Skip to content

Bundesverwaltungsgericht 04.08.2011 D-7601/2008

4 agosto 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,414 parole·~12 min·1

Riassunto

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 30. Oktober 2008

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­7601/2008/sed Urteil   v om     4 .   Augus t   2011 Besetzung Contessina Theis (Vorsitz), Richter Martin Zoller, Richter  Pietro Angeli­Busi, Gerichtsschreiberin Bettina Schwarz. Parteien A._______, geboren am (…), Iran,  (…),   Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz. Gegenstand Asyl und Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 30. Oktober 2008/ N (…).

D­7601/2008 Sachverhalt: A.  Eigenen  Angaben  zufolge  verliess  der  Beschwerdeführer,  iranischer  Staatsangehöriger  und  persischer  Ethnie  aus  B._______,  seinen  Heimatstaat  am  3.  September  2007 mit  einem Schlepper  und  gelangte  am  10.  September  2007  nach  C._______,  wo  er  gleichentags  ein  Asylgesuch  einreichte.  Am  14.  September  2007  wurde  der  Beschwerdeführer  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  C._______  erstmals befragt und am 14. Januar 2008 hörte  ihn das BFM zu seinen  Asylgründen an. Im Wesentlichen machte der Beschwerdeführer geltend,  er  werde  seit  einem  Streit  im  Juli  2007  mit  einer  Gruppe  von  Revolutionswächtern  von  den  iranischen  Sicherheitskräften  gesucht.  Er  sei damals vor seinem Haus zu einem Freund ins Auto gestiegen, wobei  er  laute Musik gehört habe. Plötzlich seien mehrere Revolutionswächter  (Basidji)  gekommen  und  hätten  ihnen  befohlen,  die  Musik  leiser  zu  stellen, was sie aber nicht getan hätten. Stattdessen hätten sie die Basidji  beschimpft  und  provoziert,  worauf  diese  Verstärkung  angefordert  und  Tränengas  gegen  sie  gesprayt  hätten.  Dem Beschwerdeführer  sei  aber  trotz Tränengas und einem Schlag auf den Rücken die Flucht gelungen,  währenddessen  sein  Freund  festgenommen  worden  sei.  Aus  Angst,  ebenfalls festgenommen zu werden, sei er in der Folge zu seinem Bruder  gezogen. Nach diesem Vorfall  hätten die Sicherheitskräfte mitten  in der  Nacht eine Hausdurchsuchung bei seiner Familie durchgeführt und dabei  seinen  Pass,  seine  Identitätskarte  sowie  ein  Militärbüchlein  beschlagnahmt. Schliesslich sei er elf Tage nach diesem Vorfall mit Hilfe  eines Schleppers in die Schweiz geflüchtet. B.  Mit Verfügung vom 30. Oktober 2008 – zugestellt am 3. November 2008  – lehnte  das  BFM  die  Asylbegehren  des  Beschwerdeführers  ab  und  ordnete gleichzeitig die Wegweisung aus der Schweiz und deren Vollzug  an.  Die  Vorinstanz  begründete  ihre  Verfügung  im  Wesentlichen  damit,  dass  die  Schilderungen  des  Beschwerdeführers  die  Anforderungen  von  Art.  7  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  an  die  Glaubhaftigkeit  nicht  erfüllten.  Der  Vollzug  der  Wegweisung  sei  als  zulässig, zumutbar und möglich zu erachten. Auf die weitere Begründung  wird, soweit entscheidwesentlich, in den Erwägungen eingegangen. C.  Mit  Eingabe  vom  27.  November  2008  (Poststempel)  beantragte  der 

D­7601/2008 Beschwerdeführer  die  Aufhebung  der  vorinstanzlichen  Verfügung  vom  30. Oktober 2008 und die Gewährung von Asyl. Zudem sei eventualiter  die  Unzulässigkeit  und  die  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  festzustellen  und  die  vorläufige  Aufnahme  anzuordnen.  In  prozessualer  Hinsicht sei die unentgeltliche Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021)  zu  gewähren  und  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  sei  zu  verzichten.  Zur  Untermauerung  seiner  Vorbringen  legte  er  unter  anderem  eine  Fürsorgebestätigung  vom  27.  November  2008  sowie  ein  Bestätigungsschreiben der persisch sprechenden christlichen Gemeinde  ins Recht. Auf die weitere Begründung wird, soweit entscheidwesentlich,  in den Erwägungen eingegangen. D.  Am  9.  Dezember  2008  reichte  der  Beschwerdeführer  eine  Taufbestätigung der E._______ vom 8. Dezember 2008 sowie eine DVD  mit seiner Taufzeremonie vom 23. November 2008 zu den Akten. E.  Mit  prozessleitender  Verfügung  des  damals  zuständigen  Instruktionsrichters  vom  11.  Dezember  2008  wurde  dem  Beschwerdeführer mitgeteilt, dass er den Ausgang des Verfahrens in der  Schweiz  abwarten  könne  und  über  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG zu einem  späteren  Zeitpunkt  befunden  werde.  Zudem  wurde  auf  die  Erhebung  eines  Kostenvorschusses  verzichtet  und  die  Vorinstanz  in  Anwendung  von  Art.  57  VwVG  zur  Einreichung  einer  Stellungnahme  bis  zum  29.  Dezember 2008 eingeladen. F.  Das BFM erläuterte  in seiner Vernehmlassung vom 12. Dezember 2008  seinen  Standpunkt  zur  Konversion  des  Beschwerdeführers  zum  christlichen Glauben und beantragte die Abweisung der Beschwerde. G.  Mit  Zwischenverfügung  vom  19.  Dezember  2008  wurde  dem  Beschwerdeführer  die  vorinstanzliche  Vernehmlassung  zur  Stellungnahme unterbreitet. 

