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Bundesverwaltungsgericht 20.01.2012 D-7554/2010

20 gennaio 2012·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·3,664 parole·~18 min·2

Riassunto

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 14. September 2010

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung IV D­7554/2010 Urteil   v om   2 0 .   J a nua r   2012 Besetzung Richter Robert Galliker (Vorsitz), Richterin Jenny de Coulon Scuntaro,  Richter Pietro Angeli­Busi; Gerichtsschreiber Matthias Jaggi. Parteien A._______, geboren (…), Syrien,   vertreten durch lic. iur. Michael Steiner, Rechtsanwalt,  (…), Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 14. September 2010 / N (…).

D­7554/2010 Sachverhalt: A.  Der  Beschwerdeführer  reiste  Anfang  Januar  2009  mit  einem  gültigen  Visum  über  den  Flughafen  B._______  in  die  Schweiz  ein.  Am  1.  April  2009  ersuchten  die  dänischen  Behörden  das  BFM  gestützt  auf  das  Dublin­Abkommen  um Übernahme  des  Beschwerdeführers,  der  am  10.  Januar  2009  nach  Dänemark  weitergereist  war.  Am  23.  April  2009  stimmte das BFM der Überstellung des Beschwerdeführers zu, woraufhin  dieser  am  16.  Juni  2009  in  die  Schweiz  überführt  wurde,  wo  er  am  gleichen Tag im Empfangs­ und Verfahrenszentrum (EVZ) C._______ um  Asyl  nachsuchte.  Dazu  wurde  er  am  19.  Juni  2009  durch  das  BFM  im  EVZ  C._______  befragt  (Kurzbefragung)  und  am  29.  Juni  2009  am  selben Ort angehört (Anhörung).  Zur  Begründung  seines  Asylgesuchs  machte  der  Beschwerdeführer  im  Wesentlichen  geltend,  er  sei  syrischer  Staatsangehöriger  kurdischer  Ethnie und stamme aus der Provinz D._______.  Im Jahre 2006 habe er  an  der  Universität  der  Stadt  E._______  (Provinz  E._______)  ein  Agronomie­Studium  begonnen.  Während  seiner  Studienzeit  habe  er  zusammen mit  drei  anderen  kurdischen  Studenten  in  einem  Zimmer  in  der  Stadt  E._______  gewohnt.  Zwei  seiner  Mitbewohner  seien Mitglied  bei der PKK (Arbeiterpartei Kurdistans) beziehungsweise der Yekiti­Partei  gewesen  und  hätten  unter  anderem  für  diese  Parteien  ab  und  zu  Veranstaltungen  durchgeführt.  Er   habe  keiner  Partei  angehört,  habe  seine beiden Zimmerkameraden  jedoch unterstützt,  indem er Flugblätter  verteilt  habe  und  bei  der  Organisation  von  Newroz­Veranstaltungen  mitgeholfen habe. Anfang März 2008 habe die Polizei  ihr gemeinsames  Zimmer, in dem sich politisches Material befunden habe, durchsucht und  seine zwei politisch aktiven Mitbewohner, die anwesend gewesen seien,  festgenommen und in ein Gefängnis überführt. Er sei zu diesem Zeitpunkt  an der Uni gewesen, wo er  vom Vermieter des Studentenzimmers über  den  Vorfall  unterrichtet  worden  sei.  Er  sei  nicht  mehr  in  das  Zimmer  zurückgekehrt,  sondern  er  habe  sich  anschliessend  in  die  Provinz  D._______  begeben,  wo  er  sich  meistens  bei  seinem  Grossvater  aufgehalten habe, da er befürchtet habe, ebenfalls verhaftet zu werden.  Von seiner Familie habe er später erfahren, dass die Polizei Ende März  2008  ihn  bei  seinen  Eltern  gesucht  habe.  Sie  hätten  ihre  Adresse  hinterlegt und ausrichten lassen, er müsse sich melden. Da seine beiden  Zimmerkollegen nicht aus dem Gefängnis entlassen worden seien und er  befürchtet  habe,  von  den  syrischen  Behörden  ebenfalls  inhaftiert  zu 

D­7554/2010 werden, habe er  sich durch einen Schlepper ein Visum  für die Schweiz  organisiert und sei am 7. Januar 2009 unter Umgehung der Kontrollen im  Flughafen von Damaskus nach B._______ geflogen, von wo er per Auto  via Deutschland nach Dänemark gelangt  sei,  da man  ihm gesagt habe,  es  sei  für  ihn  nach  einer  Einreise  mit  einem  gültigen  Visum  nicht  vorteilhaft,  in  der  Schweiz  ein  Asylgesuch  einzureichen.  Bezüglich  der  weiteren  Aussagen  des  Beschwerdeführers  wird  auf  die  Protokolle  bei  den Akten verwiesen.  B.  Mit  Schreiben  vom  6.  Juli  2009  ersuchte  das  BFM  die  Schweizerische  Vertretung in Damaskus um die Abklärung folgender Fragen: 1. Hat der Beschwerdeführer einen syrischen Pass? 2. Hat der Beschwerdeführer Syrien auf legalem Weg verlassen? 3. Kann bestätigt werden, dass der Beschwerdeführer von den syrischen  Behörden gesucht wird? C.  In  der  Botschaftsantwort  vom  9.  September  2009  wurde  dem  BFM  Folgendes mitgeteilt: Er sei Inhaber des syrischen Reisepasses Nr. (…),  ausgestellt  in  D._______,  er  sei  am  7.  Januar  2009  aus  Syrien  in  die  Schweiz ausgereist und werde in Syrien nicht gesucht. D.  Mit  Zwischenverfügung  vom  9.  Oktober  2009  gewährte  das  BFM  dem  Beschwerdeführer  das  rechtliche  Gehör  zum  Inhalt  der  Botschaftsabklärung und setzte ihm Frist zur Stellungnahme bis zum 19.  Oktober 2009. E.  In seiner Eingabe vom 18. Oktober 2009 stellte der Beschwerdeführer die  Einreichung von Beweismitteln in Aussicht, die beweisen würden, dass er  tatsächlich in Syrien gesucht werde. Mit Verfügung vom 21. Oktober 2009  setzte  das  BFM  dem  Beschwerdeführer  Frist  zur  Einreichung  dieser  Beweismittel.  F.  Am  18.  November  2009  trafen  beim  BFM  kommentarlos  die  folgenden  fremdsprachigen Dokumente  ein:  Die  Kopie  eines Studentenausweises,  die Kopie eines Maturitätszeugnisses sowie die Kopie einer Namensliste 

D­7554/2010 einer  Universität.  Auf  Aufforderung  des  BFM  hin  reichte  der  Beschwerdeführer mit Eingabe vom 6. Dezember 2009 deutschsprachige  Übersetzungen dieser Dokumente zu den Akten.  G.  Mit  Schreiben  vom  19.  Januar  2010  verlangte  der  neu  mandatierte  Rechtsvertreter  des  Beschwerdeführers  vollumfängliche  Einsicht  in  die  Verfahrensakten.  H.  Mit  Zwischenverfügung  vom  21.  Januar   2010  lehnte  das  BFM  das  Akteneinsichtsgesuch  gestützt  auf  Art.  27  Abs.  1  Bst.  c  des  Bundesgesetzes  vom  20.  Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR  172.021)  ab,  da  die  Untersuchung  noch nicht abgeschlossen sei. I.  Mit Verfügung vom 13. Juli 2010 forderte das BFM den Beschwerdeführer  auf, bis zum 23. Juli 2010 bezüglich der eingereichten Namensliste einer  syrischen Universität  verschiedene Fragen zu beantworten. Mit Eingabe  vom 23. Juli 2010  liess der Beschwerdeführer dazu eine Stellungnahme  einreichen.  J.  Mit Zwischenverfügung vom 9. September 2010 gewährte die Vorinstanz  dem Beschwerdeführer Einsicht in die Verfahrensakten. K.  Die Vorinstanz stellte mit Verfügung vom 14. September 2010 – eröffnet  am  22.  September  2010  –  fest,  der  Beschwerdeführer  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft nicht, und  lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig  ordnete  das  BFM  die  Wegweisung  des  Beschwerdeführers  aus  der  Schweiz sowie den Vollzug an.  Das  BFM  lehnte  das  Asylgesuch  im Wesentlichen mit  der  Begründung  ab,  das  Vorbringen  des  Beschwerdeführers,  er  werde  in  seiner  Heimat  von  den  syrischen  Behörden  gesucht,  erweise  sich  aus  verschiedenen  Gründen als unglaubhaft.  In erster Linie sei darauf hinzuweisen, dass er  sich nach der geltend gemachten behördlichen Suche im März 2008 noch  rund zehn Monate in seinem Heimatland aufgehalten habe, ohne weitere  Probleme mit  den  syrischen Behörden  gehabt  zu  haben.  Er  gebe  zwar  an,  sich  in  dieser  Zeit  in  seinem  Elternhaus  sowie  im  Haus  seines 

