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Bundesverwaltungsgericht 02.08.2011 D-7503/2008

2 agosto 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·2,679 parole·~13 min·2

Riassunto

Asyl und Wegweisung | Vollzug der Wegweisung; Verfügung des BFM vom 28. Oktober 2008

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l Abteilung IV D­7503/2008 Urteil   v om   2 .   Augus t   2011 Besetzung Richter Robert Galliker (Vorsitz), Richter Bendicht Tellenbach, Richter Walter Lang; Gerichtsschreiber Matthias Jaggi. Parteien A._______, geboren am (…), Afghanistan,   vertreten durch lic. iur. Anita Biedermann,  Bündner Beratungsstelle für Asylsuchende,  (…), Beschwerdeführer,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern,    Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 28. Oktober 2008 / N (…).

D­7503/2008 Sachverhalt: A.  Der  Beschwerdeführer  suchte  am  23.  August  2008  im  Empfangs­  und  Verfahrenszentrum  (EVZ)  B._______  um  Asyl  nach.  Auf  dem  Personalienblatt gab er als Geburtsdatum den (…) an.  B.  Am  26.  August  2008  wurde  der  Beschwerdeführer  im  EVZ  B._______  summarisch zu seinen Personalien, zu den Gesuchsgründen sowie zum  Reiseweg  befragt  (Kurzbefragung).  Angesprochen  auf  seine  vorgebrachte  Minderjährigkeit  machte  der  Beschwerdeführer  dabei  im  Wesentlichen  geltend,  er  wisse  nicht,  wie  alt  er  wirklich  sei,  zumal  ihm  seine  Mutter  einerseits  gesagt  habe,  er  sei  siebzehn  Jahre  alt,  sich  andererseits aus seiner Identitätskarte ergebe, dass er zwanzig Jahre alt  sei.  Auf  die  Frage,  ob  er  bereit  sei,  zur Bestimmung  seines Alters  eine  Knochenaltersanalyse  durchführen  zu  lassen,  antwortete  der  Beschwerdeführer,  er  sei  damit  einverstanden,  dass  sein  Alter  so  registriert werde, wie es  in  seiner  Identitätskarte  stehe  (zwanzig  Jahre).  Gestützt  darauf  ging die Vorinstanz  im weiteren Verlauf  des Verfahrens  von der Volljährigkeit des Beschwerdeführers aus. C.  Am 5. September 2008 wurde der Beschwerdeführer im EVZ B._______  zu seinen Asylgründen angehört (Anhörung).  D.  Zur  Begründung  seines  Asylgesuchs  machte  der  Beschwerdeführer  im  Wesentlichen  geltend,  er  sei  afghanischer  Staatsangehöriger  und  stamme aus der Provinz Baghlan, wo er mit seiner Familie bis zu seinem  sechsten Lebensjahr auch gelebt habe. Wegen der Angriffe der Taliban  seien  sie  anschliessend  nach  Pakistan  gegangen,  wo  sie  sich  bis  zu  seinem  elften  Lebensjahr  aufgehalten  hätten.  Danach  sei  die  ganze  Familie  in  die  Provinz  Baghlan  zurückgekehrt.  Nach  dem  Tod  seines  Vaters  sei  er  im  Jahre  2006  zusammen  mit  seiner  Mutter  und  seinen  Geschwistern  nach  Kabul  zu  C._______  gezogen,  den  seine  Mutter  geheiratet habe.  In Kabul habe er  in einer Billardhalle die Bekanntschaft  mit dem Kommandanten D._______ gemacht, der ihn in der Folge einmal  geküsst  habe,  wogegen  er  sich  so  heftig  gewehrt  habe,  dass  er  D._______  verletzt  habe.  Nach  diesem  Vorfall  habe  er  sich  während  zweier Monate zu Hause versteckt, zumal D._______ gedroht habe,  ihn  umzubringen.  Aus  diesem  Grund  habe  seine  Mutter  einen  Schlepper 

D­7503/2008 organisiert, der ihn nach Europa hätte bringen sollen. Dieser habe jedoch  seine  Aufgabe  nicht  erfüllt,  sondern  lediglich  das  bereits  bezahlte  Geld  behalten,  weswegen  er  ihn  bei  der  Polizei  angezeigt  habe,  worauf  der  Schlepper  festgenommen  worden  sei.  Nachdem  der  Sohn  des  Schleppers  einen Teil  der Schlepperkosten  zurückbezahlt  habe,  sei  der  Schlepper wieder  freigelassen worden. Daraufhin  sei  er  vom Schlepper  mehrmals mit dem Tod bedroht worden, weswegen er Afghanistan Mitte  2008 verlassen und sich via den  Iran und die Türkei nach Griechenland  begeben habe. Nach einem Aufenthalt von zirka einem Monat sei er mit  der Hilfe eines Schleppers per LKW nach Italien weitergereist, von wo er  mit dem Zug unter Umgehung der Grenzkontrolle in die Schweiz gelangt  sei.  Für  die  weiteren  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  wird  auf  die  Protokolle bei den Akten verwiesen.  E.  Am  11.  September  2008  liess  der  Beschwerdeführer  dem  BFM  durch  seine  damalige  Rechtsvertreterin  per  Fax  eine  Kopie  seiner  Identitätskarte (Tazkara) einreichen. F.  Am  3.  Oktober  2008  traf  bei  der  Vorinstanz  die  Identitätskarte  des  Beschwerdeführers im Original ein.  G.  Mit Schreiben vom 9. Oktober 2008 teilte die (neue) Rechtsvertreterin des  Beschwerdeführers dem BFM unter anderem mit, dass es sowohl bei der  Kurzbefragung  als  auch  bei  der  Anhörung  erhebliche  Verständigungsprobleme  gegeben  habe,  da  der  Beschwerdeführer  auf  Farsi befragt worden sei, obwohl seine Muttersprache Dari sei.  H.  Mit Verfügung vom 23. Oktober 2008 – eröffnet am 28. Oktober 2008 –  stellte  das  BFM  fest,  der  Beschwerdeführer  erfülle  die  Flüchtlingseigenschaft nicht, und  lehnte das Asylgesuch ab. Gleichzeitig  verfügte es die Wegweisung aus der Schweiz und deren Vollzug.  Als  Begründung  führte  die  Vorinstanz  im  Wesentlichen  aus,  anlässlich  der Kurzbefragung habe der Beschwerdeführer angegeben, dass er in die  Schweiz gekommen sei, weil er von einem Schlepper bedroht worden sei,  welcher  ihm  zwar  Geld  abgenommen  habe,  ihn  aber  nicht  wie  versprochen  nach  Europa  gebracht  habe.  Bei  der  Anhörung  zu  den 