D­7601/2008 H.  In seiner Replik vom 6. Januar 2009 nahm der Beschwerdeführer zu den  Argumenten des BFM  in der Vernehmlassung vom 12. Dezember 2008  Stellung und hielt an seinen gestellten Begehren und deren Begründung  fest. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]). 2.  2.1.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Beschwerdeführer  ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Der  Beschwerdeführer  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art.  105  AsylG  i.V.m.  Art.  37  VGG und Art. 48 Abs. 1, Art. 50 und 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist  einzutreten. 2.2. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.   3.1.  Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Als  Flüchtling  wird  eine  ausländische  Person  anerkannt,  wenn  sie  in  ihrem  Heimatstaat  oder  im  Land,  in  dem  sie  zuletzt  wohnte,  wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit 

D­7601/2008 zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen  Anschauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete  Furcht  hat,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden.  Als  ernsthafte  Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder  Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck  bewirken; den frauenspezifischen Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen  (Art. 3 AsylG). 3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art.  7  AsylG). 4.   4.1.  Die  Vorinstanz  hielt  zur  Begründung  ihres  ablehnenden  Asylentscheides  im  Wesentlichen  fest,  dass  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  den  Anforderungen  an  die  Glaubwürdigkeit  gemäss  Art. 7 AsylG nicht standhalten würden, sodass ihre Asylrelevanz gar nicht  geprüft werden müsse. So  habe  der Beschwerdeführer  ungereimte  und  widersprüchliche  Angaben  zu  den  konkreten  Abläufen  bis  zum  Auftauchen der Basidjis und zum genauen Ort des Geschehens gemacht.  Beispielsweise  habe  er  einerseits  erklärt,  bereits  mit  dem  Auto  losgefahren  zu  sein,  als  die  zwei  Basidjis  auf  einem Motorrad  ihn  und  seinen  Freund  wegen  der  lauten  Musik  gestoppt  hätten,  andererseits  habe  er  im  weiteren  Verlauf  der  Anhörung  zu  Protokoll  gegeben,  die  Basidjis seien bei ihnen gewesen, als sie das Auto gerade hätten starten  wollen.  Weiter  hielt  das  BFM  fest,  dass  ohnehin  seine  ganzen  Schilderungen  betreffend  des  angeblichen  Zusammenstosses  mit  den  Basidjis konstruiert und lebensfremd ausfallen würden. Es scheine zudem  in  hohem  Grade  unwahrscheinlich,  dass  es  dem  Beschwerdeführer,  welcher angeblich mit Tränengas mit einem Schlagstock auf den Rücken  attackiert  worden  sei,  gelungen  sei,  als  Einzelner  einen  Kampf  gegen  mehrere Basijis zu gewinnen und sich dann noch erfolgreich vom Ort des  Geschehens  abzusetzen.  Darüber  hinaus  wirke  sein  angebliches  weiteres  Vorgehen,  sich  bei  seinem  Bruder  zu  verstecken  und  andererseits trotzdem bis zum 3. August 2007 an seiner gewohnten und  damit  leicht  auffindbaren  Arbeitsstelle  in  einer  Fabrik  weiterzuarbeiten, 

