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Bundesverwaltungsgericht 19.09.2011 D-812/2009

19 settembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,997 parole·~10 min·1

Riassunto

Nichteintreten auf Asylgesuch (Papierlosigkeit) und Wegweisung | Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 30. Januar 2009

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­812/2009 law/mah Urteil   v om   1 9 .   S ep t embe r   2011 Besetzung Richter Walter Lang (Vorsitz), Richter Markus König,  Richterin Claudia Cotting­Schalch, Gerichtsschreiberin Sarah Mathys. Parteien A._______, geboren am (…), Irak,  Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Nichteintreten auf Asylgesuch und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 30. Januar 2009 / N (…).

D­812/2009 Sachverhalt A.  Der  Beschwerdeführer,  gemäss  eigenen  Angaben  ein  irakischer  Kurde  aus Z._______ (Y._______, X._______, Zentralirak), verliess den Irak am  3. November 2008 und  reiste am 7. Dezember 2008  in die Schweiz ein,  wo  er  am  selben  Tag  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  (EVZ)  Kreuzlingen um Asyl  nachsuchte. Da er  keine Ausweispapiere  vorlegte,  wurde  er  dort  mit  einem  Informationsblatt,  dessen  Inhalt  er  mit  seiner  Unterschrift  verstanden  zu  haben  bestätigte,  zur  Herausgabe  von  allenfalls  anderswo  aufbewahrten  Identitätsdokumenten  innerhalb  von  48 Stunden aufgefordert (vgl. act. A3/1). B.  Am  11. Dezember  2008  erhob  das  BFM  im  EVZ  die  Personalien  des  Beschwerdeführers und befragte  ihn summarisch zum Reiseweg und zu  den  Gründen  für  das  Verlassen  des  Heimatlandes.  Am  18. Dezember  2008  hörte  das  BFM  den  Beschwerdeführer  einlässlich  zu  seinen  Asylgründen an.  Im Wesentlichen machte er zur Begründung seines Asylgesuchs geltend,  neben  seiner  Familie,  wohne  nur  noch  eine  weitere  Familie  kurdischer  Ethnie  in  Z._______.  Sein  Vater  habe  als  Leibwächter  des  Stammesführers des Dorfes geamtet. Der Stammesführer sei im Frühling  2003  getötet  worden  und  sein  Vater  sei  seit  dem  5. Juli  2003  verschwunden beziehungsweise entführt worden. Seit Anfang 2004 seien  sie  von  den  Leuten  im  Dorf  belästigt  worden.  Er  habe  im  Dorf  einen  kleinen  Kiosk  geführt,  der  von  arabischen  Dorfbewohnern  mehrmals  geplündert  worden  sei,  und  an  ihr  Haus  hätten  sie  nachts  Steine  geworfen.  Zudem  seien  nachts  im  Dorf  Terroristen  erschienen,  welche  die  Familie  zum  Verlassen  des  Dorfes  aufgefordert  und  mit  dem  Tod  bedroht hätten, sollten sie Informationen an die Amerikaner weitergeben.  Die Amerikaner seien tagsüber zu ihnen gekommen und hätten nach den  Terroristen gefragt. Weil sie aus Angst nichts gesagt hätten, seien sie von  den  Amerikanern  manchmal  geohrfeigt  worden.  Daraufhin  habe  sich  seine  Mutter  mit  vier  Geschwistern  nach  Y._______  zu  einem  Freund  seines Vater begeben und er als Ältester sei ausgereist. C.  Am  6. Januar  2009  reichte  der  Beschwerdeführer  durch  die  Thurgauer  Rechtsberatungsstelle seine Identitätskarte  inklusive Briefumschlag beim  BFM ein.

