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Bundesverwaltungsgericht 18.01.2012 D-796/2009

18 gennaio 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,605 parole·~13 min·1

Riassunto

Vollzug der Wegweisung | Vollzug der Wegweisung; Verfügung des BFM vom 29. Dezember 2008

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­796/2009 law/rep/sps Urteil   v om   1 8 .   J a nua r   2012 Besetzung Richter Walter Lang (Vorsitz), Richter Bendicht Tellenbach, Richter Robert Galliker; Gerichtsschreiber Philipp Reimann. Parteien A._______, geboren am (…), Georgien, vertreten durch lic. iur. Susanne Gnekow, Rechtsanwältin,  Caritas Schweiz, (…), Beschwerdeführer, gegen Bundesamt für Migration (BFM), Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz. Gegenstand Vollzug der Wegweisung; Verfügung des BFM vom 29. Dezember 2008 / N (…).

D­796/2009 Sachverhalt: A.  Der  Beschwerdeführer,  ein  georgischer  Staatsangehöriger  aus  B._______ in Abchasien, verliess seine Heimat eigenen Angaben zufolge  im Jahre 1992 und  lebte  fortan –  von kurzen Unterbrüchen abgesehen,  bis  Anfang  September  2008  in  Russland.  Schliesslich  gelangte  er  am  5. Oktober 2008 via die Ukraine und weitere Länder illegal in die Schweiz,  wo er am selben Tag um Asyl nachsuchte. Am 20. Oktober 2008 erhob  das  BFM  im  damaligen  Transitzentrum  (heute:  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum;  EVZ)  Altstätten  seine  Personalien  und  befragte  ihn  zu seinem Reiseweg sowie – summarisch – zu seinen Ausreisegründen.  Mit Zwischenverfügung vom 21. Oktober 2008 wies  ihn das BFM für die  Dauer  des  Verfahrens  dem  Kanton  C._______  zu.  Am  11. November  2008  befragte  ihn  das  BFM  in  Bern­Wabern  einlässlich  zu  seinen  Asylgründen.  Dabei  machte  der  Beschwerdeführer  im  Wesentlichen  geltend,  er  habe  im  Jahre  1992  auf  georgischer  Seite  im  Abchasienkonflikt gekämpft und sei Mitglied der georgischen Bürgerwehr  D._______  gewesen.  Im  Herbst  1992  sei  ein  Kampfgenosse,  welcher  gemeinsam  mit  ihm  auf  Patrouille  unterwegs  gewesen  sei,  von  feindlichen  Verbänden  tödlich  verletzt  worden.  Nachdem  er  allein  vom  Patrouillengang  zurückgekehrt  sei,  hätten  ihn  die  übrigen  Angehörigen  der  Bürgerwehr  indessen  verdächtigt,  etwas  mit  dem  Tode  des  Verschwundenen zu  tun zu haben. Dessen Verwandte hätten Blutrache  geschworen.  In  der  Folge  sei  er  zu  einem  nicht  näher  bekannten  Zeitpunkt mit  einem Messer  im Brustbereich  verletzt  worden, wobei  die  Angreifer  ihn für  tot gehalten und einfach  liegen gelassen hätten. Dieser  Umstand  habe  ihm  ermöglicht,  unbemerkt  die  Flucht  zu  ergreifen  und  nach Russland auszureisen.  In den Jahren 2000 beziehungsweise 2004  sei  er  zweimal  kurzfristig  nach  Georgien  zurückgekehrt,  jedoch  anschliessend wieder nach Russland zurückgekehrt: Im Jahre 2000 sei er  für drei Tage  in seine Heimatstadt B._______ zurückgekehrt, weil  seine  Eltern  gestorben  seien.  Im  Jahre  2004  sei  er  abermals  nach  Georgien  zurückgekehrt, um sich verschiedene Dokumente ausfertigen zu  lassen.  So habe ihm die Verwaltung in Tiflis einen Flüchtlingsausweis und einen  Pensionsschein  ausgestellt,  da  ihm  Ärzte  zuvor  schriftlich  seine  Arbeitsunfähigkeit  bestätigt  hätten.  Anschliessend  sei  er  wieder  nach  E._______  in  Russland  zurückgekehrt,  wo  er  einen  kleinen  Laden  betrieben  habe,  in  dem  er  gängige  Kioskartikel  verkauft  habe.  Ende  August 2008 hätten ihn Kinder aus der Nachbarschaft darüber informiert,  dass  Aktivisten  der  Molodaja  Gvardia  seinen  Laden  aus 

