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Bundesverwaltungsgericht 04.10.2011 D-8056/2010

4 ottobre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,687 parole·~13 min·1

Riassunto

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 13. Oktober 2010

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung IV D­8056/2010/wif Urteil   v om   4 .   O k t ob e r   2011 Besetzung Richter Robert Galliker (Vorsitz), Richter Kurt Gysi, Richter Pietro Angeli­Busi; Gerichtsschreiber Matthias Jaggi. Parteien A._______, geboren (…),  alias B._______, geboren (…), Niger, vertreten durch Dr. iur. Oliver Brunetti,  BAS Beratungsstelle für Asylsuchende der Region Basel, (…), Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 13. Oktober 2010 / N (…).

D­8056/2010 Sachverhalt: A.  Eigenen  Angaben  zufolge  gelangte  der  Beschwerdeführer  am  13.  Juni  2006  in  die  Schweiz,  wo  er  am  gleichen  Tag  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  (EVZ) C._______  um Asyl  nachsuchte. Dazu wurde  der Beschwerdeführer am 19. Juni 2006 im EVZ C._______ befragt und  am  6.  Juli  2006  vom  Migrationsamt  des  Kantons  D._______  angehört  (Anhörung). B.  Zur  Begründung  seines  Asylgesuchs  machte  der  Beschwerdeführer  im  Wesentlichen geltend, er sei Staatsangehöriger von Niger und habe vor  seiner  Ausreise  aus  seinem Heimatland  in  E._______  gelebt.  Im  Jahre  1996  sei  er Mitglied  von Timidria  geworden,  einer Organisation, welche  öffentlich gegen die Sklaverei kämpfe. Als "sensibilisateur" habe er unter  anderem  die  ländliche  Bevölkerung  auf  die  Probleme  der  Sklaverei  aufmerksam gemacht.  Im Jahre 2005 sei F._______, der Präsident  von  Timidria,  von  der  Gendarmerie  festgenommen  und  während  zweier  Monate  festgehalten worden,  bevor  er,  insbesondere mit  internationaler  Unterstützung, wieder freigekommen sei. Da er – der Beschwerdeführer –  sich weiter gegen die Sklaverei eingesetzt habe, sei er am 18. Dezember  2005 in E._______ von der Gendarmerie festgenommen und festgehalten  worden.  Während  der  Haft  sei  er  auf  verschiedene  Arten  misshandelt  worden. Nach einer Woche sei er unter der Bedingung, dass er sich nicht  weiter  für  die  Rechte  der  Sklaven  engagiere,  freigelassen  worden.  Am  Tage  seiner  Freilassung,  dem  25.  Dezember  2005,  habe  er  sich  in  Begleitung  von  G._______,  einem  Mitarbeiter  von  Timidria,  zu  einem  Radiosender  begeben,  wo  er  ein  zirka  dreissigminütiges  Interview  über  seine Haft gegeben habe. Nach diesem Radiointerview sei er nicht mehr  nach Hause zurückgekehrt, sondern habe sich in einem anderen Quartier  von  E._______  versteckt.  Während  dieser  Zeit  habe  die  Gendarmerie  drei  ihn betreffende Vorladungen an seinen früheren Wohnort zugestellt,  die  ihm von seinem Nachbarn überbracht worden seien. Als er  sich am  25.  Januar 2006  in einer Apotheke etwas habe besorgen wollen,  sei  er  von  der  Gendarmerie  festgenommen  und  ins  Zivilgefängnis  von  E._______  gebracht  worden.  Am  20.  April  2006  habe  ihm  ein Wächter  dieses  Gefängnisses,  der  von  G._______  kontaktiert  worden  sei,  eine  Militäruniform  besorgt,  mit  der  es  ihm  gelungen  sei,  zu  fliehen.  Anschliessend  sei  er  von  G._______  in  einem  Haus  in  einem Quartier  von  E._______  untergebracht  worden.  Ab  dem  27.  April  2006  sei  per 