D­7601/2008 nicht  nachvollziehbar.  Weiter  sei  zu  bemerken,  dass  die  heimatlichen  Sicherheitskräfte  mit  grosser  Wahrscheinlichkeit  auch  an  seiner  Arbeitsstelle  aufgetaucht  wären  und  ihn  festgenommen  hätten,  wenn  diese  tatsächlich  ein  Verfolgungsinteresse  gehabt  hätten.  Die  ungereimten  und  realitätsfremden  Angaben  des  Beschwerdeführers  zu  den zentralen Elementen seiner angeblichen Verfolgungssituation würden  zum  Schluss  führen,  dass  er  sich  mit  seinen  geltend  gemachten  Asylgründen auf einen konstruierten Sachverhalt und nicht auf tatsächlich  Erlebtes  beziehe.  Es  könne  ihm  somit  nicht  geglaubt  werden,  dass  er  nach  einem  Zwischenfall  mit  Revolutionswächtern  von  den  iranischen  Sicherheitskräften gesucht werde. 4.2.  Die  Vorinstanz  hielt  in  ihrer  Vernehmlassung  vom  12.  Dezember  2008  vollumfänglich  an  ihren  bisherigen  Erwägungen  fest  und  führte  ergänzend an, dass die Beschwerdeschrift  keine neuen Tatsachen oder  Beweismittel  enthalte,  welche  eine  Änderung  des  vorinstanzlichen  Standpunktes  zu  rechtfertigen  vermöchten.  Was  die  neu  vom  Beschwerdeführer  geltend  gemachte  Konversion  zum  christlichen  Glauben  in der Schweiz betreffe,  führe diese gemäss gefestigter Praxis  des BFM in der Regel nicht zu einer ausreichend begründeten Furcht vor  zukünftiger  asylbeachtlicher Verfolgung,  da  solche Glaubenswechsel  oft  organisiert  würden,  um  ein  entsprechendes  Anwesenheitsrecht  in  der  Schweiz  zu  erwirken  und  deshalb  in  der  Regel  nicht  als  ernsthaft  und  nachhaltig betrachtet werden könnten. Aus diesem Grunde sei in solchen  Fällen auch nicht mit einer asylrelevanten Verfolgung bei einer allfälligen  Rückkehr in den Iran zu rechnen. Es lägen auch sonst keine besonderen  Elemente  im  Hinblick  auf  die  Konversion  des  Beschwerdeführers  zum  christlichen  Glauben  vor,  welche  zu  einer  wahrscheinlichen  asylbeachtlichen  Verfolgung  bei  einer  Rückkehr  in  den  Iran  führen  könnten. 4.3.  In seiner Beschwerdeschrift erklärte der Beschwerdeführer, dass es  möglich sei, dass seine Aussagen bei der Befragung etwas unklar gewirkt  hätten,  diese  Tatsache  aber  darauf  zurückzuführen  sei,  dass  er  eine  Situation  habe  wiedergeben  müssen,  die  ihn  sehr  aufgewühlt  habe.  Zudem  habe  ihn  die  Schnelligkeit  des  Angriffs  verbunden  mit  der  Einsetzung  von  Tränengas  sehr  verwirrt.  Weiter  erklärte  er,  dass  es  richtig  sei,  dass  die  Revolutionswächter  gerade  in  dem  Moment  gekommen  seien,  als  er  und  sein  Kollege  den  Motor  hätten  starten  wollen. Er  habe des weiteren  sich  vor dem Tränengasangriff  abwenden  können, indem er seinen Arm schützend vor seine Augen gehalten habe 

D­7601/2008 und  somit  noch  etwas  habe  sehen  und  somit  mit  letzten  Kräften  habe  entkommen können. Zudem müsse er noch hinzufügen, dass er während  des Aufenthaltes bei seinem Bruder nicht mehr gearbeitet habe. 4.4.  In  seiner Replik  hielt  der Beschwerdeführer  fest,  dass  er  nicht  aus  Berechnung zum Christentum übergetreten sei, sondern er sich für diese  grosse  Entscheidung  Zeit  gelassen  habe  und  aus  Überzeugung  Christ  geworden  sei. Weiter  teile  er  die Einschätzung der Vorinstanz nicht,  da  gemäss  iranischem  Gesetz  die  Abwendung  vom  Islam  mit  der  Todesstrafe geahndet werde. Somit sei klar, dass er bei einer Rückkehr  in den Iran mit ernsthaften Nachteilen zu rechnen hätte. 5.  5.1.  Das  Gericht  kommt  nach  Durchsicht  der  Akten  entgegen  der  Vorinstanz  zum  Schluss,  dass  die  Äusserungen,  ob  nun  der  Beschwerdeführer auf dem noch ruhenden Motorrad gesessen haben soll  (A10 /S. 3 unten) oder das Fahrzeug bereits ins Rollen gebracht worden  sei  (A10  /S.  3  oben),  keinen  wirklich  grossen  Widerspruch  darstellen.  Diese  kleine  Diskrepanz  vermag  im  Hinblick  auf  die  folgenden  Widersprüche  für sich alleine noch nicht die Glaubhaftigkeit  in Frage zu  stellen. 5.2.  Hingegen  stimmt  das  Gericht  der  Vorinstanz  zu,  dass  es  unwahrscheinlich  erscheint,  dass  sich  der  Beschwerdeführer  gegen  mehrere  Basiji  unter  der  Einwirkung  von  Tränengas  wehren  und  entkommen  konnte,  zumal  der  Beschwerdeführer  in  der  Anhörung  aussagte, dass ihm die Augen so stark tränten, dass er nicht mehr sehen  konnte  (A10/  S.3)  und  dieser Umstand  zehn  bis  fünfzehn Minuten  sehr  stark  angedauert  haben  soll  (A10/S.5).  Zudem  gab  er  in  derselben  Befragung zu Protokoll, dass er einen Fusstritt auf den Rücken verpasst  bekommen  habe  und  diese  Verletzung  bis  zum  heutigen  Zeitpunkt  schmerze.  Aufgrund  diesen  Angaben  ist  davon  auszugehen,  dass  der  angebliche  Angriff  von  starker  Intensität  war  und  ein  Entkommen  nicht  möglich  gewesen  sein  kann,  zumal  die  Basiji  zudem  noch  Verstärkung  herbeigerufen hätten. 5.3.  Die  Vorinstanz  hielt  die  Aussagen  des  Beschwerdeführers  als  widersprüchlich, da der Beschwerdeführer, in der Erstbefragung mitteilte,  bis  zum  3.  August  2007  noch  in  seiner  Fabrik  gearbeitet  zu  haben,  hingegen bei der Anhörung mitteilte, er habe sich während der Zeit, als er  bei  seinem  Bruder  gewohnt  habe,  in  den  Plantagen  in  der  Nähe 

