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Bundesverwaltungsgericht 30.12.2011 D-7950/2009

30 dicembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,978 parole·~15 min·1

Riassunto

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 19. November 2009 . Referenzurteil.

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung IV D­7950/2009 Urteil   v om   3 0 .   D e z embe r   2011 Besetzung Richter Robert Galliker (Vorsitz), Richter Kurt Gysi, Richter Gérald Bovier, Richterin Claudia Cotting­Schalch (Abteilungspräsidentin), Richter Walter Lang; Gerichtsschreiber Matthias Jaggi. Parteien A._______, geboren (…),  alias B._______, geboren (…), Afghanistan,   vertreten durch lic. iur. Michael Guidon,  Berner Rechtsberatungsstelle für Menschen in Not,  (…), Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 19. November 2009 / N (…).

D­7950/2009 Sachverhalt: A.  Eigenen  Angaben  zufolge  gelangte  der  Beschwerdeführer  am  26.  Mai  2009  in  die  Schweiz,  wo  er  am  28.  Mai  2009  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  (EVZ) C._______  um Asyl  nachsuchte. Dazu wurde  er am 11. Juni 2009 im EVZ C._______ befragt (Kurzbefragung) und am  30. Juni 2009 am selben Ort angehört (Anhörung). B.  Im Wesentlichen machte  der  Beschwerdeführer  zur  Begründung  seines  Asylgesuchs geltend, er sei sunnitischer Paschtune und stamme aus der  Stadt D._______ (Provinz Samangan), wo er bis zu seiner Ausreise aus  Afghanistan auch gelebt habe. Sein Vater und sein älterer Bruder seien  für  die  Taliban  tätig  gewesen,  als  diese  in  seinem Heimatgebiet  an  der  Macht gewesen seien. Sein Vater sei im Jahre 1999 von den Leuten, die  heute  wieder  an  der  Macht  seien,  getötet  worden.  Sein  älterer  Bruder  habe  im  Jahre  2002  ins  Ausland  fliehen  müssen,  als  das  Regime  der  Taliban  gestürzt  worden  sei.  Am  25.  Januar  2008  sei  er  von  den  Behörden festgenommen und zum Amt für Nationale Sicherheit gebracht  worden,  wo  man  ihm  Fragen  über  seinen  Bruder  gestellt  und  ihn  insbesondere  durch  Schlafentzug  misshandelt  habe.  Seine  Mutter  sei  deswegen  zu  den  Orts­ältesten  gegangen  und  habe  diese  um  Unterstützung  gebeten.  Da  sein  Vater  ein  angesehener  Geistlicher  gewesen  sei,  hätten  ihm  die  Ältesten  gegenüber  den  Behörden  einen  guten Leumund ausgestellt, weshalb er nach fünfzehn Tagen Haft wieder  freigelassen worden  sei.  Ende April  beziehungsweise  Anfang Mai  2008  sei  er  von  den  Behörden  ein  zweites Mal  festgenommen worden.  Sein  Onkel  habe  sich  daraufhin  bei  den  Behörden  gemeldet  und  diesen  klarzumachen versucht,  dass er  (der Beschwerdeführer)  unschuldig  sei.  Die  Behörden  hätten  seinem  Onkel  gesagt,  dass  sie  ihn  (den  Beschwerdeführer)  an  die  Amerikaner  ausliefern  würden,  falls  er  nicht  4'000  USD  bezahle.  Nachdem  sein  Onkel  das  verlangte  Geld  bezahlt  habe,  sei  er  (der  Beschwerdeführer)  nach  zwei  Tagen  freigelassen  worden.  Anschliessend  habe  er  sich  wenige  Tage  bei  seinem Onkel  in  Mazar­i­Sharif  aufgehalten,  bevor  er  wieder  nach  Hause  zurückgekehrt  sei. Dort  habe er  in  permanenter Angst  gelebt,  da  die Behörden  immer  wieder  Leute  –  meistens  Paschtunen  –  unter  dem  Vorwand  festgenommen hätten, sie gehörten zu den Taliban. Im September 2008,  als die Behörden erneut begonnen hätten, eine Razzia durchzuführen, sei  sein Onkel zu ihm gekommen und habe ihm geraten zu fliehen, da er ihm 

D­7950/2009 nicht helfen könne, falls er (der Beschwerdeführer) erneut festgenommen  würde.  Nachdem  er  sich  ein  paar  Tage  bei  seinem  Onkel  in  Mazar­i­ Sharif aufgehalten habe, sei er mit Hilfe von Schleppern via den Iran, wo  er zirka drei Monate geblieben sei,  in die Türkei gereist. Von dort sei er  nach  drei  Monaten  per  LKW  durch  im  unbekannte  Länder  an  einen  unbekannten  Ort  gefahren,  von  wo  er  mit  dem  Zug  nach  C._______  gelangt  sei.  Bezüglich  der  weiteren  Aussagen  des  Beschwerdeführers  wird auf die Akten verwiesen.  Im  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  reichte  der  Beschwerdeführer  eine  Taskara  (Identitätskarte),  eine  Schulbestätigung,  ein  Schreiben  des  Amtes  der  Innensicherheit,  Kriminalfallbüro  E._______,  vom  29.  September  2008  (inklusive  deutscher  Übersetzung),  eine  Wohnsitzbestätigung vom 9. Juli 2009 betreffend den Beschwerdeführer  (inklusive  deutscher  Übersetzung)  sowie  einen  Briefumschlag  zu  den  Akten. C.  Mit  Verfügung  vom  19.  November  2009  –  eröffnet  am  folgenden  Tag –  stellte  das  BFM  fest,  der  Beschwerdeführer  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft nicht, und  lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig  verfügte es die Wegweisung aus der Schweiz und deren Vollzug.  Als  Begründung  führte  die  Vorinstanz  im  Wesentlichen  aus,  der  Beschwerdeführer habe im Rahmen der Anhörung erklärt, er sei während  der fünfzehntägigen Haft im Januar/Februar 2008 durch Schlafentzug und  Schläge gefoltert worden. Solche Erlebnisse bildeten erfahrungsgemäss  ein  wichtiges  Element  in  der  Begründung  eines  Asylgesuchs,  weshalb  erwartet  hätte  werden  dürfen,  dass  der  Beschwerdeführer  diese  Vorbringen bereits anlässlich der Kurzbefragung zumindest ansatzweise  erwähnt  hätte,  was  er  jedoch  nicht  getan  habe,  weswegen  sie  nicht  glaubhaft seien. Der Beschwerdeführer habe geltend gemacht, er sei von  den Behörden anlässlich seiner Inhaftierung nach seinem Bruder, der bei  den Taliban bis zu deren Vertreibung aktiv gewesen sei, gefragt worden.  Das BFM erachte es als unwahrscheinlich und realitätsfremd, dass er im  Zusammenhang  mit  seinem  Bruder  festgenommen  und  befragt  worden  sei,  nachdem  sein  Bruder  bereits  im  Jahre  2002  aus  Afghanistan  geflüchtet  sei.  Auch  aus  diesem  Grund  sei  die  Haft  des  Beschwerdeführers  zweifelhaft.  Er  bringe  vor,  er  sei  zweimal  inhaftiert  gewesen.  Seine  Inhaftierungen  habe  er  jedoch  in  einer  wenig  differenzierten  Weise  geschildert,  die  nicht  den  Eindruck  zu  erwecken 