D­7503/2008 Asylgründen habe er diese vom Schlepper ausgehenden Drohungen  im  Rahmen seiner freien Erzählung nicht erwähnt, sondern er habe lediglich  von den Problemen mit D._______ gesprochen und habe anschliessend  bestätigt,  dass  er  alles  erzählt  habe, was  sein Asylgesuch  betreffe.  Auf  die  nicht  mehr  erwähnten  Vorbringen  aufmerksam  gemacht,  habe  der  Beschwerdeführer erklärt, dass er die Probleme mit dem Schlepper habe  erwähnen wollen, sie aber in seiner Erzählung untergegangen seien. Bei  der  Kurzbefragung  habe  der  Beschwerdeführer  von  einer  einmaligen  Auseinandersetzung  mit  D._______  erzählt,  ohne  aber  irgendwelche  weitere Drohungen in diesem Zusammenhang zu erwähnen. Gleichzeitig  habe er gesagt, dass diese Geschichte mit D._______ nicht der Grund für  seine  Ausreise  gewesen  sei.  In  der  Anhörung  habe  er  jedoch  plötzlich  von  wiederholten  Drohungen  von  D._______  gesprochen,  welche  dazu  geführt  hätten,  dass  er  einen  Schlepper  habe  organisieren  wollen,  um  das  Land  zu  verlassen.  Der  Umstand,  dass  das  eine  Vorbringen  nicht  mehr  geltend  gemacht  und  das  andere  nachgeschoben  werde,  lasse  grosse Zweifel an den vorgebrachten Ausreisegründen aufkommen.  Der Beschwerdeführer bringe vor, sich nach der Auseinandersetzung mit  D._______  während  zweier  Monate  zu  Hause  versteckt  gehalten  zu  haben. Seine Freunde hätten  ihm die von D._______ ausgesprochenen  Drohungen  ausgerichtet.  Es  sei  nicht  nachvollziehbar,  dass  D._______  die Drohungen lediglich durch die Freunde des Beschwerdeführers habe  ausrichten  lassen.  Wenn  er  seine  Drohungen  tatsächlich  hätte  wahrmachen wollen, wäre es  ihm ein  Leichtes gewesen,  das Haus des  Beschwerdeführers ausfindig zu machen. Unter diesen Umständen sei es  nicht  nachvollziehbar,  dass  der  Beschwerdeführer  das  Risiko  auf  sich  genommen habe, sich zu Hause zu verstecken. Ausserdem wolle er sich  nach den zwei Monaten des Versteckthaltens noch vier bis  fünf weitere  Monate  unbehelligt  zu  Hause  aufgehalten  haben.  Dieses  Verhalten  entspreche nicht dem einer verfolgten Person.  Bezüglich der Probleme mit dem Schlepper habe der Beschwerdeführer  gesagt, dieser habe ihn zweimal mit dem Tode bedroht, währenddem er  sich noch zu Hause aufgehalten habe. Die erste Drohung sei kurz nach  dessen  Freilassung  aus  der  Haft,  die  zweite  höchstens  eine  Woche  später über das Mobiltelefon seiner Mutter erfolgt. Wenige Tage nach der  zweiten  Drohung  habe  er  das  Land  verlassen.  Es  sei  nicht  nachvollziehbar, dass sich der Beschwerdeführer bis zum Verlassen des  Landes, sinngemäss über eine Woche, unbehelligt zu Hause aufgehalten  haben wolle, obwohl der Schlepper ihn mit dem Tod bedroht haben solle. 

D­7503/2008 Wenn  der  Beschwerdeführer wirklich  in Gefahr  gewesen wäre,  hätte  er  sich vorsichtiger verhalten und hätte sich zum Beispiel zu Verwandten in  eine andere Provinz begeben, bis die Ausreise organisiert gewesen wäre.  Aufgrund dieser Ungereimtheiten könnten dem Beschwerdeführer weder  die geltend gemachte Verfolgung durch D._______ noch die Bedrohung  durch  den  Schlepper  geglaubt  werden.  Die  Vorbringen  des  Beschwerdeführers  hielten  daher  den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit  gemäss  Art.  7  des  Asylgesetzes  vom  26.  Juni  1998  (AsylG, SR 142.31) nicht  stand,  so dass  ihre Asylrelevanz nicht  geprüft  werden müsse. Überdies  sei  der  Vollzug  der Wegweisung  als  zulässig,  zumutbar und möglich zu bezeichnen. Für die weitere Begründung wird  auf die vorinstanzliche Verfügung verwiesen.  I.  Mit  Beschwerde  vom  21.  November  2008  (Poststempel:  24.  November  2008)  an  das  Bundesverwaltungsgericht  liess  der  Beschwerdeführer  durch  seine  Rechtsvertreterin  beantragen,  der  Entscheid  vom  23.  Oktober 2008 sei  aufzuheben und es  sei  die Sache zur Neubeurteilung  unter Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts an die Vorinstanz  zurückzuweisen.  Eventualiter  sei  festzustellen,  dass  der  Vollzug  der  Wegweisung  i.S.v.  Art.  83  Abs.  1  und  4  des  Bundesgesetzes  vom  16.  Dezember  2005  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  (AuG,  SR  142.20)  unzumutbar  sei,  weshalb  die  vorläufige  Aufnahme  anzuordnen  sei.  In  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  beantragte  er  die  Gewährung  der  unentgeltlichen Rechtspflege sowie den Verzicht auf die Erhebung eines  Kostenvorschusses.  Als  Begründung  wurde  im  Wesentlichen  ausgeführt,  entgegen  den  Ausführungen der Vorinstanz ergebe sich aus den Protokollen der beiden  Befragungen, dass der Beschwerdeführer durchaus in der Lage gewesen  sei,  das  Vorgefallene  detailgetreu  zu  schildern.  Die  von  der  Vorinstanz  geltend  gemachten  Widersprüche  liessen  sich  überwiegend  dadurch  erklären, dass es bei den Befragungen massive Verständigungsprobleme  gegeben  habe,  weil  ungeeignete  Dolmetscher  zu  Übersetzung  beigezogen  worden  seien.  Bei  der  Kurzbefragung  sei  ein  Dolmetscher  beigezogen  worden,  der  sich  nicht  korrekt  verhalten  habe.  So  habe  er  keine  korrekte  Rückübersetzung  der  Kurzbefragung  vorgenommen,  sondern  lediglich  diejenigen  Seiten  übersetzt,  die  die  Personalien  des  Beschwerdeführers  und  seiner  Verwandten  enthalten  hätten.  Bei  der  Anhörung  habe  man  einen  Farsi  sprechenden  Dolmetscher 

