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Bundesverwaltungsgericht 15.11.2011 D-7707/2010

15 novembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,032 parole·~10 min·2

Riassunto

Wegweisung und Wegweisungsvollzug (Beschwerde gegen Wiedererwägungsentscheid) | Vollzug der Wegweisung (Beschwerde gegen Wiedererwägungsentscheid); Verfügung des BFM vom 28. September 2010

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung IV D­7707/2010wif Urteil   v om   1 5 .   No v embe r   2011 Besetzung Richter Robert Galliker (Vorsitz), Richterin Regula Schenker Senn, Richter Gérald Bovier; Gerichtsschreiber Matthias Jaggi. Parteien A._______, geboren (…),  alias B._______, geboren (…), Afghanistan, vertreten durch lic. iur. Urs Ebnöther, Rechtsanwalt,  Advokatur Kanonengasse, (…), Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz.  Gegenstand Vollzug der Wegweisung  (Beschwerde gegen Wiedererwägungsentscheid);  Verfügung des BFM vom 28. September 2010 / N (…).

D­7707/2010 Sachverhalt: A.  Das Asylgesuch des Beschwerdeführers vom 19. September 2006 wurde  mit  Verfügung  des  BFM  vom  29.  September  2008  abgelehnt.  Die  Vorinstanz verfügte gleichzeitig die Wegweisung des Beschwerdeführers  aus  der  Schweiz  und  ordnete  den  Vollzug  an.  Die  lediglich  hinsichtlich  des Vollzugs der Wegweisung erhobene Beschwerde vom 3. November  2008  wurde  mit  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  (D­6919/2008)  vom 28. Januar 2009 abgewiesen.  B.  Am 28. April 2010 reichte der Beschwerdeführer – handelnd durch seinen  Rechtsvertreter  –  beim  BFM  ein  Wiedererwägungsgesuch  ein,  in  welchem  er  beantragte,  ihm  sei  wiedererwägungsweise  die  vorläufige  Aufnahme  wegen  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  zu  gewähren.  Zudem  sei  dem  vorliegenden  Gesuch  die  aufschiebende  Wirkung  zu  erteilen  und  das Migrationsamt  des  Kantons C._______  im  Sinne  einer  vorsorglichen  Massnahme  unverzüglich  anzuweisen,  von  jeglichen  Vollzugshandlungen  Abstand  zu  nehmen.  Überdies  sei  die  unentgeltliche  Prozessführung  zu  gewähren  und  demzufolge  auf  die  Erhebung eines Gebührenvorschusses zu verzichten.  Zur  Begründung  seines  Wiedererwägungsgesuchs  machte  der  Beschwerdeführer  im  Wesentlichen  geltend,  die  Sicherheitslage  in  Afghanistan habe sich seit der letzten Beurteilung im Januar 2008 (recte:  2009) dramatisch verschlechtert. Die Praxis, wonach die Wegweisung in  die  Provinz  Balkh  zumutbar  sei,  lasse  sich  in  Anbetracht  der  aktuellen  Sicherheitslage  unter  keinen  Umständen  mehr  halten.  Als  weitere  veränderte Tatsache sei der Aufenthaltsort  seiner Familie  zu erwähnen.  Seine Mutter sei mit seinen beiden Halbgeschwistern  inzwischen  in den  Iran  geflüchtet.  Der  Aufenthalt  im  Iran  könne  mittels  aktueller  Fotos,  aufgenommen  vor  dem  Azadi­Denkmal  in  Teheran,  belegt  werden.  Gesamthaft  betrachtet  erweise  sich  der  Vollzug  seiner  Wegeweisung  nach  Afghanistan  daher  als  unzumutbar,  weshalb  ihm  wiedererwägungsweise die vorläufige Aufnahme zu gewähren sei.  Als  Beweismittel  reichte  der  Beschwerdeführer  unter  anderem  die  folgenden Dokumente zu den Akten: Einen  fremdsprachigen Mietvertrag  (inklusive  teilweiser  deutscher  Übersetzung),  zwei  fremdsprachige  schriftliche  Zeugenaussagen  (inklusive  deutscher  Übersetzungen),  sieben  Farbfotos,  einen  Ausweis  in  Kopie  (inklusive  deutscher 