D­7601/2008 aufgehalten  (A10/  S.9  unten).  Nach  Durchsicht  der  Akten  gelangt  hingegen das Gericht zum Schluss, dass beide Aussagen vereinbar und  richtig sein können, zumal der Vorfall mit den Basijids am 26. Juli 2007  stattgefunden haben soll, der Beschwerdeführer gemäss seinen Angaben  aber  erst  am  3.  September  2007  aus  dem  Iran  ausgereist  sei.  Das  Gericht  hält  es deshalb  für  zeitlich möglich,  dass der Beschwerdeführer  bis  zum  3.  August  2007  seiner  Arbeit  nachgehen  konnte,  in  der  Folge  dann zu seinem Bruder zog und sich dann bis zu seiner Abreise  in den  Plantagen versteckt hielt. 5.4. Im Anhörungsprotokoll A10/S.9 betonte der Beschwerdeführer, dass  gemäss  iranischem  Strafgesetz  eine  Beleidigung  eines  Revolutionsführers  mit  Hinrichtung  bestraft  werde.  Betreffend  dieser  Aussage  ist  zu  bezweifeln,  ob  der  damals  nichtalkoholisierte  vierundzwanzigjährige  Beschwerdeführer,  wohlwissend  dieser  angeblichen Konsequenzen, diese Beleidigung wirklich ausgeübt hat. Es  scheint  realitätsfremd,  dass  eine  Person  für  eine  Beamtenbeleidigung  und nur um  laute Musik  zu hören,  ihr Leben  riskiert. Darüber hinaus  ist  überhaupt  grundsätzlich  zu  bezweifeln,  dass  diese  vom  Beschwerdeführer  vorgebrachte  Übertretung  mit  der  Todesstrafe  vergolten  wird.  Es  scheint  zudem  unverhältnismässig,  dass  aufgrund  eines  auch  für  den  iranischen  Staat  begangenen  Bagatellvorfalles  die  Sicherheitskräfte eine Person tagelang verfolgen und einen solch grossen  Aufwand betreiben sollen. Aufgrund des soeben Ausgeführten  ist davon  auszugehen,  es  handle  sich  bei  den  Verfolgungsvorbringen  des  Beschwerdeführers  um  ein  Sachverhaltskonstrukt.  Insgesamt  sind,  in  Übereinstimmung  mit  der  Vorinstanz,  die  geltend  gemachten  Vorfluchtgründe als unglaubhaft zu werten.  Das  BFM  hat  demnach  zu  Recht  von  einer  Überprüfung  dieser  Vorbringen auf ihre Asylrelevanz abgesehen. 6.  6.1. Des Weiteren macht der Beschwerdeführer mit der Einreichung einer  Taufbestätigung  mit  deren  Video  und  der  damit  vorgebrachten  Konversion  zum  christlichen  Glauben  während  seines  hiesigen  Aufenthaltes subjektive Nachfluchtgründe geltend. 6.2.  6.2.1.  Flüchtlingen  wird  kein  Asyl  gewährt,  wenn  sie  erst  durch  ihre  Ausreise  aus  dem  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  oder  wegen  ihres 