D­7503/2008 hinzugezogen.  Die  Verständigung  zwischen  dem  Dari  sprechenden  Beschwerdeführer und diesem Dolmetscher sei sehr erschwert gewesen,  was  sich  aus  verschiedenen  Stellen  des  Anhörungsprotokolls  ergebe.  Dies  habe  auch  der  anwesende  Hilfswerkvertreter  in  seinem  Protokoll  bestätigt.  Aufgrund  der  geschilderten  schwerwiegenden  Verständigungsprobleme  bei  der  Anhörung  respektive  dem  nicht  korrekten  Verhalten  des  Dolmetschers  anlässlich  der  Kurzbefragung  dürften  die  in  der  Verfügung  der  Vorinstanz  erwähnten  Widersprüche  nicht  zulasten  des  Beschwerdeführers  verwendet  werden.  Die  beiden  Befragungen  dienten  der  Sachverhaltsermittlung,  welche  in  casu  mangelhaft erfolgt und deshalb zu wiederholen seien.  Da anlässlich der Kurzbefragung keine korrekte Rückübersetzung erfolgt  sei,  habe  der  Beschwerdeführer  keine Gelegenheit  mehr  gehabt,  seine  unbedachte Aussage, wonach er damit einverstanden sei, dass sein Alter  so  registriert  werde,  wie  es  in  seiner  Identitätskarte  stehe  (zwanzig  Jahre),  zu  korrigieren.  Die  Vorinstanz  habe  unbesehen  angenommen,  dass der Beschwerdeführer volljährig sei und habe darauf verzichtet, eine  Knochenaltersanalyse  durchzuführen,  obwohl  verschiedene  Indizien  dafür sprächen, dass der Beschwerdeführer noch minderjährig sei. Daher  sei  betreffend  das  Alter  des  Beschwerdeführers  der  rechtserhebliche   Sachverhalt  von  der  Vorinstanz  unrichtig  und  unvollständig  festgestellt  worden,  weswegen  die  Sache  zurückzuweisen  und  dem  Beschwerdeführer  bei  einer  erneuten  Befragung  eine  Vertrauensperson  beizuordnen sei. Aufgrund der gerügten Mängel sei keine abschliessende  Beurteilung betreffend der Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers  möglich. Ausserdem  sei  der  Wegweisungsvollzug  des  Beschwerdeführers  unzumutbar, zumal er weder  in der Provinz Baghlan, woher er stamme,  noch  in  Kabul,  wo  er  vor  seiner  Ausreise  gelebt  habe,  über  ein  tragfähiges Beziehungsnetz  verfüge. Auf  die weitere Begründung  in  der  Beschwerde wird  –  soweit  entscheidwesentlich  –  in  den  nachfolgenden  Erwägungen eingegangen.  Der Beschwerde  lagen die folgenden Dokumente bei: Unterschriftenblatt  der  an  der  Anhörung  des  Beschwerdeführers  anwesenden  Hilfswerkvertretung  (in  Kopie),  Personalienblatt  des  Beschwerdeführers  (in  Kopie),  den  Beschwerdeführer  betreffende  Bescheinigung  des  BFM  vom 24. August 2008 (in Kopie) sowie eine Fürsorgebestätigung vom 6.  November 2008.

D­7503/2008 J.  Mit  Zwischenverfügung  vom  28.  November  2008  stellte  der  zuständige  Instruktionsrichter  des  Bundesverwaltungsgerichts  fest,  der  Beschwerdeführer  könne  den  Ausgang  des  Verfahrens  in  der  Schweiz  abwarten. Ferner verfügte er, dass über das Gesuch um Gewährung der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art.  65  Abs.  1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021) zu einem späteren Zeitpunkt  befunden werde.  K.  Die  Vorinstanz  beantragte  in  ihrer  Vernehmlassung  vom  3.  Dezember  2008 die Abweisung der Beschwerde, die dem Beschwerdeführer am 8.  Dezember 2008 zur Kenntnisnahme zugestellt wurde. L.  Mit  Schreiben  vom  17.  April  2009  machte  der  Beschwerdeführer –  handelnd  durch  seine  Rechtsvertreterin  –  Folgendes  geltend:  Am  6.  Februar  2009  seien  seine  Mutter,  sein  Stiefvater  sowie  seine  vier  Geschwister in die Schweiz gelangt und hätten am gleichen Tag um Asyl  nachgesucht. Durch diese Asylverfahren werde einerseits belegt, dass er  nicht  –  wie  von  der  Vorinstanz  angenommen  –  am  (…),  sondern  (…)  geboren worden  sei,  zumal  er  einen Bruder habe,  der  am  (…) geboren  worden  sei.  Andererseits  sei  durch  diese Asylverfahren  bewiesen,  dass  er in Kabul über kein soziales Netz mehr verfüge. Dem Schreiben lagen sechs N­Ausweise in Kopie bei.  M.  Mit  Eingabe  vom  21.  Januar  2010  liess  der  Beschwerdeführer  dem  Bundesverwaltungsgericht  mitteilen,  dass  die  Vorinstanz  mit  Entscheid  vom  15.  Januar  2010  seine  Mutter,  seinen  Stiefvater  sowie  seine  drei  jüngeren Geschwister  vorläufig  in  der Schweiz  aufgenommen habe. Mit  der Eingabe reichte der Beschwerdeführer den Entscheid des BFM vom  15. Januar 2010 in Kopie ein. N.  Da dem Bundesverwaltungsgericht der Beschwerdeführer mit Schreiben  des (…) vom 30. März 2010 als verschwunden gemeldet wurde, forderte  der  Instruktionsrichter  des  Bundesverwaltungsgerichts  dessen  Rechtsvertreterin  mit  Zwischenverfügung  vom  1.  April  2010  auf,  den 