D­812/2009 D.  Mit Verfügung vom 30. Januar 2009 – eröffnet am 2. Februar 2009 – trat  das BFM auf das Asylgesuch vom 7. Dezember 2008 gestützt auf Art. 32  Abs. 2  Bst. a  und  Abs. 3  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR 142.31)  nicht  ein,  verfügte  die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  forderte den Beschwerdeführer – unter Androhung von Zwangsmitteln im  Unterlassungsfall – auf, die Schweiz am Tag nach Eintritt der Rechtskraft  zu verlassen. Die eingereichte Identitätskarte zog das BFM ein. E.  Mit  Eingabe  vom  9. Februar  2009  (Poststempel)  erhob  der  Beschwerdeführer  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  und  beantragte,  es  sei  die  angefochtene  Verfügung  aufzuheben  und  das  Verfahren zwecks materieller Prüfung an die Vorinstanz zurückzuweisen.  In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte er, es sei von der Erhebung  eines  Kostenvorschusses  sowie  von  Verfahrenskosten  abzusehen  und  ihm zur Einreichung von einem Beweismittel eine Frist von drei Wochen  zu gewähren. F.  Am  10. Februar  2009  reichte  der  Beschwerdeführer  eine  Fürsorgebestätigung nach. G.  Mit  Verfügung  vom  12. Februar  2009  stellte  der  Instruktionsrichter  des  Bundesverwaltungsgerichts  fest,  der  Beschwerdeführer  könne  den  Ausgang des Verfahrens in der Schweiz abwarten, und über das Gesuch  um  unentgeltliche  Rechtspflege  werde  im  Endentscheid  befunden.  Gleichzeitig  verzichtete  er  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  und  gab  ihm  Gelegenheit  weitere  Beweismittel  bis  zum  13. März  2009  einzureichen. H.  Am  20. März  2009  überwies  der  Instruktionsrichter  dem  BFM  die  Beschwerdeakten zur Vernehmlassung. I.  In  der  Vernehmlassung  vom  25. März  2009  beantragte  das  BFM  die  Abweisung der Beschwerde.

D­812/2009 J.  Die  Vernehmlassung  wurde  dem  Beschwerdeführer  am  27. März  2009  zur Kenntnisnahme zugestellt. K.  Mit  Eingabe  vom  9. April  2009  reichte  der  Beschwerdeführer  einen  Familienausweis,  ein Farbfoto  und eine Postquittung  sowie  ein  von  ihm  verfassten Brief  in  kurdischer Sprache  inklusive  dem Aramex­Umschlag  ein.  Im  Begleitschreiben  führte  der  Beschwerdeführer  aus,  dass  die  Postquittung  (Stempel  vom  19. Februar  2009)  für  ein  Schreiben  aus  seiner Heimat sei, welches weitere wichtige Dokumente beinhalte. Leider  sei es von der irakischen Post nach Schweden geschickt worden und er  wisse nicht, wann es zurückkomme. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM  gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  AsylG;  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). 1.2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 2.  2.1.  Der  Beschwerdeführer  hat  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen,  ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung 

D­812/2009 beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde  legitimiert (Art. 105 AsylG i. V. m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG).  2.2.  Auf  die  frist­  und  formgerecht  eingereichte  Beschwerde  (Art. 108  Abs. 2  AsylG;  Art. 105  AsylG  i. V. m.  Art. 37  VGG  und  Art. 52  Abs. 1  VwVG) ist einzutreten. 3.  Gemäss  Art. 32  Abs. 2  Bst. a  AsylG  wird  auf  ein  Asylgesuch  nicht  eingetreten,  wenn  Asylsuchende  den  Behörden  nicht  innerhalb  von  48 Stunden nach Einreichung des Gesuchs Reise­ oder Identitätspapiere  abgeben.  Keine  Anwendung  findet  diese  Bestimmung,  wenn  Asylsuchende  glaubhaft  machen  können,  dass  sie  aus  entschuldbaren  Gründen  nicht  in  der  Lage  sind,  innerhalb  von  48 Stunden  nach  Einreichung  des  Gesuchs  Reise­  oder  Identitätspapiere  abzugeben  (Art. 32  Abs. 3  Bst. a  AsylG),  wenn  auf  Grund  der  Anhörung  sowie  gestützt auf Art. 3 und 7 AsylG die Flüchtlingseigenschaft festgestellt wird  (Art. 32  Abs. 3  Bst. b  AsylG)  oder  wenn  sich  auf  Grund  der  Anhörung  erweist,  dass  zusätzliche  Abklärungen  zur  Feststellung  der  Flüchtlingseigenschaft  oder  eines  Wegweisungsvollzugshindernisses  nötig sind (Art. 32 Abs. 3 Bst. c AsylG). 4.  4.1. Das  BFM  trat  auf  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  mit  der  Begründung  nicht  ein,  der  Beschwerdeführer  habe  den  Asylbehörden  innerhalb  der  eingeräumten  Frist  von  48 Stunden  keine  Reise­  oder  Identitätspapiere  abgegeben.  Zur  Frage,  ob  der  Beschwerdeführer  entschuldbare Gründe im Sinne von Art. 32 Abs. 3 Bst. a AsylG glaubhaft  machen  kann,  führte  das  BFM  aus,  dass  grundsätzlich  davon  auszugehen  sei,  dass  der  (…)­jährige  Beschwerdeführer  über  einen  relevanten  Identitätsausweis  verfüge.  Er  habe  im  Verlauf  des  Asylverfahrens  eine  irakische  Identitätskarte  eingereicht,  ausgestellt  in  Y._______  am  (…).  Auf  dieser  fehlten  aber  die  für  solche  Dokumente  üblichen  Sicherheitsmerkmale;  im  Weiteren  sei  "ein  behördlicher  Einträge" nicht in jener Art vorgenommen worden, in welcher er in echten  irakischen  Identitätskarten  vorgenommen  werde.  Das  eingereichte  Dokument  sei  aufgrund  dieser  Unstimmigkeiten  nicht  authentisch.  Im  Weiteren  habe  der  Beschwerdeführer  erklärt,  er  sei  mit  einem  echten  Pass  aus  dem  Irak  ausgereist,  habe  diesen  aber  in  der  Türkei  weggeworfen,  was  nicht  nachvollziehbar  sei,  zumal  dem  Beschwerdeführer hätte bewusst sein müssen, dass er sich  im Rahmen 