D­7554/2010 Grossvaters  versteckt  zu  haben.  Es  sei  jedoch  als  realitätsfremd  zu  bewerten,  dass  die  syrischen Behörden  ihn  dort  nicht  gefunden  hätten,  hätten  sie  tatsächlich ein derartiges  Interesse an  seiner Person gehabt.  Die  Aussagen  des  Beschwerdeführers  seien  auch  deshalb  als  unglaubhaft  zu  qualifizieren,  da  seine  Schilderungen  und  die  Ausführungen in seinen Stellungnahmen verschiedene Widersprüche und  Ungereimtheiten aufweisen würden. So habe der Beschwerdeführer, um  zu  beweisen,  dass  er  von  den  syrischen  Behörden  gesucht  werde,  die  Kopie einer Liste der Universität eingereicht, auf der sein Name vermerkt  sei.  Dem  Dokument  sei  zu  entnehmen,  dass  alle  auf  der  Liste  aufgeführten  Personen  wegen  Organisierens  von  Veranstaltungen  und  Verursachens  von  "Chaos  und  Tumult  an  der  Universität"  der  Disziplinarkommission zugewiesen würden. In seiner Stellungnahme vom  23.  Juli  2010  habe  der  Rechtsvertreter  des  Beschwerdeführers  hierzu  ausgeführt, sein Mandant sei an der Universität für die Sache der Kurden  politisch  aktiv  gewesen  und  sei  deswegen  in  der  Folge  durch  die  Disziplinarkommission  bestraft  worden.  Danach  sei  der  Beschwerdeführer – wie die anderen Personen auf dieser Liste – von der  syrischen Polizei gesucht worden. Wegen der Probleme aufgrund dieser  "Verurteilung"  an  der  Universität  habe  der  Beschwerdeführer  daraufhin  das Land verlassen müssen. Das Dokument sei ungefähr im Januar 2009  erstellt worden. Diese Ausführungen widersprächen in grober Weise den  Schilderungen  des  Beschwerdeführers  anlässlich  der  Befragungen.  Vorab  sei  erstaunlich,  dass der Beschwerdeführer  diese Liste  zuvor nie  erwähnt  habe,  wo  sie  doch  bereits  im  Januar  2009  erstellt  worden  sei.  Weiter habe er weder in der Kurzbefragung noch anlässlich der Anhörung  zu Protokoll gegeben, an der Universität politisch aktiv gewesen zu sein,  was den Ausführungen des Rechtsvertreters  in  der Stellungnahme vom  23.  Juli  2010  widerspreche.  Die  Angabe,  der  Beschwerdeführer  sei  wegen  seiner  Aktivitäten  an  der  Universität  durch  die  Disziplinarkommission  bestraft  worden  und  werde  seither  von  den  syrischen Behörden  gesucht,  entspreche  ebenfalls  in  keiner Weise  den  Aussagen des Beschwerdeführers im Rahmen seiner Befragungen, wo er  noch  angegeben  habe,  nach  einer  Zimmerdurchsuchung  von  den  Behörden  gesucht  worden  zu  sein.  Diese  "Verurteilung"  an  der  Universität  habe der Beschwerdeführer  zuvor mit  keinem Wort  erwähnt.  Auch  die  neue  Aussage  in  der  Stellungnahme,  die  Mitbewohner  des  Beschwerdeführers seien nach diesen Vorfällen verhaftet worden, stehe  im  Widerspruch  zu  den  bisherigen  Schilderungen  des  Beschwerdeführers,  zumal  er  zuvor  zu  Protokoll  gegeben  habe,  die  Mitbewohner  seien  nach  einer  Zimmerdurchsuchung  verhaftet  worden. 

D­7554/2010 Aufgrund der vorangehenden Erwägungen sei somit davon auszugehen,  dass  es  sich  bei  der  eingereichten  Liste  der  Universität  um  eine  Fälschung  handle,  weswegen  dieses  Beweismittel  vom  Bundesamt  gemäss Art. 10 Abs. 4 des Asylgesetzes vom 26. Juni 1998 (AsylG, SR  142.31) einzuziehen sei.  Nach  dem  Gesagten  erstaune  es  auch  nicht,  dass  gegen  den  Beschwerdeführer gemäss den Abklärungen der Schweizer Vertretung in  Damaskus  vom  9.  September  2010  in  Syrien  nichts  vorliege  und  er  deshalb von den syrischen Behörden auch nicht gesucht werde. Zudem  hätten  die  Botschaftsabklärungen  ergeben,  dass  der  Beschwerdeführer  am 7. Januar 2009 mit einem gültigen Pass und einem Visum von Syrien  in  die  Schweiz  geflogen  sei.  Die  Angabe  des  Beschwerdeführers,  sein  Schlepper habe das Visum für die Schweiz organisiert, und er selber sei  nie  persönlich  auf  die  Botschaft  gegangen,  müsse  als  tatsachenwidrig  eingestuft  werden,  zumal  gemäss  gesicherter  Kenntnis  des  BFM  Visagesuchsteller  immer  persönlich  auf  der  Schweizer  Botschaft  in  Damaskus  vorsprechen  müssten  und  die  Vertretung  bei  der  Visumserteilung  mit  keinen  Vermittlern  zusammenarbeite.  Auch  die  Behauptung des Beschwerdeführers, er habe mithilfe seines Schleppers  und  dessen  guten  Beziehungen  die  Kontrolle  bei  der  Ausreise  am  Flughafen  von  Damaskus  umgehen  können,  erweise  sich  vor  dem  Hintergrund der durchgeführten Botschaftsabklärung als tatsachenwidrig,  da  seine  Ausreise  vom  Flughafen  Damaskus  gemäss  Botschaftsbericht  durchaus  registriert  worden  sei.  Diese  legale  Ausreise  des  Beschwerdeführers sei als gewichtiges  Indiz dafür zu werten, dass er  in  Syrien  zum  Zeitpunkt  seiner  Ausreise  weder  gesucht  worden  sei  noch  sich  in  begründeter  Weise  vor  asylrechtlich  relevanter  Verfolgung  zu  fürchten gehabt habe. Aufgrund der vorangehenden Erwägungen könne  der  rechtserhebliche  Sachverhalt  im  vorliegenden  Fall  als  hinreichend  erstellt betrachtet werden, weshalb dem Antrag des Rechtsvertreters auf  Durchführung einer ergänzenden Anhörung zu dieser eingereichten Liste  der Universität nicht staatzugeben sei.  Der Beschwerdeführer bringe weiter vor, er befürchte, von den syrischen  Behörden  aufgrund  seines  bisherigen  kulturellen  und  regimekritischen  Engagements  für  die Sache  der Kurden  verfolgt  zu werden. Er  habe  in  Syrien zwar keiner Partei angehört, seine Freunde seien jedoch politisch  aktiv  gewesen  und  er  habe  diese  teilweise  auch  unterstützt,  indem  er  beispielsweise  Flugblätter  verteilt  oder  bei  Newroz­Veranstaltungen  mitgeholfen habe. Bekannterweise gingen die syrischen Behörden gegen 

