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Bundesverwaltungsgericht 29.09.2011 D-7278/2009

29 settembre 2011·Deutsch·CH·CH_BVGE·PDF·1,712 parole·~9 min·1

Riassunto

Asyl und Wegweisung | Asyl und Wegweisung; Verfügung des BFM vom 21. Oktober 2009

Testo integrale

Bundesve rwa l t ungsge r i ch t T r i buna l   adm in istratif   f édé ra l T r i buna l e   ammin istrati vo   f ede ra l e T r i buna l   adm in istrativ   f ede ra l     Abteilung IV D­7278/2009 Urteil   v om   2 9 .   S ep t embe r   2011 Besetzung Richter Robert Galliker (Vorsitz), Richterin Gabriela Freihofer, Richter Gérald Bovier; Gerichtsschreiberin Daniela Brüschweiler. Parteien A_______, geboren (…),  deren Ehemann B._______, geboren (…), sowie die Kinder   C._______, geboren (…), D._______, geboren (…), Somalia,   alle vertreten durch lic. iur. Anita Biedermann,  (…) Beschwerdeführende,  gegen Bundesamt für Migration (BFM),  Quellenweg 6, 3003 Bern, Vorinstanz.  Gegenstand Asyl und Wegweisung;  Verfügung des BFM vom 21. Oktober 2009 / N (…).

D­7278/2009 Sachverhalt: A.  A.a.  Die  Beschwerdeführerin  A._______  (nachfolgend  als  Beschwerdeführerin  bezeichnet)  verliess  ihr  Heimatland  eigenen  Angaben  zufolge  am  21. Januar  2008  zusammen  mit  der  Tochter  C._______.  Sie  gelangten  am  23. Januar  2008  in  die  Schweiz,  wo  sie  gleichentags im Empfangs­ und Verfahrenszentrum (EVZ) E._______ um  Asyl  nachsuchten.  Nach  dem  Transfer  ins  F._______  wurde  die  Beschwerdeführerin  am  5. März  2008  zum  Reiseweg  sowie –  summarisch – zu ihren Asylgründen befragt. Mit Verfügung des BFM vom  6. März  2008  wurden  die  Beschwerdeführerin  und  ihre  Tochter  dem  Kanton  G._______  zugewiesen.  Am  16. Juli  2009  und  am  6. Oktober  2009  wurde  die  Beschwerdeführerin  vom  BFM  zu  ihren  Asylgründen  angehört. A.b.  Der  Beschwerdeführer  B._______  (nachfolgend  als  Beschwerdeführer  bezeichnet)  reiste  am 2. August  2008  in  die Schweiz  ein,  wo  er  am  darauffolgenden  Tag  im  EVZ  E._______  um  Asyl  nachsuchte. Am 13. August 2008 erfolgte die Kurzbefragung im EVZ, mit  Verfügung  des  BFM  vom  14. August  2008  wurde  er  ebenfalls  dem  Kanton  G._______  zugewiesen.  Am  16. Juli  2009  und  am  6. Oktober  2009  erfolgten  die  Anhörungen  des  Beschwerdeführers  durch  das  Bundesamt. A.c.  Im Rahmen  ihrer  Anhörungen  legten  die Beschwerdeführenden  im  Wesentlichen  dar,  sie  seien  als  Cousin  und  Cousine  in  H._______  geboren.  Der  Beschwerdeführer  sei  nach  dem  Tod  seines  Vaters  von  dessen  Bruder,  dem  Vater  der  Beschwerdeführerin,  aufgenommen  worden  und  entsprechend  in  der  Familie  der  Beschwerdeführerin  aufgewachsen.  Seit  anfangs  (…)  seien  die  Beschwerdeführenden  verheiratet. Am (…) 2007 sei der Vater beziehungsweise Schwiegervater  der  Beschwerdeführenden  von  Regierungstruppen  festgenommen  worden  und  seither  fehle  jegliche  Nachricht  von  ihm.  Man  habe  ihm  schon früher die Unterstützung der islamischen Gerichte (Anmerkung des  Gerichts:  Union  of  Islamic  Courts  [UIC])  vorgehalten.  Fünf  Tage  später  seien  die  beiden Brüder  der Beschwerdeführerin  sowie  der  damals  (…)  Sohn  der  Beschwerdeführenden  im  Laden  der  Familie  von  Regierungssoldaten erschossen worden. Der Beschwerdeführer, welcher  sich  zufällig  nicht  im  Laden  aufgehalten  habe,  sei  in  der  Folge  gesucht  worden  und  deshalb  nicht  mehr  nach  Hause  zurückgekehrt,  sondern 