D­812/2009 seines  bevorstehenden  Asylverfahrens  auszuweisen  habe.  Aufgrund  dieser  Unstimmigkeiten  sei  davon  auszugehen,  dass  der  Beschwerdeführer über einen relevanten Identitätsausweis verfüge, aber  davon absehe, diesen dem BFM abzugeben.  4.2.  Der  Beschwerdeführer  macht  demgegenüber  geltend,  es  sei  aufgrund  der  Akten  offensichtlich,  dass  er  aus  X._______  komme,  weshalb  der  Vollzug  der  Wegweisung  nicht  zumutbar  sei.  Dass  im  vorliegenden Fall ein Nichteintretensentscheid nicht gerechtfertigt sei, sei  zudem vom an der Anhörung anwesenden Hilfswerkvertreter festgehalten  worden.  In  der  Annahme,  die  dem  BFM  zugestellte  Identitätskarte  sei  genügend,  habe  er  bis  zum  Entscheid  des  BFM  weitere  Bemühungen  zum Erhalt von anderen Identitätsdokumenten unterlassen. Nun habe er  zwecks  Erhalts  seines  Soyat  Kayit  –  ein  Dokument,  welches  sämtliche  Identitätsmerkmale des  Inhabers beinhalte und aufgrund derer dann die  Identitätskarte  ausgestellt  werde  –  mit  seiner  Familie  Kontakt  aufgenommen.  Die  Familie  habe  in  der  Zwischenzeit  bei  den  lokalen  Behörden  das  genannte  Dokument  in  Original  erhalten  können.  Der  Umstand,  dass  er  in  der Annahme,  bei  seiner  Identitätskarte  handle  es  sich  um  ein  ausreichendes  Identitätsdokument,  keine  weiteren  Schritte  zum  Erhalt  weiterer  Dokumente  unternommen  habe,  und  er  mit  seiner  Familie  zwecks  Erhalt  eines  Soyat  Kayit  erst  in  Kontakt  getreten  sei,  nachdem  er  mit  Erhalt  des  angefochtenen  Entscheides  erfahren  habe,  dass  das  BFM  seine  Identitätskarte  als  nicht  authentisch  einstufe,  sei  entschuldbar. 5.  5.1. Der Beschwerdeführer  hat  bei  der Einreichung  seines Asylgesuchs  im  EVZ  Kreuzlingen  am  7. Dezember  2008  keine  Reise­  oder  Identitätspapiere  abgegeben.  Auch  in  den  folgenden  48 Stunden  hat  er  kein  entsprechendes  Dokument  eingereicht.  Damit  ist  die  Nichtabgabe  von Reise­ und Identitätspapieren  innert 48 Stunden ab Einreichung des  Asylgesuchs als Grundtatbestand  für die Anwendung von Art. 32 Abs. 2  Bst. a AsylG gegeben. 5.2.  Bei  der  Befragung  im  EVZ  am  11. Dezember  2008  gab  der  Beschwerdeführer  betreffend  Besitz  von  Ausweispapieren  an,  er  habe  einen  regulären  Pass  besessen,  der  Anfang  Oktober  2008  in  Bagdad  ausgestellt worden sei und noch bis Oktober 2016 gültig wäre. Er sei mit  diesem Pass, welcher mit einem Touristenvisum versehen gewesen sei,  welches  ihm  Anfang  November  2008  von  der  türkischen  Vertretung  in 

