aktivitäten  im  Ausland  wahrscheinlich.  Diesbezüglich  sei  auf  den  Bericht  der  SFH  und  auf  eine  Auskunft  von  Amnesty  International  zu  verweisen.  Auch  der  Europäische Gerichtshof  für Menschenrechte komme  in einem Entscheid  vom 9. März 2010 zum  Schluss,  dass  eine  Rückschaffung  eines  illegal  ausgereisten  Iraners  gegen  Art.  3  der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR  0.101)  verstosse.  Schliesslich  sei  zu  beachten,  dass  der  Beschwerdeführer  seine  Aktivitäten in der Schweiz fortgeführt und intensiviert habe. Dies nicht mit  dem  primären  Ziel,  Asyl  zu  erhalten,  sondern  im  Nachgang  zu  den  weiteren  Entwicklungen  im  Iran.  Er  habe  den  Nachweis  seiner  Flüchtlingseigenschaft  erbracht  und  als  politischer  Flüchtling  zu  gelten,  weshalb ihm Asyl zu gewähren sei. Aufgrund der jüngsten Entwicklungen  im  Iran,  seiner  kurdischen  Ethnie  und  der  früheren  Inhaftierung  seines  Vaters  sei  davon  auszugehen,  dass  er  auch  im Fall  eines Verbleibs  im 

D­8811/2010 Iran mittlerweile  die  Flüchtlingseigenschaft  erfüllen würde, weshalb  kein  Asylausschlussgrund vorliege.  5.  5.1.  Das  Bundesverwaltungsgericht  hat  im  Urteil  D­6960/2008  vom  5. Dezember  2008  übereinstimmend  mit  dem  BFM  befunden,  der  Beschwerdeführer  habe  zum  Zeitpunkt  des  Verlassens  des  Irans  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht  erfüllt,  da  die  von  ihm  geltend  gemachten  Verfolgungsvorbringen  unglaubhaft  seien  (vgl.  Urteil  D­6960/2008  vom  5. Dezember  2008  E.  5).  Dem  Beschwerdeführer  ist  es  im  Revisionsverfahren  nicht  gelungen,  die  Rechtskraft  dieses  Urteils  zu  beseitigen  und  eine  Wiederaufnahme  des  Beschwerdeverfahrens  zu  erwirken (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D­840/2009 vom 28.  Mai  2009),  so  dass  die  Beurteilung  der  vom  den  Beschwerdeführer  geltend  gemachten  Vorverfolgung  im  Urteil  D­6960/2008  vom  5. Dezember 2008 weiterhin Bestand hat.  5.2. Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise  aus  dem  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  –  insbesondere  durch  politische  Exilaktivitäten  –  eine  Gefährdungssituation  erst  geschaffen  worden  ist,  sich somit auf das Vorliegen subjektiver Nachfluchtgründe (Art. 54 AsylG)  beruft, hat begründeten Anlass zur Furcht vor künftiger Verfolgung, wenn  der  Heimat­  oder  Herkunftsstaat mit  erheblicher Wahrscheinlichkeit  von  den Aktivitäten im Ausland erfahren hat und die Person deshalb bei einer  Rückkehr  in  flüchtlingsrechtlich  relevanter Weise  verfolgt  würde  (BVGE  2009/29  E.  5.1  S.  376  f.,  BVGE  2009/28  E.  7.1  S.  352,  EMARK  2006  Nr. 1 E. 6.1 S. 10, UNHCR, Handbuch über Verfahren und Kriterien  zur  Feststellung der Flüchtlingseigenschaft, Genf 1993). 5.2.1. Es trifft zu, dass sich die iranischen Behörden für die exilpolitischen  Aktivitäten  ihrer  Staatsangehörigen  interessieren.  Allerdings  konzentrieren  sich  die  iranischen  Geheimdienste  bei  ihren  Überwachungsbemühungen auf Personen, die aufgrund ihrer Tätigkeiten  oder Funktionen als  ernsthafte  und potentiell  gefährliche Regimegegner  wahrgenommen  werden,  wie  beispielsweise  Personen  in  exponierten  Kaderstellen von politisch tätigen Exilorganisationen (vgl. BVGE 2009/28  E.  7.4.4  S. 367).  Der  Beschwerdeführer  fällt  klarerweise  nicht  in  diese  Kategorie: Aufgrund der eingereichten Beweismittel, der Anhörung durch  das BFM und seinen Eingaben  im zweiten Asylverfahren  ist nicht davon  auszugehen,  dass  er  innerhalb  einer  der  exilpolitisch  tätigen  Organisationen und Parteien eine exponierte Kaderstelle  innehat. Er hat 