D­796/2009 ausländerfeindlichen  Motiven  in  Brand  gesteckt  hätten.  Wenig  später  habe  er  deswegen  Russland  verlassen,  um  in  der  Schweiz  um  Asyl  nachzusuchen. Der  Beschwerdeführer  reichte  im  Rahmen  des  erstinstanzlichen  Verfahrens Kopien eines georgischen Pensionsscheins Nr. (…) vom (…),  eines  georgischen  Flüchtlingsausweises  aus  dem  Jahre  2004,  einer  georgischen  Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung  Nr.  (…)  vom  (…)  und  eines Mitgliederausweises Nr. (…) der D._______ zu den Akten. B.  Mit Verfügung  vom 29. Dezember  2008  –  eröffnet  am 7. Januar  2009 –  stellte  das  BFM  fest,  der  Beschwerdeführer  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft  nicht,  und  lehnte  das  Asylgesuch  ab.  Zur  Begründung  führte  das BFM aus,  dessen Vorbringen,  im  Jahre 1992  in  Abchasien Ziel  einer Blutfehde gewesen  zu  sein,  liege nunmehr  bereits  16  Jahre  zurück,  weshalb  die  Flüchtlingseigenschaft  bereits  mangels  einer  aktuellen  Gefährdung  verneint  werden  müsse.  Soweit  er  demgegenüber  behaupte,  im  August  2008  in  Russland  rassistisch  motivierten Übergriffen ausgesetzt gewesen zu sein, hätte er sich diesen  ohne Weiteres  durch  eine  Rückkehr  nach  Georgien  entziehen  können,  weshalb  er  zu  keinem  Zeitpunkt  auf  eine  Schutzgewährung  durch  die  Schweiz  angewiesen  gewesen  sei.  Gleichzeitig  verfügte  das  BFM  die  Wegweisung des Beschwerdeführers aus der Schweiz und ordnete den  Vollzug  der  Wegweisung  an.  Diesbezüglich  hielt  das  BFM  in  seiner  Verfügung  vom  29. Dezember  2008  fest,  in  Georgien  herrsche  keine  Situation  allgemeiner  Gewalt,  weshalb  nicht  von  einer  konkreten  Gefährdung  der  Bevölkerung  im  Sinne  von  Art. 83  Abs. 4  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember  2005  über  die Ausländerinnen  und  Ausländer  (AuG, SR 142.20) auszugehen sei. Zudem gebe es aufgrund  der  Aktenlage  auch  keine  individuellen  Gründe,  die  gegen  die  Zumutbarkeit  eines  Wegweisungsvollzugs  des  Beschwerdeführers  sprechen  würden.  Insbesondere  gelte  es,  dem  Umstand  Rechnung  zu  tragen, dass sich dieser im April 2004 in Georgien die Arbeitsunfähigkeit  habe  attestieren  und  ihm  im  selben  Zeitraum  ein  Pensionsschein  ausgestellt  worden  sei.  Der  Beschwerdeführer  habe  in  diesem  Zusammenhang  persönlich  zu  Protokoll  gegeben,  dass  er  sich  den  Pensionsschein  in  Georgien  erneuern  lassen  könnte,  falls  er  abermals  arbeitsunfähig  sein  sollte.  Zudem  habe  er  sich  die  Dokumente  nach  eigenem  Bekunden  anfertigen  lassen,  um  sich  die  Möglichkeit  einer  künftigen Rückkehr nach Georgien offenzuhalten. Der Beschwerdeführer 

D­796/2009 kenne  demnach  die  heimischen  Sozialstrukturen  und  werde  sich  zu  helfen wissen, falls diese gegebenenfalls in Anspruch genommen werden  müssten.  Ferner  stehe  es  ihm  frei,  die  Rückkehr  nach  Russland  anzutreten. Da er während 13 Jahren in E._______ gelebt habe, dürfte er  dort  auch  über  ein  soziales  Netzwerk  verfügen.  Die  gegenwärtigen  Ressentiments  gegenüber  den  georgischen  Einwanderern  in  Russland  stellten  kein  Wegweisungshindernis  im  Sinne  des  schweizerischen  Asylgesetzes  dar.  Somit  sei  eine  Rückkehr  des  Beschwerdeführers  sowohl  in  den Heimatstaat Georgien  als  auch  in  dessen Herkunftsstaat  Russland  als  zumutbar  zu  erachten.  Überdies  erweise  sich  ein  Wegweisungsvollzug auch als zulässig und möglich. C.  Mit  Eingabe  vom  6. Februar  2009  erhob  der  Beschwerdeführer  mittels  seiner  Rechtsvertreterin  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  gegen  die  Verfügung  des  BFM  vom  29. Dezember  2008.  Darin  wird  beantragt,  der  angefochtene  Entscheid  sei  aufzuheben,  es  sei  die  Unzumutbarkeit  der  Wegweisung  festzustellen  und  dem  Beschwerdeführer  von  Amtes  wegen  die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren.  In  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  wird  beantragt,  es  sei  dem  Beschwerdeführer die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren, auf die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  sei  zu  verzichten  und  die  Unterzeichnende  sei  ihm  als  unentgeltliche  Rechtsvertretung  beizuordnen. Zur Begründung wird ausgeführt, eine Rückkehr des Beschwerdeführers  nach  Georgien  erweise  sich  als  unzumutbar,  da  er  dort  aufgrund  der  prekären  sozioökonomischen  Lage  mit  an  Sicherheit  grenzender  Wahrscheinlichkeit  kein  existenzsicherndes  Einkommen  erzielen  werde  und als schwer kranke, alleinstehende und überdies der Diskriminierung  ausgesetzte  Person  a  priori  in  eine  existenzbedrohende  Notlage  gelangen  dürfte.  Angesichts  der  Tatsache,  dass  die  nationalistische  Gruppierung Molodaja Gvardia Ende August 2008 einen Brandanschlag  auf  seinen  Kiosk  in  E._______  verübt  und  ihn  damit  zum  definitiven  Verlassen  Russlands  gezwungen  habe,  falle  auch  eine  Rückkehr  nach  Russland ausser Betracht. Ausserdem verfüge er nicht über die russische  Staatsbürgerschaft,  weshalb  er  keine  Möglichkeit  hätte,  dort  dauerhaft  legal  zu  leben. Daran  ändere  auch der Umstand nichts,  dass Russland  bemüht sei, Abchasen russische Pässe zu verteilen, da er im Falle einer  Annahme  der  russischen  Staatsbürgerschaft  die  georgische  Staatsbürgerschaft  aufgeben müsste,  was  er  nicht  zu  tun  beabsichtige, 