D­7554/2010 regimekritische Aktivitäten energisch vor. Nicht geahndet werde jedoch in  aller  Regel  einfache  Regimekritik,  politische  Betätigung  oder  einfach  Mitgliedschaft  in  einer  oppositionellen  Partei,  sofern  die  betreffende  Person  nicht  durch  als  staatsgefährdend  zu  betrachtende  Aktivitäten  auffalle.  Behördliche  Schikanen  und  Diskriminierung  gegenüber  Kurden  seien bekannt, es liege jedoch keine Kollektivverfolgung von Kurden vor.  Gemäss  den  Schilderungen  des  Beschwerdeführers  habe  dieser  vor  seiner Ausreise einige Male für seine Freunde Flugblätter verteilt und bei  Newroz­Feiern  mitgeholfen,  weiter  habe  er  sich  aber  nicht  politisch  betätigt.  Seinen  Aussagen  seien  somit  keine  Hinweise  darauf  zu  entnehmen,  dass  er  sich  in  irgendeiner  Weise  regimekritisch  exponiert  hätte  und  somit  sein Verhalten  als  gegen den  syrischen Staat  gerichtet  hätte  aufgefasst  werden  können.  Die  Befürchtungen  des  Beschwerdeführers,  bei  einer Rückkehr  nach Syrien  von  den Behörden  verfolgt  zu  werden,  seien  daher  als  unbegründet  und  somit  als  nicht  asylbeachtlich zu betrachten. Diese Einschätzung stehe  im Einklang mit  den  Abklärungen  der  Vertretung  in  Damaskus,  wonach  der  Beschwerdeführer  in  Syrien  nicht  gesucht  werde.  Die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  hielten  somit  den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG sowie an die Flüchtlingseigenschaft  gemäss  Art.  3  AsylG  nicht  stand.  Überdies  sei  der  Vollzug  der  Wegweisung als zulässig, zumutbar und möglich zu bezeichnen. Für die  weitere Begründung wird auf die vorinstanzliche Verfügung verwiesen.  L.  Mit  Beschwerde  vom  22.  Oktober  2010  (Poststempel)  an  das  Bundesverwaltungsgericht  liess  der  Beschwerdeführer  durch  seinen  Rechtsvertreter die nachstehend aufgeführten Anträge stellen: 1. Dem Beschwerdeführer sei Einsicht  in die Akten A 28/1, A 19/17 und   A 18/1 zu gewähren.  2.  Eventualiter  sei  dem Beschwerdeführer  das  rechtliche Gehör  zu  den  Akten A 28/1, A 19/17 und A 18/1 zu gewähren. 3.  Nach  der  Gewährung  der  Akteneinsicht  sei  dem  Beschwerdeführer  eine  angemessene  Frist  zur  Einreichung  einer  Beschwerdeergänzung  anzusetzen.  4. Die Verfügung des BFM vom 14. September 2010 sei aufzuheben und  die  Sache  dem  BFM  zur  vollständigen  und  richtigen  Abklärung  und  Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und zur Neubeurteilung  zurückzuweisen.  5.  Eventualiter  sei  dem  Beschwerdeführer  durch  das  Bundesverwaltungsgericht  die  Vorgehensweise  betreffend  Botschaftsanfragen in Syrien darzulegen. 

D­7554/2010 6.  Eventualiter  sei  dem  Beschwerdeführer  durch  das  Bundesverwaltungsgericht  mitzuteilen,  ob  ihm  die  Vorgehensweise  betreffend Botschaftsabklärung bekannt sei.  7.  Eventualiter  sei  die  Verfügung  des  BFM  vom  14.  September  2010  aufzuheben und dem Beschwerdeführer Asyl zu gewähren.  8.  Eventualiter  sei  die  Verfügung  des  BFM  vom  14.  September  2010  aufzuheben  und  der  Beschwerdeführer  sei  als  Flüchtling  vorläufig  aufzunehmen.  9.  Eventualiter  sei  die  Verfügung  des  BFM  vom  14.  September  2010  aufzuheben und es sei die Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs des  Beschwerdeführers festzustellen.  10.  Eventualiter  sei  die  Verfügung  des  BFM  vom  14.  September  2010  aufzuheben  und  es  sei  die  Unzumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  des Beschwerdeführers festzustellen.  11.  Dem  unterzeichnenden  Anwalt  sei  vor  der  Gutheissung  der  vorliegenden  Verwaltungsbeschwerde  eine  angemessene  Frist  zur  Einreichung  einer  detaillierten  Kostennote  zur  Bestimmung  der  Parteientschädigung einzuräumen.  Auf die Begründung der Beschwerdebegehren wird, soweit wesentlich, in  den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.  Mit  der  Rechtsmittelschrift  wurde  ein  Bericht  der  Schweizerischen  Flüchtlingshilfe vom 8. September 2010 bezüglich der Zuverlässigkeit von  Botschaftsabklärungen in Syrien zu den Akten gereicht.  M.  Mit  Zwischenverfügung  vom  30.  November  2010  bestätigte  der  Instruktionsrichter  des Bundesverwaltungsgerichts  die  Berechtigung  des  Beschwerdeführers  zur  Anwesenheit  in  der  Schweiz  während  der  Hängigkeit  des Verfahrens. Gleichzeitig wies  er  die  (Eventual­)  Anträge  auf Akteneinsicht bezüglich der Aktenstücke A 28/1, A 19/17 und A 18/1  sowie auf Gewährung des rechtlichen Gehörs betreffend dieser Akten ab  und  gewährte  ihm  Einsicht  in  die  sich  im  Beweismittelumschlag  A  29  befindlichen Beweismittel  inklusive Übersetzungen.  Zudem  gab  ihm  der  Instruktionsrichter Gelegenheit, seine Beschwerde bis zum 15. Dezember  2010 zu ergänzen.  N.  Innert  erstreckter  Frist  liess  der  Beschwerdeführer  durch  seinen  Rechtsvertreter am 10. Januar 2011 eine Beschwerdeergänzung zu den  Akten  reichen.  In  dieser  Eingabe  machte  der  Beschwerdeführer  unter  anderem  geltend,  er  betätige  sich  exilpolitisch.  Diesbezüglich  reichte  er  zwei Farbfotos zu den Akten.  O.  Mit  Eingaben  vom  25.  Januar  2011  sowie  9.  Februar  2011  gab  der 

D­7554/2010 Beschwerdeführer  –  handelnd  durch  seinen  Rechtsvertreter  –  weitere  Beweismittel zu den Akten. Insbesondere die Kopien von zwei angeblich  von ihm verfassten Internetartikel (inklusive deutscher Übersetzungen). P.  Das  BFM  beantragte  in  seiner  Vernehmlassung  vom  17.  Februar  2011  dem  Bundesverwaltungsgericht  die  Abweisung  der  Beschwerde.  Die  Vernehmlassung wurde dem Beschwerdeführer am 24. Februar 2011 zur  Kenntnisnahme zugestellt. Q.  Mit Eingaben vom 10. März 2011, 11. April 2011, 17. April 2011, 26. April  2011, 14. Mai 2011, 24. Mai 2011, 31. Mai 2011, 7. Juni 2011, 29. Juni  2011,  11.  Juli  2011,  5.  August  2011  und  8.  September  2011  liess  der  Beschwerdeführer  eine  Vielzahl  von  Beweismittel  bezüglich  seiner  exilpolitischen Tätigkeiten zu den Akten reichen. R.  Aufgrund  der  zahlreichen  Eingaben  des  Beschwerdeführers  gewährte  das  Bundesverwaltungsgericht  der  Vorinstanz  mit  Verfügung  vom  23. September 2011 erneut Gelegenheit, sich vernehmen zu lassen.  S.  Mit Eingabe vom 28. September 2011 liess der Beschwerdeführer weitere  Beweismittel bezüglich seiner exilpolitischen Aktivitäten einreichen. T.  Mit Verfügung vom 10. Oktober 2011 zog das BFM seinen Entscheid vom  14. September 2010 teilweise in Wiedererwägung. Zur Begründung führte  es  hauptsächlich  aus,  angesichts  der  aktenkundigen  exilpolitischen  Aktivitäten  erfülle  der  Beschwerdeführer  die  Flüchtlingseigenschaft.  Gemäss  Art.  53  AsylG  (recte:  Art.  54  AsylG)  sprächen  jedoch  Ausschlussgründe gegen die Gewährung von Asyl. Das Asylgesuch des  Beschwerdeführers bleibe somit abgelehnt und in Anwendung von Art. 44  Abs.  1  AsylG  sei  demnach  seine  Wegweisung  aus  der  Schweiz  anzuordnen. Der Vollzug der Wegweisung in den Heimatstaat sei jedoch  unzulässig.  Er  werde  daher  als  Flüchtling  vorläufig  aufgenommen.  Das  BFM hob deshalb die Ziffern eins,  vier und  fünf der Verfügung vom 14.  September  2010  auf,  stellte  fest,  dass  der  Beschwerdeführer  die  Flüchtlingseigenschaft erfülle und verfügte, dass die Wegweisung zurzeit 