D­7601/2008 Verhaltens nach der Ausreise Flüchtlinge  im Sinne von Artikel 3 wurden  (Art. 54 AsylG). 6.2.2.  Wer  sich  darauf  beruft,  dass  durch  sein  Verhalten  nach  der  Ausreise aus dem Heimat­ oder Herkunftsland eine Gefährdungssituation  erst  geschaffen  worden  ist,  macht  subjektive  Nachfluchtgründe  geltend  (vgl.  Art.  54  AsylG).  Subjektive  Nachfluchtgründe  begründen  zwar  die  Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, führen jedoch nach Art.  54  AsylG  zum  Ausschluss  des  Asyls,  unabhängig  davon,  ob  sie  missbräuchlich  oder  nicht  missbräuchlich  gesetzt  wurden.  Das  vom  Gesetzgeber  vorgesehene  Konzept,  wonach  das  Vorliegen  von  subjektiven  Nachfluchtgründen  die  Gewährung  von  Asyl  ausschliesst,  verbietet  auch  ein  Addieren  solcher  Gründe  mit  Fluchtgründen,  welche  vor der Ausreise aus dem Heimat­  oder Herkunftsstaat  entstanden  sind  und die für sich allein nicht zur Bejahung der Flüchtlingseigenschaft und  zur  Asylgewährung  ausreichen  (vgl.  Entscheide  des  Schweizerischen  Bundesverwaltungsgerichts  [BVGE] 2009/28 E. 7.1 S. 352, mit weiteren  Hinweisen). 6.3.  6.3.1.  In  Bezug  auf  die  geltend  gemachte  Konversion  reichte  der  Beschwerdeführer mit Eingabe 9. Dezember 2008 eine Taufbestätigung  der  E._______  sowie  eine  CD  mit  einer  Aufzeichnung  seiner  Taufzeremonie  zu  den  Akten.  Soweit  der  Beschwerdeführer  mit  diesen  Dokumenten  seine  Befürchtungen  vor  allfälligen  Behelligungen  seitens  des  iranischen  Staates  aufgrund  seiner  neuen  christlichen  Gesinnung  Ausdruck verleihen will, ist Folgendes festzuhalten: Das  Bundesverwaltungsgericht  ist  in  BVGE  2009/28  aufgrund  einer  umfassenden Beurteilung der  aktuellen Situation  religiöser Minderheiten  und  insbesondere  der  Konvertiten  im  Iran  und  im  Ausland  zum  christlichen  Glauben  zum  Schluss  gekommen,  dass  Konversionen  beziehungsweise Übertritte vom muslimischen Glauben zum Christentum  in  den  letzten  Jahren merklich  zugenommen  haben.  Dieses  Phänomen  wird  einerseits  durch  die  zunehmende  Ablehnung  der  stets  islamisch­ restriktiv argumentierenden iranischen Regierungselite durch die zumeist  jungen muslimischen  Iranerinnen  und  Iraner,  die  ihre  Hinwendung  zum  Christentum  als  Protest  gegen  die  islamische  Regierung  verstehen,  begründet.  Andererseits  ist  eine  augenfällige  Intensivierung  der  Missionierungsbestrebungen  christlicher  Gruppierungen  im  Iran  feststellbar. Dieser Trend erstaunt umso mehr, als gemäss  islamischem 

D­7601/2008 Recht für eine muslimische Person keine anerkannte Möglichkeit existiert,  dem  islamischen  Glauben  abzuschwören  und  zum  Christentum  überzutreten. Gemäss  dem Koran  kommt  der  Abfall  vom Glauben  dem  Verrat an der islamischen Gemeinde gleich und soll mit dem Tod bestraft  werden. Das kodifizierte  iranische Strafrecht kennt  jedoch die Apostasie  als Tatbestand bisher  nicht. Der Richter  kann die Todesstrafe  für  einen  Konvertierten  also  nicht  aus  dem  kodifizierten  Strafrecht  begründen.  Bislang  bietet  nur  die  Scharia  dem  iranischen  Richter  die  Rechtsgrundlage, um Apostaten zum Tode zu verurteilen. Diesbezüglich  hat jedoch das Oberhaupt der iranischen Judikative, Ayatollah Shahroudi,  sowohl  die  Staatsanwaltschaften  als  auch  die  Gerichte  im  Jahre  2002  angewiesen,  dass  niemand wegen des Wechsels  der Religion  verurteilt  werden  soll,  wobei  diese  Weisung  zwar  durch  kein  Gericht,  jedoch  jederzeit  durch das Regime aufgehoben werden  kann, was bisher  nicht  geschehen  ist.  In  den  letzten  Jahren  wurden  denn  auch  keinerlei  Verurteilungen  zur  Todesstrafe  wegen  Apostasie  bekannt.  Soweit  der  Glaubenswechsel  ohne  jegliche  politische Betätigung  erfolgt,  gibt  es  im  Strafrecht  bislang  keine  Vorschriften,  die  ihn  unter  Strafe  stellen.  Allein  der  Übertritt  führt  grundsätzlich  zu  keiner  (individuellen)  staatlichen  Verfolgung,  sofern  der  Konvertierte  den  absoluten  Machtanspruch  der  Muslime  respektiert  und  nicht missionierend  tätig  wird.  Eine  Verfolgung  durch  den  iranischen  Staat  kommt  erst  dann  zum  Tragen,  wenn  der  Glaubenswechsel aufgrund einer missionierenden Tätigkeit bekannt wird  und zugleich Aktivitäten des Konvertierten vorliegen, die vom Regime als  Angriff  auf  den  Staat  angesehen werden.  Nach  den  Erkenntnissen  des  Bundesverwaltungsgerichts  wurden  Konvertierte  nach  der  Amtseinsetzung  von  Präsident  Ahmadinejad  seitens  der  iranischen  Behörden  in  verstärktem  Mass  Verfolgungshandlungen  und  Druckversuchen,  welche  die  Konvertierten  zur  Rückkehr  zum  Islam  bewegen  sollen,  ausgesetzt.  Zusätzlich  zu  den  genannten  staatlichen  Repressionen  gegen  evangelikale  Christen  kann  für  Konvertiten  eine  weitere Gefährdung dann entstehen, wenn sie ins Visier radikal­militanter  Muslime  geraten,  die  den  Abfall  vom  Islam  als  ein  mit  dem  Tod  zu  bestrafendes  Vergehen  betrachten.  Eine  ähnliche  Gefährdung  für  die  physische  Unversehrtheit  von  Konvertiten  kann  aus  dem  Kreis  der  Familie  entstehen,  wenn  einer  solchen  radikal­militante  Muslime  angehören,  die  einen  Religionswechsel  nicht  tolerieren,  zumal  die  iranischen  Behörden  aufgrund  ihrer  fehlenden  Schutzbereitschaft  mit  erheblicher  Wahrscheinlichkeit  keinen  Einsatz  zugunsten  des  betreffenden  christlichen  Konvertiten  leisten  respektive  inoffiziell  solche  Übergriffe dulden würden.