D­796/2009 da er nach wie vor auf eine Rückkehr  in sein Heimatland unter anderen  Voraussetzungen  hoffe.  Im Weiteren  verfüge  er  in  Russland  über  kein  soziales  Beziehungsnetz.  Bezeichnenderweise  sei  er  auch  nie  über  ein  allfälliges  soziales  Netz  in  Russland  befragt  worden,  was  eine  unvollständige  Sachverhaltsermittlung  beziehungsweise  eine  Verletzung  des  Untersuchungsgrundsatzes  darstelle.  Von  der  blossen  Aufenthaltsdauer  des  Beschwerdeführers  in  Russland  auf  ein  funktionierendes soziales Umfeld zu schliessen, wie die Vorinstanz dies  getan habe, stelle demgegenüber eine unzulässige Regelvermutung dar.  Darüber  hinaus  stellten  aber  auch  seine  zahlreichen  gesundheitlichen  Probleme ein Wegweisungsvollzugshindernis in Bezug auf beide Staaten  dar, da ihm ein adäquater Zugang zur Gesundheitsversorgung in beiden  Ländern  bereits  mangels  persönlicher  finanzieller  Ressourcen  faktisch  verwehrt sei. Mit  der  Beschwerde  wurde  eine  Fürsorgebestätigung  der  Caritas  C._______ vom 3. Februar 2009, eine Auskunft der SFH­Länderanalyse  ("Georgien: Behandlungsmöglichkeiten von Hepatitis C und der Umgang  mit  Drogensüchtigen")  vom  21. Juni  2005,  eine  Medienmitteilung  SFH  ("Angespannte  Lage:  Keine  Wegweisung  in  den  Kaukasus")  vom  4. September  2008,  einen  ärztlichen  Bericht  von  Dr. med.  F._______,  Facharzt  FMH  für Allgemeine Medizin  vom 30. Januar  2009  sowie  eine  vom  Beschwerdeführer  am  29. Januar  2009  unterzeichnete  Erklärung  betreffend  die  Entbindung  der  ihn  behandelnden  Ärzteschaft  von  deren  beruflicher Schweigepflicht eingereicht. D.  Mit Verfügung vom 11. Februar 2009 teilte das Bundesverwaltungsgericht  dem  Beschwerdeführer  mit,  er  dürfe  den  Ausgang  seines  Verfahrens  gestützt  auf  Art.  42  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR 142.31)  in  der  Schweiz  abwarten,  und  über  das  Gesuch  um  Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021)  werde  zu  einem  späteren  Zeitpunkt  entschieden.  Gleichzeitig  wurde  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  verzichtet,  das  Gesuch  um  unentgeltliche  Rechtsverbeiständung  im  Sinne  von  Art. 65  Abs. 2  VwVG  abgewiesen  und dem BFM Gelegenheit eingeräumt, innert Frist eine Vernehmlassung  zur Beschwerde einzureichen. 

D­796/2009 E.  Das BFM hielt  in  seiner Vernehmlassung vom 30. März 2009 einleitend  fest,  die  Beschwerdeschrift  enthalte  Noven,  welche  in  die  bisherige  Gesamtbeurteilung  einbezogen  werden  müssten.  Gemäss  dem  auf  Beschwerdeebene  eingereichten  ärztlichen  Bericht  leide  der  Beschwerdeführer  an  einer  aktiven  Hepatitis  C,  an  chronischen  skelettären  Schmerzen,  Psoriasis,  einer  reaktiven  Depression  und  sei  opiatabhängig vom Typ Tramadolol und anderer Suchtmittel. Ferner habe  er  einen  Bericht  des  Schweizerischen  Flüchtlingshilfswerks  über  die  Behandlungsmöglichkeiten  von  Hepatitis  C  und  den  Umgang  mit  Drogensüchtigen  in  Georgien  sowie  eine  Medienmitteilung  desselben  Hilfswerks  eingereicht.  Die  medizinischen  Nova  stellten  jedoch  kein  Wegweisungsvollzugshindernis  dar,  da  der  Beschwerdeführer  an  Krankheiten leide, die allesamt in Georgien behandelbar seien. Demnach  müsse  im Rahmen der  folgenden Gesamtwürdigung untersucht werden,  ob  anderweitige  Umstände  in  Kumulation  zu  den  medizinischen  Nova  dazu  führen  könnten,  im  Wegweisungspunkt  zu  einer  anderen  Einschätzung  zu  gelangen.  Im Wesentlichen  gelte  es  zu  prüfen,  ob  die  gemischtethnische  Herkunft  des  Beschwerdeführers  allenfalls  den  Zugang zur medizinischen Versorgung erschweren könnte. Gemäss den  Erkenntnissen  des  BFM  sei  dies  nicht  der  Fall,  da  keine  ethnischen  Zugangsdiskriminierungen  im  georgischen  Gesundheitswesen  bestünden. Dennoch müsse festgehalten werden, dass die medizinische  Versorgung in Georgien nicht allen Personen im selben Mass zugänglich  sei. Die Zugänglichkeit sei namentlich von der Finanzkraft der Patienten  abhängig.  Da  der  Beschwerdeführer  nach  einer  allfälligen  Rückführung  nach Georgien medizinische Rückkehrhilfe  in Anspruch  nehmen  könne,  werde  ihm  indessen  die  Zugänglichkeit  zum  Gesundheitswesen  nicht  verwehrt.  Die  von  der  Rückkehrhilfe  begleiteten   georgischen  Drogenabhängigen erhielten überdies einen privilegierten Zugang zu den  heimischen Drogenentzugsprogrammen, so dass  in diesem Punkt sogar  von  einer  Besserstellung  gegenüber  dem  landesüblichen  Durchschnitt  gesprochen  werden  könne.  Dem  Beschwerdeführer  stehe  es  demnach  offen,  sich  für  ein  solches  Programm  anzumelden.  Die  medizinischen  Nova stellten demzufolge auch in Kumulation der anderen Umstände kein  Wegweisungsvollzugshindernis dar. Zweifellos werde er in Georgien eine  sozioökonomische  schwierige Situation  vorfinden. Doch  auch  in  diesem  Punkt sei darauf hinzuweisen, dass er vom länderspezifischen Programm  der Rückkehrhilfe profitieren könne, wodurch es  ihm möglich sein sollte,  lebenssichernde  Existenzgrundlagen  zu  schaffen.  Im  Übrigen  verwies 