D­7278/2009 habe  umgehend  die  Ausreise  organisiert.  Soldaten  der  Übergangsregierung  sowie  äthiopische  Soldaten  seien  in  den  darauffolgenden  Tagen  zweimal  bei  der  Beschwerdeführerin  zu  Hause  erschienen, hätten das Haus nach Waffen und Geld durchsucht und es  sei  zu  Vergewaltigungen  der  Beschwerdeführerin  und  eines  Hausmädchens gekommen. B.  Am  (…)  kam  der  Sohn  der  Beschwerdeführenden,  D._______,  in  der  Schweiz zur Welt. C.  Mit Verfügung  vom 21. Oktober  2009  –  eröffnet  am 22. Oktober  2009 –  stellte  das  BFM  fest,  die  Beschwerdeführenden  erfüllten  die  Flüchtlingseigenschaft nicht,  lehnte die Asylgesuche ab und ordnete die  Wegweisung  aus  der  Schweiz  an.  Infolge  Unzumutbarkeit  schob  das  BFM  den  Vollzug  der  Wegweisung  der  Beschwerdeführenden  zu  Gunsten einer vorläufigen Aufnahme auf. Zur Begründung des Entscheides führte das BFM hauptsächlich aus, die  Beschwerdeführenden hätten sich bei  ihren Schilderungen  in erhebliche  Widersprüche  verstrickt,  insbesondere  stimmten  die  Angaben  des  Beschwerdeführers  zu  den  Umständen  der  Verhaftung  des  Schwiegervaters  nicht  mit  denjenigen  der  Beschwerdeführerin  überein.  Überdies hätten sich die Beschwerdeführenden auch je  in  ihren eigenen  Aussagen widersprochen. Die geltend gemachten Fluchtgründe müssten  insgesamt als unglaubhaft qualifiziert werden, weshalb die Aussagen der  Beschwerdeführenden den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit gemäss  Art. 7  des  Asylgesetzes  vom  26. Juni  1998  (AsylG,  SR  142.31)  nicht  genügten. D.  Gegen  diese  Verfügung  liessen  die  Beschwerdeführenden  durch  ihre  Rechtsvertreterin  mit  Eingabe  vom  21. November  2009  beim  Bundesverwaltungsgericht  Beschwerde  erheben  und  beantragen,  die  Verfügung  des  Bundesamtes  sei  aufzuheben  und  es  sei  den  Beschwerdeführenden  Asyl  zu  gewähren,  eventualiter  sei  die  angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung  an  die  Vorinstanz  zurückzuweisen.  In  verfahrensrechtlicher  Hinsicht  ersuchten  sie  um Bewilligung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  und  um  Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.