D­8056/2010 "avis de  recherche" nach  ihm gesucht worden, weswegen er am 4. Mai  2006 zusammen mit einem Weissen nach Ouagadougou gereist sei, von  wo  er mit  einem  gefälschten  französischen Reisepass  via  Tripolis  nach  Genf  geflogen  sei.  Bezüglich  der  weiteren  Aussagen  des  Beschwerdeführers wird auf die Akten verwiesen.  Im  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  reichte  der  Beschwerdeführer  unter  anderem die folgenden Beweismittel zu den Akten: Die Kopie einer "avis  de  recherche"  vom  27.  April  2006,  drei  Vorladungen  vom  Jahre  2006,  zwei Mitgliederausweise  der  Organisation  Timidria  von  2005  respektive  2006, ein Mitgliederausweis der  "Parti Nigerien pour  la Democratie et  le  Socialisme", mehrere Zeitungsartikel, eine DVD, mehrere Internetbeiträge  sowie ein Briefumschlag. C.  Das BFM ersuchte am 16. Februar 2009 die schweizerische Botschaft in  Abidjan  um Abklärungen  gemäss Art.  41 Abs.  1  des Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31).  Die  Botschaftsantwort  vom  20.  Mai  2010 wurde dem Beschwerdeführer  am 7.  Juli  2010 zur Stellungnahme  unterbreitet.  Der  Beschwerdeführer  nahm mit  Schreiben  vom  2.  August  2010  dazu  Stellung.  Der  Stellungnahme  lagen  eine  Schriftprobe  des  Beschwerdeführers,  ein  Bestätigungsschreiben  von  Timidiria  vom  3.  Februar  2006,  zwei  Internetberichte  bezüglich  der  Situation  in  Niger  sowie  ein  Bestätigungsschreiben  von  Radio  Ténéré  vom  21.  Juli  2010  bei. D.  Mit Verfügung vom 13. Oktober 2010 – eröffnet am 18. Oktober 2010 –  stellte  das  BFM  fest,  dass  der  Beschwerdeführer  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht  erfülle.  Es  lehnte  sein  Asylgesuch  ab  und  ordnete  seine  Wegweisung  aus  der  Schweiz  sowie  den  Wegweisungsvollzug an. Gleichzeitig wies es auch die Beweisanträge –  Anhörung von Zeugen auf der Schweizer Botschaft – ab.  Zur  Begründung  führte  das  BFM  im  Wesentlichen  aus,  der  Beschwerdeführer  habe  im  Verlaufe  des  Verfahrens  zu  verschiedenen  Punkten unterschiedliche Angaben gemacht, weswegen erste Zweifel an  der  Glaubhaftigkeit  seiner  Vorbringen  aufkämen.  Zudem  würden  die  Asylvorbringen  in  wesentlichen  Punkten  den  gesicherten  Erkenntnissen  des  BFM  widersprechen.  Diese  Tatsachenwidrigkeiten  verstärkten  die  Zweifel  an  der  Glaubhaftigkeit  seiner  Kernvorbringen.  Soweit  der 

D­8056/2010 Beschwerdeführer  vorbringe,  F._______  und  H._______  hätten  ihm  mündlich  zugesichert,  allenfalls  bei  der  Schweizerischen  Vertretung  Aussagen  über  seine Verfolgungssituation  zu machen,  sei  festzuhalten,  dass  der  Sachverhalt  zum  einen  aufgrund  der  bisher  getätigten  Instruktionsmassnahmen  feststehe und eine abschliessende Beurteilung  des Falles zulasse. Zum anderen wäre eine solche Zeugenaussage per  se als Gefälligkeitsaussage zu werten. Die eingereichte Bestätigung von  Radio  Ténéré  weise  verschiedene  Ungereimtheiten  auf,  weswegen  sie  als  ein  im  Nachhinein  von  der  Schweiz  aus  in  Auftrag  gegebenes  Gefälligkeitsschreiben  ohne  Beweiswert  zu  qualifizieren  sei.  Insbesondere deshalb sei der Zeuge I._______ als voreingenommen und  daher unzulässig zu betrachten. Die Asylvorbringen seien auch deshalb  unglaubhaft, weil sie in wesentlichen Punkten der allgemeinen Erfahrung  oder der Logik des Handelns widersprächen. Den vom Beschwerdeführer  zur Untermauerung seiner Asylvorbringen eingereichten drei Vorladungen  sowie der Kopie einer "avis de recherche" komme für die Beurteilung des  Asylgesuchs  kein  Beweiswert  zu,  zumal  sie  zahlreiche  bedeutende  Fälschungsmerkmale  enthielten,  nicht  bloss  Mutmassungen,  sondern  mehrheitlich  Fakten  darstellten  und  als  "Blankoformulare"  einer  freien  Beweiswürdigung unterliegen würden. Diese freie Beweiswürdigung führe  im  vorliegenden  Fall  unter  Berücksichtigung  der  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  sowie  des  länderspezifischen  Kontextes  zu  einem  negativen  Ergebnis.  Die  desbezüglichen  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  hielten  den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit  gemäss Art. 7 AsylG nicht stand, so dass ihre Asylrelevanz nicht geprüft  werden müsse.  Der  Beschwerdeführer  habe  zwei  Mitgliederausweise  über  seine  Mitgliedschaft  bei  der  Organisation  Timidria  sowie  einen  Mitgliederausweis der "Parti Nigerien pour la Democratie et le Socialisme"  zu  den  Akten  gereicht.  Seine  blosse  Mitgliedschaft  in  dieser  Partei  beziehungsweise  Organisation  stelle  jedoch  kein  Verfolgungsmotiv  in  Niger  dar,  da  es  sich  dabei  um  eine  öffentlich  anerkannte  und  nicht  verbotene Organisation respektive Partei handle. Zudem hielten sich die  Führungsmitglieder  der  Timidria  nach  wie  vor  in  Niger  auf.  Die  diesbezüglichen  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  hielten  den  Anforderungen  an  die Flüchtlingseigenschaft  gemäss Art.  3 AsylG  nicht  stand.  Den  Vollzug  der  Wegweisung  erachtete  die  Vorinstanz  als  zulässig,  zumutbar  und  möglich.  Für  den  weiteren  Inhalt  wird  auf  die  vorinstanzliche Verfügung verwiesen. 