D­7950/2009 vermöge,  dass  die  Inhaftierungen  tatsächlich  persönlich  erlebt  worden  seien.  Jede  beliebige  Person  wäre  in  der  Lage,  das  Gleiche  nachzuerzählen,  ohne  tatsächlich  inhaftiert  gewesen  zu  sein.  Der  Beschwerdeführer  habe  als  Beweismittel  einen  Suchbefehl  des   Amtes  der  Innensicherheit,  Kriminalfallbüro  E._______,  vom  29. September  2008, der gegen ihn gerichtet sei, eingereicht. Es sei allgemein bekannt,  dass  im  Heimatstaat  des  Beschwerdeführers  solche  Dokumente  ohne  weiteres  unrechtmässig  erworben  werden  könnten,  weshalb  ihr  Beweiswert  als  äusserst  gering  eingestuft  werden  müsse.  Im  vorliegenden  Fall  sei  nicht  einsichtig,  wie  der  Beschwerdeführer  in  den  Besitz  eines  für  den  internen  Gebrauch  einer  Kriminalbehörde  bestimmten Suchbefehls habe kommen können. Vor dem Hintergrund der  oben  erwähnten  Unglaubhaftigkeitselemente  sei  davon  auszugehen,  dass dieser Suchbefehl nicht echt sei und  ihm daher keine Asylrelevanz  zukomme.  Die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  hielten  den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit  gemäss  Art.  7  des  Asylgesetzes  vom  26.  Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  nicht  stand,  so  dass  ihre  Asylrelevanz  nicht  geprüft  werden müsse. Überdies  sei  der  Vollzug  der  Wegweisung als zulässig, zumutbar und möglich zu bezeichnen. Für die  weitere Begründung wird auf die vorinstanzliche Verfügung verwiesen. D.  Mit  Beschwerde  vom  21.  Dezember  2009  an  das  Bundesverwaltungsgericht  liess  der  Beschwerdeführer  durch  seinen  Rechtsvertreter  in materieller Hinsicht  beantragen, es  sei  die Verfügung  der  Vorinstanz  aufzuheben,  es  sei  festzustellen,  dass  er  die  Flüchtlingseigenschaft  erfülle  und  es  sei  ihm  Asyl  zu  gewähren.  Eventualiter  sei  festzustellen,  dass  der Wegweisungsvollzug  unzulässig  und  unzumutbar  sei.  Die  Vorinstanz  sei  anzuweisen,  ihn  vorläufig  aufzunehmen.  In  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  ersuchte  der  Beschwerdeführer  überdies  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege sowie um Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses.  Auf  die  Begründung  der  Beschwerde  wird,  soweit  entscheidrelevant,  in  den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.  Mit  der  Rechtsmittelschrift  wurden  vier  Internetberichte  bezüglich  der  Situation  in  Afghanistan  sowie  eine  Fürsorgebestätigung  vom  15.  Dezember 2009 eingereicht.  E.  Mit Verfügung vom 24. Dezember 2009 stellte der Instruktionsrichter des 

D­7950/2009 Bundesverwaltungsgerichts  fest,  der  Beschwerdeführer  könne  den  Ausgang  des  Verfahrens  in  der  Schweiz  abwarten.  Ferner  verfügte  er,  dass über das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege  im  Endentscheid  zu  befinden  sei  und  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses verzichtet werde.  Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM  gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105  AsylG;  Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]).  Eine  solche  Ausnahmekonstellation  liegt nicht vor. 1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.3. Die Beschwerde ist frist­ und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 1  AsylG,  Art.  105  AsylG  i.V.m.  Art.  37  VGG  und  Art.  52  VwVG).  Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung;  er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art.  105  AsylG  i.V.m.  Art.  37  VGG  und  Art.  48  Abs.  1  VwVG).  Auf  die  Beschwerde ist somit einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige 

D­7950/2009 oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  Gestützt  auf  Art.  111a  Abs.  1  AsylG  verzichtete  das  Bundesverwaltungsgericht auf die Durchführung eines Schriftenwechsels.  4.  4.1.  Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Als  Flüchtling  wird  eine  ausländische  Person  anerkannt,  wenn  sie  in  ihrem  Heimatstaat  oder  im  Land,  in  dem  sie  zuletzt  wohnte,  wegen  ihrer Rasse, Religion, Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen  Anschauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete  Furcht  hat,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden.  Als  ernsthafte  Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder  Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck  bewirken (Art. 3 AsylG).  4.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art.  7  AsylG). 4.3.  Grundsätzlich  sind  Vorbringen  dann  glaubhaft  gemacht,  wenn  sie  genügend substanziiert,  in  sich  schlüssig und plausibel  sind. Sie dürfen  sich  nicht  in  vagen Schilderungen  erschöpfen,  in wesentlichen  Punkten  nicht  widersprüchlich  sein,  der  inneren  Logik  entbehren  oder  den  Tatsachen  oder  der  allgemeinen  Erfahrung  widersprechen.  Darüber  hinaus muss der Gesuchsteller  persönlich  glaubwürdig  erscheinen, was  insbesondere  dann  nicht  der  Fall  ist,  wenn  er  wichtige  Tatsachen  unterdrückt  oder  bewusst  falsch  darstellt,  im  Laufe  des  Verfahrens  Vorbringen auswechselt, steigert oder unbegründet nachschiebt oder die  nötige Mitwirkung am Verfahren verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet  ferner – im Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass  und  lässt  durchaus  Raum  für  gewisse  Einwände  und  Zweifel  an  den  Vorbringen des Gesuchstellers. Entscheidend ist, ob die Gründe, welche 