D­7278/2009 Als  Beilagen  zur  Beschwerdeschrift  reichten  die  Beschwerdeführenden  das Zusatzblatt zum Kurzbericht der Hilfswerkvertretung (in Kopie) sowie  zwei Haftbefehle in somalischer Sprache ein. Auf  die  Begründung  der  Beschwerdebegehren  sowie  die  eingereichten  Beweismittel wird  –  soweit  entscheidwesentlich  –  in  den  nachfolgenden  Erwägungen eingegangen. E.  Am  25. November  2009  ging  die  Unterstützungsbedürftigkeitserklärung  für die Beschwerdeführenden beim Bundesverwaltungsgericht ein. F.  Mit Verfügung vom 27. November 2009  teilte der  Instruktionsrichter  den  Beschwerdeführenden  mit,  über  das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art. 65  Abs. 1  des  Bundesgesetzes  vom  20. Dezember  1968  über  das  Verwaltungsverfahren  (VwVG,  SR 172.021)  werde  im  Endentscheid  befunden. Gleichzeitig wurde auf die Erhebung eines Kostenvorschusses  verzichtet  und  die  Vorinstanz  zur  Einreichung  einer  Vernehmlassung  eingeladen. G.  Die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführenden reichte mit Eingabe vom  30. November  2009  zwei  Originalhaftbefehle  (in  Kopie  bereits  mit  der  Beschwerdeschrift zugestellt) zu den Akten. H.  Mit  ihrer  Vernehmlassung  vom  14. Dezember  2009  beantragte  die  Vorinstanz  die  Abweisung  der  Beschwerde.  Zudem  hielt  das  BFM  fest,  angesichts  des  ohne weiteres möglichen unrechtmässigen Erwerbs  von  Dokumenten  sei  der  Beweiswert  der  eingereichten  Haftbefehle  als  äusserst gering einzustufen. I.  Den  Beschwerdeführenden  wurde  in  der  Folge  mit  Verfügung  vom  16. Dezember  2009  Frist  zur  Stellungnahme  zur  vorinstanzlichen  Vernehmlassung eingeräumt. Mit Eingabe vom 11. Januar 2010 teilte der  Beschwerdeführer  dem  Bundesverwaltungsgericht  mit,  dass  sein  Onkel  beziehungsweise  Schwiegervater  am  (…)  2009  auf  Anordnung  der  somalischen  Regierung  erhängt  worden  sei  sowie  dessen  Läden  konfisziert worden seien und reichte dazu ein Dokument ein. Gleichzeitig 

D­7278/2009 reichte  er  ein DHL­Kuvert, mit  welchem  ihm  die Haftbefehle  von  einem  Bekannten zugestellt worden seien, zu den Akten. Ebenfalls mit Eingabe  vom  11. Januar  2010  äusserte  sich  die  Rechtsvertreterin  der  Beschwerdeführenden  innert  erstreckter  Frist  zur  vorinstanzlichen  Vernehmlassung. J.  Mit  Eingabe  vom  17. Januar  2011  wies  die  Rechtsvertreterin  der  Beschwerdeführenden  darauf  hin,  dass  die  Beschwerdeführerin  sehr  unter  der  Ungewissheit  des  hängigen  Beschwerdeverfahrens  leide  und  sie  sehr  beunruhigt  sei  hinsichtlich  des  Gesundheitszustandes  ihrer  halbseitig gelähmten Mutter. Diese befinde sich derzeit  in medizinischer  Behandlung  in  I._______,  mangels  finanzieller  Mittel  könne  diese  Behandlung  jedoch  bald  nicht mehr  weitergeführt  werden.  Der  Eingabe  lagen verschiedene Dokumente zum Gesundheitszustand der Mutter der  Beschwerdeführerin  sowie  zu  diesbezüglichen  Finanzierungsmöglichkeiten  bei.  Aus  diesen  Gründen  bat  die  Beschwerdeführerin um baldigen Beschwerdeentscheid. K.  Mit  Schreiben  vom  18. April  2011  erinnerte  die  Rechtsvertreterin  nochmals an die schwierige Situation der Beschwerdeführerin, zumal es  ihr angesichts des hängigen Verfahrens nicht möglich sei,  ihre Mutter  in  I._______ zu besuchen. Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung: 1.  1.1. Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005  (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden  gegen  Verfügungen  nach  Art. 5  VwVG.  Das  BFM  gehört  zu  den  Behörden  nach  Art. 33  VGG  und  ist  daher  eine  Vorinstanz  des  Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme  im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht  ist daher zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und  entscheidet  auf  dem  Gebiet  des  Asyls  endgültig,  ausser  bei  Vorliegen  eines  Auslieferungsersuchens  des  Staates,  vor  welchem  die  beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d  Ziff. 1  des  Bundesgerichtsgesetzes  vom  17. Juni  2005  [BGG,  SR 173.110]). Eine solche Ausnahme liegt nicht vor.