D­796/2009 das  BFM  auf  seine  Erwägungen  in  der  angefochtenen  Verfügung  und  beantragte die Abweisung der Beschwerde. F.  Das Bundesverwaltungsgericht stellte dem Beschwerdeführer am 1. April  2009  die  Vernehmlassung  des  BFM  vom  30. März  2009  zur  Kenntnisnahme zu und räumte ihm die Gelegenheit ein, bis zum 16. April  2009 eine Replik einzureichen. G.  In der Replik vom 16. April 2009 wurde  im Wesentlichen ausgeführt, die  gesundheitlichen  Probleme  des  Beschwerdeführers  seien  in  Georgien  faktisch  nicht  behandelbar,  da  ihm  die  Finanzierung  einer  Behandlung  nicht möglich wäre. Daran ändere  auch der  vorinstanzliche Hinweis  auf  die Möglichkeit einer  Inanspruchnahme der medizinischen Rückkehrhilfe  sowie des länderspezifischen Rückkehrprogramms nichts, da diese Hilfen  zeitlich limitiert seien, die Behandlung einer aktiven Hepatitis C viel Geld  koste (20'000 bis 30'000 Franken), der Beschwerdeführer selbst mittellos  sei,  in  Georgien  über  kein  existenzsicherndes  soziales  Beziehungsnetz  verfüge  und  unter  invalidisierenden  Gesundheitsbeschwerden  leide.  Darüber  hinaus  betrage  die  Arbeitslosigkeit  in  Georgien  offiziell  30  %.  Gerade alleinstehende ältere Menschen sowie Menschen mit chronischer  Krankheit  oder Behinderung  seien  in Georgien  am  stärksten  von Armut  betroffen. H.  Mit Begleitschreiben vom 29. Januar 2010 teilte die Rechtsvertreterin des  Beschwerdeführers  dem  Bundesverwaltungsgericht  unter  Beilegung  eines  ärztlichen Schreibens  von Dr. med. G._______, Oberarzt  am  (…)  vom 18. Oktober  2009 mit,  ihr Mandant habe zunächst  im Vorfeld einer  geplanten  Behandlung  seiner  chronischen  Hepatitis  C­Infektion  eine  Testphase  durchlaufen,  um  abzuschätzen,  ob  dieser  überhaupt  in  der  Lage  sei,  die  mit  erheblichen  Nebenwirkungen  verbundene  Therapie  überhaupt durchzustehen. Dabei sei auch ein psychologisches Gutachten  erstellt und der Beschwerdeführer auf seine Abstinenz von verschiedenen  Suchtmitteln  und  seine  Kooperation  bei  wiederholten  medizinischen  Kontrollen  überprüft  worden.  Gemäss  heutigen  Telefonat  mit  Dr. med.  G._______  sei  die  aktive  Phase  der  Behandlung  ihres  Mandanten  nunmehr  gestartet  worden,  nachdem  die  Testphase  sehr  gut  verlaufen  sei. Die Therapie dauere sechs bis zwölf Monate. Es handle sich dabei  um  eine  vorbeugende  Behandlung  eines  Leberschadens.  Ob  diese 