D­7950/2009 für  die  Richtigkeit  der  Sachverhaltsdarstellung  sprechen,  überwiegen  oder nicht. Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen (vgl. Art.  7  AsylG;  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  [vormaligen]  Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2005 Nr. 21 E. 6.1. S.  190 f.). 5.  5.1.  Vorab  ist  festzustellen,  dass  der  Beschwerdeführer  den  Wortlaut  sämtlicher  Protokolle  mit  seiner  Unterschrift  genehmigt  hat  und  sich  deshalb  seine  Aussagen  entgegenhalten  lassen  muss.  Im Weiteren  ist  darauf hinzuweisen, dass den Aussagen einer asylsuchenden Person  in  der  Empfangsstelle  beziehungsweise  im  Empfangszentrum  zu  den  Asylgründen angesichts des summarischen Charakters der Befragung für  die  Beurteilung  der  Glaubhaftigkeit  nur  ein  beschränkter  Beweiswert  zukommt  (vgl.  EMARK  2005  Nr.  7  E.  6.2.1.  S.  66  und  dort  zitierte,  weiterhin  gültige  Praxis).  Widersprüche  dürfen  nur  dann  herangezogen  werden,  wenn  klare  Aussagen  im  Empfangszentrum  in  wesentlichen  Punkten  der  Asylbegründung  von  den  späteren  Aussagen  in  der  Anhörung beim Kanton oder beim BFM diametral abweichen, oder wenn  bestimmte  Ereignisse  oder  Befürchtungen,  welche  später  als  zentrale  Asylgründe  genannt  werden,  nicht  bereits  in  der  Befragung  im  Empfangszentrum zumindest ansatzweise erwähnt werden. 5.2. Das Gericht kommt nach Prüfung der Akten zum Schluss, dass die  Asylvorbringen  des  Beschwerdeführers  in  wesentlichen  Punkten  widersprüchlich  beziehungsweise  unglaubhaft  sind.  So  sagte  er  anlässlich  der  Kurzbefragung  Folgendes  aus:  Als  er  Ende  April/Anfang  Mai  2008  zum  zweiten  Mal  festgenommen  worden  sei,  hätten  ihm  die  Sicherheitsbeamten  gesagt:  "Wir  werden  Dich  an  die  Amerikaner  ausliefern,  es  sei  denn, du gibst  uns Geld." Er habe seinem Onkel,  der  ihn im Gefängnis besucht habe, davon erzählt, woraufhin der Onkel 4'000  USD  bezahlt  habe.  So  sei  er  freigekommen  (Akten  BFM  A  1/9  S.  5).  Demgegenüber gab der Beschwerdeführer bei der Anhörung zu Protokoll:  Als  er  Ende  April/Anfang  Mai  2008  zum  zweiten  Mal  festgenommen  worden  sei,  habe  sich  sein  Onkel  bei  den  Behörden  gemeldet  und  versucht,  ihnen  klarzumachen,  dass  er  (der  Beschwerdeführer)  unschuldig sei. Die Behörden hätten seinem Onkel gesagt: "Entweder du  gibst  uns  so  und  so  viel  Geld  oder  wir  werden  deinen  Neffen  nach  Bagram  an  die  Amerikaner  ausliefern."  Sein  Onkel  habe  daraufhin  die  verlangten  4'000 USD  bezahlt,  so  sei  er  freigekommen  (A  8/17  S.  10).  Widersprüchlich  äusserte  sich  der  Beschwerdeführer  auch  hinsichtlich 

D­7950/2009 der  Fragen,  die  ihm  die  Behörden  angeblich  während  seiner  Haft  im  Januar/Februar  2008  gestellt  hatten.  So  sagte  er  anlässlich  der  Kurzbefragung  aus,  es  seien  ihm  Fragen  nach  seinem  Bruder  gestellt  worden (A 1/9 S. 4), während er bei der Anhörung zu Protokoll gab, er sei  Folgendes  gefragt  worden:  "Wo  ist  dein  Bruder,  wie  funktioniert  eure  Organisation  hier?"  Es  ist  davon  auszugehen,  dass  der  Beschwerdeführer  bereits  anlässlich  der  Kurzbefragung  vorgebracht  hätte, dass er bei den Verhören nach der "Organisation" befragt worden  sei,  wenn  sich  das  Geschilderte  tatsächlich  wie  behauptet  zugetragen  hätte, zumal er dabei jeweils geschlagen worden sei (A 8/17 S. 12).  Im  Weiteren  ist  darauf  hinzuweisen,  dass  der  Beschwerdeführer  erst  anlässlich  der  Anhörung  geltend  machte,  er  sei  während  seiner  fünfzehntägigen  Haft  im  Januar/Februar  2008  durch  Schlafentzug  und  Schläge  misshandelt  worden  (A  8/17  S.  10).  Derartige  einschneidende  Erlebnisse  bilden  ein  zentrales  Element  in  der  Begründung  eines  Asylgesuchs.  Es  ist  daher  nicht  nachvollziehbar,  weshalb  der  Beschwerdeführer  dies  nicht  bereits  bei  der  Kurzbefragung  zumindest  ansatzweise erwähnte. Sodann ist festzuhalten,  dass auf  entsprechende  Frage   zu  den  Schlägen  (A  8/17  F 89)  die  geltend  gemachten  Ausführungen  des  Beschwerdeführers  "im  Rahmen  einer  etwas  detaillierteren  Darstellung"  (vgl.  Beschwerdevorbringen  S.  3)  einen  breiteren  Raum  hätten  einnehmen  müssen,  und  sich  nicht  in  Allgemeinplätzen erschöpfen. Die entsprechende Antwort  (A 8/17 F 89),  "in  Afghanistan  bestehen  Schläge  aus  Attacken  mit  Fäusten  und  Fusstritten, Stockhieben", lässt eine persönliche Betroffenheit vermissen. Soweit der Beschwerdeführer zu Protokoll gibt, er sei von den Behörden  anlässlich  seiner  ersten  Inhaftierung  im  Januar/Februar  2008  nach  seinem  Bruder  befragt  worden,  der  bei  den  Taliban  bis  zu  deren  Vertreibung aktiv gewesen sei (A 1/9 S. 4, A 8/17 S. 12), ist festzuhalten,  dass es als  unwahrscheinlich  und  im afghanischen Kontext  realitätsfern  erscheint, dass er  im Zusammenhang mit seinem Bruder festgenommen  und befragt worden sein soll, da er vorbringt, sein Bruder sei bereits  im  Jahre  2002  aus  Afghanistan  geflüchtet  (A  1/9  S.  4).  Es  ist  davon  auszugehen,  dass  die  Behörden  den  Beschwerdeführer  nicht  erst  im  Jahre  2008,  sondern  bereits  früher  nach  seinem Bruder  befragt  hätten,  hätten sie tatsächlich ein Interesse an der Person seines Bruders gehabt.  Gegen  die  Glaubhaftigkeit  der  Vorbringen  spricht  ausserdem  der  Umstand,  dass  die  Aussagen  des  Beschwerdeführers  bezüglich  seiner 