D­7278/2009 1.2. Das  Verfahren  richtet  sich  nach  dem  VwVG,  dem  VGG  und  dem  BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6  AsylG). 1.3.  Die  Beschwerde  ist  frist­  und  formgerecht  eingereicht.  Die  Beschwerdeführenden  haben  am  Verfahren  vor  der  Vorinstanz  teilgenommen, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt  und  haben  ein  schutzwürdiges  Interesse  an  deren  Aufhebung  beziehungsweise  Änderung.  Sie  sind  daher  zur  Einreichung  der  Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1  sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten. 2.  Mit  Beschwerde  kann  die  Verletzung  von  Bundesrecht,  die  unrichtige  oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und  die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). 3.  3.1.  Gemäss  Art. 2  Abs. 1  AsylG  gewährt  die  Schweiz  Flüchtlingen  grundsätzlich  Asyl.  Flüchtlinge  sind  Personen,  die  in  ihrem Heimatstaat  oder  im Land,  in dem sie zuletzt wohnten, wegen  ihrer Rasse, Religion,  Nationalität,  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten  sozialen  Gruppe  oder  wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt  sind  oder  begründete  Furcht  haben,  solchen  Nachteilen  ausgesetzt  zu  werden. Als  ernsthafte Nachteile  gelten  namentlich  die Gefährdung  des  Leibes,  des  Lebens  oder  der  Freiheit  sowie  Massnahmen,  die  einen  unerträglichen  psychischen  Druck  bewirken.  Den  frauenspezifischen  Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG). 3.2.  Wer  um  Asyl  nachsucht,  muss  die  Flüchtlingseigenschaft  nachweisen  oder  zumindest  glaubhaft  machen.  Diese  ist  glaubhaft  gemacht,  wenn  die  Behörde  ihr  Vorhandensein  mit  überwiegender  Wahrscheinlichkeit  für  gegeben  hält.  Unglaubhaft  sind  insbesondere  Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich  widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich  auf  gefälschte  oder  verfälschte  Beweismittel  abgestützt  werden  (Art. 7  AsylG). Glaubhaft sind die Vorbringen eines Asylsuchenden grundsätzlich dann,  wenn sie genügend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie  dürfen  sich  nicht  in  vagen  Schilderungen  erschöpfen,  in  wesentlichen 