D­8056/2010 E.  Mit  Beschwerde  vom  17.  November  2010  (Poststempel)  an  das  Bundesverwaltungsgericht  liess  der  Beschwerdeführer  durch  seinen  Rechtsvertreter  beantragen,  die  angefochtene Verfügung des BFM vom  13.  Oktober  2010  sei  aufzuheben,  es  sei  seine  Flüchtlingseigenschaft  festzustellen  und  ihm  Asyl  zu  gewähren.  Eventualiter  sei  die  angefochtene  Verfügung  aufzuheben  und  die  Sache  zur  vollständigen  Abklärung  des  Sachverhalts  und  insbesondere  zur  Durchführung  der  angebotenen Befragungen an das BFM zurückzuweisen. Subeventualiter  sei festzustellen, dass der Vollzug der Wegweisung für ihn unzulässig sei,  weswegen  das  BFM  anzuweisen  sei,  seinen weiteren  Aufenthalt  in  der  Schweiz  nach  den  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  zu  regeln.  In  verfahrensrechtlicher Hinsicht  ersuchte  der Beschwerdeführer  um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege sowie um Verzicht auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses.  Auf  die  Begründung  der  Beschwerde  wird,  soweit  für  den  Entscheid  wesentlich,  in  den  Erwägungen eingegangen.  Mit  der  Rechtsmittelschrift  reichte  der  Beschwerdeführer  eine  Vielzahl  von Berichten über die Menschenrechtslage  respektive die Sklaverei  im  Niger sowie einen DHL­Umschlag zu den Akten.  F.  Mit  Zwischenverfügung  des  Instruktionsrichters  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom  25.  November  2010  wurde  dem  Beschwerdeführer mitgeteilt, dass er den Ausgang des Verfahrens in der  Schweiz  abwarten  könne.  Gleichzeitig  verfügte  der  Instruktionsrichter,  dass auf die Erhebung eines Kostenvorschusses verzichtet und über das  Gesuch  um Gewährung  der  unentgeltlichen Rechtspflege  im Sinne  von  Art.  65 Abs.  1  des Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021)  im  Endentscheid  befunden  werde.  G.  In ihrer Vernehmlassung vom 30. November 2010 hielt die Vorinstanz an  ihren Erwägungen  fest  und  beantragte  die Abweisung  der Beschwerde.  Diese  Vernehmlassung  wurde  dem  Beschwerdeführer  zur  Kenntnisnahme zugestellt. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:

D­8056/2010 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]). 1.2.   Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.3.  Die Beschwerde ist frist­ und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs.  1  AsylG,  Art.  105  AsylG  i.V.m.  Art.  37  VGG  und  Art.  52  VwVG).  Der  Beschwerdeführer  ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise Änderung; er ist daher zur Einreichung der Beschwerde  legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG).  Auf die Beschwerde ist somit einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  3.1.  Der  Beschwerdeführer  stellt  in  seiner  Rechtsmitteleingabe  das  Eventualbegehren, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und die  Sache  sei  zur  vollständigen  Abklärung  des  Sachverhalts  und  insbesondere  zur  Durchführung  der  angebotenen  Befragungen  an  das  BFM zurückzuweisen. Zur Begründung bringt er vor, die Vorinstanz habe  seinen  Anspruch  auf  rechtliches  Gehörs  verletzt,  indem  sie  es  im  Rahmen der Anhörung unterlassen habe, die von ihm auf Nachfrage hin  ausdrücklich erwähnten, von seiner Misshandlung während seiner ersten  Haft  herrührenden  Narben  auf  seinem  Rücken  zu  prüfen  oder  ärztlich 

D­8056/2010 prüfen  zu  lassen.  Überdies,  da  die  Vorinstanz  es  –  wie  in  der  Stellungnahme  zur  Botschaftsabklärung  angeboten  –  abgelehnt  habe,  den  Gründer  und  Vorsitzenden  von  Timidria,  F._______,  und  den  Vorsitzenden der Sektion E._______ von Timidria, H._______, zu den ihn  betreffenden Ereignissen Ende  2005  und Anfang  2006  sowie  allgemein  zu  allfälligen  Anfechtungen  gegenüber  Timidria  im  Rahmen  ihrer  damaligen  und  heutigen  Tätigkeit  zu  befragen.  Im  Weiteren  habe  das  BFM das rechtliche Gehör verletzt, da sie es – wie in der Stellungnahme  zur  Botschaftsabklärung  angeboten  –  zurückgewiesen  habe,  den  vormaligen Mitarbeiter  von Radio  Ténéré,  I._______,  zu  dem mit  ihm –  dem  Beschwerdeführer  –  am  25.  Dezember  2005  für  Radio  Ténéré  geführten  Interview  über  seine  Verhaftung  und Misshandlung  durch  die  Gendarmerie  zu  befragen.  Ausserdem,  da  die  Vorinstanz  –  wie  in  der  Stellungnahme zur Botschaftsabklärung angeboten – es abgelehnt habe,  bei  Radio  Ténéré  über  das  am  25.  Dezember  2005  ausgestrahlte  Interview mit  I._______  und  die  Beschlagnahmung  der  Aufzeichnungen  direkt  Auskunft  einzuholen.  Zudem,  da  das  BFM  es  –  wie  in  der  Stellungnahme  zur  Botschaftsabklärung  angeboten  –  abgelehnt  habe,  einen  Handschriftenvergleich  zwischen  der  von  ihm  eingereichten  Handschriftenprobe  und  der  Handschrift  auf  den  drei  Vorladungen  und  dem "avis de recherche" vorzunehmen. Schliesslich  liege ein Verletzung  des  rechtlichen  Gehörs  vor,  da  die  Vorinstanz  in  ungenügender Weise  auf  die  Ausführungen  in  der  Stellungnahme  zur  Botschaftsantwort  eingegangen sei und zur allgemeinen Situation in Niger und zur heutigen  Tätigkeit von Timidria und den damit nach wie vor verbundenen Gefahren  ungenügende Abklärungen vorgenommen habe.  3.2.  Die  Rügen  der  Verletzung  des  rechtlichen  Gehörs  respektive  der  fehlerhaften Feststellung des  rechtserheblichen Sachverhalts  sind vorab  zu  prüfen,  da  sie  allenfalls  geeignet  wären,  eine  Kassation  der  vorinstanzlichen  Verfügung  zu  bewirken  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  [vormaligen]  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2004  Nr. 38  und  EMARK  1994  Nr.  1;  FRITZ  GYGI,  Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Aufl., Bern 1983, S. 233 mit weiteren  Hinweisen,  S.  287  und  297  f.;  ALFRED  KÖLZ/ISABELLE  HÄNER,  Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 2. Aufl.,  Zürich 1998, S. 225 mit weiteren Hinweisen). 3.3.  Aus  dem  Anspruch  auf  rechtliches  Gehör  (Art.  29  Abs.  2  der  Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April  1999  [BV,  SR  101];  Art.  29  ff.  VwVG  i.V.m.  Art.  6  und  Art.  29  AsylG) 