D­812/2009 X._______ ausgestellt worden sei, in die Türkei gereist. Dort habe ihn der  Schlepper  aufgefordert,  den  Pass  wegzuwerfen.  Er  habe  zudem  im  Sommer  2006  eine  Identitätskarte  in  Y._______  ausstellen  lassen,  welche  er  bei  der  Mutter  im  Irak  zurückgelassen  habe.  Einen  Nationalitätenausweis  habe er  nie  gehabt. Auf  die Frage, warum er  der  Aufforderung  Identitätsdokumente abzugeben, nicht nachgekommen sei,  erklärte er, er habe seit er  in der Schweiz sei, keinen Kontakt mit seiner  Mutter  gehabt,  da  er  kein Geld  gehabt  habe,  um  sie  anzurufen.  In  der  Türkei  habe er  noch Kontakt mit  ihr  gehabt. Er  habe aber  zur Kenntnis  genommen,  dass  er  Ausweispapiere  beschaffen  solle  (vgl.  act. A1/11  S. 4­6). Als er sieben Tage nach der Befragung im EVZ und elf Tag nach  der  Einreise  anlässlich  der  Anhörung  am  18. Dezember  2008  erneut  gefragt wurde, ob er Dokumente oder Ausweispapiere abzugeben habe,  verneinte  der  Beschwerdeführer  die  Frage,  fügte  jedoch  an,  seine  Angehörigen  hätten  seine  Identitätskarte  geschickt,  er  habe  diese  aber  noch nicht erhalten (vgl. act. A9/13 S. 3 F4 f.). Am 6. Januar 2009 stellte  der  Beschwerdeführer  die  Identitätskarte  dem BFM  über  die  Thurgauer  Rechtsberatungsstelle zu. 5.3.  5.3.1.  Entschuldbare  Gründe  im  Sinne  von  Art. 32  Abs. 3  Bst. a  AsylG  liegen  grundsätzlich  dann  vor,  wenn  dem  Umstand,  dass  die  asylsuchende  Person  nicht  in  der  Lage  ist,  innerhalb  von  48  Stunden  Reise­  oder  Identitätspapiere  abzugeben,  nicht  die  Absicht  zugrunde  liegt,  den  Aufenthalt  in  der  Schweiz  unrechtmässig  zu  verlängern.  Vermag  die  asylsuchende  Person  glaubhaft  darzutun,  dass  sie  beispielsweise deshalb nicht in der Lage ist, Reise­ oder Identitätspapiere  innerhalb von 48 Stunden seit Einreichung des Gesuchs abzugeben, weil  sie ihre Reise­ oder Identitätspapiere im Heimatstaat zurückgelassen hat,  und  bemüht  sie  sich  umgehend  und  ernsthaft  um  deren  Beschaffung  innert  angemessener  Frist,  ist  die Anwendung  von Art. 32 Abs. 2 Bst. a  AsylG ausgeschlossen (vgl. BVGE 2010/2 E. 5.6 und E. 6). 5.3.2. Der Beschwerdeführer vermochte anlässlich der Befragung im EVZ  seinen Reiseweg, welcher  ihn vom Irak  in die Türkei und schliesslich ab  Istanbul  in einem LKW  in die Schweiz  führte, anschaulich und plausibel  zu  beschreiben  (vgl.  act.  A1/11 S. 8).  Das BFM  unterstellt  zwar,  es  sei  nicht  nachvollziehbar,  dass  der  Beschwerdeführer  seinen  Pass  in  der  Türkei weggeworden habe, da  ihm bewusst gewesen sein musste, dass  er sich  im Rahmen seines bevorstehenden Asylverfahrens auszuweisen  haben  wird.  Es  ist  jedoch  eine  Tatsache,  dass  Schlepper  ihrer 