D­7554/2010 wegen Unzulässigkeit nicht vollzogen und der Vollzug zu Gunsten einer  vorläufigen Aufnahme aufgeschoben werde. U.  Mit  Verfügung  vom  19.  Oktober  2011  stellte  der  Instruktionsrichter  des  Bundesverwaltungsgerichts  fest,  das  BFM  habe  seinen  Entscheid  vom  14.  September  2010 mit  Verfügung  vom  10.  Oktober  2011  teilweise  in  Wiedererwägung  gezogen  und  den  Beschwerdeführer  als  Flüchtling  anerkannt.  Die  Beschwerde  vom  22.  Oktober  2010  sei  bezüglich  der  Anerkennung  als  Flüchtling  sowie  bezüglich  des  Vollzugs  der  Wegweisung  gegenstandslos  geworden.  Dem  Beschwerdeführer  wurde  deshalb  Frist  zur  Stellungnahme  eingeräumt,  ob  er  an  der  Beschwerde  festhalte  oder  ob  er  diese  allenfalls  zurückziehe,  soweit  sie  nicht  gegenstandslos geworden sei. V.  Mit  Schreiben  vom  3.  November  2011  liess  der  Beschwerdeführer  mitteilen,  er  halte  an  der  Beschwerde  im  Asyl­  und Wegweisungspunkt  fest. Der Eingabe lag eine Honorarnote bei.  Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]).  1.2. Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG ist im  vorliegenden  Verfahren  nicht  gegeben,  so  dass  das  Bundesverwaltungsgericht in der Sache endgültig entscheidet.

D­7554/2010 1.3. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.4.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Der  Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Er  ist  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde  legitimiert  (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG).  Auf die Beschwerde ist somit einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  Mit Verfügung vom 10. Oktober 2011 zog das BFM seine Verfügung vom  14.  September  2010  teilweise  in  Wiedererwägung,  sprach  dem  Beschwerdeführer  die  Flüchtlingseigenschaft  zu  und  nahm  ihn  wegen  Unzulässigkeit  des  Wegweisungsvollzugs  vorläufig  auf.  Da  der  Beschwerdeführer  zufolge  subjektiver  Nachfluchtgründe  als  Flüchtling  vorläufig  aufgenommen  wurde,  beschränkt  sich  das  vorliegende  Beschwerdeverfahren  nur  noch  auf  die  Frage  seiner  Anerkennung  als  Flüchtling  aufgrund  der  geltend  gemachten  Vorfluchtgründe,  die  Frage  der Asylgewährung und auf die Wegweisung. 4.  4.1.  In  der Beschwerde wird  gerügt,  die Vorinstanz habe das  rechtliche  Gehör  respektive  das Akteneinsichtsrecht  verletzt  beziehungsweise  den  rechtserheblichen  Sachverhalt  fehlerhaft  festgestellt.  Diese  Rügen  sind  vorab  zu  prüfen,  da  sie  allenfalls  geeignet  wären,  eine  Kassation  der  vorinstanzlichen  Verfügung  zu  bewirken  (vgl.  Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  (vormaligen)  Schweizerischen  Asylrekurskommission  [EMARK]  2004  Nr.  38  und  EMARK  1994  Nr.  1;  FRITZ  GYGI,  Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Aufl., Bern 1983, S. 233, mit weiteren  Hinweisen,  S.  287  und  297  f.;  ALFRED  KÖLZ/ISABELLE  HÄNER,  Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 2. Aufl.,  Zürich 1998, S. 225, mit weiteren Hinweisen).

D­7554/2010 4.2. Der Anspruch auf  rechtliches Gehör  (Art. 29 der Bundesverfassung  der  Schweizerischen  Eidgenossenschaft  vom  18.  April  1999  [BV,  SR 101];  Art.  29  VwVG)  beinhaltet  unter  anderem  die  behördliche  Begründungspflicht, wie auch das Akteneinsichtsrecht, welches in Art. 26  ff.  VwVG  geregelt  ist.  Letzteres  gilt  indessen  nicht  absolut  und  kann  gemäss Art.  36 BV  eingeschränkt werden.  Art.  27 VwVG  i.V.m.  Art.  28  VwVG  bilden  dabei  die  gesetzliche  Grundlage.  Im  Rahmen  der  Verhältnismässigkeitsprüfung  hat  sich  die  Einschränkung  des  Akteneinsichtsrechts  gemäss  Art. 27  Abs.  2  und  3  VwVG  auf  das  Erforderliche  zu  beschränken.  Somit  kann  sich  bei  einem  gegebenen  öffentlichen  Interesse  an  Geheimhaltung  als  Ergebnis  der  Interessenabwägung  für  den  Betroffenen  ein  Anspruch  auf  partielle  Einsichtsgewährung  ergeben.  Diese  mediatisierte  Akteneinsicht  kann  durch  das  Vermitteln  des wesentlichen  Inhaltes  gewährt  werden.  Dabei  müssen  die  zwingenden  Voraussetzungen  von  Art. 28  VwVG  beachtet  werden:  Vertraulich  behandelte  Aktenstücke  dürfen  der  Behörde  zur  Entscheidfindung dienen, wenn erstens die Behörde die Partei über den  wesentlichen  Inhalt  mündlich  oder  schriftlich  in  Kenntnis  setzt  und  zweitens  der  Partei  Gelegenheit  einräumt,  sich  dazu  zu  äussern  oder  Gegenbeweismittel  zu  bezeichnen  (vgl.  BERNHARD  WALDMANN/JÜRG  BICKEL  in:  Waldmann/Weissenberger  [Hrsg.],  VwVG,  Praxiskommentar  zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren, Bern/Freiburg 2009,  N 1 f. zu Art. 29 VwVG). 4.3.  Bezüglich  der  geltend  gemachten  Verletzung  des  Akteneinsichtsrechts  in  die  Akten  A  28/1,  A  19/17  und  A  18/1  ist  festzuhalten, dass das Bundesverwaltungsgericht mit Zwischenverfügung  vom 30. November  2010  feststellte,  dass betreffend dieser Aktenstücke  keine  Verletzung  des  Akteneinsichtsrechts  vorliege,  weswegen  es  die  (Eventual­) Anträge auf Einsicht in diese Akten sowie auf Gewährung des  rechtlichen  Gehörs  betreffend  dieser  Akten  abwies.  Da  das  Bundesverwaltungsgericht  davon  ausging,  dass  dem  Beschwerdeführer  noch  keine  Einsicht  in  die  sich  im  Beweismittelumschlag  A  29  befindlichen Beweismittel  inklusive Übersetzungen gewährt worden war,  räumte  es  in  der  gleichen  Verfügung  dem  Beschwerdeführer  jedoch  Einsicht  in  diese  Dokumente  ein  und  gab  ihm  Gelegenheit,  seine  Beschwerde bis  zum 15. Dezember  2010  zu ergänzen  (vgl.  vorstehend  Bst. M.). Innert erstreckter Frist liess der Beschwerdeführer durch seinen  Rechtsvertreter am 10. Januar 2011 eine Beschwerdeergänzung zu den  Akten  reichen  (vgl.  vorstehend  Bst.  N).  Damit  kann  dieser  Verfahrensmangel  als  geheilt  betrachtet werden,  zumal  die  festgestellte 