D­8056/2010 ergibt  sich,  dass  Asylsuchende  zu  ihren  Asylgründen  anzuhören  und  ihnen  das  Recht  zur  Äusserung  zu  gewähren  ist.  Zudem  sichert  ihnen  das Recht auf vorgängige Äusserung und Anhörung  (vgl. Art. 30 Abs. 1  VwVG) die Möglichkeit, Einfluss auf die Ermittlung des rechtserheblichen  Sachverhaltes zu nehmen. 3.4. Hinsichtlich der Rüge des Beschwerdeführers in der Beschwerde, die  Vorinstanz habe seinen Anspruch auf rechtliches Gehörs verletzt,  indem  sie die  von  ihm angebotenen Beweismittel  nicht  abgenommen habe,  ist  festzuhalten,  dass  die  Behörde  nur  dann  verpflichtet  ist,  die  ihr  angebotenen  Beweise  abzunehmen,  wenn  diese  zur  Abklärung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  tauglich  erscheinen  (Art.  33  Abs.  1  VwVG). Von der Abnahme beantragter Beweismittel  kann  insbesondere  abgesehen  werden,  wenn  sie  eine  nicht  erhebliche  Tatsache  betreffen  oder offensichtlich untauglich sind, etwa weil ihnen die Beweiseignung an  sich abgeht oder – gerade umgekehrt – die betreffende Tatsache aus den  Akten bereits genügend ersichtlich ist (antizipierte Beweiswürdigung: vgl.  BVGE  2008/24  E.  7.2  S.  357,  ANDRÉ MOSER/MICHAEL  BEUSCH/LORENZ  KNEUBÜHLER,  Prozessieren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht,  Basel  2008,  S.  165  Rz. 3.144).  Bezüglich  der  beantragten  Einvernahme  von  F._______,  H._______  sowie  I._______  als  Zeugen  respektive  des  Einholens  einer  Auskunft  bei  Radio  Ténéré  ist  festzuhalten,  dass  diese  Beweismittel  nicht  geeignet  wären,  die  Verfolgungsvorbringen  des  Beschwerdeführers  als  glaubhaft  beziehungsweise  asylrelevant  erscheinen  zu  lassen,  da  es  keine  Gewähr  für  die  Richtigkeit  der  Ausführungen  in der Auskunft  respektive der Aussagen der beantragten  Zeugen  gäbe.  Aufgrund  der  Bekanntschaft  zwischen  dem  Beschwerdeführer  und  F._______,  H._______  sowie  I._______  wären  allfällige  Absprachen  beziehungsweise  Gefälligkeitsaussagen  nicht  von  der  Hand  zu  weisen.  Ebenso  wenig  wären  allfällige  Narben  auf  dem  Körper  des  Beschwerdeführers  geeignet,  seine  Verfolgungsvorbringen  glaubhaft zu machen, zumal nicht belegt wäre, dass diese Verletzungen  im  Zusammenhang  mit  den  geltend  gemachten  Asylvorbringen  stehen.  Auch  die  beantragte  Handschriftenprobe  wäre  nicht  tauglich,  die  Verfolgungsvorbringen  des  Beschwerdeführers  glaubhaft  zu  machen.  Aufgrund  des  Gesagten  durfte  die  Vorinstanz  in  antizipierter  Beweiswürdigung  auf  die  Abnahme  der  vom  Beschwerdeführer  beantragten  Beweismittel  verzichten,  weshalb  –  entgegen  der  Behauptung  in  der  Rechtsmittelschrift  –  auch  keine  Verletzung  des  rechtlichen Gehörs vorliegt.