D­7278/2009 Punkten nicht widersprüchlich sein oder der inneren Logik entbehren und  auch  nicht  den  Tatsachen  oder  der  allgemeinen  Erfahrung  widersprechen.  Darüber  hinaus  muss  die  gesuchstellende  Person  persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere dann nicht der Fall  ist, wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel  abstützt, aber auch dann, wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt oder  bewusst  falsch  darstellt,  im  Laufe  des  Verfahrens  Vorbringen  auswechselt,  steigert  oder  unbegründet  nachschiebt,  mangelndes  Interesse  am  Verfahren  zeigt  oder  die  nötige  Mitwirkung  verweigert.  Glaubhaftmachung bedeutet  ferner –  im Gegensatz zum strikten Beweis  – ein  reduziertes  Beweismass  und  lässt  durchaus  Raum  für  gewisse  Einwände  und  Zweifel  an  den  Vorbringen  des  Gesuchstellers.  Entscheidend ist, ob im Rahmen einer Gesamtwürdigung die Gründe, die  für  die  Richtigkeit  der  Sachverhaltsdarstellung  des  Asylsuchenden  sprechen,  überwiegen  oder  nicht.  Dabei  ist  auf  eine  objektivierte  Sichtweise abzustellen  (Art. 7 Abs. 2 und 3 AsylG; vgl. Entscheidungen  und  Mitteilungen  der  [vormaligen]  Schweizerischen  Asylrekurskommission [EMARK] 2005 Nr. 21 E. 6.1 S. 190 f.). 4.  Das  Bundesverwaltungsgericht  kommt  übereinstimmend  mit  dem  BFM  zum Schluss, dass die Schilderungen der Beschwerdeführenden als nicht  glaubhaft im Sinne von Art. 7 AsylG zu erachten sind. 4.1.  Der  Vorinstanz  ist  zunächst  darin  zuzustimmen,  dass  sich  die  Angaben  der  Beschwerdeführenden  zu  den  konkreten  Umständen  der  Verhaftung  des  Vaters  beziehungsweise  Schwiegervaters  –  und  damit  dem  fluchtauslösenden  und  zentralen  Verfolgungsereignis  –  nicht  in  Einklang  bringen  lassen.  Während  die  Beschwerdeführerin  anlässlich  ihrer Anhörung vom 16. Juli 2009 lediglich allgemein ausführte,  ihr Vater  sei  eines  Nachts  von  zu  Hause  verschleppt  worden  (vgl.  A  19/9  S. 5),  wurde sie am 6. Oktober 2009 konkret nach dem Ablauf der Festnahme  gefragt. Dabei führte sie aus, die Männer seien um zirka 6 Uhr morgens  gekommen, sie seien alle bewaffnet gewesen, sie wisse nicht, wie viele  es gewesen seien, es seien mehrere gewesen. Sie seien mit dem Auto  gekommen  und  hätten,  als  sie  ins  Haus  gekommen  seien,  nach  ihrem  Vater gefragt. Er sei zu  ihnen gegangen. Sie hätten nur gesagt, dass er  mitkommen  solle.  Als  er  gefragt  habe,  weshalb,  hätten  sie  ihn  mitgenommen (vgl. A 24/9 S. 3). Auf Aufforderung, die ganze Festnahme  zu  beschreiben,  gab  die  Beschwerdeführerin  an,  es  sei  am  frühen  Morgen gewesen und sie hätten geschlafen. Sie hätten plötzlich starkes 

D­7278/2009 Klopfen an der Tür gehört. Sie seien wach geworden und Richtung Türe  gegangen.  Als  sie  aufgemacht  hätten,  seien  alle  diese  Soldaten  hereingekommen und hätten angefangen, das Haus zu durchsuchen. Ihr  Vater  habe  versucht,  mit  den  Soldaten  zu  sprechen,  sie  hätten  ihm  gesagt,  er  solle  warten.  Die  Soldaten  hätten  nichts  gefunden  und  ihm  gesagt, er solle mitkommen. Er habe gefragt warum, sie hätten ihm keine  Antwort gegeben und  ihn mitgenommen. Als  ihr Bruder versuchte habe,  laut  zu  reden,  habe  der  Vater  gesagt,  er  solle  den  Mund  halten.  Wahrscheinlich  habe  er  Angst  bekommen,  die  Soldaten  könnten  den  Bruder  auch  mitnehmen  (vgl.  a.a.O.).  Demgegenüber  gab  der  Beschwerdeführer  im  Rahmen  der  Kurzbefragung  an,  sein  Schwiegervater  beziehungsweise  Onkel  sei  vor  dem  Haus  verhaftet  worden  (vgl.  A  4/11  S. 7).  Anlässlich  der  Anhörung  vom  16. Juli  2009  führte der Beschwerdeführer aus, sein Onkel sei am (…) 2007, nach dem  Morgengebet  auf  dem  Weg  nach  Hause,  von  Polizisten/Soldaten  festgenommen  und  ins  Gefängnis  gesteckt  worden  (vgl.  A  12/9  S. 5).  Konkretere  Angaben  des  Beschwerdeführers  zur  Verhaftung  seines  Onkels  sind  sodann  dem  Anhörungsprotokoll  vom  6. Oktober  2009  zu  entnehmen.  Damals  gab  er  an,  sein  Onkel  sei  am  (…)  2007,  in  der  Moschee,  früh  am  Morgen,  zirka  um  6  Uhr,  verhaftet  worden.  Er  und  seine Ehefrau hätten  sich  zu Hause aufgehalten und es  sei  ihnen etwa  um  7 Uhr  von  ein  paar  Männern,  die  auch  in  der  Moschee  gewesen  seien,  von der Verhaftung erzählt worden. Sie hätten gesagt,  dass sein  Onkel  auf  dem  Nachhauseweg  von  der  Moschee  gewesen  sei,  er  sei  unterwegs verhaftet worden. Die Männer, die  ihn verhaftet hätten, seien  Truppen  der  Übergangsregierung  gewesen,  sie  seien  mit  dem  Auto  gekommen  (vgl.  A 16/11  S. 3).  Auf  den Widerspruch  zu  den  Aussagen  der Beschwerdeführerin angesprochen gab der Beschwerdeführer an, die  Festnahme  sei  erfolgt,  als  sein Onkel  unterwegs  nach Hause  gewesen  sei (vgl. A 16/11 S. 10). Bereits diese vorstehenden Schilderungen zeigen  den Widerspruch in den Angaben der Beschwerdeführenden deutlich auf.  Die Ausführungen  in der Beschwerdeschrift  sind sodann nicht geeignet,  die Unvereinbarkeit der Schilderungen zu beseitigen. Vielmehr wird eine  weitere  Version  der  Vorkommnisse  geltend  gemacht,  dass  nämlich  der  Vater  beziehungsweise Schwiegervater  der  Beschwerdeführenden  beim  Betreten  des  Hauses  verhaftet  worden  sei  (Beschwerde  S. 3).  Diese  Version  findet  jedoch  weder  in  den  Angaben  des  Beschwerdeführers  noch  in denjenigen der Beschwerdeführerin ein Stütze, sondern  ist eher  geeignet, die Zweifel an den Schilderungen der Beschwerdeführenden zu  verstärken.  Hinzuzufügen  ist  zudem,  dass  nicht  nur  der  Ort  der  Verhaftung  unklar  blieb,  sondern  dass  der  Beschwerdeführer  etwa  die 