D­7950/2009 Verhaftungen  und  seiner  Inhaftierungen  wenig  detailliert  und  unsubstanziiert ausgefallen sind  (A 8/17 S. 10  ff.). Den diesbezüglichen  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  fehlen  die  notwendigen  Realkennzeichen einer Erzählung. Namentlich ist den Äusserungen nicht  der erforderliche Detailreichtum einer auf tatsächlich erlebten Ereignissen  basierenden  Schilderung  zu  entnehmen.  Die  Behauptung  in  der  Rechtsmittelschrift,  wonach  der  Beschwerdeführer  die  ihm  zu  den  Haftumständen  gestellten  Fragen  detailliert  beantwortet  habe,  ist  unzutreffend.  Abgesehen  davon  gibt  der  Beschwerdeführer  in  diesem  Zusammenhang  zu,  dass  er  nicht  jedes  Element  seiner  Erlebnisse  frei  erzählend  detailliert  darstellen  könne,  ohne  jedoch  konkret  darzulegen,  weshalb er dazu von sich aus nicht in der Lage war. Gestützt auf das vorstehend Ausgeführte ist – entgegen der Behauptung  in der Rechtsmittelschrift  – zu schliessen, dass es sich bei der von  ihm  geltend gemachten Verfolgung  in Afghanistan  lediglich um ein Konstrukt  handelt.  Auch  das  Schreiben  des  Amtes  der  Innensicherheit,  Kriminalfallbüro E._______, vom 29. September 2008  ist nicht geeignet,  die  behauptete  Verfolgung  glaubhaft  zu  machen.  Zum  einen  ist  es  gerichtsnotorisch,  dass  insbesondere  Asylbewerber  aus  Afghanistan  unter  Inanspruchnahme  unlauterer  Machenschaften  behördliche  und  andere  Dokumente  zur  Stützung  ihrer  Asylvorträge  beibringen.  Zum  anderen  ist  nicht  nachvollziehbar,  wie  der  Beschwerdeführer  in  den  Besitz dieses vorgelegten Schreibens kommen konnte, zumal es sich um  einen  für  den  internen  Gebrauch  einer  Kriminalbehörde  bestimmten  Suchbefehl  handelt.  Die  Behauptung  des  Beschwerdeführers  anlässlich  der Anhörung respektive  in der Beschwerde, wonach seiner Mutter eine  Vorladung  übergeben  worden  sei  (A  8/17  S.  3),  vermag  an  dieser  Einschätzung  nichts  zu  ändern,  zumal  es  sich  beim  eingereichten  Schreiben  vom  29.  September  2008  nicht  um  eine  Vorladung,  sondern  um  einen  Suchbefehl  handelt.  Nach  dem  Gesagten  und  vor  dem  Hintergrund  der  vorstehend  erwähnten  Unglaubhaftigkeitselemente  kommt dem Schreiben vom 29. September 2008 folglich kein Beweiswert  zu. Zusammenfassend  ist  somit  festzustellen,  dass  es  dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  nachzuweisen  oder  glaubhaft  zu  machen, dass er in der Heimat ernsthafte Nachteile gemäss Art. 3 AsylG  erlitten hat oder solche bei der Ausreise zu befürchten hatte oder im Falle  einer  Rückkehr  nach  Afghanistan  befürchten  müsste.  Nach  dem  Gesagten  erübrigt  es  sich,  auf  die  Ausführungen  und  Einwände  in  der 

D­7950/2009 Beschwerde  beziehungsweise  die  eingereichten  Beweismittel  weiter  einzugehen, da sie am Ergebnis nichts ändern können. Das BFM hat das  Asylgesuch des Beschwerdeführers demnach zu Recht abgelehnt. 6.  6.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit  der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 6.2. Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44  Abs. 1 AsylG; BVGE 2009/50 E. 9., EMARK 2001 Nr. 21). 7.  7.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder  nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  (Art. 44  Abs. 2  AsylG;  Art. 83  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG,  SR 142.20]). Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt  gemäss  ständiger  Praxis  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte  Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl.  WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser  [Hrsg.],  Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148). 7.2.  7.2.1.  Der  Vollzug  ist  nicht  zulässig,  wenn  völkerrechtliche  Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des  Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  einen  Drittstaat  entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus  einem  Grund  nach  Art. 3  Abs. 1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr  läuft,  zur  Ausreise  in  ein  solches  Land  gezwungen  zu  werden  (Art. 5  Abs. 1  AsylG;  vgl.  ebenso  Art. 33  Abs. 1  des  Abkommens  vom  28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).