D­8056/2010 3.5.  3.5.1.  Bezüglich  der  Rüge  des  Beschwerdeführers  in  der  Rechtsmittelschrift,  wonach  die  Vorinstanz  in  der  angefochtenen  Verfügung  in  ungenügender  Weise  auf  seine  Ausführungen  in  der  Stellungnahme  zur Botschaftsantwort  eingegangen  sei,  ist  festzustellen,  dass der Grundsatz des rechtlichen Gehörs verlangt, dass die verfügende  Behörde  die  Vorbringen  des Betroffenen  tatsächlich  hört,  sorgfältig  und  ernsthaft  prüft  und  in  der  Entscheidfindung  berücksichtigt,  was  sich  entsprechend  in  der  Entscheidbegründung  niederschlagen  muss  (vgl.  Art. 35 Abs. 1 VwVG; EMARK 2004 Nr. 38 E. 6.3 S. 264). Ferner soll die  Abfassung der Begründung dem Betroffenen ermöglichen, den Entscheid  gegebenenfalls sachgerecht anzufechten, was nur der Fall ist, wenn sich  sowohl  der  Betroffene  als  auch  die  Rechtsmittelinstanz  über  die  Tragweite  des  Entscheides  ein  Bild  machen  können,  wobei  sich  die  verfügende  Behörde  allerdings  nicht  ausdrücklich  mit  jeder  tatbeständlichen  Behauptung  und  jedem  rechtlichen  Einwand  auseinandersetzen  muss,  sondern  sich  auf  die  wesentlichen  Gesichtspunkte  beschränken  kann.  Die  Begründungsdichte  richtet  sich  dabei nach dem Verfügungsgegenstand, den Verfahrensumständen und  den Interessen des Betroffenen, wobei bei schwerwiegenden Eingriffen in  die  rechtlich  geschützten  Interessen  des  Betroffenen  –  und  um  solche  geht  es  bei  der  Frage  der  Gewährung  des  Asyls  –  eine  sorgfältige  Begründung  verlangt wird  (vgl. BVGE 2008/47 E. 3.2 S. 674  f., EMARK  2006 Nr. 24 E. 5.1 S. 256). 3.5.2.  Im  vorliegenden  Fall  führt  die  Vorinstanz  in  der  angefochtenen  Verfügung  im  Rahmen  der  Sachverhaltszusammenfassung  die  wesentlichen Vorbringen  des Beschwerdeführers  auf.  Diese Aufzählung  ist als vollständig zu bezeichnen, weshalb diesbezüglich keine Hinweise  auf  ein  allfälliges  Übersehen  von  Sachverhaltselementen  oder  auf  eine  selektive  Prüfung  derselben  durch  das  BFM  bestehen.  In  seinen  Erwägungen  setzt  sich  das  Bundesamt  sodann  ausführlich  mit  den  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  auseinander  und  kommt  zum  Schluss, dass diese weder den Anforderungen an die Glaubhaftmachung  von  Art.  7  AsylG  noch  denjenigen  an  die  Asylrelevanz  gemäss  Art.  3  AsylG zu genügen vermöchten.  Insgesamt  ist die Begründung des BFM  als  ausreichend  dicht  zu  bezeichnen. Sie  erlaubt  es,  die Beweggründe,  welche zur Abweisung des Asylgesuches geführt haben,  in einer Weise  nachzuvollziehen,  die  eine  sachgerechte  Anfechtung  der  Verfügung  möglich  macht.  Vor  diesem  Hintergrund  ist  eine  Verletzung  des 

D­8056/2010 rechtlichen Gehörs – in seinen Teilaspekten der sorgfältigen Prüfung der  Vorbringen sowie der Begründung der Verfügung – nicht festzustellen. 3.6. Hinsichtlich  der Rüge, wonach  sich  die Vorinstanz  zur  allgemeinen  Situation  in Niger und zur heutigen Tätigkeit von Timidria und den damit  nach  wie  vor  verbundenen  Gefahren  ungenügende  Abklärungen  vorgenommen beziehungsweise sich im Wesentlichen auf eine Übersicht  im  Internetlexikon  Wikipedia  gestützt  habe,  ist  zu  bemerken,  dass  die  diesbezüglichen Erwägungen der Vorinstanz zwar knapp, aber dennoch  ausreichend  ausgefallen  sind;  sie  erlauben  eine  sachgerechte  Anfechtung.  3.7.  Bei  dieser  Sachlage  besteht  somit  keine  Veranlassung,  die  angefochtene  Verfügung  aus  formellen  Gründen  aufzuheben,  weshalb  das Begehren des Beschwerdeführers, die angefochtene Verfügung des  BFM sei aufzuheben und die Sache sei zur vollständigen Abklärung des  Sachverhalts  und  insbesondere  zur  Durchführung  der  angebotenen  Befragungen an die Vorinstanz zurückzuweisen, abzuweisen ist. 4.  4.1. Im Folgenden ist zu prüfen, ob das BFM in casu das Asylgesuch des  Beschwerdeführers zu Recht abgewiesen hat.  4.2.  Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Als  Flüchtling  wird  eine  ausländische  Person  anerkannt,  wenn  sie  in  ihrem  Heimatstaat  oder  im  Land,  in  dem  sie  zuletzt  wohnte,  wegen  ihrer Rasse, Religion, Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen  Anschauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete  Furcht  hat,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden.  Als  ernsthafte  Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder  Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck  bewirken (Art. 3 AsylG). Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen,  die  in  wesentlichen  Punkten  zu  wenig  begründet  oder  in  sich  widersprüchlich  sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte  oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).