D­812/2009 "Kundschaft"  häufig  dazu  drängen,  Identitätspapiere  zu  entsorgen  oder  dieser  die  vorhandenen  Reisepapiere  abnehmen.  Vor  diesem  Hintergrund ist die Darstellung des Beschwerdeführers, wonach er seinen  Pass in der Türkei weggeworfen habe, nachdem ihn der Schlepper dazu  aufgefordert  habe,  durchaus  nicht  realitätsfremd.  Realistischerweise  muss zudem angenommen werden, dass der Beschwerdeführer in einem  Abhängigkeitsverhältnis  zum  Schlepper  stand,  und  er  –  um  seine  Weiterreise  nicht  zu  gefährden  –  in  seiner  Entscheidung,  der  Anweisungen des Schleppers Folge zu  leisten oder nicht, nicht  frei war.  Es  ist  deshalb  nachvollziehbar  und  insofern  entschuldbar,  wenn  er  der  Aufforderung  des  Schleppers,  den  Pass  wegzuwerfen,  nachgekommen  ist.  Ferner  ist  davon  auszugehen,  dass  die  vom  Beschwerdeführer  zurückgelegte Reise ab der Türkei ohne Reisepapiere – insbesondere mit  Hilfe von Schleppern – tatsächlich in der von ihm beschriebenen Art und  Weise  zurückgelegt  werden  kann,  ohne  dabei  kontrolliert  zu  werden.  Hierfür  spricht  insbesondere  auch,  dass  er  von  keiner  europäischen  Behörde  angehalten  und  daktyloskopiert  worden  ist.  Aufgrund  der  Angaben  des  Beschwerdeführers  ist  deshalb  entgegen  der  Auffassung  des BFM davon auszugehen, dass er zum Zeitpunkt der Einreise  in die  Schweiz  tatsächlich  keine  authentischen  Reise­  oder  Identitätspapiere  mehr  auf  sich  getragen  hat,  die  er  innerhalb  von  48 Stunden  seit  Einreichung des Asylgesuchs hätte abgeben können. 5.3.3. Anlässlich der Befragung im EVZ am 11. Dezember 2008 nahm der  Beschwerdeführer zur Kenntnis, dass er Ausweispapiere beschaffen soll  (vgl.  act. A1/11 S. 6). An der Anhörung am 18. Dezember 2008 erklärte  er,  er  habe  mit  seiner  Mutter  darüber  gesprochen.  Sie  habe  die  Identitätskarte  abgeschickt.  Er  habe  sie  aber  noch  nicht  erhalten  (vgl.  act. A9/13  S. 3 f.  F4  und  F18).  Gemäss  dem  beim  BFM  eingereichten  Briefumschlag wurde die Identitätskarte umgehend, das heisst vier Tage  nach  der  Anhörung  (Poststempel  vom  22. Dezember  2008),  in  W._______  der  Post  übergeben  und  ins  EVZ  Kreuzlingen  geschickt.  Diese Identitätskarte beurteilte das BFM in der angefochtenen Verfügung  als nicht authentisch.  5.4.   5.4.1.  Das  rechtliche  Gehör,  welches  in  Art. 29  Abs. 2  der  Bundeverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April  1999  (BV,  SR 101)  verankert  und  in  den  Art. 29  ff.  VwVG  für  das  Verwaltungsverfahren  konkretisiert  wird,  dient  einerseits  der  Aufklärung  des  Sachverhalts,  andererseits  stellt  es  ein  persönlichkeitsbezogenes 

D­812/2009 Mitwirkungsrecht der Parteien dar. Gemäss Art. 30 Abs. 1 VwVG hört die  Behörde die Parteien an, bevor sie verfügt. Der Anspruch auf vorgängige  Anhörung  beinhaltet  insbesondere,  dass  die  Behörde  sich  beim  Erlass  ihrer  Verfügung  nicht  auf  Tatsachen  abstützen  darf,  zu  denen  sich  die  von  der  Verfügung  betroffenen  Person  nicht  vorgängig  äussern  und  diesbezüglich Beweis führen konnte.  Eng mit dem Äusserungsrecht  ist der verfahrensrechtliche Anspruch auf  Akteneinsicht (Art. 26 VwVG) verbunden. In jedem Verfahren können sich  die  Betroffenen  nur  dann  wirksam  zur  Sache  äussern  und  geeignet  Beweise  führen  beziehungsweise Beweismittel  bezeichnen, wenn  ihnen  die Möglichkeit eingeräumt wird, die Unterlagen einzusehen, auf welche  sich  die  Behörde  stützt.  Vom  Akteneinsichtsrecht  ausgeschlossen  sind  verwaltungsinterne Unterlagen (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  1994  Nr. 1  E. 3a  S. 8 f.).  Gilt  es  den  Umfang  des  Akteneinsichtsrechts  zu  bestimmen,  kommt  es  jedoch  auf  die  im  konkreten  Fall  objektive  Bedeutung  eines  Aktenstückes  für  die  entscheidwesentliche  Sachverhaltsfeststellung  an  und  nicht  auf  die  Einstufung  des Beweismittels  durch  die  Behörden  als  internes oder gar geheimes Papier. Keine internen Akten sind daher zum  Beispiel  verwaltungsintern erstellte Berichte und Gutachten zu streitigen  Sachverhaltsfragen. Der Anspruch auf rechtliches Gehör beinhaltet auch,  dass die Behörden alles in den Akten festzuhalten haben, was zur Sache  gehört  und  eintscheidwesentlich  sein  kann. Daraus  resultiert  die Pflicht,  Abklärungen, Befragungen, Zeugeneinvernahmen und Verhandlungen zu  protokollieren, diese zu den Akten zu nehmen und aufzubewahren (BGE  130  II  473  E. 4.2).  Die  Aktenführung  hat  geordnet,  übersichtlich  und  vollständig zu sein und es muss ersichtlich sein, wer sie erstellt hat und  wie  sie  zustande  gekommen  sind  (vgl. MARC HÄUSLER  /  RETO FERRARI­ VISCA,  Das  Recht  auf  Akteneinsicht  im  Verwaltungs­  und  Verwaltungsjustizverfahren,  in  Jusletter  8. August  2011  S. 4  f.,  RENÉ  RHINOW/HEINRICH  KOLLER/CHRISTINA  KISS/DANIELA  THURNHERR/DENISE  BRÜHL­MOSER,  Öffentliches  Prozessrecht,  2. Aufl.,  Basel  2010,  Rz. 339  ff.). Das Recht auf Akteneinsicht kann im Übrigen eingeschränkt werden,  wenn ein  überwiegendes  Interesse an deren Geheimhaltung  vorhanden  ist.  Dies  muss  indes  aufgrund  einer  konkreten,  sorgfältigen  und  umfassenden  Abwägung  der  entgegenstehenden  Interessen  beurteilt  werden, wobei  der Grundsatz  der  Verhältnismässigkeit  zu  beachten  ist.  Je  stärker  das  Verfahrensergebnis  von  der  Stellungnahme  der  Betroffenen  zum  konkreten  Dokument  abhängt  und  je  stärker  auf  ein  Dokument  bei  der  Entscheidfindung  (zum  Nachteil  der  Betroffenen) 