D­7278/2009 von  der  Beschwerdeführerin  geschilderte  Hausdurchsuchung  vor  der  Verhaftung  überhaupt  nicht  erwähnte.  Anzufügen  bleibt,  dass  die  Schilderungen  der  Beschwerdeführerin,  welche  ja  die  Festnahme  unmittelbar  miterlebt  haben  will,  auch  nicht  den  Eindruck  zu  erwecken  vermögen,  es  handle  sich  um  tatsächlich  erlebte  Vorkommnisse.  Vielmehr  wirken  ihre  Angaben  detailarm  und  konstruiert.  Insgesamt  gelingt  es den Beschwerdeführenden nicht,  dasjenige Ereignis, welches  die  nachfolgenden  Verfolgungshandlungen  überhaupt  ausgelöst  haben  soll, glaubhaft darzulegen. Daran vermögen – aus den von der Vorinstanz  in  ihrer  Vernehmlassung  zutreffend  dargelegten  Gründen  –  die  eingereichten Haftbefehle beziehungsweise Dokumente nichts zu ändern.  Dasselbe  gilt  für  das  Vorbringen,  zwischenzeitlich  sei  über  den  Vater  beziehungsweise  Schwiegervater  der  Beschwerdeführenden  die  Todesstrafe  verhängt  und  vollzogen  worden.  Sodann  ist  im  Weiteren  dazu  festzuhalten,  dass  die  Beschwerdeführenden  keine  Identitätspapiere  ins Recht gereicht haben. Folglich steht deren  Identität  nicht mit Sicherheit  fest, weshalb auch nicht  feststeht, dass sich die als  Beweismittel eingereichten Dokumente tatsächlich auf sie beziehen. 4.2.  Die  vorerwähnten  Zweifel  werden  durch  die  vom  Bundesamt  zutreffend  aufgeführten  Umstände  noch  verstärkt.  Nicht  zugestimmt  werden  kann  dagegen  dem  auf  Beschwerdeebene  vorgetragenen  Einwand,  der  Aufenthaltsort  des  Beschwerdeführers  im  Zeitpunkt  des  Eindringens  in das Geschäft auf dem J._______ Markt und der dortigen  Schiesserei  sei  für  den  Beschwerdeführer  ein  unwichtiges  Sachverhaltselement. Nach dessen Angaben war es einzig dem Zufall zu  verdanken, dass er sich im fraglichen Zeitpunkt nicht  im Laden, sondern  an  einem  anderen  Ort  aufhielt  und  demzufolge  dem  sicheren  Tod  entging.  Sein  tatsächlicher  Aufenthaltsort  kann  deshalb  keinesfalls  als  unwichtiges  Sachverhaltselement  betrachtet  werden,  weshalb  sich  ihm  die  genauen  Umstände  umso  präziser  hätten  einprägen müssen.  Dass  der  Beschwerdeführer  zudem  abweichende  Angaben  für  seinen  Aufenthaltsort während der beiden folgenden Nächte angab, erweist sich  zwar  nicht  als  zentraler  Widerspruch,  es  rundet  jedoch  das  Bild  der  fehlenden Glaubhaftigkeit ab. 4.3.  Im  Hinblick  auf  die  eigenständigen  Asylgründe  der  Beschwerdeführerin  ist  vorauszuschicken,  dass  diesen  Vorkommnissen  durch  die  als  unglaubhaft  erachtete  Verhaftung  des  Vaters  der  Beschwerdeführerin  bereits  die Grundlage entzogen  ist. Darüber hinaus  ist  anzumerken,  dass  die  Angaben  der  Beschwerdeführerin  zu  den 