D­7554/2010 Verletzung  des  Akteneinsichtsrechts  nicht  schwerwiegender  Natur  ist  (vgl.  BVGE  2008/47  E.  3.3.4).  Der  Verfahrensmangel  wird  indessen  im  Kosten­  und  Entschädigungspunkt  zu  berücksichtigen  sein  (vgl.  nachfolgend E. 9). 4.4.  Hinsichtlich  der  Rüge  des  Beschwerdeführers  in  der  Rechtsmittelschrift,  die  Vorinstanz  habe  den  Sachverhalt  mangelhaft  abgeklärt,  da  sie  es  unterlassen  habe,  eine  ergänzende  Anhörung  betreffend die eingereichten Beweismittel durchzuführen, wie er beantragt  habe,  ist  festzuhalten, dass die Behörde nur dann verpflichtet  ist, die  ihr  angebotenen  Beweise  abzunehmen,  wenn  diese  zur  Abklärung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts  tauglich  erscheinen  (Art.  33  Abs.  1  VwVG). Von der Abnahme beantragter Beweismittel  kann  insbesondere  abgesehen  werden,  wenn  sie  eine  nicht  erhebliche  Tatsache  betreffen  oder offensichtlich untauglich sind, etwa weil ihnen die Beweiseignung an  sich abgeht oder – gerade umgekehrt – die betreffende Tatsache aus den  Akten bereits genügend ersichtlich ist (antizipierte Beweiswürdigung: vgl.  BVGE  2008/24  E.  7.2  S.  357;  ANDRÉ MOSER/MICHAEL  BEUSCH/LORENZ  KNEUBÜHLER,  Prozessieren  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht,  Basel  2008, S.  165 Rz.  3.144). Die Vorinstanz  konnte  die Asylvorbringen  des  Beschwerdeführers  bereits  aufgrund  der  bestehenden  Akten  als  unglaubhaft beziehungsweise als nicht asylrelevant beurteilen, zumal die  Aussagen  des  Beschwerdeführers  in  wesentlichen  Punkten  widersprüchlich  sind  (dazu  nachfolgend  E.  5.7  ff.),  weshalb  sie  in  antizipierter  Beweiswürdigung  darauf  verzichten  konnte,  den  Beschwerdeführer  betreffend  die  eingereichten  Beweismittel  ergänzend  anzuhören.  Bezüglich  der  Rüge,  die  Vorinstanz  habe  den  Sachverhalt  mangelhaft  abgeklärt,  da  sie  es  in  der  Botschaftsanfrage  unterlassen  habe,  Fragen  hinsichtlich  der  beiden  verhafteten  ehemaligen  Mitbewohner  des  Beschwerdeführers  (F._______  und  G._______)  zu  stellen,  ist  darauf  hinzuweisen,  dass  diesbezügliche  Abklärungen  nicht  geeignet  wären,  die  Verfolgungsvorbringen  des  Beschwerdeführers  zu  verifizieren,  zumal  eine  bestätigte  Inhaftierung  von  F._______  und  G._______  nicht  bedeuten  würde,  dass  auch  der  Beschwerdeführer  in  Syrien zum Zeitpunkt seiner Ausreise verfolgt wurde. Die Rüge, wonach  die  Vorinstanz  den  Sachverhalt  unvollständig  abgeklärt  habe,  ist  demzufolge unbegründet. 4.5. Soweit in der Rechtsmittelschrift gerügt wird, die Vorinstanz habe das  rechtliche  Gehör  verletzt,  indem  sie  der  syrischen  Botschaft  unklare  Fragen  ("wanted")  gestellt  und  nicht  offen  gelegt  habe,  wie 

D­7554/2010 entsprechende  Abklärungen  vorgenommen  worden  seien,  ist  zu  bemerken,  dass  entgegen  der  Auffassung  des  Beschwerdeführers  genügend  klar  ist,  was  mit  "wanted  by"  gemeint  ist,  weswegen  diese  Fragestellung  keineswegs  eine  Verletzung  des  rechtlichen  Gehörs  darstellt.  Es  erübrigt  sich  deshalb,  weiter  darauf  einzugehen.  Bezüglich  der  Rüge,  wonach  das  BFM  nicht  offen  gelegt  habe,  wie  die  Botschaftsabklärungen  vorgenommen  worden  seien,  ist  festzustellen,  dass  die  Behörde  gemäss  Art.  27  Abs.  1  Bstn.  a  und  b  VwVG  die  Einsichtnahme in die Akten verweigern darf, wenn wesentliche öffentliche  oder private Interessen die Geheimhaltung erfordern. Die Geheimhaltung  der Quellen von Botschaftsauskünften ist offensichtlich und bedarf keiner  weiteren Ausführungen  (vgl.  EMARK 1994  Nr. 1  E.  4c   S. 12). Sodann  würde  die  Offenlegung  der  Arbeitsweise  beziehungsweise  der  Identität  der  beigezogenen  Vertrauenspersonen  die  Abklärungen  in  künftigen  Fällen  erschweren  beziehungsweise  verunmöglichen.  Es  besteht  somit  keine Veranlassung, die Arbeitsweise bei Botschaftsabklärungen offen zu  legen,  weshalb  die  Vorinstanz  auch  diesbezüglich  den  Anspruch  auf  rechtliches  Gehör  nicht  verletzt  hat.  Der  Eventualantrag,  es  sei  dem  Beschwerdeführer  durch  das  Bundesverwaltungsgericht  die  Vorgehensweise betreffend Botschaftsanfragen  in Syrien darzulegen,  ist  folglich  abzuweisen.  Hinsichtlich  des  Eventualantrags,  es  sei  dem  Beschwerdeführer  durch  das  Bundesverwaltungsgericht  mitzuteilen,  ob  ihm die Vorgehensweise betreffend Botschaftsabklärung bekannt sei,  ist  festzuhalten,  dass  dem  Bundesverwaltungsgericht  das  Vorgehen  bei  Botschaftsabklärungen  in  ausreichendem Masse  bekannt  ist,  um  deren  Zuverlässigkeit abschätzen zu können. 4.6. Hinsichtlich  der Rüge  in  der Beschwerde,  die Vorinstanz  habe  das  rechtliche  Gehör  verletzt,  indem  sie  es  unterlassen  habe  zu  klären,  weshalb  in  der  den  Beschwerdeführer  betreffenden  Botschaftsantwort  nicht  zwischen  den  "syrischen  Behörden"  und  den  "Militärbehörden"  unterschieden werde, wie das  in der Botschaftsantwort bezüglich N  (…)  der  Fall  gewesen  sei,  sondern  lediglich  festgehalten  werde,  der  Beschwerdeführer  werde  in  Syrien  nicht  gesucht,  ist  Folgendes  festzuhalten:  Aufgrund  des  klaren  Wortlauts  der  Botschaftsantwort  und  der grundsätzlichen Zuverlässigkeit von Botschaftsabklärungen  in Syrien  durfte die Vorinstanz davon ausgehen, dass der Beschwerdeführer zum  Zeitpunkt  seiner  Ausreise  in  Syrien  –  weder  von  den  zivilen  Behörden  noch  den  Militärbehörden  –  gesucht  wird,  weswegen  sie  auch  nicht  gehalten  war,  diesbezüglich  weitere  Abklärungen  vorzunehmen.  Dies  insbesondere auch deshalb, da vorliegend kein hinreichender Anlass zur 