D­7503/2008 Aufenthaltsort  des  Beschwerdeführers  bekannt  zu  geben  und  eine  aktuelle, von diesem unterzeichnete Erklärung einzureichen, aus welcher  sein fortbestehendes Rechtsschutzinteresse hervorgehe.  O.  Mit Schreiben vom 8. April 2010 erklärte der Beschwerdeführer, dass er  an  der  eingereichten  Beschwerde  festhalte  und  sein  Rechtsschutzinteresse  weiterhin  bestehe.  Zudem  machte  er  geltend,  dass  er  gesundheitlich  stark  angeschlagen  und  darauf  angewiesen  sei,  möglichst viel Zeit im familiären Umfeld zu verbringen.  Dem Schreiben  lag  unter  anderem ein  ärztliches  Zeugnis  von Dr. med.  E._______ vom 12. März 2010 bei.  P.  Mit  Eingabe  vom  4.  Februar  2011  an  das  Bundesverwaltungsgericht  erkundigte  sich  der  Beschwerdeführer  –  handelnd  durch  seine  Rechtsvertreterin – nach dem Verfahrensstand und ersuchte um baldige  Beurteilung seiner Beschwerde. Q.  Mit  Schreiben  vom  17.  Februar  2011  informierte  das  Bundesverwaltungsgericht  den  Beschwerdeführer  über  den  Verfahrensstand. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]).

D­7503/2008 1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.3. Die Beschwerde ist form­ und fristgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 1  AsylG,  Art.  105  AsylG  i.V.m.  Art.  37  VGG  und  Art.  52  VwVG).  Der  Beschwerdeführer  ist  durch  die  angefochtene  Verfügung  besonders  berührt  und  hat  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise Änderung, er ist daher zur Einreichung der Beschwerde  legitimiert (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG).  Auf die Beschwerde ist somit einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  3.1.  Gemäss  Art.  2  Abs.  1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Als  Flüchtling  wird  eine  ausländische  Person  anerkannt,  wenn  sie  in  ihrem  Heimatstaat  oder  im  Land,  in  dem  sie  zuletzt  wohnte,  wegen  ihrer Rasse, Religion, Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen  ihrer  politischen  Anschauungen  ernsthaften  Nachteilen  ausgesetzt  ist  oder  begründete  Furcht  hat,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden.  Als  ernsthafte  Nachteile  gelten  namentlich  die  Gefährdung  von  Leib,  Leben  oder  Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psychischen Druck  bewirken (Art. 3 AsylG). 3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art.  7  AsylG). 4.  4.1.  In der Beschwerde wird  in  formeller Hinsicht gerügt,  die Vorinstanz  habe  den  Sachverhalt  unvollständig  respektive  unrichtig  festgestellt,  da 

D­7503/2008 das BFM fälschlicherweise von der Volljährigkeit des Beschwerdeführers  ausgegangen  sei  und  die  Befragungen  fehlerhaft  durchgeführt  worden  seien. 4.2.  4.2.1. Diese  verfahrensrechtlichen  Rügen  sind  vorab  zu  prüfen,  da  sie  allenfalls geeignet wären, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfügung  zu bewirken (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen  Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 38 und 1994 Nr. 1; FRITZ GYGI,  Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Aufl., Bern 1983, S. 233, mit weiteren  Hinweisen,  S.  287  und  297;  ALFRED  KÖLZ/ISABELLE  HÄNER,  Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 2. Aufl.,  Zürich 1998, S. 225, mit weiteren Hinweisen). 4.2.2.  Aus  dem  Anspruch  auf  rechtliches  Gehör  (Art.  29  Abs.  2  der  Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April  1999  [BV,  SR  101];  Art.  29  ff.  VwVG  i.V.m.  Art.  6  und  Art.  29  AsylG)  ergibt sich, dass Asylsuchende zu ihren Asylgründen anzuhören sind und  ihnen  das  Recht  zur  Äusserung  sowie  die Möglichkeit,  Einfluss  auf  die  Ermittlung des rechtserheblichen Sachverhalts zu gewähren  ist  (vgl. Art.  30 Abs. 1 VwVG). 4.3.  4.3.1.  Zur  Rüge  in  der  Rechtsmittelschrift,  die  Vorinstanz  habe  den  Sachverhalt  unvollständig  respektive  unrichtig  festgestellt,  da  sie  fälschlicherweise  von  der  Volljährigkeit  des  Beschwerdeführers  ausgegangen  sei,  ist  Folgendes  festzuhalten:  Gemäss  der  Rechtsprechung  des  Bundesverwaltungsgerichts  ist  es  zulässig,  die  Frage der Glaubhaftigkeit der geltend gemachten Minderjährigkeit vor der  Anhörung  zu  den  Asylgründen  ohne  Beizug  einer  Vertrauensperson  zu  prüfen, sofern Zweifel an den Altersangaben der asylsuchenden Person  bestehen.  Die  Angaben,  die  für  und  solche,  die  gegen  die  behauptete  Minderjährigkeit  sprechen,  sind  gegeneinander  abzuwägen,  wobei  den  Aussagen  der  betroffenen  Person  sowie  der  Abgabe  respektive  Nichtabgabe  von  Identitätspapieren  besondere  Beachtung  zu  schenken  ist.  Im  Fall  von  unglaubhaften  Angaben  zum  Alter  und  fehlenden  Beweisen  zur  behaupteten  Minderjährigkeit  im  Verlauf  des  Asylverfahrens  wird  die  asylsuchende  Person  für  die  Anhörung  zu  den  Asylgründen  als  erwachsene  Person  betrachtet  und  ihr  muss 