D­7707/2010 Übersetzung),  einen  fremdsprachigen  Eheschein  (inklusive  deutscher  Übersetzung),  einen  fremdsprachigen  Scheidungsschein  (inklusive  deutscher Übersetzung) sowie eine DHL­Versandquittung (in Kopie). C.  Mit Verfügung vom 28. September 2010 – eröffnet  am  folgenden Tag –  wies  das  BFM  das  Wiedererwägungsgesuch  vom  28.  April  2010  ab,  bezeichnete die Verfügung vom 29. September 2008 als rechtskräftig und  vollstreckbar, erhob eine Gebühr von Fr. 600.– und stellte fest, dass einer  allfälligen  Beschwerde  keine  aufschiebende Wirkung  zukomme.  Auf  die  Begründung wird – soweit wesentlich – in den Erwägungen eingegangen.  D.  Gegen  diesen  Entscheid  liess  der  Beschwerdeführer  am  29.  Oktober  2010  (Poststempel)  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  einreichen.  Dabei  beantragte  er,  die  Verfügung  der  Vorinstanz  sei  vollumfänglich  aufzuheben,  ihm  sei  die  vorläufige  Aufnahme  wegen  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  zu  gewähren,  die  aufschiebende Wirkung der Beschwerde sei wieder herzustellen und das  Migrationsamt des Kantons C._______ sei  im Sinne einer vorsorglichen  Massnahme unverzüglich anzuweisen, von jeglichen Vollzugshandlungen  Abstand  zu nehmen. Zudem sei  ihm die unentgeltliche Rechtspflege  zu  bewilligen,  in  der  Person  des  Unterzeichnenden  ein  unentgeltlicher  Rechtsbeistand  zu  ernennen  und  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  zu  verzichten. Auf  die Begründung der Beschwerde  wird,  soweit  für  den  Entscheid  wesentlich,  in  den  Erwägungen  eingegangen. E.  Der  Instruktionsrichter  des  Bundesverwaltungsgerichts  hiess  mit  Verfügung  vom  4.  November  2010  das  sinngemässe  Gesuch  um  Aussetzung  des  Vollzugs  der  Wegweisung  gut  und  ordnete  an,  der  Beschwerdeführer  könne  den  Entscheid  in  der  Schweiz  abwarten.  Gleichzeitig  verfügte  der  Instruktionsrichter,  dass  über  das  Gesuch  um  Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege  im Endentscheid befunden  und  auf  das  Erheben  eines  Kostenvorschusses  verzichtet  sowie  das  Gesuch um Beiordnung eines amtlichen Anwalts abgewiesen werde.  F.  Mit Eingabe vom 8. November 2010 reichte der Beschwerdeführer unter  anderem  ein  fremdsprachiges,  angeblich  von  seiner  Mutter  verfasstes 

D­7707/2010 Schreiben  (inklusive  deutscher  Übersetzung)  sowie  drei  bereits  früher  eingereichte  fremdsprachige  Dokumente  (in  Kopie)  dem  Bundesverwaltungsgericht  ein.  Diese  Dokumente  waren  bei  der  Schweizerischen Botschaft in Teheran abgegeben worden, die sie am 18.  Oktober  2010  dem BFM übermittelte.  Die  Vorinstanz  liess  sie  dann mit  Schreiben  vom  28. Oktober  2010  dem  Rechtsvertreter  zur  gutscheinenden Verwendung zukommen. G.  Mit Eingabe vom 15. April 2011 liess der Beschwerdeführer durch seinen  Rechtsvertreter  einen Memory Stick,  einen Speicherchip,  eine  deutsche  Übersetzung  eines  aufgezeichneten  Gesprächs  sowie  einen  Briefumschlag zu den Akten reichen.  H.  Mit Schreiben vom 14. Juli 2011 beziehungsweise 3. August 2011 reichte  der Beschwerdeführer neun Farbfotos, eine DHL­Versandquittung sowie  einen DHL­Umschlag dem Bundesverwaltungsgericht ein. I.  Mit  Verfügung  des  Instruktionsrichters  des  Bundesverwaltungsgerichts  vom  25.  August  2011  wurde  die  Vorinstanz  zur  Einreichung  einer  Stellungnahme bis zum 9. September 2011 eingeladen. J.  Mit Vernehmlassung vom 9. September 2011 beantragte die Vorinstanz  die Abweisung der Beschwerde.  K.  Da dem Bundesverwaltungsgericht der Beschwerdeführer mit Schreiben  des Migrationsamtes des Kantons C._______ vom 21. Oktober 2011 als  verschwunden  gemeldet  wurde,  forderte  der  Instruktionsrichter  des  Bundesverwaltungsgerichts  dessen  Rechtsvertreter  mit  Zwischenverfügung  vom  27.  Oktober  2011  auf,  bis  zum  11.  November  2011 den Aufenthaltsort  des Beschwerdeführers  bekannt  zu  geben und  eine  aktuelle,  von  diesem  unterzeichnete  Erklärung  einzureichen,  aus  welcher sein fortbestehendes Rechtsschutzinteresse hervorgehe. L.  Mit  Schreiben  vom  31.  Oktober  2011  teilte  der  Rechtsvertreter  des  Beschwerdeführers  dem  Bundesverwaltungsgericht  mit,  dass  dieser  während dreier Wochen bei einem Kollegen gewohnt habe, da er an einer 