D­7950/2009 Gemäss  Art. 25  Abs. 3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR 101),  Art. 3  des  Übereinkommens  vom  10. Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR 0.105)  und  der  Praxis  zu  Art. 3  der  Konvention  vom  4. November 1950 zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten  (EMRK,  SR 0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher  oder  erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden. 7.2.2. Die  Vorinstanz  wies  in  ihrer  angefochtenen  Verfügung  zutreffend  darauf hin, dass das Prinzip des  flüchtlingsrechtlichen Non­Refoulement  nur Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der  in Art. 5  AsylG  verankerte  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  im  vorliegenden  Verfahren  keine  Anwendung  finden.  Eine  Rückkehr  des  Beschwerdeführers  in  den  Heimatstaat  ist  demnach  unter  dem  Aspekt  von Art. 5 AsylG rechtmässig. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers  noch  aus  den  Akten  Anhaltspunkte  dafür,  dass  er  für  den  Fall  einer  Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit  einer  nach  Art. 3  EMRK  oder  Art. 1  FoK  verbotenen  Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wäre.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­ Folterausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine  konkrete  Gefahr  ("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft machen,  dass  ihm  im Fall  einer  Rückschiebung  Folter  oder  unmenschliche  Behandlung  drohen  würde  (vgl.  EGMR  [Grosse  Kammer],  Saadi  gegen  Italien,  Urteil  vom  28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06, §§ 124 – 127, mit weiteren  Hinweisen).  Dies  ist  ihm  nach  den  vorstehenden  Erwägungen  nicht  gelungen.  Auch  die  allgemeine  Menschenrechtssituation  in  Afghanistan  lässt  den  Wegweisungsvollzug  zum  heutigen  Zeitpunkt  nicht  als  unzulässig  erscheinen.  Nach  dem  Gesagten  ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  sowohl  im  Sinne  der  asyl­  als  auch  der  völkerrechtlichen  Bestimmungen zulässig. 7.3.  7.3.1. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug  für Ausländerinnen  und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg, 

D­7950/2009 allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  –  unter  Vorbehalt  von  Art. 83  Abs. 7  AuG  –  die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren  (vgl.  Botschaft  zum  Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom 8. März 2002, BBl 2002 3818, BVGE 2009/2 E. 9.2.1). 7.3.2. Die vormalige Schweizerische Asylrekurskommission (ARK) setzte  sich  in  ihrer  Rechtsprechung  mehrmals  eingehend  mit  der  Lage  in  Afghanistan auseinander, äusserte sich zu verschiedenen Provinzen des  Landes und stellte namentlich die Unterschiede zwischen der Hauptstadt  Kabul und anderen Regionen Afghanistans dar. Dabei erkannte die ARK  im  Jahre  2003  den  Wegweisungsvollzug  nach  Kabul  –  infolge  der  vergleichsweise  günstigeren  Situation  –  unter  bestimmten  strengen  Voraussetzungen,  insbesondere  eines  tragfähigen  Beziehungsnetzes,  der  Möglichkeit  der  Sicherung  des  Existenzminimums  und  einer  gesicherten Wohnsituation,  als  zumutbar  (vgl.  EMARK  2003 Nr. 10  und  Nr. 30).  Im  Jahre  2006  bestätigte  die  ARK  ihre  Rechtsprechung  (vgl.  EMARK  2006  Nr. 9),  wobei  –  zusätzlich  zu  Kabul  –  der  Wegweisungsvollzug  in  weitere,  abschliessend  aufgeführte  Provinzen  (Parwan, Baghlan, Takhar, Badakhshan, Kunduz, Balkh, Sari Pul, Herat  und die Gegend von Samangan, die nicht  zum Hazarajat  zu zählen  ist)  unter den  in EMARK 2003 Nr. 10 erwogenen strengen Bedingungen als  zumutbar  erklärt wurde. Betreffend  die  übrigen  östlichen,  südlichen  und  südöstlichen  Provinzen  stellte  die  ARK  demgegenüber  fest,  dass  dort  weiterhin  eine  allgemeine  Gewaltsituation  herrsche,  weshalb  der  Wegweisungsvollzug dorthin nach wie vor als unzumutbar zu betrachten  sei  (vgl.  EMARK  2006  Nr. 9  E. 7.5.3.  und  7.8.).  Diese  Rechtsprechung  der  ARK  wurde  vom  Bundesverwaltungsgericht  bis  anhin  im  Wesentlichen weitergeführt.  7.3.3. Aufgrund einer zunehmenden Verschlechterung der Verhältnisse in  Afghanistan unterzog das Bundesverwaltungsgericht die bisherige Praxis  einer  eingehenden  Prüfung.  Dabei  gelangte  es  im  Rahmen  einer  erneuten Lageanalyse zum Schluss, dass im Verlauf der letzten Jahre die  allgemeine  Sicherheitslage  in  Afghanistan  über  alle  Regionen  hinweg –  inklusive  der  urbanen  Zentren  und  der  Hauptstadt  Kabul  –  deutlich  schlechter  geworden  sei  (vgl.  dazu  BVGE  2011/7  E. 9.1.­9.7.).  Parallel  zur  allgemeinen  Sicherheitslage  habe  sich  namentlich  auch  die  humanitäre Situation in Afghanistan verschlechtert, wobei aber erhebliche  Unterschiede zwischen ländlichen und städtischen Gebieten festzustellen  seien.  In  ländlichen  Gebieten  würden  sich  die  Verhältnisse 