D­7503/2008 infolgedessen  keine  Vertrauensperson  zugeteilt  werden  (vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts  D­7984/2008  vom  24.  Juni  2009  E.  3.2.2,  EMARK 2004 Nr. 30). 4.3.2.  Auf  dem  Personalienblatt  anlässlich  der  Einreichung  seines  Asylgesuchs gab der Beschwerdeführer zwar an, er sei am (…) geboren  worden. Wenige Tage später sagte er gegenüber einem Mitarbeiter des  BFM jedoch aus, er wisse nicht genau, wann er geboren sei, vielleicht sei  er auch achtzehn oder zwanzig Jahre alt. Als der Beschwerdeführer bei  der Kurzbefragung auf diese widersprüchlichen Aussagen angesprochen  wurde, wiederholte er, dass er nicht wisse, wie alt er sei  (Akten BFM A  1/12.  S.  9).  Gegen  die  zeitweilig  behauptete  Minderjährigkeit  des  Beschwerdeführers  im  Zeitpunkt  der  Einreichung  seines  Asylgesuchs  spricht zudem die Tatsache, dass er gemäss der von  ihm eingereichten  Identitätskarte  (Tazkara)  im  (…)  geboren  wurde.  Die  Behauptung  des  Beschwerdeführers  in  der  Rechtsmittelschrift,  wonach  sein  Vater  anlässlich  der  Ausstellung  seiner  Identitätskarte  im  Jahre  2002  gezwungen gewesen sei, ihn drei Jahre älter zu machen, ist nicht belegt.  Im  Weiteren  ist  darauf  hinzuweisen,  dass  der  Beschwerdeführer  anlässlich  der  Kurzbefragung  auf  die  Durchführung  einer  Knochenaltersanalyse verzichtete und sich damit einverstanden erklärte,  dass das in der Identitätskarte aufgeführte Alter gelte (Akten BFM A 1/12,  S. 9), worauf er sich behaften lassen muss. Unter diesen Umständen ist  es nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz den Beschwerdeführer  im  weiteren Verlauf des Verfahrens als volljährig betrachtete und ihm vor der  Anhörung  zu  seinen  Asylgründen  keine  Vertrauensperson  beigeordnet  wurde.  An  dieser  Einschätzung  ändert  auch  der  Einwand  des  Beschwerdeführers  nichts,  wonach  er  einen  Bruder  habe,  der  am  (…)  geboren worden  sei,  zumal  sich daraus  keineswegs automatisch ergibt,  dass  der  Beschwerdeführer  im  Jahre  (…)  geboren  wurde  und  er  somit  zum  Zeitpunkt  der  Einreichung  seines  Asylgesuchs  minderjährig  war.  Schliesslich findet die Behauptung in der Rechtsmittelschrift, wonach bei  der Kurzbefragung keine korrekte Rückübersetzung stattgefunden habe,  weshalb  der  Beschwerdeführer  keine  Gelegenheit  mehr  gehabt  habe,  seine unbedachte Einwilligung betreffend seines Alters zu korrigieren,  in  den Akten keine Stütze (vgl. dazu nachfolgend E. 4.4). 4.4.  Die Behauptung des Beschwerdeführers, bei der Kurzbefragung sei  ein  Dolmetscher  beigezogen  worden,  der  sich  nicht  korrekt  verhalten  habe,  da  er  keine  korrekte  Rückübersetzung  der  Kurzbefragung  vorgenommen,  sondern  lediglich  diejenigen  Seiten  übersetzt  habe,  die 

D­7503/2008 seine  Personalien  und  diejenigen  seiner  Verwandten  enthalten  hätten,  findet  im  Kurzbefragungsprotokoll  keine  Stütze.  Insbesondere  ist  festzustellen,  dass  der  Beschwerdeführer  mit  seiner  Unterschrift  bestätigte,  dass  ihm  das  Protokoll  in  einer  ihm  verständlichen  Sprache  (Dari)  rückübersetzt  wurde,  was  er  sich  entgegenhalten  lassen  muss.  Zudem ist darauf hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer jede Seite des  Kurzbefragungsprotokoll unterzeichnete, was darauf hindeutet, dass  ihm  der  ganze  Inhalt  des  Protokolls  rückübersetzt  wurde.  Aufgrund  des  Gesagten  ist  daher  davon  auszugehen,  dass  die  Rückübersetzung  des  Kurzbefragungsprotokolls korrekt vorgenommen wurde. 4.5. Im Weiteren rügt der Beschwerdeführer, bei der Anhörung habe man  einen  Farsi  sprechenden  Dolmetscher  beigezogen,  weswegen  die  Verständigung  zwischen  ihm  und  dem  Dolmetscher  sehr  erschwert  gewesen  sei,  was  sich  aus  verschiedenen  Stellen  des  Anhörungsprotokolls  ergebe.  Dies  habe  auch  der  anwesende  Hilfswerkvertreter  bestätigt.  Diesbezüglich  ist  vorab  festzustellen,  dass  der  Beschwerdeführer  anlässlich  der  Kurzbefragung  zwar  zu  Protokoll  gab,  seine  Muttersprache  sei  Dari.  Gleichzeitig  machte  er  jedoch  auch  geltend, so gut Farsi zu sprechen, dass eine Anhörung in dieser Sprache  durchgeführt  werden  könne  (Akten  BFM  A  1/12,  S.  3),  was  er  sich  entgegenhalten  lassen  muss  und  gegen  die  vorgebrachten  Verständigungsprobleme  mit  dem  Farsi  sprechenden  Dolmetscher  spricht.  Zudem  ist  darauf  hinzuweisen,  dass  die  Behauptung  in  der  Rechtsmittelschrift,  wonach  die  Verständigung  zwischen  dem  Beschwerdeführer und dem Dolmetscher sehr erschwert gewesen sei, im  Anhörungsprotokoll keine Stütze findet. Im Weiteren ist festzuhalten, dass  der Beschwerdeführer  den Wortlaut  des Anhörungsprotokolls mit  seiner  Unterschrift  bestätigte  und  sich  deshalb  seine  Aussagen  grundsätzlich  entgegenhalten lassen muss, zumal er den Übersetzer bei der Anhörung  verstanden haben will (vgl. Akten BFM A 1/12, S. 2 und S. 10). An dieser  Einschätzung des Gerichts, wonach es zwischen dem Beschwerdeführer  und dem Dolmetscher nicht zu nennenswerten Verständigungsproblemen  gekommen  ist,  ändert  auch  der  Umstand  nichts,  dass  die  an  der  Anhörung  des  Beschwerdeführers  anwesende  Hilfswerkvertretung  auf  dem  Unterschriftenblatt  festhielt,  die  Verständigung  zwischen  dem  Beschwerdeführer und dem Dolmetscher sei erschwert gewesen,  zumal  der an der Anhörung anwesende Hilfswerkvertreter zwar seine Eindrücke  schildern  kann,  er  jedoch über  keine Parteirechte  verfügt, weshalb  eine  solche  Meinungsäusserung  für  das  BFM  beziehungsweise  das  Bundesverwaltungsgericht  auch  nicht  bindend  ist  (vgl.  dazu  MARIO 