D­7554/2010 Annahme besteht, die in jeder Hinsicht negativ verlaufenden Nachfragen  betreffend die Person des Beschwerdeführers seien Folge von bewusster  Fehlinformation  seitens  der  syrischen  Behörden  oder  mangelhafter  Abklärung  durch  die  Botschaft.  An  der  Einschätzung  des  Bundesverwaltungsgerichts,  wonach  die  betreffend  den  Beschwerdeführer  durchgeführte  Botschaftsabklärung  zuverlässig  ist,  vermögen  auch  die  diesbezüglichen  Ausführungen  in  der  Rechtsmittelschrift  nichts  zu  ändern,  zumal  einzelne  wenige  fehlerhafte  Botschaftsabklärungen  nicht  alle  Botschaftsabklärungen  als  unzuverlässig erscheinen lassen können (vgl. dazu auch nachfolgend E.  5.7).  Somit  ist  auch  in  dieser  Hinsicht  eine  Verletzung  des  rechtlichen  Gehörs  zu  verneinen.  Es  kann  ausgeschlossen werden,  dass  aus  dem  Dossier  N  (…)  relevante  Erkenntnisse  für  das  vorliegende  Verfahren  gewonnen  werden  können,  weswegen  darauf  verzichtet  werden  kann,  dieses  Dossier  beizuziehen.  Der  diesbezügliche  Beweisantrag  ist  demzufolge abzuweisen.   4.7. Bezüglich der Rüge des Beschwerdeführers, wonach die Vorinstanz  seinen Anspruch auf rechtliches Gehörs massiv verletzt habe,  indem sie  ihm  respektive  seinem  Rechtsvertreter  zu  spät  Akteneinsicht  in  die  Anhörungsprotokolle  gewährt  habe,  ist  festzustellen,  dass  die  Behörde  gemäss  Art.  27  Abs.  1  Bst.  c  VwVG  die  Einsichtnahme  in  die  Akten  verweigern  darf,  wenn  das  Interesse  einer  noch  nicht  abgeschlossenen  amtlichen Untersuchung es erfordert. Gemeint ist damit das Interesse an  der  ungehinderten  und  unverfälschten  Ermittlung  des  tatsächlichen  Sachverhalts  und  damit  an  der Wahrheitsfindung.  Mit  Untersuchung  ist  hier  insbesondere  auch  die  Sachverhaltsfeststellung  im  Verwaltungsverfahren  gemeint  (vgl.  STEPHAN  C.  BRUNNER  in:  Auer/Müller/Schindler  [Hrsg.],  VwVG,  Kommentar  zum  Bundesgesetz  über  das Verwaltungsverfahren,  Zürich/St. Gallen 2008, N 36  ff.  zu Art.  27  VwVG).  In  casu  bestand  bis  zum  Abschluss  der  Untersuchung  ein  erhebliches  Interesse  an  der  ungehinderten  und  unverfälschten  Ermittlung des tatsächlichen Sachverhalts, welches es rechtfertigte, dem  Beschwerdeführer die Einsichtnahme in die Anhörungsprotokolle bis zum  Abschluss  der  Sachverhaltsfeststellung  zu  verweigern.  Durch  die  Gewährung  der  Einsichtnahme  in  die  Anhörungsprotokolle  vor  dem  Abschluss  der  Untersuchung  wäre  es  dem  Beschwerdeführer  beispielsweise möglich gewesen, seine Vorbringen in der Stellungnahme  vom  23.  Juli  2010  an  seine  anlässlich  der  Befragungen  gemachten  Aussagen  anzupassen.  Entgegen  der  Behauptung  in  der  Rechtsmittelschrift  war  die  Vorinstanz  somit  berechtigt,  dem 

D­7554/2010 Beschwerdeführer  die  Einsicht  in  die  Anhörungsprotokolle  erst  nach  Abschluss  der  Sachverhaltsfeststellung  zu  gewähren,  was  sie  mit  Zwischenverfügung  vom  9.  September  2010  auch  getan  hat.  Die  Vorinstanz hat  folglich auch diesbezüglich den Anspruch auf  rechtliches  Gehör nicht verletzt.  4.8.  Hinsichtlich  der  Behauptung  in  der  Beschwerde,  es  liege  eine  Verletzung der Begründungspflicht beziehungsweise des Anspruchs des  Beschwerdeführers  auf  rechtliches  Gehör  vor,  da  die  Vorinstanz  es  versäumt habe zu erwähnen, dass der Beschwerdeführer im Militärdienst  Probleme gehabt habe, ist darauf hinzuweisen, das sich das BFM bei der  Begründung  ihrer  Verfügung  auf  die  für  den  Entscheid  wesentlichen  Gesichtspunkte  beschränken  durfte  und  nicht  gehalten  war,  sich  ausdrücklich  mit  jeder  tatbeständlichen  Behauptung  auseinander  zu  setzen.  Die  vom  Beschwerdeführer  anlässlich  der  Befragungen  erwähnten Probleme  im Militärdienst waren einerseits  zu wenig  intensiv  andererseits weder  sachlich noch  zeitlich  kausal  für  seine Ausreise aus  Syrien, somit mit Sicherheit nicht asylrelevant, weswegen die Vorinstanz  auch nicht verpflichtet war, sich  in der angefochtenen Verfügung explizit  zu  den  erwähnten  Problemen  im  Militärdienst  zu  äussern.  Die  Behauptung  in  der  Beschwerde,  wonach  die  Behelligungen  des  Beschwerdeführers  im  Militärdienst  mit  dessen  späteren  Problemen  in  Zusammenhang  stünden,  vermag  nicht  zu  überzeugen.  Die  vom  Beschwerdeführer  erhobene  Rüge,  die  Vorinstanz  habe  ihre  Begründungspflicht  respektive  das  rechtliche  Gehör  verletzt,  ist  daher  unbegründet. 4.9.  Schliesslich  ist  festzuhalten,  dass  vorliegend  –  entgegen  der  Behauptung  in  der  Rechtsmittelschrift  –  der  Sachverhalt  aufgrund  der  ausführlichen  Befragungen  des  Beschwerdeführers,  seiner  zahlreichen  schriftlichen  Eingaben  und  der  Botschaftsabklärung  hinreichend  erstellt  ist.  4.10.  Nach  dem  Gesagten  besteht  daher  keine  Veranlassung  die  Verfügung  des  BFM  vom  14.  September  2010  –  soweit  sie  durch  die  Verfügung  des  BFM  vom  10.  Oktober  2011  nicht  aufgehoben  wurde –  aus  formellen Gründen aufzuheben, weshalb der Antrag,  die Verfügung  des BFM vom 14. September 2010 sei wegen Verletzung des rechtlichen  Gehörs  und  wegen  mangelnder  Abklärung  des  rechtserheblichen  Sachverhalts aufzuheben und die Sache dem BFM zur vollständigen und 

D­7554/2010 richtigen Abklärung und Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts  und zur Neubeurteilung zurückzuweisen, abzuweisen ist.  5.  5.1. Es bleibt  im Folgenden zu prüfen, ob das BFM im vorliegenden Fall  die vom Beschwerdeführer geltend gemachten Vorfluchtgründe zu Recht  als  unglaubhaft  beziehungsweise  nicht  asylrelevant  beurteilt  und  demzufolge  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers  zu  Recht  abgewiesen hat.   5.2.  Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG). 5.3.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art.  7  AsylG). 5.4. Die  Vorinstanz  hat  den  vom Beschwerdeführer  geltend  gemachten  Asylvorbringen, wonach er von den syrischen Behörden gesucht werde,  da diese bei der Durchsuchung seines Zimmers, das er mit drei anderen,  teilweise  für  kurdische Parteien politisch aktiven Studenten geteilt  habe,  Flugblätter  und  Parteimaterial  gefunden  hätten,  die  Glaubhaftigkeit  abgesprochen.  5.5.  Grundsätzlich  sind  Vorbringen  dann  glaubhaft  gemacht,  wenn  sie  genügend substanziiert,  in  sich  schlüssig und plausibel  sind. Sie dürfen  sich  nicht  in  vagen Schilderungen  erschöpfen,  in wesentlichen  Punkten  nicht  widersprüchlich  sein,  der  inneren  Logik  entbehren  oder  den  Tatsachen  oder  der  allgemeinen  Erfahrung  widersprechen.  Darüber 