D­812/2009 abgestellt wird, desto intensiver ist dem Akteneinsichtsrecht Rechnung zu  tragen (vgl. Art. 27 und 28 VwVG sowie zum Ganzen HÄUSLER / FERRARI­ VISCA, a.a.O. S. 2 mit weiteren Hinweisen).  Aus dem Grundsatz des rechtlichen Gehörs ergibt sich schliesslich, dass  die  Abfassung  der  Begründung  dem  Betroffenen  ermöglichen  soll,  den  Entscheid sachgerecht anfechten zu können, was nur der Fall  ist, wenn  sich  sowohl  der  Betroffene  als  auch  die  Rechtsmittelinstanz  über  die  Tragweite  des  Entscheides  ein  Bild  machen  können.  Die  Begründungsdichte  richtet  sich dabei nach dem Verfügungsgegenstand,  den  Verfahrensumständen  und  den  Interessen  des  Betroffenen,  wobei  bei  schwerwiegenden  Eingriffen  in  die  rechtlich  geschützten  Interessen  des Betroffenen – und um solche geht  es bei  der Frage des Eintretens  auf  ein  Aslygesuch  –  eine  sorgfältige  Begründung  verlangt  (BVGE  2008/47 E. 3.2 S. 674 f., EMARK 2006 Nr. 24 E. 5.1. S. 256).  5.4.2.  Das  BFM  stellte  in  der  angefochtenen  Verfügung  fest,  die  angeblich am (…) in Y._______ ausgestellte Identitätskarte sei aufgrund  von  Unstimmigkeiten  nicht  authentisch  und  zog  diese  ein.  Es  führt  in  seiner Begründung aus, auf der eingereichten Identitätskarte würden die  für  solche  Dokumente  üblichen  Sicherheitsmerkmale  fehlen  und  "ein  behördlicher  Einträge"  sei  nicht  in  jener  Art  vorgenommen  worden,  in  welcher er  in echten  irakischen  Identitätskarten vorgenommen werde.  In  der Begründung  lässt es  jedoch offen, um was für einen Eintrag es sich  handeln und inwiefern dieser falsch sein soll. Aufgrund der Schreibweise  "ein  behördlicher  Einträge"  wird  nicht  einmal  klar,  ob  nach  Ansicht  des  BFM  bloss  ein  oder  aber  mehrere  inkorrekte  Einträge  vorhanden  sein  sollen.  5.4.3.  Aus  den  Akten  geht  hervor,  dass  die  durch  die  Thurgauer  Rechtsberatungsstelle  am  6.  Januar  2009  inklusive  Briefumschlag  übermittelte  Identitätskarte  des  Beschwerdeführers  am  7. Januar  2009  beim  BFM  einging.  Ferner  ist  den  Akten  zu  entnehmen,  dass  am  28.  Januar  2009  –  mithin  zwei  Tage  vor  Versand  der  angefochtenen  Verfügung  –  von  einen  Mitarbeiter  des  BFM  eine  Aktennotiz  A15/1  verfasst wurde, worin dieser festhielt, dass die eingereicht Identitätskarte,  welche angeblich am (…) in Y._______ ausgestellt worden sei, aufgrund  dreier unstimmiger Merkmale offensichtlich nicht echt sei. Die Aktennotiz  A15/1 wird im Aktenverzeichnis als "interne Akte" mit dem Vermerk "nicht  zur Edition" bezeichnet. Das BFM stützte sich  in der Verfügung offenbar  auf  die  in  der  Aktennotiz  A15/1  betreffend  die  Identitätskarte  des 