D­7503/2008 GATTIKER, Das Asyl­ und Wegweisungsverfahren, 3. Aufl. Bern 1999, S.  28  f.;  EMARK  1996  Nr.  13  E.  4c  und  d,  S.  111  f.).  Daher  ist  davon  auszugehen,  dass  es  zwischen  dem  Beschwerdeführer  und  dem  Dolmetscher  anlässlich  der  Anhörung  zu  keinen  nennenswerten  Verständigungsproblemen gekommen ist.  4.6. Nach dem Gesagten besteht keine Veranlassung, die Verfügung des  BFM vom 23. Oktober  2008 aus  formellen Gründen aufzuheben,  zumal  der  rechtserhebliche  Sachverhalt  von  der  Vorinstanz  vollständig  und  richtig  erhoben  wurde,  weshalb  der  Antrag,  der  Entscheid  vom  23.  Oktober 2008 sei aufzuheben, und es sei die Sache zur Neubeurteilung  unter Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts an die Vorinstanz  zurückzuweisen, abzuweisen ist.  5.  5.1. Es bleibt  im Folgenden zu prüfen, ob das BFM im vorliegenden Fall  zu Recht die Glaubhaftigkeit der Asylvorbringen des Beschwerdeführers  verneint  und  dessen  Asylgesuch  abgewiesen  hat,  zumal  der  Beschwerdeführer sinngemäss dagegen Beschwerde erhoben hat. 5.2.  Nach  konstanter  Rechtsprechung  ist  die  Flüchtlingseigenschaft  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Vorbringen  sind  dann glaubhaft, wenn  sie  genügend  substanziiert,  in  sich  schlüssig  und  plausibel sind; sie dürfen sich nicht  in vagen Schilderungen erschöpfen,  in  wesentlichen  Punkten  nicht  widersprüchlich  sein  oder  der  inneren  Logik  entbehren  und  auch  nicht  den  Tatsachen  oder  der  allgemeinen  Erfahrung  widersprechen.  Darüber  hinaus  muss  der  Gesuchsteller  persönlich  glaubwürdig  erscheinen.  Glaubhaftmachen  bedeutet  ferner –  im  Gegensatz  zum  strikten  Beweis  –  ein  reduziertes  Beweismass  und  lässt  durchaus  Raum  für  gewisse  Einwände  und  Zweifel  an  den  Vorbringen  des  Gesuchstellers.  Es  ist  auf  eine  objektivierte  Sichtweise  abzustellen (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts E­7647/2007 vom  6. Juni 2009 E. 4.4.1). 5.3. Nach Prüfung der Akten durch das Gericht ist – in Übereinstimmung  mit  der  Vorinstanz  –  festzustellen,  dass  die  Asylvorbringen  des  Beschwerdeführers  den  Anforderungen  an  die  Glaubhaftigkeit  gemäss  Art. 7 AsylG nicht standzuhalten vermögen, weshalb diesbezüglich vorab  auf die zutreffenden vorinstanzlichen Erwägungen zu verweisen  ist  (vgl.  BFM­Verfügung,  Ziffer  I;  Bst.  H.  vorstehend).  In  Ergänzung  dazu  ist 

D­7503/2008 festzuhalten, dass sich der Beschwerdeführer anlässlich der Befragungen  in  wesentlichen  Punkten  erheblich  widersprach.  So  sagte  er  beispielsweise  bei  der  Kurzbefragung  aus,  der  Schlepper  heisse  Mahammad Yusuf (Akten BFM A 1/12, S. 7), während er in der Anhörung  vorbrachte, der Schlepper heisse Said Yusuf (Akten BFM A 11/12, S. 8).  Zudem  äusserte  sich  der  Beschwerdeführer  auch  widersprüchlich  hinsichtlich des Fahrzeuges, mit dem D._______ unterwegs gewesen sei,  zum  Zeitpunkt,  als  es  zur  körperlichen  Auseinandersetzung  zwischen  ihnen beiden gekommen sei: So machte der Beschwerdeführer anlässlich  der  Kurzbefragung  geltend,  D._______  sei  in  einem  neuen  Auto  gesessen (Akten BFM A 1/12, S. 6), wohingegen er bei der Anhörung zu  Protokoll gab, er habe D._______ auf einem neuen Motorrad angetroffen  (Akten  BFM  A  11/12,  S.  4).  Überdies  gab  der  Beschwerdeführer  anlässlich der Kurzbefragung zu Protokoll, D._______ habe  ihn an dem  Tag, als es zur körperlichen Auseinandersetzung gekommen sei, geküsst  (Akten  BFM  A  1/12,  S.  6),  während  er  bei  der  Anhörung  vorbrachte,  D._______ habe ihn einige Tage vor diesem Zwischenfall geküsst (Akten  BFM  A  11/12,  S.  4,  7).  Als  dem  Beschwerdeführer  anlässlich  der  Anhörung diese widersprüchlichen Aussagen vorgehalten wurden, war er  nicht  in  der  Lage,  die Widersprüche aufzulösen. Die Behauptung  in  der  Rechtsmittelschrift,  wonach  die  vom  Beschwerdeführer  gemachten  Widersprüche  auf  bei  den  Befragungen  vorhandene  Verständigungsprobleme  zurückzuführen  seien,  da  zur  Übersetzung  ungeeignete Dolmetscher  beigezogen worden  seien,  ist  nicht  stichhaltig  (vgl.  dazu  vorstehend  E.  4.4  f.),  weswegen  sie  lediglich  als  Schutzbehauptung  zu  werten  und  nicht  geeignet  ist,  die  vorhandenen  Widersprüche  in  den  Aussagen  des  Beschwerdeführers  plausibel  zu  machen. 5.4. Nach dem Gesagten ergibt sich, dass die Vorinstanz die Vorbringen  des Beschwerdeführers  zutreffend  als  nicht  glaubhaft  erachtet  und  sein  Asylgesuch zu Recht abgelehnt hat. An diesem Ergebnis vermögen auch  die weiteren Ausführungen des Beschwerdeführers  in  dessen Eingaben  nichts zu ändern, weshalb darauf nicht näher eingegangen wird.  6.  Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so  verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den  Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie  (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