D­8811/2010 wie  tausende  sich  in  der  Schweiz  und  anderen  europäischen  Staaten  befindliche  iranische  Staatsangehörige  an  mehreren  Kundgebungen  gegen  das  iranische  Regime  teilgenommen,  wobei  er  fotografiert  und  teilweise offenbar auch gefilmt wurde. Diese Aufnahmen wurden teilweise  mit Namensnennung und Herkunftsangaben ins Internet gestellt und auch  auf Fernsehkanälen gezeigt, die im Iran gesehen werden können. Dabei  soll er – so gemäss eigenen Angaben – von Verwandten erkannt worden  sein; zudem soll er anlässlich einer Demonstration vor dem UN­Gebäude  in  Genf  einem  Journalisten  ein  Interview  gegeben  haben,  das  auch  im  Iran ausgestrahlt worden sei. Ungeachtet dessen erscheint es insgesamt  dennoch  nicht  als  überwiegend  wahrscheinlich,  dass  der  Beschwerdeführer  aufgrund  des  bestehenden  Foto­  und  Videomaterials  identifiziert wurde, da es sich bei  ihm nicht um eine für die exilpolitische  Szene bedeutsame Persönlichkeit handelt. Mit Blick auf Art und Umfang  seiner  exilpolitischen  Tätigkeit  kann  er  nicht  als  besonders  engagierter  und  exponierter  Regimegegner  qualifiziert  werden.  Selbst  für  den  Fall,  dass  seine  exilpolitischen  Tätigkeit  bekannt  geworden  sind,  hätte  er  daher  bei  einer  Rückkehr  in  den  Iran  nicht  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  eine  flüchtlingsrechtlich  relevante  Verfolgung  seitens  der heimatlichen Behörden zu befürchten, zumal davon auszugehen  ist,  dass  er  vor  der  Ausreise  aus  dem  Heimatland  dort  nicht  behördlich  verfolgt worden ist, was die Gefahr, aufgrund exilpolitischer Aktivitäten in  der Schweiz bei einer Rückkehr in den Iran verfolgt zu werden, erheblich  vermindert. An dieser Einschätzung ändert auch nichts, dass sein Vater  in  den  Jahren  1982  bis  1987  inhaftiert  gewesen  sei,  konnte  doch  auch  dieser  zum  Zeitpunkt  des  Verlassens  des  Irans  (und  auch  heute,  vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  D­8813/2010  vom  heutigen  Tag)  keine  begründete  Furcht  vor  Verfolgung  geltend  machen.  Ergänzend  anzufügen  bleibt,  dass  es  bei  der  Frage,  ob  eine  Person  die  Flüchtlingseigenschaft  erfüllt,  nicht  nur  um  die  (objektive)  Gefährdung,  sondern vor allem darum geht, ob sie persönlich begründete Furcht  vor  einer  künftigen  Verfolgung  hat  (EMARK  2000  Nr. 9  E. 5a  S. 78).  Diese  (subjektive)  Furcht  vor  künftiger  Verfolgung  ist  dem  Beschwerdeführer  indes  nicht  abzunehmen.  Der  Beschwerdeführer  hat  sich  gemäss  eigenen Angaben im Iran politisch nicht engagiert (vgl. act. A11/12 S. 8).  Zudem  wusste  er  –  nachdem  er  am  11.  Oktober  2008  im  Flughafen  Zürich­Kloten  um  Asyl  nachgesucht  hatte  –  bereits  nach  Erlass  des  Urteils  des  Bundesverwaltungsgerichts  D­6960/2008  vom  5. Dezember  2008,  dass  er  in  den  Iran  zurückzukehren  hat,  nachdem  festgestellt  wurde,  dass  er  in  seinem  Heimatland  nicht  verfolgt  ist  und  auch  keine  Verfolgung  zu  befürchten  hat.  Es  ist  vor  diesem  Hintergrund  nicht 