D­7707/2010 schweren  Grippe  gelitten  habe,  was  offenbar  der  Grund  für  die  Abmeldung gewesen sei. Per 31. Oktober 2011 sei der Beschwerdeführer  einer neuen Notunterkunft zugewiesen worden. Der Eingabe lag ein vom  Beschwerdeführer  unterzeichnetes Schreiben – datiert  vom 31. Oktober  2011 – bei, mit der Angabe seiner genauen Wohnadresse in D._______.  Zudem  legte  der  Beschwerdeführer  in  diesem  Schreiben  sein  (weiterbestehendes) Rechtsschutzinteresse am Asylverfahren dar. Mit derselben Eingabe  liess der Beschwerdeführer zudem die  folgenden  Beweismittel  zu  den  Akten  reichen:  Von  der  afghanischen  Botschaft  in  Teheran  ausgestellte  Identifizierungsscheine  vom  22.  Oktober  2011  bezüglich seiner Mutter und seinen beiden Halbgeschwistern,  jeweils  im  Original  inkl.  deutscher  Übersetzung,  fünf  Farbfotos  sowie  einen  Briefumschlag.  Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021).  Das  BFM  gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts.  Eine  das  Sachgebiet  betreffende  Ausnahme  im  Sinne  von  Art. 32  VGG  liegt  nicht  vor.  Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  daher  zuständig  für  die  Beurteilung  der  vorliegenden  Beschwerde  und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende  Person  Schutz  sucht  (Art. 105 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG, SR 142.31]; Art. 83  Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]). Ein solcher Ausnahmefall liegt nicht vor. 1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.3.    Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht  (Art.  108  Abs. 1  AsylG,  Art.  105  AsylG  i.V.m.  Art.  37  VGG  und  Art.  52  VwVG).  Zudem  ist  der  Beschwerdeführer  durch  die  angefochtene  Verfügung 

D­7707/2010 besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung beziehungsweise Änderung, weshalb  er  zur Einreichung der  Beschwerde legitimiert ist (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48  Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist somit einzutreten. 1.4. Die vorinstanzliche Vernehmlassung vom 9. September 2011 wurde  dem  Beschwerdeführer  nicht  zur  Kenntnis  gebracht  oder  zur  Stellungnahme  unterbreitet.  Nachdem  im  vorliegenden  Urteil  dem  Prozessbegehren  vollumfänglich  entsprochen wird,  ist  aus Gründen  der  Prozessökonomie  von  einer  Gewährung  des  rechtlichen  Gehörs  in  diesem Zusammenhang abzusehen (vgl. Art. 30 Abs. 2 Bst. c VwVG). Im  Sinne  der  Verfahrenstransparenz  wird  die  Vernehmlassung  jedoch  in  Kopie diesem Urteil beigelegt. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  3.1. Die Wiedererwägung im Verwaltungsverfahren ist ein gesetzlich nicht  geregelter  Rechtsbehelf,  auf  dessen  Behandlung  durch  die  verfügende  Behörde  grundsätzlich  kein  Anspruch  besteht.  Gemäss  herrschender  Lehre und ständiger Praxis des Bundesgerichts wird  jedoch aus Art.  29  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18. April  1999  (BV,  SR  101)  unter  bestimmten  Voraussetzungen  ein  verfassungsmässiger  Anspruch  auf  Wiedererwägung  abgeleitet  (vgl.  BGE 127  I  133  E.  6,  mit  weiteren  Hinweisen).  Danach  ist  auf  ein  Wiedererwägungsgesuch  einzutreten,  wenn  sich  der  rechtserhebliche  Sachverhalt  seit  dem  ursprünglichen  Entscheid  beziehungsweise  seit  dem  Urteil  der  mit  Beschwerde  angerufenen  Rechtsmittelinstanz  in  wesentlicher  Weise  verändert  hat  und  mithin  die  ursprüngliche  (fehlerfreie)  Verfügung  an  nachträglich  eingetretene Veränderungen  der  Sachlage  anzupassen  ist.  Sodann  können  auch Revisionsgründe  einen  Anspruch  auf  Wiedererwägung  begründen,  sofern  sie  sich  auf  eine  in  materielle  Rechtskraft  erwachsene  Verfügung  beziehen,  die  entweder  unangefochten  geblieben  oder  deren  Beschwerdeverfahren  mit  einem  formellen Prozessurteil abgeschlossen worden ist. Ein solchermassen als  qualifiziertes Wiedererwägungsgesuch zu bezeichnendes Rechtsmittel ist  grundsätzlich  nach  den  Regeln  des  Revisionsverfahrens  zu  behandeln  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  Schweizerischen 