D­7503/2008 Der  Beschwerdeführer  ist  nicht  im  Besitz  einer  ausländerrechtlichen  Aufenthaltsbewilligung  und  hat  auch  keinen  Anspruch  auf  Erteilung  einer solchen (vgl. Art. 32 Bst. a Asylverordnung 1 über Verfahrensfragen  vom  11.  August  1999  [AsylV  1,  SR  142.311]).  Die Wegweisung  wurde  demnach zu Recht angeordnet (vgl. BVGE 2009/50 E. 9). 7.  7.1.  Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder  nicht möglich, so  regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis der  asylsuchenden  Person  nach  den  gesetzlichen  Bestimmungen  über  die  vorläufige Aufnahme von Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1  AuG). 7.2. Die Bedingungen für einen Verzicht auf den Vollzug der Wegweisung  (Unzulässigkeit,  Unzumutbarkeit,  Unmöglichkeit)  sind  alternativer  Natur:  Ist  eine  von  ihnen  erfüllt,  ist  der  Vollzug  der  Wegweisung  als  undurchführbar  zu  betrachten  und  die  weitere  Anwesenheit  in  der  Schweiz  gemäss  den  Bestimmungen  über  die  vorläufige  Aufnahme  zu  regeln. Gegen eine allfällige Aufhebung der  vorläufigen Aufnahme steht  dem weggewiesenen Asylsuchenden wiederum die Beschwerde an das  Bundesverwaltungsgericht offen (Art. 112 AuG i.V.m. Art. 84 Abs. 2 AuG),  wobei in jenem Verfahren die Vollzugshindernisse von Amtes wegen und  nach Massgabe  der  dannzumal  herrschenden  Verhältnisse  von  Neuem  zu prüfen sind (vgl. BVGE 2009/51 E. 5.4 mit weiteren Hinweisen). 8.  8.1. Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und  Ausländer  unzumutbar  sein,  wenn  sie  im  Heimat­  oder  Herkunftsstaat  aufgrund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und  medizinischer  Notlage  konkret  gefährdet  sind.  Wird  eine  konkrete  Gefährdung  festgestellt,  ist  unter Vorbehalt  von Art.  83 Abs.  7 AuG die  vorläufige  Aufnahme  zu  gewähren  (vgl.  Botschaft  zum  Bundesgesetz  über  die  Ausländerinnen  und  Ausländer  vom  8.  März  2002,  BBl  2002  3818).  Im Folgenden  ist zu prüfen, ob sich ein Vollzug der Wegweisung  des Beschwerdeführers nach Afghanistan als zumutbar erweist. 8.2.  Weil  sich  vorliegend  der  Vollzug  der  Wegweisung,  wie  in  den  nachfolgenden  Erwägungen  aufzuzeigen  ist,  als  unzumutbar  erweist,  erübrigt sich eine Erörterung der beiden anderen Kriterien. 

D­7503/2008 8.3.  In Bezug auf die allgemeine Lage  in Afghanistan kann auf die vom  Bundesverwaltungsgericht  vorgenommene  Einschätzung  der  Lage  in  einem  vor  kurzem  ergangenen,  zur  Publikation  vorgesehenen  Grundsatzurteil  verwiesen  werden  (vgl.  Urteil  des  Bundesverwaltungsgerichts            E­7625/2008 vom 16. Juni 2011). Das  Gericht  stellt  dort  zusammenfassend  fest,  dass  in  weiten  Teilen  von  Afghanistan  –  ausser  allenfalls  in Grossstädten  –  eine  derart  schlechte  Sicherheitslage  und  derart  schwierige  humanitäre  Bedingungen  bestünden, dass die Situation als existenzbedrohend im Sinne von Art. 83  Abs. 4 AuG zu qualifizieren sei. Von dieser allgemeinen Feststellung sei  die Situation  in  der Hauptstadt Kabul  zu  unterscheiden. Angesichts  des  Umstandes,  dass  sich  dort  die  Sicherheitslage  im  Verlaufe  des  vergangenen Jahres nicht weiter verschlechtert habe und die humanitäre  Situation  im  Vergleich  zu  den  übrigen  Gebieten  etwas  weniger  dramatisch  sei,  könne  der  Vollzug  der  Wegweisung  nach  Kabul  unter  Umständen als  zumutbar  qualifiziert werden. Solche Umstände  könnten  grundsätzlich  namentlich  dann  gegeben  sein,  wenn  es  sich  beim  Rückkehrer  um  einen  jungen,  gesunden  Mann  handle.  Angesichts  der  bisher  aufgezeigten  konstanten  Verschlechterung  der  Lage  über  die  vergangenen Jahre hinweg und der auch  in Kabul schwierigen Situation  verstehe es sich aber von selbst, dass die bereits in EMARK 2003 Nr. 10  formulierten  strengen Bedingungen  in  jedem Einzelfall  sorgfältig  geprüft  und erfüllt  sein müssten, um einen Wegweisungsvollzug nach Kabul als  zumutbar  zu  qualifizieren.  Unabdingbar  sei  in  erster  Linie  ein  soziales  Netz,  dass  sich  im Hinblick  auf  die Aufnahme und Wiedereingliederung  des Rückkehres als tragfähig erweise. Ohne Unterstützung durch Familie  oder Bekannte würden die schwierigen Lebensverhältnisse auch in Kabul  unweigerlich  in  eine  existenzielle  beziehungsweise  lebensbedrohende  Situation  führen  (vgl.  a.a.O.  E.  9.9.1  f.).  Die  Frage,  ob  hinsichtlich  der  Städte  Mazar­i­Sharif  und  Herat  in  Bezug  auf  die  Zumutbarkeit  des  Wegweisungsvollzugs  Ähnliches  gesagt  werden  könne  wie  zu  Kabul,  wurde im erwähnten Grundsatzurteil offen gelassen, weil von vornherein  ungenügende Anknüpfungspunkte bestanden (vgl. a.a.O. E. 9.9.3). 8.4. Der Beschwerdeführer stammt aus der Provinz Baghlan. Gemäss der  soeben dargelegten Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts  ist  von der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs dorthin auszugehen.  8.5.  Auch  die  vom  BFM  in  der  angefochtenen  Verfügung  genannte  Aufenthaltsalternative  in  Kabul  erweist  sich  als  unzumutbar.  Die  vorstehend  unter  E.  8.3  genannten  restriktiven  Bedingungen  sind 