D­796/2009 Therapie  letztlich  erfolgreich  sei  beziehungsweise  wie  weit  der  Beschwerdeführer danach noch auf ärztliche Hilfe angewiesen sei, könne  zum  heutigen  Zeitpunkt  noch  nicht  gesagt  werden.  Diesbezügliche  ärztliche  Informationen  würden  indessen  selbstverständlich  an  das  Bundesverwaltungsgericht weitergeleitet. I.  Mit  Begleitschreiben  vom  18. März  2010  reichte  die  Rechtsvertreterin  zwei  ärztliche  Berichte  von  Dr.  med.  H._______,  FMH  Innere  Medizin/Gastroenterologie  vom  3. Februar  2010  beziehungsweise  von  Dr. med.  I._______,  FMH  Allgemeine  Medizin  vom  7. März  2010  ein.  Dem  ärztlichen  Bericht  von  Dr.  med.  H._______  vom  3. Februar  2010  zufolge  wird  die  Therapie  gegen  die  Hepatitis  C  mit  PEG­Interferon  Ribavarin 24 Wochen dauern. Der besagte ärztliche Bericht äussert sich  weiter dahingehend, eine Wegweisung des Beschwerdeführers während  der  aktuellen  Therapie  sei  aus  medizinischer  Sicht  nicht  vertretbar,  da  eine Unterbrechung der Therapie mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einem  Rückfall  führen  und  überdies  eine  Resistenzentwicklung  des  Virus  begünstigen würde, was im Falle einer eventuellen Wiederaufnahme der  Therapie  zu  einem  späteren  Zeitpunkt  zu  deutlich  schlechteren  Behandlungsaussichten  führen  würde.  Die  Erkrankung  sei  mit  einer  deutlich erhöhten Morbidität und Mortalität verbunden, da sie im späteren  Verlauf  mit  einer  Leberzirrhose  oder  Leberzellkrebs  assoziiert  sei.  Der  langfristige  Behandlungserfolg  sei  frühestens  sechs  Monate  nach  Abschluss  der  Therapie  abschätzbar,  so  dass  Verlaufskontrollen  bis  zu  diesem Zeitpunkt notwendig seien, um das Rückfallrisiko abschätzen zu  können  beziehungsweise  über  eine  allfällige  Nachfolgetherapie  zu  entscheiden.  Sollte  das  Virus  sechs  Monate  nach  Ende  der  Therapie  nicht mehr nachweisbar  sein,  könne die Behandlung als abgeschlossen  und der Beschwerdeführer als geheilt gelten. Die Behandlung könne auch  dann  als  abgeschlossen  beziehungsweise  die  Krankheit  als  ausgeheilt  gelten, wenn sich  innerhalb eines Jahres nach Ende der Therapie keine  Virusvermehrung mehr nachweisen lasse. Dem ärztlichen Bericht von Dr. med.  I._______ vom 7. März 2010  ist zu  entnehmen, dass der Beschwerdeführer zusätzlich an einer Unterfunktion  der  Nebenschilddrüse  (Hypoparathyreoïdismus)  leidet,  die  zu  einer  Calciumstoffwechselstörung  führt, welche durch Substitution mit Vitamin  D  beziehungsweise  dessen Metaboliten  und Calcium behandelt werden  kann  und  einer  strikten  Überwachung  der  entsprechenden  Blutwerte  bedarf.  Bei  stabilisierten  Verhältnissen  müsse  die  Behandlung  alle  drei 

D­796/2009 bis  sechs  Monate  fortgeführt  werden.  Eine  unbehandelte  Unterfunktion  der  Nebenschilddrüse  verursache  neuromuskuläre  und  neurologische  Symptome,  etwa  beispielsweise  Muskelspasmen,  Gesichtskrämpfe  und  in  extremen  Fällen  Verkrampfungen  im  Kehlkopfbereich  mit  Atemstörungen.  Bei  langer  Dauer  der  Calciumwechselstörung  könnten  auch  chronische  psychische  Störungen  wie  Depressionen  oder  Psychosen,  Herzrhytmusstörungen,  Darmkrämpfe  und  chronische  Verdauungsstörungen (Malabsorption) auftreten. J.  Mit  Eingabe  vom  13.  August  2010  ersuchte  das  Amt  für  Migration  des  Kantons  C._______  um  prioritäre  Behandlung  der  Beschwerde,  da  der  Beschwerdeführer bereits mehrere Male straffällig geworden sei. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und  entscheidet  im  Bereich  des  Asylrechts  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  eines  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]). 1.2.  Der  Beschwerdeführer  hat  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen,  ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt,  hat ein schutzwürdiges  Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise  Änderung  und  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105  AsylG  i.V.m.  Art. 37  VGG  und  Art. 48  Abs. 1  VwVG).  Auf  die  frist­ und formgerecht (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 50 und  Art. 52 Abs. 1 VwVG) eingereichte Beschwerde ist somit einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 

D­796/2009 oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  Wie  in der Verfügung vom 11. Februar 2009  festgestellt,  richtet sich die  vorliegende Beschwerde allein  gegen den  von der Vorinstanz  verfügten  Vollzug  der  Wegweisung.  Entsprechend  der  Rechtsbegehren  und  der  Beschwerdebegründung  bildet  Gegenstand  des  Beschwerdeverfahrens  die  Frage,  ob  das  BFM  den  Vollzug  der  Wegweisung  zu  Recht  als  zulässig und zumutbar erklärt hat.  4.  4.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder  nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AuG). Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt  gemäss  ständiger  Praxis  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte  Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl.  WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.],  Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148). 4.2.  4.2.1.  Der  Vollzug  ist  nicht  zulässig,  wenn  völkerrechtliche  Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des  Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  Art. 3  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom 

D­796/2009 4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher  oder  erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 4.2.2. Die  Vorinstanz  wies  in  ihrer  angefochtenen  Verfügung  zutreffend  darauf hin, dass das Prinzip des  flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulement  nur  Personen  schützt,  die  die  Flüchtlingseigenschaft  erfüllen.  Da  rechtskräftig feststeht, dass es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung  nachzuweisen  oder  glaubhaft  zu  machen,  kann  der  in  Art. 5  AsylG  verankerte  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine Anwendung finden.  Eine Rückkehr  des Beschwerdeführers  in  den Heimatstaat  ist  demnach  unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers  noch  aus  den  Akten  Anhaltspunkte  dafür,  dass  er  für  den  Fall  einer  Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit  einer  nach  Art. 3  EMRK  oder  Art. 1  FoK  verbotenen  Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wäre.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­ Folterausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine  konkrete  Gefahr  ("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft machen,  dass  ihm  im Fall  einer  Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche  Behandlung  drohen  würde  (vgl.  EGMR  [Grosse  Kammer],  Saadi  gegen  Italien,  Urteil  vom  28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 – 127, mit weiteren  Hinweisen).  Der  Beschwerdeführer  macht  zwar  sinngemäss  geltend,  er  würde  im  Falle  einer  Rückkehr  nach  Georgien  nach  wie  vor  Gefahr  laufen,  als  vermeintlicher  Verräter  und  Mörder  eines  Landsmannes  im  Rahmen  seiner  früheren  Zugehörigkeit  zur  Bürgerwehr  D._______  im  Jahre  1992  wiedererkannt  und  zur  Rechenschaft  gezogen  zu  werden  (vgl. Beschwerde S. 6 Ziff. 3.1.4.2 i.V.m. S. 7 Ziff. 3.1.5.3). Der genannte  Vorfall  liegt nun aber zeitlich derart weit zurück, dass aus heutiger Sicht  keine  rechtsgenüglichen  Hinweise  dafür  bestehen,  dass  der  Beschwerdeführer  deswegen  heute  noch  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  einer  Gefahr  an  Leib  und  Leben  ausgesetzt  sein  könnte.  Auch  die  allgemeine Menschenrechtssituation  in Georgien  lässt  den  Wegweisungsvollzug  zum  heutigen  Zeitpunkt  nicht  als  unzulässig  erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl  im Sinne der asyl­ als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig. 4.3. 