D­812/2009 Beschwerdeführers  enthaltenen  Informationen.  Aufgrund  der  Bedeutung  des  Inhalts  für  den  Entscheid,  auf  das  Asylgesuch  wegen  fehlender  Identitätspapiere nicht einzutreten, kann es sich bei der Aktennotiz A15/1  nicht, wie im Aktenverzeichnis vermerkt, um eine "interne Akte" handeln.  Die  in  der  Notiz  enthaltenen  Informationen  sind  für  den  Entscheid  von  solcher Relevanz, dass diese vorbehältlich von Geheimhaltungsinteresse  dem Akteneinsichtsrecht unterstehen. Aufgrund der Aktenführungspflicht  wäre  das  BFM  zudem  gehalten  gewesen,  die  Abklärungen  zur  Authentizität der  Identitätskarte  in den Akten so zu dokumentieren, dass  jederzeit  nachvollzogen  werden  kann,  wie  das  BFM  zu  seinen  diesbezüglichen  Erkenntnissen  gelangt  ist.  Aus  der  Aktennotiz  A/15/1  geht  indessen nicht hervor, wie der Mitarbeiter des BFM an die von  ihm  festgehaltenen  Informationen  gelangt  ist  und  aufgrund  welcher  Erkenntnisse diese ihrerseits zustande gekommen sind. Da dies aus der  Aktennotiz A15/1 nicht hervorgeht, hat das BFM die Aktenführungspflicht  verletzt. 5.4.4.  Darüber  hinaus  hat  es  das  BFM  unterlassen,  dem  Beschwerdeführer vor dem Erlass der Verfügung Gelegenheit zu geben,  sich  zu  den  in  der  Aktennotiz  A15/1  festgehaltenen  Fälschungsmerkmalen  seiner  Identitätskarte  zu  äussern.  Der  Umstand,  dass  bei  einer  vollständigen  Offenlegung  aller  Einzelheiten  von  behördlichen  Fälschungserkenntnissen  gewisser  Dokumente  deren  missbräuchliche  Verwendung  durch  den  Gesuchsteller  oder  Dritte  zu  befürchten  ist,  kann  zwar  rechtfertigen,  die  Einsicht  in  ein  Aktenstück  ganz oder teilweise zu verweigern (vgl. EMARK 1994 Nr. 1 E. 4c). Da das  BFM  in  seiner  Verfügung  jedoch  zum  Nachteil  des  Beschwerdeführers  gestützt auf die in der Aktennotiz A15/1 enthaltenen Informationen davon  ausgeht,  die  eingereichte  Identitätskarte  sei  nicht  authentisch,  wäre  es  gemäss  Art.  28  VwVG  gehalten  gewesen,  den  Beschwerdeführer  über  die festgestellten Fälschungsmerkmale in einer Art und Weise in Kenntnis  zu  setzen, welche  es  ihm ermöglicht,  vor Erlass  der Verfügung  konkret  Einwände gegen die vom BFM in Bezug auf die Identitätskarte gewonnen  Erkenntnisse  und  die  daraus  gezogenen  Schlussfolgerungen  anzubringen. Indem das BFM dies unterlassen hat, hat es den Anspruch  des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör gemäss Art. 30 Abs. 1 und  Art. 28 VwVG verletzt.  5.4.5. Wie bereits festgehalten (vgl. E. 5.4.2), wird in den Akten des BFM  nicht dokumentiert, wie der Mitarbeiter an die von  ihm  in der Aktennotiz  A15/1  festgehaltenen  Informationen  betreffend  die  Identitätskarte  des 