D­7554/2010 hinaus muss der Gesuchsteller  persönlich  glaubwürdig  erscheinen, was  insbesondere  dann  nicht  der  Fall  ist,  wenn  er  wichtige  Tatsachen  unterdrückt  oder  bewusst  falsch  darstellt,  im  Laufe  des  Verfahrens  Vorbringen auswechselt, steigert oder unbegründet nachschiebt oder die  nötige Mitwirkung am Verfahren verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet  ferner – im Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass  und  lässt  durchaus  Raum  für  gewisse  Einwände  und  Zweifel  an  den  Vorbringen des Gesuchstellers. Entscheidend ist, ob die Gründe, welche  für  die  Richtigkeit  der  Sachverhaltsdarstellung  sprechen,  überwiegen  oder  nicht.  Dabei  ist  auf  eine  objektivierte  Sichtweise  abzustellen  (vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  D­149/2011  vom  29.  November  2011 E. 6.2). 5.6.  Vorab  ist  festzustellen,  dass  der  Beschwerdeführer  den  Wortlaut  sämtlicher Protokolle mit  seiner Unterschrift  bestätigte und sich deshalb  seine  Aussagen  entgegenhalten  lassen  muss.  Im  Weiteren  ist  darauf  hinzuweisen,  dass  den  Aussagen  einer  asylsuchenden  Person  im  Empfangszentrum  zu  den  Asylgründen  angesichts  des  summarischen  Charakters der Befragung für die Beurteilung der Glaubhaftigkeit nur ein  beschränkter Beweiswert  zukommt  (vgl. EMARK 2005 Nr.  7 E.  6.2.1 S.  66  und  dort  zitierte,  weiterhin  gültige  Praxis).  Widersprüche  dürfen  nur  dann herangezogen werden, wenn klare Aussagen im Empfangszentrum  in  wesentlichen  Punkten  der  Asylbegründung  von  den  späteren  Aussagen  in  der  Anhörung  beim  Kanton  oder  beim  BFM  diametral  abweichen, oder wenn bestimmte Ereignisse oder Befürchtungen, welche  später  als  zentrale  Asylgründe  genannt  werden,  nicht  bereits  in  der  Befragung im Empfangszentrum zumindest ansatzweise erwähnt werden. 5.7.  In  Übereinstimmung  mit  der  Vorinstanz  ist  festzuhalten,  dass  die  Asylvorbringen  des  Beschwerdeführers  in  wesentlichen  Punkten  widersprüchlich ausgefallen sind. So gab er anlässlich der Kurzbefragung  zu Protokoll, nach der Durchsuchung seines Studentenzimmers habe die  Polizei  begonnen,  an  der  Universität  nach  ihm  zu  fragen,  weshalb  er  ausgereist sei  (Akten BFM A 1/10, S. 5). Bei der Anhörung erwähnte er  demgegenüber  nicht  mehr,  dass  die  Behörden  an  der  Universität  nach  ihm  gesucht  hätten.  Er  machte  lediglich  geltend,  nach  der  Zimmerdurchsuchung  habe  die  Polizei  bei  seinen  Eltern  in  D._______  nach ihm gefragt, sonst sei in den Monaten bis zu seiner Ausreise nichts  mehr  vorgefallen  (A  12/16,  S.  7,  11  f.).  Die  Behauptung  in  der  Beschwerde,  wonach  sich  der  Beschwerdeführer  diesbezüglich  nicht  widersprüchlich  geäussert  habe,  ist  unzutreffend.  Zudem  führte  der 

D­7554/2010 Beschwerdeführer in seiner Stellungnahme vom 23. Juli 2010 aus, er sei  an der Universität  für die Sache der Kurden politisch aktiv gewesen und  (deswegen)  in  der  Folge  von  der  Disziplinkommission  bestraft  worden.  Anschliessend sei er – wie die anderen Personen auf der eingereichten  Namensliste der Universität – von der syrischen Polizei gesucht worden.  Die  zu  den  Akten  gereichte  Liste  beziehe  sich  auf  die  Gründe,  die mit  seiner  Flucht  zusammenhingen.  Wegen  der  Probleme  aufgrund  dieser  "Verurteilung"  an  der  Universität  habe  er  daraufhin  das  Land  verlassen  müssen.  Diese  Ausführungen widersprechen  jedoch  den  Schilderungen  des  Beschwerdeführers  anlässlich  der  Befragungen,  wo  er  diese  "Verurteilung" an der Universität mit  keinem Wort erwähnte,  sondern zu  Protokoll  gab,  nach  einer  Zimmerdurchsuchung,  bei  der  man  das  politische  Material  seiner  Zimmergenossen  gefunden  habe,  von  den   syrischen  Behörden  gesucht  worden  zu  sein  (A 1/10 S. 5 f., A 12/16,  S. 7 ff.). Widersprüchlich  ist überdies die Aussage  in der Stellungnahme  des  Beschwerdeführers  vom  23.  Juli  2010,  wonach  seine Mitbewohner  nach  diesen  Vorfällen  –  gemeint  sind  die  Verurteilungen  an  der  Universität  –  verhaftet  worden  seien,  zumal  er  anlässlich  der  Befragungen geltend gemacht hatte, seine Mitbewohner seien nach einer  Zimmerdurchsuchung,  bei  der man  politisches Material  gefunden  habe,  verhaftet worden (A 1/10 S. 5 f., A 12/16, S. 7 ff.). Die Behauptung in der  Rechtsmittelschrift,  wonach  die  "Verurteilungen"  an  der  Universität  offenbar  die  Ursache  für  die  Durchsuchung  und  die  Verhaftungen  gewesen  seien,  ist  als  nachgeschoben  und  damit  als  unglaubhaft  zu  beurteilen,  da  der  Beschwerdeführer  anlässlich  der  Befragungen  eine  solche Version nicht  geltend machte. Widersprüchlich  äusserte  sich der  Beschwerdeführer  auch  hinsichtlich  seiner  politischen  Tätigkeit  an  der  Universität. So sagte er anlässlich der Anhörung zuerst aus, er habe nicht  nur  Flugblätter,  sondern  auch  andere  Dinge  verteilt  (A  12/16,  S.  11),  während  er  kurz  darauf  vorbrachte,  er  habe  nur  Flugblätter  verteilt  (A  12/16, S. 13). Angesprochen auf diese unterschiedlichen Aussagen war  der Beschwerdeführer nicht  in der Lage, diesen Widerspruch aufzulösen  (A 12/16 F129). Bezüglich der eingereichten Namensliste der Universität  ist  festzuhalten,  dass  es  nicht  nachvollziehbar  ist,  weshalb  der  Beschwerdeführer  diese  Liste  nicht  bereits  bei  den  Befragungen  erwähnte,  zumal  sie  gemäss  seinen Ausführungen in der Stellungnahme vom 23. Juli 2010 bereits im  Januar  2009  erstellt  worden  sein  soll.  Überdies  ist  realitätsfremd,  dass  der  Beschwerdeführer  im  Januar  2009  auf  eine  solche  Liste  aufgenommen worden sein soll, obwohl er sich zuletzt  im März 2008 an 

D­7554/2010 der Universität aufgehalten haben will. Zusammenfassend ist deshalb – in  Übereinstimmung  mit  der  Vorinstanz  und  unter  zusätzlichem  Hinweis  darauf,  dass  es  nicht  nachvollziehbar  ist,  dass  eine  offizielle  Liste  kein  Datum  aufweist  –  davon  auszugehen,  dass  es  sich  bei  dieser  Namensliste  um  eine  Fälschung  handelt,  weshalb  das  BFM  diese  zu  Recht  gestützt  auf  Art.  10  Abs.  4  AsylG  eingezogen  hat.  Die  diesbezüglichen Vorbringen in der Rechtsmittelschrift sind nicht geeignet,  an dieser Einschätzung etwas zu ändern.  Der Umstand, dass die Botschaftsabklärung vom 9. September 2009 zum  Ergebnis kam, dass der Beschwerdeführer von den syrischen Behörden  nicht  gesucht  wird,  spricht  ebenfalls  gegen  die  behauptete  Verfolgung  beziehungsweise  die  Suche  nach  seiner  Person  zum  Zeitpunkt  seiner  Ausreise  aus  Syrien,  da  vorliegend  keine  Anhaltspunkte  bestehen  oder  stichhaltige  Gründe  geltend  gemacht  werden,  aufgrund  derer  sich  generelle  Zweifel  an  der  Zuverlässigkeit  der  Abklärungen  der  Schweizerischen Vertretung in Damaskus ergeben könnten, weshalb die  diesbezüglichen  Einwendungen  in  der  Beschwerde  das  Abklärungsergebnis  nicht  umzustossen  vermögen. Es  ist  der Schweizer  Botschaft  in  Syrien  über  Verbindungsleute  möglich,  eine  behördliche  Suche  festzustellen  (vgl.  Urteile  des  Bundesverwaltungsgerichts  D­ 7460/2010  vom  25.  November  2010  E.  5.6,  E­823/2009  vom  13.  März  2009 E. 5.1). Dabei ist es nicht notwendig, die Verbindungsleute über den  Kontext,  in dem die Fragen gestellt werden,  ins Bild zu setzen, weshalb  eine  Gefährdung  von  Personen,  deren  Daten  erhoben  werden,  weitestgehend  ausgeschlossen  werden  kann.  Erfahrungsgemäss  sind  denn  auch  die  aus  Abklärungen  durch  die  Botschaft  in  Damaskus  resultierenden Ergebnisse in aller Regel zuverlässig und korrekt, weshalb  ihnen  im Rahmen der freien Beweiswürdigung (Art. 19 VwVG i.V.m. Art.  40  des  Bundesgesetzes  vom  4.  Dezember  1947  über  den  Bundeszivilprozess  [BZP, SR 273])  ein hoher Beweiswert  zu attestieren  ist. Auch  die  Tatsache,  dass  der  Beschwerdeführer  Syrien  am  7.  Januar  2009  unter  Verwendung  seines  eigenen  Reisepasses  über  den  streng  kontrollierten  Flughafen  von  Damaskus  auf  legalem  Weg  problemlos  verlassen  konnte,  lässt  darauf  schliessen,  dass  er  von  den  syrischen  Behörden  zum  Zeitpunkt  seiner  Ausreise  nichts  zu  befürchten  hatte.  Seine Aussage anlässlich der Anhörung, wonach er mit der Hilfe seines  Schleppers ohne die Kontrollpunkte zu passieren über den Flughafen von  Damaskus  habe  ausreisen  können,  überzeugt  das Gericht  nicht,  zumal 