D­796/2009 4.3.1. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug  für Ausländerinnen  und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art. 83  Abs. 7  AuG  –  die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren  (vgl.  Botschaft  zum  Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom 8. März 2002, BBl 2002 3818). 4.3.2.  Hinsichtlich  der  allgemeinen  Lage  in  Georgien  ist  anzumerken,  dass  es  Anfang  der  90­er  Jahre  des  letzten  Jahrhunderts  sowie  im  August 2008 zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen russischen  und  georgischen  Kampfverbänden  in  den  georgischen  autonomen  Gebieten Abchasien und Südossetien gekommen und der Status dieser  zwei  Gebiete  nach  wie  vor  ungelöst  ist.  In  Georgien  herrscht  indessen  landesweit  weder  eine  Bürgerkriegssituation  noch  eine  Situation  allgemeiner Gewalt. Es bleibt demnach zu prüfen, ob individuelle Gründe  vorliegen,  die  eine  Rückkehr  des  Beschwerdeführers  in  seinen  Heimatstaat  als  unzumutbar  erscheinen  lassen.  Insbesondere  ist  zu  prüfen,  ob  die  geltend  gemachten  gesundheitlichen  Beschwerden  ein  individuelles Vollzugshindernis bilden. 4.3.3. Nach der Praxis des Bundesverwaltungsgerichts kann im Rahmen  der Tatbestandsvariante der medizinischen Notlage im Sinne von Art. 83  Abs. 4  AuG  nur  dann  auf  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  geschlossen werden, wenn eine notwendige medizinische Behandlung im  Heimatland nicht zur Verfügung steht und die Rückkehr zu einer raschen  und  lebensgefährdenden  Beeinträchtigung  des  Gesundheitszustandes  der  betroffenen  Person  führt,  wobei  als  wesentlich  die  allgemeine  und  dringende  medizinische  Behandlung  erachtet  wird,  welche  zur  Gewährleistung einer menschenwürdigen Existenz absolut notwendig ist.  Unzumutbarkeit  liegt  jedenfalls  dann  noch  nicht  vor,  wenn  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  eine  nicht  dem  schweizerischen  Standard  entsprechende medizinische Behandlung möglich ist (vgl. BVGE 2009/52  E. 10.1  S. 756 f.,  BVGE  2009/51  E. 5.5  S. 748,  BVGE  2009/2  E.  9.3.2  S. 21). 4.3.4. Wie  den  auf  Beschwerdeebene  eingereichten  diversen  ärztlichen  Berichten  entnommen  werden  kann,  wurden  in  der  Schweiz  beim  Beschwerdeführer  mehrere  behandlungsbedürftige  Krankheiten  diagnostiziert.  So  litt  der Beschwerdeführer  bei  seiner Einreise  an einer 

D­796/2009 chronischen aktiven Hepaptitis C,  an  einer Psoriasis  (Schuppenflechte),  an  chronischen  skelettären  Schmerzen  unklarer  Genese,  an  einer  Calciumstoffwechselstörung  als  Folge  einer  Unterfunktion  der  Nebenschilddrüse  (Hypokalziämie bei Hypoparathyreoïdismus),  an einer  Opiatabhängigkeit  vom  Typ  Tramadolol,  an  einer  Drogenabhängigkeit  und an einer reaktiven Depression. 4.3.4.1 Hinsichtlich der Hepatitis C geht aus den ärztlichen Berichten von  Dr. med.  G._______  vom  18. Oktober  2009  beziehungsweise  von  Dr. med.  H._______  vom  3. Februar  2010  hervor,  dass  sich  der  Beschwerdeführer  nach  erfolgreichem  Durchlaufen  einer  medizinischen  Probephase, bei der seine Abstinenz von diversen Suchtmitteln und seine  Kooperation bei wiederholten medizinischen Kontrollen überprüft wurde,  seit  ungefähr  Anfang  des  Jahres  2010  in  einem  aktiven  Therapieprogramm gegen die aktive Hepatitis C befand, welche mit PEG  Interferon  mit  dem  Virostatikum  Ribavarin  durchgeführt  wurde.  Dabei  veranschlagte  Dr. med.  H._______  in  seinem  Bericht  vom  3. Februar  2010 die Dauer der Therapie auf 24 Wochen und hielt ergänzend fest, die  Behandlung  könne  als  abgeschlossen  beziehungsweise  der  Patient  als  geheilt  gelten,  wenn  das  Virus  anlässlich  der  letzten  Verlaufskontrolle  sechs  Monate  nach  Ende  der  Therapie  nicht  mehr  nachweisbar  sei  beziehungsweise bei einem stabilen Verlauf innerhalb eines Jahres nach  Ende  der  Therapie  keine  Virusvermehrung  mehr  festgestellt  werden  könne.  Gleichzeitig  stellte  die  Rechtsvertreterin  in  ihrem  an  das  Bundesverwaltungsgericht adressierten Begleitschreiben vom 29. Januar  2010 die Nachreichung weiterer ärztlicher Informationen in Aussicht. Legt  man die vorerwähnten Zeitparameter zugrunde, wäre die  therapeutische  Behandlung der Hepatitis C des Beschwerdeführers mit Interferon bereits  etwa  im  Juli/  August  2010  abgeschlossen worden. Rechnet man weiter  eine einjährige Beobachtung des Erfolgsverlaufs der Therapie dazu, wäre  die  Gesamtbehandlung  des  Beschwerdeführers  spätestens  im  August  2011  abgeschlossen  gewesen.  Angesichts  der  in  Art. 8  Abs. 1  AsylG  statuierten Mitwirkungspflicht, welche gemäss Art. 8 Abs. 1 Bst. d AsylG  insbesondere  auch  die  Ein­  beziehungsweise  Nachreichung  allfälliger  Beweismittel  umfasst  und  des  bereits  an  früherer  Stelle  erwähnten  Anerbietens  der  Rechtsvertreterin,  aktuelle  ärztliche  Berichte  bezüglich  des Gesundheitszustandes ihres Mandanten unverzüglich nachzureichen  (vgl. für das erstinstanzliche Verfahren BVGE 2009/50 E. 10.2 S. 734 f.),  ist  in  freier  Beweiswürdigung  (Art. 40  des  Bundesgesetzes  vom  4. Dezember  1947  über  den  Bundeszivilprozess  [BZP,  SR 273]  i.V.m.  Art. 19  VwVG)  davon  auszugehen,  dass  die  Nachkontrolle  des 