D­7601/2008 Betreffend  die  Konversion  im Ausland  beziehungsweise  in  der  Schweiz  hielt das Bundesverwaltungsgericht  im publizierten Urteil demgegenüber  fest,  dass  eine  differenziertere  Beurteilung  vorzunehmen  ist,  zumal  solche  Übertritte  nach  den  Erkenntnissen  der  schweizerischen  Asylbehörden nicht selten als eigentliches Mittel zum Erwerb einer sonst  nicht erlangbaren Aufenthaltsmöglichkeit im betreffenden Aufenthaltsland  instrumentalisiert  werden.  Diese  asyltaktische  Handlungsweise  der  iranischen  Staatsbürger  im  westlichen  Ausland  ist  den  iranischen  Behörden durchaus bekannt und wird bei der Bewertung des Verhaltens  im  Sinne  von  Art. 225  Abs.  2  des Gesetzesentwurfs  zur  Änderung  des  iranischen  Strafgesetzbuches  insofern  berücksichtigt,  als  diese  Konversion  im  Falle  einer  Rückkehr  in  den  Iran  nicht  zu  ernsthaften  Nachteilen  im Sinne  von Art.  3 AsylG  führen würde,  zumal  die  diskrete  und  private  Glaubensausübung  im  Iran  auch  ausserhalb  des  Islam  grundsätzlich möglich ist. Bei Konversionen im Ausland ist daher – soweit  möglich  –  die  christliche  Überzeugung  eines  Asylgesuchstellers  im  Einzelfall einer näheren Überprüfung zu unterziehen. Mithin vermag eine  christliche  Glaubensausübung  im  Iran  dann  Massnahmen  auslösen,  wenn sie hierzulande aktiv und sichtbar nach aussen praktiziert wird und  im  Einzelfall  davon  ausgegangen  werden  muss,  dass  das  heimatliche  Umfeld  von  einer  solchen  aktiven,  allenfalls  gar  missionierende  Züge  annehmenden  Glaubensausübung  erfährt.  Sollten  nämlich  nahe  Familienangehörige  extrem  fanatische  Muslime  sein,  kann  der  Übertritt  zum  Christentum  zu  nachhaltiger  Denunzierung  bei  iranischen  Sicherheitsdiensten  führen.  Zudem  kann  der  Übertritt  zum  Christentum  immer auch als  "Hochverrat, Staatsverrat, Abfall  von der eigenen Sippe  und  dem  eigenen  Stamm"  gesehen  werden.  Bei  Konversionen  im  Ausland  muss  daher  bei  der  Prüfung  im  Einzelfall  neben  der  Glaubhaftigkeit  der  Konversion  auch  das  Ausmass  der  öffentlichen  Bekanntheit  für  die  betroffene Person  in Betracht  gezogen werden  (vgl.  BVGE 2009/28 E. 7.3.4 und 7.3.5, mit weiteren Hinweisen). 6.3.2. Für den vorliegenden Einzelfall stellt sich die Situation aufgrund der  vorstehenden  Ausführungen  und  in  Berücksichtigung  der  in  diesem  Zusammenhang während des Verfahrens eingereichten Beweismittel wie  folgt dar: Der Beschwerdeführer gab  in seinem Tauf­Interview vom 23. November  2008 zur Kenntnis, dass er  seit drei Monaten an Jesus Christus glaube  und  sein  weiteres  Leben  nach  ihm  ausrichten  wolle.  Es  sind  keine  weiteren  Hinweise  zu  entnehmen,  dass  der  Beschwerdeführer  im 