D­8056/2010 4.3.  Das  BFM  begründete  seinen  ablehnenden  Entscheid  im  Wesentlichen  einerseits  mit  der  fehlenden  Glaubhaftigkeit  der  Verfolgungsvorbringen  des  Beschwerdeführers  (Art.  7  AsylG)  und  verzichtete  auf  eine  Prüfung  der  Asylrelevanz  derselben;  andererseits  verneinte  es  die Asylrelevanz  der  geltend  gemachten Mitgliedschaft  bei  Timidria  respektive  bei  der  "Parti  Nigerien  pour  la  Democratie  et  le  Socialisme". 4.4. Da das Bundesverwaltungsgericht an die rechtliche Begründung der  vorinstanzlichen Verfügung nicht gebunden ist (vgl. Art. 62 Abs. 4 VwVG),  kann  es  eine  angefochtene  Verfügung  im  Ergebnis  gleich  belassen,  dieser aber eine andere Begründung zu Grunde legen (Motivsubstitution).  Diese  Möglichkeit  der  Motivsubstitution  ist  im  Grundsatz  der  Rechtsanwendung  von  Amtes  wegen  begründet  (vgl.  ANDRÉ  MOSER/MICHAEL  BEUSCH/LORENZ  KNEUBÜHLER,  Prozessieren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht,  Basel  2008,  S.  181  Rz.  3.197).  Im  vorliegenden  Fall  nimmt  das  Bundesverwaltungsgericht  eine  Motivsubstitution  im  erwähnten  Sinne  vor  und  würdigt  nachstehend  die  Verfolgungsvorbringen  des  Beschwerdeführers  nicht  unter  dem  Gesichtspunkt  der  Glaubhaftigkeit,  sondern  unter  demjenigen  der  Asylrelevanz. 4.5.  Vorab  ist  festzuhalten,  dass  zur  Bestimmung  der  Flüchtlingseigenschaft  –  als  Grundvoraussetzung  der  Asylgewährung –  grundsätzlich  diejenige  Situation  relevant  ist,  wie  sie  sich  im  Zeitpunkt  des  Entscheides  darstellt.  Veränderungen  der  objektiven  Situation  im  Heimatstaat  zwischen  Ausreise  und  Asylentscheid  sind  zugunsten  und  zulasten  der  ein  Asylgesuch  stellenden Person  zu  berücksichtigen  (vgl.  BVGE 2007/31 E. 5.3, BVGE 2008/4 E. 5.4, EMARK 2000 Nr. 2 E. 8b S.  20). 4.6.  Am  18.  Februar  2010  putschten  Militäroffiziere  gegen  den  zunehmend  autoritär  regierenden  Präsidenten  Mamadou  Tandja,  der  verhaftet  wurde.  In  der  Folge  setzten  die  Putschisten  den  "Conseil  Suprême  pour  la  Restauration  de  la  Démocratie"  (CSRD)  unter  der  Leitung  des Militäroffiziers  Salou  Djibo  ein.  Im  April  2010  setzte  dieser  den  "Conseil  Consultatif  National",  eine  beratende  Kommission,  bestehend  unter  anderem  aus  Mitgliedern  der  Zivilgesellschaft,  unter  Leitung  von  Marou  Amadou  ein.  Marou  Amadou  ist  ein  Menschenrechtsaktivist  und  war  noch  2009  unter  Präsident  Tandja  mehrfach  inhaftiert  worden.  Die  dem  Putsch  folgende  Transitionsphase 

D­8056/2010 und die  folgenden Wahlen haben zu einer Verbesserung der politischen  Lage  im  Niger,  inklusive  der  Lage  der  Zivilgesellschaft  (NGOs  etc.)  geführt:  Im Oktober 2010 wurde ein Verfassungsreferendum abgehalten  und  im  November  2010  die  neue  Verfassung  ausgearbeitet.  Im  Januar  2011  wurden  Lokal­  und  Regionalwahlen  sowie  Legislativ­  und  Präsidentschaftswahlen  durchgeführt.  Die  zweite  Runde  der  Präsidentschaftswahlen  fand  im  März  2011  statt,  wobei  Mahamadou  Issoufou  zum  neuen  Staatspräsidenten  gewählt  wurde.  Alle  diese  Massnahmen, welche gewaltlos und unter Einbezug der Zivilgesellschaft  geschahen, wurden von einer Kommission der EU als eine Rückkehr zur  Demokratie gewürdigt. Neben der Lage der  lokalen NGOs hat sich auch  die  Lage  der  Medienschaffenden  verbessert.  Das  US  Department  of  State erwähnt im aktuellen Menschenrechtsbericht betreffend Niger keine  Übergriffe  auf  Anti­Sklaverei­Aktivisten  oder  Mitglieder  anderer  lokaler  NGOs.  Nationale  und  internationale  Menschenrechtsorganisationen  können  in  Niger  ohne  Restriktionen  arbeiten  (vgl.  http://www.state.gov/g/drl/rls/hrrpt/2010/af/154362.htm  [zuletzt  besucht  am  19.  Juli  2011]).  Verhaftungen  von  Menschenrechtsaktivisten  und  anderen  Mitgliedern  der  Zivilgesellschaft  geschahen  unter  der  Präsidentschaft  von  Mamadou  Tandja,  etwa  die  Verhaftung  eines  Korruptionsbekämpfers 2009. Gemäss Amnesty International wurden vor  dem  Militärputsch  im  Februar  2010  zwei  Menschenrechtsaktivisten  verhaftet, welche sich kritisch gegen die damalige Regierung äusserten.  Seit dem Militärputsch hat Amnesty International keine Verhaftungen von  Regierungskritikern  und  Menschenrechtsaktivisten  registriert  (vgl.  http://www.amnesty.org/en/region/niger/report­2011  [zuletzt  besucht  am  19. Juli 2011]). Auch in anderen Quellen existieren keine Hinweise, dass  seit der politischen Wende  in Niger  im Februar 2010 Angehörige  lokaler  NGOs  verhaftet wurden. Der Präsident  von  Timidria,  F._______, wurde  2005  verhaftet  und  der  Verbreitung  von  falschen  Informationen  über  Sklaverei beschuldigt, wurde aber nicht verurteilt und wieder freigelassen.  2010  war  Timidria  als  lokale  NGO  mit  Projekten  auch  im  Bereich  der  Nahrungsmittelsicherheit  tätig  und  arbeitete  unter  anderem  mit  der  grossen  britischen  Hilfsorganisation  Oxfam  zusammen.  Im  Juni  2010  empfing der Präsident des "Conseil Consultatif National", Marou Amadou,  Mitglieder  der  Organisation  Timidria,  darunter  deren  Präsidenten  F._______. 4.7. Aufgrund des soeben Ausgeführten ist – entgegen der Behauptung in  der  Rechtsmittelschrift  –  nicht  davon  auszugehen,  dass  in  Niger  Mitglieder von Timidria, die sich öffentlich gegen die Sklaverei einsetzen,  http://www.state.gov/g/drl/rls/hrrpt/2010/af/154362.htm http://www.amnesty.org/en/region/niger/report-2011