D­7950/2009 grossmehrheitlich  als  absolut  prekär  erweisen,  während  zumindest  in  Kabul  eine  deutlich  bessere  Situation  anzutreffen  sei,  zumal  sich  dort  nach den letzten Jahren auch die Sicherheitslage wieder stabilisiert habe.  Im  erwähnten  Urteil  stellte  das  Bundesverwaltungsgericht  zusammenfassend  fest,  dass  in  Afghanistan  –  ausser  allenfalls  in  Grossstädten  –  eine  derart  schlechte  Sicherheitslage  und  derart  schwierige  humanitäre  Bedingungen  bestünden,  dass  die  Situation  als  existenzbedrohend im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG zu qualifizieren sei.  Bezüglich  Kabul  hielt  das  Bundesverwaltungsgericht  fest,  dass  der  Wegweisungsvollzug  dorthin  nur  dann  zumutbar  sei,  wenn  sich  im  Einzelfall erweise, dass die betroffene Person in Kabul sozial vernetzt sei,  sie also dort über ein  tragfähiges soziales Netz  im Sinne der bisherigen  strengen  Anforderungen  nach  EMARK  2003  Nr.  10  verfüge.  Offengelassen wurde im besagten Urteil des Bundesverwaltungsgerichts,  ob  betreffend  die  Städte Herat  und Mazar­i­Sharif  in  gleicher Weise  zu  entscheiden  wäre  (vgl.  a.a.O.  E. 9.8.­9.9.).  Im  zur  Publikation  vorgesehenen  Urteil  BVGE  D­2312/2009  vom  28.  Oktober  2011  wurde  bezüglich  der  Stadt  Herat  erkannt,  dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  dorthin,  sofern  begünstigende  Umstände  vorliegen,  als  zumutbar  zu  erachten ist. 7.3.4.  Der  Beschwerdeführer  stammt  aus  der  Provinz  Samangan.  Gemäss  der  soeben  dargelegten  aktuellen  Rechtsprechung  des  Bundesverwaltungsgerichts  ist  von  der  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs dorthin auszugehen.  7.3.5.  Bei  dieser  Sachlage  stellt  sich  die  Frage,  ob  dem  Beschwerdeführer in Afghanistan allenfalls eine Aufenthaltsalternative zur  Verfügung  steht.  Gemäss  den  Akten  wohnen  seine  Mutter,  seine  Schwester,  sein  Onkel  sowie  eine  seiner  Tanten  in  der  Stadt  Mazar­i­ Sharif  (Provinz Balkh). Deshalb  ist  im Folgenden zu prüfen, ob sich der  Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers nach Mazar­i­Sharif  im  Lichte der vorstehend in E. 7.3.3. aufgezeigten aktuellen Rechtsprechung  des Bundesverwaltungsgerichts zu Afghanistan als zumutbar erweist.  7.3.6.  Eine  Situation  allgemeiner  Gewalt  in  einem  Land  führt  nicht  automatisch  zur  Annahme  einer  konkreten  Gefährdung;  vielmehr  muss  die  betroffene  Person  darlegen,  dass  die  Situation  auch  für  sie  eine  konkrete  Gefährdung  darstellt.  Mithin  ist  in  der  Regel  immer  eine  Einzelfallbeurteilung  unter  Berücksichtigung  der  individuellen  Lebensumstände der betroffenen Person vorzunehmen (vgl. RUEDI ILLES, 

D­7950/2009 zu Art. 83 AuG, in: Caroni/Gächter/Thurnherr [Hrsg.]: Bundesgesetz über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  (AuG),  Bern  2010,  S. 799,  Rz.  33).  Zwar  ist  von  einer  Verschlechterung  der  Sicherheitslage  im  Norden  Afghanistans in den letzten Jahren auszugehen und auch in der Provinz  Balkh  ist die Zahl sicherheitsrelevanter Ereignisse angestiegen (vgl. The  Afghanistan NGO Safety Office, ANSO Quarterly Data Report Q.4 2010;  1.  Januar  ­  31.  Dezember  2010,  Januar  2011,  S.  13,  http://www.ecoi.net/file_upload/1226_1295518 639_anso­quarterly­data­report­q4­2010.pdf,  aufgesucht:  24.  Oktober  2011; The Afghanistan NGO Safety Office, ANSO Quarterly Data Report  Q.1  2011;  1.  Januar  ­  31.  März  2011,  April  2011,  S.  10,  http://relief web.int/sites/reliefweb.int/files/resources/ANSO%20Q1%202011.pdf,  aufgesucht:  1. Dezember  2011;  AREU, Opium  poppy  strikes  back.  The  2011  Return  of  Opium  in  Balkh  and  Badakhshan  Provinces,  Juli  2011,  S.7,  http://www.unhcr.org/refworld/publisher,AREU,,,4e1d52432,0.html,  aufgesucht: 24. Oktober 2011). Die Situation  in der Stadt Mazar­i­Sharif  wird  aber  in  neusten  Berichten,  auch  im  Vergleich  mit  anderen  afghanischen  Städten  und  Provinzen,  als  verhältnismässig  ruhig  beschrieben. Im Distrikt Mazar­i­Sharif, der hauptsächlich das Stadtgebiet  von Mazar­i­Sharif umfasst, wurde von Januar bis Juni 2009 eine einzige  bewaffnete  Attacke  einer  feindlichen  Gruppe  registriert,  während  in  der  Stadt Herat und in der Provinz Kabul elf beziehungsweise einundsechzig  solcher Attacken  in dieser Periode gezählt wurden. Von Januar bis Juni  2010  wurde  im  Distrikt  Mazar­i­Sharif  keine  einzige  Attacke  einer  feindlichen  Gruppe  registriert,  wohingegen  in  diesem  Zeitraum  in  der  Stadt  Herat  und  der  Provinz  Kabul  eine  respektive  achtundzwanzig  derartiger Attacken gezählt wurden. Von Januar bis Juni 2011 wurden im  Distrikt  Mazar­i­Sharif  drei  Attacken  feindlicher  Gruppen  registriert,  während  in  der  Stadt  Herat  und  der  Provinz  Kabul  sieben  beziehungsweise  vierunddreissig  solcher  Attacken  gezählt  wurden  (vgl.  The Afghanistan NGO Safety Office, The ANSO Report,  Juni  2011  [16­ 30],  S.  7,  http://reliefweb.int/sites/relief web.int/files/resources/The%20ANSO%20Report%20%2816­30%20June %202011%29.pdf, aufgesucht: 24. Oktober 2011; The Afghanistan NGO  Safety Office,  ANSO Quarterly Data Report Q.  2  2011,  1.  Januar  ­  30.  Juni  2011,  Juli  2011,  S.  10,  http://www.ecoi.net/file_upload/17 88_1311851412_anso­q2­2011.pdf,  besucht:  24. Oktober  2011).  Im Mai  2011  hielt  der  International  Council  on  Security  and  Development  in  einem  Bericht  fest,  der  Distrikt  Mazar­i­Sharif  sei  relativ  sicher  und  die  Stadt  Mazar­i­Sharif  sei  eine  der  sichersten  im  ganz  Land  (vgl.  International  Council  on  Security  and  Development,  Afghanistan  http://www.ecoi.net/file_upload/1226_1295518639_anso-quarterly-data-report-q4-2010.pdf http://www.ecoi.net/file_upload/1226_1295518639_anso-quarterly-data-report-q4-2010.pdf http://reliefweb.int/sites/reliefweb.int/files/resources/ANSO%20Q1%202011.pdf http://reliefweb.int/sites/reliefweb.int/files/resources/ANSO%20Q1%202011.pdf http://www.unhcr.org/refworld/publisher,AREU,,,4e1d52432,0.html http://reliefweb.int/sites/reliefweb.int/files/resources/The%20ANSO%20Report%20%2816-30%20June%202011%29.pdf http://reliefweb.int/sites/reliefweb.int/files/resources/The%20ANSO%20Report%20%2816-30%20June%202011%29.pdf http://reliefweb.int/sites/reliefweb.int/files/resources/The%20ANSO%20Report%20%2816-30%20June%202011%29.pdf http://www.ecoi.net/file_upload/1788_1311851412_anso-q2-2011.pdf http://www.ecoi.net/file_upload/1788_1311851412_anso-q2-2011.pdf