D­7601/2008 Zusammenhang mit  seiner  christlichen Gesinnung  in  leitender  Funktion  tätig wäre oder sich in besonderer Weise exponiert hätte. Auch bestehen  keine  Anhaltspunkte  für  allfällige  öffentliche  religiöse  Aktivitäten.  In  der  Beschwerde  wird  nur  angeführt,  dass  er  seit  gut  einem  Jahr  praktizierender Christ sei und regelmässig die Kirche besuche. Somit und  in  Ermangelung  anderweitiger  Hinweise  in  den Akten  ist  zu  schliessen,  dass  es  sich  beim  Beschwerdeführer  um  ein  einfaches  Mitglied  einer  christlichen  Vereinigung  handelt.  Von  einer  konkreten Gefahr,  dass  der  Beschwerdeführer  den  iranischen  Behörden  aufgrund  seiner  Konvertierung  zum  Christentum  bekannt  wäre,  ist  daher  nicht  auszugehen. Es  bestehen  damit  keine  konkreten  Anhaltspunkte,  dass  der  Beschwerdeführer  aufgrund  seiner  religiösen  Gesinnung  im  Falle  einer  Rückkehr Verfolgungsmassnahmen gemäss Art.  3 AsylG  zu  gewärtigen  hätte. 7.  Zusammenfassend  ist  festzustellen,  dass  das  BFM  zu  Recht  das  Asylgesuch des Beschwerdeführers abgelehnt hat und auch die geltend  gemachten  subjektiven  Nachfluchtgründe  nicht  geeignet  sind,  eine  flüchtlingsrechtlich  relevante  Verfolgungsfurcht  zu  begründen,  weshalb  der  Beschwerdeführer  nicht  als  Flüchtling  anerkannt  werden  kann.  An  dieser Einschätzung vermögen weder die weiteren Ausführungen  in den  Eingaben  noch  die  beigelegten  Beweismittel  etwas  zu  ändern,  weshalb  darauf verzichtet werden kann, auf diese weitergehend einzugehen. Die  Vorinstanz hat das Asylgesuch des Beschwerdeführer demnach zu Recht  abgelehnt. 8.   8.1. Lehnt  das Bundesamt  das Asylgesuch  ab  oder  tritt  es  darauf  nicht  ein,  so  verfügt  es  in  der  Regel  die Wegweisung  aus  der  Schweiz  und  ordnet den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit  der Familie (Art. 44 Abs. 1 AsylG). 8.2. Der Beschwerdeführer  verfügt weder  über  eine  ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44  Abs. 1 AsylG; vgl. BVGE 2009/50 E. 9 S. 733; EMARK 2001 Nr. 21). 9. 

D­7601/2008 9.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder  nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  von  Ausländern  (Art.  44  Abs.  2  AsylG;  Art.  83  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer  [AuG,  SR 142.20]). 9.2.  9.2.1.  Der  Vollzug  ist  nicht  zulässig,  wenn  völkerrechtliche  Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des  Ausländers  in  den  Heimat­,  Herkunfts­  oder  in  einen  Drittstaat  entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AuG). So  darf  keine  Person  in  irgendeiner  Form  zur  Ausreise  in  ein  Land  gezwungen  werden,  in  dem  ihr  Leib,  ihr  Leben  oder  ihre  Freiheit  aus  einem  Grund  nach  Art.  3  Abs.  1  AsylG  gefährdet  ist  oder  in  dem  sie  Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art.  5 Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli  1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss  Art.  25  Abs.  3  der  Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18.  April  1999  (BV,  SR  101),  Art.  3  des  Übereinkommens  vom  10.  Dezember  1984  gegen  Folter  und  andere  grausame,  unmenschliche  oder  erniedrigende  Behandlung  oder  Strafe  (FoK,  SR  0.105)  und  der  Praxis  zu  Art.  3  der  Konvention  vom  4. November  1950  zum  Schutze  der  Menschenrechte  und  Grundfreiheiten  (EMRK,  SR  0.101)  darf  niemand  der  Folter  oder  unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen  werden. 9.2.2. Die  Vorinstanz  wies  in  ihrer  angefochtenen  Verfügung  zutreffend  darauf  hin,  dass  der  Grundsatz  der  Nichtrückschiebung  nur  Personen  schützt,  die  die  Flüchtlingseigenschaft  erfüllen.  Da  es  dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  eine  asylrechtlich  erhebliche  Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann das in Art. 5  AsylG und Art. 33 FK verankerte Prinzip des  flüchtlingsrechtlichen Non­ Refoulements  im vorliegenden Verfahren keine Anwendung  finden. Eine  Rückkehr des Beschwerdeführers  in den Heimatstaat  ist demnach unter  dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.