D­8056/2010 zum  heutigen  Zeitpunkt  von  den  Behörden  in  Niger  noch  asylrelevante  Nachteile zu befürchten haben. Daher  ist auch nicht anzunehmen, dass  der  Beschwerdeführer  wegen  seiner  Mitgliedschaft  bei  Timidria  beziehungsweise  wegen  seiner  angeblichen  früheren  Tätigkeiten  für  diese  Organisation  respektive  dem  geltend  gemachten  Radiointerview  vom  25. Dezember  2005  zum  heutigen  Zeitpunkt  bei  einer  Rückkehr  in  sein  Heimatland  von  deren  Behörden  asylrelevante  Nachteile  zu  befürchten hat. Dasselbe gilt für die von ihm vorgebrachte Mitgliedschaft  in  der  "Parti  Nigerien  pour  la  Democratie  et  le  Socialisme".  Mangels  Asylrelevanz  kann  daher  verzichtet  werden,  die  vom  Beschwerdeführer  vorgebrachten  Asylvorbringen  unter  dem  Gesichtspunkt  der  Glaubhaftigkeit zu prüfen.  4.8.  Zusammenfassend  ist  festzuhalten,  dass  der  Beschwerdeführer  keine  Gründe  nach  Art.  3  AsylG  glaubhaft  machen  oder  nachweisen  konnte.  Er  vermag  mit  seinen  Beschwerdevorbringen  und  den  eingereichten  Beweismitteln  zu  keiner  anderen  Betrachtungsweise  zu  führen,  weshalb  es  sich  erübrigt,  weiter  darauf  einzugehen.  Die  Vorinstanz hat demnach im Ergebnis zu Recht die Flüchtlingseigenschaft  des Beschwerdeführers verneint und das Asylgesuch abgelehnt. 5.  5.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit  der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 5.2. Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44  Abs. 1 AsylG; BVGE 2009/51 E. 5.1). 6.  6.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder  nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  (Art.  44  Abs.  2  AsylG;  Art.  83  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG,  SR 142.20]).

D­8056/2010 Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt  gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner  Vorgängerorganisation  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte  Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl.  WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser,  Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148). 6.2.  6.2.1.    Der  Vollzug  ist  nicht  zulässig,  wenn  völkerrechtliche  Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des  Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  in  einen  Drittstaat  entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus  einem  Grund  nach  Art.  3  Abs.  1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art.  5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli  1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss  Art.  25  Abs.  3  BV,  Art.  3  des  Übereinkommens  vom  10.  Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder  erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu  Art.  3  der  Konvention  vom  4.  November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR  0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher  oder  erniedrigender  Strafe  oder  Behandlung unterworfen werden. 6.2.2. Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung  nachzuweisen  oder  glaubhaft  zu  machen,  kann  das  in  Art.  5  AsylG  verankerte  Prinzip  des  flüchtlingsrechtlichen  Non­ Refoulements  im vorliegenden Verfahren keine Anwendung  finden. Eine  Rückkehr  des  Beschwerdeführers  in  den  Niger  ist  demnach  unter  dem  Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers  noch  aus  den  Akten  Anhaltspunkte  dafür,  dass  er  für  den  Fall  einer  Ausschaffung in den Niger dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer  nach Art.  3 EMRK oder Art.  1 FoK  verbotenen Strafe  oder Behandlung  ausgesetzt  wäre.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofes  für 