D­812/2009 Beschwerdeführers gelangt  ist und aufgrund welcher Erkenntnisse diese  ihrerseits  zustande  gekommen  sind.  Auch  in  der  angefochtenen  Verfügung  schweigt  sich  das  BFM  diesbezüglich  aus.  Die  Begründung  der Verfügung  lässt deshalb – auch  für das Bundesverwaltungsgericht –  nicht  hinreichend  nachvollziehbar  erkennen,  aus  welchen  Gründen  das  BFM zur Feststellung gelangt ist, die Identitätskarte sei nicht authentisch.  Bei  den  vom  BFM  in  der  Verfügung  bezüglich  der  Identitätskarte  festgestellten  Unstimmigkeiten  handelt  es  sich  daher  letztlich  um  nicht  nachvollziehbare  Behauptungen,  zumal  auch  offen  gelassen  wird,  welcher  behördliche  Eintrag  auf  der  Identitätskarte  nicht  korrekt  vorgenommen  worden  sein  soll.  Das  BFM  hat  insofern  auch  die  ihm  obliegende Begründungspflicht verletzt.  5.5.  Zusammenfassend  ist  festzustellen,  dass  das  BFM  den  Anspruch  des  Beschwerdeführers  auf  rechtliches  Gehör  mehrfach  verletzt  hat,  indem  es  ihm  nicht  zur  Kenntnis  brachte,  dass  und  weshalb  es  seine  Identitätskarte als nicht authentisch erachtet  und  ihm keine Gelegenheit  bot, sich vorgängig dazu zu äussern, und indem es seiner Aktenführungs­  und Begründungspflicht nicht hinreichend nachgekommen ist (vgl. Art. 28,  Art. 29, Art. 30 Abs. 1 und Art. 35 VwVG). 6.  Eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör führt grundsätzlich  zur Aufhebung der angefochtenen Verfügung ohne Rücksicht darauf, ob  diese  bei  korrekter  Verfahrensführung  im  Ergebnis  anders  ausgefallen  wäre, und sie wird von Amtes wegen als Kassationsgrund berücksichtigt,  wenn  die  Mängel  schwerwiegend  sind  und  eine  vernünftige  Prozesserledigung in der Rechtsmittelinstanz verunmöglichen (vgl. BVGE  2009/53 E. 7.3 S. 773, BVGE 2008/47 E. 3.3.4 S. 676 f., BVGE 2008/14  E. 4.1 S. 185). Aufgrund der umfassenden Kognition des Bundesverwaltungsgerichts im  Asylbeschwerdeverfahren  (vgl. Art. 106 AsylG)  kann die Verletzung  des  Anspruchs  auf  rechtliches  Gehör  in  bestimmten  Schranken  geheilt  werden  (vgl.  BVGE  2009/53 E.  7.3  S.  773 mit  weiteren Hinweisen).  Im  vorliegenden  Fall  ist  die  mehrfache  Verletzung  des  rechtlichen  Gehörs  seitens des BFM als schwerwiegend zu bezeichnen. Es  ist zudem nicht  Aufgabe  des  Bundesverwaltungsgerichts,  Versäumnisse  des  Bundesamtes auf Beschwerdeebene systematisch zu beheben und damit  die  Vorinstanz  gleichsam  von  einer  sorgfältigen  Verfahrensführung  zu  entbinden, zumal den Beschwerdeführenden durch ein solches Vorgehen 

D­812/2009 eine Instanz verloren ginge. Eine Heilung der festgestellten Mängel in der  angefochtenen Verfügung fällt deshalb nicht in Betracht. 7.  Zusammenfassend  ist  festzuhalten,  dass  die  Vorinstanz  den  Anspruch  auf  rechtliches  Gehör  des  Beschwerdeführers  in  mehrfacher  Weise  verletzt  hat.  Eine  Heilung  dieser  Mängel  im  Rahmen  des  Beschwerdeverfahrens  ist  nicht  angebracht.  Die  Beschwerde  ist  daher  gutzuheissen,  die  angefochtene  Verfügung  vom  30. Januar  2009  aufzuheben  und  die  Sache  zur  Neubeurteilung  an  das  BFM  zurückzuweisen. 8.  8.1.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  keine  Verfahrenskosten  aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). Das Gesuch um Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  gemäss  Art. 65  Abs. 1  VwVG  erweist  sich mithin als gegenstandslos. 8.2. Obsiegende Parteien haben Anspruch auf eine Entschädigung für die  ihnen  erwachsenen  notwendigen  und  verhältnismässig  hohen  Kosten  (Art. 64 Abs. 1 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom 21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  [VGKE,  SR  173.320.2]).  Der  Beschwerdeführer hat seine Beschwerde selbst eingereicht. Es sind ihm  mithin  keine  Kosten  aus  einer  Vertretung  entstanden  (vgl.  Art. 9  Abs. 1  VGKE).  Weitere  notwendige  und  verhältnismässig  hohe  Auslagen  (vgl.  Art. 13 VGKE), die dem Beschwerdeführer erwachsen sein könnten, sind  aufgrund  der  Akten  nicht  ersichtlich.  Folglich  ist  ihm  trotz  Obsiegens  keine Parteientschädigung zuzusprechen. (Dispositiv nächste Seite)

D­812/2009 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2.  Die Verfügung vom 30. Januar 2009 wird aufgehoben und die Sache zur  Neubeurteilung an das BFM zurückgewiesen. 3.  Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt. 4.  Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen. 5.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Walter Lang Sarah Mathys Versand:

D-812/2009 — Bundesverwaltungsgericht 19.09.2011 D-812/2009 — Swissrulings