D­7950/2009 Transition: The Death of Bin Laden and Local Dynamics, Mai 2011, S. 45,  http://www.icosgroup.net/static/reports/bin­laden­local­dynamics.pdf,  aufgesucht:  24.  Oktober  2011).  Im  September  2011  führte  der  Congressional  Resarch  Service  in  einem  Bericht  aus,  dass  die  Stadt  Mazar­i­Sharif  weitgehend  als  stabil  angesehen  werde  (vgl.  Congressional Research Service, Afghanistan: Post­Taliban Governance,  Security,  and  U.S.  Policy,  22.  September  2011,  S.  28,  http://www.fas.org/sgp/crs/row/RL30588.pdf,  aufgesucht:  24.  Oktober  2011).  An  dieser  Einschätzung,  wonach  die  Situation  in  Mazar­i­Sharif  überwiegend  als  stabil  anzusehen  ist,  ändert  auch  der Umstand  nichts,  dass bei einem Bombenanschlag in Mazar­i­Sharif am 6. Dezember 2011  mindestens  vier  Personen  ums  Leben  gekommen  sind,  darunter  ein  afghanischer  Soldat.  Dieser  Anschlag,  der  selbst  von  den  Taliban  verurteilt  wurde,  wird  von Experten  einer Randgruppe  nahestehend  der  Al­Qaida/Pakistan  zugeschrieben  (vgl.  http://www.nzz.ch/ nachrichten/politik/international/50_tote_bei_selbstmordattentat_in_kabul _1.13533071.html,  aufgesucht:  20.  Dezember  2011).  Im  März  2011  wurde zudem begonnen, die gesamte Verantwortung für die Sicherheit in  Mazar­i­Sharif,  wie  geplant,  von  der  Internationalen  Sicherheitsunterstützungstruppe  (ISAF)  auf  die  afghanischen  Sicherheitskräfte  zu  übertragen  (vgl.  http://www.nato.int/cps/en/SID­ A4EA3D02­0E0E5395/natolive/news_810 69.htm?selectedLocale=en, aufgesucht: 1. Dezember 2011). Seit dem 23.  Juli  2011  tragen  afghanische  Sicherheitskräfte  die  Sicherheitsverantwortung  in Mazar­i­Sharif. Während eines Besuchs des  deutschen  Aussenministers  Guido  Westerwelle  hat  die  ISAF  das  Kommando  in  afghanische  Hände  übergeben  (vgl.  http://www.bundesregierung.de/Content/DE/Arti kel/2011/08/2011­08­01­afghanistan­schrittweise­uebergabe.html,  aufgesucht: 20. Dezember 2011). Hinsichtlich  der  humanitären  Situation  in Mazar­i­Sharif  ist  festzuhalten,  dass sich aus den vom Bundesverwaltungsgericht  konsultierten Länder­  und  Themenberichten  nicht  ergibt,  dass  diese  wesentlich  schlechter  ist  als diejenige in Kabul. 7.3.7.  In  Anbetracht  dieser  Umstände  erscheint  die  Lage  in  der  Stadt  Mazar­i­Sharif  mit  derjenigen  in  Kabul  zumindest  vergleichbar  und  es  rechtfertigt sich nicht, von einer generellen Unzumutbarkeit der Rückkehr  dorthin  aufgrund  der  allgemeinen  Situation  auszugehen.  Zudem  verfügt  die Stadt Mazar­i­Sharif auch über einen Flughafen, der von Kabul, Herat,  http://www.icosgroup.net/static/reports/bin-laden-local-dynamics.pdf http://www.fas.org/sgp/crs/row/RL30588.pdf http://www.nzz.ch/nachrichten/politik/international/50_tote_bei_selbstmordattentat_in_kabul_1.13533071.html http://www.nzz.ch/nachrichten/politik/international/50_tote_bei_selbstmordattentat_in_kabul_1.13533071.html http://www.nzz.ch/nachrichten/politik/international/50_tote_bei_selbstmordattentat_in_kabul_1.13533071.html http://www.nato.int/cps/en/SID-A4EA3D02-0E0E5395/natolive/news_81069.htm?selectedLocale=en http://www.nato.int/cps/en/SID-A4EA3D02-0E0E5395/natolive/news_81069.htm?selectedLocale=en http://www.nato.int/cps/en/SID-A4EA3D02-0E0E5395/natolive/news_81069.htm?selectedLocale=en http://www.bundesregierung.de/Content/DE/Artikel/2011/08/2011-08-01-afghanistan-schrittweise-uebergabe.html http://www.bundesregierung.de/Content/DE/Artikel/2011/08/2011-08-01-afghanistan-schrittweise-uebergabe.html