D­7278/2009 beiden  Übergriffen  in  ihrer  Gesamtheit  nicht  zu  überzeugen  vermögen.  Mit  Ausnahme  der  Datumsangaben  sowie  (beschränkten)  Aussagen  zu  den Tätern,  dass es  sich beim ersten Mal  um zwei Äthiopier  und einen  Somalier  und  beim  zweiten  Mal  um  zwei  somalische  Soldaten  der  Übergangsregierung  gehandelt  habe,  diese  Uniform  getragen  und  Kat  gekaut  hätten,  finden  sich  kaum  konkrete  Aussagen  der  Beschwerdeführerin zu den Übergriffen. Selbst wenn zu berücksichtigen  ist,  dass  es  sich  um  sehr  einschneidende  Ereignisse  handelte,  wären  doch detaillierte Schilderungen zu erwarten, etwa zum konkreten Ablauf  der Vergewaltigungen, wo sich die anderen Familienangehörigen (Mutter,  Grossmutter,  Tochter)  im  fraglichen  Zeitpunkt  aufgehalten  und wie  sich  diese verhalten haben, wie sich die Beschwerdeführerin selber verhalten  und  was  sie  danach  gemacht  hat,  um  nur  einige  zu  nennen.  Die  Schilderungen der Beschwerdeführerin vermögen nicht den Eindruck zu  erwecken,  sie  habe  diese  (schlimmen)  Ereignisse  tatsächlich  selbst  erlebt. Die Notizen der Hilfswerkvertretung, deren Aufgaben nicht  in der  Beurteilung  der  Glaubhaftigkeit  der  gehörten  Aussagen  besteht,  vermögen an diesem Resultat nichts zu ändern. 4.4. Bei  dieser  Sachlage  erübrigen  sich  Ausführungen  zu  den weiteren  Vorbringen  in  der  Beschwerdeschrift  (insbesondere  der  geltend  gemachten Gehörsverletzung [Beschwerde S. 4; vgl. dazu EMARK 1994  Nr. 13]), da diese zu keinem anderen Ergebnis führen. 4.5. Nach dem Gesagten gelingt es den Beschwerdeführenden nicht, die  Flüchtlingseigenschaft  nachzuweisen  oder  zumindest  glaubhaft  zu  machen. Das BFM hat daher  ihre Asylgesuche zu Recht abgelehnt. Der  Eventualantrag  auf  Rückweisung  der  Sache  an  die  Vorinstanz  wird  abgewiesen. 4.6. Der Vollständigkeit halber bleibt abschliessend festzuhalten, dass der  Gesundheitszustand  der  Mutter  der  Beschwerdeführerin  zwar  bedauerlich,  jedoch  für  das  Asylverfahren  und  die  vorliegend  vorgenommene  Prüfung  ohne  Belang  ist,  weshalb  sich  weitere  Ausführungen hiezu erübrigen. 5.  Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so  verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den  Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie  (Art. 44 Abs. 1 AsylG).