D­7503/2008 vorliegend nicht erfüllt. Der Beschwerdeführer wohnte vor seiner Ausreise  aus  Afghanistan  im  Sommer  2008  lediglich  während  zweier  Jahre  in  Kabul.  Zudem halten  sich  seine Mutter,  sein Stiefvater  sowie  seine  vier  Geschwister  – mit  denen er  in Kabul  lebte – unterdessen nicht mehr  in  dieser  Stadt,  sondern  in  der  Schweiz  auf,  und  von  der  Verwandtschaft  des  Beschwerdeführers  lebt  nur  noch  eine  Tante  in  Kabul.  Aus  diesen  Gründen  ist  die  vorrangige  Anforderung  einer  tragfähigen  sozialen  Vernetzung  in  Kabul  nicht  erfüllt,  weswegen  der  Wegweisungsvollzug  dorthin ohne eingehendere weitere Prüfung ebenfalls als nicht zumutbar  zu qualifizieren ist.  8.6. Der Beschwerdeführer machte in der Kurzbefragung geltend, er habe  einen  Onkel  in  Mazar­i­Sharif.  Im  vorliegenden  Fall  fehlt  es  aber  angesichts  der  blossen  Nennung  eines  Onkels  anlässlich  der  Kurzbefragung,  von  dem  er  eventuell  nicht  einmal  die  aktuelle  Adresse  kennt, auch bezüglich Mazar­i­Sharif bereits an der Voraussetzung einer  tragfähigen  sozialen  Vernetzung,  weshalb  der  Wegweisungsvollzug  dorthin  ohne  eingehendere weitere Prüfung  auch  als  nicht  zumutbar  zu  erachten  ist  (vgl.  das  zur  Publikation  vorgesehene  Grundsatzurteil  des  Bundesverwaltungsgerichts E­7625/2008 vom 16. Juni 2011 E. 9.10.2). 8.7. Da der Beschwerdeführer gemäss den Akten neben seiner Tante in  Kabul und seinem Onkel  in Mazar­i­Sharif  in keiner anderen Grossstadt  über  Verwandte  verfügt,  kommt  von  vornherein  auch  keine  andere  Aufenthaltsalternative in Frage.  8.8. Den  Akten  lassen  sich  keinerlei  Hinweise  entnehmen,  wonach  der  Beschwerdeführer  einen  der  Tatbestände  von  Art.  83  Abs.  7  AuG  (Ausschluss  von  der  vorläufigen  Aufnahme)  erfüllen  würde.  Nach  dem  Gesagten erweist sich der Vollzug seiner Wegweisung aus der Schweiz  demzufolge  als  unzumutbar.  Die  Beschwerde  ist  diesbezüglich  gutzuheissen und das BFM anzuweisen, den Beschwerdeführer vorläufig  aufzunehmen. 9.  Zusammenfassend  ist  die  Beschwerde  betreffend  Rückweisung,  Anerkennung  der  Flüchtlingseigenschaft,  Erteilung  von  Asyl  und  Aufhebung der Wegweisung abzuweisen. Hinsichtlich der Anordnung des  Wegweisungsvollzugs ist sie gutzuheissen.  10. 

D­7503/2008 10.1.  Der  Beschwerdeführer  beantragt  die  unentgeltliche  Rechtspflege  nach  Art.  65  Abs.  1  VwVG.  Gemäss  dieser  Bestimmung  wird  von  der  Erhebung von Verfahrenskosten abgesehen, wenn der Beschwerdeführer  nicht  über  die  erforderlichen  Mittel  verfügt  und  seine  Begehren  nicht  aussichtslos erscheinen. 10.2. Aus der Datenbank des "Zentralen Migrationsinformationssystems"  des  BFM  (ZEMIS,  vgl.  ZEMIS­Verordnung  vom  12.  April  2006  [SR  142.513])  ist  ersichtlich,  dass  der  Beschwerdeführer  seit  Oktober  2010  erwerbstätig ist, weshalb er – trotz der eingereichten Fürsorgebestätigung  vom  6.  November  2008  –  nicht  als  bedürftig  zu  erachten  ist.  Mangels  Erfüllen  der  kumulativen  Voraussetzungen  von  Art.  65  Abs.  1  VwVG  (bedürftig/nicht  aussichtslos)  ist  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen Rechtspflege abzuweisen. 10.3.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  die  Kosten  nach  dem  Grad  des  Durchdringens  praxisgemäss  zur  Hälfte,  ausmachend  Fr.    300.­­,  dem  Beschwerdeführer  aufzuerlegen  (Art.  1­3  des  Reglements  vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem  Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). 11.  Dem  ganz  oder  teilweise  obsiegenden  Beschwerdeführer  ist  in  Anwendung  von  Art.  64  Abs.  1  VwVG  und  Art.  7  VGKE  zulasten  der  Vorinstanz  eine  Parteientschädigung  für  die  ihm  erwachsenen  notwendigen  und  verhältnismässig  hohen  Kosten  zuzusprechen.  Es  wurde  keine  Kostennote  zu  den  Akten  gereicht.  Der  notwendige  Vertretungsaufwand  lässt sich  indes aufgrund der Aktenlage zuverlässig  abschätzen, weshalb auf die Einholung einer solchen verzichtet wird (vgl.  Art. 14 Abs. 2 in fine VGKE). Unter Berücksichtigung der massgebenden  Berechnungsfaktoren (Art. 9­11 und 13 VGKE) sowie des bloss teilweisen  Obsiegens  ist  die  praxisgemäss  um  die  Hälfte  zu  reduzierende  Parteientschädigung  auf  Fr.  700.­­  (inkl.  Auslagen  und Mehrwertsteuer)  festzusetzen.  Das  BFM  ist  entsprechend  anzuweisen,  dem  Beschwerdeführer diesen Betrag als Parteientschädigung auszurichten. (Dispositiv nächste Seite)

D­7503/2008 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die  Beschwerde  wird  betreffend  Vollzug  der  Wegweisung  (Dispositivziffern 4 ­ 5 der angefochtenen Verfügung) gutgeheissen. Das  BFM wird angewiesen, den Beschwerdeführer vorläufig aufzunehmen. Im  Übrigen wird die Beschwerde abgewiesen. 2.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  wird  abgewiesen. 3.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr.  300.­­  werden  dem  Beschwerdeführer  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4.  Das BFM wird angewiesen, dem Beschwerdeführer für das Verfahren vor  dem  Bundesverwaltungsgericht  eine  (um  die  Hälfte  reduzierte)  Parteientschädigung  von  insgesamt  Fr.  700.­­  (inklusive  Auslagen  und  Mehrwertsteuer) zu entrichten. 5.  Dieses  Urteil  geht  an  den  Beschwerdeführer,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Der Gerichtsschreiber: Robert Galliker Matthias Jaggi Versand:

D-7503/2008 — Bundesverwaltungsgericht 02.08.2011 D-7503/2008 — Swissrulings