D­7707/2010 Asylrekurskommission [EMARK] 2003 Nr. 17 E. 2a S. 103 f., mit weiteren  Hinweisen). 3.2. Nachdem die Vorinstanz den Anspruch des Beschwerdeführers auf  Behandlung seines Wiedererwägungsgesuchs nicht in Abrede gestellt hat  und  auf  das  Wiedererwägungsgesuch  eingetreten  ist,  hat  das  Bundesverwaltungsgericht  zu  prüfen,  ob  die  Vorinstanz  das Gesuch  zu  Recht  abgewiesen  hat.  Da  der  Beschwerdeführer  sowohl  in  seinem  Wiedererwägungsgesuch als auch  in der Beschwerde nur betreffend die  Frage des Vollzugs der Wegweisung eine Neubeurteilung beantragt hat,  ist  vorliegend  einzig  zu  prüfen,  ob  seit  Rechtskraft  des  ursprünglichen  vorinstanzlichen  Entscheides  eine  massgebende  Veränderung  der  Sachlage  vorliegt,  die  hinsichtlich  des  angeordneten  Vollzugs  der  Wegweisung zu einem anderen Ergebnis führen könnte. 4.  4.1.  Die  Vorinstanz  hielt  zur  Begründung  seines  ablehnenden  Entscheides fest, das BFM habe das Asylgesuch des Beschwerdeführers  mangels Glaubhaftigkeit  der Vorbringen abgelehnt und die Wegweisung  nach  Afghanistan  als  zumutbar  erachtet.  Im  Entscheid  des  BFM  sei  festgehalten worden, dass dem Beschwerdeführer nicht geglaubt werden  könne,  er  verfüge  in  seiner  Herkunftsprovinz  über  zerrüttete  Familienverhältnisse.  Das  Bundesverwaltungsgericht  habe  in  seinem  Urteil  vom  28.  Januar  2009  den  Entscheid  des  BFM  vollumfänglich  bestätigt. Es sei auch zum Schluss gelangt, dass der Beschwerdeführer  in der Provinz Balkh unter anderem in der Person seines Stiefvaters über  ein soziales Netz verfüge. In Würdigung dieser Tatsache stehe daher das  Vorbringen  des  Beschwerdeführers,  seine  Mutter  habe  inzwischen  mit  den  beiden Halbgeschwistern  Afghanistan  verlassen  und  lebe  heute  im  Iran, einer Wegweisung nicht entgegen. Es erübrige sich somit auch, auf  die  in diesem Punkt eingereichten Beweisunterlagen näher einzugehen.  Es  sei  lediglich  zu  bemerken,  dass  der  Beweiswert  solcher  Unterlagen  allgemein als gering einzustufen sei. Dokumente dieser Art seien nämlich  bekannterweise  auf  dem  Schwarzmarkt  sehr  leicht  erhältlich.  Was  die  ausserdem behauptete allgemeine Verschlechterung der Sicherheitslage  in  Afghanistan  angehe,  so  sei  darauf  hinzuweisen,  dass  das  BFM  die  Provinz Balkh, aus welcher der Beschwerdeführer stamme, nach wie vor  zu  den  als  sicher  eingestuften  Provinzen  zähle.  Es  erachte  daher  bei  Vorhandensein  eines  familiären  Beziehungsnetzes  eine Wegweisung  in  diese  Provinz  als  zumutbar.  Deswegen  sei  die  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  als  zumutbar  einzuschätzen,  da  er  in  seiner  Heimatprovinz Balkh über ein familiäres Beziehungsnetz verfüge. Dieses 