D­8056/2010 Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­Folterausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine  konkrete  Gefahr  ("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft  machen,  dass  ihm  im  Fall  einer  Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche  Behandlung  drohen  würde  (vgl.  EGMR,  [Grosse  Kammer],  Saadi  gegen  Italien,  Urteil  vom  28.  Februar  2008,  Beschwerde  Nr.  37201/06,  §§  124­127,  mit  weiteren  Hinweisen).  Dies  ist  ihm  nach  den  vorstehenden  Erwägungen  nicht  gelungen.  Auch  die  allgemeine  Menschenrechtssituation  in  Niger  lässt  den  Wegweisungsvollzug  zum  heutigen  Zeitpunkt  nicht  als  unzulässig  erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl  im Sinne der asyl­ als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 6.3.  6.3.1. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug  für Ausländerinnen  und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art.  83 Abs.  7  AuG  –  die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren  (vgl.  Botschaft  zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März  2002, BBl 2002 3818). 6.3.2. In Bezug auf die allgemeine Sicherheits­ und Menschenrechtslage  in Niger  kommt  das Bundesverwaltungsgericht  insgesamt  zum Schluss,  dass  in  Niger  keine  Kriegs­  oder  Bürgerkriegssituation  und  auch  keine  Situation  allgemeiner Gewalt  herrscht  und  ein  Vollzug  der Wegweisung  grundsätzlich nicht unzumutbar erscheint.  6.3.3.  Vorliegend  sind  den  Akten  auch  keine  Anhaltspunkte  für  individuelle  Unzumutbarkeitsindizien  zu  entnehmen.  Der  –  soweit  den  Akten zu entnehmen  ist – gesunde,  ledige Beschwerdeführer hat bis zu  seiner Ausreise im Mai 2006 immer in Niger gewohnt. Er hat zudem eine  sehr gute Ausbildung (insbesondere Besuch der Universität) und spricht  neben  Französisch  und  Djerma  auch  etwas  Hausa  und  Englisch.  Überdies  verfügt  der  Beschwerdeführer  über  Berufserfahrung  als  (…)  sowie als (…), weshalb anzunehmen  ist, er könne sich  in seiner Heimat  wieder wirtschaftlich integrieren. Ausserdem ist davon auszugehen, dass  seine  Mutter  sowie  Freunde  von  früher  nach  wie  vor  in  Niger  leben,  weswegen der Beschwerdeführer in seinem Heimatland über ein soziales  Beziehungsnetz  verfügt,  welches  ihm  eine  Reintegration  erleichtern  dürfte.  Die  Rückkehrhilfe  der  Schweiz  wird  ihm  den  Wiedereinstieg  in 

D­8056/2010 Niger  ebenfalls  erleichtern  (vgl.  Art.  62  ff.  der  Asylverordnung  2  über  Finanzierungsfragen  vom  11.  August  1999  [AsylV  2,  SR  142.312).  Schliesslich  ist  darauf  hinzuweisen,  dass  blosse  soziale  und  wirtschaftliche Schwierigkeiten, von denen die ansässige Bevölkerung im  Allgemeinen betroffen  ist, nicht genügen, um eine Gefährdung  im Sinne  von Art. 83 Abs. 4 AuG darzustellen (vgl. BVGE 2008/34 E. 11.2.2). Nach  dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung somit auch als zumutbar  zu bezeichnen.  6.4.  Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der  zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr  notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (Art.  8  Abs.  4  AsylG),  weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist  (Art. 83 Abs. 2 AuG). 7.  Insgesamt ist der durch die Vorinstanz verfügte Vollzug der Wegweisung  zu  bestätigen.  Die  Vorinstanz  hat  den  Vollzug  zu  Recht  als  zulässig,  zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten fällt eine Anordnung  der vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1­4 AuG). 8.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art.  106  AsylG).  Die  Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 9.  9.1.  Der  Beschwerdeführer  beantragt  die  unentgeltliche  Rechtspflege  nach  Art.  65  Abs.  1  VwVG.  Gemäss  dieser  Bestimmung  befreit  die  Beschwerdeinstanz  nach  Einreichung  der  Beschwerde  eine  Partei,  die  nicht über die erforderlichen Mittel verfügt, auf Antrag von der Bezahlung  der Verfahrenskosten, sofern ihr Begehren nicht aussichtslos erscheint.  9.2. Aus  der  Datenbank  des  "Zentralen  Migrationsinformationssystems"  des  BFM  (ZEMIS,  vgl.  ZEMIS­Verordnung  vom  12.  April  2006  [SR 142.513])  ist  ersichtlich,  dass  der Beschwerdeführer  seit November  2010  erwerbstätig  ist,  weshalb  er  nicht  als  bedürftig  zu  erachten  ist.  Mangels  Erfüllen  der  kumulativen  Voraussetzungen  von  Art.  65  Abs.  1  VwVG  (bedürftig/nicht  aussichtslos)  ist  das Gesuch  um Gewährung  der  unentgeltlichen Rechtspflege abzuweisen.

D­8056/2010 9.3.    Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  die  Kosten  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art.  63  Abs.  1  und  5  VwVG)  und  auf  insgesamt  Fr.  600.–  festzusetzen  (Art.  1­3  des  Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite)

D­8056/2010 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  wird  abgewiesen. 3.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  600.­­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen.  4.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Robert Galliker Matthias Jaggi Versand:

D-8056/2010 — Bundesverwaltungsgericht 04.10.2011 D-8056/2010 — Swissrulings