D­7950/2009 Dubai  und  Teheran  angeflogen  wird  (vgl.  http://de.wikipedia.org/wiki/ Flughafen_Masar­e_Scharif, aufgesucht: 24. Oktober 2011). 7.3.8. Vorliegend ergeben sich aus den Akten zudem keine individuellen  Umstände, welche es rechtfertigen würden, den Vollzug der Wegweisung  des  Beschwerdeführers  in  die  Stadt  Mazar­i­Sharif  als  unzumutbar  zu  erachten. Gemäss den Akten wohnen seine Mutter und seine Schwester  bei seinem Onkel  in Mazar­i­Sharif. Zudem lebt noch eine seiner Tanten  in  dieser  Stadt,  womit  der  Beschwerdeführer  dort  über  ein  tragfähiges  familiäres  Beziehungsnetz  verfügt,  welches  ihm  bei  der  Integration  behilflich  sein wird.  Insbesondere  ist  anzunehmen,  dass  er  nach  seiner  Rückkehr  nach  Mazar­i­Sharif  bei  seiner  Familie  wohnen  kann,  bis  er  eine eigene Wohnung gefunden hat, und dass seine Familie  ihn bei der  Suche  nach  einer  Arbeitsstelle  unterstützt.  Der  junge,  ledige  Beschwerdeführer  ist  –  gemäss  den  Akten  –  gesund  und  hat  eine  überdurchschnittlich  gute  Schulbildung.  Zudem  spricht  er  neben  seiner  Muttersprache Paschtu auch Dari und er war in seiner Heimat als Inhaber  eines Ladens während eineinhalb Jahren erwerbstätig, weswegen davon  auszugehen ist, er werde sich bei einer Rückkehr nach Afghanistan auch  beruflich wieder  integrieren können. Die Rückkehrhilfe der Schweiz wird  ihm  den  Wiedereinstieg  in  seiner  Heimat  ebenfalls  erleichtern  (Art.  93  Abs.  1  Bst.  d  AsylG;  Art.  73  ff.  der  Asylverordnung  2  vom  11.  August  1999  [AsylV  2,  SR 142.312]).  Schliesslich  ist  darauf  hinzuweisen,  dass  der  erst  im  Alter  von  knapp  zweiundzwanzig  Jahren  in  die  Schweiz  eingereiste  Beschwerdeführer  den  grössten  Teil  seines  Lebens  in  Afghanistan  verbracht  hat, weshalb  er mit  der  dortigen Sprache, Kultur,  Arbeits­  und  Lebensweise  bestens  vertraut  ist.  Soweit  der  Beschwerdeführer  in  der  Rechtsmittelschrift  vorbringt,  er  sei  als  Paschtune bei einer Rückkehr in die Stadt Mazar­i­Sharif gefährdet, da es  dort  immer  wieder  zu  Übergriffen  gegen  die  paschtunische  Minderheit  komme, ist Folgendes festzuhalten: Es trifft zwar zu, dass die Paschtunen  in  der  Stadt  Mazar­i­Sharif  lediglich  zehn  Prozent  der  Bevölkerung  ausmachen  und  dort  somit  eine  Minderheit  darstellen.  Nach  Erkenntnissen  des  Bundesverwaltungsgerichts  leben  aber  die  verschiedenen  ethnischen  Gruppen  von  Mazar­i­Sharif  –  trotz  gelegentlicher Spannungen – in aller Regel friedlich zusammen, weshalb  der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr dorthin nichts zu befürchten hat  (vgl. dazu AREU, Deconstructing "Democracy" in Afghanistan, Mai 2011,  S. 16, http://www.areu.org.af/EditionDetails.aspx?EditionId=535&Content­ Id=7&ParentId=7&Lang=en­US, aufgesucht: 24. Oktober 2011).  http://de.wikipedia.org/wiki/Flughafen_Masar-e_Scharif http://de.wikipedia.org/wiki/Flughafen_Masar-e_Scharif http://www.areu.org.af/EditionDetails.aspx?EditionId=535&Content-Id=7&ParentId=7&Lang=en-US http://www.areu.org.af/EditionDetails.aspx?EditionId=535&Content-Id=7&ParentId=7&Lang=en-US

D­7950/2009 Somit  ist  der Wegweisungsvollzug  des  Beschwerdeführers  in  die  Stadt  Mazar­i­Sharif  auch  im  Lichte  der  aktuellen  Rechtsprechung  zu  Afghanistan  sowohl  in  genereller  als  auch  in  individueller  Hinsicht  als  zumutbar zu erachten.  7.4.  Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der  zuständigen  Vertretung  seines  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr  notwendigen Reisepapiere zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG; vgl. auch  BVGE  2008/34  E.  12.),  weshalb  der  Vollzug  der Wegweisung  auch  als  möglich zu bezeichnen ist.  7.5.  Insgesamt  ist  der  durch  die  Vorinstanz  verfügte  Vollzug  der  Wegweisung  zu  bestätigen.  Die  Vorinstanz  hat  diesen  zu  Recht  als  zulässig,  zumutbar und möglich erachtet. Nach dem Gesagten  fällt  eine  Anordnung der  vorläufigen Aufnahme ausser Betracht  (Art.  83 Abs.  1­4  AuG). 8.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art.  106  AsylG).  Die  Beschwerde ist demnach abzuweisen.  9.  Da  der  Beschwerdeführer  mit  seiner  Beschwerde  vollumfänglich  unterlegen  ist,  wären  ihm  grundsätzlich  die  Verfahrenskosten  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs.  1  und  5  VwVG).  Der  Beschwerdeführer  hat  jedoch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  ersucht.  Gemäss  Art.  65  Abs. 1  VwVG  wird  die  Partei,  die  nicht  über  die  erforderlichen  Mittel  verfügt,  auf  Antrag  von  der  Bezahlung  der  Verfahrenskosten  befreit,  sofern  ihr  Begehren  nicht  aussichtslos  erscheint. Vorliegend ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer  mittellos  ist.  Zudem  erschienen  seine  Begehren  im  Zeitpunkt  der  Beschwerdeeinreichung  als  nicht  aussichtslos.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen Rechtspflege  ist  demnach  gutzuheissen  und  es  sind  dem  Beschwerdeführer  keine  Verfahrenskosten  aufzuerlegen. (Dispositiv nächste Seite)

D­7950/2009 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen.  2.  Das Gesuch um Gewährung der  unentgeltlichen Rechtspflege  im Sinne  von Art. 65 Abs. 1 VwVG wird gutgeheissen.  3.  Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.  4.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Robert Galliker Matthias Jaggi Versand:

D-7950/2009 — Bundesverwaltungsgericht 30.12.2011 D-7950/2009 — Swissrulings