D­7707/2010 werde  es  ihm auch  ermöglichen,  in Afghanistan wieder  Fuss  zu  fassen  und  sich  neue  Existenzgrundlagen  aufzubauen.  Es  lägen  daher  keine  Gründe  vor,  welche  die  Rechtskraft  der  Verfügung  vom  29.  September  2008 beseitigen könnten. 4.2. Der Beschwerdeführer  führte  in der Beschwerde demgegenüber  im  Wesentlichen aus, die Lage in Afghanistan habe sich seit dem Entscheid  der  Vorinstanz  vom  29.  September  2008  grundlegend  geändert.  Die  Praxis, wonach die Wegweisung in die Provinz Balkh zumutbar sei, lasse  sich in Anbetracht der aktuellen Sicherheitslage nicht mehr halten. Soweit  die Vorinstanz geltend mache, er verfüge in der Person seines Stiefvaters  über ein soziales Netzwerk in seinem Heimatland, seit festzuhalten, dass  er  primär  wegen  den  Misshandlungen  durch  seinen  Stiefvater  aus  Afghanistan geflohen sei. Das gestörte Familienverhältnis könne mit dem  eingereichten  Scheidungsurteil  sowie  der  eingebrachten  schriftlichen  Zeugenaussage  seiner  Mutter  belegt  werden.  Würde  er  zu  seinem  Stiefvater zurückkehren, wäre er erneuten körperlichen und psychischen  Misshandlungen ausgesetzt, wobei  er  sich wiederum gezwungen sehen  könnte, im Drogengeschäft zu arbeiten. Er besitze somit – ausser seinem  Peiniger  –  keine  Familienangehörigen  in  Afghanistan,  zu  denen  er  zurückkehren  könnte.  Trotz  der  zahlreichen  vorgelegten  Beweise,  die  eindeutig  belegten,  dass  sich  seine  Familienangehörigen  in  Teheran  befänden und die Familie massive Probleme mit seinem Stiefvater habe,  habe  die  Vorinstanz  keine  weiteren  Sachverhaltsabklärungen  vorgenommen.  Der  Wahrheitsgehalt  der  Beweismittel  könne  jedoch  im  Bestreitungsfalle  ohne  Weiteres  mit  einer  Abklärung  vor  Ort  durch  die  Schweizer Botschaft  in  Teheran  festgestellt werden. Aus  diesem Grund  werde  für  den  Fall,  dass  das  Gericht  die  Beweismittel  ebenfalls  als  unzureichend  einstufen  sollte,  ein  Antrag  auf  Durchführung  einer  Botschaftsabklärung  gestellt.  Ferner  sei  in  Betracht  zu  ziehen,  dass  er  über  keine  Ausbildung  verfüge.  Angesichts  dieser  Umstände  werde  es  ihm  nicht  möglich  sein,  in  Afghanistan  eine  Existenzgrundlage  aufzubauen beziehungsweise zu sichern. 4.3.  In  ihrer Vernehmlassung führte die Vorinstanz aus, die Beschwerde  enthalte  keine  neuen  erheblichen  Tatsachen  oder  Beweismittel,  welche  eine  Änderung  ihres  Standpunktes  rechtfertigen  könnten.  Der  Beschwerdeführer  stamme  aus  Mazar­e­Sharif.  Die  Wegweisung  sei  daher  auch  in  Würdigung  der  neuen  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts als zumutbar zu erachten. 5. 

D­7707/2010 5.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder  nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  (Art.  44  Abs.  2  AsylG;  Art.  83  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG,  SR 142.20]). Bezüglich  der  Geltendmachung  von  Wegweisungshindernissen  gilt  gemäss  ständiger  Praxis  des  Bundesverwaltungsgerichts  und  seiner  Vorgängerorganisation  ARK  der  gleiche  Beweisstandard  wie  bei  der  Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte  Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl.  WALTER  STÖCKLI,  Asyl,  in:  Uebersax/Rudin/Hugi  Yar/Geiser,  Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148). Massgeblich  für  die  Beurteilung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  bezüglich  Vollzug  der  Wegweisung  ist  die  Situation  im  Zeitpunkt  der  Urteilsfällung (vgl. EMARK 1997 Nr. 27 E. 4 f.). 5.2. Die Bedingungen für einen Verzicht auf den Vollzug der Wegweisung  (Unzulässigkeit,  Unzumutbarkeit,  Unmöglichkeit)  sind  alternativer  Natur:  Ist  eine  von  ihnen  erfüllt,  ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  als  undurchführbar  zu  betrachten  und  die  weitere  Anwesenheit  in  der  Schweiz  gemäss  den  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  zu  regeln. Gegen eine allfällige Aufhebung der  vorläufigen Aufnahme steht  dem weggewiesenen Asylsuchenden wiederum die Beschwerde an das  Bundesverwaltungsgericht offen (Art. 112 AuG i.V.m. Art. 84 Abs. 2 AuG),  wobei in jenem Verfahren die Vollzugshindernisse von Amtes wegen und  nach Massgabe  der  dannzumal  herrschenden  Verhältnisse  von  Neuem  zu prüfen sind (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4 mit weiteren Hinweisen). 6.  6.1. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  unter Vorbehalt  von Art.  83 Abs.  7 AuG die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren  (vgl.  Botschaft  zum  Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom  8.  März  2002,  BBl  2002  3818).