D­7601/2008 9.2.3.  Sodann  ergeben  sich  weder  aus  den  Aussagen  des  Beschwerdeführers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für  den  Fall  einer  Ausschaffung  in  den  Heimatstaat  dort  mit  beachtlicher  Wahrscheinlichkeit  einer nach Art.  3 EMRK oder Art.  1 FoK verbotenen  Strafe  oder  Behandlung  ausgesetzt  wäre.  Gemäss  Praxis  des  Europäischen  Gerichtshofes  für  Menschenrechte  (EGMR)  sowie  jener  des  UN­Anti­Folterausschusses  müsste  der  Beschwerdeführer  eine  konkrete  Gefahr  ("real  risk")  nachweisen  oder  glaubhaft  machen,  dass  ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmenschliche Behandlung  drohen würde  (vgl. EGMR  [Grosse Kammer], Saadi gegen  Italien, Urteil  vom  28.  Februar  2008,  Beschwerde Nr.  37201/06,  §§  124  bis  127, mit  weiteren  Hinweisen).  Auch  die  allgemeine  Menschenrechtssituation  im  Heimatstaat lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht  als unzulässig erscheinen. 9.3.  9.3.1. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug  für Ausländerinnen  und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  auf  Grund  von  Situationen  wie  Krieg,  Bürgerkrieg,  allgemeiner  Gewalt  und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art.  83  Abs. 7  AuG  –  die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren  (vgl.  Botschaft  zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer vom 8. März  2002, BBl 2002 3818). 9.3.2.  Vorliegend  ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  als  zumutbar  zu  erachten,  weil  keine  Hinweise  dafür  erkennbar  sind,  der  Beschwerdeführer wäre  bei  einer Rückkehr  in  den  Iran  einer  konkreten  Gefährdung  aufgrund  der  allgemeinen  Lage  ausgesetzt.  Das  Bundesverwaltungsgericht erachtet den Wegweisungsvollzug gestützt auf  die allgemeine Lage als generell zumutbar. 9.3.3.  Es  sind  auch  keine  individuellen  Gründe  ersichtlich,  die  die  Rückkehr  des  Beschwerdeführers  in  seine  Heimat  als  unzumutbar  erscheinen  lassen  würden.  So  verfügt  der  Beschwerdeführer  über  eine  schulische Grundausbildung mit Matura  sowie  über Berufserfahrung  als  F._______ in einer G._______. Weiter hat er in seinem Heimatland enge  Familienangehörige wie seinen Bruder und seine Eltern, die  ihm bei der  Reintegration  behilflich  sein  können.  Es  ist  ihm  daher möglich,  sich  bei  einer Rückkehr eine Existenzgrundlage zu schaffen.

D­7601/2008 Somit  erweist  sich  der  Vollzug  der  Wegweisung  insgesamt  auch  als  zumutbar. 9.4.  Schliesslich  obliegt  es  dem  Beschwerdeführer,  sich  bei  der  zuständigen  Vertretung  des  Heimatstaates  die  für  eine  Rückkehr  notwendigen  Reisedokumente  zu  beschaffen  (Art.  8  Abs.  4  AsylG  und  BVGE  2008/34  E.  12  S.  513ff.),  weshalb  der  Vollzug  der Wegweisung  auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AuG). 9.5. Insgesamt ist der durch die Vorinstanz verfügte Wegweisungsvollzug  zu bestätigen. Die Vorinstanz hat diesen zu Recht als zulässig, zumutbar  und  möglich  erachtet.  Nach  dem  Gesagten  fällt  eine  Anordnung  der  vorläufigen Aufnahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1­4 AuG). 10.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art.  106  AsylG).  Die  Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 11.  Das  mit  der  Beschwerde  gestellte  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  gemäss  Art.  65  Abs.  1VwVG  ist  abzuweisen,  da  die  Begehren  –  wie  sich  aus  den  vorliegenden  Erwägungen  ergibt  –  als  aussichtslos  zu  bezeichnen  sind,  weshalb  die  kumulativen  Voraussetzungen  für  die  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege nicht erfüllt sind. 12.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  die  Kosten  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art.  63  Abs.  1  und  5  VwVG)  und  auf  insgesamt  Fr. 600.­  festzusetzen  (Art.  1­3  des  Reglements  vom  21. Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). (Dispositiv nächste Seite)

D­7601/2008 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  gemäss  Art. 65 Abs. 1 VwVG wird abgewiesen. 3.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Die vorsitzende Richterin: Die Gerichtsschreiberin: Contessina Theis Bettina Schwarz Versand:

D-7601/2008 — Bundesverwaltungsgericht 04.08.2011 D-7601/2008 — Swissrulings