D­7554/2010 es  einem  Schlepper  kaum  gelingen  dürfte,  alle  für  die  Sicherheit  zuständigen  Personen  am  Flughafen  von  Damaskus  zu  bestechen.  Abgesehen  davon  würden  tatsächlich  von  den  syrischen  Behörden  gesuchte Personen die Ausreise über den streng kontrollierten Flughafen  von Damaskus vermeiden, da dort das Risiko viel zu hoch wäre, von den  Behörden gefasst zu werden. Die Behauptung  in der Rechtsmittelschrift,  wonach  der  Beschwerdeführer  nicht  legal  über  den  Flughafen  von  Damaskus ausgereist sei, ist nach dem Gesagten unglaubhaft. Gegen  die  Glaubwürdigkeit  des  Beschwerdeführers  spricht  ausserdem  dessen  tatsachenwidrige  Behauptung,  er  sei  weder  zum Konsulat  noch  zu einer Botschaft gegangen, um sein Visum für die Schweiz zu erhalten;  er  habe es  sich  vielmehr  via einen Schlepper  organisiert  (A 12/16, F8).  Gemäss  gesicherten  Kenntnissen  des  Bundesverwaltungsgerichts  müssen Visagesuchsteller immer persönlich auf der Schweizer Botschaft  in Damaskus vorsprechen, zumal die Vertretung bei der Visaerteilung mit  keinen Vermittlern zusammenarbeitet.  5.8.  Zusammenfassend  ist  festzustellen,  dass  die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers,  wonach  er  von  den  syrischen  Behörden  gesucht  werde, unglaubhaft sind. 6.  6.1. Soweit der Beschwerdeführer überdies geltend macht, er befürchte,  von  den  syrischen  Behörden  aufgrund  seiner  in  Syrien  ausgeübten  politischen Aktivitäten gegen den syrischen Staat verfolgt zu werden,  ist  festzuhalten, dass er gemäss seinen Aussagen in seiner Heimat lediglich  in  bescheidenem  Ausmass  politisch  tätig  war.  Die  Befürchtungen  des  Beschwerdeführers,  bei  einer Rückkehr  nach Syrien  von  den Behörden  aufgrund  seiner  geltend  gemachten  früheren  in  Syrien  ausgeübten  politischen  Aktivitäten  verfolgt  zu  werden,  sind  deshalb  –  wie  die  Vorinstanz zu Recht  festgehalten hat – unbegründet und somit als nicht  asylbeachtlich  zu  betrachten.  Dafür  spricht  auch  das  Ergebnis  der  Botschaftsabklärung  vom  9.  September  2009,  wonach  der  Beschwerdeführer von den syrischen Behörden nicht gesucht werde.  6.2.  Nach  dem  Gesagten  ist  zu  schliessen,  dass  es  dem  Beschwerdeführer  nicht  gelungen  ist,  für  den  Zeitpunkt  seiner  Ausreise  aus Syrien eine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG nachzuweisen oder  glaubhaft  zu  machen.  Das  BFM  hat  das  Asylgesuch  des  Beschwerdeführers zu Recht abgelehnt.

D­7554/2010 7.  Der  Beschwerdeführer  verfügt  weder  über  eine  fremdenpolizeiliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  hat  er  einen  Anspruch  auf  eine  solche  (vgl. Art. 32 Bst. a der Asylverordnung 1 über Verfahrensfragen [AsylV 1;  SR 142.311]). Die Vorinstanz hat gemäss Art. 44 Abs. 1 AsylG zu Recht  die Wegweisung angeordnet (BVGE 2009/50 E. 9.).  8.  Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung in  Bezug auf die Frage der Anerkennung als Flüchtling aufgrund der geltend  gemachten  Vorfluchtgründe,  die  Frage  der  Asylgewährung  und  der  Wegweisung  Bundesrecht  nicht  verletzt,  den  rechtserheblichen  Sachverhalt richtig und vollständig feststellt und angemessen ist (Art. 106  AsylG).  Die  Beschwerde  ist  daher  –  soweit  nicht  gegenstandslos  geworden – abzuweisen. 9.  9.1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dem Beschwerdeführer  praxisgemäss  um  zwei  Drittel  reduzierte  Verfahrenskosten  in  der  Höhe  von Fr. 200.– aufzuerlegen  (Art. 63 Abs. 1 VwVG, Art. 16 Abs. 1 Bst. a  VGG  i.V.m.  Art.  2,  3  und  5  des  Reglements  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  vom  21.  Februar  2008  [VGKE,  SR  173.310.2]).  Wie  vorne  aufgezeigt  (vgl.  E.  4.3),  litt  jedoch die angefochtene Verfügung im Zeitpunkt ihres Erlasses an einem  Verfahrensmangel.  Dieser  Mangel  wurde  zwar  geheilt,  da  das  Bundesverwaltungsgericht  dem  Beschwerdeführer  mit  Zwischenverfügung  vom  30.  November  2010  bezüglich  dem  Beweismittelumschlag  A  29  Akteneinsicht  sowie  die  Möglichkeit  gewährte, seine Beschwerde zu ergänzen, und der Beschwerdeführer am  10.  Januar 2011 eine Beschwerdeergänzung zu den Akten  reichte. Aus  dem Umstand, dass der Beschwerdeführer nur durch das Ergreifen eines  Rechtsmittels  zu einem  rechtskonformen Entscheid gelangt  ist, darf  ihm  jedoch kein  finanzieller Nachteil erwachsen, weshalb  in Anwendung von  Art.  63  Abs.  1  in  fine  VwVG  i.V.m.  Art.  6  Bst.  b  VGKE  keine  Kosten  aufzuerlegen sind.  9.2.  Dem  Beschwerdeführer  ist  infolge  der  teilweisen  Gegenstandslosigkeit sowie des geheilten Verfahrensmangels zu Lasten  des BFM eine Parteientschädigung für die ihm erwachsenen notwendigen  Vertretungskosten zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 7 Abs.  1  und  2  sowie  Art.  15  VGKE),  welche  entsprechend  dem  Grad  des 

D­7554/2010 Durchdringens  (zu  zwei  Dritteln)  um  einen  Drittel  zu  reduzieren  ist.  Mit  Eingabe  vom  3.  November  2011  reichte  der  Rechtsvertreter  des  Beschwerdeführers  eine Kostennote  zu den Akten. Diese wird als angemessen erachtet.  In  Anwendung  von  Art.  10  VGKE  und  unter  Berücksichtigung  der  massgebenden  Berechnungsfaktoren  (vgl.  Art.  8  f.  VGKE)  ist  das  BFM  anzuweisen,  dem  Beschwerdeführer  eine  Parteientschädigung  von  Fr.  3'003.40 (inkl. Auslagen und MWSt) auszurichten (vgl. Art. 7 Abs. 2 und  Art. 15 VGKE). (Dispositiv nächste Seite)

D­7554/2010 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die  Beschwerde  wird  –  soweit  nicht  gegenstandslos  geworden –  abgewiesen. 2.  Es werden keine Verfahrenskosten auferlegt.  3.  Das  BFM  wird  angewiesen,  dem  Beschwerdeführer  eine  Parteientschädigung von Fr. Fr. 3'003.40 auszurichten.  4.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Robert Galliker Matthias Jaggi Versand:

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