D­8811/2010 glaubhaft,  dass  seine  politischen  Tätigkeiten  in  der  Schweiz  auf  einem  Prozess  ernsthafter  Sensibilisierung  und  Bewusstseinsbildung  basieren.  Der Beschwerdeführer vermag nicht das Bild einer Person zu vermitteln,  die  getrieben  von  einer  tiefgreifenden  politischen  Überzeugung  im  Gastland  regimekritisch  an  die  Öffentlichkeit  tritt.  Vielmehr  entsteht  der  Eindruck,  der  Beschwerdeführer  versuche  mit  seinen  exilpolitischen  Tätigkeiten  den  Behörden  im  Gastland  gegenüber  den  Anschein  einer  politisch engagierten Person zu erwecken. Da der Beschwerdeführer  im  Zeitpunkt  der  Ausreise  weder  verfolgt  war  noch  begründete  Furcht  vor  Verfolgung hatte, mithin  jederzeit  als unbescholtener Bürger  in den  Iran  hätte zurückkehren können,  lassen sich seine  in der Schweiz  "plötzlich"  einsetzenden  exilpolitischen  Tätigkeiten  nur  dadurch  erklären,  dass  er  damit einen flüchtlingsrechtlich vermeintlich bedeutsamen Sachverhalt zu  kreieren  versucht.  Ein  solches  Verhalten  im  Gastland  bildet  jedoch  ein  starkes  Indiz  dafür,  dass  der  Beschwerdeführer  selber  nicht  ernsthaft  damit rechnet, er könnte tatsächlich Gefahr laufen, im Falle der Rückkehr  in die Heimat wegen seiner exilpolitischen Aktivitäten – selbst wenn die  iranischen Behörden davon Notiz nehmen sollten – ernsthafte Nachteile  in Kauf nehmen zu müssen. 5.3.  Zusammenfassend  ergibt  sich,  dass  die  geltend  gemachten  subjektiven  Nachfluchtgründe  auch  in  Anbetracht  der  jüngsten  Entwicklungen  im  Iran,  der  kurdischen  Ethnie  des  Beschwerdeführers  und  der  früheren  Inhaftierung  seines  Vaters  keine  flüchtlingsrechtlich  relevante  Verfolgungsfurcht  begründen.  An  dieser  Einschätzung  vermögen weder die weiteren Ausführungen in der Beschwerde noch die  eingereichten  Beweismittel  etwas  zu  ändern,  weshalb  auf  diese  nicht  mehr  näher  einzugehen  ist.  Unter  Berücksichtigung  der  gesamten  Umstände  folgt,  dass  der  Beschwerdeführer  keine  Gründe  nach  Art. 3  AsylG  nachweisen  oder  glaubhaft  machen  konnte.  Die  Vorinstanz  hat  daher  die  Flüchtlingseigenschaft  des  Beschwerdeführers  zu  Recht  verneint und das Asylgesuch abgelehnt. 6.  6.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit  der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 6.2. Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44 

D­8811/2010 Abs. 1 AsylG; BVGE 2009/50 E. 9 S. 733, BVGE 2008/34 E. 9.2 S. 510,  EMARK 2001 Nr. 21). 7.  7.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder  nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG,  SR 142.20]). Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt  gemäss  ständiger  Praxis  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte  Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl.  WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.],  Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148). 7.2. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen  der  Schweiz  einer Weiterreise  der  Ausländerin  oder  des  Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen  (Art.  83  Abs. 3 AuG). So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  Art. 3  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter  oder  unmenschlicher  oder  erniedrigender  Strafe  oder  Behandlung  unterworfen werden. 7.3.  Die  Vorinstanz  wies  in  ihrer  angefochtenen  Verfügung  zutreffend  darauf hin, dass das Prinzip des  flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulement  nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche 