D­7707/2010 6.2.  Im  zur  Publikation  vorgesehenen  Urteil  E­7625/2008  vom  16.  Juni  2011  nahm  das  Bundesverwaltungsgericht  eine  aktuelle  ausführliche  Lageanalyse  vor  und  konsultierte  eine  Vielzahl  von  Länder­  und  Themenberichten staatlicher und nichtstaatlicher Körperschaften aus dem  In­  und  Ausland  und  internationaler  Organisationen  sowie  unzählige  ausländische und inländische Presseberichte (vgl. a.a.O. E. 9.3). Es kam  dabei zum Schluss, dass in weiten Teilen Afghanistans – ausser allenfalls  in  den Grossstädten  –  eine  derart  schlechte  Sicherheitslage  und  derart  schwierige  humanitäre  Bedingungen  bestünden,  dass  die  Situation  als  existenzbedrohend im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG zu qualifizieren sei.  Von  dieser  allgemeinen  Feststellung  sei  die  Situation  in  der Hauptstadt  Kabul  zu  unterscheiden. Angesichts  des Umstandes,  dass  sich  dort  die  Sicherheitslage  im Verlauf  des  vergangenen Jahres nicht  verschlechtert  habe und die humanitäre Situation im Vergleich zu den übrigen Gebieten  etwas weniger dramatisch sei, könne der Vollzug der Wegweisung nach  Kabul  unter  Umständen  als  zumutbar  qualifiziert  werden.  Solche  Umstände könnten grundsätzlich dann gegeben sein, wenn es sich beim  Rückkehrer  um  einen  jungen,  gesunden  Mann  handle.  Angesichts  der  bisher  aufgezeigten  konstanten  Verschlechterung  der  Lage  über  die  vergangenen Jahre hinweg und der auch  in Kabul schwierigen Situation  verstehe es sich aber von selbst, dass die bereits in EMARK 2003 Nr. 10  formulierten  strengen Bedingungen  in  jedem Einzelfall  sorgfältig  geprüft  und erfüllt  sein müssten, um einen Wegweisungsvollzug nach Kabul als  zumutbar  zu  qualifizieren.  Unabdingbar  sei  in  erster  Linie  ein  soziales  Netz,  das  sich  im  Hinblick  auf  die  Aufnahme  und  Wiedereingliederung  des  Rückkehrers  als  tragfähig  erweise.  Ohne  die  Unterstützung  durch  Familie oder Bekannte würden die schwierigen Lebensverhältnisse auch  in  Kabul  unweigerlich  in  eine  existenzielle  beziehungsweise  lebensbedrohende  Situation  führen.  Für  einen  Rückkehrer  aus  Europa  bestehe aufgrund der Vermutung, dass er Devisen auf sich trage, gleich  nach seiner Ankunft in Kabul ein erhöhtes Risiko, entführt oder überfallen  zu  werden.  Verfüge  er  auf  der  anderen  Seite  über  keine  genügenden  finanziellen Mittel,  hätte  er  ohne  soziale  Vernetzung  kaum Aussicht  auf  eine zumutbare Unterkunft. Auch bei der Arbeitssuche sei die Einstellung,  selbst  von  unqualifizierten  Arbeitskräften  regelmässig  von  persönlichen  Beziehungen  abhängig.  Eine  die  Gesundheit  nur  einigermassen  garantierende  Ernährung  wäre  ohne  die  Hilfe  von  nahestehenden  Personen  ebenfalls  kaum  möglich,  und  der  Zugang  zu  sauberem  Trinkwasser  schwierig; Unterstützungsmassnahmen der Regierung oder  internationaler Organisationen könnten  laut zuverlässigen Quellen nichts  ändern.  Kämen  in  einer  solchen  Situation  noch  gesundheitliche 

D­7707/2010 Umstellungsschwierigkeiten  hinzu,  geriete  auch  ein  junger  gesunder  Mann  ohne  soziale  Vernetzung  unweigerlich  innert  absehbarer  Zeit  in  eine  existenzbedrohende  Situation.  Im  Übrigen  betone  auch  der  Schweizer  Botschafter  in  Islamabad  die  vorrangige  Bedeutung  eines  tragfähigen  sozialen  Netzes  für  einen  Rückkehrer  zur  Vermeidung  unüberbrückbarer Schwierigkeiten (vgl. a.a.O. E. 9.9.1 f.). 6.3.  Der  Beschwerdeführer  stammt  aus  Mazar­e­Sharif.  Die  Frage,  ob  hinsichtlich  dieser  relativ  grossen  Stadt  Afghanistans  analog  zu  Kabul  allenfalls  unter  bestimmten  Voraussetzungen  ebenfalls  von  der  Zumutbarkeit  des  Vollzugs  ausgegangen  werden  könne,  ist  in  dem  vorstehend in E. 6.2. zitierten Urteil offen gelassen worden (vgl. a.a.O. E.  9.9.3).  Fest  steht  indes,  dass  die  oben  stehend  aufgeführten  strengen  Bedingungen  für  eine  dortige  Wohnsitznahme  ebenfalls  erfüllt  sein  müssten.  Das  heisst,  der  Beschwerdeführer  muss  in  Mazar­e­Sharif  insbesondere  über  ein  tragfähiges  Beziehungsnetz  verfügen,  damit  der  Vollzug der Wegweisung auch zum heutigen Zeitpunkt noch als zumutbar  bezeichnet werden kann. 6.4.  Im Urteil  vom 28.  Januar  2009  kam das Bundesverwaltungsgericht  zum Schluss, dass der Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers  nach  Mazar­e­Sharif  zumutbar  sei,  da  er  dort  in  der  Person  seines  Stiefvaters  und  mutmasslich  auch  seiner  Mutter  über  ein  soziales  Beziehungsnetz verfüge. Im Wiedererwägungsgesuch vom 28. April 2010  respektive  in  der  Beschwerde  vom  29.  Oktober  2010  machte  der  Beschwerdeführer  geltend,  er  habe  im  Frühjahr  2010  erfahren,  dass  seine Mutter mit  seinen Halbgeschwistern  in  den  Iran  zu  seinem Onkel  geflüchtet  sei,  weswegen  er  in  Mazar­e­Sharif  kein  tragfähiges  Beziehungsnetz mehr habe. Aus den folgenden Gründen ist aufgrund der  vom  Beschwerdeführer  eingereichten  Beweismittel  von  der  Glaubhaftigkeit  dieses  Vorbringens  auszugehen:  Auf  den  vom  Beschwerdeführer  eingereichten  Farbfotos  sind  eine  ältere  Frau,  ein  junger  Mann  sowie  eine  junge  Frau  zu  sehen,  die  einzeln  oder  gemeinsam mit Zeitungen vor Sehenswürdigkeiten oder Einrichtungen in  Teheran  posieren,  insbesondere  dem  Azadi­Denkmal.  Gemäss  den  zu  den  Akten  gereichten  angeblich  von  der  afghanischen  Botschaft  in  Teheran ausgestellten Identifizierungsscheinen handelt es sich bei diesen  Personen  um  die  Mutter  sowie  die  beiden  Halbgeschwister  des  Beschwerdeführers. Auch das Alter der drei auf den Fotos abgebildeten  Personen deutet darauf hin, dass es sich bei  ihnen um die Mutter sowie  die  Halbgeschwister  des  Beschwerdeführers  handeln  dürfte,  machte 