D­7278/2009 Die Beschwerdeführenden verfügen weder über eine ausländerrechtliche  Aufenthaltsbewilligung  noch  über  einen  Anspruch  auf  Erteilung  einer  solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44  Abs. 1 AsylG; BVGE 2008/34 E. 9.2). 6.  Die Beschwerdeführenden wurden vom BFM wegen Unzumutbarkeit des  Wegweisungsvollzuges  vorläufig  aufgenommen,  weshalb  sich  Erörterungen dazu erübrigen. 7.  Aus  diesen  Erwägungen  ergibt  sich,  dass  die  angefochtene  Verfügung  Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und  vollständig  feststellt  und  angemessen  ist  (Art. 106  AsylG).  Die  Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen. 8.  Die  Beschwerdeführenden  liessen  zusammen  mit  der  Beschwerde  ein  Gesuch  um Gewährung  der  unentgeltlichen  Prozessführung  einreichen,  dessen  Beurteilung  vom  Instruktionsrichter  mit  Zwischenverfügung  vom  27. November 2009  in den Endentscheid verlegt wurde. Gemäss Art. 65  Abs. 1  VwVG  befreit  die  Beschwerdeinstanz  nach  Einreichung  der  Beschwerde  eine Partei,  die  nicht  über  die  erforderlichen Mittel  verfügt,  auf Antrag von der Bezahlung der Verfahrenskosten, sofern ihr Begehren  nicht aussichtslos erscheint. Eine Beschwerde gilt dann als aussichtslos,  wenn  die  Gewinnaussichten  beträchtlich  geringer  sind  als  die  Verlustgefahren  und  deshalb  kaum  als  ernsthaft  bezeichnet  werden  können (vgl. BGE 125 II 265 E. 4b S. 275). Da die Beschwerdebegehren  – wie  sich  aus  vorstehenden  Erwägungen  ergibt  –  als  aussichtslos  zu  bezeichnen  waren,  sind  die  kumulativen  Voraussetzungen  für  die  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  nicht  erfüllt.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  im  Sinne  von  Art. 65  Abs. 1 VwVG ist abzuweisen. 9.  Bei  diesem  Ausgang  des  Verfahrens  sind  die  Kosten  den  Beschwerdeführenden  aufzuerlegen  (Art. 63  Abs. 1  VwVG)  und  auf  insgesamt  Fr. 600.–  festzusetzen  (Art.  1  –  3  des  Reglements  vom  21.  Februar  2008  über  die  Kosten  und  Entschädigungen  vor  dem  Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).

D­7278/2009 (Dispositiv nächste Seite)

D­7278/2009 Demnach erkennt das Bundesverwaltungsgericht: 1.  Die Beschwerde wird abgewiesen. 2.  Das  Gesuch  um  Gewährung  der  unentgeltlichen  Rechtspflege  wird  abgewiesen. 3.  Die  Verfahrenskosten  von  Fr. 600.­  werden  den  Beschwerdeführenden  auferlegt.  Dieser  Betrag  ist  innert  30  Tagen  ab  Versand  des  Urteils  zu  Gunsten der Gerichtskasse zu überweisen. 4.  Dieses  Urteil  geht  an  die  Beschwerdeführenden,  das  BFM  und  die  zuständige kantonale Behörde. Der vorsitzende Richter: Die Gerichtsschreiberin: Robert Galliker Daniela Brüschweiler Versand:

D-7278/2009 — Bundesverwaltungsgericht 29.09.2011 D-7278/2009 — Swissrulings