D­8811/2010 Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der  in Art. 5  AsylG  verankerte  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  des  Beschwerdeführers in den Iran ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5  AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers  noch  aus  den  Akten  Anhaltspunkte  dafür,  dass  er  für  den  Fall  einer  Ausschaffung  in  den  Iran  dort mit  beachtlicher Wahrscheinlichkeit  einer  nach  Art. 3  EMRK  oder  Art. 1  FoK  verbotenen  Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wäre.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­Folterausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine  konkrete  Gefahr  ("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft  machen,  dass  ihm  im  Fall  einer  Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche  Behandlung  drohen  würde  (vgl.  EGMR  [Grosse  Kammer],  Saadi  gegen  Italien,  Urteil  vom  28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 – 127, mit weiteren  Hinweisen).  In  der  Beschwerde wird  geltend  gemacht,  der  Europäische  Gerichtshof  für  Menschenrechte  sei  in  einem  Entscheid  vom  9. März  2010  zum  Schluss  gekommen,  eine  Rückschaffung  eines  illegal  ausgereisten  Iraners  verstosse  gegen  Art. 3  EMRK.  Die  Wiedergabe  dieses  Entscheids  erfolgt  indessen  reichlich  verkürzt,  hat  doch  der  Gerichtshof  in  einem  konkreten  Fall  die  Auffassung  vertreten,  der  Beschwerdeführer  in diesem Verfahren habe glaubhaft machen können,  zum Zeitpunkt seiner Ausreise aus dem Iran behördlich gesucht worden  zu sein, was zusammen mit seiner illegalen Ausreise zur Annahme führe,  er  werde  bei  einer  Rückkehr  in  den  Iran  menschenrechtswidriger  Behandlung  ausgesetzt.  Vorliegend  ist  dies  indessen  gerade  nicht  der  Fall,  da die vom Beschwerdeführer geltend gemachte Vorverfolgung als  unglaubhaft  gewertet  wurde  (vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  D­6960/2008  vom  5.  Dezember  2008  E.  5).  Auch  die  allgemeine  Menschenrechtssituation  im  Iran  lässt  den  Wegweisungsvollzug  zum  heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten  ist der Vollzug der Wegweisung sowohl  im Sinne der asyl­ als auch der  völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 7.4. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und  Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat­ oder Herkunftsstaat auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete 

D­8811/2010 Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art. 83  Abs. 7  AuG –  die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Der Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers  in den  Iran  ist als  zumutbar  im  Sinne  von  Art.  83  Abs.  4  AuG  zu  erachten,  da  er  nicht  glaubhaft darzutun vermochte, dass er bei einer Rückkehr ins Heimatland  einer  konkreten  Gefährdungssituation  im  Sinne  der  zu  beachtenden  Bestimmung  ausgesetzt  wäre.  Im  Iran  herrscht  zurzeit  keine  Situation  allgemeiner  Gewalt,  weshalb  in  konstanter  Praxis  von  der  generellen  Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs ausgegangen wird. In den Akten  finden sich auch keine Anhaltspunkte dafür, dass der Beschwerdeführer  aus individuellen Gründen wirtschaftlicher, sozialer oder gesundheitlicher  Natur  in  eine  existenzbedrohende  Situation  geraten  würde.  Es  handelt  sich  bei  ihr  um  einen  jungen Mann  ohne  aktenkundige  gesundheitliche  Probleme, welcher  eigenen Angaben  zufolge  die Schule  abschloss  und  die  Aufnahmeprüfung  für  die  Universität  absolvierte.  Er  verfügt  in  der  Heimat über ein breites verwandtschaftliches Beziehungsnetz und einen  Freundeskreis.  Insgesamt  bestehen  daher  keine  konkreten  Anzeichen  dafür, dass er bei einer Rückkehr in sein Heimatland in eine existenzielle  Notlage  geraten würde,  weshalb  der  Vollzug  der Wegweisung  nicht  als  unzumutbar zu bezeichnen ist. 7.5.  Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der  zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr  notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (vgl.  Art. 8  Abs. 4  AsylG  und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513 – 515), weshalb der Vollzug  der  Wegweisung  auch  als  möglich  zu  bezeichnen  ist  (Art. 83  Abs. 2  AuG). 7.6. Zusammenfassend  hat  die  Vorinstanz  den Wegweisungsvollzug  zu  Recht als zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten  fällt  eine  Anordnung  der  vorläufigen  Aufnahme  ausser  Betracht  (Art. 83  Abs. 1 – 4 AuG). 8.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die  Beschwerde ist demnach abzuweisen.

D­8811/2010 9.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  wären  die  Kosten  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  VwVG).  Da  das mit  der  Beschwerde  gestellte  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG mit Zwischenverfügung vom  5. Januar  2011  gutgeheissen  wurde,  sind  keine  Verfahrenskosten  aufzuerlegen. (Dispositiv nächste Seite)

D­8811/2010 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.  3.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Walter Lang Christoph Basler Versand:

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