D­7707/2010 Letzterer  anlässlich  der  Kurzbefragung  vom  29.  September  2006  doch  geltend,  er habe einen Halbbruder,  der ungefähr  vierzehn Jahre alt  sei,  sowie eine Halbschwester im Alter von ungefähr 11 Jahren. Zudem ist auf  Folgendes  hinzuweisen:  Den  beiden  eingereichten  DHL­ Versandquittungen lässt sich entnehmen, dass eine Person namens (…)  von  Teheran  aus  dem  Rechtsvertreter  des  Beschwerdeführers  Dokumente  per  DHL  zukommen  liess.  Gemäss  Angaben  des  Beschwerdeführers  anlässlich  der  Kurzbefragung  vom  29.  September  2006  ist  (…) der Name seiner Mutter. Dies spricht ebenfalls dafür, dass  sich  seine  Mutter  und  seine  Halbgeschwister  in  Teheran  aufhalten.  Im  Weiteren ist festzustellen, dass auf einzelnen der mit Schreiben vom 14.  Juli  2011  beziehungsweise  3.  August  2011  eingereichten  Fotos  das  Datum der  in den Händen gehaltenen Zeitungen entziffert werden kann  (2. Juni 2011), weshalb  feststeht, dass es sich dabei um relativ aktuelle  Aufnahmen handelt. Daher ist anzunehmen, dass sich die Mutter und die  Halbgeschwister auch heute noch in Teheran aufhalten. Überdies wurden  zwei  DHL­Versandquittungen  sowie  zwei  Briefumschläge  zu  den  Akten  gereicht, aus denen ersichtlich  ist, dass eine Person namens (…) am 7.  März 2010, am 8. März 2011 und am 8. Juni 2011 sowie am 15. Oktober  2011  Dokumente  von  Teheran  aus  an  den  Rechtsvertreter  des  Beschwerdeführers  sandte,  was  darauf  hindeutet,  dass  sich  die  Mutter  und  die  Halbgeschwister  des  Beschwerdeführers  seit  längerer  Zeit  in  Teheran  aufhalten  und  nicht  nur  zu  besuchszwecken  dort  verweilten.  Auch  der  Mietvertrag,  der  Eheschein,  der  Scheidungsschein  sowie  die  schriftlichen  Zeugenaussagen weisen  aufgrund  ihres  Inhalts  darauf  hin,  dass  die Mutter  des  Beschwerdeführers  sowie  dessen Halbgeschwister  seit längerem nicht mehr in Mazar­e­Sharif, sondern in Teheran wohnen,  auch  wenn  in  Übereinstimmung mit  der  Vorinstanz  gewisse  Vorbehalte  bezüglich der Echtheit afghanischer Dokumente bestehen. 6.5. Wegen des soeben Gesagten ist anzunehmen, dass die Mutter und  die Halbgeschwister des Beschwerdeführers Mazar­e­Sharif vor längerer  Zeit  verlassen  haben  und  heute  in  Teheran  wohnen.  Aufgrund  dieser  massgebenden Veränderung der Sachlage kann zum heutigen Zeitpunkt  nicht mehr davon ausgegangen werden, der Beschwerdeführer verfüge in  Mazar­e­Sharif  über  ein  tragfähiges  soziales  Beziehungsnetz  im  Sinne  der  vorstehend  dargelegten  Rechtsprechung  des  Bundesverwaltungsgerichts  bezüglich  der  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  (vgl. E. 6.2 f.), zumal er dort gemäss den Akten –  ausser  seinem  Stiefvater  –  keine  Verwandten  mehr  hat.  Weil  es  im  vorliegenden Fall bezüglich Mazar­e­Sharif bereits an der Voraussetzung 