D­796/2009 Therapieverlaufs  der  behandelten  Hepatitis  C  des  Beschwerdeführers  trotz  Fehlens  entsprechender  ärztlicher  Berichte  spätestens  im  August  2011  abgeschlossen  worden  beziehungsweise  die  entsprechende  Krankheit  des  Beschwerdeführers  seit  diesem  Zeitpunkt  als  geheilt  zu  erachten ist. 4.3.4.2  Hinsichtlich  der  Calciumstoffwechselstörung,  der  skelettären  Schmerzen  unklaren  Ursprungs  und  der  Psoriasis  des  Beschwerdeführers  ist  den  medizinischen  Unterlagen  zu  entnehmen,  dass diese Krankheiten mit entsprechenden Wirkstoffen beziehungsweise  Medikamenten  ohne Weiteres  behandelt  werden  können  (vgl.  ärztlicher  Bericht von Dr. med. F._______ vom 30. Januar 2009 und von Dr. med.  I._______  vom  7. März  2010),  ohne  dass  zusätzliche  Therapiemassnahmen erforderlich sind. 4.3.4.3  Was  die  frühere  Polytoxikomanie  des  Beschwerdeführers  anbelangt,  ist  dem  ärztlichen  Bericht  von  Dr.  med.  H._______  vom  3. Februar  2010  zu  entnehmen,  dass  der  Beschwerdeführer  diese  (aktuell)  sehr  gut  im Griff  habe  und  insbesondere  keine  harten  Drogen  mehr konsumiere, was im Übrigen auch mit der Tatsache korrespondiert,  dass  bei  ihm  nach  erfolgreicher  Testphase  eine  Therapie  gegen  seine  Hepatitis  C  durchgeführt  worden  ist.  So  besehen  ist  aufgrund  der  Aktenlage  davon  auszugehen,  dass  der  Beschwerdeführer  seine  Suchtproblematik  unter  Kontrolle  gebracht  hat.  Soweit  der  Standpunkt  vertreten  wird,  der  Beschwerdeführer  könnte  wieder  in  die  Drogenabhängigkeit abgleiten, wenn er das sichere Umfeld der Schweiz  verlassen beziehungsweise nach Georgien oder Russland zurückkehren  müsse  (vgl. Eingabe vom 29. Januar 2010 S. 1, Ziff. 3),  ist  festzuhalten,  dass diese Annahme einerseits hypothetischer Natur ist und andererseits  auch  eine  gewisse  Eigenverantwortung  des  Beschwerdeführers  vorausgesetzt und erwartet werden kann. 4.4.  Nach  den  Erkenntnissen  des  Bundesverwaltungsgerichts  war  das  Gesundheitswesen  in  Georgien  in  den  letzten  Jahren  einer  starken  Umstrukturierung  unterworfen.  Vor  allem  in  den  letzten  zwei  bis  drei  Jahren hat die medizinische Versorgung  in Georgien grosse Fortschritte  gemacht.  Viele  Kliniken  wurden  privatisiert  und  der  Grossteil  der  Einrichtungen  ist  mittlerweile  gut  ausgerüstet.  Ebenso  sind  fast  alle  Krankheiten  in  Georgien  behandelbar.  Jede  Stadt  hat  mindestens  ein  Krankenhaus und ein Zentrum für ambulante Behandlung. In den Dörfern  ist  jeweils  ein  Family  Doctor  und  eine  Krankenschwester  stationiert.  Im 

D­796/2009 Weiteren  ist  darauf  hinzuweisen,  dass  in  Georgien  alle  Arten  von  Medikamenten des westeuropäischen Marktes als Originalpräparate oder  Generika zur Verfügung stehen. Darüber hinaus existiert in Georgien seit  dem  Jahre  2006  ein  Sozialhilfeprogramm  für  Personen  unter  der  Armutsgrenze, das eine kostenlose Krankenversicherung einschliesst. 4.5.  Aufgrund  des  Gesagten  ist  davon  auszugehen,  dass  die  gesundheitlichen  Probleme  des  Beschwerdeführers  auch  in  Georgien  adäquat  behandelt  werden  können.  Wegen  des  im  Jahre  2006  eingeführten  Sozialhilfeprogramms  für  Bedürftige  ist  anzunehmen,  dass  der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr in sein Heimatland selbst dann  Zugang  zu  den  notwendigen  Behandlungen  haben  wird,  wenn  es  ihm  nicht möglich  sein  sollte,  selbst  für  sämtliche Kosten der Behandlungen  aufzukommen.  Abgesehen  davon  hat  der  Beschwerdeführer  die  Möglichkeit,  beim BFM  einen Antrag  auf medizinische Rückkehrhilfe  zu  stellen  (Art. 93  Abs. 1  Bst. d  AsylG,  Art. 75  der  Asylverordnung  2  vom  11. August  1999  über  Finanzierungsfragen  [AsylV 2,  SR 142.312])  und  fürs Erste, einen Medikamentenstock aus der Schweiz mitzunehmen. Der  Umstand, dass die Behandlungsmöglichkeiten im Herkunftsland eventuell  nicht  dem  medizinischen  Standard  in  der  Schweiz  entsprechen,  macht  den  Vollzug  der  Wegweisung  für  den  Beschwerdeführer  noch  nicht  unzumutbar;  dies  wäre  einzig  dann  der  Fall,  wenn  die  ungenügende  Möglichkeit der Weiterbehandlung eine drastische und lebensbedrohende  Verschlechterung  des  Gesundheitszustandes  nach  sich  ziehen  würde,  was vorliegend aufgrund der Akten sowie der in der Heimat bestehenden  Behandlungsmöglichkeiten  nicht  anzunehmen  ist.  Es  ist  somit  zusammenfassend  festzustellen,  dass  die  gesundheitlichen  Probleme  des Beschwerdeführers kein Wegweisungsvollzugshindernis darstellen. 4.6. Wiewohl  der Beschwerdeführer  nach  eigenen Angaben  –  von  zwei  kurzzeitigen  Aufenthalten  in  Georgien  in  den  Jahren  2000  und  2004  abgesehen – seit 1992 nicht mehr in seiner Heimat gelebt hat, leben dort  eine Schwester, zwei Tanten und ein Onkel sowie mehrere Cousins und  Cousinen  (vgl.  act.  A1/12  S. 3  Ziff. 12).  Da  der  Beschwerdeführer  die  Originale  der  im  Jahre  2004  in  Tiflis  erhältlich  gemachten  heimatlichen  Dokumente  (Pensionsschein,  Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung  und  Flüchtlingsausweis)  gemäss  eigenen  Verlautbarungen  bei  seiner  Schwester  in Tiflis hinterlegt hat,  ist zumindest davon auszugehen, dass  er sie  im Jahre 2004 in der georgischen Hauptstadt besucht hat und ein  vertrautes Verhältnis zu ihr zu haben scheint. Bei dieser Sachlage bleibt  es  ihm unbenommen, seine Kontakte zu  ihr zu  reaktivieren. Ausserdem 

D­796/2009 ist es ihm zuzumuten, auch seine Kontakte zu seinen übrigen in Georgien  wohnhaften  Verwandten  zu  intensivieren,  weshalb  von  einem  Beziehungsnetz des Beschwerdeführers in Georgien auszugehen ist, das  ihm eine Reintegration zweifellos erleichtern sollte. Abgesehen davon ist  festzuhalten, dass blosse soziale und wirtschaftliche Schwierigkeiten, von  denen  die  ansässige  Bevölkerung  im  Allgemeinen  betroffen  ist,  nicht  genügen,  um  eine  Gefährdung  im  Sinne  von  Art. 83  Abs. 4  AuG  darzustellen (vgl. BVGE 2008/34 E. 11.2.2, EMARK 2005 Nr. 24 E. 10.1  S. 215, EMARK 2003 Nr. 24 E. 5e S. 159). 4.7.  Zusammenfassend  ergibt  sich,  dass  die  Vorinstanz  den  Wegweisungsvollzug  zu  Recht  als  zulässig  und  zumutbar  erachtet  hat.  Die Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt daher nicht in Betracht. 5.  Aus  diesen  Erwägungen  folgt,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die  Beschwerde ist demnach abzuweisen. 6.  Bei  diesem Ausgang  des  Verfahrens wären  die  Kosten  des  Verfahrens  grundsätzlich  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  VwVG). Da sich die Beschwerde vom 6. Februar 2009 indessen nicht als  aussichtslos  erweist  und  nach  wie  vor  von  dessen  Bedürftigkeit  auszugehen  ist,  ist  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im Sinne  von Art. 65 Abs. 1 VwVG gutzuheissen  und  von  der Erhebung von Verfahrenskosten abzusehen. (Dispositiv nächste Seite)

D­796/2009 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  wird  gutgeheissen. 3.  Es werden keine Kosten erhoben. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Walter Lang Philipp Reimann Versand:

D­796/2009 Zustellung erfolgt an: – die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers (Einschreiben) – das BFM, Asyl und Rückkehr, Zentrale Verfahren und Rückkehr, mit  den Akten N (…) (per Kurier; in Kopie) – das Amt für Migration des Kantons Luzern ad LU (…) (in Kopie)

D-796/2009 — Bundesverwaltungsgericht 18.01.2012 D-796/2009 — Swissrulings