D­7707/2010 einer  tragfähigen sozialen Vernetzung  fehlt,  ist der Wegweisungsvollzug  dorthin ohne eingehendere weitere Prüfung zum heutigen Zeitpunkt nicht  mehr als zumutbar zu erachten. 6.6.  Da  der  Beschwerdeführer  gemäss  den  Akten  neben  seinem  Stiefvater  in Mazar­e­Sharif  in keiner anderen Grossstadt  in Afghanistan  über  Verwandte  verfügt,  kommt  von  vornherein  auch  keine  Aufenthaltsalternative in Frage. 6.7. Den  Akten  lassen  sich  keinerlei  Hinweise  entnehmen,  wonach  der  Beschwerdeführer  einen  der  Tatbestände  von  Art.  83  Abs.  7  AuG  (Ausschluss  von  der  vorläufigen  Aufnahme)  erfüllen  würde.  Nach  dem  Gesagten erweist sich der Vollzug seiner Wegweisung aus der Schweiz  demzufolge  als  unzumutbar,  weshalb  sich  eine  Erörterung  der  beiden  anderen  Kriterien  (Unzulässigkeit,  Unmöglichkeit)  erübrigt.  Der  Beschwerdeführer ist deshalb in der Schweiz wegen Unzumutbarkeit des  Vollzugs der Wegweisung vorläufig aufzunehmen. 7.  Demnach  ist  festzustellen, dass die Vorinstanz mit  ihrer Verfügung vom  28.  September  2010  Bundesrecht  verletzte  (Art.  106  AsylG),  weshalb  diese  aufzuheben  ist.  Die  Aufhebung  der  angefochtenen  Verfügung  beinhaltet  auch  die  Aufhebung  der  von  der  Vorinstanz  geforderten  Gebühr,  weswegen  die  Vorinstanz  anzuweisen  ist,  dem  Beschwerdeführer  eine  allfällig  bereits  bezahlte  Gebühr  zurückzuerstatten. Ebenfalls  ist die Verfügung vom 29. September 2008  hinsichtlich der Ziffern 4 und 5 des Dispositivs aufzuheben. 8.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  keine  Kosten  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs.  1  VwVG),  weshalb  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  (Art.  65  Abs.  1  VwVG)  gegenstandslos  geworden ist. 9.  Dem  Beschwerdeführer  ist  angesichts  des  Obsiegens  im  Beschwerdeverfahren  in  Anwendung  von  Art.  64  Abs.  1  VwVG  eine  Parteientschädigung  für  ihm  erwachsene  notwendige  Vertretungskosten  zuzusprechen (vgl. Art. 7 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die  Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,  SR 173.320.2]).  Nachdem der Rechtsvertreter  keine Kostennote  zu  den  Akten  gereicht  hat,  ist  auf  die  Einforderung  einer  solchen  zu  Gunsten 

D­7707/2010 einer Festsetzung aufgrund der Akten zu verzichten  (vgl. Art. 14 Abs. 2  VGKE),  zumal  sich  diese  mit  hinreichender  Zuverlässigkeit  abschätzen  lässt.  Die  dem  Beschwerdeführer  vom  BFM  auszurichtende  Parteientschädigung  ist  auf  Fr.  900.­­  (inklusive  Auslagen  und  Mehrwertsteuer) festzusetzen. (Dispositiv nächste Seite)

D­7707/2010 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird gutgeheissen. 2.  Die  Verfügung  des  BFM  vom  28.  September  2010  wird  vollumfänglich  und  die  Verfügung  vom  29.  September  2008  bezüglich  der  Dispositivziffern 4 und 5 aufgehoben.  3.  Das  BFM  wird  angewiesen,  den  Beschwerdeführer  in  der  Schweiz  vorläufig aufzunehmen.  4.  Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.  5.  Das  BFM  wird  angewiesen,  dem  Beschwerdeführer  eine  Parteientschädigung  von  Fr.  900.­­  (inklusive  Auslagen  und  Mehrwertsteuer) auszurichten sowie eine allfällig bereits bezahlte Gebühr  zurückzuerstatten.  6.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Robert Galliker Matthias Jaggi Versand:

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